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3365 Quantenkontinuum

Ein neues Verfahren macht Berechnungen effizienter. Das Quantenkontinuum ist ein riesiger Fortschritt für Wissenschaft und Technik. Damit werden Simulationen drastisch beschleunigt und erreichen absolute Genauigkeit. Die Zeiten diskreter Quantencomputer sind vorbei. Das Kontinuum ist viel besser. Das Quantenkontinuum gibt der technischen Entwicklung neuen Schwung.

Das war auch bitter nötig, denn Wissenschaft und Technik stagnieren. Der sogenannte Standard-Techlevel – der technische Stand der interstellaren Zivilisation – ist sehr hoch. Aber er entwickelt sich fast nicht mehr weiter. Die moderne Technik und ihre wissenschaftlichen Grundlagen sind sehr kompliziert. Viele Geräte der modernen Großtechnik sind schwierig herzustellen und zu betreiben. Und sie beruhen auf physikalischen Grundlagen, die nur wenige Sophonten (aufgerüstete Menschen, andere Völker oder KI) vollständig verstehen.

Das gilt nicht so sehr für Alltagsgeräte. Die private Autofab, die alles für den täglichen Gebrauch herstellt, die intelligente Materie, die alle Formen annehmen können, Feldschirme, die nahezu immaterielle Objekte erzeugen. Diese Alltagstechnik ist hochentwickelt und über Jahrhunderte optimiert. Was alltägliche Gegenstände in der Mitte des vierten Jahrtausends können, wirkt wie Magie. Trotzdem gehört das alles zum gewöhnlichen Teil des Standard-Techlevels.

Die Produktionsmittel, mit der man die Alltagsgegenstände herstellt, sind in einer anderen Liga. Dazu gehört industrielle Großtechnik, wie Rohstoff-Extraktion und -Separation, die Herstellung von Metamaterialien als Fab-Input, Überlichttriebwerke für den Transport der Waren mit tausendfacher Lichtgeschwindigkeit und Energiespeicher, die für kurze Zeit die Leistung einer Sonne abrufen können. Diese Geräte definieren eigentlich den Techlevel. Sie machen das fantastische Leben im vierten Jahrtausend erst möglich. Sie stellen die Infrastruktur für den modernen Alltag. Und sie zeigen die wahren technologischen Fähigkeiten einer Zivilisation. Diese Geräte sind komplex. Sie sind schwierig herzustellen und schwierig zuverlässig zu betreiben. Weil sie sehr genau sein müssen, oft mit idealen räumlichen Anordnungen im subatomaren Bereich, mit perfekten Materialien ohne Fehlstellen oder Verunreinigungen. Im Betrieb müssen sie Terawatt-Leistungen pro Kubikmeter verarbeiten und ihre Steuerung braucht Rechenleistungen im Bereich von Exa-Qaps (Quantum Annealings per Second).

In diesem Umfeld ist es schwierig noch etwas zu verbessern. Kleine Änderungen an einzelnen Parametern können andere Parameter abstürzen lassen. Perfekte fehlerfreie Materialien lassen sich nicht mehr verbessern. Die bekannten wissenschaftlichen Prinzipien sind ausgereizt und Neue sind nicht in Sicht. Deshalb stagniert der Techlevel auf hohem Niveau. Solange eine Zivilisation wohlhabend ist und sich die aufwändige teure Technik leisten kann, solange kann sie immerhin den Techlevel halten. Aber weitere Verbesserungen sind selten und wenn es sie gibt, dann ist der Aufwand sehr groß, selbst für kleine Fortschritte.

Spürbare Fortschritte sind selten geworden. Vor allem so große Schritte wie der Paradigmenwechsel vom alten diskreten Quantencomputer zum Kontinuum. Ein Schritt vergleichbar mit der Digitalisierung oder der Ablösung von Digitalrechnern durch Quantencomputer. Das Quantenkontinuum berechnet nicht nur ein Ergebnis blitzschnell, sondern alle Ergebnisse. Nicht nur einen Datenpunkt wie der Quantencomputer, sondern die gesamte Lösung in analytischer Form. Es gibt keine Näherungen mehr, keine Iterationen, keine diskreten Schritte, keine Simulationen auf Gitterpunkten. Es gibt nur noch komplette global exakte Lösungen. Statt quantengestützter Numerik, die für einzelne finite Elemente oder Voxel schnell Ergebnisse liefert, gibt es nun ein neues kontinuierliches Paradigma. Kontinuierlich statt diskret, final statt iterativ, global statt lokal, ideal statt approximiert. Die Exaktheit der Ergebnisse ist nicht mehr durch die Genauigkeit des mathematischen Modells beschränkt. Und vor allem berechnet das Quantenkontinuum auf einen Schlag die vollständige Lösung.

Davon profitieren alle Zweige von Wissenschaft und Technik: Materialwissenschaft, Biosynthese, Konstruktion, Systembetrieb. Alle Bereiche stützen sich seit langer Zeit auf Simulationen. Simulationen, berechnete Modelle, werden bei der Suche nach neuen physikalischen Theorien ebenso eingesetzt, wie bei der Planung von neuen Produkten. Bei jedem neuen Virus für die Lebensmittelindustrie wird erst die Wirkung simuliert, bevor es wirklich hergestellt wird. Eine neue Autofab für den privaten Haushalt wird in ihrer gesamten Funktion auf atomarer Ebene simuliert und optimiert. Sogar neue Quantenhardware wird erst virtuell getestet und dann gebaut.

Mit besseren Simulationen kann man effizientere und bessere Geräte entwerfen. Das gibt einen neuen Schub in Wissenschaft und Technik. Jetzt besteht endlich wieder die Möglichkeit, die Technologie voranzutreiben. Verbesserungen sind immer noch schwierig, aber möglich. Das passiert nicht alles sofort. Aber zum ersten Mal seit langer Zeit kann man Raumkrümmer wieder schneller machen. Erst um 10 Prozent innerhalb von 30 Jahren, später dann weiter bis zu einem ÜL-Faktor von 6.000. Auch in anderen Bereichen gibt es signifikante Fortschritte. Effizienzsteigerungen von 10 oder 20 Prozent sind typisch. Das hört sich nicht viel an im Vergleich zur exponentiellen Entwicklung der Technologie im frühen dritten Jahrtausend. Aber wie sich später herausstellte war die damalige Entwicklung gar nicht exponentiell. Sie war nur der dynamische Bereich einer sigmoidalen Kurve, die spätestens Mitte des dritten Jahrtausends in die Sättigung ging. Von da an waren Fortschritte sehr aufwändig. Die meisten Verbesserungen kamen nur noch von außen, als die Menschheit den interstellaren Techlevel adaptierte.

Aber mit dem Quantenkontinuum als Hebel-Technologie machen nun viele Wissenschaften einen Sprung. Die Menschheit trägt jetzt zum ersten Mal selbst zum interstellaren Techlevel bei. Die Grenzen des Machbaren werden verschoben. Die Menschheit hat einen neuen Höhepunkt erreicht.

#Quantencomputer #Technologie #Wissenschaft

http://jmp1.de/h3365

3141 Treibstoff-Kartusche. Tatakoto/Südpazifik

-- 100 Dinge aus 1000 Jahren --

Die Treibstoff-Kartusche für einen 100 MW pB11 Reaktor.

Eine improvisierte Bohr/Wasserstoff Kartusche für einen illegalen Fusionsreaktor im Slum der Markandaya Bhavana Arkologie.

Im Zuge der Isolation der Erde vor 140 Jahren kappten die Fremdherrscher des Solsystems die Energielieferungen der sonnennahen Solarkraftwerke zur Erde. Aber die Solarkraftwerke waren damals bei weitem nicht die einzige Energiequelle. Ein Großteil der Energie für die Erde stammte aus fraktalen Reaktoren im Orbit und aus regionalen Fusionskraftwerken am Boden. Damit konnte der Ausfall weitgehend kompensiert werden.

Nach dem Machtübergang an die dellianische Hierarchie, wurden auch die orbitalen Kraftwerke abgeschaltet. Damit blieben nur noch die Fusionsanlagen am Boden. Das war ein dramatischer Einschnitt. Energie wurde plötzlich sehr knapp. Deshalb wurden in aller Eile zusätzliche Kraftwerke aufgebaut. Man favorisierte regionale oder kommunale Anlagen, die nicht nur robuster gegen Störungen aus dem Orbit sein würden als große Kraftwerke, sondern auch von lokalen Organisationen, Firmen, Stadtteilen und Vereinen finanziert werden konnten. Auf dem Techlevel des 4. Jahrtausends ist ein pB11-Fusionsreaktor zum Glück eine relativ einfache Technologie. Moderne industrielle Fabs können alle Komponenten direkt herstellen. Man benötigt zwar hochreine Fab-Feeds, aber keine komplexen Metamaterialien. Rechtefreie oder rechtebefreite Fab-Designs sind im öffentlichen Netz verfügbar. Abfallprobleme gibt es nicht. Der Proton-Bor Prozess liefert schnelle Alphateilchen, die durch elektromagnetische Direktumwandlung zu Strom werden und danach als Helium ohne Strahlung in die Umwelt entlassen werden können. Früher gab es geringe Strahlenbelastungen durch Sekundärreaktionen, die die Anlage langsam auf niedrigem Niveau belasteten. Aber diese Probleme hat die moderne Materialwirtschaft schon lange gelöst.

Zehn Jahre nach der Reduzierung auf bodengebundene Anlagen muss die Erde trotzdem mit zehnmal weniger Energie auskommen, als vor der Machtübernahme. Vorher war der Energieverbrauch verschwenderisch gewesen, denn Energie war günstig. Auch nach der Reduzierung ist der pro-Kopf Verbrauch immer noch viel höher, als in der Zeit vor der allgemein verfügbar Fusionstechnologie. Trotzdem war die Reduzierung schmerzhaft, denn die riesige Bevölkerung der Erde war nur tragbar durch den massiven Einsatz von Technologie und Energie. Die Bevölkerung ist immer noch da, aber es fehlt die Energie für vertikale Farmen, für Wasserentsalzung in den Millionenstädten der Ozeane, für vollständiges Recycling und vieles andere mehr, was 30 Milliarden Menschen für selbstverständlich hielten.

Letztlich konnte der Bedarf nicht gedeckt werden. Nicht alle potentiellen Abnehmer wurden ausreichend versorgt. Energieproduzenten und -verteiler verwalteten den Mangel. Sie bestimmten, wer genug Energie bekam für seine wirtschaftlichen Aktivitäten, für Güterproduktion oder Nahrungsmittelherstellung. Die Energiewirtschaft wurde sehr mächtig. Nicht nur hohe Preise, sondern auch Gefälligkeiten, Nebengeschäfte und Korruption entschieden über Energiezuwendungen. Im Lauf der Zeit entwickelten sich feudale Strukturen. Energie wurde zum Machtinstrument. Und die, die die Macht hatten, wollten verhindern, dass andere sich von ihnen unabhängig machten. Nur 50 Jahre nachdem die Errichtung von lokalen Fusionsanlagen im großen Stil öffentlich gefördert worden war, wurden die ersten Verbote beschlossen. Aus "Sicherheitsgründen" wurde der Betrieb privater Kleinreaktoren in einigen Regionen der Erde verboten. Anlagen mussten lizensiert werden. Sie unterlagen strengen Auflagen und Quoten. Sogar bestehende private und kommunale Anlagen mussten sich einer gemeinsamen Energiestrategie unterwerfen. Sie konnten nicht selbst entscheiden, an wen sie Energie lieferten. Es gab Energiekommissare, die über Produktion und Verteilung wachten. Nach 80 Jahren war der Betrieb privater Kraftwerke fast überall illegal, nicht nur auf den festen Landflächen, sondern auch in den ozeanischen Agglomerationen und in der Tiefsee.

Die Kartusche stammt aus der Umgebung der schwimmenden Markandaya Bhavana Arkologie beim Tatakoto-Massiv im Südpazifik. Die Arkologie ist das regionale Zentrum. Dort lebt eine halbe Million in relativem Wohlstand. Die Arkologie hat eigene legale Reaktoren. Um die Arkologie gibt es weitere Siedlungen, viele davon mit primitiven Behausungen und prekären sanitären Verhältnissen. Die Gesamtbevölkerung der Tatakoto-Markandaya Agglomeration ist 10 Millionen. Offiziell wird die ganze Agglomeration durch Markandaya Bhavana mit Energie versorgt. Aber die Energie ist teuer, viel teurer, als sie sein müsste. Und es gibt keine stabilen Lieferverträge. Das Energieprivileg kann jederzeit entzogen werden. Dann gehen Unternehmen Konkurs, Menschen hungern oder verdursten, weil plötzlich kein Meerwasser mehr entsalzt wird. Deshalb versuchen viele, sich selbst zu versorgen. Sie betreiben illegale Reaktoren. Sie müssen ständig auf der Hut sein vor den Energiekommissaren der Arkologie. Die illegalen Reaktoren wechseln oft den Standort. Energieleitungen – elektrisch oder Hohlleiter – müssen getarnt werden. Oft wird die Energie illegaler Reaktoren auch über ein Netz schnell wechselnden Drahtlosstrecken verteilt.

Fusionsreaktoren brauchen eine Wasserstoffquelle und das Bor-11 Isotop. Beides gibt es in ausreichenden Mengen auf der Erde, in Lagerstätten und in den Weltmeeren. Manche arbeiten mit Diboran-11, einer Bor-11/Wasserstoff-Verbindung, die beide Elemente enthält. Andere, wie die vorliegende Kartusche, liefern die Elemente getrennt an den Reaktor, der dann etwas einfacher ist und keine eigene Vorverarbeitung braucht. Die Kartusche entspricht dem südpazifischen Standard für Fusionsanlagen bis 100 MW.

#Fusion #Technologie #Slum #Illegal

http://jmp1.de/h3141

3225 Flux-Manifest

Ein neues Prinzip macht den Betrieb von komplexer Großtechnik effizienter.

Auf der SimDes XL Konferenz, (40. Simulationsdesign Konferenz) im Bereich Betriebswissenschaft (Operational Science, kurz: OpS), im Boipuso-Habitat (Cobol-System, Poseidon-Orbit), verfassen einige Teilnehmer die 42 Grundprinzipien der Flux-orientierten Betriebs. In diesem Manifest sammeln die ersten Flux-Anwender systematisch ihre Erkenntnisse. Flux und seine Derivate führen Mitte des 33. Jahrhunderts dann zu einer deutlichen Effizienzsteigerung beim simulationsbasierten Betrieb von Hightech-Anlagen, wie fraktalen Reaktoren, Raumkrümmern, Ultrakapazitoren und anderer Großtechnik.

Kern von Flux ist die Akzeptanz des chaotischen Charakters moderner Systeme und die Aufgabe der umfassenden Ablaufsteuerung zugunsten eines kurzfristigen, iterativen Regelungsansatzes.

Großtechnische Anlagen bestehen aus sehr vielen Komponenten. Sie verarbeiten hohe Energiedichten und müssen genaue räumliche und zeitliche Toleranzen einhalten. Schon die Einzelkomponenten laufen mit stets variierenden Leistungsparametern. Gesamtsysteme aus vielen komplexen Komponenten verhalten sich dann oft chaotisch.

Die meisten Verfahren im OpS-Mainstream simulieren technische Systeme mit großem Aufwand, oft auf atomarer Ebene. Die Simulationen verhalten sich wie die realen Anlagen chaotisch, aber man kann sie durch entsprechende Steuerung in quasi-chaotische Betriebszustände bringen, die besser kontrollierbar sind. Diese Zustände entsprechen Attraktoren im Phasenraum der Betriebsparameter. Durch Komplettsimulationen identifiziert man die Attraktoren. Deren Betriebsparameter werden dann benutzt, um die realen Zielsysteme zu konfigurieren. Allerdings erkauft man sich die scheinbare Beherrschbarkeit oft durch eine etwas geringere Gesamteffizienz.

Flux-basierte Verfahren gehen davon aus, dass man nicht den gesamten Betrieb durchplanen kann. Die sogenannten Flussparameter der chaotischen Attraktoren werden regelmäßig neu bestimmt und die Steuerungsmethoden entsprechend angepasst. Damit ermöglicht man effizientere Betriebszustände, die bei "globaler Kontrolle" oft unterdrückt werden. Systeme geraten zwar auch immer wieder in ungeordnete chaotische Zustände mit geringerer Effizienz. Aber es zeigt sich, dass Flux-Betrieb im langfristigen Mittel überlegen ist.

Flux kommt um 3210 mit der Verlagerung von solaren Aktivitäten in das Cobol System. Nach der Etablierung des Protektorats bei Cobol, siedeln sich viele solare Firmen und Organisationen bei Cobol an. Einige arbeiten nach Flux. Sie stehen im Austausch und in Konkurrenz mit ihren Cobol-basierten Geschäftspartnern. Um 3220 führen einige Early-Adopter von Cobol Flux ein. Einige Jahre nach dem Manifest (um 3230) erreicht Flux den Mainstream des OpS in der interplanetaren Cobol-Zivilisation. Mit der interstellaren Koordination des Abwehrkampfes gegen die Chinti-Schwärme kommen Flux und seine Derivate schließlich auch in andere Sonnensysteme. Die technischen Direktiven von 3240 zur Angleichung operativer Standards im Rahmen der interstellaren Verteidigungskooperation lassen Dienstleistern die Wahl zwischen (Cobol-)MilDevOpS-Standards, Vollsimulation nach Xiao Chu und Flux-Prinzipien. Damit ist Flux im Mainstream angelangt und sogar im sicherheitskritischen Bereich akzeptiert.

Die Ursprünge von Flux liegen in einer dellianischen Herangehensweise, die die Menschen des Solsystems während der Besatzung kennengelernt haben. Dellianer haben einen anderen technologischen Hintergrund als die Menschen. Sie haben alle ihre moderne Technik von anderen Völkern übernommen. Wesentliche Quellen waren Interia und Gorman. Auch die Menschen des Solsystems haben technische Geräte und Technologie von anderen übernommen, vor allem von Kisor. Aber das war ein langer Prozess in dessen Verlauf fremde Technologie untersucht und adaptiert wurde. Die Übernahme von Exotechnologie wurde wissenschaftlich begleitet. Parallel entwickelten die Menschen die moderne Betriebswissenschaft (OpS) inklusive quasi-chaotischer Systeme (Chaos-OpS = CaOpS). Solare CaOpS-Prinzipien fokussieren traditionell auf eine möglichst perfekte Kontrolle von Hightech-Systemen, während Dellianer eher dazu tendieren, die Randbedingungen der jeweils übernommenen Technik zu akzeptieren. Dellianer improvisieren. Sie priorisieren Funktion über Perfektion.

Aus Sicht der solaren CaOpS braucht moderne Hightech Perfektion in Design, Produktion und Betrieb, um zu funktionieren. Das Streben nach Perfektion in CaOpS wurde um 2800 zum Dogma. Das war möglicherweise ein Mitgrund für die wissenschaftlich/technische Stagnation des 29. Jahrhunderts. Dieser Trend wurde erst während der langen Besatzung des Solsystems unterbrochen. Die Dellianer übernahmen die solare Wirtschaft und gestalteten sie um. Das war katastrophal für die Gesamtwirtschaft. Nach Putsch, Wirren, und interstellarem Krieg war die Wirtschaftsleistung um 90% geschrumpft. Spätestens 2970 war solare CaOpS als angewandte Wissenschaft verschwunden. Aber erstaunlicherweise liefen viele Anlagen zuverlässig weiter. Manche sogar besser als vorher. Solare CaOpS-Prinzipen und Optimierungen nach Xiao Chu wurden ersetzt durch die dellianische Impuls-Praktik.

Dellianer sind, entgegen unseren Vorstellungen, nicht nur Krieger und Machtpolitiker. Sie haben auch viele Techniker, die bei Plünderungen "erworbene" Technik nutzbar machen. Dellianische Techniker arbeiten vor allem mit den Geräten anderer Völker. Im Verlauf von zwei Jahrhunderten, zwischen 2700 und 2900, irgendwann zwischen der Plünderung des ersten interianischen Depots mit einem gestohlenen Interplanetarschiff und der interstellaren Herrschaft über den Sektor, entwickelten dellianische Techniker Methoden, um fremde Technik effizient einzusetzen. Dazu gehört auch die Impuls-Praktik von Kasax. Sie beruht darauf, aus der Impulsantwort eines Systems temporäre Parameter abzuleiten, mit denen der Betrieb kurzfristig weitergeführt werden kann. (Eine ähnliche Entwicklung gab es in der frühen solaren Fremdtechnologie-Reaktionsdiagnostik. Aber dieser Ansatz wurde später durch simulationsbasierte Vollkontrolle ersetzt.) Nach der Impuls-Praktik arbeiten Reaktoren, Triebwerke, Molekularstrahldrucker und viele andere großtechnische Einrichtungen gewissermaßen in einem metastabilen Zustand, der immer wieder korrigiert wird, bevor er in ineffiziente Chaosbereiche abgleitet. Ein Prinzip, das nach der solaren CaOpS-Lehre undenkbar wäre. Aber es funktioniert und es wird zum Vorläufer von Flux.

Dellianische Techniker entstammen vor allem dem dritten dellianischen Geschlecht (Apex). Apex bilden Wissens- und Nachrichtennetzwerke über alle Dellianer-Fraktionen hinweg. Diese Organisationen dienen nur dem Wissensaustausch. Sie sind keine Machtinstrumente, denn Apex scheinen keine eigene Machtambition zu haben. Sie haben nur die unbedingte Loyalität zu ihrem Beschützer. Das ist wohl der Grund warum der Wissensaustausch unter Apex nicht durch Beschützer behindert wird. Die Impuls-Praktik von Kasax verbreitet sich schnell. Alle Dellianer-Fraktionen profitieren davon. Während der Besatzung des Solsystems lernen solare Techniker, Menschen und Mech-Sophonten die Impuls-Praktik kennen. Später, nach der Rückeroberung, entwickeln Menschen "Impuls" weiter zur wissenschaftlich fundierten Methode "Flux". Flux kommt mit dem Umzug des Protektorats nach Cobol, durch die gemeinsame Verteidigung zu den anderen Menschenwelten und wird dann eine wichtige Komponente bei der Abwehr der Chinti.

Es gibt sogar Stimmen, die behaupten, dass erst die weit verbreitete Anwendung von Flux-Prinzipien die Reserven freisetzt, die die Menschheit benötigt, um in die Offensive zu gehen und schließlich die Chinti zu besiegen. Dann wäre das Überleben der Menschheit auch dem Barbarensturm zu verdanken, einer langen Besatzungszeit und einem dellianischen Apex namens Kasax.

#Technik #Wissenschaft #Chaos

http://jmp1.de/h3225

2956 Der letzte unabhängige Habitat-Cluster wird von Dellianern übernommen.

Xiao Chu ist ein Verbund von Orbitalen und Torus-Gitter-Habitaten im Asteroidengürtel mit 30 Millionen Einwohnern. Durch geschicktes Agieren innerhalb der dellianischen Feudalstruktur konnte Xiao Chu sehr lange seine Unabhängigkeit bewahren. Aber im Jahr 2956 endet die Selbstverwaltung. Der Fremdherrscher des Solsystems vergibt Xiao Chu als Lehen an einen seiner Vasallen. Xiao Chu war die letzte unabhängige Territorialsouveränität im Solsystem.

Vor der Besetzung des Solsystems war Xiao Chu Marktführer im Bereich Wartung von Hightech-Infrastruktur und -Ausrüstung. Viele bei Xiao Chu ansässige Unternehmen hatten sich auf Fernwartung spezialisiert. Xiao Chu bot selbst nur wenige technische Produkte an. Seine Unternehmen waren vor allem Wartungs- und Betriebsdienstleister für technische Anlagen anderer Hersteller mit einem Fokus auf Hightech-/Highperformance-Systeme, wie:

- Synthesizer für nanostrukturierte Metamaterialien,

- massenspektrometrische Separatoren im Ressourcenabbau,

- massivparallele Molekularstrahldrucker,

- Kraftwerke mit fraktal induzierter Fusion,

- Wandler für energetische Leistungs-Hohlleiter,

- Assembler und Justierwerke für Konverterpole von Raumkrümmern,

- industrielle Präzisionsfabs,

- Hochenergie-Feldschirme für den Strahlenschutz,

- Ultrakapazitoren auf Basis von Kernladungsseparation

und viele andere.

Die modernen Technologien, die Xiao Chu für seine Kunden verwaltet, sind sehr komplex und störanfällig. Fast alle verwenden hohe Leistungsdichten, einige im Bereich von Terawatt pro Kubikmeter. Das produziert mechanischen Stress und Abwärmeprobleme. Trotzdem müssen die Geräte ihre räumliche Anordnung sehr genau einhalten um ihre Funktion zu erfüllen, manche auf Attometer-Dimensionen, dem Tausendstel eines Atomkerndurchmessers. Solche Anlagen bestehen außerdem aus vielen Komponenten, jede mit ihrem eigenen problematischen Störungsprofil. Die Summe der möglichen Fehlerquellen und die Gesamtwahrscheinlichkeit für Ausfälle von Einzelkomponenten führen dazu, dass moderne Hightech-Systeme eigentlich nicht dauerhaft laufen können. Erst spezielle Techniken aus den Bereich der Betriebswissenschaft (Operational Science, kurz: OpS) machen es möglich, diese Systeme profitabel zu betreiben.

Das Systemverhalten moderner Hardware ist sehr komplex. Oft ist es schon im chaotischen Bereich. Es ist quasi-chaotisch. Klassische Maßnahmen, die auf dem Prinzip von Analyse-Aktion-Wirkung basieren, funktionieren dann nicht. Nur durch sehr fortschrittliche Methoden wie präkognitives Wartungsmanagement und topologische Reduktion des chaotischen Phasenraumvolumens werden solche Systeme beherrschbar. Diese Techniken sind die Spezialität von Xiao Chu. Xiao Chu ist außerdem dafür bekannt, das Management quasi-chaotischer Systeme mit differentieller Leistungsoptimierung zu verbinden und mehr Nutzleistung herauszuholen.

Im Zuge der Machtübernahme, erst durch Leccianerhorden und dann endgültig durch Dellianerstämme, wurde die hochspezialisierte und vernetzte solare Wirtschaft empfindlich gestört. In dieser chaotischen Zeit verschwanden viele Firmen vom Markt. Lieferketten wurden unterbrochen und Dienstleister fielen aus. Das betraf auch Wartungsdienstleister, die quasi-chaotische Systeme managen konnten.

Die Technik des Solsystems lief während der Machtübernahme weiter. Die meisten technischen Anlagen werden durch KI-Systeme betrieben und instandgehalten. Auch KIs beherrschen die OpS Grundprinzipien und Standardverfahren für quasi-chaotische Systeme. Aber bei Hightech-Ausrüstung treten trotzdem immer wieder Situationen auf, wo das Spezialwissen der Hersteller gefragt ist. Das war die Domäne von Xiao Chu. Die Bewohner von Xiao Chu hatten sich darauf spezialisiert, als Outsourcing-Dienstleister im Auftrag der Originalhersteller Hightech-Systeme zu betreiben, zu warten und zu reparieren. Ein Großteil des Wissens um den Betrieb von Hightech-Ausrüstung und -Anlagen im mittleren System war bei Xiao Chu konzentriert. Zu diesem Zweck war Xiao Chu auch führend im Wissensmanagement, der Organisation von Know-how, der Speicherung, Anreicherung, Weitergabe und Inferenz.

Xiao Chu war beim Putsch der Leccianer nicht direkt betroffen. Sowohl Jupiter als auch Saturn standen damals auf der anderen Seite des Systems. Deshalb war der Schwerpunkt des Leccianer-Aufmarschs sehr weit weg. Auch später blieb der Habitat-Cluster unabhängig. Mit der Unabhängigkeit konnten die Spezialisten von Xiao Chu auch das Know-how bewahren. Die Konservierung von Wartungs- und Betriebswissen für technische Anlagen war die wesentliche Strategie der Xiao Chu-Führung. Das ging sogar so weit, dass Xiao Chu Kommandounternehmen durchführte, um Wissen von zusammenbrechenden Know-how-Trägern (Unternehmen, Personen, Datenbanken, KI) im ganzen System zu sichern.

Auch die neuen Herrscher mussten komplexe Technik betreiben. Die Beratungsunternehmen von Xiao Chu wurden zu wichtigen Dienstleistern der Fremdherrscher. Deshalb war Xiao Chu unverzichtbar, sowohl für den Lebensstandard der dellianischen Herrscher, als auch für ihre Kriege.

Der Dellianer Bilsass erkannte, dass gerade die Unabhängigkeit der Schlüssel zur Bewahrung des Know-hows war. Denn dieses Wissen liegt bei einzelnen Firmen, in ihren Datenbanken und bei Individuen, Menschen und Infosophonten. Essentiell ist auch das Beziehungsgeflecht zwischen den Wissensträgern. Diese Netzwerke werden organisiert durch die Beratungsfirmen von Xiao Chu. Bilsass ist bewusst, dass eine Störung der Strukturen zum Verlust von Xiao Chu als strategischer Ressource führen würde. Überall im Solsystem waren in der Folge der Machtübernahme Lieferketten zerbrochen, Märkte fragmentiert und Wissenscluster verschwunden. Diesen Fehler wollte Bilsass bei Xiao Chu vermeiden. Deshalb stellte er Xiao Chu unter seinen persönlichen Schutz.

Ein wichtiges Argument sind auch die hohen Gewinnausschüttungen direkt an Bilsass. Letztlich ist das ein zusätzlicher Geldstrom der anderen Beschützer an Bilsass. Dieser Nebeneffekt ist aber auch immer wieder ein Grund für Unzufriedenheit unter den anderen Beschützern. Das dellianische Feudalsystem ist keine absolute Herrschaft von oben herab, sondern ein empfindliches Gleichgewicht zwischen Rechten, Pflichten und Macht aller Beschützer. Viele der anderen Beschützer sind der Meinung, dass eine strategische Ressource wie Xiao Chu nicht automatisch dem Oberhaupt des Feudalsystems zufallen sollte. Wie alle Ressourcen sollte sie einem anderen Beschützer gehören, um nicht direkt die Macht von Bilsass zu stärken. Sie sehen in der direkten Kontrolle von Xiao Chu durch Bilsass ein Ungleichgewicht. Und natürlich gibt es einige, die selbst die Kontrolle erlangen wollen.

Immer wieder stand die Unabhängigkeit von Xiao Chu auf der Kippe. Mal konnte die Macht von Bilsass den Status quo bewahren, ein anderes Mal gezielte Einmalzahlungen oder Leistungen von Xiao Chu an einzelne Beschützer. Nicht nur die Marktposition und Bilsass schützen Xiao Chu, sondern auch das geschickte Spiel der Cluster-Führung im Feudalsystems. Der Vorsitzende des Cluster-Rats ist informell ein Beschützer in der dellianischen Hierarchie. Auch wenn er intern demokratisch legitimiert ist.

Als Beschützer ist er allerdings auch Ziel von Intrigen und Verschwörungen. Bisher hatte die Führung Xiao Chus diese Herausforderung gut gemeistert, aber im Jahr 2956 läuft sie in eine Falle. Xiao Chu wird das Opfer einer Verschwörung, die sich eigentlich gegen Bilsass richtet.

Wenige Monate zuvor hatte das Solsystem unter den Dellianern das Luhman 16 System in 6 1/2 Lichtjahren Entfernung angegriffen. Die dortige interplanetare Zivilisation hatte sich erfolgreich widersetzt und den Angriff abgewehrt. Die solaren Schiffe mussten sich unter schweren Verlusten zurückziehen.

Viele solare Beschützer waren dem Aufruf von Bilsass gefolgt und hatten Mittel oder Schiffe für die Invasionsflotte bereitgestellt. Viele hatten sich in der Hoffnung auf reiche Beute verschuldet. Aber der Feldzug lief nicht wie geplant. Es gab keine Beute, sondern nur Verluste. Entsprechend unzufrieden waren die Teilnehmer des Feldzuges.

Viele beteiligte Beschützer sehen in der schlechten Koordination der Angriffsflotten einen Grund für den Fehlschlag. Dieser Vorwurf geht an den Beschützer des Angriffs, einen direkten Vasallen von Bilsass und damit auch an Bilsass selbst.

Tatsächlich war die Mobilität einiger Flottenteile im Einsatzgebiet mangelhaft. Viele der schnellen Fronteinheiten hatten mit Triebwerksproblemen zu kämpfen und konnten deshalb nicht effizient an koordinierten Manövern teilnehmen. Der Grund war eine schlechte Abstimmung der Betriebsparameter an das Einsatzprofil. Dieser Vorwurf geht primär an Xiao Chu, denn Xiao Chu hatte den Generalauftrag für die Wartung der Triebwerke von überlichtfähigen Kampfeinheiten.

Die Einheiten hatten den finalen Hochgeschwindigkeitsanflug aus dem Aufmarschgebiet perfekt ausgeführt. Die ersten Angriffe auf vorgeschobene Verteidigungseinrichtungen liefen präzise und erfolgreich. Aber je länger die Kämpfe dauerten und je mehr die Angreifer auf Gegenwehr stießen, desto mehr Probleme traten bei den Antrieben auf. Bis schließlich die mobilen Kampfeinheiten als taktische Komponente praktisch ausfielen. Damit konnten sie die Sublicht-Trägerplattformen, die die Hauptlast des Angriffs trugen, nicht mehr schützen. Als dann immer mehr Träger von den hochmobilen Verteidigern neutralisiert wurden, mussten sich die Angreifer zurückziehen.

Die Einstellung der Überlichttriebwerke war tatsächlich ungeeignet für den Einsatz. Sie waren für ein anderes Einsatzprofil vorgesehen. Xiao Chu hatte mit dem falschen Einsatzprofil gearbeitet.

Die Vorbereitung der Überlichttriebwerke der Angriffsflotte war eine gewaltige Aufgabe. Xiao Chu hatte den Generalauftrag und nur wenige Monate Zeit. Zigtausend Triebwerke mussten analysiert, gewartet und eingestellt werden. Vieles davon ist automatisiert und standardisiert. Ein Mitarbeiter kann hunderte solcher Anlagen betreuen. Trotzdem mussten die Firmen von Xiao Chu dafür ihre zivilen Kunden lange Zeit vernachlässigen.

Der Auftrag an Xiao Chu kam von Deimarsax, dem Ausrüstungsveranwortlichen für die Überlicht-Kampfeinheiten und Beschützer der großen Werften auf dem Marsmond Deimos und im Marsorbit. Während der Vorbereitung des Feldzugs wurden verschiedene Angriffspläne ausgearbeitet. Jeder Plan mit spezialisierten Einsatzprofilen für alle Flottenteile.

Die Einsatzprofile für Überlicht-Kampfeinheiten unterschieden sich sehr, abhängig von der Rolle, die diese Einheiten spielen sollten. Xiao Chu benutzte für die Vorbereitung einen Plan in dem die Einheiten primär Hochgeschwindigkeitsangriffe durchführen sollten, um die statische Verteidigungsinfrastruktur auszuschalten. Dabei waren vor allem hohe Geschwindigkeiten bei längerer Laufzeit gefragt, ein sogenanntes Bombing-Profil. Tatsächlich dienten die schnellen Einheiten dann aber vor allem als mobiler Begleitschutz der Trägerplattformen. Sie waren für diesen Einsatzzweck angemessen bewaffnet, aber ihre Triebwerke waren nicht für viele kurze Manöver in Kämpfen mit anderen mobilen Einheiten vorgesehen (Dogfight-Profil).

Deimarsax hatte Xiao Chu den falschen Einsatzplan übermittelt. Er hatte damit absichtlich den Angriff sabotiert. Sein Ziel war, den Angriff scheitern zu lassen, um Bilsass, den Beschützer des Solsystems zu schwächen und gleichzeitig Xiao Chu zu diskreditieren. Deimarsax hatte selbst viel in diesen Feldzug investiert. Er hatte sich dafür verschuldet und dafür gesorgt, dass das öffentlich bekannt ist. Er verlangt nun Schadenersatz. Er hat die anderen geschädigten Beschützer auf seiner Seite. Bilsass ist in der Defensive und sucht nun einen gesichtswahrenden Ausweg.

Zwei Monate nach dem fehlgeschlagenen Angriff auf Luhman 16 gibt es einen Konflikt zwischen Vasallen von Deimarsax auf dem Mars-Ring. Es ist eine ganz normale Konkurrenz zwischen zwei Beschützern um Ressourcen und Territorien. Die Konflikte werden sowohl wirtschaftlich, als auch militärisch ausgetragen. Die übergeordneten Beschützer, die Lehensherren, lassen diese Konflikte zu, solange sie ihre Interessen nicht stören.

Im Verlauf des Konflikts versucht einer der Kontrahenten Druck auszuüben indem er die Kreditlinie der Firma Corebridge Energy (ebenfalls Mars-Ring) bei seiner Bank, First Vortex Holdings, kündigt. Corebridge ist ein Anbieter von Hochleistungskapazitoren. Die Firma musste für die Luhman 16 Kampagne sehr viele Schiffe ausrüsten. Wie Xiao Chu war auch Corebridge monatelang mit den Vorbereitungen für Luhman 16 beschäftigt. Unter den vielen Beschützern, die ihre Schiffe während den Angriffsvorbereitungen ausrüsten ließen, hatten einige nicht sofort für die Leistung bezahlt. Trotzdem musste Corebridge Energy die Aufträge ausführen, um nicht die Rüstungsanstrengungen zu gefährden und in Konflikt mit dem Beschützer des Solsystems zu geraten. Deshalb wurde für Corebridge eine gigantische Kreditlinie eingerichtet. Auch Monate nach dem fehlgeschlagenen Angriff stehen immer noch riesige Summen aus.

Corebridge Energy ist ein Tera-Player, einer der Marktführer in seiner Branche und Hochleistungsenergiespeicher sind kapitalintensive Produkte. Corebridge bewegt deshalb routinemäßig sehr große Werte. Aber die Außenstände seit der Luhman 16 Kampagne sind ohne eine solide abgesicherte Kreditlinie nicht tragbar. Die Kredite sind garantiert durch ein Konsortium von wohlhabenden Beschützern. Trotzdem bringt die Kündigung der Kredite Corebridge in Schwierigkeiten. In dieser Situation kündigt Deimarsax an, dass seine Werften den Auftrag für Schiffskapazitoren neu ausschreiben. Damit droht Corebridge seinen größten Kunden mit 20 % des Geschäfts zu verlieren. Andere Kunden zögern mit Anzahlungen. Mangels aktiver Kreditlinie meldet Corebridge Zahlungsschwierigkeiten. Der Cash-Flow bricht zusammen.

Mehrere Unternehmen von Xiao Chu sind Wartungsdienstleister für die Produkte von Corebridge Energy. Einige Großkunden dieser Unternehmen werden unruhig. Sie befürchten, dass es bei einem Zusammenbruch von Corebridge Schwierigkeiten mit Ersatzteillieferungen geben könnte. Einige verlangen von Xiao Chu, die Fab-Pläne zu sichern, darunter: Deimarsax. Xiao Chu holt von mehreren Beschützern auf dem Mars-Ring die Zustimmung für eine verdeckte Info-Extraktion ein.

Eine Woche später beauftragt Xiao Chu die am MaGNet (Mars Geostationary Network) ansässige Sicherheitsfirma Gra-Nun-Tek Security, das Know-how durch eine Info-Extraktion zu sichern. Xiao Chu schickt mehrere Mitarbeiter als Infosophonten per Laser zum Mars-Ring. Dabei sind Experten für die Corebridge Produkte, Infowar-Spezialisten und die Einsatzleitung. Der physische Zugriff soll durch Gra-Nun-Tek bereitgestellt werden, während Personal und KI von Xiao Chu die Daten lokalisieren und extrahieren. In der Vorbereitung gelingt es Gra-Nun-Tek, auf dem Schwarzmarkt einen Zugangscode für den Verwaltungsbereich von Corebridge Energy zu kaufen. Das ist nicht ungewöhnlich. Zu jeder Zeit sind viele Zugangscodes für physischen und Info-Zugriff verfügbar. Es erscheint wie eine glückliche Fügung, dass gerade ein passender Code für Corebridge Energy angeboten wird. Damit ist ein gewaltfreier Zugang möglich.

Am Tag der Info-Extraktion schaltet Gra-Nun-Tek die Sensoren im Eingangsbereich von Corebridge Energy auf einen Fakestream. Das Einsatzteam öffnet den Zugang zum Verwaltungsmodul mit dem eingekauften Code und betritt das Habitat Modul. Die Leute von Gra-Nun-Tek tragen leichte Stealth/Panzerung. Das Xiao Chu Personal ist in getarnten Mikromechs dabei, die von Gra-Nun-Tek bereitgestellt wurden. Das Team dringt weiter vor. Die Räumlichkeiten sind den Mitarbeitern von Xiao Chu gut bekannt. Sie identifizieren einen geschützten Netzknoten über den man in die Fab-Datenbank gelangen kann. Nur eine Titanplatte und 8 Stahlbolzen sind noch im Weg. Ein Hindernis, das man mit 8 Mikroschneidladungen einfach beseitigen kann. Das ist geräuschlos und erschütterungsfrei, da die Schneidladungen mit Kompensatoren ausgerüstet sind, die durch gesteuerte Mikroexplosionen alle mechanischen Effekte unterdrücken.

Die Ladungen werden angebracht und gezündet. Dann zerreißt eine Explosion von fünf Tonnen (TNT-Äquivalent) das Verwaltungsmodul von Corebridge und angrenzende Habitat-Module. Darunter befindet sich auch das Vertriebszentrum der Werften von Deimarsax. Es gibt insgesamt 1353 Opfer, davon 867 final. Auch das Einsatzteam wird komplett gewiped, allerdings nicht final.

Das Netz ist plötzlich voll von geheimen Details der Info-Extraktion von Xiao Chu und Gra-Nun-Tek. Xiao Chu trägt in der öffentlichen Meinung als Auftraggeber die Hauptschuld an der Katastrophe. Deimarsax verlangt Schadenersatz von Xiao Chu und damit von Bilsass. Er beklagt die Verantwortungslosigkeit der Menschen in Selbstverwaltung, ihre Inkompetenz bei der Durchführung der Geheimoperation und überhaupt die Tatsache, dass Menschen ohne Erlaubnis Geheimoperationen ausführen. Er fordert, Xiao Chu besser zu kontrollieren.

Bilsass, der seit der Kampagne gegen Luhman 16 angeschlagen ist, gibt schließlich dem Drängen nach. Er kann seine Autorität auf einen Schlag komplett wiederherstellen durch die Erneuerung des Abhängigkeitsverhältnisses mit dem Beschützer der Deimos-Werften. Deimarsax verpflichtet sich öffentlich zu bedingungsloser, kritikfreier Treue. Im Gegenzug erhält er Xiao Chu, um es als neues Lehen an einen seiner eigenen Vasallen zu vergeben.

Damit verliert nun auch Xiao Chu seine Unabhängigkeit.

Die wahren Hintergründe um die Übermittlung des falschen Einsatzprofils für Luhman 16 und die komplexen Details der Abstimmung von Raumkrümmern für Höchstleistungen in verschiedenen Einsatzprofilen werden nie bekannt.

Der Konflikt zwischen den zwei Beschützern am Mars-Ring im Zuge dessen First Vortex Holdings neue Kredite an Corebridge Energy verweigerte, war künstlich herbeigeführt.

Die Neuausschreibung des Schiffskapazitoren-Auftrags durch die Deimos-Werften, die Corebridge endgültig in Schieflage brachte, war schon lange geplant aber trotzdem kein Zufall.

Der günstige Umstand, dass der Zugangscode zum Corebridge-Modul auf dem freien Markt verfügbar war, erscheint rückwirkend in einem anderen Licht.

Die Tatsache, dass einige Mikroschneidladungen eigentlich nicht mehrere Habitat-Module zerstören können, geht im entstandenen Chaos unter.

Xiao Chu kann nicht belegen, dass vor dem Info-Extraktionseinsatz die notwendigen Einverständniserklärungen eingeholt wurden, weil der Datensatz verschwunden ist.

Bilsass vermutet, dass die Kette der Ereignisse absichtlich herbeigeführt wurde. Aber seine neue gefestigte Position ist alles was zählt.

#Industrie #Krieg #Hightech #Chaos #Verschwörung #Unfall

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2969 1000-jähriges Jubiläum der ersten Mondlandung

Den tausendsten Jahrestag der ersten Mondlandung hatten sich die Menschen anders vorgestellt.

Das 500. Jubiläum war ein großes Fest im ganzen Sonnensystem gewesen. Kurz zuvor war zum ersten Mal ein Schiff (effektiv) schneller als das Licht geflogen. Die interplanetare Zivilisation im Solsystem wuchs rasant und war im Begriff interstellar zu expandieren. Die Menschheit feierte damals ihre Errungenschaften. Es herrschte Aufbruchstimmung.

Aber im Jahr 1000 "nach Tranquility" ist alles anders. Es gibt keine Feiern und keine Aufbruchstimmung. Nichts ist wie es sein soll. Das Sonnensystem ist sein 70 Jahren besetzt. Erst kamen Leccianer-Horden, dann Rog-Ozar, dann Dellianer. Die solare Wirtschaft ist zusammengebrochen, geschwächt durch Misswirtschaft und ausgeblutet durch aufgezwungene interstellare Kriege. Die Verhältnisse haben sich umgedreht. Noch vor 75 Jahren beschäftigten solare Mächte die Neo-Barbaren als Söldner. Jetzt ist solare Menschheit selbst ein Hilfsvolk von Barbarenstämmen. Sie muss deren Kriege führen und die Mittel für die luxuriöse Lebensweise der Besatzer aufbringen.

Die Besatzer dominieren die Orbits der Planeten und die hohe Atmosphäre der Venus. Dort gibt es noch weitgehend funktionierende Technologie. Automatische Reparatursysteme halten viele technische Anlagen am Laufen und menschliche Sklaven kümmern sich um die dafür nötige Infrastruktur. Technisches Wissen ist gefragt im Orbit. Ohne technische Ausbildung ist man nichts. Aber mit, auch nicht viel. Alle Menschen sind Leibeigene irgendeines Herrschers. Die Menschen halten im Auftrag ihrer Eigentümer technische Systeme so gut wie möglich im Betrieb. Aber es gibt keine Weiterentwicklung und kein Wachstum. Im Gegenteil: die Fremdherrscher zehren von den Resten der einst blühenden interplanetaren Ökonomie. Der Wirtschaftsleistung des gesamten Systems ist von ihrem Höchststand auf ein Dreißigstel gesunken, auf nur 3,5 Prozent der ursprünglichen Wirtschaftsleistung. Und da die Erde isoliert ist, können die neuen Herren nur ein Drittel davon nutzen. Sie leben von einem Prozent der vorherigen Produktivität.

Nicht nur der Umfang der solaren Ökonomie ist dramatisch gesunken, sondern auch die Fähigkeiten. Teure Hochtechnologie ist nicht mehr verfügbar. Während der letzten Hochkonjunkturphase bauten solare Werften jedes Jahr Tausende Schiffe mit den modernsten Antrieben des Sektors und bis zu 6000-facher Lichtgeschwindigkeit (effektiv). Jetzt werden nur wenige Schiffe gebaut, meistens mit wiederverwendeten Teilen von ausgeschlachteten Einheiten. Moderne Antriebstechnologie wird nicht mehr hergestellt. Dafür benötigt man eine leistungsfähige industrielle Basis, die höchste Präzision liefern kann. Raumkrümmer-Antriebe sind sehr komplexe Maschinen. Sie basieren auf einer weitverzweigten Lieferkette von spezialisierten Unternehmen. Hochreine Rohstoffe müssen zu nanostrukturierten Metamaterialien verarbeitet werden, die dann zu Geräteteilen geformt und auf Picometer genau ausgerichtet werden. Die Anlagen müssen auch bei Terawatt Leistungsaufnahme ihre ideale Konfiguration behalten. Nur dann erreicht man so hohe (scheinbare) Geschwindigkeiten. Aber die wenigen noch aktiven Werften beherrschen diese Technologie nicht mehr. Was sie herstellen können, reicht nur noch für 500-fache Lichtgeschwindigkeit.

500-fache Lichtgeschwindigkeit: das war 1000 Jahre zuvor Utopie und vor 500 Jahren nur eine Theorie. Die Technologie ist immer noch viel höher entwickelt, als zur 500-Jahrfeier. Aber sie ist im Niedergang. Was jetzt benutzt wird, wurde vor mindestens 50 Jahren hergestellt. Die Infrastruktur wird immer älter. Sie wird automatisch gewartet. Aber wenn komplexe Produktionsanlagen ausfallen, dann genügen nicht immer KI-gesteuerte Wartungsbots. Für manche Reparatur bräuchte man die technischen Fähigkeiten der Originalhersteller oder Dienstleister mit entsprechendem Know-how. Die gibt es nicht mehr. Autofabs und Wartungsbots können die Alltagstechnik am Laufen halten. Aber für High-Tech fehlt die vernetzte hochspezialisierte Ökonomie.

Vor der Eroberung war die Erde der Mittelpunkt des Sonnensystems. Die solare Menschheit war noch neu auf der interstellaren Bühne. Die interplanetare Zivilisation war noch im Aufbau. Im Gegensatz zu älteren Zivilisationen, bei denen der größte Teil interplanetar ist, lebten noch immer die meisten Menschen auf der Planetenoberfläche. Moderne Technologie und fast unbeschränkte Energie ermöglichten eine Bevölkerung von zig Milliarden. Aber aus Sicht der Eroberer war die Erde ein Risiko. Tausend Megastädte, manche ein Meer von Gebäuden bis in die Stratosphäre, andere kilometertief eingegraben. Tausende Kilometer weit schwimmende Habitate auf den Ozeanen und Millionenstädte tief unter der Wasseroberfläche. Ein unübersehbares Gewirr von Kulturen, Ethnien und Motiven. Ein unkontrollierbares Chaos und viel zu viele Menschen.

Der interplanetare Teil der Zivilisation war viel leichter beherrschbar. In den Orbits von Erde, Venus, Mars und den äußeren Planeten lebten nur etwas mehr als eine Milliarde Menschen (einschließlich Mechs, Androiden, Uploads, autonome KI). Dort sind die Menschen von funktionierender Technik abhängig. Lebenserhaltende Technik ist zwar viel einfacher und belastbarer geworden in 1000 Jahren interplanetarer Raumfahrt. Vieles passiert automatisch. Ausrüstung wird in Autofabs billig produziert, Mikrobots warten und reinigen die Anlagen. Flexible Feldschirme schützen vor dem Vakuum. KI steuert alles und sorgt dafür, dass Menschen im Orbit fast so sorgenlos leben können, wie auf der Erde. Trotzdem ist es im Orbit viel einfacher, lebenserhaltende Technik abzuschalten oder zumindest damit zu drohen. Schon für die Atemluft braucht man viel Technik. Wenn man in einzelnen Segmenten einer Raumstation die Lebenserhaltung abschaltet, kann man jeden Aufstand im Keim ersticken. Orbitale Bevölkerung ist viel einfacher zu kontrollieren. Im Vergleich dazu war die Erde mit ihren vielen Milliarden Menschen für die Eroberer ein unkontrollierbarer Moloch. Die Erde war eine Gefahr. Deshalb wurde sie entschärft und isoliert.

Schon die Leccianer-Horden beschädigten bei ihrem Putsch die planetare Infrastruktur. Die später folgenden Herrscher griffen noch konsequenter durch. Sie kappten die Energielieferung von den sonnennahen Kraftwerken und sie zerstörten gezielt alle großen Fusionskraftwerke. Die Erde muss nun mit viel weniger Energie auskommen. Die Energie war essentiell für den Betrieb der Infrastruktur, die 40 Milliarden Menschen ein komfortables Leben ermöglichte. Nahrungsmittelproduktion in vertikalen Farmen, Transport und Verkehr, Güterproduktion, Zugang zum Orbit, alles benötigt Energie und vieles davon ist jetzt nicht mehr möglich – oder viel schlechter. Die Erde hat immer noch Energie, viel mehr, als vor 1000 Jahren. Auch moderne Technologie und Know-how sind vorhanden. Aber die Mittel sind begrenzt. Es ist nicht mehr Alles für Alle verfügbar. Lebensmittel sind rationiert. Medizin ist teuer. Der Verkehr ist regional und langsam. Waren werden nicht mehr mit 2000 km/h in Vakuumbahnen um den Globus transportiert. Es wird viel weniger hergestellt. Die Versorgung mit Rohstoffen ist zusammengebrochen. Die Erde lebt nun vom Bestand und von dem was über 1000 Jahre weggeworfen wurde. Müllhalden sind die primäre Rohstoffquelle.

Mit dem Energiemangel und dem Ausfall von Technologie ist die Arbeitsproduktivität dramatisch gefallen. In der Folge fielen die Löhne. Gleichzeitig stiegen die Preise, weil alles knapp wurde. Die Menschen auf der Erde sind arm. Die Erde ist nun ein Slum wo viele Milliarden Menschen um das Überleben kämpfen. Die medizinische Situation ist prekär. Es gibt kein Geld für all die Selbstverständlichkeiten moderner Medizin: korrektive Gentechnik, synthetische Biochemie, nichtinvasive Diagnostik, nanobasierte Prolongation, androidale Prothetik. Längst besiegte Krankheiten sind zurückgekehrt. Alterserscheinungen können nicht mehr korrigiert werden. Die Lebenserwartung ist unter 100 Jahre gesunken. Menschen sterben tatsächlich wieder endgültig. Eigentlich ist permanenter Tod genauso bizarr, wie 1000 Jahre zuvor eine Operation ohne Anästhesie oder ein Tod durch Infektion mangels Antibiotika. Das kommt schon vor – in Ausnahmefällen, aber eigentlich kann man etwas dagegen tun. Doch nun gibt es keine High-Tech Medizin mehr für alle. Es gibt auch keine Uploads, keine Backups, keine Reinkarnation als Android oder Simulation. Die Bevölkerung geht zurück – durch natürlichen endgültigen Tod – von mehr als 40 Milliarden auf 15 Milliarden.

Auf der Erde gibt es Widerstandsbewegungen. An Freiwilligen herrscht kein Mangel. So viele Menschen sind verzweifelt und wollen etwas unternehmen. Die Stadtguerillas sind gut ausgerüstet. Sie haben Präzisionswaffen und High-Tech Sprengstoffe. Sie sind körperlich und geistig zu Höchstleistungen fähig. Sie sind das Ergebnis von 1000 Jahren Genoptimierungen und Nanomods. Die meisten haben mehrere parallele Denkvorgänge, Assoziationsbooster, absolute Orientierung, verstärkte Sensorik, beschleunigte Motorik, erhöhten Metabolismus, manche – dank Bullet-Time Upgrade – für kurze Zeit ein beschleunigtes Bewusstsein. Die situationsbewusste KI ihrer Feldanzüge schützt sie im Gefecht durch punktuelle Verstärkung des Schirms. Eine adaptive Nanitenmatrix als Tarnkleidung macht sie auch in der Bewegung fast unsichtbar. Die automatische Zielerfassung der Waffen bekämpft Gegner selbständig, wenn der Auftrag einmal erteilt ist. Schwärme von Mikrobots erkunden und neutralisieren sogar verdeckte Bedrohungen. Jede(r) Einzelne von ihnen könnte es mit einem ganzen Infanteriebataillon vor 1000 Jahren aufnehmen. Sie sind auch den Söldnern der Unterdrücker weit überlegen.

Das Problem ist nur, dass sich die Besatzer nicht zeigen. Dem Widerstand fehlten konkrete Ziele. Sie können nicht in den Orbit gelangen und die Besatzer kommen selten auf die Oberfläche. Die fremden Herrscher des Solsystems haben die Erde abgeschrieben.

Ein Ende ist nicht abzusehen. Es gibt keine Feiern zum tausendjährigen Jubiläum und keine Hoffnung.

#Aliens #Eroberer #interplanetar #Wirtschaft #Technologie #Krise

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2135 SCALE: Beginn eines großangelegten Programms gegen die Erderwärmung durch Reduzierung der Sonnenstrahlung auf die Erde

Der Name SCALE steht für "Solar Constant Adjustment at the Lagrangian point of Earth", ein Sonnenschirm zwischen Sonne und Erde.

Es gibt fünf Lagrange Punkte an denen sich die Schwerkraft von Sonne und Erde aufheben. Einer davon, der L1 Punkt, liegt genau zwischen Sonne und Erde in 1,5 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde. Objekte bleiben dort auch ohne Antrieb für lange Zeit am selben Ort.

Im Rahmen des SCALE Programms werden am L1 Punkt riesige Schattenblenden aus Aluminiumfolie aufgespannt. Im Lauf von 15 Jahren entsteht eine Fläche von drei Millionen Quadratkilometern. Das sind etwa zwei Prozent der Fläche der Erde von der Sonne aus gesehen. Damit kann man die Sonneneinstrahlung auf die Erde um zwei Prozent reduzieren und das reicht, um die globale Temperatur ein paar Grad abzusenken.

---- EVA (Extra Vehicular Activity) Außeneinsatz ----

Gleißendes Sonnenlicht. Dunkelheit. Dann regelt sich das adaptive Visier langsam ein. Ich sehe wieder was. Auch wenn alles gerade hinter dem Nachbild verschwindet, das die Sonne auf meiner Retina hinterlassen hat. Die Transparenzsteuerung des Visiers hat wieder zu langsam reagiert. Ich muss echt mal den Controller checken. Und ich sollte endlich lernen, nicht genau in Richtung Sonne zu sehen, wenn sich die Luke öffnet. Anfängerfehler. So kann ich nicht raus. Kurz warten, bis sich die Augen beruhigt haben.

"Chrzz" meldet sich die Audioverbindung, "Jomo, was ist los?". "Augen anpassen", antworte ich in der Hoffnung, dass mein kleines Missgeschick nicht auffällt. "Aha" kommt es von der anderen Seite, "du musst echt mal den Controller checken". Tja, meiner Einsatzleiterin Kuki Nguya entgeht nichts. Ist ja auch gut so. Also dann los.

Ich hangle mich am Handlauf vorwärts und gleite durch die Luke nach draußen. Nach einer Drehung habe ich wieder einmal die größte Wand des Sonnensystems vor mir. Wir sind am Habitat III, ein paar Kilometer vor den Schattenblenden auf der Sonnenseite. In alle Richtungen breiten sich die Blenden aus, über tausende Kilometer. Ein majestätischer Anblick. Der Beweis, dass die Menschen nicht aufgeben, dass es immer eine Lösung gibt. Auch für globale Probleme, wie die Erderwärmung. Ein Triumph menschlicher Ingenieurskunst. Ich bin ein bisschen stolz hier oben dabei zu sein. Zugegeben, fast alle, die im Orbit arbeiten, sind dabei, weil SCALE so viele Leute braucht, sogar EVA-Noobs wie mich. Trotzdem cool...

"Chrzz, dir ist klar, dass da unten der Betrieb steht". "Klar, bin unterwegs" antworte ich.

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SCALE reduziert die Sonnenstrahlung ohne Schatten zu werfen. Das erreicht man durch eine filigrane Strukturierung der Flächen und durch absichtlich herbeigeführte Beugungseffekte an den Rändern. Speziell achtet man darauf, dass kein Schlagschatten entsteht, damit auf der Erde nicht plötzlich mitten am Tag die Sonne verschwindet, wie bei einer Sonnenfinsterns. Die Gitter sind beweglich und steuerbar, um gezielt einzelne Regionen der Erde abzuschatten. Durch die aktive Steuerung kann man Hitzewellen abmildern, die Verdunstung über dem Meer verstärken und in trockenen Gebieten für mehr Niederschlag sorgen.

Beim Design wird außerdem darauf geachtet, dass SCALE nicht missbraucht werden kann. Bei der Konstruktion werden Sicherungen eingebaut, um zu verhindern, dass Sonnenstrahlung auf einzelne Stellen fokussiert werden kann. Die maximale regionale Verstärkung der Solarkonstante beträgt 2%. Die maximale Abschwächung der Strahlung 10%.

Die meisten Elemente von SCALE werden in lunaren Fabriken hergestellt. Millionen Tonnen Titan und Aluminium werden dort zu Gitterstrukturen und Folie verarbeitet. Der Rohstoffabbau auf dem Mond wird stark ausgeweitet. Noch auf der Mondoberfläche erzeugen Raffinerien Rohaluminium und Titan. Das Material wird dann in den Mondorbit geschossen und zu SCALE-Elementen weiterverarbeitet. Nach dem Transport zum L1-Punkt entfalten sich die Stabilisierungsgitter. Ferngesteuerte Manipulatoren beschichten die Gitterstrukturen mit sehr dünnen Aluminiumfolien. Einzelne Elemente sind mehrere Quadratkilometer groß und nur wenige hundert Tonnen schwer. Sie müssen in der Schwerelosigkeit nicht viel Gewicht aushalten. Nur der Sonnenwind und der Strahlungsdruck üben Kräfte aus.

Die Flächen wirken wie Lichtsegel. Sie werden deshalb langsam von der Sonne in Richtung Erde gedrückt. Um das auszugleichen, ist die Position von SCALE etwas näher an der Sonne, wo die Schwerkraft der Sonne die der Erde überwiegt und die geringe Anziehung den Lichtsegel-Effekt kompensiert. Die Elemente halten ihre Position selbständig. Sie regeln den Ausgleich zwischen Sonnenanziehung und Strahlungsdruck indem sie einzelne Flächen kippen. Dadurch können sie sogar lateral driften und sich am L1-Punkt seitlich verschieben. Sie können sich zu größeren Gruppen zusammenschließen oder in offener Formation fliegen, je nach geplantem Schattenprofil.

SCALE gibt sehr vielen Menschen und Organisationen im weiten Erdorbit Arbeit. Die gesamte Arbeitskraft im HEO (High Earth Orbit) wird von SCALE in Anspruch genommen. Zeitweise kommt der Ausbau von L4/L5-Kolonien zum Stillstand.

Montagedrohnen leisten die Hauptarbeit. Die Drohnen werden von Ingenieuren aus Montagehubs ferngesteuert. Für die meisten Tätigkeiten brauchen die Drohnen keine menschliche Steuerung. Sie werden für ihre Aufgaben programmiert. Dann arbeiten sie selbständig und senden Fortschrittsberichte und Bilder an die Zentrale. Nur in Ausnahmefällen, bei Problemen oder Unfällen, müssen menschliche Operateure direkt eingreifen. Auch dafür werden Drohnen benutzt. Ganz selten muss jemand im Raumanzug raus, um vor Ort ein Problem zu lösen.

Der Bauplatz ist riesig. Noch nie hat die Menschheit eine so große Struktur gebaut. Zu jeder Zeit arbeiten tausende Konstruktionsdrohnen im Rahmen ihrer adaptiven Programmierung selbständig am Projekt. Und obwohl die Technologie automatischer Steuerungen und Problemlösungen inzwischen weit entwickelt ist, sorgt allein die Größe des Projekts dafür, dass immer irgendwo Menschen eingreifen müssen.

Die Lichtverzögerung von 5 Sekunden zwischen L1 und der Erde ist zu groß, als dass man alles ferngesteuert machen kann. 100 Ingenieure sind vor Ort, um auf unerwartete Situationen zu reagieren. Für sie werden bei L1 neue Habitate gebaut. Einschließlich Betriebspersonal für die Habitate und Logistikspezialisten für den Materialfluss arbeiten über 200 Menschen bei L1. Das ist fast ein Viertel der gesamten interplanetaren Bevölkerung. Aber nur 10 Menschen sind im "Außendienst" mit EVA-Aktivitäten beschäftigt. Fast alles läuft automatisch ab. Die Menschen konzentrieren sich auf wenige Habitate und Montagehubs. Auf Millionen Quadratkilometern gibt es nur automatische Drohnen. Zwischen den Einsatzorten von Menschen liegen typischerweise 1000 Kilometer.

---- EVA (Extra Vehicular Activity) Außeneinsatz ----

"Zentrale, Spezialist Amadi auf EVA 49-05-B in Position BG/53", melde ich, "Kameradrohnen sind online, Telemetrie auf GO, bitte bestätigen." – "Chrzz, bestätige, Kamera und Telemetrie kommen rein."

Ich schwebe direkt vor einer kilometergroßen Schattenblende, eine von Millionen. Aus der Entfernung wirken sie wie ebene Flächen. Aber aus der Nähe sieht man ihre Struktur, die Streben, die elektromechanischen Gelenke. Das Aluminimum der Schattenblenden ist nicht durchgehend. Es hat unzählige Ausschnitte wo Sonnenlicht durchkommt. Wie wenn man mit einer 10 Meter großen Plätzchenform vierblättrige Kleeblätter aus der Aluminiumfolie ausgestanzt hat. Eins nach dem anderen, kilometerweit. Die Ausschnitte sind so geformt, dass Sonnenlicht in den Schatten hineingebeugt wird, damit nirgends ein Kernschatten entsteht und vor allem damit nicht aus Versehen zu viel Licht auf eine Stelle gelenkt wird. Das hätte fatale Folgen für die betroffene Region auf der Erde. Ein Superbrennstrahl. Dagegen gibt es viele Sicherungen, optisch, mechanisch und digital. Die ganze Konstruktion ist so gemacht, dass nichts passieren kann.

Jedenfalls – ein Test an einer gerade fertiggestellten Blende war mit einem Fehler abgebrochen. Die Drohnen konnten den Fehler nicht finden. Die Debugger-KI meint, es liegt kein Fehler vor. Alles nach Spezifikation. Aber trotzdem geht die Blende nicht mehr in die Ausgangslage zurück. Also muss jemand raus und nachsehen. Und hier bin ich. Ich drifte näher an das klemmende Element.

"Zentrale, hier ist ein Panel abgebogen. Ich sehe mir das mal genauer an." – "Chrzz, verstanden."

Ich hake meine Sicherungsleine an die nächste Strebe und ziehe mich an das fehlerhafte Element. Der Titanträger ist an der Stelle abgeknickt – aber ohne die typischen Knickfalten. Das sieht nicht wie ein Bruch aus. Eher wie eines der Piezogelenke. Als ob das so gedacht war. Mit der behandschuhten Hand schiebe ich das Ding wieder in die gerade Position. Das geht viel leichter, als wenn man eine verbogene Titanstange wieder geradebiegen will. Es ist tatsächlich ein Gelenk. Die Dinger sind so klein und in die Stangen integriert, dass man sie nur bemerkt, wenn man ganz genau hinschaut. Wenn es gerade ist, dann sieht man nur wo das glänzende Titan etwas matter wird. Da sitzen tausende Piezoaktuatoren hintereinander, die sich jeweils nur Bruchteile eines Grads bewegen. In der Summe erreichen sie bis zu 180 Grad. Aber was hat ein Gelenk hier zu suchen?

Mein Neuroimplantat blendet mir die Konstruktionspläne über das Livebild meiner Augen ein. Ich flippe durch die Ebenen. Diagramme wechseln sich ab: Makrostruktur, Elektrik, Sensoren, theoretischer mechanischer Stress, aktueller mechanischer Stress, elektromechanische Aktuatoren, Steuernetzwerk, Sensornetzwerk... Moment, zurück. Beim Aktuatoren-Diagramm hätte an der Stelle hier eigentlich was erscheinen sollen. Aber da ist kein Gelenk verzeichnet. Das Ding ist nicht im Plan. Die KI behauptet, dass alles nach Plan gebaut ist. Hat sie einen anderen Bauplan?

Ich ziehe mich an der Querstrebe ein paar Meter weiter und sehe mir dabei den Titanträger genau an. Zehn Meter weiter ist wieder eine Stelle an der das glänzende Titan auf ein paar Zentimeter Länge etwas matter wird. Noch ein Gelenk. Dann noch eins. WTF. Laut Plan gibt es nur ein Gelenk. Das sitzt genau in der Mitte der 1000 Meter breiten Sonnenblende. Es dient dazu, die Blende zu kippen, damit sie sich wie ein Lichtsegel seitlich bewegt. Allerdings gibt es auch Blenden mit Spezialfunktionen. Die haben andere Konfigurationen: Stromgeneratoren mit Solarzellen, Backup-Module, Lichtsegel-Traktoren, Express-Module. Express-Module haben viele Gelenke. Aber dafür keine Kleeblattstruktur.

"Ähm, Zentrale, hier ist was komisch." – "Chrzz, Jomo, geht es genauer?"

"Hier sind viele Gelenke. Eins war gebogen." – "Chrzz, das passt. Das ist ein Express-Modul mit Jalousie-Funktion."

"Verstanden." – "Chrzz, gut, dass du das geklärt hast. Komm wieder rein."

"Verstanden."

"Sie sind nicht auf meinem Plan!" – Pause – "Chrzz, Spezialist Amadi, brechen Sie ab. Der Einsatz ist beendet. Das ist ein Befehl."

"Verstanden." – Ist ja gut, ich komme.

Aber das hier ist kein Jalousie-Modul, sondern eine Standardblende mit dem normalen inversen Kleeblattmuster. Express-Jalousie-Module sind durchgehend, ohne Öffnungen, ohne Kleeblätter. Das passt überhaupt nicht. WTF.

Hm, Gelenke in 10 Meter Abstand. Mal davon abgesehen, dass die Express-Module ein 50 Meter Raster haben. Wenn man die inversen Kleeblätter durch Abwinkeln verkürzt, dann wirkt das Muster nicht mehr zerstreuend. Es kann auch fokussieren, je nachdem, welche effektive Länge durch den Winkel... OMG. Es könnte eine Meta-Linse sein.

Während meines Mechatronik-Studiums in Addis Abeba im Seminar Nichtlineare Optik haben wir viele Beugungseffekte mit Metamaterialien durchgerechnet. Normalerweise sind Meta-Optiken sehr klein und für das Nahfeld gedacht. Aber wenn man das Ganze um eine Milliarde hochskaliert, dann bekommt man den gleichen Effekt mit makroskopischer Strukturierung und einer Million Kilometer Abstand. OMG. Jemand baut hier draußen vielleicht riesige fokussierende Meta-Optiken. Genau das, was das Design eigentlich verhindern soll.

"Zentrale, könnt Ihr mal simulieren, ob die projektive Verkürzung der Standardstruktur auf L1-Distanz fokussierend wirkt?"

Wenn das Absicht ist, dann missbraucht jemand SCALE, um ein Millionen Quadratkilometer großes Brennglas zu bauen. Man muss nur an den richtigen Stellen mehr Piezogelenke einbauen. Eine kleine Änderung im Bauplan. Die Autofabs stellen das dann automatisch her. Die Änderung ist fast unsichtbar, nur im Plan-Overlay zu sehen. Und wenn jemand ganz nahe herangeht, wie ich heute.

Im Augenwinkel sehe ich eine Bewegung, eine Reflexion ... Moment mal, bewegt sich die Blende? Oder ist es meine Relativbewegung. Man schwebt ja nie wirklich still. Deshalb die Sicherungsleine.

Jedenfalls – ich habe es nur gemerkt, weil die Gelenke nicht in meinen Plänen sind. Mein Implantat bekommt momentan seine Daten vom Anzug. Der Anzug-Controller reagiert immer so langsam, also ob er überlastet it. Ist das schon länger so? Hat er deshalb ein Update verpasst? Habe ich Pläne gesehen, die nicht für mich bestimmt waren? Ich sollte echt mal den Controller checken.

"Chrzz, tut mir leid Jomo. Du hättest echt mal den Controller checken sollen." – "Zentrale, stimmt. Was tut dir leid?"

Wieder ein Reflex. Ich sehe hoch. Eine Linie quer über die ganze Blende. Da läuft eine Welle über die Gitterstruktur. Ziemlich groß, wenn man das von hier sehen kann. Und kommt schnell näher. Zum Glück bin ich nicht fest verbunden mit dem Gitter. Nur über die Leine. Ups, die hat fast kein Spiel mehr, weil ich 30 Meter vom Kontaktpunkt weg bin, Anfängerfehler ... verdammt. Gleißendes Licht. Dunkelheit.

---- EVA Ende ----

Ein Jahr vor der geplanten Inbetriebnahme wird ein Techniker bei einem Unfall während eines EVA-Einsatzes getötet. Er überwacht persönlich einen Funktionstest bei dem die Blenden verschiedene Abschattungsprofile durchspielen sollen. Dabei zeigen einige Module Resonanzfrequenzen für die die Schwingungsdämpfung nicht ausgelegt ist. Der Anzug des Technikers ist über eine Sicherungsleine an einer Gitterstruktur befestigt. Unglücklicherweise bewirkt die Schwingung einen Ruck der Sicherungsleine, bei dem der Anzug an einen Träger geschleudert wird. Die dabei auftretenden Beschleunigungswerte sind letal. Die oszillierenden Segmente werden später durch Wartungsdrohnen unter Kontrolle gebracht.

#Ökologie #Technologie #Interplanetar #Verschwörung

http://jmp1.de/h2135

2518 Geheime interstellare Mission.

Eine Föderation reicher Venus Habitate rüstet insgeheim eine interstellare Expedition aus. Fünf Interstellarschiffe sollen 11 Jahre lang zu einem 80 Lichtjahre entfernten Sonnensystem reisen. Dort hat man schon 100 Jahre zuvor mit Teleskopen große Objekte im interplanetaren Raum entdeckt. Die Mission basiert auf der Annahme, dass dort eine weit fortgeschrittene Zivilisation existiert. Das Ziel der Mission besteht darin, fortschrittliche Technologie zu erwerben. Die Technologie wäre im Solsystem einzigartig. Man wäre damit allen anderen Fraktionen überlegen und niemand könnte auf absehbare Zeit ähnlich mächtige Technologien erwerben.

Das Projekt läuft unter dem Codenamen Long Shot im Rahmen des Chanakya Plans. Es wird durchgeführt vom Technologiedienst Ajatashatru und bekommt erhebliche Finanzmittel aus dem Haushalt der Magadha-Sangha Föderation.

Die Expedition ist eine sogenannte High-Risk/High-Reward Mission. Die Auftraggeber und die Teilnehmer gehen hohe Risiken ein. Sie versprechen sich ein Ergebnis, das die Machtverhältnisse im Solsystem zu ihren Gunsten ändern kann.

Bei der Planung der Mission werden potentiell interessante Technologien untersucht. Man erarbeitet einen Katalog von gewünschten disruptiven Technologien. Aber letztlich muss man der Besatzung vertrauen, dass sie die richtigen Technologien aufspürt. Technologien, die aus machtpolitischer Sicht interessant, aber dabei gleichzeitig für die Expedition erreichbar und transportierbar sind. Aufgrund der begrenzten Transportkapazität auf dem Rückflug rechnet man vor allem mit Nano- und Informationstechnologien, bzw. Know-how, z.B.:

- ein sogenanntes Orakel, eine eingeschlossene singuläre KI, die zuverlässige taktische oder strategische Prognosen erstellen und zukünftige Entwicklungen vorhersagen kann.

- Infiltrations- und Kryptanalyse-Software auf bisher unbekannter physikalischer oder informationstheoretischer Grundlage mit der man in gut geschützte solare Informationssysteme eindringen kann.

- Replikatoren, d.h. Nano-Assembler, die auf atomarer Ebene jedes Gerät in perfekter Qualität konstruieren können. Die besten solaren Autofabs arbeiten auf Basis von sub-Mikron Clustern, sind aber weit entfernt von molekularen oder atomaren Assemblern.

- Baupläne und theoretische Grundlagen für überlegene Energiesysteme, wie katalytische Antimaterieerzeugung oder Vakuumenergie.

- Grundlagen und Produktionsmittel für wesentlich schnellere ÜL-Triebwerke, möglicherweise auf Basis von Quanten Black Holes.

Magadha-Sangha geht sehr vorsichtig vor und will neue Machtmittel nicht offen einsetzen. Deshalb sind Waffen und waffenfähige Technologien weniger interessant.

Alle Technologien sind spekulativ. Man weiß nicht, ob sie überhaupt existieren und wenn sie existieren, ob sie für Menschen verfügbar wären. Aber die Grundannahme ist, dass eine Zivilisation mit hunderten oder tausenden Jahren Technologievorsprung viele Alltagstechnologien verwendet, die im Solsystem übermächtig wären.

Die Mission ist riskant. Man rechnet mit einer Erfolgsquote von 1:20. Die Schiffe sind mit den neuesten Faktor-7 ÜL-Triebwerken ausgerüstet. Der Flug dauert 11 Jahre, aber die neuen Triebwerke sind noch nie so lange am Stück gelaufen. Nach der Erfahrung mit den Flügen der Marco Polo nimmt die Expedition sehr viele Triebwerkskomponenten für Reparaturen mit. Zusätzlich ist ein Justierwerk von Dilan an Bord mit dem man defekte Konverterpole wieder ausrichten kann. Trotzdem rechnet man mit einem Totalausfallrisiko von 50 %, jeweils für Hin- und Rückflug. Dazu kommen die Unwägbarkeiten am Zielort. Was wird die Expedition dort vorfinden? Wird sie sich verständigen können? Welche Gefahren lauern dort? Wird es möglich sein, mit den mitgeführten Zahlungsmitteln Technologie zu erwerben?

Die Schiffe sind voll beladen mit Containern. Die Frachtkapazität teilt sich auf in Wohnquartiere und Lebenserhaltung (5 %), Proviant (5 %), diverse Edelmetalle und Seltene Erden als Zahlungsmittel (20 %), Triebwerkskomponenten (30%), Schiffsausrüstung, Autofabs und Material für Reparaturen (40 %).

Um Ressourcen zu sparen sind die meisten Teilnehmer Uploads in Mikro-Mechs. Trotzdem reisen 5 Menschen als Bios, weil man befürchtet, dass die Zivilisation am Zielort feindlich gegenüber einer reinen Mech-Besatzung eingestellt sein könnte. Die Menschen reisen in Biostasis.

Nach neun Jahren Vorbereitung verlassen die Schiffe einzeln unter verschiedenen Tarnidentitäten das System. Sie sammeln sich drei Lichttage nördlich der Ekliptik. Dann beginnt die lange Reise.

#Geheim #interstellar #Technologie #Reise

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2540 Mukhagni-Zwischenfall

Militär des inneren Systems bombardiert einen sonnennahen Asteroiden und stürzt ihn dann in die Sonne. Offiziell ein Test. Aber viele Beobachter vermuten ein außer Kontrolle geratenes Experiment mit verbotener Technologie.
Bei Mukhagni, einem kleinen Asteroiden innerhalb der Merkurbahn, ereignen sich in kurzer Folge mehrere Antimaterie-Explosionen von jeweils 100 Megatonnen Sprengkraft. Das Ereignis erregt systemweit Aufsehen. Es gibt keine Erklärung von offiziellen Stellen. Zwei Tage später beginnen Kampfeinheiten der Magadha-Sangha-Föderation/Venus aus großer Entfernung Mukhagni zu beschießen. Die Militäreinheiten nähern sich Mukhagni auf Max-Delta-V Kursen aus allen Richtungen und feuern dabei weiter.

Die Nachrichtenagenturen des Solsystems übertragen live. Moderne Großteleskope lösen die Ereignisse bis auf 20 m auf. Auch über interplanetare Distanzen. Man erkennt deutlich die Auswirkungen des Bombardements auf den Asteroiden, aber keine Gründe für die exzessiven militärischen Maßnahmen.

Einige Tage später entdeckt man Frachter von Venus und Merkur, die zusätzliches Kriegsmaterial in Richtung Mukhagni transportieren. Kommerzielle Massdriver in der Umlaufbahn Merkurs unterstützen das Bombardement. Nach kurzer Zeit wird klar, dass die Massdriver Mukhagni kinetische Energie und Drehimpuls entziehen, um seine Bahn Richtung Sonne zu lenken.

Die Umlaufbahn von Mukhagni wird elliptisch und nähert sich nach mehreren Wochen der Sonne. Bei 10 Millionen km Entfernung werden die militärischen Angriffe eingestellt. Die kinetische Komponente des Bombardements wird durch Massdriver von Venus und Merkur weitergeführt bis die Bahn schließlich die Roche-Grenze unterschreitet und die Fragmente des Asteroiden in die Sonne stürzen.

Die offizielle Erklärung ist eine Gefechtsübung in der eine kinetische Bedrohung (der Asteroid) bei gleichzeitigem Unterdrückungsfeuer von Kurs abgebracht werden soll. Ein Test der Magadha-Föderation zum Schutz der Bevölkerung des inneren Systems als Reaktion auf den Umvelinqangi-Vorfall wenige Jahre zuvor. Das erklärt jedoch nicht die initialen Detonationen.

Tatsächlich war Mukhagni eine Forschungseinrichtung von Ratha-Musala (dem Entwicklungsbüro) von Ajatashatru (des interplanetaren Nachrichtendienstes) der Magadha-Sangha (einer wohlhabenden Föderation von Venus Habitaten). Entgegen der offiziellen Darstellung war auf dem Asteroiden ein geheimes Forschungsprojekt außer Kontrolle geraten. Die initialen Amat-Detonationen sollten wohl den Asteroiden sterilisieren und das Problem beseitigen. Das hatte aber nicht den erwarteten Erfolg. Daraufhin sahen die Verantwortlichen keine andere Möglichkeit, als den Asteroiden (unter gewaltigem Aufwand und ständigem Unterdrückungsfeuer) in die Sonne zu stürzen.

Natürlich vermutet man illegale KI-Forschung wie bei der Newplace-Verschwörung 100 Jahre zuvor. Damals konnte die asymptotische Entwicklung einer Gestalt-KI nur durch eine sphärische Welle von Antimaterie-Explosionen unterdrückt werden. Im Fall von Mukhagni hatte Ratha-Musala offensichtlich vorgesorgt und als Notbremse schwere Sprengsätze installiert. Wahrscheinlich eine Lehre aus der Newplace-Erfahrung. Ratha-Musala hatte auch die Weisheit die Sprengsätze zu zünden, aber das reichte wohl nicht aus. Was immer sich auf Mukhagni befand oder entwickelte, es war so mächtig, dass es selbst konzentrierten Angriffen von mehreren Großkampfschiffen, deren Lenkwaffen und Angriffsdrohnen widerstehen konnte. Aber was kann gefährlicher sein, als die Newplace-KI? Die Anzeichen deuten auf eine überlegene Technologie hin. Hatte eine asymptotische KI in kürzester Zeit neue Technologien entwickelt? Oder hatte Ratha-Musala schon so früh Zugang zu extrasolarer Technologie? Nach einer anderen Theorie experimentierte Ratha-Musala mit Kessler-Viroidae (entdeckt durch Zipi Kessler, 2478) und aktivierte dabei Disassembler-Gene (vgl. Massara-Seuche, 2746). Dann wäre das nukleare Bombardement dazu da gewesen, die vom kinetischen Einschlag ausgeschleuderten Bruchstücke zu sterilisieren. Analysen, die eine Korrelation zwischen kinetischen und nuklearen Feuersequenzen zeigen, weisen in diese Richtung.

Die Tatsache, dass solare Mächte irgendwo im Sonnensystem geheime und manchmal auch verbotene Forschungsprojekte an geächteten Technologien durchführen, ist wenig überraschend. Oft verwenden sie dafür kleine abgelegene Asteroiden, da Asteroiden mehr Deckung vor den allgegenwärtigen Teleskopen bieten, als Raumstationen. Im Laufe der Jahrhunderte werden mehrere solcher Aktivitäten aufgedeckt. Meistens durch Zufall, ein Unglück oder mangelnde Sorgfalt der Betreiber. Ein militärisches Sperrgebiet ohne militärische Aktivitäten ist ein deutliches Zeichen für geheime Aktivitäten, wenn auch nicht unbedingt für illegale Projekte oder geächtete Technologien.

Ratha-Musala hatte für seine Forschungseinrichtung einen Vulkanoiden in Sonnennähe gewählt und vorsichtshalber Antimaterie-Sprengsätze installiert. Offensichtlich waren sie sich des Risikos ihrer Forschung bewusst (das spricht eigentlich gegen die Kessler-Viroidae Theorie). Was auch immer der Inhalt der Forschung war, man kann davon ausgehen, dass es sich um interplanetar geächtete Technologie handelte. Jedenfalls wurde selten in der Geschichte des Solsystems einem geheimen Projekt so eine große mediale Aufmerksamkeit zuteil.

#Asteroid #Technologie #Militär #Illegal #Medien

http://jmp1.de/h2540

Server Umzug

Die Website von Galactic Developments ist auf einen neuen Server umgezogen. Deshalb diesmal Techno Babble in eigener Sache.

Bisher war die Galactic Developments Website ein Apache Virtual Server auf meinem alten Hetzner Rootserver. Den hatte ich vor 6 Jahren bei einer keine-Setupgebühr-Aktion gebucht (und dann 3 Monate lang nicht installiert, was die keine-Setupgebühr-Aktion für mich ad-absurdum geführt hat, für Hetzner nicht). Inzwischen ist das Betriebssystem (Debian Sarge) aber schon aus den Security-Fixes raus gelaufen.

(Ich finde ja Sicherheitsaktualisierungen für nur 3 Jahre etwas kurz. Sollten sich mal ein Beispiel an Microsoft nehmen. Ich sage nur Windows XP. Naja, ist ja Open Source. Wenn es einem nicht gefällt, dann einfach nicht benutzen oder selbst fixen, wie man so schön sagt, jedenfalls nicht meckern.)

Die Rechner der Rabatt-Aktion waren damals etwas schwach auf der Brust. Das stört nicht, wenn man nicht viel Traffic hat, aber heutzutage will man virtualisieren und mehrere Server gleichzeitig laufen lassen. Dafür ist ein ganzes GB RAM nicht genug. Der neue Server ist wieder bei Hetzner, hat aber 2 TB Platte, 32 GB RAM, 8 CPUs incl. Hyperthreading. Das sollte reichen für ein paar virtuelle.

Ich kann Debian, also weiter Debian-stable, d.h. Jessie 8.2.

Zum Virtualisieren kvm und libvirt drauf. Ein 2 GB Image für das Guest-Template erstellen mit einer Debian-minimal Installation ohne alles außer sshd. Die VMs sind nur über das interne "default" Netzwerk zu erreichen. Alle VMs bekommen statische IP Adressen vom internen DHCP.

Ein VM als Reverse-Proxy, der HTTP-Requests an verschiedene virtuelle Maschinen weiterleitet. Dafür eine iptables-Konfiguration per qemu-Hook, die immer dann die 2 iptables-Regeln setzt/löscht, wenn die VM startet/stoppt. Auf dem Proxy ein nginx, der alle Anfragen für www.galactic-developments.de an die Galactic Developments VM weiterleitet.

Der Galactic Developments Server bekommt eine eigene VM. Hier mit Apache, weil ich Apache schon kann und nicht zu viele Konfiguration ändern muss, dachte ich. Tatsächlich haben sich die Apache Entwickler ein neues Sicherheitskonzept einfallen lassen und erst mal geht gar nichts, bis ich herausfinde, dass man einen neuen Befehl (Require) braucht. Zusätzlich zum Galactic Developments Apache virtual Server gibt es noch einen CatchAll virtual Server, der Adressen wie galactic-developments.de (ohne www.) und *.galactic-developments.com auf den Hauptserver umleitet (401/permanent).

Dateien und Daten der Galactic Developments Website sind in Subversion. Das bleibt erstmal so bis sich die Community mehr beteiligt. Dann will ich git nicht im Wege stehen. Bisher waren SVN Server und Website auf dem gleichen Rechner. Ein Subversion post-commit Hook hat automatisch die Website svn update'd. Poor man's Continuous Delivery. Das geht jetzt nicht mehr, weil es verschiedene Rechner sind und später - wenn der SVN Server auch umgezogen ist - gleicher Rechner, aber getrente VMs. Deshalb muss der post-commit Hook jetzt das Deployment anders triggern. Ich stehe auf Trigger per HTTP-Request. In diesem Fall: ein Einzeiler-PHP in der Galactic Developments Website (Name lang und geheim, Security by Obscurity), das ein lokales Shellscript startet, das wiederum "svn update" macht. Drei Einzeiler hintereinander. Man muss noch die Benutzer-Grenze überwinden vom wwwdata-User des Apache zum Eigentümer des Repositories. Deshalb wird das Shellscript mit sudo ausgeführt. Dafür eine Zeile in /etc/sudoers. Bei jedem svn commit ruft der post-commit Hook das update PHP-Script in der Zielwebsite per wget (-O - nicht vergessen) auf.

Dann noch DNS für www.galactic-developments.de umbiegen von rama.wolfspelz.de auf fred.wolfspelz.de und Galactic Developments ist umgezogen.

Das hört sich alles locker flockig an, hat mich aber mehrere Tage gekostet. Es gibt fast keine Anleitungen für libvirt/kvm OHNE lokales Display und ohne VNC. Auch virt-manager usw. alles nett gemeint, aber ich will kein Desktop auf meinem Server nur zum Installieren. (Wer bis hier gelesen bekommt von mir ein nagelneues Notebook. Bitte melden bei galdev-admin@heinerwolf.de). Genauso das Netzwerk. Entweder es wird nicht erwähnt, was blöd ist, wenn man die VM vom Netzwerk installieren will oder es wird bridge-Networking vorgeschlagen, was bei mir einfach nicht wollte. Dabei geht das "default" Netzwerk super. Man muss es nur anschalten. Das könnte mal irgendwo stehen. Ein qemu-Hook statt bridge-Netz sehe ich nicht als Hack an, im Gegenteil.

PS: rama.wolfspelz.de war keine Frühstücksmargerine, sondern ein 50 km langes Alien-Raumschiff.

2649 Angriff der Kelreci auf das Sol-System

Verteidigung mit technischer Hilfe Kisors.

6 Jahre zuvor besetzen Kelreci völlig überraschend Cobol. Mit weit überlegenen Schiffen dringen sie in das Cobol-System ein. Sie löschen die Außenposten bei Poseidon (Gasriese, 250 Monde) mit einem Schlag vollständig aus und kommen dann ins innere System. Sie bieten Cobol die Unterwerfung an. Cobol akzeptiert. Dann landen Truppentransporter und Kelreci-Krieger plündern die Städte Cobols. Das war der erste Kontakt der Menschen mit Kelreci von Miro.

2 Jahre später ereilt Valerius das gleiche Schicksal. Bis dahin hatten viele Menschen im Solsystem gehofft, dass Cobol ein Einzelfall wäre. Aber inzwischen kommen immer mehr schlechte Nachrichten von solaren Kolonien und anderen bevölkerten Systemen in Richtung Miro. Die Koalition beginnt mit der Aufrüstung.

Vor der Kelrec-Krise war die Koalition eher eine UNO im Raum gewesen. Alle Systemmächte unterhielten ihre eigenen Verteidigungskräfte. Es gab immer wieder militärische Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der Koalition. Die Koalition versuchte zu schlichten, stellte Friedenstruppen und interplanetare Polizeikräfte. Die Koalition war offiziell verantwortlich für die Außenbeziehungen, aber viele Systemmächte entfalteten eigene interstellare Aktivitäten.

Nach dem Valerius-Vorfall ändert sich der Charakter der Koalition. Nachrichten von den Plünderungen erreichen das Solsystem. In mehreren großen Mitgliedsstaaten stürzen Regierungen über die Empörung der Bürger und Bürgerinnen, dass die Menschen den interstellaren Gefahren schutzlos gegenüberstehen.

Schon lange gab es starke Interessen, die Koalition von einem losen Staatenbund zu einer Regierung des Solsystems weiterzuentwickeln. Diese Kräfte sehen nun die Krise als Chance, die Machtverteilung zu ändern. Mit dem Vertrag von Toronto werden die Mitglieder verpflichtet, (im Verteidigungsfall) die Hälfte ihrer Raumstreitkräfte dem Oberkommando der Koalition zu unterstellen. Der Militärhaushalt der Koalition wird wesentlich vergrößert. Der Koalitionsrat erhält besondere Vollmachten für den Fall eines extrasolaren Angriffs.

Ein Jahr später gibt es bei Eris während eines Manövers einen Schusswechsel zwischen Koalitionskräften und einem unidentifizierten Schiff. Das Schiff wird zerstört. Man vermutet einen Kelrec-Kundschafter.

Generalsekretär Thomas Nhlapo nimmt den Eris-Zwischenfall zum Anlass, den Verteidigungsfall zu verkünden. Der Rat erhält damit ein Vetorecht für die Haushalte der Mitglieder. Raumfahrttechnologien und militärisch wichtige Forschungen werden priorisiert. Überall im System werden Werften auf- und ausgebaut. Zur Versorgung der Schiffsproduktion wird die Rohstoffgewinnung auf Merkur, im Asteroidengürtel und auf den Monden der Gasriesen intensiviert. Die Koalition bündelt die Verteidigungsanstrengungen. Sie koordiniert die Transformation der solaren Industrie zur einer Kriegswirtschaft.

2 Jahre vor dem Angriff der Kelreci auf das Solsystem kommt überraschend Hilfe von Kisor. Kisor entsendet zehntausende Fachkräfte aus vielen technischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen. Kisor schickt keine eigenen Truppen oder Kampfmittel. Kisor will die Menschheit in die Lage versetzen, sich selbst zu verteidigen. Die Kisori optimieren technische Abläufe. Sie kümmern sich vor allem darum, die solare Wirtschaft effizienter zu machen. Sie identifizieren Engpässe und beheben sie durch die Einführung moderner kisorischer Designs und den Einsatz kisorischer Produkte. Bis zu 300.000 Kisori arbeiten im Solsystem als Technologieberater. Außer Personal schickt Kisor auch große Bibliotheken von Designs und Gigatonnen an technischer Ausrüstung. Kisorische Gilden organisieren den Transport ins Solsystem.

Aus Sicht solarer Nationalisten ist das eine große Verschwörung Kisors. Kisor's Berater ("Embedded Consultants") erhalten Zugang zu allen Geheimnissen der Menschheit. Sie empfehlen Produkte, Designs und Leistungen kisorischer Gilden. Solare Firmen bestellen, Kisor liefert und die Koalition zahlt in Kriegsanleihen mit guter Rendite, die später teuer zurückgekauft werden müssen.

Mit der Hilfe Kisors kann der erste Angriff abgewehrt werden. Eine Vorhut der Kelreci hatte überhastet angegriffen. Der überraschende Sieg der Menschen macht die Kelreci vorsichtiger. Sie belagern das Solsystem und dringen langsam immer weiter vor. Unter großen Anstrengungen, mit Glück und mit Kisors Hilfe kann die Plünderung der Erde verhindert werden.

Die Belagerung dauert 8 Jahre. Dann ziehen die Eindringlinge plötzlich ab.

Die solare Wirtschaft braucht 30 Jahre, um die Kosten für Kisors Hilfe abzuzahlen.

http://jmp1.de/h2649

2451 Gründung der Fakultät für Exotechnologie / Al Haq / Mars.

An der Chotoveli Universität von Al Haq / Sargodha Republik Mars wird eine neue Forschung- und Lehreinrichtung ins Leben gerufen, um extrasolare Technologie systematisch zu erforschen und nutzbar zu machen.

Die Fakultät ist interdisziplinär. Es gibt folgende Bereiche:

- Institut für Elektromagnetische Analysemethodik (das sog. IEA: Analyse durch klassische E/M-Felder und nano-generierte Nahfelder),

- Institut für Theoretische Diagnostik (Theoretische Grundlagen der minimalinvasiven Fremdtechnologie-Reaktionsdiagnostik),

- Institut für Nanomechanische Erprobung und Manipulation (NEM: Infiltration von Exo-Hardware mittels Nanosonden und partielle Aktivierung/Deaktivierung von internen Komponenten durch Nano-Aktuatoren),

- Institut für Mechanische Diagnostik und Kinematik (MDK: Bewertung mechanischer Aspekte, Empfindlichkeit gegen Schock und Schall, Bewertung des mechanischen Outputs von Systemen, Akustische Tiefenscans, Test mechanischer Belastungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit für zivile und militärische Anwendungen),

- Institut für Exotische Informationssysteme und Architektur (EI: Analyse der Daten- und Verarbeitungsarchitektur von Fremdsystemen und Erstellung von Schnittstellen),

- Abteilung Informationsinteraktion (II: informationstechnische Infiltration und Inside-Out Kartierung von Fremdsystemen unterstützt durch automatisierte Priorisierung von Datenbereichen),

- Abteilung Technische Dokumentation und Translation (Doc: Dokumentation der Bedienungsschnittstelle von Hard- und Software, Übersetzung von Benutzerhandbüchern in solare Sprachen, Aufbau einer Datenbank für fremde Technologiekonzepte und Terminologie),

- Institut für Energieerzeugung und Persistenz (EMC2: Untersuchung der Energiequellen fremder Systeme, Analyse von Speichertechnologie und Energieübertragung, Herstellung von Energieschnittstellen für dauerhaften lokalen Betrieb),

- Gesellschaft für Nukleare Energiesysteme und Betrieb (NukEn: Erforschung von selbständigen und integrierten Fusionsreaktoren und Techniken zur Direktumwandlung, Analyse der Wirkmechanismen von Fusionszellentechnologien),

- Abteilung Interdisziplinäre Inferenz (I2: Austausch von gewonnen Informationen zwischen den Instituten, Analyse des Stands der Technik, automatische Erkenntnissynthese),

- ein Institut für Risikomanagement (RISK: Risikomanagement für Interstellare Systeme und Konzepte) mit mehreren Arbeitsgruppen:

- Kapazitäts- und Leistungsabschätzung (Untersuchung der Energiekapazität von Systemen und damit verbundener Risiken),

- Biologische Sicherheit (BioSec: Erforschung biologischer und biochemischer Wirkungsmechanismen im Hinblick auf Kontamination solarer Ökologien),

- Soziokulturelle Anthropologie und Ökonomische Relevanz (SocAnt: Prognose und Bewertung der Auswirkungen des Einsatzes von Fremdtechnologie auf die Gesellschaft mit dem Schwerpunkt auf technischer und ökonomischer Transformation),

- mehrere Gruppen im Bereich Informations- und Nanosicherheit:

- Cross Channel Interference Arbeitsgruppe (XChi: auch XX genannt, Untersuchung von Infektionen über außerordentliche Kanäle, insbesondere optoakustische Kopplung, anthropologische Manipulation, d.h. Analyse potentieller Subversion menschlicher Benutzer durch fremde KI),

- Abteilung für Advanced Walling Technologies (AWT: genannt Firewall, Bereitstellung von Firewall, Sandbox, Simulator-Technologien und gehärtete KI für die untersuchenden Institute) inklusive einer schnellen Eingreiftruppe zur Bekämpfung von Informationsinfektionen,

- Abteilung Nanoboxing (NQube: Sicherheit in der Mikro- und Nanotechnik, sicherer Einschluss von exotischen Nano-Systemen) mit einem kleinen mobilem Einsatzteam, das Nano-Ausbrüche einfangen soll, genannt Ghostbusters.

Die Mars Exo-Technologie (MET) Fakultät arbeitet mit vielen Partnern aus der industriellen und militärischen Forschung zusammen. Finanziert wird das MET im Wesentlichen durch Drittmittelprojekte der Industrie, die Exotechnologien für ihre Produkte adaptiert. Die theoretischen und praktischen Analysemethoden des MET sind aber auch interessant für Reverse Engineering solarer Technologie durch konkurrierende Unternehmen. Durch die Theoretische Diagnostik wird Technologieanalyse als wissenschaftliche Methode etabliert. Diverse staatliche Militärorganisationen und Nachrichtendienste interessieren sich ebenfalls für eine breite Palette der MET-Forschung, z.B. Ergebnisse des MDK in der Hochkinetik, neue Techniken der automatisierten Infiltration vom II, Firewall-Tools, kreative Manipulationsvarianten des XChi.

Das I2 nutzt zur Inferenz den Tauneunjot eine Hyperparallel-KI des KOMSEC der Sargodha Republik. Tauneunjot ist eine der Top-10 Inferenzmaschinen des Solsystems. Er gehört offiziell zum zivilen Zentrum für Wissensverarbeitung der Ahamad Gesellschaft, wurde aber vom KOMSEC finanziert und wird exklusiv vom I2 genutzt.

Es besteht eine multilaterale Abhängigkeit zwischen dem MET und seinen Kunden. Das MET benutzt nicht nur allgemein verfügbare solare Technologie, sondern auch neueste experimentelle, auch geheime Technologie verschiedener Dienste. Die Forschung des MET baut auf den letzten Erkenntnissen der Menschheit auf und entwickelt diese weiter durch die Impulse, die die Analyse der Fremdtechnologie liefert.

Das MET ist verteilt über das Marssystem. Die meisten Institute sind auf dem Mars in Territorien und Enklaven der Sargodha Republik. Sicherheitskritische Bereiche liegen abseits von Bevölkerungszentren. NQube und Firewall befinden sich in dedizierten Stationen im Mars-Orbit. Teile von EMC2 und NukEn sind auf Mars-nahe Asteroiden ausgelagert. Der analytische Teil des BioSec ist ein exterritorialer Bereich in Modulen von Jiadasha im Huayuan Tiankong Cluster.

http://jmp1.de/g/dsk/2451

#SciFi #Forschung #Technologie #Fusion #Aliens #Nano #KI #Firewall #Ghostbusters

2281 Entwicklung des Gedankenabstraktums

Entwicklung des Gedankenabstraktums (Mind State Abstract) als interaktive Nachricht. Das Abstraktum wird vor allem zur Kommunikation im Sonnensystem eingesetzt, wo die Lichtgeschwindigkeit Dialoge verhindert.

Das Gedankenabstraktums ist eigentlich ein unvollständiger Abzug des Bewusstseins. Es ist nicht geeignet als Grundlage für eine KI. Im Gegensatz zum Upload-Prozess, wird das Abstraktum aber nicht-destruktiv hergestellt. Es dient als Verhaltensschablone für eine KI-Simulation. Da das Gedankenabstraktum Meinungen und Verhaltensweisen des Originals enthält, kann es einen interaktiven Gesprächspartner darstellen, der so wie das Original reagiert und argumentiert, ohne selbst Bewusstsein zu empfinden.

Es dauert 30 Jahre, bis die komplexe Technologie kommerziell eingesetzt werden kann. Um das Jahr 2310 kann man ein Gedankenabstraktum etwa zum Preis eines persönlichen Besuchs versenden. Allerdings reist das Abstraktum als Datenpaket viel schneller, mit Lichtgeschwindigkeit. Die Empfangsseite braucht eine KI-Simulation, die das Abstraktums interpretiert und interpoliert. Die Interaktion des Abstraktums mit dem Empfänger wird typischerweise als Slink zurück geschickt.

Das Gedankenabstraktum ist nur ein interaktiver Gesprächspartner. Es hat keine Eigeninitiative wie Menschen und bewusste KI. Aber es spart zeitraubende Reisen in Fällen wo Interaktion und Diskussion zwischen weit entfernten Gesprächspartnern notwendig ist.