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2191 100.000 Menschen leben im Orbit, auf dem Mond und im interplanetaren Raum

Viele arbeiten für die Rohstoffgewinnung, auf dem Mond und bei erdnahen Asteroiden. Die Arbeit ist sehr gefährlich. Nicht alle kommen zurück.

Eigentlich schützt die Technik gegen die tödliche Strahlung außerhalb des Erdmagnetfelds. Die Lebenserhaltung ist viel kompakter und zuverlässiger als 200 Jahre zuvor bei den ersten "Weltraumspaziergängen". Und die Raumanzüge sind durch neue Materialien viel sicherer gegen Beschädigungen. Aber beim Asteroidenbergbau kommen so viele Risikofaktoren zusammen, dass trotzdem Unfälle passieren. Mit dem entsprechenden Aufwand könnte man viele Risiken verringern. Das würde sehr große Kosten verursachen. Unternehmen, die dies versuchen sind nicht wettbewerbsfähig.

Schon immer war bemannte Raumfahrt eine Abwägung zwischen Sicherheit und Kosten. Absolute Sicherheit ist nicht möglich. Aber mit technischem und personellem Aufwand kann man das Risiko reduzieren. Das ist teuer, je nachdem welchen Aufwand man treibt und welches Ausfallrisiko man in Kauf nehmen will oder kann.

In der Frühzeit der Raumfahrt, als die Medien aufmerksam alle bemannten Missionen verfolgten, versuchte man das Risiko für tödliche Unfälle auf 1% zu beschränken. Das heißt, man rechnete mit einem toten Astronauten bei 100 Einsätzen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts musste man dafür etwa 500 Millionen Dollar für jede(n) Astronaut(en/in) investieren. So viel ist 200 Jahre später nicht mehr nötig. Bei 100.000 Personen im Vakuum wäre das auch nicht möglich.

Aber trotz wesentlich besserer Technik und trotz Skaleneffekten, die alles billiger machen, sind Einsätze im Vakuum immer noch teuer, wenn man gewisse Sicherheitsstandards einhalten will. Sicherheit und Kosten werden immer noch gegeneinander abgewogen. 200 Jahren nach den ersten unbeholfenen Schritten im Orbit sind die Einsätze zwar sicherer geworden, aber ein Job bei der orbitalen Ressourcenextraktion ist trotzdem um Größenordnungen riskanter als andere Berufe.

Zu vertretbaren Kosten kann man Ende des 22. Jahrhunderts ein Einsatzrisiko von 0,1% realisieren (wenn man den Begriff "Einsatz" so definiert, wie 200 Jahre zuvor, als mehrwöchigen Aufenthalt im Orbit mit einigen Außenarbeiten). Das ist nominal 10 Mal besser als in der Frühzeit der Raumfahrt. Aber in der Praxis sieht das nicht so gut aus, denn das Berufsbild hat sich geändert. Die ersten Astronauten kamen im Durchschnitt auf 3 Missionen. Dabei bauten sie ein Gesamtrisiko von 3% auf. Das war vertretbar für den Traum als Astronaut ins Weltall zu reisen.

Moderne Vakuumarbeiter zählen eher 10 solcher Einsätze pro Jahr. Die Missionen sind viel zahlreicher, oft mit täglichen Außeneinsätzen. Die Einsätze sind weniger genau geplant und sie müssen viel mehr Arbeitsleistung erbringen. Dafür entfällt der riskante Aufstieg auf einer langsam abbrennenden 1000-Tonnen Bombe und die nicht weniger riskante kometenhafte Landung auf der Erde. Die Vakuumarbeiter bleiben jahrelang oben. Viele leben sogar jahrelang in den Asteroiden. Im Lauf der Jahre erreicht ihr Gesamtrisiko 10% oder sogar 20%, bei manchen auch 30%, je nachdem, wie gut und teuer sie ausgerüstet sind, wie gut (und teuer) ihre Ausbildung ist und wie gut ihre Arbeitsmoral ist.

Während die Raumfahrtorganisationen von irdischen Regierungen und das Militär im nahen Erdorbit die Standards einigermaßen hoch halten, ist die Lage im kommerziellen Asteroidenbergbau problematisch bis prekär. Dort wird abgewogen zwischen Sicherheitskosten und Ersatzkosten, also letztlich zwischen den Kosten, um Arbeitskräfte am Leben zu halten, damit sie ihre Arbeit machen können, und den Kosten, neue ausgebildete Arbeiter aus dem Gravitationsloch der Erde heranzuschaffen. Das Leben der Arbeiter selbst spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Unter den 100.000 Personen im Vakuum sind Touristen, Militärangehörige und orbitale Konstruktionsarbeiter. Nur etwa ein Zehntel arbeitet für die kommerzielle Ressourcenbeschaffung auf dem Mond und in den Asteroiden. Aber diese Leute leben mit einem großen Risiko. Unfälle sind an der Tagesordnung. Nicht alle Unfälle sind tödlich, wie in der Frühzeit. Aber diese Vakuumarbeiter müssen damit rechnen, dass ein Fünftel von ihnen nicht zurückkommt. Entsprechend unbeliebt ist der Job. Er ist hochbezahlt. Die Gehälter spielen im Vergleich zu den sonstigen Kosten keine große Rolle. Aber leider gilt das eben auch für das Leben der Arbeiter. Entsprechend schlecht ist die Moral. Alle wissen, dass der Job russisches Roulette ist. Entweder sie kommen wohlhabend zurück oder eben nicht.

Durch die wachsende Konkurrenz von mehr Unternehmen sinken Ende des 22. Jahrhunderts die Preise für orbitale Rohstoffe. Das macht die Kalkulation schwieriger und die Sicherheitslage noch schlechter. Es wird fast unmöglich, vernünftige und gut ausgebildete Ingenieure für die Asteroiden anzuwerben. Nur Leute, die keine Wahl haben, die hoch verschuldet sind oder, aus welchen Gründen auch immer, untertauchen wollen, melden sich noch freiwillig für diesen Job. Deshalb haben manche Staaten und Unternehmen sogar damit begonnen, Strafgefangene mit langen Freiheitsstrafen anzuwerben.

#Orbit #Asteroiden #Astronauten #Risiko #Gefahr #Bergbau #Rohstoffe

http://jmp1.de/h2191

2506 Hephaistos-Krise.

Eine kurze Schwankung am Rohstoffmarkt bringt die Hephaistos-Assoziation in Zahlungsschwierigkeiten. Nach Jahren schwerer Krise, Bailout, Insolvenz und Hilfsprogrammen entsteht die Delphi-Föderation.

Die Hephaistos-Assoziation ist ein Zusammenschluss von Rohstoffkonzernen, Transportunternehmen und Siedlungen auf dem Mars. Die Assoziation ist hervorgegangen aus einer Gruppe von Raumfrachtunternehmen, die vor der Isolation der Erde im Libanon, Syrien, Griechenland und Nordafrika ansässig waren. Zum Zweck des Marketings wird eine Identifikation mit phönizischen und griechischen Händlern (3000 Jahre zuvor) gepflegt. Die Mitglieder von Hephaistos sind wohlhabend geworden durch die Lieferung von Rohstoffen und darauf basierenden Designs in das ganze System. Hephaistos-Mitglieder sitzen auf den bedeutendsten Titanvorkommen des Mars. Sie bilden den Kern des Titan-Kartells im inneren System. Neben der Herstellung von Fab-Input ist Hephaistos führend bei Designs, die Titan und Titanlegierungen als Input verwenden.

Aufgrund der hohen Gewinne können sich viele Hephaistos-Mitglieder freie Oberflächenbereiche und aufwändige Architektur leisten. Freie Bereiche kommen ohne feste Kuppelkonstruktionen aus. Sie halten den atmosphärischen Druck durch eine Kombination von transparenten Abschirmungen und aktiven Techniken. Freie Bereiche sind aufwändig im Unterhalt. Aber das Leben dort kommt dem auf der Erde am nächsten.

Die großzügig angelegten freien Bereiche von Hephaistos ziehen viele Unternehmen und wohlhabende Privatpersonen an. Eine Hephaistos-Repräsentanz gilt als Statussymbol. Die Lebenserhaltungsabgaben sind niedrig. Sie werden über die Einnahmen des Titan-Kartells subventioniert. Grundstücke in den freien Bereichen werden um die Jahrhundertwende sehr teuer. Die steigenden Preise stellen die Mittel bereit, um die freien Bereiche zu erweitern.

Im Jahr 2501 wird in einem seit langem bekannten Geröllhaufen Asteroiden (rubble pile asteroid) ein Titankern entdeckt. Das führt kurzzeitig zu einem Einbruch des Titanpreises. Hephaistos macht tatsächlich nur 23 % des Umsatzes mit titanbasierten Rohstoffen, davon wiederum 2/3 der Wertschöpfung mit Legierungen und Composites. Über die Hälfte des Geschäfts besteht aus Designs und Produktionsleistungen von Alltagsgegenständen bis zu Groß- und Spezialanfertigungen. Trotzdem bricht mit der Titan-Rohstoffmarkt ein und damit auch die Reputation einiger Hephaistos-Mitglieder. Stützungsaktionen der Assoziation sind wenig erfolgreich, aber teuer in Re2cap (Resource Reputations und Kapazitätssystem) Währung. Daraufhin sinken die Kapazitätsbewertungen von Hephaistos auf breiter Front. Die Konten in Kapazitätsnetzwerken sind durch die Subvention der freien Bereiche schon seit längerer Zeit stark überzogen. Die Märkte erwarten, dass sich das Kapazitätsproblem dramatisch auf die Ertragssituation auswirken wird. Angesichts der hohen laufenden Kosten in den freien Bereichen, haben die öffentlichen Haushalte nur geringen Spielraum.

Innerhalb weniger Wochen fällt die Bonität auf einen Wert, der den Kauf externer Leistungen gegen Hephaistos-Kapazitätszertifikate (TOC: Titan Organization Capacity Certificate) unerschwinglich macht. Mit anderen Worten: viele Hephaistos-Mitglieder müssen ihren Import stark einschränken. Es kommt zu Engpässen bei Fab-Input für den Alltagsbedarf, nach 6 Monaten werden Med-Produkte knapp, vor allem Bio-Prolongation, -Substitution, -Korrektion (= Lebensverlängerung, Genprothetik, allgemeine Pharmazie). Die Probleme führen zu einer fluchtartigen Abwanderungswelle der wohlhabenden Individuen und in der Folge auch von externen Unternehmen mit Sitz in Hephaistos-Bereichen. Der Immobilienmarkt bricht ein. Die Fixkosten der freien Bereiche belasten die Haushalte sehr. Im dritten Jahr der Krise wird der erste Bereich evakuiert und abgestellt. Ein halbes Jahr später folgen 2 weitere.

2506, im 5. Jahr der Krise, bricht die Lebensmittelversorgung teilweise zusammen. Hilfen kommen aus allen Teilen des Mars und von inneren Asteroiden. Sogar Venus-Habitate schicken cap-Werte, die lokal in Fooder (Food-Fabber) Input umgesetzt und an notleidende Bewohner verteilt wird.

2508 verlässt die Hephaistos-Assoziation das Re2cap-System, und lässt eine TOC-Abwertung um 3/4 zu. Nach langen Verhandlungen einigen sich Vertreter der Hephaistos-Assoziation, die solare Koalition und Gläubiger auf einen Umschuldungs- und Hilfsplan. Dieses sogenannte Rettungspaket hat bittere Konsequenzen: die meisten Hephaistos-Mitglieder verlieren ihre Souveränität, davon die Hälfte dauerhaft. Sie werden von anderen Konzernen des Systems aus der Insolvenz gekauft. Der übrige Rumpf von Hephaistos schließt sich zusammen und wird nach einem Rebranding zur Delphi-Föderation. Die meisten freien Bereiche und Produktionsstätten bleiben in den Händen Externer. Die Delphi-Föderation definiert sich weitgehend als flächenloser Staat mit Bürgern auf fremden Territorien. Das Rohstoffgeschäft geht im Zuge des Rettungspakets verloren. Als Hauptkompetenz bleiben Fab-Design und Dienstleistungen in der Leichtmetallkonstruktion.

http://jmp1.de/h/2506

#Greece #Griechenland #Krise #Rettungspaket #Rohstoffe #Dienstleistungen

2822 Der Koloss von Ifri beginnt sich selbst zu demontieren.

Das Riesenraumschiff unbekannter Herkunft war 130 Jahre zuvor entdeckt worden. Es hat einer maximalen Abmessung von 200 km und einem Volumen von 43.000 Kubikkilometern. 80 Jahre später aktivierten Ingenieure von Ifri das semiintelligente Steuergehirn des Kolosses. Das Gehirn hatte mehrere Millionen Jahre geruht. Während der ganzen Zeit waren nur automatische Wartungsmechanismen aktiv gewesen.

Wenige Jahre nach der Aktivierung beginnt das Raumschiff, sich selbst zu zerlegen. Anfangs geschieht das noch unbemerkt durch die Wissenschaftler, die das Raumschiff seit 130 Jahren erforschen. Das Schiff beginnt im Inneren des gigantischen Schiffskörpers mit Vorbereitungen für die Demontage. 40 Jahre später wird der Vorgang offensichtlich. Die Hülle wird abgestoßen und unzählige Einzelteile strömen aus den offenen Segmenten. Viele Teile sind komplette Bauelemente. Manche sind sauber getrennte Abschnitte größerer Strukturen. Kleine Elemente sind in Containern zusammengefasst. Einige Container haben eigene Manövrierfähigkeiten. Die anderen Teile werden von einem Heer von semiautonomen Schleppern bewegt, die das Schiff selbst herstellt.


Die Nachricht von der Demontage löst hektische Aktivität bei den Völkern der interstellaren Umgebung aus. Viele der Einzelteile sind als Rohstoffe gut zu gebrauchen. Manche Module sind sogar in funktionsfähigem Zustand. Es gibt Gerüchte über wertvolle Rohstoffe und Artefakte mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Bald kommen Bergungsschiffe und versuchen Objekte zu untersuchen und an Bord zu nehmen. Das erweist sich aber als schwierig. Die Schlepper des Kolosses verschieben überraschend oft Fragmente bevor sie an Bord genommen werden können. Manchmal gibt es Kollisionen von Containern mit anderen Fragmenten, so dass die Bergung abgebrochen werden muss.

Im Lauf der Jahrzehnte schreitet die Demontage immer weiter voran. Insgesamt kommen mehrere Milliarden Einzelteile aus dem Schiffskörper bis nur noch das Makroskelett übrig bleibt und ein zentraler Bereich von 200 Kubikkilometern, der die Demontage steuert.

Viele Milliarden Teile umgeben den ehemaligen Koloss von Ifri. Sie bilden eine dichte Wolke von Objekten mit unterschiedlichen Relativgeschwindigkeiten. Es ist sehr schwierig, sich kollisionsfrei einzelnen Objekten zu nähern. Fragmente von Kollisionen und Explosionen stellen eine zusätzliche Gefahr dar. Viele Bergungsversuche enden mit Schäden. Manche sogar mit dem Totalverlust von Schiff und Besatzung. Ein Bergungsunternehmen beim Koloss von Ifri kann Reichtum bedeuten oder schnellen Tod (zumindest den zeitweiligen bis zum Backup). Arbeiter in Mech-Shells bergen Objekte im Akkord. Sie gehen dabei große Risiken ein und werden nach Unfällen wieder neu instanziiert. Viele Arbeiter sind Uploads, je nach Kultur der beteiligten Fraktion als Freiwillige oder als Sklavenarbeiter.

Ifri profitiert als nächstes System sehr von Demontage und Bergung. Die Wirtschaft des Systems wächst über Jahrzehnte rasant.

http://jmp1.de/h/2822