3191 Verlegung des solaren Protektorats nach Cobol.

Die Schwarmvölker können jederzeit wieder angreifen, ein anderes System oder nochmal Sol. Die Menschen müssen so schnell wie möglich eine wirksame Verteidigung aufbauen. Dafür brauchen sie eine funktionierende Wirtschaft. Aber nach dem Überraschungsangriff auf das Solsystem und der sogenannten Chinti-Katastrophe liegt die Infrastruktur des Solsystems in Trümmern. Drei Viertel der solaren Industrie sind zerstört. Das Solsystem muss erst wieder auf die Beine kommen.

Die Hauptlast der Verteidigungsanstrengungen liegt nun bei den Systemen der inneren Sphäre. Allen voran beim Cobol-System. Dort gibt es nicht nur einen bewohnbaren Planeten, sondern eine lebendige interplanetare Zivilisation.

Cobol hatte nur zu Beginn des Barbarensturms – kurz nach der Gründung der Föderation vor 500 Jahren – für einige Jahre eine Fremdherrschaft zu ertragen. Aber das ist sehr lange her. Später konnte Cobol, erst mithilfe des Solsystems, dann auch alleine, alle Angriffe abwehren. Seitdem hat sich die Cobol-Föderation gut entwickelt. Natürlich war auch Cobol vom allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang betroffen. Aber während die Erde und viele andere Menschenwelten von Barbaren beherrscht wurden, konnte die Cobol-Föderation in ihrem System zumindest den Techlevel einigermaßen halten.

Die Föderation organisiert die gemeinsame Verteidigung des Systems. Sie kann sich auf eine breite industrielle Basis stützen. Die interplanetare Wirtschaft von Cobol ist sogar doppelt so groß wie die des Solsystems (vor der Katastrophe). Cobol ist das Juwel der inneren Sphäre. Ein guter Standort für die gemeinsame Verteidigung der Menschenwelten.

Seit über 250 Jahren ist das sogenannte solare Protektorat die Regierung des Solsystems. Die meiste Zeit war das eine Fremdherrschaft. Verschiedene Barbarenvölker dominierten die Heimat der Menschen.

Aber seit der Rückeroberung wird das Solsystem wieder von Menschen regiert. Nach dem Aufstand übernahmen Rebellengruppen die Verwaltungsstrukturen der Besatzer. Der Begriff "Protektorat" blieb. Akari Inghana, eine Anführerin des Widerstands, nahm den Titel Protektor/Beschützer des Solsystems an. Sie demonstrierte damit Kontinuität, um die Ordnung zu wahren, und gleichzeitig – als erster Mensch mit diesem Titel – den Bruch mit der fremdbestimmten Vergangenheit. In einem überraschenden Coup wurde sie auch zur Präsidentin der sogenannten Reshumanis im Solsystem gewählt. In der Folge erhielt ihre Rebellenfraktion Zugriff auf die militärischen Mittel der interstellaren Reshumanis Allianz, die geholfen hatte, das Solsystem zu befreien.

Mit der Wiederherstellung der Ordnung um 3170 wurde das neue Protektorat der Menschen zur Regierung des Solsystems und Inghana zur Präsidentin des weitgehend geeinten Systems. Die Menschen machen sich an den Wiederaufbau.

Dann kam die Chinti-Katastrophe und die Prioritäten änderten sich. Inghana erkannte, dass sich die Zukunft der ganzen Menschheit im Konflikt mit den Chinti-Schwärmen entscheiden würde.

Die Menschheit ist noch nicht bereit. Aber die Zeit drängt. Inghana beschließt, dem Solsystem den Rücken zu kehren, um mithilfe einer stärkeren industriellen Basis die Verteidigung zu organisieren. Dafür bietet sich das Cobol-System an. Es ist relativ nahe, außenpolitisch geeint, und es hat eine leistungsfähige interplanetare Wirtschaft.

Inghana geht nicht alleine nach Cobol. Sie tritt nicht zurück, um eine neue Aufgabe zu übernehmen, sondern sie verlegt offiziell das solare Protektorat dorthin. Die Verwaltung des Solsystems bleibt unverändert. Die Ministerien sind weiterhin im Solsystem. Nur das Kabinett tagt jetzt auf Cobol, statt auf der Erde. Sie beabsichtigt,

- mithilfe ihres Titels "Präsidentin der Reshumanis (Sol)", auf die Mittel der interstellaren Reshumanis-Allianz bei Cobol Anspruch zu erheben,

- als offizielle Regierung des Solsystems den Zugriff auf militärische Ressourcen des Solsystems zu behalten,

- die Bevölkerung von Cobol von der neuen Rolle Cobols bei der Verteidigung der gesamten Menschheit zu überzeugen,

- Das Solsytem für einige Jahre aus dem Fokus zu nehmen, damit die Infrastruktur wiederaufgebaut werden kann,

- langfristig auch den Titel Protektor (oder Beschützer) von Sol (oder der Menschheit) bei Cobol (und darüber hinaus) zu etablieren, weil sie davon überzeugt ist, dass die interstellare Menschheit sich organisieren muss, um gegen die Chinti-Schwärme zu bestehen.

Der Umzug des solaren Protektorats ist auch ein Signal an die anderen Systeme der Menschen. Sol dominiert nun nicht mehr die menschliche Sphäre. Der Umzug ist das äußere Zeichen, dass auch die Regierung des Solsystems dies akzeptiert. Gleichzeitig ist er ein Aufruf an die anderen Menschenwelten, aus dem Schatten zu treten und für die menschliche Sphäre Verantwortung zu übernehmen.

Der Umzug ist riskant. Das solare Protektorat hat bei Cobol keine Machtbasis und kein Einkommen. Cobol wird außenpolitisch repräsentiert durch eine selbstbewusste Föderation. Viele Territorien und Habitat-Cluster sind weitgehend autonom. Niemand will sich nun Abgesandten von Sol unterordnen. Aber die Cobol-Föderation erklärt sich bereit, die Exilregierung des Solsystems zu unterstützen.

Cobol war schon während der Rückeroberung des Solsystems das Hauptquartier der interstellaren Reshumanis-Allianz. Formal hat sich daran nichts geändert. Die interstellaren Reshumanis wurde nicht aufgelöst, obwohl sie ihren Zweck, die Rückeroberung des Solsystems, erfüllt hat.

Vor 20 Jahren übernahm dann das solare Protektorat die Reshumanis-Infrastruktur im Solsystem. Darauf gründet sich der Anspruch, dass die Präsidentin von Reshumanis/Sol auch für die interstellare Reshumanis-Allianz zuständig ist. Dieser Anspruch wurde außerhalb des Solsystems nie anerkannt. Aber die Cobol-Föderation lässt Präsidentin Inghana gewähren. Die Föderation erlaubt Inghana, die Aktiva der interstellaren Reshumanis im Cobol-System zu übernehmen. Damit bekommt das solare Protektorat Zugriff auf wichtige Ressourcen, darunter Finanzmittel, Immobilien und einige Schiffe. Das kommt einer inoffiziellen Anerkennung der solaren Reshumanis als Rechtsnachfolgerin der interstellaren Reshumanis gleich.

Die Reshumanis-Allianz bekommt ihre dritte große Aufgabe. Ursprünglich war sie als Verteidigungsbündnis gegen die Kisor-Zwillinge gegründet worden. Später wurde sie reaktiviert als führende Organisation zur Rückeroberung des Solsystems. Jetzt koordiniert sie den Krieg gegen die Schwarmvölker.

Seit der Wiedervereinigung der Chinti-Schwärme expandieren die Insekten. Die Schwärme sind die größte monolithische Militärmacht der Region. Es gibt natürlich noch viele andere Machtbereiche, starke Sonnensysteme oder bedeutende Systemfraktionen vieler Völker. Aber jede einzelne ist viel kleiner als die Chinti. Die interstellare Nachbarschaft der Chinti ist zersplittert. Das ist eine Spätfolge des Rückzugs des Interianischen Imperiums und des darauffolgenden Barbarensturms. Das Imperium hatte die Chinti lange in Schach gehalten. Das ist vorbei.

Die ehemaligen Mitgliedsvölker des Imperiums sind auf sich selbst gestellt. Sie sind so heterogen, dass keine Chance auf ein gemeinsames Vorgehen besteht. Verschiedene Denkweisen, Mentalitäten, Biologie und sogar verschiedene Arten von Intelligenz machen weitreichende Zusammenarbeit, wie zum Beispiel ein gemeinsames Oberkommando, unmöglich.

Auch die menschliche Sphäre ist fragmentiert. Sie besteht aus vielen Einzelsystemen verteilt über 2.000 Lichtjahre in alle Richtungen. Viele von Menschen besiedelten Systeme sind so weit weg, das für sie die Chinti noch keine Bedrohung sind. Ein Großteil ist nicht einmal politisch geeint. Das ist eigentlich nicht überraschend. Siedlungen und Kolonien werden meistens von einzelnen Fraktionen gegründet. Sonnensysteme bieten viel Platz für unabhängige Siedlungen und Habitate. Es gab nie eine koordinierte Kolonisation ausgehend von der Staatsmacht des Solsystems. Stattdessen sind unzählige Unabhängige ausgewandert. Sonnensysteme sind so groß, dass sich auch tausende neue Siedlungen nicht ins Gehege kommen.

In manchen Systemen fand trotzdem im Lauf der Zeit ein Einigungsprozess statt. So zum Beispiel die Cobol-Föderation. Sie wurde schon 89 Jahre nach der zweiten Kolonie gegründet und trotz einiger Wirren hat sie immer noch Bestand. Vermutlich war dabei ein wichtiger Faktor, dass die Territorien weitgehend Autonomie genießen. Die Föderation ist eigentlich nur für die Systemverteidigung zuständig. Diese Aufgabe hat sie bisher sehr gut gemeistert. Die Föderation darf dafür erhebliche Mittel von den Mitgliedern erheben, in Krisenzeiten bis zu 4% des Sozialprodukts. Damit wurde die klassische Vierkomponenten-Systemverteidigung aufgebaut: ein systemweiter Ballistik-Schild, Tiefraumsperren, verteilte Raketenbasen und bewegliche Abfanggeschwader. Was Cobol nicht hat, ist eine interstellar wirksame Offensivkapazität.

Die militärische Führung der Föderation ist sich bewusst, dass das Chinti-Problem nicht alleine durch Verteidigung bewältigt werden kann. Die Chinti haben leider kein Konzept für Neutralität. Man muss ihnen aktiv entgegentreten. Aber die Föderationsverfassung ist dafür nicht ausgelegt. Und es gibt starke Kräfte, die verhindern wollen, dass die Föderation mehr Macht bekommt. Sie befürchten, dass die Föderation mit einer Ausweitung von Finanzen und Verantwortung doch einmal zu einem starken Staat werden könnte, der ihre Autonomie bedroht.

Anders die Reshumanis-Allianz. Ihr Auftrag war von Anfang an die interstellare Kriegsführung. Sie ist seit der erfolgreichen Rückeroberung des Solsystems bedeutungslos und steht nicht im Verdacht, die Macht an sich reißen zu wollen. Die Cobol-Föderation kann nicht selbst interstellar aktiv werden, aber sie kann die Reshumanis-Allianz unterstützen.

Anfangs ist die Unterstützung eher passiv. Zuerst toleriert sie die Übernahme der Reshumanis-Aktiva durch das solare Protektorat unter Präsidentin Inghana. Die Föderation bleibt neutral, als Reshumanis-Kräfte beginnen Chinti anzugreifen. Das ist nicht unumstritten, denn die Aktionen könnten eine Reaktion der Chinti gegen Cobol auslösen. Aber die Föderation lässt Reshumanis gewähren. Man verlässt sich darauf, dass das Cobol-System gut geschützt ist. Immerhin hat Cobol, im Gegensatz zu Sol, eine einsatzbereite Systemverteidigung

Die ersten Aktionen sind nur Nadelstiche gegen einen übermächtigen Gegner. Aber im Lauf der Zeit werden die Operationen mit der wachsenden Unterstützung der Cobol-Föderation immer größer. Die Föderation hilft erst mit Daten bei der Fernaufklärung. Dann stellt sie Aufklärungsschiffe und Personal zur Verfügung. Es gibt "gemeinsame" Manöver bei denen fast nur Föderationskräfte teilnehmen, die aber unter dem Kommando der Reshumanis stehen. Manche Einheiten bleiben monatelang als "Vorbereitung und Nachbereitung von Manövern" abgeordnet.

Reshumanis schafft im Lauf der Zeit Strukturen, Stützpunkte und Kampfeinheiten, die mangels eigener Mittel nicht ausgefüllt werden können. Die Föderation stellt "leihweise" Material und Personal zur Verfügung, um die "Lücken" zu füllen. Irgendwann umfasst die Materialhilfe auch Kampfeinheiten. Dafür werden aus dem Verteidigungsbudget sogar neue interstellar überlichtfähige Einheiten beschafft. Offiziell gekauft von Reshumanis, aber aus Föderationsmitteln finanziert. Das beginnt mit einem Geschwader leichter Kreuzer und Unterstützungseinheiten für Langstreckenmissionen.

Bei Kampfhandlungen gibt es Verluste, aber auch erste große Erfolge. Das gibt der Föderation Vertrauen in die Reshumanis-Führung. Die Föderation ersetzt die Verluste, teilweise durch größeren Einheiten. Inzwischen ist der Expansionsdruck der Chinti weiter gestiegen. Auch in Richtung der menschlichen Sphäre sind einige Systeme übernommen worden, mit fatalen Konsequenzen für die Bevölkerung.

Akari Inghana kommandiert selbst Missionen gegen die Chinti. Das solare Protektorat bei Cobol, geführt von Präsidentin Inghana, unter der Flagge der Reshumanis und unterstützt durch die Cobol-Föderation, ist die einzige Organisation, die erfolgreich interstellar gegen die Ausbreitung der Chinti vorgeht. Der Exekutivrat der interstellaren Reshumanis-Allianz wählt schließlich Inghana zur Präsidentin. Die solare Exilregierung übernimmt damit auch formal die Leitung der interstellaren Allianz. Die Bedingung der Cobol-Föderation für diese Anerkennung ist, dass dies von Cobol aus geschieht. Cobol wird das Zentrum der menschlichen Sphäre für die gemeinsame Verteidigung. Das ist, wie wir heute wissen, die Keimzelle des späteren Imperiums.

Die Föderation kann nun Reshumanis offiziell unterstützen. Ein neuer Kampfverband der Föderation, bestehend aus einigen Langstrecken-Trägern und Begleitschiffen, wird der Reshumanis unterstellt. Der Kampfverband wurde geplant und umgesetzt als "Maßnahme zur Optimierung der Systemverteidigung, um moderne Konzepte der interstellaren Kriegsführung nicht nur theoretisch zu studieren, weil in der langen Zeit seit den letzten praktischen Erfahrungen neue Technologien und Strategien entwickelt wurden, die sich auf die Verteidigungsdoktrin auswirken". Eine schöne Umschreibung für die Tatsache, dass die Föderation entgegen ihre Verfassung interstellar wirksame Kräfte aufbaut. Tatsächlich ist der Verband vollständig offensiv einsatzfähig. Es ist die erste interstellare Kampfgruppe Cobols und der Reshumanis-Allianz.

Einige Jahre – und einige ernsthafte Auseinandersetzungen mit Chinti-Kräften später – werden alle mobilen Streitkräfte Cobols der Reshumanis unterstellt. Auch viele andere Systeme und Fraktionen beteiligen sich an gemeinsamen Aktionen. Im Jahr 3214, 23 Jahre nach der Verlegung des solaren Protektorats nach Cobol, erhält das Reshumanis-Oberkommando dauerhaft Zugriff auf die Offensivkräfte aller Mitglieder der Allianz. Und die Mittel sind deutlich gewachsen. Cobol stellt inzwischen mehrere Trägergruppen der Reshumanis-Flotte. Angriffsfähigkeiten beanspruchen schon die Hälfte der Föderationsmittel. Andere Systeme der inneren Sphäre sind noch dabei, ihre Defensive aufzubauen. Aber auch sie stellen Offensivkräfte. Die Menschen beginnen der Chinti-Bedrohung ernsthaft entgegenzutreten.

Es ist ein langer Weg für Akari Inghana. Von der Widerstandskämpferin der Sol-Reconquista zur Präsidentin des solaren Protektorats, und dann vom Umzug nach Cobol mit einem kleinen Geschwader leichter Schiffe bis zum Oberkommando über die Offensivflotten der menschlichen Sphäre.

#Politik #Verteidigung #Riskio #Neuanfang

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3050 Gründung der königlichen Garde von Marduk

Die Garde besteht aus ca. 150 schweren Kreuzern, die jeweils von nur einer Person geflogen werden. Die Schiffe sind hochautomatisiert. Sie werden von den Piloten oder deren Familien selbst ​finanziert.

Die Mitgliedschaft bei den Solo-Fliegern ist eine Ehre. Sie ist für wohlhabende Familien, die nicht zur ersten Siedlerwelle gehören, eine Möglichkeit, in den (niederen) Adel aufzusteigen. Die "Verpflichtung als Solo" ist gleichzusetzen mit einem Ritterschlag.

Vor etwa 200 Jahren begann der sogenannte Barbarensturm. Damals fielen moderne Waffen in die Hände von archaischen Gesellschaften und Völkern mit anderen Moralsystemen. Die meisten hätten wohl nicht von selbst so hochstehende Technologie entwickelt und wären nie zu einer Gefahr für die interstellare Zivilisation geworden. Aber mit dem Zugriff auf schnelle Raumschiffe und automatische Waffensysteme wurden ihre Ethik, ihre Sitten und Handlungsweisen, interstellar wirksam. Das hatte fatale Folgen für die Hochzivilisationen der Umgebung.

Der wesentliche Auslöser für diese Entwicklung war der Rückzug des Interianischen Imperiums. Das Imperium kontaktierte viele Völker und versuchte sie in die interstellare Gesellschaft einzubinden. Beim plötzlichen Ende des Imperiums war der Prozess nicht abgeschlossen. Viele kontaktierte, aber noch nicht zivilisierte Völker, wurden sich selbst überlassen. Das Imperium gab damals Flottenstützpunkte an der Grenze auf, und einige Völker übernahmen die zugehörigen Depots. Dort fanden sie sehr moderne automatische Waffensysteme.

Gefördert wurde die Entwicklung vom gormanischen Bürgerkrieg, bei dem viele Fraktionen Söldner von ihren Heimatplaneten mit modernen Waffen ausstatteten.

Auch Hochzivilisationen trugen dazu bei, dass moderne Waffen in die falschen Hände fielen. Als die Handelsrouten unsicher wurden, heuerte sogar das Solsystem Söldner zum Schutz der Geleitzüge an.

Söldner, die Frachter beschützen, können später auch Handelsrouten angreifen. Das passierte damals immer wieder.

Dann wurden die ersten überraschten Hochzivilisationen von Barbaren angegriffen und manche konnten sich nicht verteidigen. Handelspartner fielen aus, interstellare Verbindungen wurden teuer und die äußeren Systeme waren unsicher. Nach 50 Jahren befanden sich die interstellar vernetzten Gesellschaften des Sektors in einer tiefen Wirtschaftskrise. Einige hatten schon zeitweise unter einer Fremdherrschaft zu leiden, andere versuchten aufzurüsten. Das war schwierig in einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs.

Mit einer modernen quartären Systemverteidigung, aus Ballistik-Schild, Tiefraumsperren, Minen und mobilen Einheiten, kann man Systeme sogar gegen massive Angriffe befestigen. Das ist selbst für wohlhabende Systeme eine teure und jahrzehntelange Anstrengung. Deshalb rüsteten die meisten Systeme nur mobile Kräfte aus. Das war ausreichend gegen Überfälle durch moderne Barbaren, meistens jedenfalls.

Weitere 100 Jahre später hatte sich die Situation so weit verschlechtert, dass viele Völker, Sonnensysteme und Territorialsouveränitäten sogar Probleme hatten, genügend Mittel für eine ständig einsatzbereite Verteidigungsflotte aufzubringen. Als Notlösung wurden deshalb im Krisenfall zivile Schiffe aufgerüstet. Auch bewaffnete Handelsschiffe wurden zur Verteidigung herangezogen. Die Handelsschiffe hatten sich sowieso bewaffnet, um Piraten abzuwehren, seit die Handelswege unsicher wurden.

Moderne Waffensysteme von interstellaren Hochzivilisationen haben ein gewaltiges Zerstörungspotential. Ein einziger leichter interianischer Kreuzer könnte einen ganzen Planeten unbewohnbar machen. Solche Waffen waren nun in den falschen Händen und dagegen versuchten sich Handelsschiffe zu wappnen. Deshalb war die Standardbewaffnung von Handelsschiffen in diesen schwierigen Zeiten nicht zu vernachlässigen. Sie leistete oft einen wesentlichen Beitrag zur Systemverteidigung. Die typische Verteidigungsflotte setzte sich zusammen aus eilig mit Lenkwaffenstartern ausgerüsteten Frachtern, bewaffneten Händlern und Einheiten der ordentlichen Marine.

Seit etwa 100 Jahren werden zusätzlich auch wohlhabende Privatleute und Konzerne zum Verteidigungsdienst herangezogen. Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gibt es sehr reiche Individuen (zumindest bei Völkern, die das Konzept des Individuums kennen). Einige profitieren von der Verknappung von Ressourcen durch die problematische Handelssituation, andere profitieren von ihrer Nähe zu den lokalen Regierungen. Viele der Superreichen haben eigene Raumschiffe.

In guten Zeiten gibt es in interstellaren Gesellschaften märchenhafte Reichtümer, tausend Mal größer, als die Vermögen von Milliardären in planetengebundenen Regionalökonomien 1000 Jahre zuvor. Auch in schlechten Zeiten reicht es für eigene Raumschiffe, eine Yacht oder einen Interstellar-Jet, mit Waffen, die sich zumindest gegen Piraten zur Wehr setzen können. Und auch in Hochzivilisationen gibt es private Söldner, die davon leben, andere zu beschützen, und dafür in gut ausgerüsteten Schiffen unterwegs sind.

Diese Schiffe sind weitgehend automatisiert. Praktisch alle Funktionen des Raumschiffbetriebs werden von Drohnen, Mikrobots und KIs ausgefüllt. Das beginnt bei Nanotech- oder Biotech-basierten Putzkolonnenschwärmen und geht über Reparaturdrohnen bis hoch zu Managementfunktionen, die sonst durch Offiziere besetzt werden. Meistens haben diese Schiffe nur eine kleine Besatzung, oft sogar nur eine Person: den/die Eigentümerin.

Viele fliegen solo. Nur der Kapitän ist ein Sophont, ein Mensch, im originalen Bio-Körper, als Android oder sogar als Infosophont in die Schiffsysteme geladen. Alle anderen sind unbewusste KIs.

Man nennt sie Solos. Ein Mensch und sein Raumschiff.

Solos sind eine Elite. Sie sind genetisch optimiert und mit Nanotechnik aufgerüstet. Sie haben mehrere parallele Denkprozesse, beschleunigte Verarbeitung und unbegrenztes Erinnerungsvermögen. Ihre geistigen Fähigkeiten werden verstärkt durch spezialisierte Intuitionsquellen: Assoziationsbooster, Strategiesimulationen und taktische Optimierer, deren Ergebnisse durch Implantate in das Bewusstsein eingeblendet werden. Sie sind in der Lage, die vielen Ereignisse bei Auseinandersetzungen im Raum mit zigtausend Teilnehmern in mehreren Sensordimensionen zu erfassen und schnell die beste Handlungsweise abzuleiten. Sie stehen den beschleunigten Upload-Besatzungen von Offensivdrohnen in nichts nach.

Es gibt natürlich immer Ausnahmen, zum Beispiel reiche Erben, die sich ein Schiff leisten, um Solo zu werden. Aber auch diese Leute können Fähigkeitslücken schließen, wenn sie eine kleine Crew anheuern. Nicht alle Solos fliegen wirklich alleine. Manche haben Piloten, Taktiker, strategische Berater, soziale Gefährten oder eine "Nachtschicht", die das Kommando hat, während der Solo schläft, auch wenn das nur zwei Stunden am Tag sind.

Nicht nur die Fähigkeiten sind wichtig, sondern auch das Training. Gute Solos trainieren ständig für Krisensituationen. Sie simulieren Kämpfe gegen KI-Gegner und gegen andere Solos. Das Cockpit eines Solo-Schiffs wird vollständig von Sensoren gespeist. Es ist der perfekte Simulator für taktische Spiele.

Training für den Ernstfall nimmt die meiste Zeit in Anspruch. Solo zu sein ist teuer und zeitaufwändig. Bei den meisten Solos liegt dem Reichtum ein Geschäftsimperium zugrunde. Und auch geerbter Reichtum muss verwaltet werden, umso mehr, wenn der Reichtum auf aktiven Geschäften basiert. Aber dafür bleibt eigentlich keine Zeit. Deshalb delegieren die meisten Solos die Verwaltung ihrer Unternehmen, um ihre ganze Zeit dem Training widmen zu können.

Überall in der menschlichen Sphäre gibt es Solos. In manchen Systemen nur wenige, woanders tausende. Dort stellen Solos neben bewaffneten Handelsschiffen, aufgerüsteten Frachtern und der regulären Marine das vierte Standbein.

Solos tragen nicht die Hauptlast einer Schlacht. Dafür gibt es die schwer bewaffneten Nahkampfplattformen, die Schlachtschiffe der Moderne. Die Schiffe der Solos sind eher in der Größenordnung von Fregatten und leichten Kreuzern. Sie sind sehr mobil und auch bei interplanetaren Distanzen und entsprechenden Lichtverzögerungen selbständig handlungsfähig. Deshalb werden sie oft als Scouts eingesetzt, bei Kommandoaktionen oder in größeren Verbänden als schnelle Eingreiftruppe für überraschende taktische Vorstöße.

Solos sind inzwischen so wichtig für die Systemverteidigung, dass lokale Regierungen ihre Verfügbarkeit für den Krisenfall sicherstellen müssen. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass die Solos des Systems freiwillig zur Verteidigung beitragen. Deshalb werden wohlhabende Personen verpflichtet, Solos zu stellen und auszurüsten.

Anfangs war das für viele eine große Last. Nicht alle der Superreichen fliegen eigene Raumschiffe. Und die notwendige Bewaffnung geht weit über das hinaus, was man zur einfachen Abschreckung von Piraten brauchen würde, nicht nur bezogen auf die Kapazität, sondern auch bei den Kosten. In der Praxis müssen alle, die es sich leisten können, alleine ein Kriegsschiff finanzieren. Auf der anderen Seite ist die Mitgliedschaft bei der Solo-Komponente der Systemverteidigung etwas Besonderes. Im Vergleich zur regulären Marine mit hunderttausenden oder Millionen Soldaten, ob Bios oder Infosophonten, sind tausend oder zehntausend Solos eine Elite-Einheit. So werden sie auch behandelt.

Es ist nie leicht, Superreiche zum Dienst zu verpflichten. Große Vermögen bieten immer Möglichkeiten, sich dem Dienst für das Heimatsystem zu entziehen. Deshalb versuchen Territorialsouveränitäten, die Aufgabe attraktiver zu machen, indem sie Solos auszeichnen und bevorzugen. Das funktioniert besonders gut in feudalen Strukturen.

Auf Marduk ist das Präsidentenamt inzwischen erblich und der Begriff Präsident wird verwendet wie früher ein Königstitel. Die Republik Marduk hat ein Parlament, das von Konzernen und wohlhabenden Familien dominiert wird. Sie nennen sich Abgeordnete, aber sie werden in sicheren Wahlkreisen lebenslang gewählt. Die Bedeutung der Begriffe hat sich verschoben. Man spricht immer noch von Präsident und Parlament, aber die wahre Bedeutung und die Wahrnehmung sind eher König oder Kaiser und Senat. Die Verpflichtung als Solo ist gleichbedeutend mit einem Ritterschlag.

Keine Familie kommt in das Parlament, ohne einen Solo zu stellen. Im Parlament sitzen Vertreter der ersten Siedler, deren Familien einen Großteil der Gebietsrechte im Marduk-Sonnensystem besitzen. Dabei handelt es sich um planetare Territorien in der Größenordnung von Kontinenten, aber auch um Eigentum an Orbitalringen, Orbitalraum, Asteroidenschürfrechten, Extraktionsrechten bei den Gasriesen und systemweite Rechte am elektromagnetischen Spektrum.

Im Parlament sitzt auch der "Geldadel", Familien, die später kamen, aber große Vermögen angehäuft haben. Dort werden die großen Geschäfte eingeleitet. Man kann wohlhabend sein, aber das wahre Geschäft – und dazu gehören die Staatsfinanzen – teilen die Abgeordneten unter sich auf. Da die Abgeordnetenzahl begrenzt ist, ist es nicht einfach, in das Parlament "gewählt" zu werden. Eine Voraussetzung dafür ist, dass man zur Solo-Komponente der Systemverteidigung beiträgt. Und so sind die "Mitglieder der Solo-Komponente der Republik Marduk" eigentlich die modernen Ritter des Königs, deren Familien auch die Senatoren stellen.

Eine ganz besondere Ehre ist die Verpflichtung als Solo für die präsidiale Schutzflotte. Das sind die 144 besten und am besten ausgerüsteten Solos. Es ist praktisch die moderne Prätorianergarde: 144 schwere Kreuzer zum Schutz des Präsidenten.

Nicht nur auf Marduk, auch in vielen anderen Systemen, gibt es ähnliche Entwicklungen. Der Begriff Solo steht für Zuverlässigkeit, Kompetenz, Mut, Unabhängigkeit und natürlich für märchenhaften Reichtum.

In einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs und der Renaissance feudaler Strukturen sind Solos das Ideal für viele Milliarden Sophonten, die sich ein besseres Leben wünschen.

#Solo #Raumschiff #Ritter #Garde #Prätorianer

http://jmp1.de/h3050

Galactic Developments Buchmesse Con 2018

Galactic Developments wird mit einem Stand und einer Lesung auf dem Buchmesse Con 2018 bei Frankfurt vertreten sein.

Seit 33 Jahren das zentrale Treffen der deutschsprachigen literarischen Phantastik-Szene. DIE deutsche SciFi-Buchmesse. Standplatz ist immer sehr knapp. Sehr cool.

Samstag, 13.10.2018
Bürgerhaus Sprendlingen, 63303 Dreieich-Sprendlingen
https://www.buchmessecon.de/

Lesung:
Samstag, 13.10., 18 Uhr, Raum Holodeck (C2)
https://www.buchmessecon.de/index.php/programm/12-programm-2018/273-galactic-developments

Alle Teilnehmer des Buchmesse Con bekommen eine Tasche mit Promo-Material.
Mein Beitrag: der brandneue Galactic Developments Flyer im Blueprint-Design:


Für den Galactic Developments Stand auf dem BuchmesseCon 2018 gibt es ein "RollUp" oder Standposter. Damit es nicht nur ein Ausstellungstisch ist, sondern auch was dahinter, haben wir ein 2 Meter hohes RollUp gemacht. Eine Collage aus den Cover-Bildern der besten Stories:


Und natürlich wird das 2000+ Teile Lego Modell der Marco Polo dabei sein:




3291 Die Nachricht vom Ende der Mansalu erreicht die Erde

Die Nachricht ist Teil eines der regelmäßigen Mercato-Infopakete, die solare Nachrichtenagenturen abonniert haben. Deshalb wird sie als vertrauenswürdig angesehen. Mercatos geben Nachrichten von Sippe zu Sippe weiter, wenn sich Sippenschiffen im gleichen Sonnensystem befinden. Jedes Schiff nimmt neue Nachrichten auf, lässt dafür ältere entfallen und sendet beim nächsten Zusammentreffen das ganze Infopaket. Auf diese Weise verbreiten sich Nachrichten immer weiter, bis sie durch Neuere ersetzt werden. Die Verbreitung ist ungerichtet. Sie gleicht einem Diffusionsprozess. Manchmal überbrücken einzelne Nachrichten auf diese Weise tausende von Lichtjahren. Es wurden sogar schon bis zu 30.000 Lichtjahre beobachtet.

Die Daten sind verschlüsselt. Nur Mercatos haben Zugriff darauf. Andere Völker erfahren davon nur, wenn sie Infopakete empfangen dürfen. In manchen Gegenden gibt es einen freiwilligen öffentlichen Infodump. Im Bereich, der das Solsystem einschließt, lassen sich Sippenschiffe die Informationen bezahlen. Einige Nachrichtenagenturen des Solsystems haben Info-Streams abonniert. Im Solsystem ist das so geregelt, dass die Abonnenten die üblichen Tauschgeschäfte von Mercatos mit lokalen Handelspartner subventionieren. Die Nachrichtenagenturen zahlen in einen Fonds ein, der bei Geschäften der Mercatos einen Teil der Tauschwaren durch lokale Währung ersetzt. Damit kaufen die Mercators effektiv günstiger ein. Das System ist überall verschieden. Trotzdem scheinen auch Sippenschiffe, die noch nie im Solsystem waren, genau zu wissen, wie das Geschäft Information gegen Subvention der Tauschwaren abläuft. Man vermutet, dass Mercatos in allen Sonnensystemen Info-Bojen haben, die sie mit den notwendigen Informationen über die lokalen Verhältnisse versorgen.

Die Infopakete sind unsortiert und nicht kategorisiert. Es gibt keine Ordnung nach Quelle oder Zeitangaben. Aber das lässt sich alles automatisch auf Kundenseite erzeugen. Mercatos achten peinlich genau darauf, möglichst wenig Informationen über sich selbst preiszugeben. Kategorien wären Informationen, nicht nur zu den kategorisierten Daten, sondern auch über denjenigen, der die Kategorien erstellt hat. Aus dem gleichen Grund sind die Nachrichten in Mercato-Symbolcode und nicht in die lokale Sprache übersetzt. Sie wollen vermeiden, dass man durch statistische Analysen übersetzter Texte Muster erkennt, die Rückschlüsse auf Denkweise oder Kultur der Mercatos zulassen. Koordinatenangaben beziehen sich auf den Ort des Senders und seine Orientierung zur lokalen Sonne. Zeitangaben sind relativ zum Sendezeitpunkt in Vielfachen der Schwingungsdauer der 21-Zentimeter Wasserstoff Linie, einer universellen Konstante. Bei jedem Sendevorgang, zwischen Sippenschiffen und zu anderen Völkern, werden Orte und Zeiten umgerechnet.

Bei den Nachrichtenagenturen filtern Bots durch die riesige Datenmenge. Fast alle Informationen sind an ihrer Quelle öffentlich verfügbar. Die Dienstleistung des Mercato-Infonetzwerks besteht vor allem im Transport, nicht darin geheime Daten zu beschaffen. Es handelt sich um Nachrichten aus Wirtschaft, Kultur, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Die meisten Daten sind wertlos. Es sind Details zu Individuen oder Organisationen, oft hunderte Lichtjahre entfernt. Aber manchmal sind nützliche Informationen dabei, wie zum Beispiel Börsenkurse von Gütern bei wichtigen Handelspartnern. Von solchen Nachrichten kann man wirtschaftlich profitieren.

Die Nachricht vom das Ende der Mansalu kommt aus 2500 Lichtjahren Entfernung. Sie ist ein Schock. Das Solsystem ist zwar nicht direkt betroffen, aber Mansalu ist/war gewissermaßen das Ideal einer Super-Zivilisation, die "glänzende Stadt auf dem Hügel". Mansalu ist unsere lokale Super-Zivilisation und man kann sich nicht vorstellen, dass sie einfach enden kann. Die Nachricht ist sehr kurz. Es ist eine der kürzesten, die es je gegeben hat. Sie lautet etwa: "Mansalu ist weg". Es gibt keine Details zu den Umständen. Nur die Tatsache, dass das Volk der Mansalu oder ihre Zivilisation nicht mehr da ist. Und da es sich um einen Mercato-Infodump handelt, glaubt man im Solsystem, dass es auch so stimmt wie angegeben. Manche Kommentatoren geben zu bedenken, dass die Formulierung auch andere Möglichkeiten offenlässt. Das Ende der Mansalu Herrschaft muss nicht gleichzeitig das Ende des Volkes oder des Machtbereichs bedeuten. Aber spektakuläre Interpretationen dominieren die öffentliche Meinung. Die Nachricht ist für einige Tage das beherrschende Thema im ganzen Solsystem.

Alle Informationen, die den Menschen verfügbar sind werden noch einmal zusammengetragen. Der erste Kontakt war vor über 600 Jahren, in der frühen Zeit der interstellaren Forschung. Eine private Expedition machte sich auf die Suche nach dem in vielen Quellen erwähnten Mansalu-Komplex. Damals konnte solare Technik nur Raumschiffe mit zehnfacher Lichtgeschwindigkeit herstellen. So wäre der Mansalu-Komplex eigentlich unerreichbar gewesen. Aber in der Folge der massiven technischen Hilfe durch Kisor standen auch moderne kisorische Triebwerke zur Verfügung. Solche Triebwerke wurden in Schiffe aus solarer Produktion eingebaut. Trotzdem war die Expedition mehr als ein Jahr unterwegs.

Die Expedition findet den Mansalu-Komplex. Es ist ein erschlossener Raum von 10.000 Kubik-Lichtjahren. Der Komplex umfasst mehrere Sonnensysteme und unzählige Strukturen im Leerraum dazwischen. Er hat eine riesige Bevölkerung, 1000-mal größer als die des damaligen Solsystems, das sich selbst schon für hochentwickelt hält, mit zig-Milliarden Menschen auf der Erde und einer halben Milliarde interplanetar. Aber der Mansalu-Komplex ist viel größer, gewaltiger und phantastischer. Alle angeschlossenen Sonnensysteme und Zentren im interstellaren Raum sind voll vernetzt mit Info-Relaistrecken und Expressstrecken für physischen Transport. Der ganze Komplex wirkt integriert wie eine unserer Megacitys, mit Reisezeiten von wenigen Stunden über interstellare Distanzen und fast ohne Zeitverlust innerhalb von Sonnensystemen. Der Techlevel ist deutlich höher, sowohl in den physischen Technologien als auch informationstechnisch. Mansalu liegt auf der Kardashev-Skala über 1,7. Energie und Ressourcen sind quasi unbeschränkt verfügbar. Die Zivilisation ist im Wesentlichen eine sogenannte mangelfreie (post-scarcity) Gesellschaft. Mansalu hat kein Reich oder Imperium, nur eine wenige hundert Lichtjahre großen Region in der die Nähe zu einer solchen Hyperzivilisation auf andere Völker friedensfördernd wirkt.

Später gibt es viele Expeditionen und Forschungsaufenthalte von Menschen. Auch wohlhabende Touristen besuchen Mansalu. Aber selbst mit den modernsten Triebwerken dauert die Reise 6 Monate. Das ist kein Reiseziel für den Massentourismus. Wissenschaftler dürfen die überwältigende Informationsfülle des öffentlichen Netzes (Manet, Bezeichnung geprägt durch die erste Expedition) studieren. Sie stellen Fragen und ein Avatar von Manet antwortet. Für Menschen des Solsystems nimmt das Avatar – wenig subtil – die Gestalt des französischen Malers Édouard Manet an. Interessiert sich eine Historikerin für einen bestimmten Zeitraum, dann stellt Manet eine Dokumentation gewünschter Länge zusammen. Alles über die 20.000-jährige Geschichte Kisors in 3 Minuten? Kein Problem. Die Dokumentationen werden automatisch erzeugt und in Geschwindigkeit, Informationsgehalt und Präsentationsart an das Publikum angepasst. Die Mansalu haben eine offene Informationspolitik. Trotzdem erfährt man immer nur ein bisschen mehr, als man schon weiß. Das ist auch bei Technologie so. Antworten werden immer auf den nächsten Entwicklungsschritt beschränkt. Sie gehen nur so weit, wie man mit einigem Forschungsaufwand selbst gekommen wäre. So verhindert Manet, dass die Entwicklung anderer Völker gestört wird.

Es gibt phantastische Bauwerke in Sonnensystemen, im Leerraum, in Simulationen, als Kunst und als physisch nutzbare Einrichtung. Charakteristisch für Mansalu ist die Dynamik. Alles ist ständig im Wandel, im Kleinen wie im Großen. Nicht nur Cave-Fog, Nanokomplexe und Feldschirme wie bei uns, sondern alle Strukturen können sich verwandeln, bis hin zu riesigen Habitaten. Das spricht für eine wesentlich weiter entwickelte Nanotechnologie. Viele Mansalu leben in traditionellen Orbitalen, aber ein großer Teil auch in Habitaten aus Formfeldern, anscheinend eine Kombination von Nanitenmatrix und Feldschirmen. Während wir immer noch Strukturelemente massiv aus Meta-Legierungen und nanostrukturierten Materialien bauen, ist bei Mansalu fast alles aus einer dynamischem Nanomatrix und oder gleich aus Formfeldern.

Und das alles soll jetzt plötzlich vorbei sein. Die Nachricht gibt leider keine Details. Wer kann man so ein gigantisches Gebilde zerstören? Wurde Mansalu von innen heraus zerstört, vielleicht durch eine biologische Seuche, eine Nanoplage, einen Infovirus. Oder doch erobert? Aber wer ist mächtiger als eine Kardashev 1,7 Zivilisation? Man nimmt allgemein an, dass es noch weiterentwickelte Zivilisationen gibt. Zum Beispiel die Contour, die einst Cobol besuchten. Oder die unbekannten Retter der Bevölkerung von Begun. Sogenannte Elder-Zivilisationen, noch ältere, vielleicht weisere, jedenfalls weiterentwickelte Wesen und ihre unbegreiflichen Mittel. Solche Zivilisationen treten sehr selten in Erscheinung. Sie scheinen sich nicht einzumischen. Man fragt sich warum sie sich gegen Mansalu wenden sollten. Aber man weiß einfach zu wenig. 2.500 Lichtjahre sind eben weit.

Einige Expeditionen machen sich auf den Weg um herauszufinden, was wirklich passiert ist. Alle werden abgewiesen. Bei Annäherung an die Sonnensysteme des Komplexes destabilisieren die Konverter der Raumkrümmer. Der Lévy-Effekt bricht zusammen. Die Verschiebung der Raumzeit-Blase ist nicht möglich. Bei denen, die es doch versuchen, erscheinen Nanokomplexe. Sie diffundieren durch die Schiffshüllen, manifestieren sich im Inneren und kommunizieren unmissverständlich, dass der Mansalu-Komplex gesperrt ist.

So bleibt das einige Jahrzehnte.

#Nachricht #Superzivilisation #Rätsel

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3245 Sterge-Blockade

Sterge-Resolution: Reshumanis ändert unilateral den Status von Sterge. Der Sterge-Cluster wird als zur inneren Sphäre zugehörig erklärt. Damit fällt er in den Einflussbereich der Reshumanis.

Reshumanis beansprucht die Hoheit über Außenpolitik und Verteidigung der inneren Sphäre. Dafür gibt es keine rechtliche Grundlage. Aber in den vorangegangenen 30 Jahren hat sich bei den Reshumanis-Mitgliedern der inneren Sphäre der Anspruch verfestigt, dass Außenpolitik und Verteidigung der Reshumanis zufallen, damit Reshumanis die Menschheit vor dem Barbarensturm und der Chinti-Expansion beschützen kann. Dieser Anspruch ist in der inneren Sphäre unbestritten.

Mit der Blockade des Sterge-Clusters versucht Reshumanis Druck auf die Rama-Domäne auszuüben. Offiziell nimmt Reshumanis ihr Recht zur Verteidigung des Clusters war. Das unausgesprochene Ziel ist, bei einem Kompromiss Zugriff auf den Schiffsfriedhof von Duma zu erlangen. Aber die Rama-Domäne bleibt hart.

Die Lage am Sterge-Cluster eskaliert. Dort operieren erst Flottillen beider Mächte. Dann werden die Flottillen zu Einsatzgruppen verstärkt. Wenig später führen beide Seiten größere Flottenmanöver durch. Beide Manöverräume schließen Sterge ein. Es kommt zu einzelnen Zwischenfällen mit zivilen Einheiten.

Rama beharrt auf der Zugehörigkeit von Sterge zur Rama-Domäne. Reshumanis verteidigt ihre Zuständigkeit für die innere Sphäre. Dabei ist der Begriff der inneren Sphäre nicht klar definiert. Ursprünglich waren damit nur wenige Systeme in relativer Nähe zu Sol gemeint. Im ersten Kisor-Krieg bezeichnete er die Systeme, die vom Krieg betroffen waren. Der Bereich war damals asymmetrisch Richtung Kisor verschoben, so dass auf der Kisor-abgewandten Seite des Solsystems die innere Sphäre bei 150 Lichtjahren endete, während er auf Kisors Seite bis zu 400 Lichtjahre reichte. Die Zuständigkeit ist auch deshalb unklar, weil Reshumanis den Anspruch in den vorangegangenen Jahrzehnten einseitig auf weitere Systeme ausgeweitet hatte.

Rama bleibt unbeugsam. Es gibt Schusswechsel mit Kriegsmunition zwischen gegnerischen Militäreinheiten deren Aufträge bei Manövern kollidieren. Ein Konflikt zwischen den gegnerischen Flotten, die um Sterge versammelt sind, steht unmittelbar bevor.

Ein überraschender Reshumanis-Aufmarsch bei der Sonne Duma in der Nähe Ramas führt dazu, dass starke Kräfte der Rama-Domäne nach Duma abgezogen werden und Sterge entblößen. Dann weisen Geheimdienstinformationen darauf hin, dass die Reshumanis-Aktivitäten bei Duma als Ablenkung gedacht sind, um den Großteil der Rama-Kräfte von Sterge abzuziehen. Eine andere Reshumanis-Flotte ist auf dem Weg nach Sterge. In aller Eile mobilisiert Rama eine Einsatzgruppe der Heimatverteidigung, um die Sterge zu verstärken. Die Einsatzgruppe trifft vor der Reshumanis-Flotte bei Sterge ein. Weitere Rama-Verbände sind auf dem Weg von Duma. Sie kommen aber möglicherweise zu spät, um eine Besetzung des Sterge-Systems zu verhindern.

Beide Parteien beobachten die Bewegungen der anderen genau. Dazu hat die Reshumanis-Flotte vor ihrem Abzug Überwachungsnetze installiert und Rama die Systemüberwachung von Sterge wesentlich verstärkt. Dank der ungewöhnlich hohen Sensorkapazität werden in kurzer Zeit drei Chinti-Aufklärer entdeckt. Einer wird zerstört, zwei können fliehen. Die Chinti hatten anscheinend die Lage bei Sterge beobachtet. Das sieht wie eine Aufklärungsmission vor einem großen Angriff aus. Die Sensordaten zeigen auch, dass mindestens einer der Aufklärer Sterge schon seit zwei Wochen beobachtet. Er muss den Abzug der beiden Flotten beobachtet haben. Aus Sicht der Chinti ist die Situation vermutlich eine gute Gelegenheit, Sterge überraschend zu treffen, weil die Kräfte der Menschen anderswo gebunden sind.

Kurz darauf erreicht die Reshumanis-Flotte Sterge. Die KIs der Sensorknoten informieren die eintreffenden Schiffe über die Lage. Die Reshumanis-Flotte nimmt eine Angriffsformation ein. Das Reshumanis-Kommando versucht, die einzige Rama-Einsatzgruppe durch ihre Übermacht zur Aufgabe zu zwingen. Während die Träger mit der Gefechtsvorbereitung beginnen, kommt die Nachricht des Rama-Kommandos über den möglicherweise bevorstehenden Chinti-Angriff. Die Sensordaten der Reshumanis-Überwachung bestätigen die Analyse. Das Reshumanis-Kommando bricht den Angriff ab.

Die Reshumanis-Flotte nimmt zur Überraschung des Rama-Geschwaders Verteidigungspositionen im äußeren System in Richtung der Chinti-Domäne ein. Der Angriff kann zwar aus allen Richtungen kommen, aber falls die Chinti tatsächlich angreifen, dann sind sie nicht vorgewarnt, dass eine größere Flotte der Menschen im System angekommen ist. Wenn man annimmt, dass sie sich durch den Überraschungseffekt im Vorteil sehen, dann gibt es für sie keinen Grund den Angriff komplizierter zu machen als nötig und nicht den kürzesten Weg zu nehmen. Mit anderen Worten: kommt ein Angriff bald, dann ziemlich sicher aus einer bekannten Richtung. Extrapoliert man vergangene Überfälle der Chinti-Flotten auf befestigte, aber sonst unverteidigte Systeme, dann kann man Annahmen treffen über den Ablauf des Angriffs, die Verteilung von Angriffskomponenten, über die Position von Aufmarschgebieten in denen Träger ihre Langstreckenmaßnahmen einleiten und über Logistikbereiche in denen ungeschützte Begleitschiffe mit Munition und Ersatzteilen warten werden.

Trotz der Annahmen ist der mögliche Ankunftsbereich noch sehr groß. Er wird im Bereich der äußeren Gasreisen in Richtung der Chinti-Domäne vermutet. Aber das ist zehnmal so viel Raum, wie das ganze innere System. Das ist zu groß, um vollständig als Falle vorbereitet zu werden. Ein großer Teil der verfügbaren elektronischen Kriegsführung (EW: electronic warfare) wird vorausgeschickt, um auf der direkten Linie zwischen dem vermuteten Ankunftsgebiet und dem inneren System einen riesigen Habitat-Cluster mit zivilem Verkehr, Frachtterminals und einem Flottenstützpunkt zu simulieren. Das Reshumanis-Kommando will damit ein Ziel schaffen, das die Chinti nicht ignorieren können, um deren Vektor noch weiter einzugrenzen. Einige Kubik-AU vor dem simulierten Cluster werden mit Langstreckenraketen vermint.

Die Chinti-Flotte erscheint am Rand der erwarteten Zone.

Die Träger entladen ihre Langstreckenmittel, Marschflugkörper, taktische Bomber, Hochgeschwindigkeitskanonen für kinetische Munition, Simulations- und Sensordrohnen. Mehrere Einsatzgruppen von Nahkampfplattformen nehmen Kurs auf das innere System. Sie werden geschützt durch überlichtfähige Kampfeinheiten. Aufklärer übernehmen die Führung. Vor ihnen expandiert die Front der Sensornetzwerke.

Ein Drittel der Invasionsflotte weicht vom direkten Kurs ab, um den simulierten Habitat-Cluster zu anzugreifen.

Die Minen im Vorfeld des simulierten Habitat-Clusters schlagen zu.

Reshumanis-Verbände lösen sich aus ihrer Ortungsdeckung bei natürlichen Himmelskörpern im Rücken der Invasionsflotte.

Die Chinti behalten den Kurs bei.

Reshumanis-Verbände greifen die Invasoren von an. Sie sind bei etwa gleich vielen Einheiten deutlich Vorteil, weil das Verteidigungsnetzwerk der Invasionsflotte im rückwärtigen Bereich dünn ist und die Begleitschiffe sich aufteilen müssen.

Die Chinti erreichen den äußeren Verteidigungsbereich der statischen Systemverteidigung. Beide Seiten sind darauf vorbereitet. In mehrstündigen Gefechten wird das äußere Verteidigungsellipsoid von Sterge auf 0,2 Quadrat-AU neutralisiert.

Die Einsatzgruppe von Rama verlässt den Orbit des fünften Planeten und nimmt Kurs auf die Invasionsflotte.

Die Chinti behalten den Kurs bei.

Mehrere leichte Kreuzergeschwader greifen die Logistikvolumina der Invasoren an. Die Versorgungseinheiten sind nur leicht geschützt. Minenfelder fordern unerwartet hohe Verluste unter den leichten Kreuzern. Trotzdem können die Reshumanis-Einheiten einen Großteil der Chinti-Frachter zerstören.

Die Chinti behalten den Kurs bei.

Eine zweite Chinti-Flotte erscheint hinter den Reshumanis-Verbänden, die die erste Invasionsflotte verfolgen, direkt an der neuen Strukturlücke im äußeren Verteidigungsellipsoid. Es ist ein riskanter Hochgeschwindigkeitsanflug bis weit in das mittlere System. Eine große Zahl von Konverterexplosionen, wo Chinti-Schiffe auf Tiefraumsperren trafen, markiert den Weg. Trotz hoher Verluste bleibt eine beeindruckende Flottenstärke, die noch voll munitioniert ist und jetzt hinter den Reshumanis-Verbänden zum Angriff übergeht.

Reshumanis-Verbänden müssen ihre Angriffe auf die erste Flotte abbrechen, um sich zu verteidigen. Die Orientierung auf den neuen Gegner ist verlustreich.

Im mittleren System behält die erste Chinti-Flotte den Kurs bei. Sie stößt auf die Rama-Kampfgruppe, die von der statischen Systemverteidigung unterstützt wird.

Nach 12 Stunden zeichnet sich ab,

- dass die dezimierte erste Chinti-Flotte in den Gefechten aufgerieben wird,

- dass die Trägergruppe von Rama dabei hohe Verluste erleidet,

- dass der Reshumanis-Flotte die Munition ausgehen wird bevor sie die zweite Chinti-Flotte signifikant reduzieren kann,

- dass das innere Verteidigungsellipsoid nach der Belastung durch die erste Chinti-Flotte der zweiten Flotte nicht standhalten wird.

Mehrere große Kampfverbände von Rama erreichen das Sterge System mit dem Auftrag, das System vor Reshumanis zu schützen, falls dies noch möglich ist oder es zurückzuerobern, wenn nötig. Da die Alarmvektoren der Tiefraumsperren bekannt sind, können sie schnell den Bereich der äußeren Verteidigung erreichen. Die Flotte ist um Tau-Achtel radial versetzt. Deshalb dauert der Flug bis zum Kampfgebiet, bei den maximal möglichen Geschwindigkeiten im mittleren System, mehrere Stunden.

Die Reshumanis-Flotte hat keine Munition mehr und zerstreut sich in der Hoffnung, dass die Chinti die fast wehrlosen Einheiten einzeln verfolgen und dabei tiefer in die Systemverteidigung geraten.

Die zweite Chinti-Flotte hält den Kurs und schließt zu den Resten der ersten Flotte auf.

Die neuen Verbände von Rama greifen die vereinigte Chinti-Flotte an.

Die Gefechte dauern einen Tag. Kräftemäßig liegen Angreifer und Verteidiger anfangs gleichauf. Aber die Verteidiger sind jetzt im Vorteil. Sie können jederzeit neu munitionieren bei Versorgungsschiffen und Stützpunkten im inneren System und sie haben die statische Systemverteidigung auf ihrer Seite. Sie nutzen die zivile Objektüberwachung und können höhere Geschwindigkeiten erreichen. Die mobilen Kampfeinheiten der Verteidiger verbringen weniger Zeit im Flug zwischen Schauplätzen und sind damit effektiver als die Angreifer.

Chinti können sich nicht ergeben. In ihrer Biologie werden Individuen durch Markierer auf genetischer Ebene überzeugt zum Gegner überzutreten. In einer Auseinandersetzung unter Chinti werden sie dann vollwertige Mitglieder der ehemaligen Gegner. Aber in diesem Kampf gibt es keine Gen-Markierer. Sie kämpfen bis die Munition ausgeht. Dann versuchen sie zu fliehen. Ohne eigene Abwehrmittel müssen sie die Verteidigungsellipsoide nach außen durchdringen.

Nur wenige entkommen. Zwei große Chinti-Flotten sind vernichtet. Bei schmerzhaften, aber viel geringeren militärischen Verlusten der Menschen.

Im Verlauf der Kämpfe versuchten Chinti, mit einigem Erfolg, Verteidigungskräfte durch Angriffe auf zivile Ziele zu binden. Manche Angriffe kommen durch. Es gibt 80 Millionen zivile Verluste (10 Millionen final). Es hätten auch 2 Milliarden sein können – final.

Die erste Schlacht von Sterge geht als großer Sieg in die Geschichte ein.

#Krieg #Aliens

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3308 Beobachtung einer Supernova Explosion aus der Nähe

Nur alle 100 Jahre ereignet sich eine Supernova in der Milchstraße. Aber eine Supernova, die für uns erreichbar ist, ist noch viel seltener.

Die Menschen kennen und besuchen nur einen kleinen Teil ihrer Galaxie. Nur alle 20.000 Jahre gibt es ein Supernova-Ereignis, das so nahe ist, dass man hinfliegen kann. Es ist ein riesiger Zufall, dass sich eine Supernova nur 5.000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Orion-Arm ereignet. Also nicht mehr als ein Jahr Flugzeit entfernt.

Der Supernova-Kandidat steht bei vielen Völkern schon lang unter wissenschaftlicher Beobachtung. Der Stern ist von der Erde aus nicht zu sehen, weil er von einer interstellaren Gas-/Staubwolke verdeckt ist. Aus Sicht der Erde beleuchtet er die Wolke von hinten. Die Formation ist deshalb auf der Erde gut zu sehen und man vermutete schon lang, dass sie einen sehr hellen Stern verbirgt. Aber erst im Zeitalter der interstellaren Raumfahrt konnte man das bestätigen. Entdeckt wurde der Stern von der GaPax Mission 2702 (GaPax, galaktische Parallaxen), die die interstellare Wolke von der anderen Seite sehen konnte. Der Stern ist ein roter Hyperriese mit stark wechselnder Strahlungsleistung (red variable hypergiant, Spektraltyp M4-10epIa). Seine Leuchtkraftänderungen hatte man schon lang als Helligkeitsschwankungen der Wolke wahrgenommen.

Wie viele andere Supernova-Kandidaten wird auch dieser Hyperriese schon seit langer Zeit von den Wissenschaftlern vieler Völker beobachtet. Viele Forschungsorganisationen haben ihre Messgeräte rund um den roten Hyperriesen installiert. Strahlungsdetektoren vermessen den Stern in allen Frequenzbereichen. Teilchendetektoren messen den Teilchenfluss von bekannten und hypothetischen Teilchen, von Neutrinos zu Gravitonen, von (relativ) langsamen Masseauswürfen bis zu ultraschnellen Teilchen kosmischer Strahlung. Neutrinos entweichen dem Kern ungehindert und liefern einen Echtzeitblick in das Innere, zumindest vor der eigentlichen Explosion. Auch Gravitationswellen zeigen die Verformung der Raumzeit im Kernbereich des Sterns quasi live.

Modelle und Simulationen werden mit den riesigen Datenmengen von den Sensoren gefüttert. Einige Jahre vor der Explosion geraten die Ergebnisse der Simulationen in Bewegung. Die Wahrscheinlichkeit für ein Supernova-Ereignis steigt stark an. Von der normalen Hintergrundwahrscheinlichkeit von 10e-5 pro Jahr auf 1% um 3250 und dann auf 10% um 3300. Die Explosion der Supernova ist deshalb keine Überraschung.

Unzählige astrophysikalische Organisationen der menschlichen Sphäre warten auf die Supernova. Die Detektoren werden kurz vorher nochmal verstärkt. Besonders viele Experimente zur Bestätigung exotischer Theorien werden aufgebaut. Die Messgeräte haben verschiedene Abständen vom Stern, je nachdem, was sie messen sollen. Es gibt "sehr nahe" Experimente in weniger als hundert astronomischen Einheiten Entfernung (AU, astronomical units = Erdbahnradien). Dort erhalten die Instrumente bei der Explosion 300 Millionen Mal so viel Strahlung wie die Erde normalerweise von der Sonne. Das sind spezielle Anordnungen mit bis zu 1000 Kilometer dicken Abschirmungen in Richtung des Sterns. In der Praxis sind das 1000 Kilometer lange Zylinder mit wechselnden Abschnitten aus Feldgeneratoren, Spiegeln, Kühlelementen und konventioneller strahlungsabweisender Panzerung. Dahinter, auf der sternabgewandten Seite, befinden sich die Messgeräte.

Andere Sensornetzwerke bilden eine Sphäre in Lichtwochen oder Lichtmonaten Abstand, um asymmetrische Effekte genau zu vermessen. Für viele Forschungsinstitute und deren Mitarbeiter ist dieses Ereignis das Highlight des Jahrhunderts. Sie betreiben einen riesigen Aufwand, um die einmalige Change wahrzunehmen. Trotzdem kommen sich die unzähligen Messinstrumente nicht in die Quere, denn der Raum ist groß.

Die einzigen Stellen an dem sich Experimente häufen, sind die Polregionen. An den Polen erwartet man einen Gammastrahlenblitz (GRB, Gamma Ray Burst). Dort sind Hochenergieexperimente aufgebaut, die die höchste Energiedichte des Universums nutzen wollen. Aber auch diese Anlagen verteilen sich auf einer Linie durch die Pole über Lichtmonate.

Unzählige Beobachter finden sich im Lauf der Zeit ein. Sie positionieren sich in verschiedenen Entfernungen. Das Ereignis zieht sich über Monate hin. Es gibt zwar einen definierten Explosionszeitpunkt, aber das Licht der Explosion braucht Wochen und Monate bis zu den Beobachtern. Mit modernen Raumschiffen kann man verschiedene Stellen der Wellenfront abfahren. Dabei muss man darauf achten, vor oder hinter der Wellenfront zu bleiben. Besonders eindrucksvoll ist natürlich das Aufleuchten des Sterns, wenn die Wellenfront den Standpunkt des Beobachters passiert. Aber die mehrtägige Hauptwelle der Strahlung ist erst in einigen Lichtjahren Entfernung ungefährlich für ungeschützte Beobachter. Bei 15 Lichtjahren strahlt die Supernova im Maximum so hell wie die Sonne auf der Erde. Viele moderne Menschen und Sophonten anderer Hightech-Völker haben adaptive Optiken statt (oder zusätzlich zu) den natürlichen Augen. Sie können die Supernova schon in 2 Lichtjahren Entfernung beobachten, wenn sie sich durch technische Maßnahmen vor Verbrennungen schützen.

Aber so weit muss die Wellenfront erst einmal kommen. Das dauert mehrere Jahre. Beobachter müssen also entweder Jahre warten, was den Ereignischarakter etwas eintrübt, oder sie fahren mit speziell abgeschirmten Schiffen hinter die Wellenfront bis nahe an den Sternenrest. Dort können sie das Nachglühen zu beobachten, den neuen planetaren Nebel bewundern und das entstandene Schwarze Loch "betrachten". Wenn man den richtigen Zeitpunkt erwischt, zwischen verschiedenen Teilchen- und Strahlungsfronten, soll ein planetarer Nebel von innen betrachtet sehr beeindruckend sein. Das Universum erscheint hell erleuchtet, in Echtzeit animiert und in unendlichen Farben über das ganze elektromagnetische Spektrum.

Wellenfront-Hopping ist nicht ganz einfach, denn die Schiffe sind von der Strahlung betroffen, ob sich die Wellenfront selbst bewegt oder ob der Raumkrümmer den Raum durch die Wellenfront schiebt. In geschützten Bereichen kann man trotzdem hinter die Wellenfront kommen. Dafür braucht man eine Barriere, die die Strahlungsfronten aufhalten kann und die groß genug ist, dass sich Schiffe dahinter verstecken können. Als natürliche Barrieren für Wellenfront-Hopping dienen große Oort-Objekte, und ein brauner Zwerg in der näheren Umgebung. In der Praxis fährt man hinter die Barriere, kurz bevor die Wellenfront erwartet wird. Dort bleibt man bis das Strahleninferno vorbeizieht. Dann kann man per ÜL-Antrieb näher an den Stern heran. Man muss nur darauf achten, vor der nächsten Welle zu bleiben und rechtzeitig wieder hinter die Barriere zu kommen. Hopper, die den Ausstieg verpassen, müssen eine andere Barriere anfliegen. Oder sie bleiben jahrelang hinter der Wellenfront bis diese so weit expandiert ist, dass das Strahlungsniveau ungefährlich geworden ist.

Viele machen das absichtlich so. Sie fliegen hinter einer Barriere in die Supernova hinein und driften dann über Monate oder Jahre vor einer Wellenfront wieder zurück in die Sicherheit, denn der aktive Ausstieg ist noch schwieriger als der Einstieg. Um aus einer Wellenfront herauszukommen muss man sie mit (scheinbarer) Überlichtgeschwindigkeit überholen und dabei im Schatten der Barriere bleiben. Wenn man nur ein Zehntausendstel Grad von der idealen Bahn abweicht, ist man verloren. Und diese Bahnen sind nicht linear. Eine Supernova hat immer asymmetrische und chaotische Komponenten. Man kann Gefahren durch überraschendes Verhalten reduzieren, indem man die Supernova ständig neu simuliert und die Simulation mit aktuellen Daten versorgt. Das ist ein riesiger Aufwand. Besucherschiffe, Messtationen und Simulationsknoten bilden ein gigantisches Netzwerk.

Besonders wagemutige Beobachter, die die Wellenfront direkt erleben wollen ohne Jahre zu warten, verschanzen sich in relativer Nähe des Sterns hinter Abschirmungen wie bei den inneren Messgeräten. Einige Extremisten gehen dabei bis auf Lichttage an den Stern heran. Sie benutzen ebenfalls tausende Kilometer lange Abschirmzylinder. Das ist natürlich nicht ganz billig. Hier geht es nicht nur um das Erleben der Supernova, sondern um das Überleben. Später kann man jahrhundertelang erzählen, dass man nur Lichttage entfernt von einer Supernova war. Das macht so schnell niemand nach. Vor allem weil die Gelegenheit sehr selten ist. Diese Abenteurer verlassen sich auf physikalische Modelle, die zwar sehr genau, aber nicht perfekt sind. Wenn die Supernova nur 20% stärker ausfällt als vorhergesagt, dann reichen die Sicherheitsmargen nicht und sowohl die vorgeschobenen Experimente, als auch die nahen Beobachter verdampfen in der elektromagnetischen Wellenfront, in der Neutrinoflut, im Teilcheninferno oder in der Schockwelle der abgestoßenen Sternenhülle. Dann hilft nur noch das Backup, aber die Erinnerung an das Ereignis ist verloren.

Bei manchen ist das sogar Absicht. Sie wollen bei der Supernova sterben. Sophonten in Hightech-Zivilisationen leben sehr lange. Zuerst in ihren genoptimierten biologischen Originalkörpern, dann mit perfekten biomechanischen Ersatzteilen, später als Upload in einem Androidenkörper, als Mech, Nanokomplex oder in einer Simulation. Für manche wird das Leben nach so langer Zeit langweilig. Kann es ein schöneres Finale für ein langes Leben geben, als in der Wellenfront von einer Supernova aufzugehen in der Gewissheit, dass die Atome des eigenen Körpers später neue Sterne, Planeten und Leben bilden werden.

Viele reisen lieber als Infomorph zu einer der vielen Messplattformen. Die Plattformen hinter den Zylinderschilden bieten nicht nur Platz für Messgeräte, sondern auch Stax (Storage And eXecution) für Schaulustige. Häufig sind die Betreiber der Messgeräte auch auf diese Weise vor Ort.

Die Supernova ist nicht nur physikalisch ein galaktisches Ereignis. Auch die Besucherzahlen sind überwältigend. Nur die wenigsten Zivilisationen beherrschen interstellare Distanzen auf diesem Niveau. Und obwohl Sophonten in Hightech-Zivilisationen sehr lang leben können und eine andere Beziehung zu Lebenszeit haben, entscheidet sich doch nur jeweils ein geringer Teil der Bevölkerung, die weite (und meistens nicht ganz billige) Reise anzutreten. Trotzdem kommen Schätzungen zufolge 200 Milliarden Sophonten aus einem Einzugsbereich von 10.000 Lichtjahren. Viele sind mehrere Jahre unterwegs. Menschen aus dem Solsystem brauchen 1-2 Jahre, je nachdem auf welche ÜL-Technik sie zugreifen können. Es gibt sogar Berichte und Interviews mit Besuchern, die aus einem Bereich der Milchstraße 30 Grad in Drehrichtung angereist sind und dafür 20 (irdische) Jahre unterwegs waren. Wirklich ein Ereignis galaktischen Ausmaßes.

Die meisten Besucher entstammen Völkern von denen die Menschheit noch nie etwas gehört hat. Auch die Menschen sind dort Fremde. Die menschliche Sphäre umfasst etwa 500 Lichtjahre. Mit den nächsten 2.000 Lichtjahren unterhält man Beziehungen. 2.000 Lichtjahre kann man in 4 Monaten schaffen. Darüber hinaus gibt es nur sporadisch Kontakte. Mit 5.000 Lichtjahren Entfernung liegt der Ort der Supernova weit außerhalb der menschlichen Interessensphäre. Das gilt auch für die meisten anderen Besucher. Sie sind weit von ihrer Heimat entfernt. Viel weiter als sie sonst reisen würden. Aber die Supernova ist eben ein ganz besonderes Ereignis für alle Hochtechnologie-Völker. Die 200 Milliarden Besucher verteilen sich über mehrere Zeit-Jahre und Lichtjahre. Sie kommen in Milliarden Raumschiffen. Eine ungeheuer große Zahl. Allein aus der menschlichen Sphäre kommen 30.000 Schiffe. Aber der Weltraum ist groß, sehr groß. Milliarden Raumschiffe verlieren sich in Kubik-Lichtjahren. Die Besucher treten sich nicht gerade auf die Füße. Im Gegenteil, der mittlere Abstand zwischen den Schiffen der Besucher ist größer als unser Sonnensystem. Das ist, als ob sich zwei Raumschiffe auf der entgegengesetzten Seite der Pluto-Bahn befinden und dazwischen ist nichts. Mit anderen Worten. Man trifft fast nie auf andere Besucher, obwohl es so unvorstellbar viele sind.

Trotzdem gibt es Orte wo man andere treffen kann. In einer Scheibe um den Äquator des Sterns stehen die Schiffe der Besucher 100-mal dichter als im Rest der Raumkugel. Die Äquatorregion scheint für fast alle Besucher etwas Besonderes zu sein, obwohl die Explosion einigermaßen kugelsymmetrisch verläuft. Nur die Pole sind wirklich besonders. Dort erwartet man den Gamma Ray Burst. Immerhin ist man am Äquator am besten davor geschützt.

Für viele Hightech-Zivilisationen, wie auch die Menschen, liegt der Mindestabstand für speziell präparierte Schiffe bei 40 - 50 Lichttagen (ca. 1000 Milliarden Kilometer). Da die meisten dem Zentrum so nahe wie möglich sein wollen, ist dort die Besucherzahl viel höher. In einem Ring um den Äquator, beim technisch möglichen Mindestabstand, ist der Schiffsverkehr sogar 2000-mal dichter als sonst. Dort tritt man sich bei einem mittleren Abstand von "nur" einer Milliarde Kilometer schon fast auf die Füße.

Dramatisch wird der Verkehr im Schatten großer Oort-Objekte. Dort versammeln sich die Wellenfront-Hopper, um hinter die Strahlungsfronten zu kommen. Das sind zwar nur wenige Prozent aller Besucher, aber an jedem der 20 Objekte konzentrieren sich etwa vier Millionen Schiffe. Alle müssen im Schatten des Wellenbrechers sein. Jeweils etwa vier Millionen Raumschiffe von 10.000 Völkern kauern sich zusammen im Schatten der Wellenbrecher. Sie kommen sich dabei bis auf 50 Kilometer nah. Eine Wolke aus Raumschiffen, 10.000 Kilometer im Durchmesser und eine Million Kilometern lang. Ein phantastischer Anblick. Und eine Herausforderung für die Navigatoren, Sophonten, Infomorphe und unbewusste KI. Die Navigatoren dieser Schiffe kennen die anderen nicht. Sie kennen nicht deren Denkweise oder ihre Navigationskonventionen. Sie kennen nicht einmal die Schiffstypen und deren Fähigkeiten. Sie haben auch keine Zeit, die anderen kennen zu lernen.

Die Zahl der Unfälle ist relativ gering für so eine ungewöhnliche Verkehrssituation. Aber die große absolute Zahl sorgt dafür, dass trotzdem 10.000 Schiffe mit drei Millionen Sophonten havarieren, durch Kollisionen oder indem sie in den Triebwerksstrahl anderer geraten.

Weit größerer Schaden entsteht durch den unerwarteten Bruch eines Oort-Objekts. Ein eher kleiner Irrläufer-Planet von 8.000 Kilometern Durchmesser bei der Marke von 130 AU wird von einem exzentrischen Mikro-GRB gestreift. Es ist eine statistische Fluktuation, ausgelöst von einem der unzähligen chaotischen Wirbel im Kern der Supernova. Es war bekannt, dass so etwas passieren kann. Man wusste, dass viele Gammastrahlenblitze geringerer Stärke abseits der Pole auftreten. Aber niemand hatte angenommen, dass einer davon ein weit entferntes Oort-Objekt treffen könnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist verschwindend gering.

Der Planet besteht zum Großteil aus Wassereis. Es ist eher ein riesiger Komet, als ein Planet. Ein Eiskeil von 500 Kilometern Tiefe verdampft explosionsartig in Sekunden. Das Objekt zerfällt in viele Fragmente, die mit 30 Kilometern pro Sekunde auseinanderdriften. Schon nach zwei Minuten wird der Bereich, der vorher im Schatten lag, dauerhaft mit 11 Gigawatt pro Quadratmeter beleuchtet. Das ist hundert Mal mehr als die besten Schiffe aushalten. Obwohl alles so schnell geht, können sich viele hinter den Bruchstücken des Planeten in Sicherheit bringen. Aber 200.000 Wellenfront-Hopper mit etwa 60 Millionen Sophonten sind zu langsam. Sie verdampfen und werden ein Teil der expandierenden Strahlungsfront. Weitere 50.000 Schiffe geraten in den Triebwerksstrahl von Nachbarn, die überhastet flüchten und dabei weniger umsichtig navigieren als sonst. Insgesamt gibt es 80 Millionen Opfer. Die meisten entstammen Hightech-Zivilisationen und fast alle haben vermutlich Backups. Aber die Erinnerung an das Ereignis ist natürlich ruiniert.

Nur 60 Lichtjahre entfernt von der Supernova liegt eine Kardashev-1,47 Superzivilisation. Dort leben 10 Billionen Individuen in einigen benachbarten Sonnensystemen. Die ersten Menschen, die einen Kontakt herstellen, sind Hochenergie-Physiker eines staatlichen Forschungsinstituts der Territorialsouveränität des inneren planetaren Asteroidengürtels beim Gasriesen Narhadul im Ticudeztu-System. Die Physiker bauen ein Experiment auf, das den Nordpol-GRB benutzen soll. Nachdem einige Komponenten ausgefallen sind, die man nicht vor Ort nicht herstellen kann, suchen sie Ersatz. Sie treffen auf Ingenieure der 60 Lichtjahre entfernten Superzivilisation, die ebenfalls gerade ihre Vorbereitungen treffen. Sie fliegen die Heimat der Fremden an, die sie Taumass nennen.

Der Name ist abgeleitet vom Begriff "Tau-Masse", weil sie ein Experiment betreiben mit dem während der Supernova die Masse des Tau-Elementarteilchens auf 20 Stellen genau bestimmt werden soll.

Beide Teams beschreiben ihr eigenes Experiment und das der anderen in ihrer eigenen Sprache. Das genügt als gemeinsame Basis, um die automatischen Übersetzer schnell in Gang zu bringen. Die Beschreibung ihrer Experimente ist die erste komplexe Information, die die zwei Teams austauschen. Das prägt das Bild der Menschen von den Fremden. Und da die Menschen untereinander immer von den Tau-Masse-Leuten sprechen (the tau mass guys), bildet sich der Begriff "Taumass" als Bezeichnung für das ganze Volk heraus.

Jedenfalls können die Taumass tatsächlich helfen. Die defekten Komponenten werden durch Produkte der Taumass ersetzt. Als Bezahlung übergeben die Menschen ihre Datenbank an Unterhaltungsprogrammen. Sachwerte oder technisch-wissenschaftliches Wissen der Menschen interessieren die Taumass nicht. Ihr Techlevel ist doch etwas höher.

Auch viele andere Besucher der Supernova besuchen die Taumass. Der Taumass-Cluster ist selbst für Hightech-Zivilisationen beeindruckend. Und da die meisten Besucher Monate oder Jahre in der Umgebung der Supernova verbringen, bleibt genügend Zeit, die Gegend zu erkunden. Viele hören irgendwann von den Taumass und statten dem Cluster einen Besuch ab. Man schätzt, dass insgesamt 50 Milliarden Besucher der Supernova in 300 Millionen Schiffen den Taumass-Cluster als Sehenswürdigkeit mitnehmen.

Im Taumass-Cluster treffen einige Menschen auf Mansalu (physisch und info). Eine statistische Extrapolation ergibt 100 - 300 Milliarden Besucher von Mansalu, zusätzlich zu den Besuchern, die wie die Menschen in Raumschiffen anreisen. Gerüchten zufolge kommen die Mansalu über einen Hyperkanal, der den Mansalu-Komplex überlichtschnell mit dem Taumass-Cluster verbinden soll. Aber dafür gibt es keine Bestätigung.

Die Taumass haben die Kapazität für so viele Besucher. Sie wissen was auf sie zukommt. Und sie sorgen vor. Sie kümmern sich nicht um die vielen Besucher, sondern auch um ihren Einflussbereich.

In nur 6 Lichtjahren Entfernung von der Supernova ist die steinzeitliche Bevölkerung eines ganzen Planeten dem Untergang geweiht. Hilfsorganisationen der Taumass siedeln alle 80 Millionen Individuen (die man finden kann) und ihre Biosphäre um.

In 10 Lichtjahren Entfernung ist die Existenz einer planetengebundenen technischen Zivilisation mit 7 Milliarden Individuen bedroht. Bei dieser Entfernung muss man nicht mehr evakuieren. Abschirmungen helfen gegen die Strahlung und Dekontamination kann den radioaktiven Fallout entschärfen. Aber der Aufwand ist riesig und die lokale Zivilisation ist auf ihrem Techlevel überfordert. Deshalb helfen Taumass den Planeten zu schützen. Sie errichten mit ihren Hightech-Mitteln eine Abschirmung für den ganzen Planeten. Und sie versorgen die lokale Zivilisation mit Anlagen zur Dekontamination der Biosphäre, mit Fabs zur Herstellung von Strahlenschilden und vielen Technologien mit denen die Bevölkerung sich selbst helfen kann. Während die Supernova explodiert, sind die Vorbereitungen noch im Gange. Es bleiben noch 10 Jahre Zeit bis die erste Welle eintrifft.

Dann beleuchtet eine zweite Sonne die Himmelskörper des Systems. Nur der Heimatplanet ist vollständig geschützt. Auf den anderen Planeten ist die Supernova heller als die eigene Sonne. Vor allem die äußeren Planeten erhalten tausend Mal mehr Energie als sonst. Das löst dramatische Veränderungen aus. Aber damit muss man leben. Nach einigen Wochen verblasst die Supernova wieder. Auf den anderen Planeten des Systems bleiben die Folgen der Energieflut noch Jahrhunderte.

Dann beginnen die Wellen der radioaktiven Teilchenschauer. Erst kommen fast lichtschnelle Protonen und Elektronen. Nur wenige Prozent durchdringen die Abschirmung und erreichen die Atmosphäre. Geladene Teilchen spiralen sich an Magnetfeldlinien hinunter und für einige Jahre gibt es fantastische Auroras sogar am Äquator.

Dann kommen schwerere Elemente, angefangen bei Alpha-Teilchen, dann schnelle Kohlenstoff-Kerne, mit einem hohen Anteil von radioaktivem C-14, schließlich Kalzium-Ionen und Eisenkerne. Großtechnik und Nanotechnik arbeiten fieberhaft daran, die radioaktiven Isotope aus der Biosphäre zu filtern. Planetenweite Filteranlagen wirbeln Feinstaub auf. Das kühlt den Planeten während der Energieeintrag durch die Teilchen der Supernova die Atmosphäre aufheizt. Ein Smogschleier legt sich über den Planeten. Es gibt wundervolle vielfarbige Sonnenuntergänge. Zehn Jahre später kommen hochangereicherte Kerne schwerer Elemente – und nichts ist mehr schön.

Im Umkreis von 300 Lichtjahren riegeln Taumass-Kräfte alle Sonnensysteme mit eingeborener Bevölkerung ab. Sie wollen verhindern, dass Millionen Raumschiffe auf der Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten in diese Systeme einfallen und die lokalen, oft nicht weltraumfliegenden, Völker stören.

Die Taumass organisieren Besichtigungstouren durch ihren Cluster. Besucher können die riesigen Strukturen von Taumass Prime bewundern und den clusterweiten Informationsverbund kennenlernen. Mit kleinen Beibooten können sie sogar die überlichtschnellen Konverterstrecken benutzen, um ohne eigenen Antrieb zwischen den Zentren der Taumass zu wechseln. Es gibt geführte Touren zu den Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung. Man kann die Evakuierung einer steinzeitlichen Bevölkerung samt Biosphäre beobachten und den Bau des planetaren Schutzschildes für Tuirus B. Die Taumass leiten 100 Millionen Besucherschiffe kontrolliert durch die interstellare Umgebung. Dank dieser Maßnahmen werden letztlich nur wenige regionale Zivilisationen in ihrer Entwicklung gestört.

Sogar die umgesiedelten Ureinwohner von Roanoke IV erinnern sich später nur wage an die Zeit der großen Änderungen. Ihre Nachkommen kennen nur die Welt, so wie sie ist. Und wenn die Alten am Lagerfeuer erzählen, dass die Sonne früher weiß war und nicht so gelb, dann wundert man sich eben ein bisschen.

Die abgestoßene Hülle des ehemaligen Riesensterns expandiert mit ein paar tausend Kilometern pro Sekunde. Sie bildet bald einen planetarischen Nebel. Die Schockwelle wird in 30.000 Jahren die von der Erde sichtbare Gaswolke komprimieren und die Bildung neuer Sterne anregen.

Was die Menschen nicht wissen – und vermutlich auch sonst niemand unterhalb des Levels von Superzivilisationen wie Taumass und Mansalu – mit dem neuen planetarischen Nebel verwehen die Atome von 3.000 Milliarden Mansalu. Es war die perfekte Gelegenheit, um mit dem Universum eins zu werden. Und so praktisch erreichbar über die InterCluster-Expressstrecke.

Nach Monaten oder Jahren verlassen die Besucher die Umgebung der Supernova. Sie kehren zurück in ihre Heimat und nehmen die Erinnerung an das galaktische Großereignis mit, an die Supernova, den Taumass-Cluster und die Erinnerung an Millionen Schiffe auf engstem Raum.

Um den ehemaligen roten Hyperriesen wird es wieder ruhig. Dort gibt es jetzt nur noch ein schwarzes Loch und ein paar verlassene Messgeräte.

#Supernova #Ereignis #Wissenschaft #Aliens #Katastrophe #Evakuierung #Tourismus

http://jmp1.de/h3308




2052 Personenrechte für Primaten

Als erstes Land beschließt Island, Primaten als Personen anzuerkennen. Einige, speziell benannte Primatenarten werden rechtlich Kleinkindern gleichgestellt. Damit erhalten sie theoretisch die Menschenrechte, vor allem Persönlichkeitsrechte (Leben, körperliche Unversehrtheit) und Freiheitsrechte. Wenn nötig, bekommen sie einen Vormund, der ihre Rechte vertritt. Praktisch müssen ihre Rechte in Einzelfällen vor Gericht erstritten werden. Aber wenn ein Vormund entscheidet, dass ein bestimmter Schimpanse nicht im Käfig gehalten werden soll, dann stehen die Chancen gut, dass ein Gericht dem Antrag stattgibt, basierend auf dem Selbstbestimmungsrecht.

Das Gesetz ist sehr weitreichend. Mit der neuen Einordnung von Primaten werden auch andere Tiere aufgewertet. Einige Arten mit relativ hohen kognitiven Fähigkeiten werden zwar nicht als Personen, aber immerhin als nichtmenschliche Wesen eingeordnet. Darunter sind Oktopus, Elefant, Delfin, einige Wale, Wolf, Hund, und einige Haustiere. Diese Tiere werden nun nicht mehr als "Sache" betrachtet, die immer einem Menschen gehört, sondern als "Wesen", einer neuen Klasse rechtlicher Entitäten neben dem Menschen und den "Sachen". Damit sind Individuen dieser Arten nicht mehr automatisch das Eigentum von Menschen oder juristischen Personen.

Eine dauerhafte Kommission wird eingerichtet, um über die Auswahl der Arten zu entscheiden. Die Kommission ist besetzt mit Vertretern vieler gesellschaftlicher Gruppen. Sie bewertet die Selbsterkenntnis, soziales Verhalten, Planungsfähigkeiten, die Fähigkeit zu sprechen (durch Laute oder Zeichensprache), Ursache und Wirkung zu erkennen, Innovation, Imitation und Lernverhalten. Das Althing (das isländische Parlament) gibt explizit vor, dass in der Diskussion der Kommission nur neue Erkenntnisse verwendet werden dürfen, die nach der wissenschaftlichen Methode (Beobachtung-Hypothese-Test) gewonnen werden. Explizit ausgeschlossen werden damit traditionelle und kommerzielle Argumente, also "das war schon immer so", bzw. "das steht in alten Schriften" oder "das können wir uns nicht leisten". Im Jahr 2062 kommen – gegen den Widerstand der Lebensmittelindustrie – auch Nutztiere dazu. Damit wird die Haltung von Schweinen zur Fleischproduktion praktisch illegal.

"Wie sollen wir mit Wesen umgehen, die sich im Spiegel erkennen, die um Gefährten trauern, die ein Bewusstsein für sich als Individuum haben? Verdienen sie es nicht, dass wir sie so behandeln wie andere, genauso empfindsame Wesen: uns selbst?" - Jane Goodall.

Es war ein langer Weg vom Verbot von Pelzfarmen, Legebatterien und Tierversuchen für Kosmetika am Anfang des 21. Jahrhunderts bis zur ersten vollen Anerkennung als Person durch einen souveränen Staat. Auch vorher gab es schon Einzelfälle in denen Tieren Rechte zugesprochen wurden. In Indien sind Tiere schon lange als "Wesen" (im Gegensatz zu "Sachen") geschützt. Auch in Deutschland hatten Tiere Rechte, die allerdings in der Praxis oft hinter kommerziellen Argumenten zurücktreten mussten. In den 20er und 30er Jahren bekam die Bewegung für Tierrechte (NHR, non human rights movement) immer mehr Zulauf. Skandinavien, Neuseeland, Bhutan und Ecuador beschlossen Rechte für Tiere, sowie Ausbeutungs- und Misshandlungsverbote. In den 40er Jahren kamen viele Länder und selbstverwaltete Regionen dazu.

Schließlich setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Menschlichkeit keine entweder/oder Entscheidung ist, sondern dass es ein Kontinuum gibt in den kognitiven und sozialen Fähigkeiten; dass Schimpansen genauso intelligent, selbstbewusst und mitfühlend sind wie Menschenkinder; dass wir auch Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten nicht die Menschlichkeit absprechen und dass es dem Menschen nicht wirklich zum Schaden gereicht, wenn er Mitwesen genauso schützt, wie schützenswerte Mitmenschen.

Nach Island folgen schnell andere skandinavische und dann europäische Staaten mit der vollen Anerkennung von Personenrechten für Primaten.

In den folgenden 20 Jahren schließen sich weitere 50 Staaten der Erde an. Bezogen auf die (menschliche) Bevölkerung sind das allerdings nur 15%.

Orang-Utans werden die Menschenrechte posthum zuerkannt.

#Menschenrechte #Rechte #Primaten #Personen #Tiere #Delfine #Wale

http://jmp1.de/h2052

2060 Ökoterrorismus: ein Massenphänomen

Trotz aller Bemühungen um eine ökologische Wende geht die Zerstörung der Umwelt ungebremst weiter. Nach Jahrzehnten von politischen Demonstrationen, gewaltfreien Boykotten, friedlichen Protesten und spektakulären, aber harmlosen Aktionen, ist auch in den 20er und 30er Jahren des 21. Jahrhunderts keine Besserung in Sicht.

Die Umweltzerstörung schreitet voran, Mitwesen werden weiter missbraucht und die Treibhausziele der 0er Jahre wurden weit verfehlt. Das liegt nicht nur daran, dass die Industrienationen zu wenig getan haben. In den ehemaligen Schwellenländern sind viele Milliarden Menschen in die Mittelschicht aufgestiegen. Sie wollen nun einen bescheidenen Wohlstand genießen und sich nicht einschränken. Das heißt aber auch, dass 4-mal mehr Menschen jetzt so viele Ressourcen verbrauchen, wie zuvor nur die wohlhabenden Nationen. Kleinen Erfolge, wie Recycling und Mülltrennung, Wärmedämmung und ein höherer Anteil regenerativer Energiequellen, wurden dadurch marginalisiert. Frühere und neue Schwellenländer sehen es als ihr Recht an, die Ressourcen zu verbrauchen, die für den Wohlstand nötig sind. Die früher führenden Industrienationen fordern jetzt Mäßigung. Aber sie waren selbst keine guten Vorbilder.

Viele Öko-Aktivisten haben ihre Leben lang gekämpft. Manche schon in der zweiten Generation. Aber es ändert sich nichts. In den 30er Jahren radikalisieren sich einige von Ihnen. Sie beschränken sich nicht mehr auf medienwirksame Aktionen, wie Besetzungen von Bohrplattformen, sondern sie versuchen, die Verursacher von Umweltzerstörungen zur Verantwortung zu ziehen oder ihnen direkt zu schaden. Nun geht es nicht mehr um die Beeinflussung der Politik durch öffentlichen Druck. Sie wenden nun Gewalt an, um bei den Verursachern die ökonomischen Rahmenbedingungen zu verändern und dadurch ein Umdenken zu erzwingen. Mit anderen Worten: sie beschädigen und zerstören Vermögenswerte und Betriebsmittel.

Natürlich sind diese Aktionen kriminell. Kein Land kann das zulassen. Weltweit fahnden Polizei, Anti-Terror Einheiten und Geheimdienste nach den Tätern. Mit den ersten Aktionen mussten die Aktivisten in den Untergrund gehen. Angesichts sehr fortgeschrittener Überwachungsmethoden klingt das schwierig. Aber die Strafverfolgungsbehörden bekommen den Ökoterrorismus trotzdem nicht unter Kontrolle. Das liegt vor allem daran, dass es sehr viele Helfer gibt. Fast alle Menschen sind von den Folgen des Öko-Missbrauchs betroffen. Viele – auch normale Bürger – sympathisieren mit den Zielen der Bewegung. Sie verstecken nicht nur Aktivisten, sondern sie ändern auch Datenbanken, manipulieren Cams-Streams, ändern Suchparameter und sogar die Koeffizienten der KI-Netze. Moderne Technologie bietet sehr subtile Möglichkeiten zur Manipulation.

Im militanten Ökoaktionismus kommen mehrere Motive zusammen. Neben dem Hauptziel, Schutz und Wiederherstellung der Umwelt, gibt es Schnittstellen zur Ablehnung der Finanzwirtschaft, die Umweltzerstörung finanziert. Es gibt auch Gemeinsamkeiten mit dem Kampf um soziale Gerechtigkeit, weil Umweltzerstörung und ökonomische Ungleichheit oft einhergehen. Vor allem die ärmeren Teile der Bevölkerung leiden unter den Folgen.

Spektakuläre Aktionen während dieser Zeit: Bohrplattformen werden durch Sprengung einzelner Stützpfeiler versenkt. Aus Anlagen von Massentierhaltung werden viele Tiere befreit. Es gibt aber auch Aktivisten, die sich eher gegen die den Umweltmissbrauch durch die Fleischindustrie einsetzen, als für das Tierwohl. In diesem Kontext gibt es viele Aktionen bei denen Futter oder Trinkwasser biologisch oder chemisch verseucht werden mit Millionen toten Tieren. Weltweit werden im Lauf der Jahre unzählige Förderanlagen von Öl und Gas in Brand gesetzt. Wasserquellen, aus denen Lebensmittelkonzerne ihre Wasserflaschen befüllen, werden vergiftet. Heckenschützen verhindern Tiertransporte. Auch in anderen Sektoren werden viele Just-in-Time Lieferungen sabotiert, um Produktionsketten zu unterbrechen. Es gibt Terroranschläge auf die Energieversorgung von Stahlwerken und auf Chemieunternehmen. In Indien werden die Anlagen mehrerer Hersteller von Pharma-Generika für den Weltmarkt durch radioaktives Material kontaminiert und permanent unbenutzbar gemacht. Mit der Zerstörung von Bahngleisen und Hafen-Terminals werden nicht-recycelnde Unternehmen der Abfallwirtschaft geschädigt. Hersteller und Händler von Pestiziden und Düngemitteln sind immer wieder Ziel von Anschlägen bei denen oft große Mengen an giftigen Substanzen freigesetzt werden. Einige Aktivisten lassen sich von vergangenen Unfällen inspirieren und stellen diese nach. Einige Dämme von Deponie-Seen mit Rotschlamm aus der Aluminiumherstellung werden gesprengt. Nachdem sich CO2-Abscheidung und Lagerung unter der Erde als unsicher herausgestellt hat und trotzdem weiterverfolgt wird, sprengen Aktivisten Lagerstädten auf. Weltweit werden immer wieder Zuleitungen von Bewässerungsanlagen durchtrennt, mit denen große Agrarproduzenten oft hunderte Quadratkilometer Ackerland bewässern, obwohl die Wasserknappheit immer mehr zunimmt.

In den 40er Jahren wandelt sich der Ökoterrorismus. Die Aktionen werden zahlreicher und gewaltsamer. Was in den 30er Jahren eigentlich eher ein militanter Kampf gegen Sachwerte war, nähert sich nun dem politischen Terrorismus an. Es geht nicht mehr um finanzielle Schäden und Betriebsstörungen. Die Gewalt richtet sich jetzt auch gegen Personen, gegen führende Vertreter der Umweltschädiger aus Wirtschaft und Politik. Eine neue Generation von "Aktivisten" (inzwischen im Sprachgebrauch ein Synonym für Terroristen) sieht sich durch das "alte" Establishment um die Zukunft betrogen. Die neuen jungen Aktivisten haben gelernt, dass einfache Maßnahmen nichts bringen. Weder die aktionistische Öffentlichkeitsarbeit des frühen 21. Jahrhunderts, noch punktuelle Gewalt gegen Verursacher in den 30er Jahren haben etwas geändert. Dqie neue Doktrin ist, "dass man einen Gang hochschalten muss", dass man die "Verursacher vernichten" muss, da sie sich trotz großer Schäden nicht bewegen wollten, sondern sich "hinter den Unterdrückungsmitteln des Establishments", der Strafverfolgung durch die Behörden, verstecken.

Der Aktivist Lun471c wird zum Sprachrohr der neuen Generation. Die Identität von Lun471c wird nie aufgeklärt. Er/Sie sendet auf vielen Online und Offline-Kanälen. Lun471c benutzt Webposts ebenso wie Drohengraffiti und gehackte IoT-Devices. Lun471c sendet operative Nachrichten mit Enthüllungen und Ankündigungen, aber auch ideologische Inhalte, Argumentationsketten und Manifeste. Man vermutet, dass Lun471c nicht eine Person ist. Wahrscheinlich werden die Nachrichten von Unterstützern weltweit hergestellt. Statistische Analysen deuten darauf hin, dass sie von einem kleinen Kreis kuratiert werden. (Die Analyse ist schwierig, da alle analysierbaren Eigenschaften der Nachrichten durch Bots randomisiert werden). Danach werden die Inhalte weltweit von lokalen Zellen ausgeliefert.

Aufmerksamkeit ist die dominierende Währung der Feeds. Publisher kämpfen um die Zeit der Follower. Das gilt für alle, Medienkonzerne, Celebrities, Influencer und für die Millionen Low-Follower Post-Sharer, die noch groß werden wollen. In diesem Ringen um Aufmerksamkeitsspannen, ist fast jedes Mittel recht. Spektakuläre Aktionen für ein populäres Thema sind perfekt, um Aufmerksamkeit anzuziehen. Vor allem dann, wenn sie brutal sind, dramatisch, kreativ, schockierend oder besser sogar alles zusammen. Es gibt eine Belastungsgrenze ab der viele Feed-Konsumenten abschalten. Aber anscheinend lässt sich diese dies Grenze weiter hinausschieben, wenn die Leser gleichzeitig durch das Thema positiv berührt werden. Vor diesem Hintergrund sind extremistische Aktionen im Kontext des Ökothemas ideal.

- Aktivisten entführen Verantwortliche für Massentierhaltung und halten sie in Mastschweinanlagen. Alles wird gestreamt. Die Quellen der Live-Feeds werden durch Anonymisierungsnetze verschleiert. Dann werden die Feeds über Punkt-zu-Punkt Verbindungen an viele Millionen Mobilgeräte geleitet und per Gateway-Hopping in das kontrollierte Web eingespeist.

- Später sind die Opfer auch Richter, die Entscheidungen gegen Tierrechte getroffen haben, Lobbyisten, Beamte, die Genehmigungen erteilt haben und sogar einige Politiker: Landwirtschaftsminister und Sponsoren von Gesetzen.

- In einer weiteren Eskalation werden einzelne Opfer nicht nur gedemütigt, sondern auch umgebracht, branchentypisch per Bolzenschuss, und dann verarbeitet. In Einzelfällen geschieht das, mit der Argumentation, der Realität der Tiere nahe kommen zu wollen, auch ohne Betäubung.

- Obwohl künstlich hergestelltes Fleisch verfügbar ist und Fleischersatz nicht von echtem Fleisch zu unterscheiden ist, gilt echtes Fleisch als besonderer Luxus. In Anlehnung an die Zubereitungsart von Hummer werden herausragende Vertreter dieser Szene, Promiköche, Gourmets, Redakteure, entführt und mit zusammengebunden Händen und Füßen in heißes Wasser geworfen. Manche werden mit Verbrennungen gerettet, andere nicht.

- Auch in anderen Bereichen als der Massentierhaltung wenden Aktivisten branchenübliche Behandlungen an. Sie bestrafen Verantwortliche für Umweltzerstörung mit repräsentativen Maßnahmen und zeigen dabei einige Kreativität, aber auch drastische Rohheit.

- Verantwortliche für Meeresverklappung werden in die Dünnsäure ihres Unternehmens geworfen und einige werden nicht rechtzeitig gerettet oder ärztlich behandelt. Leiter von Agrarkonzernen müssen nitratverseuchtes Wasser trinken. Förderer von Ölsanden werden geteert und gefedert. Manche mit ihrem eigenen Schweröl, andere auch letal mit flüssigem (heißem) Asphalt.

- In Industrien, die für rauchende Schlote bekannt sind, werden die Opfer dazu gezwungen, wochenlang den Smog zu atmen, der oft über den Slums der Megastädte liegt. Manchmal wird der Smog künstlich verstärkt oder angereichert "um eine Dauerbelastung wie in der Realität der Slumbewohner zu simulieren". Es gibt Kohlenmonoxid-Vergiftungen verschiedener Grade bis zu letalen Levels. Darunter sind auch Fälle von kontrolliert herbeigeführtem CO-induziertem Sauerstoffmangel mit permanenter Schädigung von kognitiven Fähigkeiten.

- Händler, die Nashorn-Mehl und andere Produkte bedrohter Tiere zur Potenzsteigerung verkaufen, werden in improvisierten Tierarztpraxen ambulant kastriert. Ein Online-Marktplatz wird gehackt, die Käufer über die Kundendaten ausfindig gemacht und entsprechend behandelt.

- Einige Verkehrsflugzeuge werden mit Drohnen oder Lenkwaffen abgeschossen, um die CO2-Bilanz zu verbessern.

 - Frachtschiffe mit Abfällen werden entführt. Die Fracht wird dann an Villenvierteln in künstlichen Lagunen entladen. Es gibt giftige Schlämme, Säure, Gülle, Industrieabwässer mit allen möglichen Schwermetallen, Chrome, Blei, Quecksilber, Arsen, aber auch Hausmüll und viele andere Industrieabfälle. In einzelnen Fällen dringen Terroristen in die Häuser der Anwohner ein und erzwingen einen physischen Kontakt mit den Schadstoffen.

- In der Diskussion um die Anreicherung von Mikroplastik in Meerestieren wird oft behauptet, dass die Plastikfragmente nicht in die menschliche Nahrungskette gelangen, weil Menschen zwar Fische essen, aber nicht deren Mageninhalt. Einige Aktivisten sorgen nun dafür, dass Mikroplastik in signifikanten Mengen doch in den Stoffwechsel ihrer Entführungsopfer gelangt.

- Sehr erfolgreich ist das Hacking von Gendatenbanken globaler Saatguthersteller. In einem spektakulären Fall fügen Aktivisten der DNS von genoptimierten Mais einige Sequenzen hinzu, die in reifen Körnern Cyanid entstehen lassen. Millionen Tonnen geernteter Mais müssen als Sondermüll vernichtet werden.

In den 50er Jahren wird ökologisch motivierter Terror zu einer Massenbewegung. Die Aktivisten bekommen Nachahmer aus dem Amateurbereich. Unüberschaubar viele Gruppen beteiligen sich mit oft drastischen Beiträgen. Die terroristischen Aktionen werden gepostet, geteilt und live gestreamt. Alle versuchen sich gegenseitig zu übertreffen. Sie versuchen noch ausgefallener, kreativer und brutaler zu sein als die anderen. Eine erste Welle von Nachahmern wird selbst wieder zu Vorbildern für die nächste Welle. Manche nennen sie Feierabend-Aktivisten. Aber sie sind nicht weniger kriminell.

Viele Strömungen und Formate laufen gleichzeitig. Manche wollen individuellen Ruhm in ihrer Peer-Group. Sie benutzen Pseudonyme und Feed-Filter um bekannt zu werden ohne in ihrem realen Leben erkannt zu werden. Trotzdem gibt es Verhaftungen, Anklagen und harte Urteile. Aber es sind zu viele. Die Bewegung lässt sich nicht eindämmen. Eine andere Fraktion anonymisiert so weit, dass die Täter nicht mehr zu unterscheiden sind. Sie treten als Kollektiv auf, wie im frühen 21. Jahrhundert die Hackergruppe Anonymous. Die Taten können nicht mehr einzelnen Aktivisten zugeordnet werden. Niemand übernimmt die Verantwortung. Das Kollektiv bekommt den (zweifelhaften) Ruhm. Es gibt viele solche Aktivistenkollektive. Wie vorher einzelne Aktivisten konkurrieren nun die Kollektive.

Eines der führenden Kollektive ist JimPanse. Anfang der 50er werden plötzlich sehr viele Aktionen von JimPanse gemeldet. Es ist schnell klar, dass sich viele anonyme Aktivisten hinter dem Pseudonym JimPanse verbergen. JimPanse tritt immer mit Tiermasken auf. Der Schwerpunkt der Gruppe liegt auf den Tierrechten. Aber nicht alle Aktivisten von JimPanse halten sich daran. Während anfangs nur führende Vertreter und Verantwortliche aus umweltschädigenden Branchen betroffen waren, geht JimPanse vor allem gegen achtlose Verbraucher vor. Auch Normalbürger werden "branchennah" bestraft. Meistens sind die Aktionen von JimPanse weniger letal. Sie sind eher demütigend und abschreckend, manchmal mit bleibenden Schäden. Auf dem Programm stehen all die Abscheulichkeiten der vergangenen Jahre: Gewaltsames Waxing von Trägern von Angorakleidung, unfreiwillige Feinstaub/Smog-Beatmung, Zwangsernährung mit Mikroplastikdiät, ambulante Sterilisierungen, Dünnsäure/Schwermetallbäder, Pestizid/Nitrat-Cocktails und viele andere.

Die Aktionen zeigen Wirkung bei den Verbrauchern. Nicht nur bei den jeweils Betroffenen. Die große Menge an Einzelaktionen und die hohe Relevanz in den Feeds führen tatsächlich zu Änderungen im Konsumverhalten. Aber die Gesamtwirkung ist zu klein, um den Umweltmissbrauch aufzuhalten.

Wenige Jahre später beendet der Crash sowohl die massive Umweltzerstörung, als auch den Ökoterrorismus.

#Terrorismus #Umwelt #Ökologie

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