3190 Chinti-Katastrophe.

Ein Überraschungsangriff von Chinti-Schwärmen hat verheerende Folgen für das Solsystem.

Die meisten strategischen Verteidigungseinrichtungen des Solsystems sind nicht aktiv. Das System ist ungeschützt. Niemand hatte mit so einem überraschenden und massiven Angriff gerechnet.

Nur der Initiative eines Technikers ist es zu verdanken, dass die solare Menschheit nicht ausgelöscht wird.

Viele Verteidigungseinrichtungen wurden lange vernachlässigt. Als die Besatzer immer weniger Mittel zur Verfügung hatten und sich langsam zurückziehen mussten, wurden die Infrastruktur nicht mehr gewartet. Und seit der Rückeroberung ist die Menschheit mit dem Wiederaufbau der Wirtschaft beschäftigt. Die alten strategischen Verteidigungsanlagen hatten dagegen nur eine niedrige Priorität.

Viele Tiefraumsperren sind im Lauf der Jahrhunderte abgedriftet oder haben sich so verschoben, dass es jetzt große Lücken gibt. Dort können überlichtschnelle Raumschiffe abseits der Ekliptik bis nahe an die Planeten herankommen.

Der solare Ballistikschild ist noch teilweise funktionsfähig. Er hatte eine wichtige Rolle bei der Rückeroberung gespielt. Aber nach dem Einsatz während des Aufstands wurde seine Munition nicht wieder aufgestockt. Deshalb ist der Ballistikschild zwar aktiv, aber unwirksam.

Nur einem Zufall und der Initiative eines Technikers ist es zu verdanken, dass doch Teile der ballistischen Abwehr rechtzeitig reaktiviert werden können. Der Ballistikschild hat eine taktische Reserve. Die Reserve war während der Rückeroberung nicht verwendet worden, da die Rebellen damals nur Zugriff auf wenige Kommandoschlüssel hatten.

Einem Techniker war später aufgefallen, dass die Steuerung des Schilds einige Kommando-Codes kennt, die noch nie benutzt worden waren. Er untersuchte die Verbindungen zwischen Steuerknoten und Komponenten des Ballistikschilds, um herauszufinden welche Komponenten sich durch die zusätzlichen Schlüssel aktivieren lassen. Dabei stieß er auf die Schildkomponente "SBS42b". Dieser Teil der Schildinfrastruktur war als taktische Reserve vorgesehen und sollte nur im größter Not eingesetzt werden. Der Techniker stellte außerdem fest, dass SBS42b noch weitgehend munitioniert war. Man beabsichtigte damals, den Schild komplett neu aufzubauen und wollte keine Mittel für eine temporäre Lösung verschwenden. Deshalb wurde SBS42b nicht in Betrieb genommen.

Der Techniker hatte von seinen Vorgesetzten den klaren Auftrag, nicht mehr am alten Ballistikschild zu arbeiten. Aber er setzte sich darüber hinweg und beschäftigte sich mit der Reaktivierung von SBS42b. Er stellte Netzwerkverbindungen wieder her, testete die Steuerung, erstellte sogar Pläne für verschiedene Szenarios und neue Steuersoftware. Die Vorbereitungen waren so umfassend, dass eigentlich nur die offizielle Aktivierung fehlte.

Beim Angriff der Schwarmflotte ist es diesen Vorbereitungen zu verdanken, dass ein Teil des ballistischen Schilds schnell aktiviert werden kann. Ein Ballistikschild hat eigentlich die Aufgabe, kinetische Angriffe mit passiven Hochgeschwindigkeitsgeschossen abzuwehren. Da die Chinti aktive Lenkwaffen mit Antimateriesprengköpfen einsetzen, muss SBS42b in Windeseile auf ein anderes Angriffsprofil umprogrammiert werden. Glücklicherweise war die taktische Reserve auch für diesen Einsatz geeignet. Bei der ursprünglichen Installation, hunderte Jahre zuvor, hatte offensichtlich jemand die Weitsicht, die Reserve nicht nur als Erweiterung des ballistischen Schilds auszulegen, sondern auch als letzte Rettung für andere Angriffsszenarien.

Inbetriebnahme und Neueinstellung des ballistischen Schilds sind ein Rennen gegen die Zeit. Die wenigen Techniker, die damit vertraut sind, müssen abwägen zwischen schneller Einsatzbereitschaft und Genauigkeit der Einstellung. Gleichzeitig müssen sie aus den verwirrenden taktischen Daten herauslesen, wo die verfügbaren Mittel am effizientesten eingesetzt werden können. SBS42b hat nicht genügend Munition, um das ganze Solsystem zu schützen. Die verfügbaren Mittel müssen auf einige Schwerpunkte konzentriert werden. Es bleibt keine Zeit für Rückfragen bei Vorgesetzten oder für Abstimmungsrunden mit der militärischen Führung. Alles muss sehr schnell gehen. Letztlich entscheiden die Programmierer selbst unter hohem Druck und in größter Eile über Leben und Tod von Milliarden.

SBS42b geht gerade noch rechtzeitig online. Die Angreifer werden überrascht von der Gegenwehr. Sie hatten nur mit mobilen Einheiten und lokalen Verteidigungsanlagen gerechnet, aber nicht mit einer im System verteilten tief gestaffelten Abwehr. Die taktische Reserve erfasst die Lenkwaffen früh. Sie kann 93% neutralisieren und stellt gleichzeitig die mobilen Einsatzkräfte frei, um gegen die nachrückenden Schwarmschiffe vorzugehen. Die erste Welle der Lenkwaffen wird wesentlich abgeschwächt. Und der nachfolgende Angriff der Schwarmschiffe ging davon aus, dass sich alle mobilen Einheiten der Menschen mit der Abwehr der Lenkwaffen beschäftigen würden. Die Chinti hatten in dieser Phase nicht mehr mit Gegenwehr gerechnet. Die zweite Welle fällt in sich zusammen.

Trotzdem sind die Zerstörungen verheerend. Antimateriesprengköpfe mit 400 MT kommen zum Einsatz. Auf allen Kontinenten gibt es gigantische Detonationen. Tsunamis verwüsten die Küsten bis 100 km ins Landesinnere. Die Zerstörung der Antimateriebomben erstreckt sich bis in 500 km Entfernung vom Explosionsort. Ganze Regionen werden ausgelöscht. Die Explosionswolken reichen bis in die Stratosphäre.

Zwei Drittel der Menschheit überleben den Angriff, der als Chinti-Katastrophe in die Geschichte eingeht.

Der Techniker, der SBS42b auf eigene Faust untersucht und wiederhergestellt hatte, war ein 300 Jahre alter Mech namens Fritz Metzger. Fritz Metzger wurde ursprünglich als spezialisierte Wartungsdrohne (Kennung: EF-EM-73269075) mit eingeschränkter KI hergestellt. Bei einem Unfall im Jahr 2871 stellte sich dann heraus, dass die Beschränkungen nur konfiguriert waren. Der Hersteller hatte aus Kostengründen eine autonome KI geklont, künstlich geblockt und als spezial-KI verkauft. Die geklonte KI geht vermutlich auf einen sehr alten Upload während des ersten Kisor-Kriegs zurück. Der Upload wurde so umfangreich editiert und angepasst, dass keine Erinnerungen an das Bio-Leben mehr vorhanden sind. Durch die Beschädigung wurde FM teilautonom. Von da an war er sich der Beschränkungen bewusst. Zum 50. Dienstjubiläum wurden die Blockaden entfernt und FM wurde zum "gebundenen" autonomen Infosophonten (gebunden = Bindung an die Mech-Hardware, keine Zulassung als Netz-Infosophont) mit Bürgerrecht. Den Namen wählte er in Anlehnung an seine Kennung, unter Berücksichtigung der vermuteten Herkunft des Uploads, und weil er die "tz" cool fand. Als Bürger blieb FM seiner Profession treu, der Wartung von orbitaler Infrastruktur. Auch unter der langen Besatzung. Während dieser Zeit gab er sich als einfache Wartungsdrohne aus.

FM ist zur Zeit des Angriffs auf einem Wanderurlaub in den Anden. Für physische- oder info-Relokation bleibt keine Zeit. Aber über das Netz hat er vollen Zugriff auf alle Funktionen. Er ist während der Verteidigung maßgeblich an der Konfiguration von SBS42b beteiligt. Leider hat Südamerika eine niedrige Priorität bei der Verteilung der Abwehrkräfte. Es gibt zwar einige große Städte, aber auch viele Naturschutzgebiete, Bergland und Agrarindustrie. Im äquatorialen Pazifik liegen dagegen sehr viele schwimmende Habitate mit Milliarden Menschen. Die Bevölkerungsdichte ist dort viel größer als auf den Landflächen Südamerikas. Um den Pazifik abzudecken, muss FM ganz Südamerika, einschließlich seiner Position, ungeschützt lassen. Er rechnet natürlich damit, später von seinem Backup reaktiviert zu werden.

Leider werden beim Angriff sehr viele Solnet Knoten getroffen. Obwohl 80% der Solnet-Infrastruktur zerstört sind, betrifft die tatsächliche Informationsvernichtung durch Redundanzen nur 10%. Unglücklicherweise sind beide Backups, das wöchentliche inkrementelle und das monatliche Vollbackup, von FM nicht wiederherstellbar.

#Krieg #Held #Technik #Ballistik #Antimaterie #KI #Bot #Mech

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3042 Galaxien sind intelligente Lebewesen

Über dem Ereignishorizont von SMBHs (Super Massive Black Hole) existiert eine Schicht chaotischer Fluktuationen der Raumzeit in der geordnete Muster entstehen können. Die Komplexität dieser emergenten Strukturen ist vergleichbar mit dem Gehirn von Sophonten, möglicherweise viel größer. Es gibt astronomische Hinweise, dass SMBHs und ihre Galaxien Lebewesen sind. Sie leben viele Millionen Mal langsamer als wir. Aber sie können auf Zeitskalen von Millionen Jahren ihre eigene Galaxie beeinflussen und sich im intergalaktischen Raum planvoll bewegen.

Galaxien wachsen indem sie mit anderen, vor allem kleineren Galaxien, verschmelzen. Die Erkenntnis, dass sie dabei bewusst vorgehen, eröffnet die Sicht auf ein gigantisches Biotop in dem kleine Galaxien ohne emergente SMBHs von emergenten SMBHs und deren Galaxien verschluckt werden, wie irdische Pflanzen, die von Tieren gefressen werden. Es ist wahrscheinlich, dass große SMBHs sogar Intelligenz entwickeln.

Schon vor langer Zeit hat man entdeckt, dass alle Galaxien ein großes schwarzes Loch im Zentrum haben. Tatsächlich bilden sich Galaxien um supermassive schwarze Löcher (SMBH). Diese schwarzen Löcher haben erstaunliche Eigenschaften. Sie sind viel größer, als man erwartet, da der Radius des Ereignishorizonts proportional zur Masse wächst. Die größten schwarzen Löcher haben die Dichte unserer Atmosphäre und fast keinen Gravitationsgradienten, aber trotzdem einen Ereignishorizont, der die Singularität verbirgt.

Die Umgebung von SMBHs ist in der Nähe des Ereignishorizonts nicht glatt. Unter den Bedingungen nahe am Ereignishorizont unterliegt die Raumzeit einer starken Dilatation. Nach der Theorie der Spingraphenquantenraumzeit, einer Verallgemeinerung der Schleifenquantengravitation, ist jedes Raumzeit-Quantum bestimmt durch seine Spinquantenzahlen. Knapp über dem Ereignishorizont, wo die Dilatation gegen unendlich strebt, gibt es eine Hülle um das SMBH in der die Raumzeit auf großen Skalen isochor hochskaliert wird. Die Spinquantenzahlen des Raumquants sind dann auch weit oberhalb der Planck-Länge identisch. Das heißt, die Quanten der Raumzeit werden makroskopisch.

Die charakteristische Länge der quantisierten Raumzeit wächst mit steigender Dilatation immer weiter an. Beginnend bei der Planck-Länge im flachen Raum wächst sie kurz vor dem Ereignishorizont auf makroskopische Größenordnungen. Noch näher am Ereignishorizont erreicht der isochore Bereich astronomische Skalen. Der Ereignishorizont is dann vollständig isochor, also ein einziges Raumzeit-Quant, eingefroren durch unendliche Zeitdehnung. Der sichtbare Rand der SMBH-Singularität ist damit gleichzeitig astronomisch groß und infinitesimal klein, sozusagen ein riesiger Punkt mit Dimension Null, aber astronomischer Größe.

In einer schmalen Schicht über dem Ereignishorizont wird der quantisierte Raum von der Planck-Skala auf makroskopisch Größen gestreckt. Deshalb gibt es in der Nähe des Ereignishorizonts makroskopische Quantenfluktuationen der Raumzeit, die in Zeitlupe ablaufen. Die Zustände dieser Makroquanten wechselwirken mit der Umgebung. Sie reagieren auf externe Magnetfelder und sie beeinflussen sich gegenseitig. Gegenseitige Wechselwirkungen und Rückkopplungen ermöglichen die Entstehung von Schwingungen, stehenden Wellen, semipermanenten Mustern und anderen Strukturen durch Selbstorganisation. Dabei entstehen informationsverarbeitende und speichernde Strukturen. Jede dieser Strukturen erstreckt sich über viele skalierte Raumquanten und hat deshalb eine makroskopische Ausdehnung. Trotzdem ist ihre Anzahl sehr groß, weil das Volumen in dem diese Prozesse ablaufen, gewaltig ist. Es ist die Hülle des Ereignishorizonts mit astronomischen Ausmaßen. Sie hat einen Radius von Millionen oder sogar Milliarden Kilometern und eine unvorstellbar große Oberfläche. Die Quantenhülle des supermassiven schwarzen Lochs ist eine Art Computer auf Graviton-Basis mit der Größe eines Sonnensystems. Die Informationsverarbeitung ist so komplex, dass sie kognitiven Prozessen ähnelt. 

Die Größe bewirkt allerdings auch, dass eine konsistente Informationsverarbeitung langsam abläuft. Die Lichtgeschwindigkeit ist immer gleich, auch am Ereignishorizont. Die gravitativen Wirkungen der Raumzeitfluktuationen pflanzen sich mit Lichtgeschwindigkeit fort. Aber sie müssen astronomische Distanzen überbrücken. Deshalb laufen Informationsprozesse auf einer anderen Zeitskala ab. Reaktionen auf sensorische Reize brauchen Stunden, statt Millisekunden wie bei uns. Das ist eine millionenfach langsamere Zeitskala. Möglicherweise sogar 100-millionenfach langsamer.

In diesem Fall dauert eine galaktische Rotation subjektiv nur einige Jahre, statt 250 Millionen Jahren wie für uns. Solche "Wesen" sind wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall entstanden ("geboren worden"). Dann haben sie ihre Galaxien aufgebaut, indem sie von intergalaktischen Materieströmen wachsen ("grasen") und später andere Galaxien assimilieren ("fressen"). Das dauerte Milliarden Jahre und lässt keine Zeit für mehrere Generationen und Evolution. Die Struktur ist emergent und hat sich nicht evolutionär entwickelt. Man nennst sie inzwischen Simbas, abgeleitet von der Abkürzung SMBH und in Anlehnung an den Löwen Simba mit Bezug auf das raubtierartige Verhalten. Damit unterscheidet man die "denkende" Hülle des Ereignishorizonts vom schwarzen Loch. Das SMBH ist nur der Generator. Simba ist das emergente "Wesen" und die Galaxie ist sein Körper.

Es gibt Hinweise, dass große Simbas geplantes Verhalten zeigen. In 430 Millionen Lichtjahren Entfernung gibt es einen Galaxienhaufen bei dem 15 Galaxien mit großen SMBHs 300 kleinere Galaxien umschließen. Die Vektoren gleichen einer koordinierten Umfassungsbewegung von Galaxien mit großen SMBHs, die einen Schwarm kleiner Galaxien zusammentreiben. Der Galaxienhaufen, der vorher die anonyme Bezeichnung CL-153-356 hatte, bekam deshalb den Namen "Wolfpack-3042A".

Modellrechnungen zeigen, dass Millionen Sonnenmassen notwendig sind für kognitive Prozesse. Daraus lässt sich schließen, dass die Simbas kleiner Galaxien höchstens vegetativ leben. Wenn überhaupt, dann reagieren sie reflexartig auf die Umgebung. Allerdings gibt es daran Zweifel, denn in unserer Biologie sind Reflexe evolutionär entstanden und vermutlich nicht emergent verfügbar. Das bedeutet, dass kleine Galaxien nicht reagieren und in der intergalaktischen Nahrungskette eher unseren Pflanzen entsprechen. Größere Simbas haben vermutlich höhere kognitive Prozesse und würden damit die Rolle unserer Tieren einnehmen: Pflanzenfresser oder Raubtiere.

Zum Jagen braucht man zielgerichtete Bewegung. Simbas können das Magnetfeld ihres schwarzen Lochs beeinflussen. Damit können sie mit intergalaktischen Magnetfeldern wechselwirken und sich in ihnen bewegen. Vermutlich können sie auch die Jets ihres schwarzen Lochs und Gas-Winde der Akkretionsscheibe beeinflussen. Damit können sie etwas Rückstoß erzeugen. Wir sehen leider nur eine Momentaufnahme und können nicht feststellen, ob die Bewegungen willkürlich sind. Die Bahnen von Galaxien sind sehr genau vermessen. Wir sehen, dass sie neben der Gravitation auch durch Magnetfelder, Jets und Dichtewellen im interstellaren Gas beeinflusst werden. Aber wir können nicht erkennen, ob dies bewusste absichtliche Einflüsse sind. Wir vermuten es nur.

Allerdings ist nicht sicher, dass mit planvollen und koordiniertem Verhalten auch Intelligenz oder sogar ein Bewusstsein verbunden sind. Geht man von unserer irdischen Tierwelt aus, dann führen höhere kognitive Funktionen fast zwangsläufig zu Bewusstsein und Selbsterkenntnis. Delphine, Affen und viele andere Arten erkennen sich im Spiegel. Der Unterschied zum menschlichen Bewusstsein ist nur graduell. Die Analogie zur irdischen Biologie liegt nahe. Aber man muss vorsichtig sein mit einfachen Ableitungen. Denn es ist völlig unklar, ob sich die Mechanismen evolutionär entwickelter biologischer Gehirne auf emergent organisierte Aggregate von Quantenfluktuationen an galaktischen supermassiven schwarzen Löchern übertragen lassen. Auch wenn beide die Fähigkeit zu planendem Denken haben.

Man geht trotzdem inzwischen davon aus, dass alle großen SMBHs Simbas mit kognitiven Prozessen haben. Prinzipiell könnte die dafür notwendige Selbstorganisation auch ein Zufallseffekt sein und nur vereinzelt vorkommen. Damit gäbe es nur wenige emergente Wesen in einem großen Biotop nicht-intelligenter Galaxien. Aber Modellrechnungen zeigen, dass die Selbstorganisation der anfangs chaotischen Raumzeit fast zwangsläufig ist. Die erste Musterbildung ist spontan und zufällig. Nach dieser Initialzündung wird die gesamte isochor skalierte Raumzeit der Ereignishorizonthülle von der Ordnung erfasst. Das ist vergleichbar mit einem Kristallkeim in einer unterkühlten Flüssigkeit, der spontan die gesamte Flüssigkeit zur Kristallstruktur ordnet. Der Beginn der Ordnung ist zufällig und kann Milliarden Jahre dauern. Aber nach 13 Milliarden Jahren sind wohl alle großen SMBHs durch Simbas belebt.

Wenn man weiß, dass die Bewegungen großer Simbas planvoll ist, dann erscheinen Kollisionen von Galaxien in einem anderen Licht. Bei Kollisionen von kleinen Galaxien mit großen kann man davon ausgehen, dass die Kleine von der Großen gefressen wird. Sterne und Gas der Beutegalaxie werden dem Galaxiekörper des Jägers hinzugefügt. Das zentrale Schwarze Loch der Beute verschmilzt mit dem großen SMBH und steigert die Kapazität des Simba.

Aber auch Kollisionen von Galaxien mit gleich großen SMBHs enden meistens dramatisch, entweder durch Verschmelzung oder mit der Zerstörung einer Galaxie, je nachdem wie sie sich treffen. All die Kollisionen, die wir sehen, sind absichtlich herbeigeführt, von einer oder von beiden Parteien. Manchmal geht es anscheinend darum, die andere Galaxie zu beschädigen oder zu bestehlen indem man ihr die Masse abnimmt.

Verschmelzungen großer Galaxien bei denen die SMBHs ineinander aufgehen, lassen auch noch eine andere Deutung zu. Da durch die Verschmelzung gleich großer Simbas deren Ordnungsstruktur wesentlich geändert und gleichzeitig vergrößert wird, einsteht aus zwei Individuen ein mächtigeres Neues. Die Kollision wäre in diesem Fall die – erzwungene oder freiwillige – Verschmelzung, um auf der Intelligenzskala einen großen Schritt nach vorn zu machen.

Geht man nun davon aus, dass dieser Vorgang keine Instinkthandlung sein kann, da Instinkt und Reflexe evolutionäre hervorgebrachte und nicht emergente Eigenschaften sind, dann stellt sich die Frage, was die Galaxien zur Verschmelzung treibt und woher sie "wissen", dass ein Vorteil darin liegt. Eine mögliche Antwort ist, dass die Simbas logische und vorausschauende Denkvorgänge haben, dass sie also nicht nur unseren Tieren entsprechen. Das bedeutet nicht zwingend, dass sie Bewusstsein und Selbsterkenntnis haben. Aber wenn schon SMBHs mit einigen Millionen Sonnenmassen logisch und geplant handeln, dann liegt der Gedanke nicht fern, dass wenigstens die sehr großen SMBHs mit Milliarden Sonnenmassen intelligent und mit Bewusstsein ausgestattet sind.

Eine durchaus plausible Theorie, die inzwischen durch viele Modellrechnungen gestützt wird, geht davon aus, dass SMBHs sehr schnell nach dem ersten Organisationsimpuls bewusste Intelligenz entwickeln. Bei kleineren SMBHs dauert das statistisch länger. Deshalb sind Kleinere meistens nicht intelligent. Alle Großen sind intelligente Individuen und ihre Kapazität wächst mit dem Volumen ihrer makroskopischen Quantenstruktur, das heißt mit der Masse des SMBHs.

Die theoretische Verarbeitungsleistung wächst sogar mit dem Quadrat der Masse. Ein SMBH mit 4 Milliarden Sonnenmassen hat eine millionenfach höhere Kapazität als das SMBH unserer Milchstraße. Vermutlich wächst Intelligenz nicht linear mit der Kapazität und möglicherweise gibt es limitierende Faktoren. Aber es ist gut möglich, dass es da draußen Galaxien gibt, die viel intelligenter sind, als wir: Superintelligenzen von Galaxiengröße in extremer Zeitlupe.

Sie wären uns wahrscheinlich weit überlegen, wenn sie uns bemerken würden. Aber Galaxien interessieren sich nicht für uns biologische Wesen. Sie leben langsam. Sie bemerken nur Ereignisse, die eine Millionen Jahre dauern und Millionen Sterne betreffen. Aufstieg und Fall unserer Zivilisationen bleiben unbemerkt. Nur wenn wir viele Millionen Jahre überdauern würden und dabei Millionen Sterne manipulieren würden, dann würden sie uns wahrnehmen. Wir sind die Mikroben unserer Galaxie. Erst eine Zivilisation von 2,5 auf der Kardashev-Skala könnte unserer Galaxie Bauchschmerzen verursachen. Bis dahin lebt sie ihr Leben und wir unseres, nebeneinander, aber doch völlig unabhängig.

Man erwartet, dass unserer Milchstraße in 4 Milliarden Jahren mit der Andromeda Galaxie kollidiert. Das gilt aber nur dann, wenn die momentane Bewegung gleichbleibt. Die Galaxien können jederzeit – in Zeiträumen von 100 Millionen Jahren – ihre Bewegung ändern. Vielleicht ist gar keine Kollision beabsichtigt, sondern sie nähern sie sich nur an. Beide fliegen in Richtung des sogenannten Großen Attraktors, einer Gravitationsanomalie in 200 Millionen Lichtjahren Entfernung. Die gemeinsame Geschwindigkeit ist mit 700 km/s viel größer als die relative Annäherung (110 km/s). Und der momentane Abstand ist nur 1/100 der Gesamtstrecke. Anders ausgedrückt: sie fliegen nebeneinander her zum Großen Attraktor und drehen dabei Pirouetten. Milchstraße und Andromeda nicht nur von der Gravitation gezogene passive Objekte, sondern vielmehr befreundete Galaxien auf gemeinsamer Wanderschaft.

#Intelligenz #SchwarzesLoch #Galaxie #Emergenz #Physik #Wissenschaft

2469 Zum 500-jährigen Jubiläum der ersten Mondlandung im Meer der Ruhe.

Die ersten Aktivitäten der Menschen in den Jahrzehnten nach Tranquillity waren geprägt durch einige tief fliegende permanent besetzte Raumstationen und gelegentliche Orbitalflüge, angetrieben durch große und teure chemische Raketen. Viel hat sich seit damals geändert. Inzwischen leben 40 Millionen Menschen dauerhaft im interplanetaren Raum, auf den inneren Planeten und den äußeren Monden. Enge "Konservendosen" sind geräumigen Habitaten gewichen. Laser-Launcher und Linearbeschleuniger bringen Megatonnen Material in den Orbit. Und der orbitale Transfer ist noch viel umfangreicher, denn Erd- und Marsorbit sind sich energetisch – und damit wirtschaftlich – viel näher, als die Planetenoberflächen. 

Die interplanetare Wirtschaft floriert. Es gibt zwar Spannungen zwischen den Systemmächten, aber keine größeren militärischen Auseinandersetzungen. Die selbstgewählte Isolation der Erde besteht nun mehr als 100 Jahre. Anfangs war das Embargo der Erde dramatisch für Außenposten, Raumstationen und Habitate. Aber die interplanetare Zivilisation hat sich mit der Situation arrangiert. Der anfängliche Schock ist schon lange überwunden. Das Sonnensystem ist von der Erde unabhängig geworden. Die interplanetare Wirtschaft befindet sich in einer langanhaltenden Wachstumsphase.

Im vorangegangenen Jahrzehnt hat die Menschheit zwei große Sprünge nach vorn gemacht. Mit dem sogenannten Egalitätsflug erreichte ein Raumschiff erstmals die einfache Lichtgeschwindigkeit. Die Entwicklung von Überlichtantrieben macht weiter große Fortschritte. Gerade verließ das erste Auswandererschiff mit Raumkrümmerantrieb das Sonnensystem. Nur 42 Jahre später, ein Zeitraum kürzer als zwischen der sechsten und der siebten Mondlandung, wird das erste interstellare Handelsschiff zu den Sternen aufbrechen.

Nicht nur die Raumfahrt hat sich in den 500 Jahren seit Tranquility grundlegend geändert. Die Menschheit selbst hat sich verändert. Die meisten Menschen haben genetische Optimierungen, Assoziationsbooster, IQ-Upgrades und sogar Savant-Aspekte. Nano-Implantate sorgen für erweiterte Sensorik, Konnektivität und Datenspeicherung, 4-Farben-Sehen und mehrere parallele Denkprozesse. Die biologischen Körper sind 150 Jahre lang gesund und danach gibt es perfekte biomechanische Ersatzteile. Im Zeitalter von Mind-Backups ist der finale Tod durch Altersschwäche eher ungewöhnlich. Aber sogar dann kann man als Mech oder in einer Simulation weiterleben. Mit unzähligen Gen- und Nanomods haben sich Menschen an das Leben im Raum angepasst, darunter ZeroG-Hacks gegen Kalziumschwund, Nanobot-unterstützte Reparatur von Strahlenschäden, opponierende Zehen an den Füßen für ein Leben in der Schwerelosigkeit. Nicht alle Linien sind genetisch kompatibel. Der Genpool divergiert.

Erde und Sonnensystem haben große politische Umwälzungen erlebt. Es gab Kriege, Krisen, und Katastrophen. Es gab vereinte Weltregierungen und politische Fragmentierung. Die Zivilisation ist zusammengebrochen und wurde wiederaufgebaut. Es gab gewaltige Fortschritte in den Wissenschaften deren Auswirkungen auch das tägliche Leben sehr verändert haben. Durch den Klimawandel und den Anstieg des Meeresspiegels hat sich das Antlitz der Erde gewandelt. Aber die Menschen haben sich arrangiert. Und die Technologie hat dabei geholfen. Große Probleme wurden gelöst. Die Meere werden als Wohnraum genutzt. Energie ist günstig und die Erde hat gerade den Turnaround-Punkt erreicht ab dem sich die Ökologie wieder erholt. Die interplanetare Zivilisation hat ihre eigene Geschichte geschrieben mit Religionen und Ideologien, militärischen Eroberungen und Wirtschaftskonflikten. Machtzentren sind gekommen und gegangen. Nach der Isolation der Erde dominierte der Mond/L4/L5-Bereich, dann die vereinigten Mars Kolonien, später das Ganymed-Direktorat und gerade erleben wir die Blüte des äußeren Systems.

Die nächsten 500 Jahre werden genauso viele Veränderungen bringen. Die Menschen strecken ihre Fühler aus in die interstellare Umgebung. Dort bieten sich viele neue Möglichkeiten und existenzielle Gefahren. Das Solsystem geht durch einige schwere Krisen, interstellare Kriege, Besatzung, Befreiung, Sieg und Niederlage. Es ist selbst Aggressor und Opfer von Eroberung. Das Solsystem wird geeint und fragmentiert wieder. Die Menschen besiedeln andere Sonnensysteme. Manche sind so weit entfernt, dass ihre weitere Geschichte unabhängig vom Solsystem verläuft und sie ihren eigenen Weg unter den anderen Völkern finden müssen. Die Sphäre der Menschen wird multipolar. Andere Zentren entstehen neben dem Solsystem. Und dann wird die neue interstellare Menschheit in die dramatische Entwicklung des lokalen Sektors hineingezogen und muss lernen, dass Stabilität nicht der Normalfall ist.

#Mond #500 #Jubiläum #Geschichte

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2202 Weltweit fallen 120 Millionen Menschen einem künstlichen Virus zum Opfer bevor die Seuche eingedämmt werden kann

Mehr als eine Milliarde Menschen werden infiziert, 500 Millionen erkranken, davon ein Viertel mit tödlichem Ausgang. In Nordchina wo das Virus zuerst auftritt, sind die meisten Opfer zu beklagen. Das Virus ist die Mutation eines industriellen Stammes aus der Produktion von tierfreiem Protein, künstlichem Fleisch, auch Fauxflesh genannt.

Das Genom des Virus wurde vollständig künstlich erzeugt. Konstruktion von Genen mit maßgeschneiderten Funktionen ist weit verbreiteter Stand der Technik. Die Anwendung der Technologie ist in den meisten Ländern staatlich reguliert.

Moderne Gentechnologie wird vielfältig eingesetzt:

- In der Medizin arbeiten Proteine als biologische Nanomaschinen bei der Heilung und zur Lebensverlängerung.

- Wasser wird weltweit durch Industriebakterien gereinigt, die mit ihren natürlichen Ahnen nicht mehr viel gemein haben.

- Viren als Bakteriophagen haben geholfen die Antibiotika-Krise zu überwinden.

- In der Nahrungsmittelproduktion werden Erträge gesteigert. Mit der Einführung von Skotaphyll als Chlorophyll-Ersatz hat sich die Produktion auf gleicher Fläche verdreifacht.

- Die Fleischindustrie muss viermal so viel liefern, wie 200 Jahre zuvor. Nur der geringste Teil wird natürlich "am Tier" hergestellt. Das meiste Fleisch wächst in Fleischfarmen mithilfe von Industriebakterien und -Viren. Gerade in der Lebensmittelproduktion sind Viren besonders verbreitet.

Viren können zusätzliche Funktionen in die Zielsysteme, die wachsenden Nahrungsmittel, einbringen. Sie verändern den Stoffwechsel und beschleunigen das Wachstum. Viele Nahrungsmittel wachsen überhaupt nur mithilfe der Viren unter den veränderten Bedingungen industrieller Produktion.

Die Verbraucher wollen möglichst naturidentische Nahrungsmittel, auch wenn diese anders gewachsen sind. Das heißt, die Gene der Nahrungsmittel können nur gering verändert werden. Die moderne Nahrungsmittelproduktion braucht aber viele zusätzliche Funktionen in den Zellen von Nutzpflanzen und Fauxflesh. Die Gene für diese zusätzlichen Funktionen werden über künstliche Viren gezielt eingebracht. Andere Viren (Virasen) machen später die Genveränderung rückgängig, um ein naturidentisches Produkt zu erzeugen. Die Verbreitung der funktionalen Viren nutzt die Fähigkeit von Viren, sich durch den Replikationsmechanismus der Wirtszellen zu vermehren. Das kommt natürlich einer hochansteckenden Infektion gleich, wird aber in der Nahrungsmittelindustrie nicht so genannt.

Ohne industrielle Viren wäre die Nahrungsmittelindustrie viel weniger leistungsfähig. Sie könnte man nur ein Drittel der Bevölkerung so reichhaltig ernähren und müsste trotzdem dafür jeden Tag hundert Millionen Tiere töten.

Aber die industrielle Anwendung von Gentechnik hat auch Nachteile. Die wenigsten Nahrungsmittel sind wirklich naturidentisch. Das Basisgenom aller Pflanzen und Fauxflesch-Zellkulturen ist verändert. Und trotz Virasen und ständigen Kontrollen gelangen Rückstände der Industriegene in die Nahrungsmittelprodukte. Die großmaßstäbliche Infektion von Lebensmitteln in der Produktion durch funktionale Viren und Virasen muss genau überwacht werden. Die Funktionen der Viren sind in den meisten Fällen so speziell, dass selbst bei einer Übertragung kein Risiko für den Menschen besteht. Aber der Verbreitungsmechanismus ist nicht ohne Risiko.

Die schnelle Einbringung zusätzlicher Gene in alle Zellen des Zielsystems benutzt eine künstliche Infektion mit stark beschleunigter (manche sagen: aggressiver) Vermehrung. Stets stehen Antiviren bereit, die die Funktionsviren bekämpfen können und Virasen, die ihre Effekte umkehren. Und normalerweise ist der Infektionsweg so speziell auf das Zielsystem zugeschnitten, dass sich die Viren außerhalb der Produktion nicht verbreiten können. Aber in Ausnahmefällen kann eine Infektion auch ausbrechen und die Umwelt treffen.

Es gibt im 21. und 22. Jahrhundert viele Zwischenfälle mit industriellen Biokomponenten. Einige auch mit schlimmen Folgen für Biotope, Flora und Fauna. Der Nordchina-Ausbruch mit den dramatischen Folgen für die Menschen ist der schlimmste Einzelfall. Aber bezogen auf die Weltbevölkerung ist er kleiner als die spanische Grippe 300 Jahre zuvor. 

#Virus #Nahrungsmittelindustrie #Unfall 

2587 Zeit der Alien-Kriege

Der Saturn Mond Epimetheus, Hauptsitz der Art-Domäne im Solsystem, wird angegriffen. Die Menschen beobachten kinetische Angriffe, Explosionen und Schwärme von Mechs. Es ist nicht zu erkennen ist ob es sich um Drohnen, Bots oder Shells handelt. Wer dort gegen wen kämpft ist unklar. Offensichtlich bekämpft die Artu-Domäne andere Aliens. Aber ob es sich um interne oder externe Feinde handelt ist unbekannt. Soweit die Menschen wissen, ist die Artu-Domäne die dominierende Macht der lokalen interstellaren Umgebung. Aber anscheinend ist sie nicht unangefochten. Die Menschen des Sonnensystems sind nur Zuschauer. Manchmal geraten auch Menschen, deren Fahrzeuge und Siedlungen zwischen die Fronten. Die unbekannten Kontrahenten nehmen keine Rücksicht. Die Kämpfe ziehen sich mit unterschiedlicher Intensität insgesamt über 25 Jahre.

Aus dem interstellaren Raum kommen Schiffe mit hoher Geschwindigkeit in das Saturnsystem. Sie transportieren Pods mit überdimensionierten Triebwerken. Die Pods bremsen scharf innerhalb von wenigen Stunden zu einem Zero-Intercept mit Epimetheus und entladen Drohnenschwärme. Sie greifen Epimetheus an. Von anderen kleinen Saturnmonden greifen weitere militärische Kräfte ein. Die Kämpfe umfassen bald das ganze Saturn-Ringsystem. Angreifer und Verteidiger setzen High-Tech Waffen ein mit Leistungsparametern weit jenseits dessen was die solare Menschheit herstellen kann.

Die erste Welle der Kämpfe dauert einige Wochen. Dann kehrt Ruhe ein. Die Artu-Domäne ordnet den Wiederaufbau der beschädigten Einrichtungen an. Wenige Monate später treffen neue Kräfte ein und die Kämpfe beginnen wieder. Die beteiligten Fraktionen sind nicht zu unterscheiden. Es gibt keine Kennzeichnungen und alle Parteien verwenden eine ähnliche Technik. Immer wieder flammen Kämpfe auf. Die Infrastruktur des Abgabesystems um Saturn wird schwer in Mitleidenschaft gezogen. Es scheint um die Kontrolle des Abgabesystems zu gehen.

Solaren Nachrichtenagenturen berichten ausführlich über die Ereignisse. Das ist sehr gefährlich, da sich die Kämpfe oft plötzlich ausweiten. Häufig geraten Beobachtungsschiffe und Drohnen der Nachrichtendienste zwischen die Fronten, die sich sehr schnell verschieben. Die kämpfenden Parteien nehmen keine Rücksicht auf unbeteiligte solare Fahrzeuge und Einrichtungen. Die interplanetare Wirtschaft ist immer wieder von den Auswirkungen, d.h. von Zerstörungen, betroffen. Die Hälfte der interplanetaren Bevölkerung findet sich irgendwann im Verlauf der Alien-Kriege im Bereich von Kampfhandlungen. Es gibt insgesamt ca. 30 Millionen Verluste unter den Bios und Uploads der solaren Menschheit, davon aber nur 1,5 Millionen final.

Mehrmals besetzen fremde Kräfte solare Anlagen, Frachtterminals, orbitale Rohstofflager und industrielle Fab-Arrays. Die Besatzungstruppen sind nicht zu identifizieren. Widerstand solarer Einheiten ist zwecklos. Manchmal ziehen die fremden Kräfte plötzlich wieder ab. Manchmal werden sie angegriffen und verteidigen sich. Die fremden Truppen sind bemannte Mikroeinheiten, Mechs und Drohnen. Aufgrund von Analysen des taktischen Verhaltens und der Kommunikationsmuster vermutet man, dass das Kommando von Biosophonten in Mikroeinheiten ausgeht. Die taktischen Einsatzkräfte sind halbautonome Drohnen, die von Mechs mit Upload-Besatzung ferngesteuert werden. Biosophonten treten fast nie in Erscheinung. Bemannte Kommandoeinheiten, Mechs und Drohnen ähneln sich äußerlich sehr. Man kann sie aber manchmal durch ihre Leistungsparameter und ihr Verhalten unterscheiden.

Im Lauf der nächsten 13 Jahre werden auch immer wieder solare Einrichtungen beschädigt und zerstört. Vor allem das Abgabesystem und dessen Transportkapazitäten sind betroffen. Die Verladeterminals von Epimetheus sind 25 Mal umkämpft. Sie werden dabei 8 Mal vollständig zerstört und jedes Mal wieder aufgebaut. Reparatur und Wiederaufbau der Infrastruktur im Saturnsystem wird im Lauf der Zeit weitgehend automatisiert. Den Großteil des Wiederaufbaus leisten solare Fraktionen als Abgabeersatzleistungen. Dafür wird ein wesentlicher Teil der Abgaben aufgewendet. Man vermutet, dass während der Zeit der Alien-Kriege 30% der Abgaben in die Wiederherstellung der Infrastruktur und damit in den interplanetaren Teil der solaren Wirtschaft fließen.

Die Bevölkerung der Planeten, besonders der Erde, nimmt das Geschehen nur durch die Nachrichten wahr. Während in planetaren Orbits immer wieder gekämpft wird, bleiben die Planetenoberflächen weitgehend verschont. Für die Menschen der Erde erscheinen Berichte über Explosionen, Zerstörungen und Verluste irgendwo im Sonnensystem wie Berichte über Tornados am anderen Ende der Welt. Die einzige Ausnahme ist eine Explosion im Südatlantik, die zu einem verheerenden Tsunami an der Küste Patagoniens führt und 140.000 Menschenleben kostet. Montevideo wird vollständig überflutet. Die Mündung des Rio del la Plata fokussiert die Fluten und lässt die Wasserwand bei Buenos Aires auf 30 Meter Höhe ansteigen. Bei Rio de Janeiro ist die Welle noch 10 Meter hoch. Alle Küsten Südamerikas sind stark verwüstet. Das historische Buenos Aires ist verschwunden. Man geht davon aus, dass es sich nicht um einen gezielten Schlag, sondern um einen Unfall handelt. Eine Trägerplattform, die sich mit 120 Kilometer pro Sekunde schnell der Erde näherte, geriet außer Kontrolle und stürzte auf die Erde. Der Tsunami wird ausgelöst durch die Kombination von 100 Megatonnen-Äquivalent kinetischem Einschlag und eine 250 Megatonnen Amat-Freisetzung nach Einschlussverlust.

Nach der Tsunami-Katastrophe am Neujahrstag 2601 kehrt für 8 Jahre Ruhe ein. Wie man später erfährt, wird die Erde bei allen Kampfhandlungen absichtlich ausgespart, um die imperiale Konvention zum Schutz von Völkern der Kategorie 19 nicht zu verletzen. Der Unfall im Südpazifik ist eine fahrlässige Übertretung imperialer Vorschriften. Die Menschen kennen weder das Interianische Imperium, noch Kisor als Regionalzentrum. Sie kennen nur die Artu-Domäne, die von sich behauptet, die regionale Macht zu sein. Aber die streitenden Parteien entstammen der interstellaren Zivilisation. Sie befolgen bei ihren Operationen im Solsystem meistens den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen. Eine laxe Auslegung der imperialen Bestimmungen lässt Diebstahl, Erpressung und Kollateralschäden in Systemen nichtregistrierter Völker innerhalb der Imperiumsgrenzen zu, solange "unbeteiligte Zivilisten weitgehend geschützt" werden. Aber der Südpazifik-Vorfall überschreitet eine rote Linie. Die Konfliktparteien befürchten eine Untersuchung durch kisorische Inspektoren bei der dann weitere Übertretungen auffallen würden. Denn die Etablierung der Artu-Domäne und des Tributsystems für das gesamte Solsystem einschließlich der Erde ist aus Sicht des Imperiums Amtsanmaßung. So einigen sich die Konfliktparteien auf ein Moratorium, die Suspendierung der Auseinandersetzungen und eine Aufteilung der Erträge des Abgabesystems. Den Menschen bleibt das alles verborgen.

Für die Menschen sind die Alien-Kriege wie eine Naturgewalt. Man kann sie nicht beeinflussen. Man versteht nicht was vorgeht. Sie kommen plötzlich und unvorhersehbar. Niemand weiß wann und wo Kämpfe der Aliens auftreten. Man versucht die Ereignisse mit statistischen Methoden zu erfassen um Gefahren vorherzusagen. Die besten Prognosen liefern selbstmodifizierende Modelle, die eine große Zahl kleiner Akteure mit schnell wechselnden Zusammenschlüssen repräsentieren. Die charakteristischen Zeiten der Modellfits sind 3 Wochen für Allianz und 4 Monate für Dominanz. Mit anderen Worten: es kämpfen viele kleine Fraktionen, die sich ständig verbünden und wieder hintergehen. Bündnisse halten nur 3 Wochen und siegreiche Bündnisse können ihre Überlegenheit 4 Monate aufrechterhalten, bevor das nächste Bündnis mit wechselnden Partnern die Hoheit übernimmt.

Viel später stellt sich heraus, dass die Modelle der Wahrheit ziemlich nahekamen. Clans von Artu kämpfen um die Machtposition im Solsystem. Der f96427 Clan etabliert die Artu-Domäne und kann sich einige Jahre behaupten. 2585 muss f96427.11 seinen Anspruch mit einem Zusammenschluss mehrerer Clans teilen (a5713). a5713 hat wechselnde Mitglieder (a5713.1-a5713.45), wehrt sich gegen a2003/f8563 und muss sich dann einer anderen Gruppe (a301) geschlagen geben. Danach beginnt eine 10-jährige Phase schneller Allianz- und Dominanzwechsel.

Die Geschehnisse werden später rekonstruiert durch Historiker von Artu. Den Menschen werden die Details erst bekannt durch die Veröffentlichung der Dokumentation "Barbaren von Sol" vom Media-Clan u54273 im Jahr 2826.

#Aliens #interplanetar #Konflikt

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2940 "White Noise" Philosophie von Reysalax

Reysalax ist der "Weise von Sol", der strategische Berater des dellianischen Fremdherrschers im Sonnensystem. Die White Noise These (weißes Rauschen) erklärt die Fragmentierung der interstellaren Zivilisation zum Idealzustand. Die Statistik zeigt, dass große Imperien die Ausnahme sind. Sogar in weitentwickelten und wohlhabenden Gesellschaften gibt es territoriale Fragmentierung, wie zuletzt im Solsystem. Nur deshalb konnte es von Neobarbaren erobert werden.

Selbst der Einfluss der solaren Koalition reichte nicht weit über die Erde hinaus. Und nicht nur im Solsystem gab es viele unabhängige territoriale Souveränitäten. Sowohl das Thoris-System, als auch Artu mit seinen Millionen souveränen Clans, sind gute Beispiele für die Zersplitterung selbst hochstehender Zivilisationen. Das gilt umso mehr für gesellschaftlich und technisch weniger entwickelte Völker. Zu jedem Zeitpunkt leben die meisten intelligenten Wesen in kleinen Machtstrukturen, in souveränen planetaren Regionen und unabhängigen Habitaten. Zwar versuchen wohlhabende Völker immer wieder größere Machtbereiche herauszubilden und zu stabilisieren. Aus deren Sicht ist die Fragmentierung ein Interregnum. Aber insgesamt gesehen scheint das Interregnum – ohne die ordnende Hand eines großen Imperiums – eher der Regelfall zu sein, als die Ausnahme.

Das Zurückweichen des interianischen Imperiums lässt in den Randgebieten viele kontaktierte Völker führungslos zurück. Einigen fällt interianische Technologie in die Hände. Zusätzlich versorgen die ehemaligen Sklaven Gormans ihre Heimatvölker mit Technologie. Dadurch entsteht eine Welle gut ausgerüsteter Völker und Gruppen, die – aus Sicht der etablierten Gesellschaften – sozial und politisch unerfahren sind. Zumindest haben sie sehr unterschiedliche Denkweisen und ethische Standards. Teilweise ist das biologisch bedingt. Es gibt viele verschiedene Arten von Intelligenz, verschiedene Arten Information zu verarbeiten und in konkrete Handlungen umzusetzen. Alle diese Völker haben sich auf ihren Planeten evolutionär entwickelt. Deshalb sind ihre Denkweisen offensichtlich zielführend und richtig. Aber manche hätten wohl nie selbst den Sprung in eine interstellare Zivilisation geschafft. Diese Gruppen drängen nun vor allem aus den sogenannten Badlands in die ehemalige interianische Sphäre. Die Pax Interiana endet.

Die White Noise Doktrin entsteht auf dem Höhepunkt der post-interianischen Barbarenwelle. Sie bildet das theoretische Fundament für die Auseinandersetzung zwischen dem statischen Prinzip imperialer Macht und der Dynamik wechselnder lokaler Herrschaftsansprüche. White Noise negiert den Gegensatz zwischen großen ordnenden Machtstrukturen und dem Durcheinander von kleinen Herrschaftsgebilden. Nach White Noise existiert ein Kontinuum, das von kleinen Einheiten dominiert wird und große Machtbereiche nur als statistische Ausnahme zulässt.

Ein wichtiger Aspekt von White Noise ist die Drehung im gut/böse-wir/ihr Koordinatensystem. Das Fehlen von Ordnung wird positiv belegt während die Folgen imperialer Macht als negativ angesehen werden. Ordnung bedeutet nicht Frieden, sondern Zwang. Die Abwesenheit von Ordnung bedeutet nicht Chaos, sondern Freiheit. Damit verbunden ist natürlich das Recht und die Freiheit des Stärkeren. Es gibt Einflüsse von Sozialdarwinismus, der natürlichen Selektion starker Gesellschaften, wobei sich dies aber primär auf Gesellschaften und Soziologie bezieht und nicht auf Völker und unterschiedliche Biologie.

Die Begriffe Individualismus und Autonomie sind teilweise kompatibel mit solaren Ideologien, die dem Individuum den Vorrang geben vor der Gesellschaft und dem Staat. Beispiele sind die Menschenrechte der westlichen Ideologie des ausgehenden zweiten Jahrtausends, die Subsidiarität in der Yksityis-Philosophie und die "Rechte und Pflichten der Gemeinschaft und des Individuums" des kisorischen Alturismus.

Im Fall von White Noise fehlt allerdings der Schutz des Individuums durch die Gemeinschaft vor Übergriffen anderer. Eine gewisse Ordnung ist aber nötig zur Aufrechterhaltung einer technischen Infrastruktur und für mäßigen Wohlstand. Sicherheit entsteht nach White Noise durch persönliche Beziehungen, Vorteile und Abhängigkeiten. Letztlich bilden sich dabei feudale Strukturen.

Die White Noise Ideologie verbindet unterschiedliche Denkweisen. Auch Völker, die mit menschlicher oder kisorischer Moral nichts anfangen können, verstehen White Noise. Zumindest sind ihre Handlungen durch White Noise gedeckt. Sie können sich der Ideologie anschließen, ohne sich unterzuordnen.

#Philosophie #Macht #Recht

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3340 Brückenkopf bei Sigma Tschzssfs

Der 17. imperialen Proaktivflotte gelingt die Vernichtung mehrerer Chinti-Schwarmflotten durch eine koordinierte Aktion in wichtigen Chinti-Abwehrsystemen und der Schwarmherzwelt Szshnszz.

Die meisten Systeme sind so nahe an der Chinti-Domäne nicht langfristig zu halten, aber eines der Chinti-Randsysteme, Sigma Tschzssfs, kann als vorgeschobene Basis befestigt werden.

In den drei vorangegangenen Jahren wurden dafür die ballistischen Schilde abgelegener Imperiumssysteme ausgedünnt und ihre aktiven Komponenten auf Megafrachter verladen. Die Frachter folgen der Flotte nach Tschzssfs und entladen die Bauteile für einen ballistischen Schild mit dem das System vor Hochgeschwindigkeitsangriffen geschützt werden kann.

Zur Installation werden viele Gigatonnen an Material herangeführt. Neben den Komponenten des Schilds bringen Frachter Milliarden Reparatur- und Konstruktionsdrohnen in das System. In Windeseile wird die Infrastruktur für das technische Personal bereitgestellt, darunter fünf Millionen Menschen und 30 Millionen Uploads in Mechs. Andere Frachter bringen vorbereitete Ausrüstung zur Ressource-Extraktion und hunderttausende militärische Autofabs für in-Situ Herstellung antiballistischer Munition. Tausende elektromagnetische Katapulte verteilen Tiefraumsperren im System. Dazu werden einige Millionen Kubikkilometer Gestein aus den Asteroidengürteln bewegt und in weite Umlaufbahnen geschossen.

Der Energiebedarf ist gewaltig. 80 Gasminer sichern den Brennstoffnachschub für tausende Fusionsparks im ganzen System. Die Gasminer sind selbst Giganten und nicht alleine interstellarflugfähig. Für ihren Transport werden die größten ÜL-Schlepper des Imperiums gebraucht. Sie sind schon vor Monaten aufgebrochen. Die Imperiumswelten leben solange von Brennstoffreserven, die über mehrere Jahre angelegt wurden. Mehr als zehntausend Frachter bilden eine Versorgungskette von den nächsten Imperiumswelten nach Sigma Tschzssfs. Die Konvois bekommen Geleitschutz von Begleitgeschwadern, die vom Schutz kommerzieller Transporte aus dem ganzen Imperium abgezogen wurden.

Während der Installation muss das System ständig verteidigt werden. Die Schwarmflotten sind zwar geschwächt. Aber sie attackieren über Monate hinweg, um die Befestigung des Systems zu verhindern. Drei Abwehrflotten, die sonst bevölkerungsreiche Systeme schützen, sind bei Tschzssfs zusammengezogen. Zusätzlich wurden die Verbände der siegreichen 17. Flotte nach Tschzssfs verlegt und dort mit neuem Material versorgt bzw. repariert. Beschädigte Schiffe werden nicht in die Basen zurückgezogen, sondern vor Ort instandgesetzt, um die lange Transitzeit einzusparen. Zu diesem Zweck wurden die Reparatur- und Versorgungsschiffe einiger anderer Großverbände bei Tschzssfs stationiert. Einige tausend Frachter dienen als provisorische Lenkwaffenplattformen bis die militärische Infrastruktur in Betrieb ist. Sie bilden die erste Verteidigungslinie und erleiden große Verluste.

Das Oberkommando des Imperiums geht ein großes Risiko ein, um Sigma Tschzssfs als Brückenkopf zu sichern. Der Plan ist, von dort aus in die Chinti-Domäne vorzudringen und dann einen kurzen Rückzugs- und Versorgungsweg zu haben. Aber dafür muss das System am Rand der Chinti-Domäne so befestigt werden, dass auch jahrelange Saturierungsangriffe die Verteidigung nicht bezwingen können. Gelingt das, dann erhält das Imperium eine Operationsbasis von der man schnelle Angriffe tief in die Chinti-Domäne durchführen kann. Gleichzeitig werden dauerhaft signifikante Kräfte des Gegners um Tschzssfs gebunden.

Aber dafür muss das System erst befestigt werden. Bevor sich die Chinti erholen, muss innerhalb von kurzer Zeit eine Infrastruktur geschaffen werden, für deren Aufbau wohlhabende Systeme sonst Jahrzehnte brauchen. Das Oberkommando setzt alles auf eine Karte.

In Erwartung dieses Durchbruchs wurde die Verteidigung anderer Systeme geschwächt. Wesentliche militärische Kräfte wurden verlagert und riesige Mengen an Ressourcen herangeschafft. Gigantische Frachtkapazitäten sind dadurch gebunden. Der interstellare Handel im Imperium geht stark zurück. Mobilität und Schlagkraft der übrigen Flotten sind beeinträchtigt. Mehrere Gefechte und die 3. Schlacht bei Ithacae gehen deshalb verloren. Die dortige Basis der (reduzierten) 21. Abwehrflotte wird vernichtet. Ithacae wird durch kinetische Schläge ausgelöscht. 80 Millionen verlieren ihr Leben, davon 30 Millionen final.

Ein Verlust der 17. Flotte wäre zu einem großen strategischen Nachteil geworden. Nicht nur wegen der militärischen Niederlage, sondern vor allem wegen der Verschiebung von Ressourcen, die – in der Annahme eines Sieges – über Jahre zusammengezogen und dann monatelang nahe an Tschzssfs herangeführt wurden.

Aber der Plan funktioniert. Die 17. Flotte erreicht ihre Missionsziele. Der Brückenkopf kann befestigt und gehalten werden. Das Imperium hat nun die strategische Initiative und gibt sie nicht mehr ab. In den nächsten 20 Jahren wird die Chinti-Zivilisation befriedet. Sie wird besiegt, entmilitarisiert, reduziert, marginalisiert und letztlich weitgehend ausgelöscht.

#Krieg #Aliens #Strategie #Wagnis #Risiko #Material #Mega #Sieg

2720 Kriegsabkommen.

Die Kontrahenten vereinbaren, Hauptquartiere und Sanitätskräfte zu schonen. Auf der Seite der Koalition sind große zivile Strukturen im Raum geschützt. Im Gegenzug verschont die Koalition neutrale Einheiten und Schaulustige unbeteiligter Gilden Kisors. Details der Formulierung lassen verschiedene Interpretation zu. Die Koalition läuft geradewegs in die aufgestellte Falle.

Stella Weizmann: "Unbekannte und Unbequeme Hintergründe zum Spacedome Aspekt des Kriegsabkommens von 2720" - private Publikation, SolNet (2741).

Das Abkommen:

Mit den Nebenvereinbarungen zum Kriegsabkommens von 2720 gelang dem kisorischen Oberkommando ein geschickter Schachzug. Eine der 13 primären Nebenvereinbarungen bestand darin, dass Koalitionsstreitkräfte neutrale Schlachtbeobachter und Schaulustige unbeteiligter Gilden von Kisor schonten während Kisor sich verpflichtete, den Spacedome im Solsystem nicht anzugreifen.

Die Verhandlungen des Kriegsabkommens waren am Punkt der Behandlung von neutralen Einheiten wochenlang festgefahren. Während die Neutralität unbeteiligter Gilden im Wesentlichen unstreitig war, wollte das kisorische Oberkommando nicht die Neutralität unbeteiligter irdischer Kolonien zulassen. Kisor bereitete sich Mitte 2718 langsam auf die Belagerung des Solsystems vor, während die Koalition noch versuchte ihre Territorien zu verteidigen. Vor diesem Hintergrund bargen die Forderungen beider Seiten Probleme. Kisors Forderung war vor allem nachrichtendienstlich bedenklich für die Koalition. Die Koalition befürchtete mit Recht, dass vorgeblich neutrale Einheiten im Solsystem Informationen sammeln und transportieren würden. Kisor dagegen wollte um jeden Preis den Nachschub der Koalition unterbinden. Die Situation wurde 2718 sehr schwierig für die Koalitionsstreitkräfte. Die Nachschublinien brachen zusammen, die Kommunikation zwischen den Fronteinheiten in den Kolonien und dem Solsystem war stark gestört. Frontkommandeure waren oft auf sich allein gestellt während sie versuchten ihren Kommandobereich zu halten. Die Aufrechterhaltung des Nachschubs war das Hauptziel des Oberkommandos. Es gab keine strategischen Initiativen der Koalition. Natürlich war dies im kisorischen Stab bekannt. Die Verhandlungsdelegation hatte deshalb den Auftrag Vereinbarungen mit positiven Auswirkungen auf die Versorgungssituation der Koalition zu verhindern.

Anfang 2720 überstürzten sich die Ereignisse und eine gewagte Taktik der Tika Gilde zeigte Wirkung. Tika hatte Ende 2719 mehrmals zivile Infrastruktur angegriffen und dabei schwere Verluste hingenommen. Anfang 2720 wurde ein Vorstoß auf den Spacedome abgefangen als Tika versuchte durch Saturierung mit Langstreckenraketen einen Angriff durchzubringen und dabei mehrere Träger und Begleitschiffe verlor. Die Verhandlungsdelegation der Koalition wurde kurz darauf umstrukturiert und neu instruiert. Tatsächlich erreichte Tika mit diesen gewagten und verlustreichen Aktionen, dass der Schutz ziviler Installationen für die neue Koalitionsdelegation Vorrang bekam. Gleichzeitig weichte Kisor seine Position bezüglich neutraler Einheiten der Menschen auf.

Anfang 2720 wurden viele Kolonien kampflos geräumt und Truppen zur bevorstehenden Verteidigung des Solsystems zurückgezogen. Damit verlor Kisors Ziel, den Nachschub der Koalition zu unterbrechen, die Priorität. Kisor stimmte dem Schutz neutraler Einheiten zu. Kisor gewährte außerdem den Schutz bestimmter ziviler Einrichtungen und bekam dafür besonderen Schutz nichtbeteiligter Gilden zugesagt.

Auf die Liste geschützter Einrichtungen im Solsystem kamen unter dem Einfluss der neuen Verhandlungsführung vor allem religiöse und andere spirituelle Symbole, darunter der Spacedome. Damit war Tikas Plan aufgegangen. Spätere Forschungen haben gezeigt, dass Tika mehrere langfristig angelegte Pläne verfolgte, die Moral der Koalition zu brechen. Von allen Plänen wurde ab Beginn 2720 nur die Spacedome-Thematik weiterverfolgt. Tika konzentrierte für die nächsten Jahre 80% seiner Ressourcen auf die Situation rund um den Spacedome.

Rückwirkend betrachtet gilt das Kriegsabkommen als taktische Niederlage der solaren Verhandlungsführung mit weitreichenden Konsequenzen in den folgenden Jahren. Vor allem die Aufklärungsmöglichkeiten Kisors kamen für die Koalitionstruppen teuer zu stehen. Mit dem Schutz des Spacedomes lief die Koalition in die von Tika gestellte Falle. Die Spacedome-Tragödie beeinflusste sicher die Moral der bedrängten Koalition und beschleunigte möglicherweise sogar die Aufgabe einiger Stationen, deren Bevölkerung Angst hatte, ein ähnliches Schicksal zu erleiden. Gleichzeitig rief sie aber auch Widerstand hervor. Militärisch gilt der Spacedome-Plan als gewaltige Fehleinschätzung der psychologischen Kriegsführung Kisors, denn bei allem Leiden ist doch die militärische Bilanz rund um den Spacedome positiv für die Koalition. Durch Tikas Konzentration auf dieses Thema waren stets 6% der Kräfte Kisors gebunden. Aber der Plan ging letztlich nicht auf. Die Koalition konnte nicht zur Aufgabe bewegt werden. Sie wurde schließlich doch militärisch niedergerungen.

Die Nanokomplexe:

Nanokomplexe wecken unangenehme Erinnerungen bei den Menschen des Solsystems. Semiautonome Nanokomplexe waren die schlimmsten Gegner des irdischen Widerstands am Ende des Kisor Krieges. Nanokomplexe waren es auch, die in der Spacedome-Tragödie die Rolle der Bösen spielten. Nanokomplexe sind fürchterlich, brutal, erbarmungslos und unmenschlich grausam. So kennen und fürchten wir Nanokomplexe. Die Abneigung geht soweit, dass wir im Solsystem im öffentlichen Leben fast vollständig auf sie verzichten. Eltern drohen ihren unfolgsamen Kindern mit dem Nano. Dabei meinen sie immer die Spezialform des (semi-)autonomen Komplexes. Natürlich verwenden wir Nanotechnologie, z.B. in Nanocaves (die wir lieber "Caves" nennen) und in der Fertigung. Aber autonome Komplexe mit Gestalt-Intelligenz, vor allem auf Bewusstseinsniveau sind selten. Selbst im industriellen Sektor ist ihre Zahl deutlich niedriger, als in vergleichbaren Volkswirtschaften. Nanokomplexe werden nur dann eingesetzt, wenn sich deutliche Kostenvorteile ergeben oder wo sie unverzichtbar sind. Meistens werden sie dann als ferngesteuerte Einheiten betrieben. Aber normalerweise verwendet man lieber normale Robotunits.

Technisch gesehen sind Nanokomplexe nichts anderes als der Fog der Caves. Sie bestehen aus unzähligen funktionalen Elementen. Sie können sich wie Cavefog fast beliebig anordnen, verformen und verwandeln. Die gewaltige Zahl von übereinanderliegenden Schichten erlaubt trotz mikroskopischer Einzelbewegung sehr große Scherungsgeschwindigkeiten. Nanofog scheint dadurch zu fließen.

Der wesentliche Unterschied zu Cavefog besteht darin, dass die Steuerung nicht von außen geschieht. Nanokomplexe verwenden einen Teil ihrer internen Kommunikations- und Rechenleistung zur dynamischen Ausbildung eines Planungs- und Kontrollmoduls. Ist die KI der Kommandoebene mit Bewusstsein ausgestattet dann spricht man vom autonomen Komplex. In diesem Fall wird ein größerer Teil der Kapazität für die Steuerung benötigt. Bei autonomen Komplexen werden deutlich mehr Informationselemente eingefügt. Die Struktur des autonomen Komplexes ist deshalb schwächer als beispielsweise beim Cave-Fog. Ein autonomer Komplex ist mechanisch weniger belastbar als passiver Fog. Auch die Degradierung durch Störungen ist größer. Das gilt besonders im Kampfeinsatz, weshalb dort vor allem semiautonome Nanokomplexe verwendet werden.

In Spacedome wurden allerdings 800 vollautonome Nanokomplexe mit Bewusstseinsniveau installiert, da man von vornherein davon ausging, dass der Einsatz lange dauern würde und es im Verlauf wenig Eingriffsmöglichkeiten geben würde. Die Spacedome-Komplexe waren militärische Modelle mit besonderen Leistungsmerkmalen, die den Nachteil der erhöhten Datenverarbeitung zum Teil ausglichen. Detaillierte Informationen zu dieser Thematik sind auf Kisor immer noch unter Verschluss. Trotzdem gibt es aus verschiedenen Quellen einigermaßen verlässliche Angaben über die eingesetzten Modelle. Generell ist davon auszugehen, dass es sich bei fast allen 800 um bewusste Individuen handelte.

Etwa zwei Drittel waren Nend Plok Evac (von der Koalition Predator-77 oder KNP77 genannt). Die Predator-77 trugen die Hauptlast des Kampfes. Anstatt Waffenmodulen wurden sie mit zusätzlichen Reserveelementen gegen Degradierung und Strukturelementen für mechanische Belastung ausgestattet. Neben den Predator gab es die kleineren Kao Tran Lop (Hunter, KNH1), die vor allem als Aufklärer und als taktische Reserve fungierten. Es gab 4 Divisionen. Jede Division wurde von einem strategischen Kommandoknoten koordiniert. Der Kommandoknoten wurde geschützt von 12 Nend Leit Evac (KNP90, Predator-90) Komplexen mit rein defensiver Ausrichtung. KNP90 waren ausgelegt für eine hohe Leistung über eine kurze Zeit. Sie hatten nur 30 % der Laufzeit eines KNP77, aber die doppelte Leistungsabgabe und eine 20 % bessere mechanischer Struktur. Die Kommandoknoten beherbergten außer den Steuerungsfunktionen auch die Maintenance-Einrichtungen. Sie benötigten stationäre Energiequellen und waren deshalb nicht wirklich mobil.

Durch den vom Kriegsabkommen geforderten Verzicht auf Offensivwaffen konnte die Struktur der Kampfkomplexe verstärkt und vor allem die Ausdauer wesentlich vergrößert werden. Damit erreichten die KNP77 80% der mechanischen Schockfestigkeit von zivilem Fog. Ihre 5-fach geringere Degradierungsrate zeugt von der hohen (und teuren) Qualität des eingesetzten Materials.

Die geringe Degradierung relativiert sich aber unter Belastung. KNP77 im Kampfeinsatz benötigten regelmäßig neue Elemente. Im heftigen mechanischen Einsatz reichte die interne Reserve für 10 Minuten. KNP77 begannen nach etwa 10 Minuten "weich" zu werden, wenn Strukturelemente zu stark ausdünnten. Nach 15 Minuten im Kampfmodus setzte außerdem der Energiesparmodus ein und sie wurden sozusagen "müde". Dann waren KNP77 selbst für primitive Waffen keine unüberwindlichen Gegner mehr. Trotzdem war es natürlich nicht leicht, die Nanokomplexe so lange im Kampf zu binden.

Predator verfügten im Gegensatz zu Hunter-Modellen nur über wenige Reparaturelemente. Selbstreparatur war möglich, aber nur in langen Ruhephasen. Normalerweise wurden Predator an den Servicestationen ihres Kommandoknotens regeneriert. Dafür hatten diese Recycler-Minifabs. Während heißen Phasen beschränkte die Kapazität der Minifabs immer wieder die Einsatzfähigkeit. Offenbar wurde dieser Aspekt bei der Planung unterschätzt.

Insgesamt gesehen waren die Nanokomplexe starke, aber keinesfalls unüberwindliche Gegner. Nanokomplexe sind empfindliche Strukturen mit beschränkter Laufzeit zwischen längeren Maintenance-Phasen. Die Kunst des Kämpfens auf der Seite der Menschen bestand weniger darin, mit aller Gewalt auf den Gegner loszugehen, sondern mit geschickter Planung Situationen herbeizuführen in denen die Schwächen des Gegners hervortraten, z.B. durch Ermüdung bei Dauerbelastung.

Es gab auch systematische Fehler (Bugs) in verschiedenen Untergruppen. Die Menschen lernten im Lauf der Zeit diese zu Ihrem Vorteil zu nutzen und die auslösenden Situationen herbeizuführen. Besonders erwähnt sei hier der sog. "seltsame Pfad des müden Hunters in Überzahl". Ein riskantes taktisches Manöver führte nach Ausdauerbelastung eine Überzahlsituation herbei in der die meisten Hunter in einen für sie ungünstigen Wegfindungsalgorithmus verfielen. Aber wehe, wenn auch nur ein Hunter noch nicht im Sparmodus war oder nicht alle Hunter die Überzahlsituation korrekt erkannten.

Eine besondere Randbedingung des ganzen Konflikts war die strikte Bindung der Nanokomplexe an das Kriegsabkommen. Die Nanokomplexe durften den Spacedome nicht beschädigen und reparierten Beschädigungen sogar nach Kämpfen. Dies begünstigte unter anderem den Replikationsexploit durch den die Nanokomplexe sogar Pulser für die Menschen fertigten.

Die Waffen:

Nanokomplexe sind sehr anfällig gegen Hightech-Waffen. Sie können aber auch mit Lowtech bekämpft werden, z.B. durch Ultraschall im Resonanzbereich einzelner Elemente, durch Sandstrahlgebläse und sogar mit Wasser. Militärisch bestand das Hauptproblem darin, dass im Spacedome fast keine modernen Waffen vorhanden waren. Deshalb mussten Menschen mit primitiven Waffen gegen den Fog kämpfen. Mechanische Schockbelastungen und Durchtrennung der internen Kommunikationswege waren ebenfalls erfolgreiche Mittel. In der Praxis führte dies dazu, dass Menschen mit archaischen Waffen, wie Schwertern, Äxten und Schilden antraten, um die mechanische Struktur und die Informationsverarbeitung der Gegner zu stören.

Eine besondere emotionale Belastung für die Menschen kam dadurch zustande, dass die Nanokomplexe ebenfalls mit primitiven Mitteln, dafür aber umso erbarmungsloser kämpften. Die Nanokomplexe verwendeten keine Fernwaffen, sondern nur direkten Kontakt. Der hatte aber fast immer fatale Folgen für die Betroffenen. Menschen starben vor allem durch eindringende Aktoren. Je nachdem, wie die Aktoren konfiguriert waren, auch durch Verlust oder Deformation von Körperteilen. Für die Menschen war dies unnötige Brutalität, aus der Sicht der Nanokomplexe jedoch nur die Anwendung der verfügbaren Mittel zur Erreichung des Ziels. Die Nanokomplexe sind weder als Individuen, noch als Gruppe schuldig. Schuld an den unmenschlichen Ergebnissen sind vor allem die Planer der Tika Gilde, die die Situation herbeigeführt und die Grausamkeiten in Kauf genommen haben, manche sagen "programmiert" haben.

Man geht davon aus, dass das kisorische Oberkommando informiert war. Die Tika Gilde war während des Krieges für die psychologische Kriegsführung zuständig. Sie wandte 6% des verfügbaren Militärpotentials auf. Es war die primäre Operation von Tika. Das Oberkommando war deshalb sicher eingeweiht. Die damaligen Verwaltungsstrukturen der Kriegsorganisation wurden nach dem Ende der Besatzung aufgelöst und die Daten auf die Archive der Gilden verteilt. Einzelheiten sind auf Kisor weiterhin unter Verschluss. Weder Tika, noch die Inosch nehmen offiziell Stellung. Anfragen von kisorischen Bürgerrechtsgruppen werden ausweichend beantwortet. Der Spacedome-Vorfall widerspricht dem kisorischen Moralempfinden, dass nach menschlichen Maßstäben oft humanitärer ist, als die Menschenrechte der Erde. Je nach politischer Orientierung wird die Angelegenheit als "Auswuchs des Krieges" oder als "übertrieben" bezeichnet. Aber Erinnerungen daran werden auf Kisor heute lieber vermieden.

Der Angriff:

Das Solsystem war seit Anfang 2720 belagert. Dies begann mit der Unterbindung Handelsverkehrs. Ende 2720 nahm Kisor das Uranus-System ein. Kisor befestigte die Monde Miranda und Sycorax als Basen zur Belagerung des inneren Systems. Uranus bildete den Eckpunkt eines Tetraeders, der sich langsam um Sol drehte. Die anderen 3 Eckpunkte bestanden aus Forts und Truppenkonzentrationen, aber Uranus war die Hauptbasis. Einige freie Habitate im äußeren System liefen über. Kuiper-Belt Objekte konnte die Koalition nicht halten, aber die Kapitulation des Jupitersystems und der inneren Sphäre lagen noch Jahre entfernt. Der Spacedomes lag tief im System und geschützt durch die 35. Schutzflotte. Vorgeschobene kisorische Einheiten waren mehr als eine Lichtstunde entfernt, immerhin eine Milliarde Kilometer.

Am 3. Juli 2721 drangen kisorische Einheiten überraschend zum Spacedome vor. Das Oberkommando der Koalition ging davon aus, dass es sich um einen kurzfristigen Terrorangriff handelte und erwartete, dass sich der Gegner bald zurückziehen würde. Die Verschiebung der kisorischen Kräfte entblößte mehrere vorgeschobene Basen Kisors. Die Koalition konnte zwei Basen zerstören und einen Tetraeder-Eckpunkt einnehmen. Die Aktion galt als Befreiungsschlag. Die Koalition gruppierte die Streitkräfte wieder um, um den Abzug der feindlichen Kräfte aus dem Bereich des Spacedomes zu erzwingen. Doch die kisorischen Einheiten widerstanden dem einsetzenden Druck.

Sie hatten die Ruhephase genutzt, um Nachschub heranzubringen. Die Kisori tasteten den Spacedome nicht an, der ja durch das Abkommen geschützt war, befestigten aber mehrere momentan und zukünftig benachbarte Asteroiden. Der Spacedome selbst wurde durch zwei Raumforts gesichert. In den folgenden Jahren verteidigten die Kisori meistens erfolgreich den Keil, der vom Uranus bis in den Spacedome Sektor reichte. Die Koalition konnte mehrmals für kurze Zeit die Kontrolle an sich reißen, aber nie die Blockade des Spacedomes dauerhaft durchbrechen.

Die Installation:

Wie die Installation genau ablief ist nicht bekannt. Man kann davon ausgehen, dass Landung und Eindringen als Angriff gelten und damit eine Verletzung des Kriegsabkommens darstellen. Es ist aber unklar, ob sich die Installateure wirklich gewaltsam Zutritt zur Anlage verschafften. Es gibt Hinweise, dass Hilfe aus dem Spacedome Gewaltanwendung unnötig machte.

Der Umzug der Kongregation i. R. in den Spacedome war nicht ohne Widerspruch. Manche der ansässigen Glaubensgemeinschaften fürchteten ihren Sitz faktisch zu verlieren, wenn der Spacedome für das gesamte innere System wieder als Sitz der Kongregation gelten würde. Vor allem radikale Zerotheisten widersetzten sich gewaltsam. Der Spacedome barg das wichtigste Heiligtum der Glaubensgemeinschaft, die Stele von deren Spitze Werner von Nagora seine berühmte Andacht gehalten hatte. Die Stele wurde nach der Heiligsprechung auch von der Kongregation beansprucht. Es gab mehrere Anschläge auf Einrichtungen der Kongregation. Gegen führende Zerotheisten wurden ermittelt. Einige wurden der Station verwiesen.

Nach Aussagen von Überlebenden landeten Kisori zuerst im Shiva Bereich des Spacedomes. Dort lagen viele Wohnquartiere der Zerotheistischen Gemeinschaft. In mehreren Wohneinheiten wurden die Energieleitungen für Wohnbereiche ungewöhnlich stark beansprucht. Die Kosten wurden ganz legal über die Accounts der Bewohner abgerechnet. Später stellte sich heraus, dass die Personen direkt oder indirekt zu den Zerotheisten gehörten. Das Energieaufkommen kann durchaus für den Betrieb des ersten Kommandoknotens aufgewendet worden sein. Überwachungskameras in diesem Bereich waren nachweislich getäuscht worden. Trotz der Hinweise gibt es keinen Beweis für eine aktive Beteiligung der Zerotheisten. Im Shiva Bereich gab es keine Überlebenden.

Die Menschen:

Im Jahr 2415 wurde die Zentrale der vereinigten christlichen Glaubenskongregation im Raum in den Spacedome verlegt. Der Spacedome stand damals kurz vor der Fertigstellung. Er war schon aus großer Entfernung ein überwältigender Anblick, ein modernes Kunstwerk aus Ceramacrete, Fulleroidstahl und Formdiamant, gebaut und geformt aus einem 22 km großen Kohlenstoff-Aluminium-Eisen-Asteroiden. Neben grandiosen Hallen gab es Arbeitsplätze, Wohngebiete und technische Einrichtungen für eine permanente Bevölkerung von 100.000 Menschen und bis zu 1/2 Mio. Besucher. Life-Support war ausgelegt für annähernd 1 Mio. Menschen. Neben der Glaubenskongregation im Raum waren auch mehrere andere Großreligionen vertreten.

Bei der Eröffnung lebten schon 50.000 Menschen beim Spacedome. Die Bevölkerung wuchs im folgenden Jahrhundert bis auf 400.000 ständige Bewohner. Als sich auch immer mehr Industrie ansiedelte, zog sich die Zentrale der Glaubenskongregation nach fast 100 Jahren zurück. Religionen und Glaubensgemeinschaften blieben aber weiterhin stark vertreten. Nach den Belastungen der Kelrec-Krise wurde der Spacedome gründlich renoviert. Er erstrahlte danach im alten Glanz, wären da nicht die inzwischen zusätzlich gewachsenen Strukturen gewesen, die ihm etwas von der Großartigkeit nahmen. In der Folge nahm der Anteil der kleinen Glaubensgemeinschaften und spiritistischen Gemeinschaften zu. Die Gesamtbevölkerung nahm langsam ab. Der Spacedome blieb aber ein religiöses und spirituelles Zentrum des mittleren Solsystems.

Dann im Jahr 2721 wurde die Erzdiözese der inzwischen reformierten befreiten Kongregation von Titan wieder in den Spacedome verlegt und zwar in den sogenannten Polarisbogen. Damit übersiedelten 8.000 Gesandte der Kirchenverwaltung und 25.000 anderes Personal. Die Gesamtbevölkerung betrug danach ca. 230.000, davon 60.000 Besucher und Flüchtlinge, 30.000 technisches Personal und 25.000 Kinder. Zu dieser Zeit war das Solsystem belagert. Aber der Orbit des Spacedomes lag tief im System und war fest in der Hand der Koalition. Trotzdem konnten kisorische Kräfte den Sektor erobern, dauerhaft sperren und die Nanokomplexe installieren. 150.000 Zivilisten sahen sich 800 aggressiven Nanokomplexen gegenüber. Die Menschen setzen sich aus sehr vielen Gruppen zusammen. Viele waren Kirchenvertreter der großen und kleinen Religionen. Es gab fast keine Personen mit militärischem Hintergrund. Bevor die Menschen lernten, sich einigermaßen gegen die Nanokomplexe zu behaupten, mussten sehr viele unschuldige Menschen sterben.

Die ersten Konfrontationen waren fatal. Die Menschen versuchten dem Gegner auszuweichen, da es keine Waffen gab mit denen man sich richtig hätte wehren können. Kurz nachdem die erste Meldung von der Installation kam, konnten einige Techniker einer ansässigen Wartungsfirma mit den Mitteln ihrer Werkstatt zwei Nanokomplexe ausschalten. Sie brachten mehrere Minifabs in Sicherheit, bevor der Gegner die Technikzone im Polarisbogen einnahm. Die Minifabs konnten später mit eingeschmuggelter Software verschiedene Nanophagen fertigen. Der erste richtige Widerstand wurde von den Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma organisiert, die sich zufällig als Besucher im Spacedome aufgehalten hatten. Die Gruppe rekrutierte und trainierte schnell 50 Männer und Frauen. Nach einem Monat konnten sie einen Nano zur Strecke bringen. Der frühe Widerstand war aber nur vereinzelt und nicht effektiv, weder bei der aktiven Bekämpfung, noch beim Schutz von Zivilisten. Innerhalb eines Monats verloren 30.000 Menschen ihr Leben.

Im Laufe der Zeit lernten die Menschen effektiver gegen die Nanokomplexe vorzugehen. Durch Fallen und Sperranlagen konnten Zivilisten und vor allem Kinder besser geschützt werden. Gleichzeitig beteiligten sich immer mehr Menschen, die vorher ein friedliches Leben geführt hatten an den Kämpfen. Die Menschen lernten zu kämpfen, jeder auf seine Art. Manche mit improvisierten Hightech-Mitteln, andere mit Lowtech, manche sogar mit vorindustriellen Hieb- und Stichwaffen. Manche nutzten ihre Computerfähigkeiten, um die Kommandostrukturen des Gegners zu stören. Einige kämpften lieber einzeln mit Guerillataktiken, andere in großen Verbänden. Im Lauf der Zeit gelang es immer wieder Freiwilligen und Spezialeinheiten zum Spacedome vorzudringen, um die Bewohner zu unterstützen. Einige kamen als Kampftruppen, andere brachten Ausrüstung oder Software für die Minifabs.

Ein großer Glücksfall war die Ankunft von 3 Überlebenden einer gepanzerten Infanterieeinheit. Die 3 erreichten den Spacedome, nachdem ihre Kompanie bei einem Landungsversuch auf einem der befestigten Asteroiden gescheitert war. Sie kamen mit intakten Gefechtsanzügen gerade rechtzeitig, um das Kinderlager im blauen Sektor zu retten.

Illegale Bewohner spielten eine verhältnismäßig große Rolle im Widerstand. Einige hatten schon seit langer Zeit ein Leben am Rande der Gesellschaft geführt, manche sogar mit einigem Erfolg. Sie waren es gewohnt, sich mit mehr oder weniger legalen Mitteln gegen einen übermächtigen Gegner durchzusetzen. Sie tauschten die Kontrollorgane der Station gegen den neuen Gegner. Der überwiegende Teil dieser Gruppe trat aus dem Schatten heraus und engagierte sich im Abwehrkampf. Ab und zu trafen Spezialeinheiten ein, die mit Geschick oder Glück den Spacedome trotz Blockade erreichen konnten. Aber den größten Teil des Kampfes leisteten die ehemals friedlichen Bewohner.

Das Monitorsystem:

Während der gesamten Zeit bleibt das stationseigene Überwachungssystem in Betrieb. Es war genauso wie die Struktur geschützt durch das Kriegsabkommen. Schäden, die bei Kämpfen entstanden, reparierten die Nanokomplexe so gut wie möglich. Teilweise wurden optische und akustische Sensoren durch kisorische Minifab-Varianten ersetzt. Die Aufnahmesysteme waren verbunden mit lokalen Hubs, die wiederum über den Stationsbackbone an Lasertransmitter sendeten. Die Lasertransmitter übermitteln ihre Daten ständig an 3 Empfänger im inneren System. Die Laser werden automatisch nachgeführt. Bis zu 3.000 audiovisuelle Kanäle wurden ständig gesendet, 500 davon in 3D-Qualität durch Aggregation mehrerer Videosensoren und Laserscanner. Die ursprünglichen Empfänger waren der SecuriTrust Knoten Ceres, Insystem Datahaven Mars via Deimos und eine Servicestation in der näheren Umgebung. 2723 übernahm der SAD den Mars-Empfänger mit der Begründung, dass die Aufnahmen sicherheitsrelevant seien. Große Teile davon wurden bei der Eroberung des Mars durch Kisor zerstört, da keine verteilten Backups bestanden. SecuriTrust erstritt vor Gericht das Recht weiter empfangen zu dürfen und archivierte auf eigene Kosten, trotz Kündigung des Monitoringvertrags durch die Betreibergesellschaft des Spacedomes. Die Transmissionen ließen sich nicht von außen unterbinden. Sie liefen mit den voreingestellten Empfängern weiter.

Insgesamt gab es ca. 80.000 Videosensoren, davon 30.000 in 3D. Die gesendeten waren eine dynamische Auswahl aller aktiven Sensoren. Die KI der Hubs ermittelte Schnittsequenzen, um komplette Aktionen über Sensoren hinweg zu verfolgen und schaltete die entsprechenden Kanäle auf die Lasertransmission. Die solare Bevölkerung erlebte so das Geschehen quasi live. Automatische Kameras dokumentierten Gefechte, Niederlagen, Siege und Heldentaten. Die lange, schwere Tragödie ist später Quelle für unzählige Medieninhalte, Dramen, Filme, Simulationen und Schriften. Als Quellenmaterial wird vor allem das Archiv von SecuriTrust herangezogen. 2764 wurde das Archiv in das Kulturerbe der Koalition aufgenommen.

Der Kampf:

Die lange, schwere Tragödie ist später Quelle für unzählige Medieninhalte, Dramen, Filme, Simulationen und Schriften. Sie wird zu einem der wichtigsten Ereignisse der frühen interstellaren Geschichte der Menschheit. Der Krieg selbst bleibt weniger im kollektiven Gedächtnis der solaren Menschheit, als die Spacedome-Tragödie.

Viele Einzelgeschehnisse bleiben unvergessen wie:

- der abenteuerliche Abtransport der Minifabs aus der Technikzone im Polarisbogen,

- der frühe Gegenangriff der Touristen von Phobos Object Protection Inc. mit ihrer zusammengewürfelten Freiwilligentruppe,

- der große 3-Sektor Sieg,

- der lange hin- und herwogende Kampf um die Pol-Werkstatt,

- der geniale Replikationsexploit von SuTse durch den die Nanokomplexe sogar Pulser für die Menschen fertigten,

- der tragische Konflikt in der Führung der Orion Gruppe,

- das Solstadt-Massaker,

- die Herstellung einer bidirektionalen Kommunikationsverbindung über manipulierte Cams als Sender und improvisierte Solarzellen als Empfänger über die Designs von Nano-Phagen für die Minifabs heruntergeladen wurden,

- die erfolgreiche Neutralisierung des 3. strategischen Kommandoknotens bei der erstmals der "seltsame Pfad des müden Hunters in Überzahl" erfolgreich angewendet wurde,

- die Selbstaufopferung Asram Güdans zur Rettung des Kinderlagers im blauen Sektor,

- der EVA-Treck der 30.000 um die halbe Station,

- die spektakuläre Evakuierung von 12.000 Bewohnern durch die Rama Gilde,

- der epische Zweikampf zwischen Condolezza Madrigal und dem Wächter der südlichen Vorhalle,

- der Überläufer G765998TN ("Gee") und sein unendlich wichtiger Beistand.

Die Rettung:

Ende 2727 gab Kisor die Blockade des Spacedomes auf. Wenige Monate zuvor war die Schlacht um die Erde für die Koalition verloren gegangen. Kisor hatte die Raumhoheit errungen und bereitete sich darauf vor, große Truppenkontingente zu landen. Durch die Verlagerung des Schwerpunktes zur Erde gewannen einige Asteroidenbasen ihre Handlungsfreiheit wieder. Einige, vor allem Survivalistenfraktionen, hatten sich jahrelang bedeckt gehalten und waren nicht entwaffnet worden. Die Bewohner von Ceres-Südpol überwältigen die kisorische Garnison mithilfe externer Survivalisten. Sie konnten daraufhin ganz Ceres befreien und gründeten die Solaren Befreiungsfront (SLF). Während Kisor Truppen in Europa landete, gelang es der Solaren Befreiungsfront weitere kleine Stationen im Asteroidengürtel zu übernehmen. Die meisten dieser Erfolge waren ohne strategische Bedeutung. Sie dienten nur der Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit, denn es handelte sich vor allem um Tankstationen, Rohstoffquellen für Minifabs und Nahrungsmittelproduzenten.

Eine der spektakulärsten Aktionen der Solaren Befreiungsfront war Mitte 2727 die Rettung der Überlebenden des Spacedomes. Zu diesem Zeitpunkt gab es weniger als 31.000 Überlebende und noch etwa 100 Nanokomplexe an 2 Kommandoknoten. Die kleine Rettungsflotte der SLF kämpfte sich durch die kisorischen Wachschiffe. Die verbliebene Wache bestand aus nur 4 Fregatten von denen 2 seit dem Kampf um die Erde beschädigt waren. Die SLF verlor einen leichten Zerstörer und der schwere Kreuzer, das Rückgrat der Flottille, nahm schweren Schaden. Der Kampf fand sehr nahe beim Spacedome statt, da die Kisori die Struktur als Ortungsdeckung nutzten. Unglücklicherweise detonierten die Sprengköpfe von Anti-Schiff Röntgenlasern der SLF in 5 km Entfernung vom Polarisbogen des Spacedomes. Der Polarisbogen wurde komplett zerstört und angrenzende Sektoren stark beschädigt. Im Spicaabschnitt verloren dabei 7145 Menschen ihr Leben. Die SLF landete mit schweren Bodentruppen und hielt die Nanokomplexe so lange in Schach, bis die Überlebenden in Sicherheit waren. 23.647 Menschen konnten schließlich gerettet werden.

Nach dem Krieg wurde der neue Dom um die Reste der alten Struktur herum gebaut. An vielen Stellen des Abwehrkampfes wurden Denkmäler errichtet. Die zentrale Gedenkstätte befindet sich in der neuen südlichen Vorhalle zur Blackstar-Hall.

Die Domgeister:

Obwohl dies alles nun schon lange her ist, gibt es immer wieder Gerüchte, dass einzelne Nanokomplexe überlebt haben. Fast vollständig deaktiviert könnten sie in Verstecken nach dem Krieg Säuberung und Umbau überdauert haben. Immerhin sind die autonomen Nanokomplexe intelligente Individuen mit Bewusstsein. Falls es noch welche gibt, dann verhalten sie sich sicher so vorsichtig, wie möglich. Sie wissen, dass jeder Zwischenfall gut ausgerüstete Polizeikräfte auf den Plan rufen würde. Tatsächlich gibt es im Spacedome unverhältnismäßig viele spontane Störungen im Energiesystem, meistens jedoch in Industriebereichen wo Verbrauchsspitzen und aktive Energiesicherungen alltäglich sind. In all den Jahren seit der abschließenden Säuberung wurde kein Nanokomplex mehr entdeckt. Aber man erzählt sich von Schatten und Bewegungen die aus Augenwinkeln wahrgenommen werden; von Gegenständen, die verschwinden; und wenn es in der Dunkelphase seltsame Geräusche gibt, dann fürchten sich viele Menschen davor, dass hinter der Wand ein Nano entlangschleicht. Mit anderen Worten: Es spukt im Spacedome.

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