2802 Außerirdische Mikroben auf der Erde

Neue Untersuchungen zeigen, dass etwa ein Zehntel der irdischen Mikrofauna außerirdischen Ursprungs ist. Die fremden Lebewesen wurden im Lauf der letzten 200 Jahre unbeabsichtigt eingeschleppt. Viele fremde Organismen haben wegen ihrer inkompatiblen Biologie keine natürlichen Feinde. Sie können sich deshalb gut vermehren, stellen aber andererseits auch keine Gefahr dar.

Vor allem dort, wo sich Biofilme bilden und auf Oberflächen ist der Anteil der außerirdischen Lebensformen hoch. In der Flora und im Erdreich ist er dagegen vernachlässigbar.

Es gibt zellähnliche Formen, von Bakterien und Einzellern bis zu Mehrzellern, Pilzen und Kleinstlebewesen. Daneben gibt es aber auch auf der Erde ursprünglich nicht bekannte Mikro-Lebensformen: zellwandlose freie selbstreplizierende Makromoleküle, Archaeen-ähnliche Organismen, Semibioten, die eher belebte Materie sind als Lebensformen, sich aber fortpflanzen. Es gibt Mikroben von Exobiologien, die mit der irdischen DNA kompatibel sind. Viele basieren auf inkompatiblen Proteinsystemen von Aminosäuren, aber mit anderer Makroordnung. Und es gibt ganz fremde Informationsträger und Replikationsmechanismen.

Besonders erwähnenswert sind Morphzeller von Kofu (die sich zu verschiedenen makroskopischen Lebewesen zusammenschließen und dann wieder in Einzelarchaee trennen können), Extremophile aus vielen Quellen (die an manchen Schwarzen Rauchern der Tiefsee schon ein Drittel der Biomasse ausmachen), sog. Rostwürmer (eigentlich bakterienähnliche Einzeller, die von der Energie der Eisenoxidation leben und dafür das Rosten von ungeschütztem Eisen katalysieren. Sie treten in fadenförmigen Anordnungen auf, deshalb Rost-"würmer"), androidale Bakterien (die anorganische Makromoleküle in ihre Struktur einbauen um Nanoprozessoren zu synthetisieren, Herkunft unbekannt).

Wenn man genau hinsieht, dann findet man auch sogenannte Kessler-Viroidae, anorganische Viren, entdeckt von Zipi Kessler im Jahr 2478. Sie kommen aus dem interstellaren Raum, werden vom Sonnenwind der Heliosphäre und den Molekülen der äußeren Atmosphäre abgebremst und gelangen bis auf die Planetenoberfläche. Kessler-Viroidae sind eigentlich harmlos. Aber inzwischen weiß man, dass sie Genmaterial für Nano-Disassembler tragen, die viele verschiedene Biosysteme angreifen können. Eine Mutation der Kessler-Viroidae verursachte die Massara-Seuche 2746.

Einige parasitäre und symbiotische Lebensformen leben mit irdischen Mikroben zusammen. Dazu gehören auch Tamartaee, hocheffiziente biochemische Zellkraftwerke von Chulu, die von einigen irdischen Bakterien adaptiert wurden. Es gibt Versuche, mittels Genmodifikation menschliche Mitochondrien durch Tamartaee zu ersetzen. Man verspricht sich davon eine deutliche physische Leistungssteigerung. Das ist aber noch ein weiter Weg.

#Exobiologie #Aliens #Erde #Mikroben

http://jmp1.de/h2802

2750 Veröffentlichung des interaktiven VR-Dramas "Executive Decision"

Hintergrund ist die spektakuläre Rettung der Überlebenden des Spacedomes durch die Solaren Befreiungsfront in der Endphase des Kisor-Krieges und der moralische Konflikt auf beiden Seiten.

Die kleine Rettungsflotte der Solaren Befreiungsfront (SLF) kämpft sich durch die kisorischen Wachschiffe. Der finale Schlagabtausch findet sehr nahe beim Spacedome statt, da die Kisori die Struktur als Ortungsdeckung nutzen. Unglücklicherweise detonieren die Sprengköpfe von Anti-Schiff Röntgenlasern der SLF beim Polarisbogen des Spacedomes. Der Polarisbogen wird komplett zerstört und angrenzende Sektoren stark beschädigt. Im Spica-Abschnitt verlieren 7145 Menschen ihr Leben. Die SLF kann Bodentruppen landen 23.647 Überlebende retten.

Später, nach dem Krieg wird immer wieder diskutiert, ob die Entscheidung von Kapitän Mauro Toselli von der "Washington" (nach dem Staat Washington, dem Ort der Entscheidungsschlacht im 2. amerikanischen Bürgerkrieg 2259), auf die kisorischen Fregatten hinter dem Polarisbogen zu feuern, richtig war. Die Fregatten waren ungewöhnlich nahe beieinander, so dass sie beide gleichzeitig durch die letzten verbliebenen Anti-Schiff-Torpedos der SLF ausgeschaltet werden konnten.

Die taktische Situation der angreifenden SLF war zu dieser Zeit verzweifelt. Der schwere Kreuzer "Francis Marion" war bewegungsunfähig geschossen worden und driftete weg. Mit ihm verschwand der Raketenabwehrschild des verbliebenen SLF-Verbands. Es war abzusehen, dass die Raketenabwehr der übrigen Einheiten binnen kurzer Zeit den Angriffen der kisorischen Verteidiger unterliegen würde. Damit wäre die Befreiungsaktion gescheitert und es würde vermutlich keine weitere mehr geben. Die verbliebenen Bewohner des Spacedomes wären sich selbst überlassen und hätten den Krieg vermutlich nicht überlebt.

Der gewagte Schuss von Toselli war die einmalige Gelegenheit, zwei Verteidiger auszuschalten und das Blatt zu wenden. Toselli wusste aus den Liveübertragungen, dass der Polarisbogen schon lange evakuiert worden war. Aber viel mehr war über den Aufenthaltsort der Bewohner nicht bekannt, da die Menschen ständig auf der Flucht waren. Bei der Nähe zur Spacedome-Struktur war auf jeden Fall mit Verlusten zu rechnen. Toselli stand also vor der Entscheidung, alle verbliebenen Bewohner aufzugeben oder unter Inkaufnahme von Verlusten doch noch viele zu retten. Vielleicht hätte es noch andere Möglichkeiten gegeben. Aber Toselli hatte nur 15 Sekunden Zeit um die Situation zu beurteilen und zu handeln.

Wir wissen, wie seine Entscheidung ausfiel. Wir wissen heute, dass sie 7145 Menschen das Leben kostete. Das waren viel mehr Opfer, als das SLF-Kommando erwartet hatte. Aber weniger, als die Kisori annahmen, denn diese nutzten den Polarisbogen als Deckung in der Annahme, dass die SLF nicht auf die großen Wohnbereiche des Polarisbogens schießen würde. Den Kisori, die das Drama der Live-Feeds nicht so genau verfolgten wie die Menschen, war entgangen, dass der Polarisbogen zu dieser Zeit nicht mehr bewohnt war. Sonst hätten sie vermutlich nicht dort Deckung genommen.

Wir wissen aber auch, dass durch Toselli's entschlossenes Handeln 23.647 Menschen gerettet wurden. Und wir wissen heute, dass dies tatsächlich die letzte mögliche Befreiungsaktion war. Die Menschen hätten die nächsten 4 Jahre bis zum Ende des Krieges nicht im Spacedome überlebt und keine andere Gruppierung im Asteroidengürtel hätte sie retten können.

Kapitän Toselli wird nach Kriegsende von Angehörigen der Opfer verklagt, da er als Angehöriger einer Miliz einen Massenmord begangen habe. Die Klage wird abgewiesen, mit der Begründung, dass die SLF durch eine informelle Sicherheitspartnerschaft mit den Koalitionstruppen dem Militär zuzurechnen sei. Die Opfer sind damit Kollateralschäden von Kriegshandlungen und keine Mordopfer. Durch diese Entscheidung wird das Militär zuständig. Kapitän Toselli muss sich vor einem Kriegsgericht verantworten und wird schließlich freigesprochen.

Noch viel später wird bekannt, dass das kisorische Oberkommando die Spacedome-Aktivität mit dem Beginn der Bodenoffensive auf der Erde beenden wollte. Die Beurteilung, wie viele der verbliebenen Menschen weitere 15 Monate überlebt hätten, bleibt jedem selbst überlassen.

Die Situation um den Spacedome ist die Vorlage für das interaktive VR-Drama "Executive Decision" mit Maurizio Magris und Sren Tot Plok. Ein bemerkenswertes Feature des Stückes ist, dass man nicht nur die Personen auf der Brücke der "Washington" spielen kann, sondern auch kisorische Entscheidungsträger mit einer sehr genauen Betrachtung der moralischen Aspekte auf kisorischer Seite.

Es ist geschichtlich erwiesen, dass der kommandierende Offizier einer der kisorischen Fregatten (Trash Prek Nuang, gespielt von Sren Tot Plok) die Spacedome-Feeds sehr genau verfolgte und über die Verhältnisse im Polarisbogen Bescheid wusste. Nach einer interaktiven Variante des Drehbuchs versucht Prek den Kommandeur der anderen Fregatte zu überzeugen, den Ortungsschatten des Polarisbogens zu verlassen und damit sowohl sein Kommando, als auch die Menschen im Spica-Abschnitt zu retten. Der andere Kommandeur folgt aber strikt seinen Befehlen. Sippeninterne Politik spielt dabei ebenso eine Rolle, wie der moralische Konflikt Prek's, der durch sein Wissen über die Abläufe im Spacedome zerrissen ist zwischen der Loyalität zur Gilde und der Schuld als Teil Wachflotte für die grausamen Szenen mit verantwortlich zu sein.

Ein häufiges Ende besteht darin, dass der interaktive Prek-Spieler sein Wissen über den Polarisbogen zurückhält. Er überzeugt seinen Kollegen nicht den Ortungsschatten zu verlassen, obwohl er ihn über alte Sippenpflichten hätte zwingen können. Prek nimmt die Vernichtung der Fregatten und seinen Tod auf sich als Wiedergutmachung der Schuld, die sich die Tika-Gilde aufgeladen hatte und ermöglicht damit die Rettung der Menschen. Gleichzeitig verurteilt er damit über 7000 menschliche Zivilisten zum Tode, darunter einige, die Prek durch die Feeds kennen und schätzen gelernt hatte.

"Executive Decision" bekommt auf Kisor hohe Auszeichnungen.

#Kultur #VR #Drama

http://jmp1.de/h2750

2148 Markteinführung des beliebten Kinder Gen-Baukastens "Darwin"

Darwin von Jogos Ubirajara ist der erste Gen-Baukasten, der die Herstellung künstlicher Lebensformen auf spielerische Weise abbildet. Die Zielgruppe sind Jugendliche von 14 bis 17 Jahre.

Der Baukasten enthält einen intuitiven Gen-Designer mit HUD-Schnittstelle. Der Designer dient dazu, Organismen zusammenstellen. Die Grundform ist ein Omnipod, ein vollständig künstliche Lebensform. Der hier verwendete Omnipod ist eine angepasste, vereinfachte Variante der weit verbreiteten H8Z2(b)-Linie, der Standardplattform unzähliger wissenschaftlicher Experimente. Im Gen-Designer wählt und kombiniert man die gewünschten Eigenschaften. Eine große Bibliothek von vorgefertigten genetischen Merkmalen steht dafür zur Verfügung. Der Designer wird über Neuroimplantate (Nimps) bedient. Da viele Kinder erst nach der Pubertät ihre Nimps bekommen, lässt sich der Designer auch mit VR-Brille und sogar per Panorama-Tapete bedienen.

Ist das Design abgeschlossen, dann kann der Organismus hergestellt werden. Ein Chromosom-Drucker synthetisiert die DNA. Der Drucker braucht dafür typischerweise ein paar Stunden. Er kommentiert den Fortschritt mit lehrreichen Animationssequenzen. Dabei erfährt man welche Gene und Eigenschaften gerade gebaut werden. Man kann so den Entstehungsprozess im Detail verfolgen. Der Drucker kapselt schließlich das fertige Genom in eine künstliche Zellkernhülle.

Per virtuellem Drag-and-Drop übergibt die Benutzerin den Kern dann aktiv an die Wachstumseinheit, den sogenannten Crescer. Dort wächst aus der ersten Zelle der Organismus heran. Der Crescer ist ein vollautomatisches Wachstumssystem mit allen notwendigen Ernährungs-, Reinigungs-, und Kontrollfunktionen. Im Starterset enthalten ist Wetware für 10 Läufe: 10 neutrale Basiszellen und 10 Einmal-Wombs (Softkokons mit biologischem Adapter zum Crescer) mit je 20 ml Kapazität.

Zwei Liter beigefügte Nährlösung mit allen proteinogenen Aminosäuren reichen dank der patentierten Recyclingtechnik des Wachstumssystems für bis zu 200 g Lebensformen. Die Verbrauchsgüter lassen sich leicht nachbestellen. Der integrierte Monitor ordert rechtzeitig neues Material. Ein Refill-Abo wird empfohlen, um ungebremsten Spielspaß zu gewährleisten.

Mit dem Aufbaukasten "Sequenzierer" kann man das Genom von Lebensformen analysieren und deren Gene der eigenen Bibliothek hinzufügen. Zum Beispiel lassen sich die Gene von Hautpigmenten aus vielen Pflanzen gewinnen. Die Kombination von Genen aus verschiedenen Quellen erfordert einige Übung, da Gene miteinander interagieren. Eine zusätzliche Simulator-Software als Addon kann da helfen. Der Simulator spart Fehlversuche, die nur unnötig Material verbrauchen, aber nicht lebensfähig sind.

Für Fortgeschrittene gibt es einen Protein-Designer in dem funktionale Gruppen gezielt erstellt werden können. Die Kernkomponente ist ein integrierter Protein-Folder, der auch im Profi-Bereich eingesetzt wird.

Neben dem Omnipod stehen andere Plattformen als Upgrade zur Verfügung. Jede Plattform kommt mit einer eigenen Merkmalsbibliothek. Jogos Ubirajara legt sehr großen Wert auf eine gute Abstimmung zwischen Plattform und Merkmalsbibliothek und auf die uneingeschränkte Kombinierbarkeit der Merkmale.

Mit Sequenzierer und Protein-Designer kann man neue Merkmale entwerfen und veröffentlichen. Schon nach kurzer Zeit sind hunderte neue Merkmale im Umlauf. Zum Teil werden sogar wissenschaftliche und kommerzielle Genvorlagen für die "Darwin" Plattformen adaptiert. Natürlich kann man auch komplette Designs, Gen-Templates bestehend aus funktional abgestimmten Merkmalen herunterladen und ausprobieren.

Manche Designs haben praktische Anwendungen, wie das "Flusenpod"-Template aus dem eine kleines eiförmiges Wesen entsteht, das auf vier Stummelbeinen läuft, unermüdlich Staub in der Wohnung einsammelt und von der Darwin-Nährlösung lebt. Den passenden Nährlösungsspender kann jeder handelsübliche Drucker herstellen.

Ein bemerkenswertes Design ist der Meerk4t-Flyer. Ein flugfähiges Wesen, das über einer bestimmten Stelle kreist und einen Pfiff abgibt, wenn sich ein anderer Mensch nähert. Für so komplexe Funktionen braucht man allerdings das ZNS-Level-3 Upgrade für den Crescer und 100 ml Wombs.

Die CGG (Chaos Gene Group) zeigt wie man Darwin hacken kann. Die Tüftler verwenden Darwin, um biometrische Verifikation zu täuschen. Sie sequenzieren eigene (oder fremde) menschliche DNA und stellen daraus DNA-treue Fingerabrücke her. Fingerabdrücke, die nicht nur das richtige Muster aufweisen, sondern auch DNA-Flashtests standhalten (Template "Goldfinger"). Mit einigem Aufwand ist es sogar möglich, künstliche Augen herzustellen, die Retina-Muster für Zugangskontrollen perfekt imitieren.

http://jmp1.de/h2148

2682 Die solare Handelsgesellschaft Taiyangneng Xiangliao Yinliao Gongsi (TXYG) wird in den Kreis der inoffiziellen Gilden Kisors (die Samuk) aufgenommen

Die Handelsgesellschaft Taiyangneng Xiangliao Yinliao Gongsi (TXYG) wird in den Kreis der inoffiziellen Gilden Kisors (Samuk) aufgenommen. Damit bekommt TXYG Zugang (nur zuliefernden) zu den Transferterminals im Kisor-System. Dort werden Waren aus der gesamten Einflußbereich Kisors umgeschlagen.

TXYG ersetzt Prok Tiel Nam, eine Gilde, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten war und ihren dekadischen Samuk-Beitrag nicht mehr zahlen konnte. Die Abstandssumme beträgt ca. ein Zehntel der damaligen Rohstoffproduktion im Sol-System. Sie ist über 50 Jahre aufzubringen. Alleine die sofort fällige Anzahlung auf die Abstandssumme saniert Prok Tiel Nam. Die Anzahlung wird von einem Konsortium mehrerer interstellarer Unternehmen gestellt, darunter ein Logistik-Gigant aus dem äußeren Artu-System und Draco Ultra Kov Vyrobca. Die Konsortialmitglieder versprechen sich Exportmöglichkeiten in die Kisor-Sphäre. Sie wollen an der einmaligen Chance, die sich TXYG bietet, teilhaben und müssen dafür den Anteil von TXYG an der Anzahlung übernehmen.

Die Samuk-Mitgliedschaft überdauert tatsächlich den Kisor-Krieg. Allerdings wird TXYG vom Krieg hart getroffen, wie viele Unternehmen des Sol-Systems. TXYG und andere solare Konsortialmitglieder müssen 2605 ihren Konsortialanteil verkaufen. Ab 2605 agiert TXYG nur noch als Fassade für die anderen Mitglieder. Dies widerspricht den Statuten des Samuk. Schon die Gründung des Konsortiums war ein Verstoß, der damals aber bewusst toleriert wurde. Die Mitgliedschaft wird deshalb stillgelegt, aber nicht annulliert.

TXYG übernimmt 2616 die praktisch wertlosen Anteile der anderen Konsortialmitglieder und erstreitet 2620 vor Gericht die Reaktivierung. Die Reaktivierung wird rechtsgültig nur 7 Tage nachdem der dekadische Samuk-Beitrag fällig gewesen wäre. Selbst die gesamte Wirtschaft des Sol-Systems wäre zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage gewesen, den Beitrag aufzubringen. Aber durch das glückliche Timing hat TXYG 10 Kisor-Jahre Zeit, den Samuk-Beitrag zu erwirtschaften und entgeht damit knapp dem Ausschluss. Die Gesellschaft wird zu einem wichtigen Stütze des Wiederaufbaus, da durch die Samuk-Mitgliedschaft der Handelsausschluss unterlaufen werden kann, unter dem bis 2627 nur Gilden zum Außenhandel berechtigt sind.

2176 Der Zusammenbruch eines der führenden Reputationssysteme yu–rep führt zu bedeutenden Verlusten in der Realwirtschaft.

Die Weltwirtschaft schrumpft um 9 %. In den Folgejahren wächst die Wirtschaft um 6 % bzw. 4% und kompensiert so den Ausfall. Die von yu-rep ausgelöste Wirtschaftskrise offenbart andere Schieflagen der globalen Wirtschaft, vor allem die Überbewertung von Reputation gegenüber Kapazität und die Zersplitterung der Bewertungsnetzwerke.

Kapazitätssysteme, in denen man reale Produktionskapazitäten und -absichten abbildet, werden wichtiger, darunter hCap für Endverbraucher-Hardware aller Art, Recap für Fab-Input (Resource-Cap), CRAP für Kreativleistungen, Design und Modellierung, e-cap für Informationsverarbeitung (Eter-basiert). Gegen 2190 schwindet die Bedeutung von Reputationsbewertungen. 2195, fast 20 Jahre nach der Rep-Krise, migrieren mehrere führende Rep- und Cap-Systeme zur qui-Allianz. Während Reputationssysteme dazu tendieren, Verhalten in der Vergangenheit zu bewerten, dominiert bei Kapazitätssystemen der mögliche zukünftige Output.

Die Rep/Cap-Synthese durch qui-Netze erweist sich als stabile Grundlage für das Wirtschaftssystem. Stabiler jedenfalls, als die bisherigen Ansätze, wie begrenzt verfügbare Stellvertreter (LAP Währung = Limited Availability Proxy currency), Buchhaltung auf Fiat-Währungen, verteilte Kryptostreams und reine Reputationssysteme. Mit quiX entwickelt sich ein delokalisierter Austausch verschiedener qui-Netze. QuiX ist systembedingt nicht dominierbar, d.h. keine lokale Macht kann quiX manipulieren. Das ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor von qui.

#Wirtschaft #Krise #Reputation #Zahlungssystem

http://jmp1.de/h2176

2681 Entdeckung einer uralten Roboterzivilisation auf dem Planeten Solberg 86 III

Eine Expedition erreicht das System des Sterns Solberg 86. Die Wissenschaftler gehen in einem Orbit um den dritten Planeten. Dort finden sie, wie erwartet, eine Roboterzivilisation. Die Zivilisation ist außerordentlich stabil und langlebig. Die Roboter bewachen ein uraltes Erbe ihrer Erbauer. Deshalb soll sie studiert werden. Die Expedition hatte das System gezielt angeflogen.

Viele Entdeckungen des Aufbruchs werden aufgrund von Recherchen in extrasolaren Bibliotheken gemacht. Die interstellare Raumfahrttechnologie der Menschen ist noch nicht so weit, dass viele Schiffe vom Solsystem ausschwärmen und unbekannte Systeme untersuchen können. Interstellare Forschungsreisen sind immer noch aufwändig und teuer. Deshalb ist es effizienter in extrasolaren Bibliotheken nach lohnenden Forschungszielen zu recherchieren und diese dann gezielt anzufliegen. Diese Art der "geplanten Entdeckung" hat sich inzwischen etabliert. Viele interessante Ziele sind bekannt. Aber ein Planet gilt erst dann als von Menschen "entdeckt", wenn er wirklich von Menschen besucht worden ist.

Für die Recherche haben sich öffentliche Bibliotheken im relativ nahen Thoris-System bewährt. Dort haben Menschen traditionell eine gute Beziehung zur Babur-III-Harmonie im äußeren System. Im Thoris System gibt es mehrere Handelsvertretungen von Menschen. Diese Stützpunkte haben Zugang zum öffentlichen Netz und zu Bibliotheken. Dort wird viel über neue Handelsmöglichkeiten recherchiert und dabei fallen den beteiligten Wissenschaftlern immer wieder besondere Systeme der näheren Umgebung auf. Manchmal entstehen so neben der kommerziellen Recherche auch private wissenschaftliche Abhandlungen. Die Information wandert dann über die Mailboxen der Frachter bis zum Solsystem.

Ähnliches gilt für Artu. Allerdings ist die Kommunikation mit den verschiedenen Sophonten im Artu-System wesentlich schwieriger. Schon früh konnte ein reger Handel mit Artu etabliert werden. Aber darüber hinaus sind die Kontakte gering.

Seit der Kelrec-Invasion 30 Jahre zuvor, besteht außerdem enger Kontakt mit Kisor. Die kompatible Denkweise macht die Kommunikation mit kisorischen Quellen besonders einfach. Zudem gibt es viele persönliche Beziehungen zwischen Menschen und Kisori seit zigtausende Kisori im Solsystem bei der Verteidigung halfen. Kisor ist dabei, Thoris als Haupthandelspartner des Solsystems abzulösen. Thoris ist zwar viel näher, aber seit der Belagerung orientiert sich das Solsystem stark an kisorischer Technologie.

Die Information über Solberg 86 III kommt tatsächlich von Kisor. Das System war beschrieben in der Dokumentation zu einem automatischen Asteroiden-Miner. Dhatu Metals hatte von der Siko-Gilde den Miner gekauft. Im Anhang des Benutzerhandbuchs der Miner-KI befand sich eine Datenbank von autonomen Systemen und darunter waren nicht nur kommerzielle kisorische Modelle, sondern auch ein Überblick über exotische KI-Systeme. Das war vermutlich ein Fehler beim Zusammenstellen der Dokumentation. Anscheinend wurden beim Kopiervorgang statt der Quellenangabe die gesamten 23 TB der Quelle mit in den Anhang übernommen.

Jedenfalls entdeckte ein Mitarbeiter von Dhatu Metals während der Inbetriebnahme des Miners die Datenbank. Über die Technologietransferstelle der Bengaluru-Universität und ein Projektmeeting des Sonderforschungsbereichs "Isolierte Autonome Systeme" der Shankara-Forschungsgesellschaft gelangten die Daten an das Zentrum für interstellare Geschichte der Saurashtra Universität Rajkot/Gujarat. Professorin Khatia Buniatishvili stellte einen Antrag für eine Feldexpedition im Rahmen des Forschungsschwerpunkts "Replikationsinhibitoren" der Shankara-Gesellschaft.

Der Antrag wird genehmigt und so kommt es, dass unter der Leitung der Geschichtsprofessorin Khatia Buniatishvili ein Raumschiff im Orbit von Solberg 86 III kreist und versucht mehr über die dortige Roboterzivilisation herauszufinden. Die Expedition ist gewissermaßen ein Joint-Venture zwischen der Historischen Fakultät der Saurashtra Universität, die sich weit zurückreichende geschichtliche Daten erhofft, und der Shankara-Gesellschaft, die erforschen will, wie die autonomen Systeme von Solberg 86 III so lange stabil bleiben konnten.

Seit fast 30 Millionen Jahren existiert die Roboterzivilisation schon. Genau gesagt seit 29.825.413 irdischen Jahren. Damals starb der letzte ihrer Erbauer. Die Roboter geben bereitwillig Auskunft über den gesamten Zeitverlauf, denn dafür wurden sie programmiert. Die Aufgabe der Roboterzivilisation ist es, das Andenken der Erbauer zu bewahren und jedem (auf Anfrage) alle Informationen über die Geschichte der Erbauer zu geben. Dazu gehören ihre Geschichte, ihre Biologie, die Gesellschaft, Philosophie, Kunst, Biographien einzelner Erbauer seit Anbeginn der Aufzeichnungen und die Technologie. Es ist ein gewaltiger Berg an Informationen. Der vollständige Datenabzug einer ganzen Zivilisation.

Besonders die Technologie scheint interessant, bis man herausfindet, dass es bei High-Tech viele Lücken gibt, vor allem im Bereich von Dual-Use Technologien.

Die historischen Daten über die Zivilisation der Erbauer sind sehr umfangreich. Man erfährt alles über die 22.000 jährige Geschichte der Erbauer und die Völker in der Umgebung vor 30 Millionen Jahren.

Aber noch interessanter wären genaue Daten zur Geschichte des Sektors während der letzten 30 Millionen Jahre, vor allem jüngeren Geschichte, also der letzten 100.000  Jahre. Leider beschränken sich die Informationen seit dem Ende der Erbauer auf eine detaillierte Liste der Besucher. Aus den Beschreibungen kann man Informationen zum umliegenden Sektor ableiten. Die Herkunft der Besucher gibt indirekt Auskunft über die Abfolge der wichtigen Völker im Lauf der Geschichte. Aber die Roboter haben selbst nie das System verlassen, um weitere Daten zu sammeln.

Einige interessante Ereignisse gibt es aber doch. Schon vor 50.000 Jahren, und seitdem immer wieder, waren Kelaner unter den Besuchern. Kelaner haben wohl nie eine bedeutende Rolle im lokalen Sektor gespielt. Aber sie waren nach den Angaben anderer Völker irgendwie schon immer da. Jetzt weiß man ungefähr wie lange Kelaner schon zu den raumfahrenden Völkern gehören.

Man sieht deutlich die Wellen der kisorischen Zivilisation über die letzten 15.000 Jahre. Die Statistik zeigt auch Aufstieg und Fall des legendären solemischen Reiches und man erkennt den Beginn des Interianischen Imperiums. Damals besuchten sogar mehrmals Personen, Hände des Imperiums, das Solberg 86 System. Unzählige Völker haben Solberg 86 besucht. Die meisten kann man heute, nach Millionen Jahren, nicht mehr zuordnen.

Im Lauf der Jahrtausende und Jahrmillionen kamen auch immer wieder feindliche Besucher. Neben den üblichen Plünderern, die ohne großen Aufwand abgewehrt wurden, gab es auch viele Versuche die Roboterzivilisation zu vernichten. Mech-Zivilisationen werden von den meisten Völkern nicht gerne gesehen. Alle Völker haben während ihrer technischen Entwicklung mit KI-Ausbrüchen zu kämpfen. Meistens werden diese eingedämmt und die Technologie dann mit Replikationsinhibitoren versehen. Autonome Systeme sollen nur den Betreibern dienen, nicht selbständig agieren und sich auf keinen Fall unkontrolliert ausbreiten. Deshalb werden selbständige Mech-Zivilisationen, wie Solberg 86 III, die ohne ihre biologischen Erbauer weiter existieren, als Bedrohung angesehen. Viele lokale Ordnungsmächte, die jeweils herrschenden Imperien und Allianzen von Nachbarvölkern haben Solberg 86 im Lauf der Zeit angegriffen. Aber alle wurden abgewehrt.

Die Roboter geben bereitwillig Auskunft. Es gibt detaillierte Aufzeichnungen von allen Angriffen und in manchen Fällen sieht man riesige Mengen von Kampfeinheiten, die von allen Monden des Solberg 86-Systems aus verborgenen Arsenalen aufsteigen. Und man sieht beeindruckende Waffenwirkungen, die nicht in der Technologiedatenbank verzeichnet sind.

Die Roboterzivilisation hatte Millionen Jahre Zeit, um Kampfmittel zu bauen. Offensichtlich halten die Roboter ihr Material auch nach so langer Zeit betriebsbereit. Dafür ist eine riesige technische Infrastruktur notwendig.

Auf den ersten Blick erscheint nur der dritte Planet von Robotern "bewohnt". Es gibt geringe Bergbauaktivitäten in den Asteroiden und den Monden der Gasplaneten. Aber bei genauerem Hinsehen entdeckt man, dass große Teile des Systems, viele Monde und Asteroiden, ausgebaut sind und unterirdische technische Anlagen besitzen.

Die Roboter haben den Auftrag das Andenken ihrer Erbauer zu bewahren. Sie sorgen mit allen Mitteln dafür, dass das so bleibt. Sie sind da. Sie bleiben da. Es gibt keine Mutation, keine Neuinterpretation des Auftrags, keine Ausbreitung, keine Bedrohung anderer Völker. Der Auftrag ändert sich nicht. Sie ändern sich nicht. Zeit spielt für sie keine Rolle. Sie machen weiter.

Über sich selbst geben die Roboter wenig Auskunft. Ihr Informationsauftrag bezieht sich nur auf ihre Erbauer. So bekommen die mitgereisten KI-Forscher nur wenig Substantielles über den langfristigen autonomen Betrieb der Mech-Zivilisation. Die Historiker der Expedition erfahren sehr viel über die Geschichte vor 30 Millionen Jahren, aber wenig über die jüngere Vergangenheit.

Die Expedition liefert interessante Erkenntnisse. Alleine die Tatsache, dass es diese Mech-Zivilisation schon so lange gibt, öffnet vielen Menschen die Augen wie groß und vielfältig das Universum ist. Auf der anderen Seite sind die meisten Informationen nur indirekt (abgeleitet aus den Besucherlisten), unvollständig (im High-Tech Bereich) oder inzwischen irrelevant (wie die ausführliche Geschichte der Erbauer vor langer Zeit).

#Roboter #Geschichte #Zivilisation #Erbe

http://jmp1.de/h2681

2540 Mukhagni-Zwischenfall

Militär des inneren Systems bombardiert einen sonnennahen Asteroiden und stürzt ihn dann in die Sonne. Offiziell ein Test. Aber viele Beobachter vermuten ein außer Kontrolle geratenes Experiment mit verbotener Technologie.
Bei Mukhagni, einem kleinen Asteroiden innerhalb der Merkurbahn, ereignen sich in kurzer Folge mehrere Antimaterie-Explosionen von jeweils 100 Megatonnen Sprengkraft. Das Ereignis erregt systemweit Aufsehen. Es gibt keine Erklärung von offiziellen Stellen. Zwei Tage später beginnen Kampfeinheiten der Magadha-Sangha-Föderation/Venus aus großer Entfernung Mukhagni zu beschießen. Die Militäreinheiten nähern sich Mukhagni auf Max-Delta-V Kursen aus allen Richtungen und feuern dabei weiter.

Die Nachrichtenagenturen des Solsystems übertragen live. Moderne Großteleskope lösen die Ereignisse bis auf 20 m auf. Auch über interplanetare Distanzen. Man erkennt deutlich die Auswirkungen des Bombardements auf den Asteroiden, aber keine Gründe für die exzessiven militärischen Maßnahmen.

Einige Tage später entdeckt man Frachter von Venus und Merkur, die zusätzliches Kriegsmaterial in Richtung Mukhagni transportieren. Kommerzielle Massdriver in der Umlaufbahn Merkurs unterstützen das Bombardement. Nach kurzer Zeit wird klar, dass die Massdriver Mukhagni kinetische Energie und Drehimpuls entziehen, um seine Bahn Richtung Sonne zu lenken.

Die Umlaufbahn von Mukhagni wird elliptisch und nähert sich nach mehreren Wochen der Sonne. Bei 10 Millionen km Entfernung werden die militärischen Angriffe eingestellt. Die kinetische Komponente des Bombardements wird durch Massdriver von Venus und Merkur weitergeführt bis die Bahn schließlich die Roche-Grenze unterschreitet und die Fragmente des Asteroiden in die Sonne stürzen.

Die offizielle Erklärung ist eine Gefechtsübung in der eine kinetische Bedrohung (der Asteroid) bei gleichzeitigem Unterdrückungsfeuer von Kurs abgebracht werden soll. Ein Test der Magadha-Föderation zum Schutz der Bevölkerung des inneren Systems als Reaktion auf den Umvelinqangi-Vorfall wenige Jahre zuvor. Das erklärt jedoch nicht die initialen Detonationen.

Tatsächlich war Mukhagni eine Forschungseinrichtung von Ratha-Musala (dem Entwicklungsbüro) von Ajatashatru (des interplanetaren Nachrichtendienstes) der Magadha-Sangha (einer wohlhabenden Föderation von Venus Habitaten). Entgegen der offiziellen Darstellung war auf dem Asteroiden ein geheimes Forschungsprojekt außer Kontrolle geraten. Die initialen Amat-Detonationen sollten wohl den Asteroiden sterilisieren und das Problem beseitigen. Das hatte aber nicht den erwarteten Erfolg. Daraufhin sahen die Verantwortlichen keine andere Möglichkeit, als den Asteroiden (unter gewaltigem Aufwand und ständigem Unterdrückungsfeuer) in die Sonne zu stürzen.

Natürlich vermutet man illegale KI-Forschung wie bei der Newplace-Verschwörung 100 Jahre zuvor. Damals konnte die asymptotische Entwicklung einer Gestalt-KI nur durch eine sphärische Welle von Antimaterie-Explosionen unterdrückt werden. Im Fall von Mukhagni hatte Ratha-Musala offensichtlich vorgesorgt und als Notbremse schwere Sprengsätze installiert. Wahrscheinlich eine Lehre aus der Newplace-Erfahrung. Ratha-Musala hatte auch die Weisheit die Sprengsätze zu zünden, aber das reichte wohl nicht aus. Was immer sich auf Mukhagni befand oder entwickelte, es war so mächtig, dass es selbst konzentrierten Angriffen von mehreren Großkampfschiffen, deren Lenkwaffen und Angriffsdrohnen widerstehen konnte. Aber was kann gefährlicher sein, als die Newplace-KI? Die Anzeichen deuten auf eine überlegene Technologie hin. Hatte eine asymptotische KI in kürzester Zeit neue Technologien entwickelt? Oder hatte Ratha-Musala schon so früh Zugang zu extrasolarer Technologie? Nach einer anderen Theorie experimentierte Ratha-Musala mit Kessler-Viroidae (entdeckt durch Zipi Kessler, 2478) und aktivierte dabei Disassembler-Gene (vgl. Massara-Seuche, 2746). Dann wäre das nukleare Bombardement dazu da gewesen, die vom kinetischen Einschlag ausgeschleuderten Bruchstücke zu sterilisieren. Analysen, die eine Korrelation zwischen kinetischen und nuklearen Feuersequenzen zeigen, weisen in diese Richtung.

Die Tatsache, dass solare Mächte irgendwo im Sonnensystem geheime und manchmal auch verbotene Forschungsprojekte an geächteten Technologien durchführen, ist wenig überraschend. Oft verwenden sie dafür kleine abgelegene Asteroiden, da Asteroiden mehr Deckung vor den allgegenwärtigen Teleskopen bieten, als Raumstationen. Im Laufe der Jahrhunderte werden mehrere solcher Aktivitäten aufgedeckt. Meistens durch Zufall, ein Unglück oder mangelnde Sorgfalt der Betreiber. Ein militärisches Sperrgebiet ohne militärische Aktivitäten ist ein deutliches Zeichen für geheime Aktivitäten, wenn auch nicht unbedingt für illegale Projekte oder geächtete Technologien.

Ratha-Musala hatte für seine Forschungseinrichtung einen Vulkanoiden in Sonnennähe gewählt und vorsichtshalber Antimaterie-Sprengsätze installiert. Offensichtlich waren sie sich des Risikos ihrer Forschung bewusst (das spricht eigentlich gegen die Kessler-Viroidae Theorie). Was auch immer der Inhalt der Forschung war, man kann davon ausgehen, dass es sich um interplanetar geächtete Technologie handelte. Jedenfalls wurde selten in der Geschichte des Solsystems einem geheimen Projekt so eine große mediale Aufmerksamkeit zuteil.

#Asteroid #Technologie #Militär #Illegal #Medien

http://jmp1.de/h2540

2359 Eröffnung des ersten freien Bereichs auf dem Mond angeschlossen an die Mondbasis Vegas.

Ein freier Bereich auf der Mondoberfläche wird abgeschirmt durch eine immaterielle Kuppel. Die Oberfläche ist offen zum Weltraum, wie die Oberfläche der Erde. Durch technische Maßnahmen werden atmosphärische Bedingungen wie auf der Erdoberfläche hergestellt, ohne dass eine feste transparente Kuppel, massive Abschirmungen oder Seitenwände nötig sind.

Der freie Bereich hat einen Durchmesser von 5 km. Die Atmosphäre ist insgesamt 3 km hoch. Davon sind nur die untersten 100 m bewohnbar. Darüber beginnen die Schichten des Einschluss-Systems. Das System gewährleistet einen Druck von 0,7 bar in Bodennähe und einen Sauerstoffpartialdruck, der Atmen und freie Bewegung ohne zusätzliche Lebenserhaltung ermöglicht.

Eine Kombination von transparenten Abschirmungen und aktiven Techniken hält die Atmosphäre und schützt vor der Strahlung. Der Bereich ist nicht vollständig offen zum Raum. Tatsächlich wird er überdeckt von mehreren Schichten aus Gittern transparenter Streben. Daran sind elektromagnetische Nahfeldprojektoren befestigt, die die Bewegung der Atmosphärenmoleküle nach innen begrenzen. Die größeren Komponenten am Himmel werden durch Metamaterialien für optische Wellenlängen unsichtbar gemacht. Aus Sicherheitsgründen gibt es zusätzlich eine passive schützende Hülle aus transparenter Keramik.

Damit unterscheidet sich der freie Bereich nicht wirklich von anderen transparenten Domen. Aber die Wirkung ist trotzdem beeindruckend. Verlässt man Vegas durch den neuen Ausgang zum freien Bereich und spaziert hinunter über die große Freitreppe, dann kommt man in eine grünen Park unter einem dunkelblauen Himmel wie auf der Erde in 3-4 km Höhe. Das ist ein spektakulärer Unterschied zur übrigen Mondoberfläche die von harter Strahlung, Vakuum und toxischem Feinstaub geprägt ist.

Der Bereich wird im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut. 100 Jahre später bei der Erweiterung auf 10 km Durchmesser verzichtet man auf die schützende Kuppel, da sich die anderen Maßnahmen als sehr zuverlässig erwiesen haben.

Der freie Bereich wird zum beliebten Ausflugsziel für die Bewohner des Mondes und für Touristen. Lange Zeit ist Vegas der Sitz der Koalition. Obwohl das Sonnensystem nie politisch geeint ist, ist für viele Menschen Vegas die Hauptstadt des Sonnensystems. Die Möglichkeit sich ungehindert von den üblichen Abschirmungen unter einem offenen Himmel zu bewegen, macht Vegas sehr attraktiv. Gerade während der Abschottung der Erde tragen freie Bereiche wesentlich dazu bei, dass Menschen im interplanetaren Raum heimisch werden.

Während des Systemkriegs im 26. Jahrhundert landen Koalitionstruppen im freien Bereich von Vegas. Die Eindämmungstechnik wird dadurch teilweise außer Funktion gesetzt. Aber Notfallmaßnahmen verhindern eine katastrophale Dekompression. Die Landung im freien Bereich hat für die Koalitionstruppen den Vorteil, dass sie wie frühere Luftlandetruppen abspringen und dann unter Normaldruck agieren können. Auf diese Art können - für einen Kampf im Weltraum - ungewöhnlich viele Bodentruppen eingesetzt werden. Die Verteidiger werden überrannt. Nach der Einnahme von Vegas ziehen sich die irdischen Truppen vom Mond zurück.

Anfang des 28. Jahrhunderts leben mehr als eine Milliarde Menschen außerhalb der Erde. Auf Mond, Mars und anderen atmosphärenlosen Himmelskörpern gibt es viele freie Bereiche mit einer Gesamtfläche von über 200 Quadratkilometern. Während des Kisor-Kriegs schrumpft die interplanetare Bevölkerung stark und viele freie Bereiche werden wegen ihrer Unterhaltskosten abgeschaltet. In der Endphase des Krieges wird dann die Metropolregion Vegas/Luna wegen ihrer industriellen Kapazität zum Angriffsziel. Auch der freie Bereich, einer der letzten noch aktiven, wird dabei zerstört.

http://jmp1.de/h2359

#Mond #Atmosphäre #Freizeit #Entspannung #Kuppel

2115 Boom der Life-Themes

Life-Themes verändern die Wahrnehmung so dass die Welt einem gewählten Genre entspricht. Neuroimplantate, die Signale auf den Sinnesnerven von Augen und Ohren erzeugen, lassen die Welt anders aussehen. Man läuft durch die reale Welt, man sieht die reale Welt, aber das Aussehen aller Dinge wird in Echtzeit an das gewünschte Theme angepasst.

Wer in einer Großstadt wohnt, aber lieber auf einer tropischen Insel leben würde, kann sich alles in der Optik einer Südseeinsel darstellen lassen. Straßenlaternen werden zu Palmen, weiter entfernte Häuser werden durch einen Strand ersetzt. Die Sonne strahlt von einem blauen Himmel statt den dunklen Wolken in der Realität.

Wer im Mittelalter leben will kann sich ein Theme aus einer riesigen Sammlung von Mittelalter-Themes aussuchen. Häuser bekommen Zinnen, Beton wird zu Backstein, Fahrzeuge werden Kutschen und sogar Personencopter werden in große Vögel oder Drachen übersetzt.

Der Trend zu Life-Themes hat viele Vorläufer. Immer mehr Menschen erleben die Realität angepasst an ihre Vorstellungen. Neuroimplantate ändern die Wahrnehmung durch Ausblendung ungewünschter Dinge und Einblendung zusätzlicher Information.

Werbeblocker entfernen schon lange Werbebotschaften aus dem retinalen Datenstrom, bevor die Nervensignale die Verarbeitung im Gehirn erreichen. Virtags zeigen als eine Art Head-up Display virtuelle Anmerkungen, Hinweise und Wegweiser, die in das visuelle Zentrum eingespeist werden. Im Gaming Bereich gibt es seit langer Zeit Real Plays, die Fortsetzung von 3D VR-Technologien in der realen Welt. Games zeigen ihre Objekte als Ebene über der Realität.

Eine der ersten Anwendungen von sensorischen Neuroimplantaten waren Assistenten, die die Umgebung analysieren und in Echtzeit Ratschläge geben, wie zum Beispiel Daten, Diskussionsargumente oder Verhaltensanleitungen. Berüchtigt ist die Klasse der Wingman Flirt-Assistenten. Unersetzlich sind Assistenten für Ingenieure, die Baupläne schon lange nicht mehr als Papierrollen oder (Display-)Sheets mit sich herumtragen, sondern Diagramme jederzeit über die optische Wahrnehmung einblenden können. Und inzwischen völlig selbstverständlich sind Hintergrundinformationen und Reputationsratings zu allen Personen, die man trifft, die Assistenten der sogenannten Shiva-Klasse.

Es gibt auch schon länger Malware auf Implantaten, die die opto-akustische Wahrnehmung manipuliert. Manche Malware blendet Werbebotschaften ein, die dann Webeblocker umgeht. Es gibt sogar Malware, die reale Ereignisse anders darstellt, um Zuschauer zu täuschen, sogenanntes Feed-Spoofing.

Ein Life-Theme ist ein Software Modul. Es wird als Plugin auf dem Neuroimplantat installiert. Gute Themes sind nicht billig. Die Analyse der Szene in Echtzeit ist aufwändig. Sie kann handelsübliche Neuroimplantate schnell überlasten. Manche Themes arbeiten deshalb mit Streaming und servergestützter Szenenanalyse. Neben dem Vertrauens-Problem (alles was man sieht wird in das Netz geschickt und dort analysiert) leidet vor allem die Echtzeitfähigkeit. Schon wenige Millisekunden Ping irritieren. Deshalb muss die Szene eigentlich lokal analysiert werden. Das setzt gute (teure) Algorithmen und aktuelle (teure) Hardware voraus. Außerdem enthalten Themes Transformationsbibliotheken, Grafikroutinen und -daten, die je nach Preis von sehr unterschiedlicher Qualität und Vielfalt sein können.

Um Life-Themes entsteht eine riesige Ökonomie. Es gibt in jedem Genre viele Varianten und viele Hersteller. Ob Mittelalter, Fantasy, Steam-Punk oder Science Fiction. Es gibt in beliebten Genres hunderte Themes und tausende Varianten, Hacks und Add-ons.

Bald bringen die Unterhaltungsnetzwerke Themes ihrer IPs heraus mit denen sich Fans in den Welten ihrer Lieblingsserien bewegen können. Urlaubs-Themes sind sehr beliebt, wie auch viele andere Realwelt-Themes, die einfach nur eine andere (aber reale) Umgebung vorspielen - Städtereisen im Alltag. Einige Overlays sind vor allem jahreszeitabhängig beliebt, wie zum Beispiel das Add-on "Frau Holle" der Wetterwarte Zugspitze. Das Add-on zaubert auf alles eine Lage Neuschnee in einstellbarer Höhe. Eine nette Spielerei sind simple Render-Themes, die keine Objekte verändern, sondern nur die Optik anpassen, zum Beispiel im Comic-Stil (inklusive Sprechblasen statt Sprache), als Fresko, als Strichzeichnung, usw.

Es gibt für fast alle Produkte Upgrades und Mods. Es gibt offene und proprietäre Schnittstellen durch die sich Plugins in die Verarbeitungspipeline einhängen können um einzelnen Schritte zu verbessern. Life-Themes haben Schnittstellen zu Werbeblockern, Assistenten und all den anderen Anwendungen auf Neuroimplantaten, die inzwischen unverzichtbar geworden sind und natürlich auch im gewählten Theme dargestellt werden sollen.

http://jmp1.de/h2115

2389 Ablösung der Todesstrafe durch Biostasis-Einlagerung

Verurteilte Straftäter werden in ein künstliches Koma versetzt und in der Schwerelosigkeit gelagert. Ihr Metabolismus wird heruntergefahren und durch Nanosonden überwacht. Die so eingelagerten Körper verbrauchen nur geringe Ressourcen. Damit belasten sie die stationseigene Lebenserhaltung weniger als in klassischen Gefängnissen.

Viele Raumstationen hatten für Kapitalverbrechen lange an der Todesstrafe festgehalten, da in künstlichen Umgebungen eigentlich keine Mittel für den Betrieb von Gefängnissen zur Verfügung stehen. Normalerweise muss jede Person, die die Lebenserhaltung belastet, ihren Anteil selbst bezahlen, entweder finanziell oder indem ein wichtiger Beitrag zum Stationsbetrieb geleistet wird. Langjährige unproduktive Haftstrafen bedeuten, dass die Gemeinschaft die hohen Kosten tragen muss. Deshalb gibt es vor allem hohe Geldstrafen, die so bemessen sind, dass sie sehr lange abgearbeitet werden müssen. Geldstrafen werden oft verbunden mit Bewegungs- und Kommunikationseinschränkungen.

In schweren Fällen, wo Sicherungsverwahrung notwendig ist, kommt Gefängnis nur dann in Frage, wenn der Verurteile mit seinem Vermögen für die weitere Lebenserhaltung aufkommen kann. Andernfalls bleibt nur die Verbannung auf eine sogenannte Asylstation wo oft anarchistische Zustände herrschen und die Lebenserwartung nicht sehr hoch ist. Oder eben die Luftschleuse.

Der Begriff Biostasis ist eigentlich falsch. Die Körper altern schneller als im realen Leben. Der Metabolismus ist zwar verlangsamt, aber gleichzeitig sind körpereigenen Reparaturfunktionen auch reduziert. Bei langjährigen Einlagerungen bauen Muskeln und Knochen stark ab. Stoffwechselprodukte sammeln sich in Organen. Gelenke werden durch Ablagerungen eingeschränkt und auch im Gehirn sterben Zellen an mangelnder Aktivität und wegen chemischen Ungleichgewichten. Die Eingelagerten verlieren die Zeit der Strafe ohne sie zu durchleben.

Es gibt Techniken zur verlustfreien Einlagerung (sogenannte "konservierende Biostasis"). Sie werden aber für verurteilte Straftäter nicht angeboten, da das nur einen zeitlichen Ausfall ohne Verlust von Lebenszeit bedeuten würde. Für manche wirkt die Option so praktisch in die Zukunft geschickt zu werden nicht unattraktiv. Aus dem gleichen Grund ist eine passive digitale Speicherung nach Upload mit späterer Reaktivierung als Mech nicht vorgesehen.

Wenn ein Gericht entscheidet, dass ein verurteilter Straftäter von der Gesellschaft getrennt werden muss, dann ist die Biostasis-Einlagerung humaner und gerechter als die Alternativen. Sie ersetzt die Todesstrafe, die im Zeitalter von langen biologischen Leben und digitalen Backups als inhuman, aber doch als ökonomisch notwendig betrachtet wurde. Sie ersetzt auch die Verbannung, die oft einem Todesurteil gleichkam, da es Neuankömmlinge auf Asylstationen sehr schlecht erging. Mit Biostasis-Strafen erhalten alle Bevölkerungsgruppen, ob reich oder arm, die gleiche Behandlung. Vorher konnte man mit einem großen Vermögen die Todesstrafe abwenden wenn man die Lebenserhaltung während der Haft bezahlen konnte. Nun werden alle eingelagert bis die Strafe abgebüßt ist.

http://jmp1.de/h2389