3291 Die Nachricht vom Ende der Mansalu erreicht die Erde

Die Nachricht ist Teil eines der regelmäßigen Mercato-Infopakete, die solare Nachrichtenagenturen abonniert haben. Deshalb wird sie als vertrauenswürdig angesehen. Mercatos geben Nachrichten von Sippe zu Sippe weiter, wenn sich Sippenschiffen im gleichen Sonnensystem befinden. Jedes Schiff nimmt neue Nachrichten auf, lässt dafür ältere entfallen und sendet beim nächsten Zusammentreffen das ganze Infopaket. Auf diese Weise verbreiten sich Nachrichten immer weiter, bis sie durch Neuere ersetzt werden. Die Verbreitung ist ungerichtet. Sie gleicht einem Diffusionsprozess. Manchmal überbrücken einzelne Nachrichten auf diese Weise tausende von Lichtjahren. Es wurden sogar schon bis zu 30.000 Lichtjahre beobachtet.

Die Daten sind verschlüsselt. Nur Mercatos haben Zugriff darauf. Andere Völker erfahren davon nur, wenn sie Infopakete empfangen dürfen. In manchen Gegenden gibt es einen freiwilligen öffentlichen Infodump. Im Bereich, der das Solsystem einschließt, lassen sich Sippenschiffe die Informationen bezahlen. Einige Nachrichtenagenturen des Solsystems haben Info-Streams abonniert. Im Solsystem ist das so geregelt, dass die Abonnenten die üblichen Tauschgeschäfte von Mercatos mit lokalen Handelspartner subventionieren. Die Nachrichtenagenturen zahlen in einen Fonds ein, der bei Geschäften der Mercatos einen Teil der Tauschwaren durch lokale Währung ersetzt. Damit kaufen die Mercators effektiv günstiger ein. Das System ist überall verschieden. Trotzdem scheinen auch Sippenschiffe, die noch nie im Solsystem waren, genau zu wissen, wie das Geschäft Information gegen Subvention der Tauschwaren abläuft. Man vermutet, dass Mercatos in allen Sonnensystemen Info-Bojen haben, die sie mit den notwendigen Informationen über die lokalen Verhältnisse versorgen.

Die Infopakete sind unsortiert und nicht kategorisiert. Es gibt keine Ordnung nach Quelle oder Zeitangaben. Aber das lässt sich alles automatisch auf Kundenseite erzeugen. Mercatos achten peinlich genau darauf, möglichst wenig Informationen über sich selbst preiszugeben. Kategorien wären Informationen, nicht nur zu den kategorisierten Daten, sondern auch über denjenigen, der die Kategorien erstellt hat. Aus dem gleichen Grund sind die Nachrichten in Mercato-Symbolcode und nicht in die lokale Sprache übersetzt. Sie wollen vermeiden, dass man durch statistische Analysen übersetzter Texte Muster erkennt, die Rückschlüsse auf Denkweise oder Kultur der Mercatos zulassen. Koordinatenangaben beziehen sich auf den Ort des Senders und seine Orientierung zur lokalen Sonne. Zeitangaben sind relativ zum Sendezeitpunkt in Vielfachen der Schwingungsdauer der 21-Zentimeter Wasserstoff Linie, einer universellen Konstante. Bei jedem Sendevorgang, zwischen Sippenschiffen und zu anderen Völkern, werden Orte und Zeiten umgerechnet.

Bei den Nachrichtenagenturen filtern Bots durch die riesige Datenmenge. Fast alle Informationen sind an ihrer Quelle öffentlich verfügbar. Die Dienstleistung des Mercato-Infonetzwerks besteht vor allem im Transport, nicht darin geheime Daten zu beschaffen. Es handelt sich um Nachrichten aus Wirtschaft, Kultur, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Die meisten Daten sind wertlos. Es sind Details zu Individuen oder Organisationen, oft hunderte Lichtjahre entfernt. Aber manchmal sind nützliche Informationen dabei, wie zum Beispiel Börsenkurse von Gütern bei wichtigen Handelspartnern. Von solchen Nachrichten kann man wirtschaftlich profitieren.

Die Nachricht vom das Ende der Mansalu kommt aus 2500 Lichtjahren Entfernung. Sie ist ein Schock. Das Solsystem ist zwar nicht direkt betroffen, aber Mansalu ist/war gewissermaßen das Ideal einer Super-Zivilisation, die "glänzende Stadt auf dem Hügel". Mansalu ist unsere lokale Super-Zivilisation und man kann sich nicht vorstellen, dass sie einfach enden kann. Die Nachricht ist sehr kurz. Es ist eine der kürzesten, die es je gegeben hat. Sie lautet etwa: "Mansalu ist weg". Es gibt keine Details zu den Umständen. Nur die Tatsache, dass das Volk der Mansalu oder ihre Zivilisation nicht mehr da ist. Und da es sich um einen Mercato-Infodump handelt, glaubt man im Solsystem, dass es auch so stimmt wie angegeben. Manche Kommentatoren geben zu bedenken, dass die Formulierung auch andere Möglichkeiten offenlässt. Das Ende der Mansalu Herrschaft muss nicht gleichzeitig das Ende des Volkes oder des Machtbereichs bedeuten. Aber spektakuläre Interpretationen dominieren die öffentliche Meinung. Die Nachricht ist für einige Tage das beherrschende Thema im ganzen Solsystem.

Alle Informationen, die den Menschen verfügbar sind werden noch einmal zusammengetragen. Der erste Kontakt war vor über 600 Jahren, in der frühen Zeit der interstellaren Forschung. Eine private Expedition machte sich auf die Suche nach dem in vielen Quellen erwähnten Mansalu-Komplex. Damals konnte solare Technik nur Raumschiffe mit zehnfacher Lichtgeschwindigkeit herstellen. So wäre der Mansalu-Komplex eigentlich unerreichbar gewesen. Aber in der Folge der massiven technischen Hilfe durch Kisor standen auch moderne kisorische Triebwerke zur Verfügung. Solche Triebwerke wurden in Schiffe aus solarer Produktion eingebaut. Trotzdem war die Expedition mehr als ein Jahr unterwegs.

Die Expedition findet den Mansalu-Komplex. Es ist ein erschlossener Raum von 10.000 Kubik-Lichtjahren. Der Komplex umfasst mehrere Sonnensysteme und unzählige Strukturen im Leerraum dazwischen. Er hat eine riesige Bevölkerung, 1000-mal größer als die des damaligen Solsystems, das sich selbst schon für hochentwickelt hält, mit zig-Milliarden Menschen auf der Erde und einer halben Milliarde interplanetar. Aber der Mansalu-Komplex ist viel größer, gewaltiger und phantastischer. Alle angeschlossenen Sonnensysteme und Zentren im interstellaren Raum sind voll vernetzt mit Info-Relaistrecken und Expressstrecken für physischen Transport. Der ganze Komplex wirkt integriert wie eine unserer Megacitys, mit Reisezeiten von wenigen Stunden über interstellare Distanzen und fast ohne Zeitverlust innerhalb von Sonnensystemen. Der Techlevel ist deutlich höher, sowohl in den physischen Technologien als auch informationstechnisch. Mansalu liegt auf der Kardashev-Skala über 1,7. Energie und Ressourcen sind quasi unbeschränkt verfügbar. Die Zivilisation ist im Wesentlichen eine sogenannte mangelfreie (post-scarcity) Gesellschaft. Mansalu hat kein Reich oder Imperium, nur eine wenige hundert Lichtjahre großen Region in der die Nähe zu einer solchen Hyperzivilisation auf andere Völker friedensfördernd wirkt.

Später gibt es viele Expeditionen und Forschungsaufenthalte von Menschen. Auch wohlhabende Touristen besuchen Mansalu. Aber selbst mit den modernsten Triebwerken dauert die Reise 6 Monate. Das ist kein Reiseziel für den Massentourismus. Wissenschaftler dürfen die überwältigende Informationsfülle des öffentlichen Netzes (Manet, Bezeichnung geprägt durch die erste Expedition) studieren. Sie stellen Fragen und ein Avatar von Manet antwortet. Für Menschen des Solsystems nimmt das Avatar – wenig subtil – die Gestalt des französischen Malers Édouard Manet an. Interessiert sich eine Historikerin für einen bestimmten Zeitraum, dann stellt Manet eine Dokumentation gewünschter Länge zusammen. Alles über die 20.000-jährige Geschichte Kisors in 3 Minuten? Kein Problem. Die Dokumentationen werden automatisch erzeugt und in Geschwindigkeit, Informationsgehalt und Präsentationsart an das Publikum angepasst. Die Mansalu haben eine offene Informationspolitik. Trotzdem erfährt man immer nur ein bisschen mehr, als man schon weiß. Das ist auch bei Technologie so. Antworten werden immer auf den nächsten Entwicklungsschritt beschränkt. Sie gehen nur so weit, wie man mit einigem Forschungsaufwand selbst gekommen wäre. So verhindert Manet, dass die Entwicklung anderer Völker gestört wird.

Es gibt phantastische Bauwerke in Sonnensystemen, im Leerraum, in Simulationen, als Kunst und als physisch nutzbare Einrichtung. Charakteristisch für Mansalu ist die Dynamik. Alles ist ständig im Wandel, im Kleinen wie im Großen. Nicht nur Cave-Fog, Nanokomplexe und Feldschirme wie bei uns, sondern alle Strukturen können sich verwandeln, bis hin zu riesigen Habitaten. Das spricht für eine wesentlich weiter entwickelte Nanotechnologie. Viele Mansalu leben in traditionellen Orbitalen, aber ein großer Teil auch in Habitaten aus Formfeldern, anscheinend eine Kombination von Nanitenmatrix und Feldschirmen. Während wir immer noch Strukturelemente massiv aus Meta-Legierungen und nanostrukturierten Materialien bauen, ist bei Mansalu fast alles aus einer dynamischem Nanomatrix und oder gleich aus Formfeldern.

Und das alles soll jetzt plötzlich vorbei sein. Die Nachricht gibt leider keine Details. Wer kann man so ein gigantisches Gebilde zerstören? Wurde Mansalu von innen heraus zerstört, vielleicht durch eine biologische Seuche, eine Nanoplage, einen Infovirus. Oder doch erobert? Aber wer ist mächtiger als eine Kardashev 1,7 Zivilisation? Man nimmt allgemein an, dass es noch weiterentwickelte Zivilisationen gibt. Zum Beispiel die Contour, die einst Cobol besuchten. Oder die unbekannten Retter der Bevölkerung von Begun. Sogenannte Elder-Zivilisationen, noch ältere, vielleicht weisere, jedenfalls weiterentwickelte Wesen und ihre unbegreiflichen Mittel. Solche Zivilisationen treten sehr selten in Erscheinung. Sie scheinen sich nicht einzumischen. Man fragt sich warum sie sich gegen Mansalu wenden sollten. Aber man weiß einfach zu wenig. 2.500 Lichtjahre sind eben weit.

Einige Expeditionen machen sich auf den Weg um herauszufinden, was wirklich passiert ist. Alle werden abgewiesen. Bei Annäherung an die Sonnensysteme des Komplexes destabilisieren die Konverter der Raumkrümmer. Der Lévy-Effekt bricht zusammen. Die Verschiebung der Raumzeit-Blase ist nicht möglich. Bei denen, die es doch versuchen, erscheinen Nanokomplexe. Sie diffundieren durch die Schiffshüllen, manifestieren sich im Inneren und kommunizieren unmissverständlich, dass der Mansalu-Komplex gesperrt ist.

So bleibt das einige Jahrzehnte.

#Nachricht #Superzivilisation #Rätsel

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3245 Sterge-Blockade

Sterge-Resolution: Reshumanis ändert unilateral den Status von Sterge. Der Sterge-Cluster wird als zur inneren Sphäre zugehörig erklärt. Damit fällt er in den Einflussbereich der Reshumanis.

Reshumanis beansprucht die Hoheit über Außenpolitik und Verteidigung der inneren Sphäre. Dafür gibt es keine rechtliche Grundlage. Aber in den vorangegangenen 30 Jahren hat sich bei den Reshumanis-Mitgliedern der inneren Sphäre der Anspruch verfestigt, dass Außenpolitik und Verteidigung der Reshumanis zufallen, damit Reshumanis die Menschheit vor dem Barbarensturm und der Chinti-Expansion beschützen kann. Dieser Anspruch ist in der inneren Sphäre unbestritten.

Mit der Blockade des Sterge-Clusters versucht Reshumanis Druck auf die Rama-Domäne auszuüben. Offiziell nimmt Reshumanis ihr Recht zur Verteidigung des Clusters war. Das unausgesprochene Ziel ist, bei einem Kompromiss Zugriff auf den Schiffsfriedhof von Duma zu erlangen. Aber die Rama-Domäne bleibt hart.

Die Lage am Sterge-Cluster eskaliert. Dort operieren erst Flottillen beider Mächte. Dann werden die Flottillen zu Einsatzgruppen verstärkt. Wenig später führen beide Seiten größere Flottenmanöver durch. Beide Manöverräume schließen Sterge ein. Es kommt zu einzelnen Zwischenfällen mit zivilen Einheiten.

Rama beharrt auf der Zugehörigkeit von Sterge zur Rama-Domäne. Reshumanis verteidigt ihre Zuständigkeit für die innere Sphäre. Dabei ist der Begriff der inneren Sphäre nicht klar definiert. Ursprünglich waren damit nur wenige Systeme in relativer Nähe zu Sol gemeint. Im ersten Kisor-Krieg bezeichnete er die Systeme, die vom Krieg betroffen waren. Der Bereich war damals asymmetrisch Richtung Kisor verschoben, so dass auf der Kisor-abgewandten Seite des Solsystems die innere Sphäre bei 150 Lichtjahren endete, während er auf Kisors Seite bis zu 400 Lichtjahre reichte. Die Zuständigkeit ist auch deshalb unklar, weil Reshumanis den Anspruch in den vorangegangenen Jahrzehnten einseitig auf weitere Systeme ausgeweitet hatte.

Rama bleibt unbeugsam. Es gibt Schusswechsel mit Kriegsmunition zwischen gegnerischen Militäreinheiten deren Aufträge bei Manövern kollidieren. Ein Konflikt zwischen den gegnerischen Flotten, die um Sterge versammelt sind, steht unmittelbar bevor.

Ein überraschender Reshumanis-Aufmarsch bei der Sonne Duma in der Nähe Ramas führt dazu, dass starke Kräfte der Rama-Domäne nach Duma abgezogen werden und Sterge entblößen. Dann weisen Geheimdienstinformationen darauf hin, dass die Reshumanis-Aktivitäten bei Duma als Ablenkung gedacht sind, um den Großteil der Rama-Kräfte von Sterge abzuziehen. Eine andere Reshumanis-Flotte ist auf dem Weg nach Sterge. In aller Eile mobilisiert Rama eine Einsatzgruppe der Heimatverteidigung, um die Sterge zu verstärken. Die Einsatzgruppe trifft vor der Reshumanis-Flotte bei Sterge ein. Weitere Rama-Verbände sind auf dem Weg von Duma. Sie kommen aber möglicherweise zu spät, um eine Besetzung des Sterge-Systems zu verhindern.

Beide Parteien beobachten die Bewegungen der anderen genau. Dazu hat die Reshumanis-Flotte vor ihrem Abzug Überwachungsnetze installiert und Rama die Systemüberwachung von Sterge wesentlich verstärkt. Dank der ungewöhnlich hohen Sensorkapazität werden in kurzer Zeit drei Chinti-Aufklärer entdeckt. Einer wird zerstört, zwei können fliehen. Die Chinti hatten anscheinend die Lage bei Sterge beobachtet. Das sieht wie eine Aufklärungsmission vor einem großen Angriff aus. Die Sensordaten zeigen auch, dass mindestens einer der Aufklärer Sterge schon seit zwei Wochen beobachtet. Er muss den Abzug der beiden Flotten beobachtet haben. Aus Sicht der Chinti ist die Situation vermutlich eine gute Gelegenheit, Sterge überraschend zu treffen, weil die Kräfte der Menschen anderswo gebunden sind.

Kurz darauf erreicht die Reshumanis-Flotte Sterge. Die KIs der Sensorknoten informieren die eintreffenden Schiffe über die Lage. Die Reshumanis-Flotte nimmt eine Angriffsformation ein. Das Reshumanis-Kommando versucht, die einzige Rama-Einsatzgruppe durch ihre Übermacht zur Aufgabe zu zwingen. Während die Träger mit der Gefechtsvorbereitung beginnen, kommt die Nachricht des Rama-Kommandos über den möglicherweise bevorstehenden Chinti-Angriff. Die Sensordaten der Reshumanis-Überwachung bestätigen die Analyse. Das Reshumanis-Kommando bricht den Angriff ab.

Die Reshumanis-Flotte nimmt zur Überraschung des Rama-Geschwaders Verteidigungspositionen im äußeren System in Richtung der Chinti-Domäne ein. Der Angriff kann zwar aus allen Richtungen kommen, aber falls die Chinti tatsächlich angreifen, dann sind sie nicht vorgewarnt, dass eine größere Flotte der Menschen im System angekommen ist. Wenn man annimmt, dass sie sich durch den Überraschungseffekt im Vorteil sehen, dann gibt es für sie keinen Grund den Angriff komplizierter zu machen als nötig und nicht den kürzesten Weg zu nehmen. Mit anderen Worten: kommt ein Angriff bald, dann ziemlich sicher aus einer bekannten Richtung. Extrapoliert man vergangene Überfälle der Chinti-Flotten auf befestigte, aber sonst unverteidigte Systeme, dann kann man Annahmen treffen über den Ablauf des Angriffs, die Verteilung von Angriffskomponenten, über die Position von Aufmarschgebieten in denen Träger ihre Langstreckenmaßnahmen einleiten und über Logistikbereiche in denen ungeschützte Begleitschiffe mit Munition und Ersatzteilen warten werden.

Trotz der Annahmen ist der mögliche Ankunftsbereich noch sehr groß. Er wird im Bereich der äußeren Gasreisen in Richtung der Chinti-Domäne vermutet. Aber das ist zehnmal so viel Raum, wie das ganze innere System. Das ist zu groß, um vollständig als Falle vorbereitet zu werden. Ein großer Teil der verfügbaren elektronischen Kriegsführung (EW: electronic warfare) wird vorausgeschickt, um auf der direkten Linie zwischen dem vermuteten Ankunftsgebiet und dem inneren System einen riesigen Habitat-Cluster mit zivilem Verkehr, Frachtterminals und einem Flottenstützpunkt zu simulieren. Das Reshumanis-Kommando will damit ein Ziel schaffen, das die Chinti nicht ignorieren können, um deren Vektor noch weiter einzugrenzen. Einige Kubik-AU vor dem simulierten Cluster werden mit Langstreckenraketen vermint.

Die Chinti-Flotte erscheint am Rand der erwarteten Zone.

Die Träger entladen ihre Langstreckenmittel, Marschflugkörper, taktische Bomber, Hochgeschwindigkeitskanonen für kinetische Munition, Simulations- und Sensordrohnen. Mehrere Einsatzgruppen von Nahkampfplattformen nehmen Kurs auf das innere System. Sie werden geschützt durch überlichtfähige Kampfeinheiten. Aufklärer übernehmen die Führung. Vor ihnen expandiert die Front der Sensornetzwerke.

Ein Drittel der Invasionsflotte weicht vom direkten Kurs ab, um den simulierten Habitat-Cluster zu anzugreifen.

Die Minen im Vorfeld des simulierten Habitat-Clusters schlagen zu.

Reshumanis-Verbände lösen sich aus ihrer Ortungsdeckung bei natürlichen Himmelskörpern im Rücken der Invasionsflotte.

Die Chinti behalten den Kurs bei.

Reshumanis-Verbände greifen die Invasoren von an. Sie sind bei etwa gleich vielen Einheiten deutlich Vorteil, weil das Verteidigungsnetzwerk der Invasionsflotte im rückwärtigen Bereich dünn ist und die Begleitschiffe sich aufteilen müssen.

Die Chinti erreichen den äußeren Verteidigungsbereich der statischen Systemverteidigung. Beide Seiten sind darauf vorbereitet. In mehrstündigen Gefechten wird das äußere Verteidigungsellipsoid von Sterge auf 0,2 Quadrat-AU neutralisiert.

Die Einsatzgruppe von Rama verlässt den Orbit des fünften Planeten und nimmt Kurs auf die Invasionsflotte.

Die Chinti behalten den Kurs bei.

Mehrere leichte Kreuzergeschwader greifen die Logistikvolumina der Invasoren an. Die Versorgungseinheiten sind nur leicht geschützt. Minenfelder fordern unerwartet hohe Verluste unter den leichten Kreuzern. Trotzdem können die Reshumanis-Einheiten einen Großteil der Chinti-Frachter zerstören.

Die Chinti behalten den Kurs bei.

Eine zweite Chinti-Flotte erscheint hinter den Reshumanis-Verbänden, die die erste Invasionsflotte verfolgen, direkt an der neuen Strukturlücke im äußeren Verteidigungsellipsoid. Es ist ein riskanter Hochgeschwindigkeitsanflug bis weit in das mittlere System. Eine große Zahl von Konverterexplosionen, wo Chinti-Schiffe auf Tiefraumsperren trafen, markiert den Weg. Trotz hoher Verluste bleibt eine beeindruckende Flottenstärke, die noch voll munitioniert ist und jetzt hinter den Reshumanis-Verbänden zum Angriff übergeht.

Reshumanis-Verbänden müssen ihre Angriffe auf die erste Flotte abbrechen, um sich zu verteidigen. Die Orientierung auf den neuen Gegner ist verlustreich.

Im mittleren System behält die erste Chinti-Flotte den Kurs bei. Sie stößt auf die Rama-Kampfgruppe, die von der statischen Systemverteidigung unterstützt wird.

Nach 12 Stunden zeichnet sich ab,

- dass die dezimierte erste Chinti-Flotte in den Gefechten aufgerieben wird,

- dass die Trägergruppe von Rama dabei hohe Verluste erleidet,

- dass der Reshumanis-Flotte die Munition ausgehen wird bevor sie die zweite Chinti-Flotte signifikant reduzieren kann,

- dass das innere Verteidigungsellipsoid nach der Belastung durch die erste Chinti-Flotte der zweiten Flotte nicht standhalten wird.

Mehrere große Kampfverbände von Rama erreichen das Sterge System mit dem Auftrag, das System vor Reshumanis zu schützen, falls dies noch möglich ist oder es zurückzuerobern, wenn nötig. Da die Alarmvektoren der Tiefraumsperren bekannt sind, können sie schnell den Bereich der äußeren Verteidigung erreichen. Die Flotte ist um Tau-Achtel radial versetzt. Deshalb dauert der Flug bis zum Kampfgebiet, bei den maximal möglichen Geschwindigkeiten im mittleren System, mehrere Stunden.

Die Reshumanis-Flotte hat keine Munition mehr und zerstreut sich in der Hoffnung, dass die Chinti die fast wehrlosen Einheiten einzeln verfolgen und dabei tiefer in die Systemverteidigung geraten.

Die zweite Chinti-Flotte hält den Kurs und schließt zu den Resten der ersten Flotte auf.

Die neuen Verbände von Rama greifen die vereinigte Chinti-Flotte an.

Die Gefechte dauern einen Tag. Kräftemäßig liegen Angreifer und Verteidiger anfangs gleichauf. Aber die Verteidiger sind jetzt im Vorteil. Sie können jederzeit neu munitionieren bei Versorgungsschiffen und Stützpunkten im inneren System und sie haben die statische Systemverteidigung auf ihrer Seite. Sie nutzen die zivile Objektüberwachung und können höhere Geschwindigkeiten erreichen. Die mobilen Kampfeinheiten der Verteidiger verbringen weniger Zeit im Flug zwischen Schauplätzen und sind damit effektiver als die Angreifer.

Chinti können sich nicht ergeben. In ihrer Biologie werden Individuen durch Markierer auf genetischer Ebene überzeugt zum Gegner überzutreten. In einer Auseinandersetzung unter Chinti werden sie dann vollwertige Mitglieder der ehemaligen Gegner. Aber in diesem Kampf gibt es keine Gen-Markierer. Sie kämpfen bis die Munition ausgeht. Dann versuchen sie zu fliehen. Ohne eigene Abwehrmittel müssen sie die Verteidigungsellipsoide nach außen durchdringen.

Nur wenige entkommen. Zwei große Chinti-Flotten sind vernichtet. Bei schmerzhaften, aber viel geringeren militärischen Verlusten der Menschen.

Im Verlauf der Kämpfe versuchten Chinti, mit einigem Erfolg, Verteidigungskräfte durch Angriffe auf zivile Ziele zu binden. Manche Angriffe kommen durch. Es gibt 80 Millionen zivile Verluste (10 Millionen final). Es hätten auch 2 Milliarden sein können – final.

Die erste Schlacht von Sterge geht als großer Sieg in die Geschichte ein.

#Krieg #Aliens

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3308 Beobachtung einer Supernova Explosion aus der Nähe

Nur alle 100 Jahre ereignet sich eine Supernova in der Milchstraße. Aber eine Supernova, die für uns erreichbar ist, ist noch viel seltener.

Die Menschen kennen und besuchen nur einen kleinen Teil ihrer Galaxie. Nur alle 20.000 Jahre gibt es ein Supernova-Ereignis, das so nahe ist, dass man hinfliegen kann. Es ist ein riesiger Zufall, dass sich eine Supernova nur 5.000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Orion-Arm ereignet. Also nicht mehr als ein Jahr Flugzeit entfernt.

Der Supernova-Kandidat steht bei vielen Völkern schon lang unter wissenschaftlicher Beobachtung. Der Stern ist von der Erde aus nicht zu sehen, weil er von einer interstellaren Gas-/Staubwolke verdeckt ist. Aus Sicht der Erde beleuchtet er die Wolke von hinten. Die Formation ist deshalb auf der Erde gut zu sehen und man vermutete schon lang, dass sie einen sehr hellen Stern verbirgt. Aber erst im Zeitalter der interstellaren Raumfahrt konnte man das bestätigen. Entdeckt wurde der Stern von der GaPax Mission 2702 (GaPax, galaktische Parallaxen), die die interstellare Wolke von der anderen Seite sehen konnte. Der Stern ist ein roter Hyperriese mit stark wechselnder Strahlungsleistung (red variable hypergiant, Spektraltyp M4-10epIa). Seine Leuchtkraftänderungen hatte man schon lang als Helligkeitsschwankungen der Wolke wahrgenommen.

Wie viele andere Supernova-Kandidaten wird auch dieser Hyperriese schon seit langer Zeit von den Wissenschaftlern vieler Völker beobachtet. Viele Forschungsorganisationen haben ihre Messgeräte rund um den roten Hyperriesen installiert. Strahlungsdetektoren vermessen den Stern in allen Frequenzbereichen. Teilchendetektoren messen den Teilchenfluss von bekannten und hypothetischen Teilchen, von Neutrinos zu Gravitonen, von (relativ) langsamen Masseauswürfen bis zu ultraschnellen Teilchen kosmischer Strahlung. Neutrinos entweichen dem Kern ungehindert und liefern einen Echtzeitblick in das Innere, zumindest vor der eigentlichen Explosion. Auch Gravitationswellen zeigen die Verformung der Raumzeit im Kernbereich des Sterns quasi live.

Modelle und Simulationen werden mit den riesigen Datenmengen von den Sensoren gefüttert. Einige Jahre vor der Explosion geraten die Ergebnisse der Simulationen in Bewegung. Die Wahrscheinlichkeit für ein Supernova-Ereignis steigt stark an. Von der normalen Hintergrundwahrscheinlichkeit von 10e-5 pro Jahr auf 1% um 3250 und dann auf 10% um 3300. Die Explosion der Supernova ist deshalb keine Überraschung.

Unzählige astrophysikalische Organisationen der menschlichen Sphäre warten auf die Supernova. Die Detektoren werden kurz vorher nochmal verstärkt. Besonders viele Experimente zur Bestätigung exotischer Theorien werden aufgebaut. Die Messgeräte haben verschiedene Abständen vom Stern, je nachdem, was sie messen sollen. Es gibt "sehr nahe" Experimente in weniger als hundert astronomischen Einheiten Entfernung (AU, astronomical units = Erdbahnradien). Dort erhalten die Instrumente bei der Explosion 300 Millionen Mal so viel Strahlung wie die Erde normalerweise von der Sonne. Das sind spezielle Anordnungen mit bis zu 1000 Kilometer dicken Abschirmungen in Richtung des Sterns. In der Praxis sind das 1000 Kilometer lange Zylinder mit wechselnden Abschnitten aus Feldgeneratoren, Spiegeln, Kühlelementen und konventioneller strahlungsabweisender Panzerung. Dahinter, auf der sternabgewandten Seite, befinden sich die Messgeräte.

Andere Sensornetzwerke bilden eine Sphäre in Lichtwochen oder Lichtmonaten Abstand, um asymmetrische Effekte genau zu vermessen. Für viele Forschungsinstitute und deren Mitarbeiter ist dieses Ereignis das Highlight des Jahrhunderts. Sie betreiben einen riesigen Aufwand, um die einmalige Change wahrzunehmen. Trotzdem kommen sich die unzähligen Messinstrumente nicht in die Quere, denn der Raum ist groß.

Die einzigen Stellen an dem sich Experimente häufen, sind die Polregionen. An den Polen erwartet man einen Gammastrahlenblitz (GRB, Gamma Ray Burst). Dort sind Hochenergieexperimente aufgebaut, die die höchste Energiedichte des Universums nutzen wollen. Aber auch diese Anlagen verteilen sich auf einer Linie durch die Pole über Lichtmonate.

Unzählige Beobachter finden sich im Lauf der Zeit ein. Sie positionieren sich in verschiedenen Entfernungen. Das Ereignis zieht sich über Monate hin. Es gibt zwar einen definierten Explosionszeitpunkt, aber das Licht der Explosion braucht Wochen und Monate bis zu den Beobachtern. Mit modernen Raumschiffen kann man verschiedene Stellen der Wellenfront abfahren. Dabei muss man darauf achten, vor oder hinter der Wellenfront zu bleiben. Besonders eindrucksvoll ist natürlich das Aufleuchten des Sterns, wenn die Wellenfront den Standpunkt des Beobachters passiert. Aber die mehrtägige Hauptwelle der Strahlung ist erst in einigen Lichtjahren Entfernung ungefährlich für ungeschützte Beobachter. Bei 15 Lichtjahren strahlt die Supernova im Maximum so hell wie die Sonne auf der Erde. Viele moderne Menschen und Sophonten anderer Hightech-Völker haben adaptive Optiken statt (oder zusätzlich zu) den natürlichen Augen. Sie können die Supernova schon in 2 Lichtjahren Entfernung beobachten, wenn sie sich durch technische Maßnahmen vor Verbrennungen schützen.

Aber so weit muss die Wellenfront erst einmal kommen. Das dauert mehrere Jahre. Beobachter müssen also entweder Jahre warten, was den Ereignischarakter etwas eintrübt, oder sie fahren mit speziell abgeschirmten Schiffen hinter die Wellenfront bis nahe an den Sternenrest. Dort können sie das Nachglühen zu beobachten, den neuen planetaren Nebel bewundern und das entstandene Schwarze Loch "betrachten". Wenn man den richtigen Zeitpunkt erwischt, zwischen verschiedenen Teilchen- und Strahlungsfronten, soll ein planetarer Nebel von innen betrachtet sehr beeindruckend sein. Das Universum erscheint hell erleuchtet, in Echtzeit animiert und in unendlichen Farben über das ganze elektromagnetische Spektrum.

Wellenfront-Hopping ist nicht ganz einfach, denn die Schiffe sind von der Strahlung betroffen, ob sich die Wellenfront selbst bewegt oder ob der Raumkrümmer den Raum durch die Wellenfront schiebt. In geschützten Bereichen kann man trotzdem hinter die Wellenfront kommen. Dafür braucht man eine Barriere, die die Strahlungsfronten aufhalten kann und die groß genug ist, dass sich Schiffe dahinter verstecken können. Als natürliche Barrieren für Wellenfront-Hopping dienen große Oort-Objekte, und ein brauner Zwerg in der näheren Umgebung. In der Praxis fährt man hinter die Barriere, kurz bevor die Wellenfront erwartet wird. Dort bleibt man bis das Strahleninferno vorbeizieht. Dann kann man per ÜL-Antrieb näher an den Stern heran. Man muss nur darauf achten, vor der nächsten Welle zu bleiben und rechtzeitig wieder hinter die Barriere zu kommen. Hopper, die den Ausstieg verpassen, müssen eine andere Barriere anfliegen. Oder sie bleiben jahrelang hinter der Wellenfront bis diese so weit expandiert ist, dass das Strahlungsniveau ungefährlich geworden ist.

Viele machen das absichtlich so. Sie fliegen hinter einer Barriere in die Supernova hinein und driften dann über Monate oder Jahre vor einer Wellenfront wieder zurück in die Sicherheit, denn der aktive Ausstieg ist noch schwieriger als der Einstieg. Um aus einer Wellenfront herauszukommen muss man sie mit (scheinbarer) Überlichtgeschwindigkeit überholen und dabei im Schatten der Barriere bleiben. Wenn man nur ein Zehntausendstel Grad von der idealen Bahn abweicht, ist man verloren. Und diese Bahnen sind nicht linear. Eine Supernova hat immer asymmetrische und chaotische Komponenten. Man kann Gefahren durch überraschendes Verhalten reduzieren, indem man die Supernova ständig neu simuliert und die Simulation mit aktuellen Daten versorgt. Das ist ein riesiger Aufwand. Besucherschiffe, Messtationen und Simulationsknoten bilden ein gigantisches Netzwerk.

Besonders wagemutige Beobachter, die die Wellenfront direkt erleben wollen ohne Jahre zu warten, verschanzen sich in relativer Nähe des Sterns hinter Abschirmungen wie bei den inneren Messgeräten. Einige Extremisten gehen dabei bis auf Lichttage an den Stern heran. Sie benutzen ebenfalls tausende Kilometer lange Abschirmzylinder. Das ist natürlich nicht ganz billig. Hier geht es nicht nur um das Erleben der Supernova, sondern um das Überleben. Später kann man jahrhundertelang erzählen, dass man nur Lichttage entfernt von einer Supernova war. Das macht so schnell niemand nach. Vor allem weil die Gelegenheit sehr selten ist. Diese Abenteurer verlassen sich auf physikalische Modelle, die zwar sehr genau, aber nicht perfekt sind. Wenn die Supernova nur 20% stärker ausfällt als vorhergesagt, dann reichen die Sicherheitsmargen nicht und sowohl die vorgeschobenen Experimente, als auch die nahen Beobachter verdampfen in der elektromagnetischen Wellenfront, in der Neutrinoflut, im Teilcheninferno oder in der Schockwelle der abgestoßenen Sternenhülle. Dann hilft nur noch das Backup, aber die Erinnerung an das Ereignis ist verloren.

Bei manchen ist das sogar Absicht. Sie wollen bei der Supernova sterben. Sophonten in Hightech-Zivilisationen leben sehr lange. Zuerst in ihren genoptimierten biologischen Originalkörpern, dann mit perfekten biomechanischen Ersatzteilen, später als Upload in einem Androidenkörper, als Mech, Nanokomplex oder in einer Simulation. Für manche wird das Leben nach so langer Zeit langweilig. Kann es ein schöneres Finale für ein langes Leben geben, als in der Wellenfront von einer Supernova aufzugehen in der Gewissheit, dass die Atome des eigenen Körpers später neue Sterne, Planeten und Leben bilden werden.

Viele reisen lieber als Infomorph zu einer der vielen Messplattformen. Die Plattformen hinter den Zylinderschilden bieten nicht nur Platz für Messgeräte, sondern auch Stax (Storage And eXecution) für Schaulustige. Häufig sind die Betreiber der Messgeräte auch auf diese Weise vor Ort.

Die Supernova ist nicht nur physikalisch ein galaktisches Ereignis. Auch die Besucherzahlen sind überwältigend. Nur die wenigsten Zivilisationen beherrschen interstellare Distanzen auf diesem Niveau. Und obwohl Sophonten in Hightech-Zivilisationen sehr lang leben können und eine andere Beziehung zu Lebenszeit haben, entscheidet sich doch nur jeweils ein geringer Teil der Bevölkerung, die weite (und meistens nicht ganz billige) Reise anzutreten. Trotzdem kommen Schätzungen zufolge 200 Milliarden Sophonten aus einem Einzugsbereich von 10.000 Lichtjahren. Viele sind mehrere Jahre unterwegs. Menschen aus dem Solsystem brauchen 1-2 Jahre, je nachdem auf welche ÜL-Technik sie zugreifen können. Es gibt sogar Berichte und Interviews mit Besuchern, die aus einem Bereich der Milchstraße 30 Grad in Drehrichtung angereist sind und dafür 20 (irdische) Jahre unterwegs waren. Wirklich ein Ereignis galaktischen Ausmaßes.

Die meisten Besucher entstammen Völkern von denen die Menschheit noch nie etwas gehört hat. Auch die Menschen sind dort Fremde. Die menschliche Sphäre umfasst etwa 500 Lichtjahre. Mit den nächsten 2.000 Lichtjahren unterhält man Beziehungen. 2.000 Lichtjahre kann man in 4 Monaten schaffen. Darüber hinaus gibt es nur sporadisch Kontakte. Mit 5.000 Lichtjahren Entfernung liegt der Ort der Supernova weit außerhalb der menschlichen Interessensphäre. Das gilt auch für die meisten anderen Besucher. Sie sind weit von ihrer Heimat entfernt. Viel weiter als sie sonst reisen würden. Aber die Supernova ist eben ein ganz besonderes Ereignis für alle Hochtechnologie-Völker. Die 200 Milliarden Besucher verteilen sich über mehrere Zeit-Jahre und Lichtjahre. Sie kommen in Milliarden Raumschiffen. Eine ungeheuer große Zahl. Allein aus der menschlichen Sphäre kommen 30.000 Schiffe. Aber der Weltraum ist groß, sehr groß. Milliarden Raumschiffe verlieren sich in Kubik-Lichtjahren. Die Besucher treten sich nicht gerade auf die Füße. Im Gegenteil, der mittlere Abstand zwischen den Schiffen der Besucher ist größer als unser Sonnensystem. Das ist, als ob sich zwei Raumschiffe auf der entgegengesetzten Seite der Pluto-Bahn befinden und dazwischen ist nichts. Mit anderen Worten. Man trifft fast nie auf andere Besucher, obwohl es so unvorstellbar viele sind.

Trotzdem gibt es Orte wo man andere treffen kann. In einer Scheibe um den Äquator des Sterns stehen die Schiffe der Besucher 100-mal dichter als im Rest der Raumkugel. Die Äquatorregion scheint für fast alle Besucher etwas Besonderes zu sein, obwohl die Explosion einigermaßen kugelsymmetrisch verläuft. Nur die Pole sind wirklich besonders. Dort erwartet man den Gamma Ray Burst. Immerhin ist man am Äquator am besten davor geschützt.

Für viele Hightech-Zivilisationen, wie auch die Menschen, liegt der Mindestabstand für speziell präparierte Schiffe bei 40 - 50 Lichttagen (ca. 1000 Milliarden Kilometer). Da die meisten dem Zentrum so nahe wie möglich sein wollen, ist dort die Besucherzahl viel höher. In einem Ring um den Äquator, beim technisch möglichen Mindestabstand, ist der Schiffsverkehr sogar 2000-mal dichter als sonst. Dort tritt man sich bei einem mittleren Abstand von "nur" einer Milliarde Kilometer schon fast auf die Füße.

Dramatisch wird der Verkehr im Schatten großer Oort-Objekte. Dort versammeln sich die Wellenfront-Hopper, um hinter die Strahlungsfronten zu kommen. Das sind zwar nur wenige Prozent aller Besucher, aber an jedem der 20 Objekte konzentrieren sich etwa vier Millionen Schiffe. Alle müssen im Schatten des Wellenbrechers sein. Jeweils etwa vier Millionen Raumschiffe von 10.000 Völkern kauern sich zusammen im Schatten der Wellenbrecher. Sie kommen sich dabei bis auf 50 Kilometer nah. Eine Wolke aus Raumschiffen, 10.000 Kilometer im Durchmesser und eine Million Kilometern lang. Ein phantastischer Anblick. Und eine Herausforderung für die Navigatoren, Sophonten, Infomorphe und unbewusste KI. Die Navigatoren dieser Schiffe kennen die anderen nicht. Sie kennen nicht deren Denkweise oder ihre Navigationskonventionen. Sie kennen nicht einmal die Schiffstypen und deren Fähigkeiten. Sie haben auch keine Zeit, die anderen kennen zu lernen.

Die Zahl der Unfälle ist relativ gering für so eine ungewöhnliche Verkehrssituation. Aber die große absolute Zahl sorgt dafür, dass trotzdem 10.000 Schiffe mit drei Millionen Sophonten havarieren, durch Kollisionen oder indem sie in den Triebwerksstrahl anderer geraten.

Weit größerer Schaden entsteht durch den unerwarteten Bruch eines Oort-Objekts. Ein eher kleiner Irrläufer-Planet von 8.000 Kilometern Durchmesser bei der Marke von 130 AU wird von einem exzentrischen Mikro-GRB gestreift. Es ist eine statistische Fluktuation, ausgelöst von einem der unzähligen chaotischen Wirbel im Kern der Supernova. Es war bekannt, dass so etwas passieren kann. Man wusste, dass viele Gammastrahlenblitze geringerer Stärke abseits der Pole auftreten. Aber niemand hatte angenommen, dass einer davon ein weit entferntes Oort-Objekt treffen könnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist verschwindend gering.

Der Planet besteht zum Großteil aus Wassereis. Es ist eher ein riesiger Komet, als ein Planet. Ein Eiskeil von 500 Kilometern Tiefe verdampft explosionsartig in Sekunden. Das Objekt zerfällt in viele Fragmente, die mit 30 Kilometern pro Sekunde auseinanderdriften. Schon nach zwei Minuten wird der Bereich, der vorher im Schatten lag, dauerhaft mit 11 Gigawatt pro Quadratmeter beleuchtet. Das ist hundert Mal mehr als die besten Schiffe aushalten. Obwohl alles so schnell geht, können sich viele hinter den Bruchstücken des Planeten in Sicherheit bringen. Aber 200.000 Wellenfront-Hopper mit etwa 60 Millionen Sophonten sind zu langsam. Sie verdampfen und werden ein Teil der expandierenden Strahlungsfront. Weitere 50.000 Schiffe geraten in den Triebwerksstrahl von Nachbarn, die überhastet flüchten und dabei weniger umsichtig navigieren als sonst. Insgesamt gibt es 80 Millionen Opfer. Die meisten entstammen Hightech-Zivilisationen und fast alle haben vermutlich Backups. Aber die Erinnerung an das Ereignis ist natürlich ruiniert.

Nur 60 Lichtjahre entfernt von der Supernova liegt eine Kardashev-1,47 Superzivilisation. Dort leben 10 Billionen Individuen in einigen benachbarten Sonnensystemen. Die ersten Menschen, die einen Kontakt herstellen, sind Hochenergie-Physiker eines staatlichen Forschungsinstituts der Territorialsouveränität des inneren planetaren Asteroidengürtels beim Gasriesen Narhadul im Ticudeztu-System. Die Physiker bauen ein Experiment auf, das den Nordpol-GRB benutzen soll. Nachdem einige Komponenten ausgefallen sind, die man nicht vor Ort nicht herstellen kann, suchen sie Ersatz. Sie treffen auf Ingenieure der 60 Lichtjahre entfernten Superzivilisation, die ebenfalls gerade ihre Vorbereitungen treffen. Sie fliegen die Heimat der Fremden an, die sie Taumass nennen.

Der Name ist abgeleitet vom Begriff "Tau-Masse", weil sie ein Experiment betreiben mit dem während der Supernova die Masse des Tau-Elementarteilchens auf 20 Stellen genau bestimmt werden soll.

Beide Teams beschreiben ihr eigenes Experiment und das der anderen in ihrer eigenen Sprache. Das genügt als gemeinsame Basis, um die automatischen Übersetzer schnell in Gang zu bringen. Die Beschreibung ihrer Experimente ist die erste komplexe Information, die die zwei Teams austauschen. Das prägt das Bild der Menschen von den Fremden. Und da die Menschen untereinander immer von den Tau-Masse-Leuten sprechen (the tau mass guys), bildet sich der Begriff "Taumass" als Bezeichnung für das ganze Volk heraus.

Jedenfalls können die Taumass tatsächlich helfen. Die defekten Komponenten werden durch Produkte der Taumass ersetzt. Als Bezahlung übergeben die Menschen ihre Datenbank an Unterhaltungsprogrammen. Sachwerte oder technisch-wissenschaftliches Wissen der Menschen interessieren die Taumass nicht. Ihr Techlevel ist doch etwas höher.

Auch viele andere Besucher der Supernova besuchen die Taumass. Der Taumass-Cluster ist selbst für Hightech-Zivilisationen beeindruckend. Und da die meisten Besucher Monate oder Jahre in der Umgebung der Supernova verbringen, bleibt genügend Zeit, die Gegend zu erkunden. Viele hören irgendwann von den Taumass und statten dem Cluster einen Besuch ab. Man schätzt, dass insgesamt 50 Milliarden Besucher der Supernova in 300 Millionen Schiffen den Taumass-Cluster als Sehenswürdigkeit mitnehmen.

Im Taumass-Cluster treffen einige Menschen auf Mansalu (physisch und info). Eine statistische Extrapolation ergibt 100 - 300 Milliarden Besucher von Mansalu, zusätzlich zu den Besuchern, die wie die Menschen in Raumschiffen anreisen. Gerüchten zufolge kommen die Mansalu über einen Hyperkanal, der den Mansalu-Komplex überlichtschnell mit dem Taumass-Cluster verbinden soll. Aber dafür gibt es keine Bestätigung.

Die Taumass haben die Kapazität für so viele Besucher. Sie wissen was auf sie zukommt. Und sie sorgen vor. Sie kümmern sich nicht um die vielen Besucher, sondern auch um ihren Einflussbereich.

In nur 6 Lichtjahren Entfernung von der Supernova ist die steinzeitliche Bevölkerung eines ganzen Planeten dem Untergang geweiht. Hilfsorganisationen der Taumass siedeln alle 80 Millionen Individuen (die man finden kann) und ihre Biosphäre um.

In 10 Lichtjahren Entfernung ist die Existenz einer planetengebundenen technischen Zivilisation mit 7 Milliarden Individuen bedroht. Bei dieser Entfernung muss man nicht mehr evakuieren. Abschirmungen helfen gegen die Strahlung und Dekontamination kann den radioaktiven Fallout entschärfen. Aber der Aufwand ist riesig und die lokale Zivilisation ist auf ihrem Techlevel überfordert. Deshalb helfen Taumass den Planeten zu schützen. Sie errichten mit ihren Hightech-Mitteln eine Abschirmung für den ganzen Planeten. Und sie versorgen die lokale Zivilisation mit Anlagen zur Dekontamination der Biosphäre, mit Fabs zur Herstellung von Strahlenschilden und vielen Technologien mit denen die Bevölkerung sich selbst helfen kann. Während die Supernova explodiert, sind die Vorbereitungen noch im Gange. Es bleiben noch 10 Jahre Zeit bis die erste Welle eintrifft.

Dann beleuchtet eine zweite Sonne die Himmelskörper des Systems. Nur der Heimatplanet ist vollständig geschützt. Auf den anderen Planeten ist die Supernova heller als die eigene Sonne. Vor allem die äußeren Planeten erhalten tausend Mal mehr Energie als sonst. Das löst dramatische Veränderungen aus. Aber damit muss man leben. Nach einigen Wochen verblasst die Supernova wieder. Auf den anderen Planeten des Systems bleiben die Folgen der Energieflut noch Jahrhunderte.

Dann beginnen die Wellen der radioaktiven Teilchenschauer. Erst kommen fast lichtschnelle Protonen und Elektronen. Nur wenige Prozent durchdringen die Abschirmung und erreichen die Atmosphäre. Geladene Teilchen spiralen sich an Magnetfeldlinien hinunter und für einige Jahre gibt es fantastische Auroras sogar am Äquator.

Dann kommen schwerere Elemente, angefangen bei Alpha-Teilchen, dann schnelle Kohlenstoff-Kerne, mit einem hohen Anteil von radioaktivem C-14, schließlich Kalzium-Ionen und Eisenkerne. Großtechnik und Nanotechnik arbeiten fieberhaft daran, die radioaktiven Isotope aus der Biosphäre zu filtern. Planetenweite Filteranlagen wirbeln Feinstaub auf. Das kühlt den Planeten während der Energieeintrag durch die Teilchen der Supernova die Atmosphäre aufheizt. Ein Smogschleier legt sich über den Planeten. Es gibt wundervolle vielfarbige Sonnenuntergänge. Zehn Jahre später kommen hochangereicherte Kerne schwerer Elemente – und nichts ist mehr schön.

Im Umkreis von 300 Lichtjahren riegeln Taumass-Kräfte alle Sonnensysteme mit eingeborener Bevölkerung ab. Sie wollen verhindern, dass Millionen Raumschiffe auf der Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten in diese Systeme einfallen und die lokalen, oft nicht weltraumfliegenden, Völker stören.

Die Taumass organisieren Besichtigungstouren durch ihren Cluster. Besucher können die riesigen Strukturen von Taumass Prime bewundern und den clusterweiten Informationsverbund kennenlernen. Mit kleinen Beibooten können sie sogar die überlichtschnellen Konverterstrecken benutzen, um ohne eigenen Antrieb zwischen den Zentren der Taumass zu wechseln. Es gibt geführte Touren zu den Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung. Man kann die Evakuierung einer steinzeitlichen Bevölkerung samt Biosphäre beobachten und den Bau des planetaren Schutzschildes für Tuirus B. Die Taumass leiten 100 Millionen Besucherschiffe kontrolliert durch die interstellare Umgebung. Dank dieser Maßnahmen werden letztlich nur wenige regionale Zivilisationen in ihrer Entwicklung gestört.

Sogar die umgesiedelten Ureinwohner von Roanoke IV erinnern sich später nur wage an die Zeit der großen Änderungen. Ihre Nachkommen kennen nur die Welt, so wie sie ist. Und wenn die Alten am Lagerfeuer erzählen, dass die Sonne früher weiß war und nicht so gelb, dann wundert man sich eben ein bisschen.

Die abgestoßene Hülle des ehemaligen Riesensterns expandiert mit ein paar tausend Kilometern pro Sekunde. Sie bildet bald einen planetarischen Nebel. Die Schockwelle wird in 30.000 Jahren die von der Erde sichtbare Gaswolke komprimieren und die Bildung neuer Sterne anregen.

Was die Menschen nicht wissen – und vermutlich auch sonst niemand unterhalb des Levels von Superzivilisationen wie Taumass und Mansalu – mit dem neuen planetarischen Nebel verwehen die Atome von 3.000 Milliarden Mansalu. Es war die perfekte Gelegenheit, um mit dem Universum eins zu werden. Und so praktisch erreichbar über die InterCluster-Expressstrecke.

Nach Monaten oder Jahren verlassen die Besucher die Umgebung der Supernova. Sie kehren zurück in ihre Heimat und nehmen die Erinnerung an das galaktische Großereignis mit, an die Supernova, den Taumass-Cluster und die Erinnerung an Millionen Schiffe auf engstem Raum.

Um den ehemaligen roten Hyperriesen wird es wieder ruhig. Dort gibt es jetzt nur noch ein schwarzes Loch und ein paar verlassene Messgeräte.

#Supernova #Ereignis #Wissenschaft #Aliens #Katastrophe #Evakuierung #Tourismus

http://jmp1.de/h3308




2052 Personenrechte für Primaten

Als erstes Land beschließt Island, Primaten als Personen anzuerkennen. Einige, speziell benannte Primatenarten werden rechtlich Kleinkindern gleichgestellt. Damit erhalten sie theoretisch die Menschenrechte, vor allem Persönlichkeitsrechte (Leben, körperliche Unversehrtheit) und Freiheitsrechte. Wenn nötig, bekommen sie einen Vormund, der ihre Rechte vertritt. Praktisch müssen ihre Rechte in Einzelfällen vor Gericht erstritten werden. Aber wenn ein Vormund entscheidet, dass ein bestimmter Schimpanse nicht im Käfig gehalten werden soll, dann stehen die Chancen gut, dass ein Gericht dem Antrag stattgibt, basierend auf dem Selbstbestimmungsrecht.

Das Gesetz ist sehr weitreichend. Mit der neuen Einordnung von Primaten werden auch andere Tiere aufgewertet. Einige Arten mit relativ hohen kognitiven Fähigkeiten werden zwar nicht als Personen, aber immerhin als nichtmenschliche Wesen eingeordnet. Darunter sind Oktopus, Elefant, Delfin, einige Wale, Wolf, Hund, und einige Haustiere. Diese Tiere werden nun nicht mehr als "Sache" betrachtet, die immer einem Menschen gehört, sondern als "Wesen", einer neuen Klasse rechtlicher Entitäten neben dem Menschen und den "Sachen". Damit sind Individuen dieser Arten nicht mehr automatisch das Eigentum von Menschen oder juristischen Personen.

Eine dauerhafte Kommission wird eingerichtet, um über die Auswahl der Arten zu entscheiden. Die Kommission ist besetzt mit Vertretern vieler gesellschaftlicher Gruppen. Sie bewertet die Selbsterkenntnis, soziales Verhalten, Planungsfähigkeiten, die Fähigkeit zu sprechen (durch Laute oder Zeichensprache), Ursache und Wirkung zu erkennen, Innovation, Imitation und Lernverhalten. Das Althing (das isländische Parlament) gibt explizit vor, dass in der Diskussion der Kommission nur neue Erkenntnisse verwendet werden dürfen, die nach der wissenschaftlichen Methode (Beobachtung-Hypothese-Test) gewonnen werden. Explizit ausgeschlossen werden damit traditionelle und kommerzielle Argumente, also "das war schon immer so", bzw. "das steht in alten Schriften" oder "das können wir uns nicht leisten". Im Jahr 2062 kommen – gegen den Widerstand der Lebensmittelindustrie – auch Nutztiere dazu. Damit wird die Haltung von Schweinen zur Fleischproduktion praktisch illegal.

"Wie sollen wir mit Wesen umgehen, die sich im Spiegel erkennen, die um Gefährten trauern, die ein Bewusstsein für sich als Individuum haben? Verdienen sie es nicht, dass wir sie so behandeln wie andere, genauso empfindsame Wesen: uns selbst?" - Jane Goodall.

Es war ein langer Weg vom Verbot von Pelzfarmen, Legebatterien und Tierversuchen für Kosmetika am Anfang des 21. Jahrhunderts bis zur ersten vollen Anerkennung als Person durch einen souveränen Staat. Auch vorher gab es schon Einzelfälle in denen Tieren Rechte zugesprochen wurden. In Indien sind Tiere schon lange als "Wesen" (im Gegensatz zu "Sachen") geschützt. Auch in Deutschland hatten Tiere Rechte, die allerdings in der Praxis oft hinter kommerziellen Argumenten zurücktreten mussten. In den 20er und 30er Jahren bekam die Bewegung für Tierrechte (NHR, non human rights movement) immer mehr Zulauf. Skandinavien, Neuseeland, Bhutan und Ecuador beschlossen Rechte für Tiere, sowie Ausbeutungs- und Misshandlungsverbote. In den 40er Jahren kamen viele Länder und selbstverwaltete Regionen dazu.

Schließlich setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Menschlichkeit keine entweder/oder Entscheidung ist, sondern dass es ein Kontinuum gibt in den kognitiven und sozialen Fähigkeiten; dass Schimpansen genauso intelligent, selbstbewusst und mitfühlend sind wie Menschenkinder; dass wir auch Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten nicht die Menschlichkeit absprechen und dass es dem Menschen nicht wirklich zum Schaden gereicht, wenn er Mitwesen genauso schützt, wie schützenswerte Mitmenschen.

Nach Island folgen schnell andere skandinavische und dann europäische Staaten mit der vollen Anerkennung von Personenrechten für Primaten.

In den folgenden 20 Jahren schließen sich weitere 50 Staaten der Erde an. Bezogen auf die (menschliche) Bevölkerung sind das allerdings nur 15%.

Orang-Utans werden die Menschenrechte posthum zuerkannt.

#Menschenrechte #Rechte #Primaten #Personen #Tiere #Delfine #Wale

http://jmp1.de/h2052

2060 Ökoterrorismus: ein Massenphänomen

Trotz aller Bemühungen um eine ökologische Wende geht die Zerstörung der Umwelt ungebremst weiter. Nach Jahrzehnten von politischen Demonstrationen, gewaltfreien Boykotten, friedlichen Protesten und spektakulären, aber harmlosen Aktionen, ist auch in den 20er und 30er Jahren des 21. Jahrhunderts keine Besserung in Sicht.

Die Umweltzerstörung schreitet voran, Mitwesen werden weiter missbraucht und die Treibhausziele der 0er Jahre wurden weit verfehlt. Das liegt nicht nur daran, dass die Industrienationen zu wenig getan haben. In den ehemaligen Schwellenländern sind viele Milliarden Menschen in die Mittelschicht aufgestiegen. Sie wollen nun einen bescheidenen Wohlstand genießen und sich nicht einschränken. Das heißt aber auch, dass 4-mal mehr Menschen jetzt so viele Ressourcen verbrauchen, wie zuvor nur die wohlhabenden Nationen. Kleinen Erfolge, wie Recycling und Mülltrennung, Wärmedämmung und ein höherer Anteil regenerativer Energiequellen, wurden dadurch marginalisiert. Frühere und neue Schwellenländer sehen es als ihr Recht an, die Ressourcen zu verbrauchen, die für den Wohlstand nötig sind. Die früher führenden Industrienationen fordern jetzt Mäßigung. Aber sie waren selbst keine guten Vorbilder.

Viele Öko-Aktivisten haben ihre Leben lang gekämpft. Manche schon in der zweiten Generation. Aber es ändert sich nichts. In den 30er Jahren radikalisieren sich einige von Ihnen. Sie beschränken sich nicht mehr auf medienwirksame Aktionen, wie Besetzungen von Bohrplattformen, sondern sie versuchen, die Verursacher von Umweltzerstörungen zur Verantwortung zu ziehen oder ihnen direkt zu schaden. Nun geht es nicht mehr um die Beeinflussung der Politik durch öffentlichen Druck. Sie wenden nun Gewalt an, um bei den Verursachern die ökonomischen Rahmenbedingungen zu verändern und dadurch ein Umdenken zu erzwingen. Mit anderen Worten: sie beschädigen und zerstören Vermögenswerte und Betriebsmittel.

Natürlich sind diese Aktionen kriminell. Kein Land kann das zulassen. Weltweit fahnden Polizei, Anti-Terror Einheiten und Geheimdienste nach den Tätern. Mit den ersten Aktionen mussten die Aktivisten in den Untergrund gehen. Angesichts sehr fortgeschrittener Überwachungsmethoden klingt das schwierig. Aber die Strafverfolgungsbehörden bekommen den Ökoterrorismus trotzdem nicht unter Kontrolle. Das liegt vor allem daran, dass es sehr viele Helfer gibt. Fast alle Menschen sind von den Folgen des Öko-Missbrauchs betroffen. Viele – auch normale Bürger – sympathisieren mit den Zielen der Bewegung. Sie verstecken nicht nur Aktivisten, sondern sie ändern auch Datenbanken, manipulieren Cams-Streams, ändern Suchparameter und sogar die Koeffizienten der KI-Netze. Moderne Technologie bietet sehr subtile Möglichkeiten zur Manipulation.

Im militanten Ökoaktionismus kommen mehrere Motive zusammen. Neben dem Hauptziel, Schutz und Wiederherstellung der Umwelt, gibt es Schnittstellen zur Ablehnung der Finanzwirtschaft, die Umweltzerstörung finanziert. Es gibt auch Gemeinsamkeiten mit dem Kampf um soziale Gerechtigkeit, weil Umweltzerstörung und ökonomische Ungleichheit oft einhergehen. Vor allem die ärmeren Teile der Bevölkerung leiden unter den Folgen.

Spektakuläre Aktionen während dieser Zeit: Bohrplattformen werden durch Sprengung einzelner Stützpfeiler versenkt. Aus Anlagen von Massentierhaltung werden viele Tiere befreit. Es gibt aber auch Aktivisten, die sich eher gegen die den Umweltmissbrauch durch die Fleischindustrie einsetzen, als für das Tierwohl. In diesem Kontext gibt es viele Aktionen bei denen Futter oder Trinkwasser biologisch oder chemisch verseucht werden mit Millionen toten Tieren. Weltweit werden im Lauf der Jahre unzählige Förderanlagen von Öl und Gas in Brand gesetzt. Wasserquellen, aus denen Lebensmittelkonzerne ihre Wasserflaschen befüllen, werden vergiftet. Heckenschützen verhindern Tiertransporte. Auch in anderen Sektoren werden viele Just-in-Time Lieferungen sabotiert, um Produktionsketten zu unterbrechen. Es gibt Terroranschläge auf die Energieversorgung von Stahlwerken und auf Chemieunternehmen. In Indien werden die Anlagen mehrerer Hersteller von Pharma-Generika für den Weltmarkt durch radioaktives Material kontaminiert und permanent unbenutzbar gemacht. Mit der Zerstörung von Bahngleisen und Hafen-Terminals werden nicht-recycelnde Unternehmen der Abfallwirtschaft geschädigt. Hersteller und Händler von Pestiziden und Düngemitteln sind immer wieder Ziel von Anschlägen bei denen oft große Mengen an giftigen Substanzen freigesetzt werden. Einige Aktivisten lassen sich von vergangenen Unfällen inspirieren und stellen diese nach. Einige Dämme von Deponie-Seen mit Rotschlamm aus der Aluminiumherstellung werden gesprengt. Nachdem sich CO2-Abscheidung und Lagerung unter der Erde als unsicher herausgestellt hat und trotzdem weiterverfolgt wird, sprengen Aktivisten Lagerstädten auf. Weltweit werden immer wieder Zuleitungen von Bewässerungsanlagen durchtrennt, mit denen große Agrarproduzenten oft hunderte Quadratkilometer Ackerland bewässern, obwohl die Wasserknappheit immer mehr zunimmt.

In den 40er Jahren wandelt sich der Ökoterrorismus. Die Aktionen werden zahlreicher und gewaltsamer. Was in den 30er Jahren eigentlich eher ein militanter Kampf gegen Sachwerte war, nähert sich nun dem politischen Terrorismus an. Es geht nicht mehr um finanzielle Schäden und Betriebsstörungen. Die Gewalt richtet sich jetzt auch gegen Personen, gegen führende Vertreter der Umweltschädiger aus Wirtschaft und Politik. Eine neue Generation von "Aktivisten" (inzwischen im Sprachgebrauch ein Synonym für Terroristen) sieht sich durch das "alte" Establishment um die Zukunft betrogen. Die neuen jungen Aktivisten haben gelernt, dass einfache Maßnahmen nichts bringen. Weder die aktionistische Öffentlichkeitsarbeit des frühen 21. Jahrhunderts, noch punktuelle Gewalt gegen Verursacher in den 30er Jahren haben etwas geändert. Dqie neue Doktrin ist, "dass man einen Gang hochschalten muss", dass man die "Verursacher vernichten" muss, da sie sich trotz großer Schäden nicht bewegen wollten, sondern sich "hinter den Unterdrückungsmitteln des Establishments", der Strafverfolgung durch die Behörden, verstecken.

Der Aktivist Lun471c wird zum Sprachrohr der neuen Generation. Die Identität von Lun471c wird nie aufgeklärt. Er/Sie sendet auf vielen Online und Offline-Kanälen. Lun471c benutzt Webposts ebenso wie Drohengraffiti und gehackte IoT-Devices. Lun471c sendet operative Nachrichten mit Enthüllungen und Ankündigungen, aber auch ideologische Inhalte, Argumentationsketten und Manifeste. Man vermutet, dass Lun471c nicht eine Person ist. Wahrscheinlich werden die Nachrichten von Unterstützern weltweit hergestellt. Statistische Analysen deuten darauf hin, dass sie von einem kleinen Kreis kuratiert werden. (Die Analyse ist schwierig, da alle analysierbaren Eigenschaften der Nachrichten durch Bots randomisiert werden). Danach werden die Inhalte weltweit von lokalen Zellen ausgeliefert.

Aufmerksamkeit ist die dominierende Währung der Feeds. Publisher kämpfen um die Zeit der Follower. Das gilt für alle, Medienkonzerne, Celebrities, Influencer und für die Millionen Low-Follower Post-Sharer, die noch groß werden wollen. In diesem Ringen um Aufmerksamkeitsspannen, ist fast jedes Mittel recht. Spektakuläre Aktionen für ein populäres Thema sind perfekt, um Aufmerksamkeit anzuziehen. Vor allem dann, wenn sie brutal sind, dramatisch, kreativ, schockierend oder besser sogar alles zusammen. Es gibt eine Belastungsgrenze ab der viele Feed-Konsumenten abschalten. Aber anscheinend lässt sich diese dies Grenze weiter hinausschieben, wenn die Leser gleichzeitig durch das Thema positiv berührt werden. Vor diesem Hintergrund sind extremistische Aktionen im Kontext des Ökothemas ideal.

- Aktivisten entführen Verantwortliche für Massentierhaltung und halten sie in Mastschweinanlagen. Alles wird gestreamt. Die Quellen der Live-Feeds werden durch Anonymisierungsnetze verschleiert. Dann werden die Feeds über Punkt-zu-Punkt Verbindungen an viele Millionen Mobilgeräte geleitet und per Gateway-Hopping in das kontrollierte Web eingespeist.

- Später sind die Opfer auch Richter, die Entscheidungen gegen Tierrechte getroffen haben, Lobbyisten, Beamte, die Genehmigungen erteilt haben und sogar einige Politiker: Landwirtschaftsminister und Sponsoren von Gesetzen.

- In einer weiteren Eskalation werden einzelne Opfer nicht nur gedemütigt, sondern auch umgebracht, branchentypisch per Bolzenschuss, und dann verarbeitet. In Einzelfällen geschieht das, mit der Argumentation, der Realität der Tiere nahe kommen zu wollen, auch ohne Betäubung.

- Obwohl künstlich hergestelltes Fleisch verfügbar ist und Fleischersatz nicht von echtem Fleisch zu unterscheiden ist, gilt echtes Fleisch als besonderer Luxus. In Anlehnung an die Zubereitungsart von Hummer werden herausragende Vertreter dieser Szene, Promiköche, Gourmets, Redakteure, entführt und mit zusammengebunden Händen und Füßen in heißes Wasser geworfen. Manche werden mit Verbrennungen gerettet, andere nicht.

- Auch in anderen Bereichen als der Massentierhaltung wenden Aktivisten branchenübliche Behandlungen an. Sie bestrafen Verantwortliche für Umweltzerstörung mit repräsentativen Maßnahmen und zeigen dabei einige Kreativität, aber auch drastische Rohheit.

- Verantwortliche für Meeresverklappung werden in die Dünnsäure ihres Unternehmens geworfen und einige werden nicht rechtzeitig gerettet oder ärztlich behandelt. Leiter von Agrarkonzernen müssen nitratverseuchtes Wasser trinken. Förderer von Ölsanden werden geteert und gefedert. Manche mit ihrem eigenen Schweröl, andere auch letal mit flüssigem (heißem) Asphalt.

- In Industrien, die für rauchende Schlote bekannt sind, werden die Opfer dazu gezwungen, wochenlang den Smog zu atmen, der oft über den Slums der Megastädte liegt. Manchmal wird der Smog künstlich verstärkt oder angereichert "um eine Dauerbelastung wie in der Realität der Slumbewohner zu simulieren". Es gibt Kohlenmonoxid-Vergiftungen verschiedener Grade bis zu letalen Levels. Darunter sind auch Fälle von kontrolliert herbeigeführtem CO-induziertem Sauerstoffmangel mit permanenter Schädigung von kognitiven Fähigkeiten.

- Händler, die Nashorn-Mehl und andere Produkte bedrohter Tiere zur Potenzsteigerung verkaufen, werden in improvisierten Tierarztpraxen ambulant kastriert. Ein Online-Marktplatz wird gehackt, die Käufer über die Kundendaten ausfindig gemacht und entsprechend behandelt.

- Einige Verkehrsflugzeuge werden mit Drohnen oder Lenkwaffen abgeschossen, um die CO2-Bilanz zu verbessern.

 - Frachtschiffe mit Abfällen werden entführt. Die Fracht wird dann an Villenvierteln in künstlichen Lagunen entladen. Es gibt giftige Schlämme, Säure, Gülle, Industrieabwässer mit allen möglichen Schwermetallen, Chrome, Blei, Quecksilber, Arsen, aber auch Hausmüll und viele andere Industrieabfälle. In einzelnen Fällen dringen Terroristen in die Häuser der Anwohner ein und erzwingen einen physischen Kontakt mit den Schadstoffen.

- In der Diskussion um die Anreicherung von Mikroplastik in Meerestieren wird oft behauptet, dass die Plastikfragmente nicht in die menschliche Nahrungskette gelangen, weil Menschen zwar Fische essen, aber nicht deren Mageninhalt. Einige Aktivisten sorgen nun dafür, dass Mikroplastik in signifikanten Mengen doch in den Stoffwechsel ihrer Entführungsopfer gelangt.

- Sehr erfolgreich ist das Hacking von Gendatenbanken globaler Saatguthersteller. In einem spektakulären Fall fügen Aktivisten der DNS von genoptimierten Mais einige Sequenzen hinzu, die in reifen Körnern Cyanid entstehen lassen. Millionen Tonnen geernteter Mais müssen als Sondermüll vernichtet werden.

In den 50er Jahren wird ökologisch motivierter Terror zu einer Massenbewegung. Die Aktivisten bekommen Nachahmer aus dem Amateurbereich. Unüberschaubar viele Gruppen beteiligen sich mit oft drastischen Beiträgen. Die terroristischen Aktionen werden gepostet, geteilt und live gestreamt. Alle versuchen sich gegenseitig zu übertreffen. Sie versuchen noch ausgefallener, kreativer und brutaler zu sein als die anderen. Eine erste Welle von Nachahmern wird selbst wieder zu Vorbildern für die nächste Welle. Manche nennen sie Feierabend-Aktivisten. Aber sie sind nicht weniger kriminell.

Viele Strömungen und Formate laufen gleichzeitig. Manche wollen individuellen Ruhm in ihrer Peer-Group. Sie benutzen Pseudonyme und Feed-Filter um bekannt zu werden ohne in ihrem realen Leben erkannt zu werden. Trotzdem gibt es Verhaftungen, Anklagen und harte Urteile. Aber es sind zu viele. Die Bewegung lässt sich nicht eindämmen. Eine andere Fraktion anonymisiert so weit, dass die Täter nicht mehr zu unterscheiden sind. Sie treten als Kollektiv auf, wie im frühen 21. Jahrhundert die Hackergruppe Anonymous. Die Taten können nicht mehr einzelnen Aktivisten zugeordnet werden. Niemand übernimmt die Verantwortung. Das Kollektiv bekommt den (zweifelhaften) Ruhm. Es gibt viele solche Aktivistenkollektive. Wie vorher einzelne Aktivisten konkurrieren nun die Kollektive.

Eines der führenden Kollektive ist JimPanse. Anfang der 50er werden plötzlich sehr viele Aktionen von JimPanse gemeldet. Es ist schnell klar, dass sich viele anonyme Aktivisten hinter dem Pseudonym JimPanse verbergen. JimPanse tritt immer mit Tiermasken auf. Der Schwerpunkt der Gruppe liegt auf den Tierrechten. Aber nicht alle Aktivisten von JimPanse halten sich daran. Während anfangs nur führende Vertreter und Verantwortliche aus umweltschädigenden Branchen betroffen waren, geht JimPanse vor allem gegen achtlose Verbraucher vor. Auch Normalbürger werden "branchennah" bestraft. Meistens sind die Aktionen von JimPanse weniger letal. Sie sind eher demütigend und abschreckend, manchmal mit bleibenden Schäden. Auf dem Programm stehen all die Abscheulichkeiten der vergangenen Jahre: Gewaltsames Waxing von Trägern von Angorakleidung, unfreiwillige Feinstaub/Smog-Beatmung, Zwangsernährung mit Mikroplastikdiät, ambulante Sterilisierungen, Dünnsäure/Schwermetallbäder, Pestizid/Nitrat-Cocktails und viele andere.

Die Aktionen zeigen Wirkung bei den Verbrauchern. Nicht nur bei den jeweils Betroffenen. Die große Menge an Einzelaktionen und die hohe Relevanz in den Feeds führen tatsächlich zu Änderungen im Konsumverhalten. Aber die Gesamtwirkung ist zu klein, um den Umweltmissbrauch aufzuhalten.

Wenige Jahre später beendet der Crash sowohl die massive Umweltzerstörung, als auch den Ökoterrorismus.

#Terrorismus #Umwelt #Ökologie

http://jmp1.de/h2060

2493 Oumuamua war ein Alien-Artefakt

Im Jahr 2017 durchquerte ein extrasolarer Komet das Sonnensystem. Er kam mit einer so hohen Geschwindigkeit, dass sein Ursprung außerhalb des Sonnensystems sein musste. Das Objekt bekam den Namen Oumuamua. Es wurde erst als interstellarer Asteroid klassifiziert. Später wurde er als Komet eingeordnet, da geringe Änderungen der Trajektorie auf Ausgasungen hindeuteten.

Das wirklich Erstaunliche war seine Form. Die damaligen Astronomen konnten in ihren Teleskopen nur einen Punkt sehen. Aber der Punkt blinkte. Daraus schloss man, dass Oumuamua schnell rotiert. Aus dem Helligkeitsverlauf konnte man berechnen, dass Oumuamua mindestens 5-mal so lang wie breit war, eine Zigarrenform von etwa 250 x 50 x 50 Meter. Die schnelle Rotation sprach für einen massiven Körper, denn bei seiner geringen Gravitation musste das Objekt aus einem Stück bestehen. Sonst wäre es durch die Fliehkräfte längst auseinandergeflogen. Leider konnte man das nicht direkt nachprüfen. Für eine Rendezvous-Mission war Oumuamua viel zu schnell. Es gab keine Sonde in der Nähe. Man konnte ihn nicht besuchen.

Spektroskopie zeigte einen hohen Metallanteil. Schon früh gab es Vermutungen, dass Oumuamua künstlichen Ursprungs sein könnte. Radioempfänger wurden ausgerichtet und bei seinem minimalen Erdabstand von 33 Millionen Kilometern hätte man Sender bis zu einem Zehntel Watt empfangen. Aber es gab keine aktiven Emissionen. Oumuamua verschwand schnell wieder in den Tiefen des Alls und geriet in Vergessenheit. Jedes Jahr wuchs der Abstand um fast eine Lichtstunde, für Jahrhunderte.

Im Jahr 2493 ist Oumuamua fast 400 Milliarden Kilometer entfernt. Das sind 2 Lichtwochen oder 2700 AU, 2700-mal so weit von der Sonne, wie die Erde, weit in der Oortschen Wolke. Aber das ist eine Distanz, die experimentelle Antriebe nach dem Raumkrümmer-Prinzip inzwischen schaffen. Eine Expedition macht sich auf, den alten Kometen zu besuchen. Die größte Schwierigkeit liegt nicht darin, den Kometen einzuholen, sondern ihn dann im Zielgebiet aufzuspüren. Richtung und Geschwindigkeit wurden im 21. Jahrhundert genau vermessen. Der Vektor ist ziemlich gut bekannt. Und wenn die Bahn nicht gestört wurde, dann sollte sich Oumuamua in einem Raumvolumen von 3 Kubik-AU oder 10 hoch 25 Kubikkilometern befinden. Optisch ist der Komet nicht aufzuspüren. Dort draußen bekommt er Milliarden mal weniger Licht als die Erde und er ist außerdem ziemlich schwarz. Aber mit Radar kann man ihn finden. Die Mission bringt im Zielgebiet mehrere starke Radarsender aus und wartet auf Echos. Nachdem man das mehrmals wiederholt hat, detektiert man ein Signal am Rand des Suchraumes. Die Flugzeit ins Zielgebiet über 2700 AU hatte 8 Tage gedauert, die anschließende Suche 40 Tage.

Das Forschungsschiff nähert sich Oumuamua. Endlich kann man das Objekt tatsächlich in Augenschein nehmen. Man muss es mit Scheinwerfern beleuchten, ein schwarzer Brocken in der Schwärze des Alls. Die Oberfläche ist sehr glatt. Es ist keine Zigarrenform, wir früher angenommen, sondern ein Zylinder. Oumuamua ist eindeutig künstlicher Herkunft. Er ist ein perfekter Zylinder, fast 400 Meter lang und 50 Meter im Durchmesser. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein leerer Treibstofftank. Eine genauere Untersuchung zeigt im Inneren Reste von Wassereis. Das war vermutlich die Quelle der vor Jahrhunderten beobachteten Ausgasungen. Die Oberfläche hat unzählige Einschläge von Mikrometeoriten und Staub. Eine statistische Analyse der Oberfläche ergibt ein Alter von 150 Millionen Jahren. Oumuamua ist eines der ältesten Produkte einer technischen Zivilisation, die jemals entdeckt wurden.

Oumuamua entfernt sich zwar schnell mit 26 Kilometern pro Sekunde vom Sonnensystem. Aber trotzdem hat er eine ähnliche Umlaufbahn um das galaktische Zentrum wie Sol. Die Relativgeschwindigkeit ist klein gegenüber der gemeinsamen Geschwindigkeit um das Zentrum der Milchstraße (ca. 200 km/s). Das Objekt hat einige kleinere Ausbuchtungen und Halterungen, aber – abgesehen von den Meteoriteneinschlägen – keine Schäden. Oumuamua wurde anscheinend absichtlich freigesetzt und nicht durch einen Unfall abgesprengt. Vor 150 Millionen Jahren war er Teil einer größeren Struktur, eine Raumstation, ein Schiff oder ein Habitat. Oumuamua diente vermutlich als Wassertank. Nachdem der Tank geleert war, scheint er abgetrennt worden zu sein und ist seitdem auf seiner Trajektorie verblieben.

Die aktuelle Relativgeschwindigkeit zum Sonnensystemen bedeutet nicht, dass sich damals eine technische Konstruktionmit 26 km/s Fluchtgeschwindigkeit bewegte. Vielleicht war sie fast in Ruhe gegenüber ihrem Ursprungssystem. Vielleicht gehörte Oumuamua den Bewohnern eines dortigen Oort-Objekts. Seit damals haben sowohl Sol, als auch Oumuamua das galaktische Zentrum zu zwei Dritteln umrundet und auf dem Weg durch gravitative Wechselwirkungen mit anderen Sternen immer wieder leicht die Richtung geändert. Die Relativgeschwindigkeit ist nur die Folge eines anderen Richtungsvektors bei im Wesentlichen ähnlicher Geschwindigkeit.

Letztlich ist Oumuamua ein uraltes Stück Schrott, das zufällig das Sonnensystem durchquerte. Astronomen im 21. Jahrhundert mussten annehmen, dass es sich um ein natürliches Objekt handelt. Alles andere wäre als Science-Fiction und als Wunschdenken gebrandmarkt worden. Deshalb die Einordnung als Asteroid oder Komet.

Im 21. Jahrhundert wusste man noch nicht, wie weit verbreitet technische Zivilisationen tatsächlich sind, wie lange es sie schon gibt und wie gigantisch ihre Operationen sind im Vergleich zu planetengebundenen Gesellschaften. Moderne technische Zivilisationen haben eine millionenfach höhere industrielle Kapazität, als die Erde des 21. Jahrhunderts. In hunderten Millionen Jahren gab es Millionen solcher Zivilisationen. Im Lauf der Zeit haben alle zusammen viele Billionen Billionen Objekte wie Oumuamua hinterlassen. Das ist eine Größenordnung, die schon fast an die Zahl natürlicher Irrläufer in der Galaxie heranreicht.

#Oumuamua #Interstellar #Entdeckung

http://jmp1.de/h2493

3270 Öffnung der XX-Kammer von Artu

Sie enthält die Vergangenheit der Völker von Artu und brisante Fakten zur gemeinsamen Geschichte von Artu und Kisor.

Das Artu-System hat keine natürlich bewohnbaren Planeten. Aber viele Himmelskörper des Systems sind bewohnt, mehrere auch mit sehr großen freien Bereichen in denen die Umweltbedingungen für die Völker von Artu angepasst sind. Der weitaus größte Teil der Zivilisation lebt im interplanetaren Raum, in planetaren Ringen und planetaren Sphären. Viele leben in rotierenden Habitaten. Einige dieser Habitate sind hunderte Kilometer groß.

Die Zivilisation von Artu ist sehr fragmentiert. Das Konzept von Territorialstaaten ist nicht bekannt, weder auf Planetenoberflächen, noch in Habitaten. Das System hat keine zentrale Regierung und auch keine regionalen Organisationen, die territoriale Ansprüche erheben. Es gibt unzählige souveräne "Clans", möglicherweise mehr als 100 Millionen, die keiner höheren Autorität untergeordnet sind. Oberhalb der Clan-Struktur gibt es nur Allianzen und Abkommen zwischen Clans. Da Clans und Clan-Bündnisse aber sehr dynamisch sind, haben auch Abkommen eine begrenzte Lebensdauer.

Es gibt viele verschiedene Völker und sie sind nur teilweise genetisch kompatibel. Die Artu-Zivilisation hat mehrere vollständig unterschiedliche Genlinien, die sich jeweils wieder in verwandte aber genetisch inkompatible Arten aufgliedern. Nach solarer Klassifizierung sind das verschiedene biologische "Gattungen" (wie Schimpanse, Orang-Utan, Mensch), jeweils mit vielen "Arten" und "Unterarten". Alle Gattungen und Arten scheinen gleichberechtigt. Die Clans orientieren sich nicht an der biologischen Abstammung oder an Familienzugehörigkeit. Die Mitgliedschaft in Clans scheint sich eher nach der beruflichen Orientierung zu richten. Die meisten Clans sind spezialisiert auf einen Beruf oder eine wirtschaftliche Aktivität.

Im Artu-System leben ca. 150 Milliarden Sophonten, biologische aus verschiedenen Gattungen und Arten, Mechs und Infosophonten. Die Zivilisation hat sich auf einige Nachbarsysteme ausgebreitet. Auch in den Nachbarsystemen gibt es keine bewohnten Planeten, dafür aber genauso lebendige interplanetare Zivilisationen. Insgesamt schätzt man, dass etwa 500 Milliarden Sophonten zu Artu gerechnet werden können. Das ist auch im interstellaren Vergleich eine große Zahl. Trotzdem ist die Bedeutung Artus eher gering. Gründe dafür liegen in der Fragmentierung, im geringen Drang zu Aktivitäten außerhalb der dicht bewohnten Systeme und in den ständigen Konflikten zwischen Clans oder Allianzen von Clans. Die Zivilisation ist im Wesentlichen mit sich selbst beschäftigt.

Andere Völker der Umgebung nehmen Artu eher als Störfaktor war. Das liegt daran, dass die Zersplitterung der Artu-Zivilisation eine einheitliche Außenpolitik verhindert. Da es nicht einmal Großmächte gibt, sondern nur die Clans, hängt die Außenwirkung alleine vom Verhalten einzelner Clans ab. Die wenigen Clans, die außerhalb von Artu aktiv sind, befinden sich nicht nur räumlich, sondern auch soziologisch am Rand der Gesellschaft. Manche haben fragwürdige Geschäftsmodelle und einen flexiblen moralischen Anspruch. Mit anderen Worten: man es im besten Fall mit Händlern zu tun, sonst aber eher mit Freibeutern und Dieben.

Das entspricht auch den Erfahrungen der solaren Menschheit. Der erste Kontakt mit Artu kam durch die sogenannte Artu-Domäne, eine Allianz von Clans, die ihre hochstehende Technik nutzten, um das gesamte Solsystem zu erpressen. Auch von den Konflikten zwischen Clans waren Menschen schon betroffen. In den Jahren der Alien-Kriege im Solsystem stritten Clans um die Abgaben der Menschen und nahmen dabei absolute keine Rücksicht auf die solare Zivilbevölkerung. Andere Völker machten ähnliche Erfahrungen. Artu wirkt auf die Nachbarn eher störend. Jedenfalls ist Artu keine Hilfe bei interstellaren Krisen und Bedrohungen.

Die Fragmentierung der Zivilisation begann im sogenannten ewigen Krieg von Artu. Der ewige Krieg war eine 1800-jährige Phase von ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen im Artu-System, die von 1000 vor unserer Zeitrechnung (v.u.Z.) bis etwa in unser Jahr 800 andauerte. Unüberschaubar viele Fraktionen stritten sich um Ressourcen und Macht, um Religionen und Weltanschauungen, um Märkte und Handelsbeziehungen und um andere Themen, die für Menschen unverständlich sind. Einzelne Habitate stritten mit ihren Nachbarn, Allianzen bildeten sich, lösten sich auf und gruppierten sich neu. Viele Habitate wurden durch politische Differenzen zerrissen und zerfielen in mehrere Fraktionen, die sich dann oft unterschiedlichen Allianzen anschlossen. Rache für erlittenes Unrecht verlängerte immer wieder Auseinandersetzungen.

Dazu kommt, dass einige Kulturen von Artu eine Art individuelles Strafmandat kennen. Das ist ein Ersatz für Bestrafung durch den Staat in einer Kultur, die keine staatliche Autorität kennt. Einzelne Individuen, Clans oder Allianzen bestrafen andere. Daraufhin gibt es oft wiederum Rache, übertragene Vergeltung oder weitere individuelle Strafaktionen durch Dritte. Das ganze System ist nicht geregelt. Es ähnelt einer Kultur von Blutrache, in der sich Fehden über Generationen fortsetzen können. Hier wird es noch verschärft dadurch, dass dritte Parteien sich als Richter und Bestrafende einmischen können. Es einzige beschränkende Faktor ist, dass jeder, der Strafe ausübt, wieder die Strafe anderer fürchten muss.

Interplanetare Zivilisationen wie Artu sind generell anfällig für Fragmentierung. Fast die gesamte Bevölkerung lebt in Habitaten, in planetaren oder solaren Orbits. Die meisten Habitate haben nahe Nachbarn. Sie sind in Clustern organisiert. Dahinter beginnt die Lichtverzögerung (Light-Lag). Nur das eigene Habitat oder der Habitat-Cluster ist nahe genug für Echtzeit-Kommunikation, für ein schnelles Netz und für ständigen Austausch. Die nächsten Cluster sind mindestens Lichtsekunden entfernt, im äußeren System auch oft Minuten. Man kann mit ihnen handeln. Man kann Informationen austauschen. Aber die Verzögerung schafft eine gefühlte Distanz. Andere Habitat-Cluster sind weiter entfernt als die andere Seite eines Planeten. Die Lichtgeschwindigkeit lässt sich nicht umgehen (oder zumindest nur in noch viel weiter fortgeschrittenen Zivilisationen).

Diese Light-Lag bedingte Tendenz zur Fragmentierung betrifft alle interplanetaren Zivilisationen. Trotzdem können andere Völker größere Machtzentren herausbilden und Ordnungsstrukturen über Lichtminuten oder Lichtstunden etablieren. Bei Artu ist das nicht der Fall. Im Gegenteil, das weitgehend anarchische Rechtssystem führt immer wieder zu lokalen Konflikten. Das fördert eher noch kulturelle und politische Zersplitterung. Soziologische Modelle zeigen, dass das System instabil ist. Es gleitet schnell ins Chaos ab, wenn man es auf Menschen anwendet. Mit der Mentalität der Völker von Artu scheint das System etwas stabiler zu sein. Trotzdem kippte es anscheinend um das Jahr 1000 v.u.Z. Der Auslöser ist heute nicht mehr zu identifizieren. Vermutlich hat einer der vielen Kleinkonflikte über das ungeregelte Rechtssystem andere Parteien einbezogen und sich dann zu einem Flächenbrand ausgeweitet.

Der ewige Krieg führt zu einer bedeutenden Reduzierung der Bevölkerung und des Technologielevels. Überlichtschnelle Raumfahrt ist lange nicht mehr möglich. Aber es bleibt genügend Technologie für interplanetare Kriegsführung. Einzelne Akteure, Clans und Habitate können sich den Zerstörungen entziehen. Sie bewahren Datenbanken mit Know-how, vor allem Baupläne für Fabs und wissenschaftliche Erkenntnisse. Vieles davon kann nicht mehr benutzt werden, weil die Infrastruktur fehlt. Für die Herstellung von moderner Hightech-Ausrüstung braucht man eben nicht nur Baupläne, sondern auch die hochauflösenden Fabs und nanostrukturierte Metamaterialien als Fabinput. Das kann die Ökonomie eines einzelnen Habitats nicht bereitstellen. Schon gar nicht ein Clan von Survivalisten auf einem Kuiper-Gürtel Objekt.

Gegen Ende des ewigen Krieges, als die Auseinandersetzungen abnehmen, als mehr aufgebaut als zerstört wurde und als die Bevölkerung wieder wächst, kann man dann die Wissensdatenbanken nutzen und den Techlevel langsam wieder anheben.

Der erste neue Interstellarflug fällt in die Zeit in der sich das interianische Imperium in den lokalen Sektor ausbreitet. Das ist etwa gleichzeitig mit dem ersten interstellaren Aktivitaten der Kisor-Zwillinge, die sich gerade aus ihrer eigenen dunklen Epoche befreit haben. Um 1000 u.Z. brachte Interia Frieden und Ordnung in den Sektor (Pax Interiana). Artu und Kisor nehmen im Lauf der Zeit den imperialen Techlevel an. Die Völker entwickeln sich parallel weiter unter dem Schutz des Imperiums. Jedes mit seinen Eigenheiten. Artu zersplittert und interplanetar. Kisor gut organisiert und konzentriert auf Planetenoberflachen. Einige hundert Jahre später wird dann Kisor das interianische Regionalzentrum. Artu bleibt chaotisch.

Niemand wusste, dass die beiden Völker eine lange gemeinsame Geschichte haben. Sie ist viel länger als die 2000 Jahre seitdem beide die interstellare Raumfahrt wiederentdeckt haben – bis die t5a-Kammer geöffnet wird.

Die Kammer liegt auf einem der Eismonde des Artu-Systems unter einer 20 Kilometer dicken Eisschicht. Die sogenannte t5a-Kammer ist eigentlich eine tief eingegrabene automatische Basis, eine Kugel von 40 Meter Durchmesser mit einem Archiv der Zivilisation von Artu. Die Kammer ist für eine Konservierungsdauer von 2 Millionen Jahren ausgestattet. Tatsächlich wird sie schon nach 2700 Jahren wieder geöffnet. Die gesamte Basis ist angefüllt mit Langzeitdatenträgern und Archivausrüstung: Kopierstationen, Lesegeräte und Automaten, die regelmäßig alle Datenträger erneuern. Neben technisch/wissenschaftlichen Datenbanken, Kultur, Kunst und genügend Informationen um die Artu-typische Biosphäre aus Gen-Daten zu rekonstruieren, gibt es ein ausführliches historisches Archiv. Es enthält zwei spektakuläre Erkenntnisse zur gemeinsamen Geschichte von Kisor und Artu.

Die historischen Daten gehen 10.000 Jahre zurück. Weitere bruchstückhafte Aufzeichnungen und 10.000 Jahre alte Legenden reichen noch 3000 Jahre weiter. Die erste überraschende Erkenntnis ist, dass die Völker von Artu anscheinend von den sogenannten Balsachen abstammen.

Die Balsachen (die Bezeichnung ist eine schlechte Transkription aus dem Hoch-Kisori, eigentlich Bal Sar Kan: Plünderer, Menschen würden "Vandalen" sagen) waren die Nemesis des goldenen kisorischen Reiches vor 12.000 Jahren. Nach der kisorischen Geschichtsschreibung kamen die Balsachen in einer völkerwanderungsähnlichen Bewegung aus dem Sagittarius-Arm der Milchstraße. Sie kamen mit riesigen mobilen Habitaten und fielen über die hier ansässigen Völker her. Einige Flotten durchquerten damals das kisorische Reich und wo sie durchzogen hinterließen sie Zerstörung und Untergang. Kisor musste die Völker des Sektors schützen. Die Abwehrkämpfe gegen immer neue Wellen von Balsachen-Flotten dauerten 50 Jahre. Angeblich kamen zig Millionen Schiffe, viele davon große Habitate, mit insgesamt zehntausend Milliarden kriegerischen Individuen. Das goldene Reich war auf dem Höhepunkt seiner Macht. Es mobilisierte alle Ressourcen und konnte die Raumschiffschwärme aufhalten. Sie wurden vernichtet oder vertrieben. Anscheinend hatten die Balsachen sich so gründlich den Hass der lokalen Völker zugezogen, dass das goldene Reich sie überall verfolgte, bis weit über die Grenzen des Reiches. Die Kisori vernichteten alle Balsachen, die sie finden konnten. Auch solche, die sich in unwirtliche Sonnensysteme ohne bewohnbare Planeten zurückgezogen hatten. Es gab großangelegte Suchoperationen und regelrechte Säuberungen ganzer Sonnensysteme. Das goldene Reich besiegte schließlich die Bedrohung. Aber die Anstrengungen waren zu groß und einige Zeit später zerbrach das Reich daran. Eine schmerzhafte Erfahrung im kollektiven Gedächtnis der Kisori, die das goldene Reich idealisieren.

Die Legenden aus der t5a-Kammer zeigen ein anderes Bild. Sie erzählen davon, dass die Vorfahren der Völker von Artu selbst Flüchtlinge waren. Sie mussten einer großen "dunklen" – aber sonst nicht genauer beschriebenen – Bedrohung ausweichen. Ihre Zivilisation war schon damals interplanetar und verteilt über viele Sonnensysteme. Sie versehen ihre Habitate mit langsamen Überlichttriebwerken und machen sich auf die Suche nach einer neuen Heimat, weit entfernt von der dunklen Bedrohung. Auf ihrem Weg nutzen sie die Ressourcen unbewohnter Systeme. Dann werden sie plötzlich angegriffen. Sie versuchen sich zu verteidigen, aber ihre zivilen Wohnschiffe sind den Angreifern nicht gewachsen. Sie werden erbarmungslos verfolgt. Viele versuchen sich in unbewohnten Systemen zu verstecken, meistens unter dem Eis von Monden der Gasriesen. Ihre mobilen Habitate sind zerstört. Nur einzelne militärische Begleitschiffe, die dem Massaker entkommen und Rettungsboote bleiben übrig. Die Schiffe werden zur Tarnung in das Eis eingeschmolzen. Aber die Angreifer suchen mit geradezu fanatischem Eifer.

Jahrzehnte der Verfolgung und der Dezimierung bringen unendliches Leid und Verlust. Sie sind von Regen in die Traufe geraten. Sie waren in einer riesigen kollektiven Anstrengung vor der dunklen Bedrohung geflohen, nur um dann auf der Suche nach einer neuen Heimat Aliens mit einem fanatischen Territorialinstinkt in die Hände zu fallen. Die meisten Verstecke werden irgendwann gefunden. Von den übrigen sind viele zu klein und nicht alleine lebensfähig. Nur einige größere Kolonien im Artu System überdaueren die lange Zeit. Aber die improvisierten Verstecke sind isoliert von den anderen Zufluchtsstätten. Sie sind zu klein, um ein hohes technisches Niveau zu bewahren. Geräte fallen mit der Zeit aus und können nicht ersetzt werden. Das Leben in den Zufluchtsstätten wird teilweise archaisch. Einfache automatisch Anlagen für die Lebenserhaltung werden oft von einer Priesterkaste gewartet.

Es dauerte 2000 Jahre bis in einigen Zufluchtsstätten eine technische Renaissance eintritt. Das ist der Zeitpunkt, wo die Legenden in zuverlässige historische Aufzeichnungen übergehen. Noch einmal 1000 Jahre später entwickelt sich eine interplanetare Zivilisation. Die Bevölkerung geht wieder in die Millionen. Sie ist verteilt auf tausende Habitate und Raumstationen. Die Technik entwickelt sich weiter und parallel dazu läuft eine bewegte interplanetare Geschichte ab. Clans und Allianzen kommen und gehen. Die Bevölkerung wächst um das Tausendfache. 2000 Jahre nach dem ersten Interplanetarflug, erreichen die ersten langsamen Raumkrümmer interstellare Nachbarsysteme.

Artu braucht viel länger als das Solsystem bis zur interstellaren Raumfahrt. Das stellt sich als Glücksfall heraus, denn so ist Artu nicht betroffen von der damaligen interstellaren Entwicklung. Das plötzliche Ende des Mercato-Imperiums hinterläßt viele ungeschützte Systeme. Kisor und viele andere hochentwickelte Völker werden durch Überfälle schwer getroffen. Kisor wird mehrmals geplündert. Das System verliert fast seine gesamte Bevölkerung und den Technologie-Baum bis hinab zu handgewickelten Elektromotoren und Windrädern. Es ist das sogenannte kisorische Mittelalter. Erst 3000 Jahre später kann die Technik auf Kisor wiederhergestellt werden. Da ist ungewöhnlich lang. Überall stehen noch alte technische Anlagen. Sie funktionieren zwar nicht mangels Energie und verfallen immer mehr, aber sie zeugen von besseren Zeiten und sie geben Hinweise für einen Neuanfang. Eigentlich müsste eine ehemals technische Gesellschaft, wie Kisor, die archaische Phase schneller hinter sich lassen können. Man erklärt das damit, dass alle zugänglichen Bodenschätze schon seit langer Zeit verbraucht sind und deshalb ein Neuanfang schwer ist.

An dieser Stelle liefert die Auswertung der t5a-Kammer eine zweite überraschende Erkenntnis. Wieder kreuzen sich die Wege von Artu und Kisor. Clans von Artu haben die Technik der Überlichttriebwerke langsam weiterentwickelt. Die Schiffe sind nun etwas schneller und die Reichweiten größer. 400 Jahre nach den ersten interstellaren Reisen entdeckt die Hightech-Zivilisation von Artu das archaische Kisor. Das ist etwa um 3000 vor unserer Zeitrechnung. Schnell identifiziert man die Kisori als die Feinde aus den alten Legenden. Nicht die dunkle Bedrohung, sondern die erbarmungslosen Jäger ihrer Vorfahren. Die Beschreibungen in den Legenden sind eindeutig. Und sie werden bestätigt durch uralte Datenaufzeichnungen der Schiffe, die einst unter dem Eis vergraben wurden.

Aus Sicht der Artu-Völker sind die Vorfahren der Kisori verantwortlich für den Tod von vielen tausend Milliarden. Die damaligen neuen Artu-Bewohner, die Nachkommen der Balsachen, sehen in den Kisori die kriegerischen Fanatiker ihrer Legenden. Es sind die Verantwortlichen für den Mord an ihren eigenen Vorfahren, die beinahe das gesamte Volk ausgelöscht hätten, nur weil sie nicht friedliche Wanderer durch ihr Reich ziehen lassen wollten.

Aber jetzt sind die Rollen vertauscht. Artu ist eine interstellare Hightech-Zivilisation und die zwei Kisor-Planeten sind hilflos. Auf Kisor-Beta, dem inneren bewohnbaren Planeten, leben insgesamt 300 Millionen in einer mittelalterlichen Gesellschaft. Das ist weniger als ein Hundertstel der Bevölkerung vor dem Fall und vermutlich sogar zehntausendmal weniger als zur Zeit des goldenen Reiches. Alpha, der äußere Planet, ist fast komplett entvölkert. Dort leben nur noch 5 Millionen Kisori in kleinen Dörfern oder als – fast steinzeitliche – Nomaden.

Es gibt nicht viele Sonnensysteme mit bewohnbaren Planeten. Deshalb wäre dies eine gute Gelegenheit, den Kisori ihre Planeten abzunehmen. Aber die Biosphäre, die für Kisori geeignet ist, ist unbrauchbar für die Völker von Artu. Das müsste eine Hightech-Zivilisation wie Artu nicht aufhalten. Mit Geo- und Ökoengineering ließe sich das beheben. Aber die fragmentierte Artu-Gesellschaft ist nicht in der Lage so eine aufwändige Operation über einen langen Zeitraum durchzuführen. Das ist auch nicht nötig, denn die Völker von Artu, die Nachkommen der Balsachen, leben seit jeher (zumindest länger als die ältesten Legenden) in interplanetaren Habitaten oder in künstlichen freien Bereichen. Sie streben kein Leben auf Planetenoberflächen an.

Die Öffentlichkeit von Artu ist gespalten, wie man mit Kisor umgehen soll. Manche plädieren dafür, die Kisori sich selbst zu überlassen. Sie wollen den ehemaligen Feinden nicht helfen. Auf der anderen Seite ist das aber alles schon sehr lange her. Die Täter waren schließlich nicht die momentan lebenden Kisori, auch nicht ihre direkten Vorfahren, sondern eine ganz andere Zivilisation 6000 Jahre zuvor. Die Zivilisation der ehemaligen Feinde ist untergegangen, wieder auferstanden und nochmal untergegangen. Es gibt keinen Bezug mehr zu den Vor-Vorläufern. Keine Individuen, keine Organisationen, nicht einmal Aufzeichnungen haben die 6000 Jahre und den zweifachen Niedergang überdauert. Deshalb kann es eigentlich keine Schuld mehr geben. Andere fürchten sich, dass die Kisori, trotz der langen Zeit noch die gleiche kriegerische Mentalität haben könnten, die man aus den Legenden kennt. Diese Fraktion der Artu-Bewohner will verhindern, dass Kisor wieder eine interstellare Macht wird, die dann vielleicht Artu angreifen könnte.

Wie üblich gibt es keine einheitliche Vorgehensweise. Für die meisten Bewohner von Artu ist die Entdeckung der realen Nachkommen von Protagonisten aus alten Legenden nur eine Kuriosität. Aber einige Clans nehmen die Sache ernst. Sie werden aktiv, auf ganz verschiedene Weise. Es gibt gleichzeitig neutrale, konstruktive und destruktive Aktivitäten:

- Einige Clans beobachten die Kisori, um zu verhindern, dass Artu überrascht wird, falls Kisor sich aus den Trümmern erhebt.

- Exosoziologen, Exobiologen und Historiker untersuchen einzelne Kisori und ihre Gemeinschaften. Sie wollen einen Bezug zwischen den Legenden und der Realität herstellen. Sie wollen herausfinden, ob Kisori individuell oder als Gesellschaft so kriegerisch und rücksichtslos sind, wie in der Überlieferung beschrieben. Manche forschen in der Absicht die Kisori zu ändern falls nötig.

- Manche Clans versuchen die Not der kisorischen Bevölkerung zu lindern. Sie verteilen Lebensmittel und Medikamente. Dabei versuchen sie meistens nicht (als "Aliens") entdeckt zu werden. Zur Bevölkerung gelangt die Hilfe oft über einzelne eingeweihte Kisori, die als Heiler oder als Händler unterwegs sind. Impfungen gegen Infektionskrankheiten werden über Brunnen ausgebracht. Mangelerscheinungen begegnet man durch Zusätze in Getreidesilos. Die Hilfe geht vor allem an Kisor Alpha, wo es der Bevölkerung sehr schlecht geht, und an die städtische Bevölkerung auf Beta die in prekären hygienischen Verhältnissen lebt.

- Einige Helfer setzen bei der Technologie an. Sie versuchen den Kisori technisches Wissen zu geben oder alte Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen. Auch das geschieht oft indirekt über wenige Eingeweihte unter den Kisori oder durch Androiden in Kisori-Form. Die kisorischen Legenden sind voll von Zauberern, die Unmögliches möglich machen.

- Lokale Kisori-Herrscher dominieren oft nur eine Stadt und das Umland. Besonders auf Kisor-Beta gibt es ständig kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Nachbarn. Einige Clans von Artu versuchen Kriege zu unterbinden. Gelingt das nicht, dann versuchen sie eine schnelle Entscheidung herbeizuführen. Manche fördern größere stabile Strukturen, weil sich nur eine einigermaßen friedliche Gesellschaft wieder erholen kann. Kisorische Überlieferungen erzählen von berühmten Friedensstiftern, die zwischen Konfliktparteien vermitteln und Friedensabkommen erreichen, die niemand für möglich gehalten hätte. Sicher setzen die Artu-Clans dafür moderne Memetik-Techniken ein. Kommt es doch zum Krieg, dann werden Schlachten in der Überlieferung immer wieder von mächtigen Superhelden entschieden.

- Aber es gibt auch Clans, die eine technische Renaissance verhindern wollen. Sie sabotieren Fortschritte, manchmal durch subtile Manipulation, manchmal auch durch gewaltsame Zerstörung. Plötzliche Zerstörungen, ob durch orbitale kinetische Schläge oder durch konventionelle Sprengmittel, werden von der kisorischen Bevölkerung als Zorn Gottes, bzw. der Götter, Wüten von Riesen oder als Widerstand der Natur gegen Neuerungen wahrgenommen. Im Lauf der Zeit wird die Bevölkerung immer abergläubischer. Änderungen scheinen immer Rückschläge zu provozieren, wobei man die Reaktion je nach Weltanschauung den Göttern, Monstern oder der Natur zuschreibt. Nach einigen hundert Jahren gewinnen auf Kisor-Beta konservative Kräfte die Oberhand, die sich jeder Neuerung widersetzen, weil "Neuerungen erfahrungsgemäß immer Unheil bringen".

- Helfende Clans versuchen solche Sabotageaktionen zu verhindern. In besonders dramatischen Fällen kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Clans von verschiedenen Enden des Spektrums. Auf die eingeborene Bevölkerung wirkt das wie Auseinandersetzungen zwischen Göttern oder Superhelden.

- Einzelne Clans beschränken sich nicht auf die Behinderung des Fortschritts. Sie gehen gewaltsam gegen die kisorische Bevölkerung vor. Besonders im frühen Mittelalter, am Anfang der Manipulation durch Artu-Clans, gibt es massive Gewalt gegen die eingeborene Bevölkerung. Mit den neuen Erkenntnissen kann man mehrere große Katastrophen aus alten kisorischen Legenden erklären:

- Auf dem Kontinent, der später einmal das "Land aller Gilden" sein würde, kennen viele Regionen die Legende von einer großen Flut. Die Flut wird ausgelöst durch Abschmelzen von Gletschern im zentralen Gebirgsmassiv des Kontinents mittels orbitaler Spiegel.

- Eine andere Geschichte zeugt vom Untergang der sagenhaften Stadt Tis La Nat, deren Bewohner in direkter Verbindung zu den Göttern standen. Ein Clan hatte die Stadt modernisiert, um sie zu einem Nukleus für die technische Renaissance zu machen. Die Idee war, ausgehend von einer Stadt immer weitere Bereiche zu modernisieren. Dafür offenbarten sich Artu-Sophonten in Androidenkörpern den Einwohnern. Sie brachten moderne Technik, Werkzeuge und sogar Fabs. Ein anderer Clan stoppte die Aktivitäten der Helfer durch eine nukleare Explosion, die Tis La Nat völlig zerstörte.

- Kisorische (alturistisch-) religiöse Texte berichten von einem Feuersturm, den der Gott Altur auf zwei Städte herabregnen ließ, als Strafe für deren unmoralische Lebensweise. Das Ereignis passt zeitlich zur Vernichtung einer großen Stadt, die durch einen Fluss in zwei Hälften geteilt war. In der Zwillingsstadt hatte ein Clan über mehrere Jahrzehnte behutsam wissenschaftliche und technische Schulen aufgebaut. Die Bevölkerung wandte sich langsam vom Aberglauben ab und einer wissenschaftlichen Denkweise zu. Alturistisch geprägte Nachbarregionen empfanden die Abwendung von Altur als Frevel. Irgendwann blitzte und donnerte es bei heiterem Himmel als ob ein unsichtbares Gewitter sich über den beiden Stadthälften entladen würde. Moderne Brandbomben fielen auf einige Quadratkilometer Holzhäuser. Die Zwillingsstadt brannte bis auf die Grundmauern nieder.

- Schon sehr früh versuchte eine Clan-Allianz einen Start-/Landeturm mit Konverter-Beschleuniger zu bauen. Damit sollten Materiallieferungen vom Orbit erleichtert werden. Der zentrale Schacht mit dem Beschleuniger wurde von einer Bergspitze 4 Kilometer tief in den Boden getrieben. Eingeborene Arbeiter errichteten auf dem Berg einen Turm "bis in die Wolken". Der Berggipfel lag immer im Nebel und die Wolkenbildung wurde für das Projekt künstlich verstärkt. Die Spitze eines 200 Meter hohen Turms ist vom Boden aus schon nicht mehr zu sehen. Dort geht der Beschleunigerschacht in eine 20 Kilometer hohe Feldröhre über, eine optisch transparente Nanomatrix, die das Innere der Röhre durch EM-Nahfelder aktiv unter Vakuum hält. Aber der Bau wird auf ungewöhnliche Weise sabotiert. Ein destruktiver Clan verbreitet ein Mem-aktives Designer-Virus unter der lokalen Bevölkerung. Das Virus senkt moralische Schwellen und erhöht das Aggressionspotential. Die eingeborenen Arbeiter greifen sich gegenseitig an. Dabei zerstören sie nicht nur den Turm, sondern auch die teure Feldröhre. Es gibt keinen weiteren Versuch, den Plan zu Ende zu bringen.

- Den größten Schaden richten verborgene Aktionen an, vor allem biologische Angriffe auf die eingeborene Bevölkerung. Die moderne kisorische Geschichtswissenschaft ging davon aus, dass die Bevölkerung der zwei Planeten durch Hunger, Seuchen und fehlende medizinische Versorgung auf 30 Millionen (ein Tausendstel) zurückging (Kisor-Alpha: 50.000). Aber nun stellt sich heraus, dass das Minimum schon bei 300 Millionen (Alpha: 5 Millionen) erreicht war. Erst der Eingriff einiger Artu-Clans mit biologischen Waffen reduzierte die Bevölkerung auf die historisch bekannten Werte. Einige Extremisten von Artu versuchten die Kisori auszurotten. Mit künstliche Viren töteten sie 90% der Bevölkerung (auf Alpha: 99%).

- Nur den Impfungen durch hilfsbereite Clans ist es zu verdanken, dass einige Kisori überlebten. Da man sich dabei auf die Städte konzentrieren musste, gab es auf Kisor-Alpha keine Impfungen. Dort sorgten nur natürliche Quer-Resistenzen dafür, dass immerhin 50.000 Kisori überlebten. Eine zweite Welle tödlicher Virenstämme war schon vorbereitet, als sich einige Clans zusammenschlossen, um die Ausbringung der Krankheitserreger mit Waffengewalt zu verhindern.

Clans mit einer positiven Einstellung gegenüber Kisor verfügten insgesamt über wesentlich mehr Ressourcen, als die negativen Kräfte. Aber Sabotage braucht oft nur eine kurze Einzelaktion während Hilfe eher ein langwieriger Aufbau ist. Langfristig setzten sich die destruktiven Kräfte durch. Die Kisori wurden zwar nicht vollständig ausgerottet, aber die beiden Planeten verharren 3000 Jahre im Mittelalter. Das wäre auch noch länger so weitergegangen, wenn in der Artu-Zivilisation nicht der ewige Krieg ausgebrochen wäre.

Schon kurz nach dem ersten systemweiten Aufflammen des ewigen Krieges werden die meisten Aktivitäten auf Kisor eingestellt. Später fehlen dann sogar die technologischen Mittel, um Kisor zu erreichen. Befreit von den Störungen bauchen die Kisori auf Beta nur 500 Jahre bis zur Industrialisierung, dann weitere 400 Jahre bis die Technik reif ist zur interplanetaren Raumfahrt und nochmal 900 Jahre bis zu den ersten interstellaren Aktivitäten mit einfacher Lichtgeschwindigkeit. Das ist die Zeit als auch Artu – zum ersten Mal nach dem ewigen Krieg – wieder Überlichtraumschiffe aussenden kann. Artu und Kisor befinden sich etwa auf dem gleichen Techlevel, haben aber keinen Kontakt. Beide entwickeln ihre Überlichttechnologie weiter. Aber um zügig interstellare Distanzen zu überwinden, benötigt man Überlichtfaktoren von 100 oder 1000. Die Technik ist sehr anspruchsvoll. Diese Entwicklung braucht Zeit. Typisch ist eine Verdreifachung der Geschwindigkeit alle 100 Jahre.

Als um das Jahr 1000 u.Z. die Pax Interiana anbricht, haben Artu und Kisor immer noch keinen Kontakt. Für Artu wäre es nun viel zu spät, um Kisor noch einzudämmen. Außerdem ist das Wissen um die Identität Kisors im ewigen Krieg verloren gegangen. Der ewige Krieg hat nicht nur die technologischen Fähigkeiten reduziert, sondern auch fast alle Datenbanken ausgelöscht. Nur in vereinzelten konservierten Archiven, wie der t5a-Kammer, gibt es dazu noch historische Aufzeichnungen.

Bei der Öffnung der t5a-Kammer 3270 ist die Situation dann wieder völlig anders. Inzwischen sind 2200 Jahre vergangen und es ist viel passiert: Kisor war fast tausend Jahre lang interianisches Regionalzentrum. Als sich das Imperium zurückzog, übernahm Kisor den Sektor. Aber als die Menschen die interstellare Bühne betraten und von Artu-Clans erpresst wurden, mischte sich Kisor nicht ein. Später verteidigte Kisor dann doch das Solsystem gegen Plünderer. Und nach einem Krieg zwischen Kisor und Sol waren beide ein halbes Jahrhundert verbündet gegen die Chinti-Schwärme. Als diese Bedrohung in der "Zeit der streitenden Schwärme" entfiel, wurden Sol und Kisor wieder Gegner. Während der Besetzung des Solsystems durch Barbarenstämme wurde Kisor kinetisch bombardiert und wieder einmal fast ausgelöscht. Auch Artu und Sol wurden nach dem Ende der Chinti-Bürgerkriege schwer getroffen. Die meisten Völker des Sektors leiden noch unter den Nachwirkungen des Barbarensturms oder unter der aktuellen Chinti-Expansion.

Die Erkenntnisse der t5a-Kammer könnten zu neuen Verwerfungen zwischen den Völkern führen. Schließlich haben sich Kisor und Artu gegenseitig fast ausgelöscht und darüber hinaus – ebenfalls gegenseitig – für Jahrtausende auf das Existenzminimum reduziert.

Aber die Zusammenhänge, die jetzt bekannt werden, haben trotz ihrer Brisanz keine konkreten Auswirkungen. Kisor ist momentan wieder unbedeutend. Kisor-Beta ist – nach Bombardierung und Wiederherstellung – gerade erst wieder besiedelt worden. Kisor-Alpha ist immer noch eine Eiswüste.

Auch Artu wurde 60 Jahre zuvor durch einen Chinti-Angriff schwer getroffen. Ohne eine systematische Verteidigung mit Tiefraumsperren und Ballistikschild hatten die Insekten leichtes Spiel. Artu verlor etwa die Hälfte der Habitate, der Bevölkerung und der interplanetaren Infrastruktur. Die absoluten Zahlen sind trotzdem noch gewaltig und in 60 Jahren wurde viel wiederaufgebaut. Aber Artu ist immer noch zersplittert und ohne einheitliche Außenpolitik.

Die neuen Erkenntnisse sind doch nur historische Kuriositäten.

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