2055 Gari Tata Skandal

Seit den 40er Jahren fahren Autos wirklich selbständig. Das funktioniert nicht nur auf geraden Strecken und Autobahnen, sondern auch auf Landstraßen und überall in den Städten. Wer ein Fahrzeug braucht, kann sich eines rufen. In der Stadt dauert es nicht länger als 5 Minuten, bis ein Auto vor der Tür steht. Es fährt vom nächstgelegenen Standort alleine her, bringt die Passagiere selbständig zum Ziel und fährt dann weiter zum nächsten Auftrag.

Immer weniger Autos werden an Privatleute verkauft. Die Gesamtzahl der Autos sinkt. Die Ressource Auto wird besser genutzt wird. Früher standen Autos die meiste Zeit auf der Straße vor dem Haus. Heute sind Autos ständig im Betrieb. Dafür werden weniger Einheiten gebraucht. Die Autoindustrie, die gerade erst die Umstellung auf Elektroantrieb verdaut hat, bekommt ein noch viel größeres Problem. Mitte der 40er Jahre setzt eine Konzentrationswelle ein. Autohersteller schließen sich zusammen oder werden von Autovermietern übernommen.

Fahrzeughersteller, die rechtzeitig auf die Vermietung gesetzt haben, werden zu modernen Mobilitätsanbietern mit eigener Hardwareproduktion. Andere Mobilitätsanbieter kaufen sich Fahrzeughersteller, um die Wertschöpfungskette zu verlängern. Eine hohe Verfügbarkeit der Fahrzeuge ist entscheidend. Deshalb müssen Mobilitätsanbieter einen großen Fahrzeugpool bieten. Gleichzeitig müssen die Anbieter überregional stark vertreten sein. Denn auch bei Individualfahrten zwischen Städten kann nur die genutzte Strecke abgerechnet werden, selbst wenn das Auto danach lange zurück fahren muss. Das führt zu Konzentration bei Mobilitätsanbietern durch einige der größten Firmenzusammenschlüsse aller Zeiten.

Um 2050 wird der Mobilitätsmarkt von wenigen Anbietern beherrscht. Einer davon ist Gari Tata, hervorgegangen aus der Mobilitätsplattform GariGari und Tata Motors. Gari Tata hat weltweit 1,6 Milliarden Kunden, davon 900 Millionen feste Abonnenten und fast 100 Millionen eigene Fahrzeuge. Kunden geben heute im Mittel nur noch 5% ihres Einkommens für Mobilität aus. Trotzdem entspricht der Umsatz von Gari Tata dem Bruttoinlandsprodukt eines großen EU-Mitgliedstaats.

Wie alle Mobilitätskonzerne bietet auch Gari Tata verschiedene Verträge, mit fester Laufzeit oder monatlicher Kündigungsfrist, mit festem Reichweitenkontingent oder abhängig von der Nutzung. Es gibt diverse Qualitätsklassen von Kleinwagen bis Cabrio. Wie in der Branche üblich, umfasst das Tarifsystem Bonusprogramme, Punktesysteme, Cross-Selling anderer Infrastrukturangebote und Kombitarife für integrierte Kommunikations-, Informations- und Mobilitätsleistungen (KIM-Flats). Die meisten Kunden haben nutzungsabhängige Tarife. Abgerechnet wird nach Zeit und Kilometer automatisch über das jeweilige mobile Gerät des Benutzers (Smart-Button, Ohrring, Armband, ePaper, Nili, Brille).

Im Jahr 2052 prüft das Magazin Urban Professional aus dem San Diego Megaplex die Leistungen mehrerer Mobilitätsanbieter durch Straßentests. Dabei fallen bei allen geprüften Unternehmen Abweichungen auf zwischen theoretischer Wegstrecke und abgerechneter Strecke. Die Abweichungen bewegen sich zwischen 1% und 3%. Das ist keine Überraschung, denn eine Toleranz von 3% ist in den meisten Ländern zulässig. Die Abweichung wird von vielen Stellen regelmäßig gemessen und veröffentlicht. Der entsprechende Verrechnungsfaktor wird von Preisvergleichsplattformen berücksichtigt. Nur Gari Tata fällt mit einer Diskrepanz von 4% auf. Das ist eigentlich nicht möglich, denn die Testlabors der Überwachungsstellen würden den Dienst so nicht zertifizieren. Urban Professional veröffentlich das Testergebnis von Gari Tata als statistischen Ausreißer.

Weltweit gibt es ständig Berichte über Qualität, Leistung und Kosten von Mobilitätsanbietern. Erst 2053 zeigt Gari Tatas Dienst wieder eine hohe Diskrepanz in einem Vergleich von MuMu (Mumbai Municipal). Nach mehreren Presseberichten lässt die indische Verkehrsbehörde den TÜV Bangalore intensive Labor- und Straßen- und Simulatortests durchführen. Dabei stellt sich heraus, dass die Abrechnung von Gari Tata auf dem Prüfstand und im Simulator korrekt ist und auch bei Straßentests nur unter bestimmten Bedingungen falsch liegt. Nach weiteren Untersuchungen taucht die Vermutung auf, dass der Abrechnungsalgorithmus zwischen Test- und Realbedingungen unterscheidet.

Gari Tata scheint verschiedene Kilometerzahlen zu verwenden, je nachdem, ob ein echter Fahrbetrieb stattfindet oder ein Test läuft. Nur bei echten Endkunden wird mit einer bis zu 6% höheren Kilometerzahl gerechnet. Anscheinend gleicht das Abrechnungssystem auch Kundenprofile und Kontonamen mit externen Datenbanken ab. Sogar bei freien Mitarbeitern von Mobilitätsmagazinen, die das Benutzerkonto von Familienangehörigen verwenden, fallen keine Ungereimtheiten auf. Die Abrechnungssoftware betreibt offensichtlich großen Aufwand, um echte Fahren von Testfahrten zu unterscheiden und die abweichende Berechnung zu verschleiern.

Nach einem Crapsturm in den Medien erklärt Gari Tata, dass bei Überprüfungen tatsächlich andere Kilometerangaben gelten, da bei Labortests auf dem Prüfstand keine realen Entfernungen gemessen werden können. Die indische Verkehrsbehörde akzeptiert die Erklärung und stellt nach einem bestandenen Wiederholungstest die Ermittlungen ein.

Aber die Verbraucherschützer lassen sich nicht so leicht abwimmeln. Die Erklärung von Gari Tata hat offensichtliche Lücken, da ja nicht nur Labortests betroffen sind. Allmählich gelingt es unabhängigen Testern, die Fehlabrechnung reproduzierbar nachzuweisen. Anfang 2054 verschwinden die Abweichungen plötzlich. Anscheinend hatte Gari Tata die Manipulation durch ein Softwareupdate weltweit abgeschaltet. Nur in den wenigen Simulatoren ohne Netzwerkverbindung bleibt der Fehler messbar. Durch diesen offensichtlichen Eingriff werden Regulierungsbehörden in mehreren Staaten aufmerksam. Ermittlungen beginnen. Es gibt Anfragen an den Konzern, Durchsuchungen, Vernehmungen und Beschlagnahme von Beweismitteln. Die Medien berichten ausführlich. Das Neukundengeschäft bricht ein.

Mitte 2054 gibt Gari Tata die Manipulation zu. Der Softwaredienstleister eines Zulieferers der malaysischen Privatkundentochter des Konzerns habe einen Abrechnungsalgorithmus entwickelt, der den Customer Lifetime Value optimiert. Die Auswahl des Dienstleisters durch den Zulieferer sei auf Basis einer Kosten/Nutzen Analyse geschehen ohne dass den Mitarbeitern von Gari Tata eine unerlaubte Manipulation angezeigt worden wäre. Unglücklicherweise habe die Softwarekomponente der Tochterfirma später weltweit in die Betriebsware der Fahrzeuge Eingang gefunden.

Die aufwändigen Verschleierungsmaßnahmen in der Abrechnungssoftware und die Protokolle der Softwareupdates lassen die Erklärung unglaubwürdig erscheinen. Der Umsatz geht um 10% zurück.

Vor allem Kunden mit kurzen Verträgen wechseln zu anderen Anbietern. In den meisten Regionen der Erde konkurrieren mehrere Unternehmen um das Mobilitätsbudget der Kunden. Die Leistung ist so standardisiert, dass sich die Angebote vor allem in Preis und Service unterscheiden. Ein Wechsel fällt nicht schwer.

In über 150 Ländern werden Verbraucherklagen und Rückforderungen gegen den Konzern eingereicht.

Die zugehörigen Ermittlungen führen zu weiteren Untersuchungen. Dabei kommt heraus, dass viele Ebenen an der Manipulation beteiligt waren. Verantwortliche und Mitwisser sitzen im Vorstand der GT-Holding, in Produktmanagement und Vertrieb, Entwicklung und Wartung, bei Zulieferern und in regionalen Töchtern. In rund 100 Ländern reicht die Staatsanwaltschaft Klage ein. Der Umsatz fällt um 20%.

Der Großteil der Gewinne von Gari Tata liegt in Staaten mit günstigen Steuerbedingungen. Der Konzern hatte Unternehmensanleihen ausgegeben, um Gewinne an die Aktionäre auszuschütten ohne bei Finanztransfers hohe Einkommenssteuern zahlen zu müssen. Diese Praxis läuft schon einige Jahre. Anleihen in der Höhe eines Jahresumsatzes stehen unversteuerte Guthaben von 120% entgegen.

Im Jahr 2055 werden Auslandsguthaben unter Verlusten repatriiert. Das geht nicht schnell genug. Die Holding kann nicht mehr alle Kredite bedienen. Der Aktienkurs stürzt ab.

Anleihen werden vorfällig. Eine Prognose ergibt eine deutliche Unterdeckung von steuerbereinigten Guthaben gegenüber den Verbindlichkeiten. Der Aktienkurs stürzt ins Bodenlose. In mindestens 50 Staaten wird der Konzern zu Strafen verurteilt. Die Gesamthöhe beträgt 80% eines Jahresumsatzes. Leitende Mitarbeiter werden angeklagt. Außerordentliche Vertragskündigungen von Bestandskunden lassen den Umsatz um 50% einbrechen.

Anfang 2056 erklärt die Holding Zahlungsunfähigkeit. Viele Regionalgesellschaften folgen. Der Betrieb wird eingestellt. Alle Kunden wechseln. Der Verkauf der Fahrzeugflotte verläuft schleppend.

Wenige Jahre später wird Gari Tata aus dem Firmenregister gelöscht.

Gegen den Leiter der indischen Verkehrsbehörde wird wegen Vorteilsnahme ermittelt. 80 weitere Mitarbeiter der Behörde werden entlassen.

In über 50 Staaten werden insgesamt ca. 300 Mitarbeiter von Gari Tata wegen Betrug verurteilt, ca. 500 wegen Verschwörung, 99 wegen organisiertem Verbrechen und 3 in Bhutan wegen fahrlässiger Reduzierung des Bruttonationalglücks.

In mehr als 70 Staaten der Erde werden Verbindungen zwischen Steueramnestien und Gari Tata Lobbyisten bekannt. Insgesamt treten weltweit zwei Minister und fünf Abgeordnete zurück.

Verbraucherschutz-INGOs (Independent-NGO) decken auch bei anderen Mobilitätsanbietern Optimierungen auf, die höhere Average Customer Lifetime Values realisieren. Es stellt sich heraus, dass die anderen Anbieter bei der Manipulation der Abrechnung nur etwas defensiver vorgehen als Gari Tata und vor allem noch bessere Algorithmen zur Testdetektion verwenden.

#Skandal #Mobilität #Betrug #Wirtschaft

http://jmp1.de/h2055

2101 Smart Fusion

Die Geschichte der Fusionsenergie hat Höhen und Tiefen, vor allem aber Längen. Neue physikalische Ansätze führen schneller zum Ziel, als die großen teuren Tokamaks. Dezentralisierte Fusionsanlagen lösen Gigawatt-Kraftwerke ab. Hot Fusion wird Smart.

Viele Jahrzehnte wird die Fusionsforschung durch den Toroid-Ansatz dominiert. Mit Tokamak und Stellarator gibt es schnelle Anfangserfolge. Aber spätestens in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wird klar, dass die frühen Versprechen nicht eingehalten werden können. Trotzdem wird weiterhin sehr viel Geld in riesige Fusionsexperimente investiert.

Während sich die Torus-orientierte Forschung in die Länge zieht und Generationen von Plasmaphysikern beschäftigt, entsteht in den 2000er Jahren eine Welle von neuen Ansätzen zur Kernfusion. Die klassische Tokamakforschung versucht, immer heißere und längere Plasmazustände zu schaffen, um wenigstens einige Teilchen zur Fusion zu bringen. Das Prinzip besteht darin, ein Plasma durch Druck und zusätzliche Heizung viele Millionen Grad heiß zu machen. Deshalb wird sie Hot Fusion genannt.

Im Gegensatz dazu konzentrieren sich die neuen Smart Fusion genannten Ansätze darauf, dem Fusionsbrennstoff genau die richtige Energie mit auf den Weg zu geben und den Großteil des Plasmas für Fusion zu aktivieren. Auch Smart Fusion Technologien verwenden heißes Plasma. Manche aber in Form von schnellen Ionen bei denen die Teilchengeschwindigkeit nicht durch Heizung, sondern durch Hochspannung erreicht wird. Das ist physikalisch günstiger, deshalb "smart".

Schnell gibt es mehrere Smart Fusion Methoden mit ganz unterschiedlichen Charakteristiken. Allen gemeinsam ist aber, dass sie im Gegensatz zum klassischen Tokamak

- für neutronenfreie Fusionsprozesse geeignet sind und fast keine Radioaktivität erzeugen,

- direkt elektrische Energie liefern ohne den Umweg über eine Dampfturbine,

- kompakter, günstiger und für eine dezentrale Energieversorgung geeignet sind.

Smart Fusion Forschung findet für einige Jahrzehnte im Schatten der Tokamakforschung statt. Die Hot Fusion Flaggschiff-Projekte mobilisieren 100 Mal mehr finanzielle Mittel, als Smart Fusion Projekte. Trotzdem übertreffen die Kennzahlen von Smart Fusion bald die von Hot Fusion. Das liegt nicht nur an den langen Bauzeiten für große Tokamaks, sondern auch an den günstigeren physikalischen Ausgangsbedingungen.

Anfang der 20er Jahre erreichen mehrere Smart Fusion Projekte den Break-Even für den Fusionsprozess in Testkonfigurationen. Das sind noch lange keine Kraftwerke. Aber der Weg ist klar und das Ziel schon nah. Zehn Jahre später erreichen einige Forschungsreaktoren den Break-Even mit kompletten Systemen.

Nach diesen Erfolgen tritt Smart Fusion aus dem Schatten der Tokamaks. Um 2035 entsteht eine Welle von Fusion-Startups durch Ausgründungen von wissenschaftlichen Instituten und Tochtergesellschaften von Energiekonzernen. Große Investitionen fließen in Smart Fusion Projekte. Die Planung für den Tokamak-Reaktor DEMO als ITER-Nachfolger wird gestoppt.

Die Welt hungert nach Energie. Aus den Forschungsreaktoren werden in relativ kurzer Zeit Demonstratoren für kommerzielle Reaktoren entwickelt. Gegen 2040 gehen mehrere Reaktoren mit Leistungen von 50 bis 200 Megawatt in Betrieb.

Die meisten Reaktoren verwenden den Proton-Bor11 Prozess, der keine Neutronen erzeugt und damit kaum radioaktive Strahlung produziert. Die Fusionsprodukte sind Alphateilchen, geladene Heliumkerne mit hoher Energie. Sie können direkt in Strom umgewandelt werden durch inverse Zyklotrons und Linacs. Damit entfällt der Zwischenschritt über Wärmetauscher und Dampfturbine. Der Wirkungsgrad der Stromumwandlung ist 80%.

Die wichtigsten Technologien sind:

- Elektrostatischer Einschluss mit virtueller Anode (IEC)

- Selbstfokussierender Einschluss unter Ausnutzung natürlicher Plasmainstabilitäten (DPF)

- Kollidierende Plasmaringe in zylindrischem Einschluss mit umgekehrter Feldkonfiguration (FRC)

- Laserbeschleuniger für Protonen mit Borplasma-Target (LAF)

Mitte des Jahrhunderts gehen die ersten großen kommerzielle Reaktoren mit einer Leistung von 500 MW in den Regelbetrieb. Andere Technologien ermöglichen auch Kraftwerke mit 5 MW. Zwischen 2050 und 2055 laufen die meisten Patente für die technologischen Grundlagen von Fusionsreaktoren aus. Das ermöglicht vielen neuen Anbietern den Markteintritt. Es entsteht eine lebendige Dienstleistungsinfrastruktur für Wartung, Betrieb, Sicherheitsüberwachung und Brennmittel. Schon 15 Jahre später, um 2065 liefern kommerzielle Fusionskraftwerke die Hälfte der Grundlast.

Die Versorgungsstruktur ist regional sehr unterschiedlich. In manche Regionen gibt es Kraftwerkszentren, die die Energieerzeugung bündeln und die bestehende Netzinfrastruktur weiterverwenden. Andere Regionen und einzelne Städte verlassen sich auf kleinere lokale Kraftwerksblöcke im 50-100 MW Bereich. Dort werden die alten Überlandleitungen sogar abgebaut.

Beim Ausfall der Netze ab 2070 sind Fusionskraftwerke betroffen wie alle Kraftwerke. Bis auf wenige Ausnahmen sind Kraftwerkssteuerungen auf Informations- und Stromnetze angewiesen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kraftwerkstypen, von Erneuerbaren über Verbrennung- bis zu Fissionskraftwerken, brauchen Fusionskraftwerke auch eine starke Stromquelle zum Betrieb. Der Fusionsprozess wird durch Ionenheizung, Magnetfelder, Laser, gekühlte Supraleiter und Starkstromentladungen am Leben gehalten. All diese Techniken brauchen Stromquellen. Fusionskraftwerke sind gewissermaßen Energieverstärker. Während große Windkraftanlagen ohne eigene Stromversorgung 10 Megawatt produzieren können, braucht ein 10 MW Fusionsreaktor ein Megawatt Strom zum Betrieb. In der Krisensituation ist die Umrüstung von Kraftwerken auf autarken Betrieb besonders schwierig. Bei Fusionsanlagen kommt noch das Problem des Betriebsstroms hinzu.

Es dauert viele Jahre bis wieder Strom aus Fusionskraftwerken kommt. Fusionskraftwerke sind sehr neu und deshalb noch mehr von Informationsnetzen abhängig als ältere Typen. Die Steuersoftware muss umgeschrieben werden. Das geht nur mit Strom und moderner Ausrüstung. Dann müssen Schäden behoben werden, die während der Krise und der langen Standzeit aufgetreten sind. Die Ersatzteilbeschaffung ist sehr schwierig. Es geht nicht nur um elektronische Bauteile, Turbinen, Getriebe oder Leitungen, sondern je nach Fusionstechnologie auch um Supraleiter, Vakuumpumpen, Halbleiterlaser, nanometergenaue Hochspannungsanoden aus seltenen Erden und viele andere High-Tech Komponenten.

Zu Beginn der Krise war schon 60% der Stromversorgung auf Fusion umgestellt. Das war aber regional sehr unterschiedlich. In Europa hatte man traditionell viel Wert gelegt auf regenerative Energien und bei Fusion auch auf Dezentralisierung. Dort herrschen kleinere Anlagen vor, die weniger Betriebsstrom brauchen. Dieser kommt irgendwann wieder aus den anderen reaktivierten Kraftwerken und die Fusionskraftwerke laufen wieder an. In den spät industrialisierten Regionen Afrikas und Asiens dominieren Großkraftwerke und Kraftwerkskomplexe. Die Wiederinbetriebnahme dauert teilweise bis zu 40 Jahre.

Zu Beginn des 22. Jahrhunderts kämpfen manche Länder und Regionen noch um die Wiederherstellung ihrer High-Tech Infrastruktur. Andere haben schon Ressourcen, um die Fusionstechnologie weiterzuentwickeln. Nach den Erfahrungen der Krise konzentriert sich die Forschung auf kleinere Anlagen und Dezentralisierung. Kurz nach 2100 werden 100 kW Fusionsbrenner marktfähig. Sie sind für die Versorgung einzelner Häuser geeignet. Ein Mikro-Kraftwerk hat die Größe eines Kleintransporters. Damit hat es eine geringere Energiedichte als ein Verbrennungsmotor oder ein alter Gasbrenner. Aber im Gegensatz zu fossilen Kraftwerken läuft ein Fusionsgenerator jahrelang mit einer Wasserstoff/Bor11-Kartusche und erzeugt nur ungefährliches Helium-Gas als Abfallprodukt.

Als um 2120 die Wirtschaftsleistung der Welt wieder das Vorkrisenniveau erreicht, liefert Smart Fusion 80 % des Stroms. Wirtschaft und Wohlstand wachsen weiter. Der Energiebedarf verdoppelt sich alle 15 Jahre. Große IEC Anlagen im Gigawatt Bereich werden ergänzt durch 100 kW DPFs. Strom und Energie sind kein Flaschenhals mehr für Wachstum und Wohlstand.

#Fusion #Energie #Wissenschaft #Wirtschaft #Krise

http://jmp1.de/h2101

2501 Frühe extraplanetare Forschungsmissionen

In unserem Bereich der Milchstraße ist viel Platz zwischen den Sternen. Die Umlaufbahnen der äußeren Planeten passen da 10.000 Mal hinein. Der interstellare Raum ist riesengroß. Ein Volumen tausend Milliarden mal so groß wie das Sonnensystem. Und es ist nicht leer. Außerhalb der regulären Planeten gibt es weitere Kleinplaneten und den Kuiper-Gürtel. Noch weiter im extraplanetaren Raum die Oort'sche Wolke und die Baqannoo-Sphäre.

Es gibt Irrläufer-Objekte, Asteroiden, Planeten, braune Zwerge, Pulsare, Uraniden, Häufungen dunkler Materie und andere exotische Dinge, sogar technische Installationen, wie man viel später herausfindet. Es gibt viel zu entdecken und zu erforschen. Aber die Entfernungen sind gewaltig. Die meisten Objekte sind zu weit weg für Rückstoßtriebwerke.

Mitte des dritten Jahrtausends hat sich der Raumschiffantrieb nach dem Raumkrümmer-Prinzip etabliert. Anfangs wurde er für Expressfrachten auf Diagonalstrecken verwendet, mit effektiven Geschwindigkeiten, die weit unter der Lichtgeschwindigkeit lagen. Heute kommen uns die ersten Raumkrümmer vor, wie der Flug der ersten Doppeldecker-Flugzeuge. Die Schiffe waren damals noch mit einem Tausendstel der Lichtgeschwindigkeit unterwegs. Sie waren sehr klobig, teuer und unzuverlässig. Das ist 120 Jahre her. Seitdem hat sich viel getan. Frachter sind mit 2% c inzwischen 20-mal schneller. Die Antriebe sind zuverlässig und sie laufen bei dieser Geschwindigkeit auch im Dauerbetrieb.

Theoretisch fliegt man heute sogar (effektiv) viermal so schnell sind wie das Licht. Damit kommt man schon weit in die Oort'sche Wolke. Aber diese Technologie ist an der Grenze des Machbaren. Sie ist noch nicht für Dauerlast geeignet und kann deshalb nicht auf langen Strecken eingesetzt werden, jedenfalls nicht ohne Risiko.

Seit es Raumkrümmer gibt, haben astrophysikalische Forschungsexpeditionen die Grenzen der Antriebe ausgetestet. Die Wissenschaftler finden immer wieder neue interessante Ziele in der näheren Umgebung. Und um dort hinzukommen gehen sie an die Grenze des Möglichen. Astrophysikalische Expeditionen sind auch oft gleichzeitig Belastungstests für die nächste Antriebsgeneration.

Viele Organisationen sind aktiv in Astronomie und Astrophysik. Mit interplanetaren Instrumenten kann man heute sehr weit und sehr genau sehen. Und Raumkrümmer bieten nun die Möglichkeit, die astronomischen Entdeckungen in der näheren interstellaren Umgebung der Sonne, dem extraplanetaren Raum, zu besuchen. Es gibt im Lauf der Zeit viele Flüge zu extraplanetaren Zielen. Es gibt wissenschaftliche Expeditionen, geheime militärische Missionen,  private Unternehmen und auch spektakuläre Fehlschläge.

Mit neuen Triebwerken immer weiter hinaus zu fliegen in den interstellaren Raum zwischen den Sternen gehört zu den letzten großen Abenteuern. Hat man ein technisches Problem und geht der Antrieb kaputt, dann kann man im Nichts stranden, Lichtwochen oder Lichtmonate von Hilfe entfernt. Sogar die Nachricht von der Havarie braucht dann Monate bis nach Hause. Schnelle Rettung ist unwahrscheinlich. Man kann nicht mal eben ein Schiff in ein paar Kubik-Lichtmonaten aufspüren. Sogar das Peilsignal ist wochenlang unterwegs. Und es gibt sowieso nicht viele Schiffe, die verfügbar und leistungsfähig genug sind für eine Rettungsmission.

Hier einige bemerkenswerte Expeditionen in den ersten 100 Jahren intrastellarer Reisen:

- Pontos (früher: neunter Planet), das Eiswunder. Pontos ist ein Eisplanet. Er wurde vor hunderten Millionen Jahren von einem marsgroßen Körper getroffen. Die kinetische Energie verflüssigte den gesamten Planeten und für einige Millionen Jahre sorgte der langsam abkühlende Kern dafür, dass seine 1000 Kilometer dicke Ammoniak-Wassereis-Hülle eine Zeit der Tektonik und des Wetters erlebte. Inzwischen ist alles wieder erstarrt zu einer faszinierenden Eislandschaft.

Eine Expedition besuchte Pontos 2390. Sie entdeckte die Eislandschaften. Auf dem Rückweg gab es ein Problem mit dem Antrieb. 1000 AU vom inneren System strandete die Gahara Sthaan IX mit ihrer Mech-Besatzung. Die Infomorphe wurden 37 Jahre später durch eine Rettungsmission evakuiert.

Trivia: Pontos wurde benannt nach einem alten griechischen Meeresgott.  Man wählte absichtlich einen Namen mit "P", um Pluto in Abzählreimen zu ersetzen.

- Tyche, ein brauner Zwerg in 1,1 Lichtjahren Entfernung von der Sonne (=80.000 AU). Tyche ist gravitativ an unsere Sonne gebunden. Er befindet sich auf einer sehr weiten Umlaufbahn. Tyche hat 15 Jupitermassen. Er ist ein sehr kleiner und kalter brauner Zwerg. Tyche hat eine mittlere Oberflächentemperatur von -20 Grad Celsius. Er wurde zuerst 2493 besucht. Tyche hat vier Trabanten (Monde oder Planeten, je nach Sichtweise) von denen einige wieder eigene Monde haben. Auf einem Mond von Tyche A gibt es im späten 27. Jahrhundert eine permanente Forschungsstation. Die Wissenschaftler studieren die Möglichkeit von nativem Leben auf Tyche an einigen heißen Quellen mit flüssigem Wasser.

Trivia: der Name Tyche bezeichnete ursprünglich einen hypothetischen Planeten in der Oort'schen Wolke, der durch seinen Gravitationseinfluss Kometen mit langer Periode produziert. Eine statistische Analyse der Bahnparameter führte im 20. Jahrhundert zur Tyche-Theorie. Die Theorie wurde nach einer Durchmusterung mit Infrarot-Teleskopen im 21. Jahrhundert verworfen. Der heute Tyche genannte Himmelskörper ist viel weiter entfernt als der hypothetische Tyche des 20. Jahrhunderts. Auch er stört Bahnen in der Oort'schen Wolke und löst Kometen aus, aber ohne die statistische Auffälligkeit. Diese stellte sich später als Oszillation in der Oort'schen Wolke selbst heraus. Tyche entspricht auch nicht dem früher vermuteten periodischen Oort-Störer, der das Dinosauriersterben verursacht haben soll.

- Bis in eine Entfernung von 2 Lichtjahren gibt es mehrere planetenartige Himmelskörper. Bei den meisten handelt es sich um eingefangene Irrläufer-Planeten mit weiten elliptischen Umlaufbahnen. Die Irrläufer entstanden vor langer Zeit bei anderen Sonnen und wurden durch verschiedene Effekte aus ihrem System katapultiert. Die Größe reicht von kleinen Merkur-großen Gesteinsplaneten über gefrorene Gasriesen bis zu braunen Zwergen. Sie bilden zusammen die sogenannte Baqannoo-Sphäre (nach Iddo Baqannoo). Pontos und Tyche sind die bekanntesten Vertreter der Baqannoo-Sphäre.

Inzwischen sind über 300 Objekte bekannt. Abgesehen von Pontos und Tyche wurden in den ersten Jahren der extraplanetaren Erkundung nur drei der Objekte besucht. Eine vierte Expedition ist verschollen. Es gibt keine Hinweise auf den Verbleib. Der Kontakt brach auf dem Hinflug in einer Entfernung von 4000 AU plötzlich ab.

Trivia: Spätestens mit dem Nachweis des vierten Baqannoo-Objekts wurde die Stellung von Pontos als neunter Planet in Frage gestellt. Als im Lauf der Zeit immer mehr semi-gebundene interstellare planetenartige Objekte entdeckt wurden und die Baqannoo-Sphäre Gestalt annahm, wurde Pontos von der Internationalen Astronomischen Union als Semiplanet klassifiziert und verlor damit seinen Status als neunter Planet des Sonnensystems.

- ein alter Pulsar in 1,5 Lichtjahren Entfernung, Katalogbezeichnung XA-2314c-M. Die Rotationsperiode des Pulsars beträgt 4,2 Sekunden. Der Strahl-Konus ist nicht in das innere Sonnensystem gerichtet. Deshalb wurde er sehr spät entdeckt. Das erste Signal war eine Reflexion an einem Baqannoo-Sphären Objekt. Erstmals besucht 2443 durch Starprobe: ein Vorbeiflug von Nanosonden mit 30.000 km/s. Der erste dauerhafte Besuch war die Expedition der Kublai-Khan im Jahr 2498.

- Uraniden, Kometenkerne der Oort'schen Wolke mit einem ungewöhnlich hohem Urananteil. Die Zerfallswärme des Urans sorgt für flüssiges Wasser im Inneren des Kometenkerns. Das Wasser moderiert die Neutronen der Uran-Fission und hält so einen natürlichen Atomreaktor am Leben. Entdeckt wurden Uraniden im Jahr 2373 durch eine Explosion als ein Kern überkritisch wurde und mit einer natürlichen 5 kt Explosion auf sich aufmerksam machte. Die Explosion wurde von Gammadetektoren im System registriert. Daraufhin konnte man die zugehörigen optischen, Infrarot- und Neutrinosignale in permanent laufenden Experimenten finden und über Triangulation die Position bestimmen.

Es gibt mehrere Uraniden. Der nächste ist 2.800 AU entfernt. Die Uraniden entstanden als eine Supernova schwere Elemente auf einem ihrer Eisriesen deponierte. Der Planet brach dabei auseinander und die Trümmer verteilten sich im interstellaren Raum. Einige Millionen Jahre später wurden einige dann von unserer Sonne eingefangen. Bei einer Expedition zu BA-2421j-U im Jahr 2477 wurden Proben genommen. Dank der vielen Proben und der großen Menge verschiedener Isotope und Zerfallsketten konnte man den Zeitpunkt der Supernova-Explosion auf 10 Stellen genau bestimmen. Die Supernova fand statt im Jahr 8.131.606 vor unserer Zeitrechnung am 31. März um 13:29 h +/- 7 Minuten, also zwischen 13:22 h und 13:36 h GMT.

- ein besonders exotisches extraplanetares Objekt ist die Shen-Senke (nach dem Astronomen Shen Li) in 22.000 AU Entfernung. Die Senke ist eine Häufung ultrakalter dunkler Materie. Sie wurde im Jahr 2289 entdeckt durch ein zufälliges Gravitationslinsen-Ereignis. Die dunkle Materie macht sich nur gravitativ bemerkbar. Sie entspricht der Masse des Neptuns und hat eine Ausdehnung von 3 Millionen Kilometern.

Dunkle Materie sollte eigentlich nicht so kompakt auftreten. Da sie nicht mit sich selbst interagiert und deshalb keine inelastischer Stöße vorkommen, gibt es keine bremsenden, bzw. klumpenden Effekte. Die Masse der Shen-Senke muss durch einen unbekannten Effekt abgebremst worden sein. Ihre Konstituenten haben sehr geringe Relativgeschwindigkeiten und befinden sich nun quasi frei auf benachbarten Trajektorien um unsere Sonne.

Das Ultrateleskop BISON erkennt 2413 mehrere Satelliten, eingefangene Oort-Objekte, in weiten Orbits um die Gravitationssenke und einen Asteroiden, der innerhalb der Senke kurioserweise fast linear durch das kräftefreie Zentrum oszilliert. In den Jahr 2484 wird die Shen-Senke von zwei konkurrierenden Expeditionen besucht und genau vermessen (Tsegaye-Gubennya-13 vom Astrophysikalischen Institut des Jupiter-Orbital Mek’ele und Scott-Gravity-Research-A/Isle of Sol/Venus). Die Terra Nova, das Schiff von Scott-Gravity, erreicht die Shen-Senke wenige Wochen nach Tsegaye-Gubennya.

Auf dem Rückflug trifft die Terra Nova auf eine weitere unbekannte Gravitationssenke, heute bekannt als Terra Nova Riff. Die bis dahin unbekannte Gravitationsanomalie ist kompakter als die Shen-Senke mit weniger Masse und  Ausdehnung. Heute wissen wir, dass sie, wie mehrere andere kleinere Senken, die Shen-Senke umkreist. Die Terra Nova läuft mit voller Reisegeschwindigkeit und ohne Vorwarnung in die Senke. Die fraktalen Raumverzerrungen des Antriebs lösen eine heftige Reaktion in den Konstituenten der Senke aus. Diese bestehen zwar nicht aus baryonischer Materie, aber sie reagieren auf gravitative Raumverzerrungen. Die Explosion der Terra Nova ist mit solaren Großteleskopen gut zu sehen.

Seit der Terra Nova Katastrophe vermutet man, dass es noch viele weitere Häufungen dunkler Materie im extraplanetaren Raum gibt. Gravitationssenken sind aber schwer zu entdecken. Sie sind letztlich nur leerer Raum mit einem flachen Gravitationspotential.

#Planet #Reisen #Wissenschaft #Irrläufer #Interstellar #ExotischeObjekte

http://jmp1.de/h2501

2626 Erster Besuch im Sektorzentrum

Eine Expedition besucht Kisor, das 2 Planeten-Reich, später auch Kisor-Zwillinge genannt. Kisor ist das imperiale Regionalzentrum und damit die lokale Ordnungsmacht.

Nach den Erfahrungen mit der Artu-Domäne und extrasolaren Piraten im Solsystem ist es die wichtigste Aufgabe der Koalition, Beziehungen zu Völkern aufzubauen, die den Menschen bei Angriffen beistehen können. Man hofft, dass die Kisor-Zwillinge als lokaler Vertreter des Imperiums diese Rolle übernehmen werden.

Die Koalition mietet ein Interstellarschiff von einem Schiffsvermieter der Babur III Harmonie / Thoris. Das Schiff benötigt für die Reise zum Kisor-System 10 Tage. Ein Schiff aus solarer Produktion hätte eher 2 Jahre gebraucht.

Das Botschaftsschiff der Koalition erreicht das Kisor System senkrecht zur Ekliptik. Man nähert sich vorsichtig an. Ab einer Entfernung von 2 Lichttagen (ca. 25 Milliarden km) hält das Schiff jede Lichtstunde an, sendet seine Kennung und wartet auf Antwort. Man geht davon aus, dass die Behörden Kisors die Schiffskennung zuordnen können, denn das Schiff hat einen imperialen Transponder. Bei 10 Lichtstunden Abstand empfängt man die Anweisungen der Flugleitzentrale, auf einen Lotsen zu warten. Nach 30 Stunden nähert sich ein Kurierschiff. Über eine flexible Andockröhre wechselt der kisorische Lotse mit zwei Begleitern auf das Botschaftsschiff. Der Lotse geleitet das solare Schiff in das innere System. Dort wird ein Parkorbit um einen Altur-Mond zugewiesen.

Das System ist wie erwartet gut ausgebaut und industrialisiert. Auffällig sind die gewaltigen Verladeterminals im interplanetaren Raum und der interstellare Frachtverkehr. Die Terminals lernt man später als Umschlagplätze der kisorischen Handelsgilden kennen. Es gibt zwei bewohnbare Planeten, Kisor-Alpha, der Ursprung des Volkes und Kisor-Beta, der innere Planet, der Alpha angepasst wurde. Das Kisor-System hat mehrere Asteroidengürtel, einer davon rotiert als Teil des Ringsystems um den Gasriesen Altur. In den Asteroidengürteln gibt es sehr viel Aktivität. Das meiste davon ist automatisiert. Die Bevölkerung konzentriert sich auf die zwei bewohnbaren Planeten. Nur kleine Siedlungen sind im System verstreut. Es fehlen die orbitalen Habitate und freien Bereiche, die man inzwischen von anderen hochentwickelten Systemen kennt.

Die Menschen werden freundlich empfangen. Ein Mitarbeiter der kisorischen Ausländerbehörde legt einen Vorgang an und nimmt den Fall auf. Das Aktenzeichen für die solare Menschheit: S206297ER. Die Ankunft der Menschen wird geheim gehalten, um keine weiteren Besuche von Abenteurern im Solsystem auszulösen.

Die Botschafterin der solaren Koalition bekommt keinen Zugang zu höheren Stellen.

Nach vier Wochen müssen die Menschen wieder abfliegen, da der Mietvertrag für das Botschaftsschiff ausläuft und die Schiffsverleiher der Babur-Harmonie bei Vertragsüberziehung hohe Zuzahlungen verlangen würden.

In den nächsten 20 Jahren gibt es nur sporadisch Kontakte zwischen Menschen und Kisor. Das Solsystem erhält keine Hilfe gegen Übergriffe von außen.

Dann zieht eine neue Gefahr zieht auf. Ab 2643 werden mehrere Außenposten und Kolonien der Menschen von Kelreci angegriffen. Die Kelreci sind den Neobarbaren zuzurechnen. Das sind Völker und Fraktionen, die sich fremde Raumfahrttechnik angeeignet haben, aber für die Verantwortung noch nicht reif waren. Sie haben für hochentwickelte Zivilisationen ein mangelhaftes Moralempfinden und plündern jetzt zivilisierte Systeme. Vor allem interstellare Neulinge wie das Solsystem sind der neuen Bedrohung hilflos ausgesetzt. Die Neobarbaren verfügen oft über moderne interstellare Technik, entwendet aus Beständen des Imperiums, das sich seit einiger Zeit nicht mehr genügend um seine Außenbereiche kümmert. Das Solsystem ist dagegen noch technisch unterentwickelt, aber reich an Bevölkerung und Ressourcen.

Die Kelreci arbeiten sich durch die interstellare Nachbarschaft des Solsystems. Betroffen sind vor allem die solaren Kolonien in Richtung des Kelrec-Heimatplaneten Miro. Die Kelreci unterscheiden dabei nicht zwischen den verschiedenen irdischen Ethnien, die sich in den von Menschen kolonisierten Systemen niedergelassen haben. Die Bedrohung betrifft die gesamte Menschheit. Ein Angriff auf das Solsystem wird ab 2647 jederzeit erwartet.

Später stellt sich heraus, dass der Verwaltungsvorgang S206297ER, den die formale Anmeldung von 2626 initiiert hatte, ordnungsgemäß durch die imperiale Regionalverwaltung gelaufen war. Im Jahr 2647 erhält das Solsystem den Status eines imperialen Mitgliedsvolkes Kategorie 18. Ein Kurier überbringt der Koalition die offizielle Mitteilung über die Statusänderung. Dieser Kurier beobachtet die Verteidigungsanstrengungen der Menschen und berichtet bei seiner Rückkehr über die Bedrohungssituation im Solsystem. Daraufhin wird Kisor aktiv, entsprechend den imperialen "Vorschriften zum Schutz von Mitgliedsvölkern der Kategorie 17 bis 19", die "substantielle Hilfe zur Abwendung existentieller externer Bedrohungen" vorsehen.

Zwei Jahre vor dem größten Angriff auf das Solsystem, beginnen die Kisor-Zwillinge die solare Menschheit aufzurüsten. Kisors Truppen greifen nie direkt ein. Aber mit der technischen Hilfe von zehntausenden kisorischen Beratern kann die Kelrec-Bedrohung schließlich abgewendet werden. 

#Reise #Diplomatie #Interstellar #Bedrohung #Rettung

http://jmp1.de/h2626

2503 Arizona Krater Relikte

Im Jahr 2503 stößt man bei Erdarbeiten in der Umgebung des Arizona-Meteorkraters auf die Reste eines Artefakts außerirdischen Ursprungs.

In 35 m Tiefe, 3 Kilometer nordöstlich des Kraterzentrums werden die Reste einer Raumkapsel gefunden. Die Kapsel war ursprünglich ein Ellipsoid von 3 m Länge mit einer 20 cm dicken keramischen Hülle. Die Hülle war in mehrere Stücke zerbrochen, während das Innere der Kapsel weitgehend zerstört war. Nach diesem Fund wird die Umgebung im Umkreis von 20 km systematisch durch Tiefenscans untersucht und die Reste von 2 weiteren Kapseln gefunden. Die beiden Kapseln liegen in 5 und 12 km Entfernung vom Krater in 20, bzw. 15 m Tiefe.

Die Kapseln stehen zeitlich mit dem Krater im Zusammenhang. Sie sind vor dem Auftreffen des Meteors auf dem Boden aufgeschlagen, schufen dabei selbst 10-15 m tiefe Einschlagslöcher und wurden kurz danach vom Kraterauswurf bedeckt. Die Kapseln sind vermutlich beim Auftreffen zerborsten. Sie bestanden aus einer sehr widerstandsfähigen Keramik, die sowohl thermisch isolierende und schockresistente, als auch plastische Eigenschaften zeigt. Die Ausrüstung wurde durch den Aufschlag zerstört, eine eventuelle Besatzung durch die Verzögerungskräfte (bis 100.000 g) getötet. Glühende Gesteinstrümmer vom Meteorkrater verwischten weitgehend die Reste des Inhalts der aufgebrochenen Kapseln.

Man nimmt an, dass die Kapseln mit dem Arizona Meteor kamen und kurz vor dem Aufschlag als Rettungskapseln den Meteor verließen. Sie starteten aber zu spät, um den Aufschlag zu vermeiden. Vom Arizona Meteor wurden schon vor mehreren hundert Jahren die üblichen Meteoritenreste, aber keine ungewöhnlichen Spuren, gefunden. Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen, dass der Krater vom Einschlag eines Raumschiffs statt eines Meteors verursacht wurde.

Lage und Einschusswinkel der Kapseln in den Boden unter der Trümmerschicht deuten auf eine sehr geringe Relativbewegung der Kapseln gegenüber dem Meteor hin. Womöglich gelangte der 50 m große Meteor durch einen Unfall auf Kollisionskurs mit der Erde und die drei (?) gerade dort befindlichen Wesen konnten zwar die Rettungskapseln erreichen, sich aber ohne eigenen Antrieb nicht rechtzeitig absetzen.

Es liegen keine weiteren Informationen über die Herkunft der Wesen vor. Es gibt weder zeitliche noch technologische Korrelationen mit anderen Artefakten oder Ereignissen im Sonnensystem. Wir wissen nicht wer die Wesen waren, was sie im Sonnensystem taten, ob sie den Arizona Meteor selbst auf Kollisionskurs brachten oder ob sie nur Beobachter waren.

#Meteor #Krater #Aliens

http://jmp1.de/h2503

2390 Pontus Mission: Forschungsexpedition zum neunten Planeten

Calixtos Kamikatsu an Bord der Gahara Sthaan IX auf dem Rückflug von Pontus, Planet 9, 2390, private Nachricht:

Hallo meine Liebe,

jetzt sind es nur noch 1000 AU bis nach Hause. Ein knappes Jahr. Pontus war der Wahnsinn. Wir sind alle noch ganz geflasht. Optisch war nicht viel. Tausend astronomische Einheiten von der Sonne entfernt muss man schon sehr genau hinsehen, um etwas zu erkennen. Aber im Infrarot haben wir alles in voller Schönheit gesehen. Drinnen im Sonnensystem sind Gasriesen mit dicken Atmosphären, Wolkenbändern und Stürmen. Hier draußen, so weit von der Sonne entfernt, ist nur Eis. Die ganze Atmosphäre ist gefroren. Pontus ist ein Eis-Riese.

Aber Pontus ist nicht einfach ein Eisklumpen. Es gibt Gebirge, Schluchten, Geröllfelder, sogar Sandwüsten mit Dünen aus feinen Eiskörnchen, wie Diamantstaub. Alles ist aus Eis, verschiedenes Eis. Wassereis ist bei diesen Temperaturen steinhart. Wassereis spielt hier die Rolle von Stein und Felsen. Es gibt Eis-Vulkane aus denen in der Vergangenheit ein Wasser-Ammoniak-Gemisch als Lava emporgeschleudert wurde.

Pontus hatte offensichtlich auch einmal Plattentektonik, die gewaltige Eisgebirge aufgeschoben hat. In den aktiven Phasen von Pontus gab es sogar Wetter, gewaltiges Wetter. Ammoniak-Regen hat tiefe Canyons aus den Wasser-Gebirgen ausgewaschen. Der Grand-Canyon kann sich darin verstecken. Das Valles Marineris auch. Und nicht zu vergessen, das Theia-Becken. Ein Krater größer als die Erde. Vor Urzeiten muss da ein marsgroßes Objekt reingekracht sein. Das war sicher ein kataklysmisches Ereignis. Es hat den ganzen Planeten zum Schmelzen gebracht. Danach war der Planet Millionen Jahre lang aktiv. Mit Vulkanismus, Plattentektonik, Wetter, Regen, Flüssen, Meeren. Das war die Zeit in der all das entstanden ist, was wir heute sehen. Von den Gebirgsketten und den Vulkanen bis zu den Wassereis-Sandkörnern an den Stränden der Ammoniak-Meere.

Und dann natürlich die Skulpturen. Wo Eis aus dem Boden austritt, friert es in allen möglichen Formen. Es gibt fast geometrische Kegel, die innen einen Wasserkanal haben und darum herum immer weiter gewachsen sind. Es gibt schlanke Säulen, ganze Felder von Eissäulen, wie von den alten Griechen hingestellt. Und Figuren und Skulpturen, unendlich viele Formen. Manche sind weiß wie Schnee durch feine Luftbläschen. Viele sind durchsichtig, die einen glasklar, andere mit regelmäßigen Mustern. Es gibt die Spires, hunderte Meter hohe Säulen wie aus Glas und kristallblaue Eisvorhänge, aufgespannt zwischen anderen Skulpturen. All das ist jetzt erstarrt. Wie plötzlich eingefroren, mitten in der Bewegung. Aber wunderschön.

Ich mach' mich jetzt wieder an die Auswertung. Bis bald. ENDE.
--

Calixtos Kamikatsu an Bord der Gahara Sthaan IX, 999 AU von Sol, 3 Monate nach der Havarie, private Nachricht:

Hi Schätzchen,

schlechte Nachrichten. Anne bekommt den Antrieb nicht zum Laufen. Sie sagt, wir hatten ziemliches Glück. Wir wussten alle, dass die Sache riskant ist. Aber die Materiedichte hier draußen ist so gering, das man nicht wirklich damit rechnet was zu treffen. Naja, getroffen haben wir ja auch nicht. Eher es uns. Muss ein ordentlicher Asteroid gewesen sein. Bei voller Fahrt reichen schon 2 Millionen Kilometer "Nähe", damit sein Gravitationsfeld unseren Antrieb beschädigt, wenn er unter Last läuft. 

Anne sagt, ich zitiere: "auf ganzen 0,2 Tau ist die Fraktalität der Konverter unter 4,8 im Median, soweit Susi das messen kann" Susi ist unsere Engineering-KI. Kauderwelsch. Ich hab's gejeeved. Die Konverterpole sind Fraktale. Sie müssen möglichst fein sein, bis runter auf Nanometer. Ideal wäre ein Wert von 3 als fraktale Dimension. Aber das ist nur theoretisch. Man versucht so nahe wie möglich da ranzukommen, also 3 minus ein kleines bisschen, z.B. zehn hoch minus 4,8 bei uns. Ist die Zahl kleiner, dann ist der Abstand zur 3 größer und der Lévy-Effekt bricht zusammen. Da war dann noch was mit virtuellen Teilchen, negativer Energie, Quantenverletzung, Mesonen, und so weiter.

Jedenfalls, als wir an dem Asteroiden vorbei sind, hat es diese feinen Verästelungen verzogen. Sie klumpen zusammen. Mit anderen Worten: die Konverterpole sind Matsch. Das können wir hier nicht fixen. Wir haben zwar Fabs für alles was wir als Mechs so brauchen, aber an den Konvertern haben die Bush-Robots von Majumdar Abhiyaantrikk angeblich 2 Jahre rum-assembliert.

Ich melde mich bald wieder. ENDE.
--

Calixtos Kamikatsu an Bord der Gahara Sthaan IX, 999 AU von Sol, 2390, 4 Monate nach der Havarie, private Nachricht: 

Hallo ihr drei,

die meisten Daten sind jetzt ausgewertet. Der Antrieb geht immer noch nicht. Anscheinend gibt es keine Kapazitäten für eine Rettungsmission. Verständlich, dieser Flug war teuer genug. Und für eine Info-Evakuierung reicht die Bandbreite bei weitem nicht. Wir sitzen hier fest.

Euer Papa wird sich verspäten. Fragt Mama. Ich umarme euch.

Nur für Mama:
Wir müssen hier abschalten. Der Antrieb ist auch verstrahlt. Anne sagt, das passiert oft bei Konverter-Unfällen. Die Strahlung stört den Reaktor. Wir laufen schon auf Reserve. Jeeves, Susi und die anderen KIs sind schon aus. Auch unsere Mech-Hüllen sind stillgelegt. Nur die HICs (Human Infomorph Cores) laufen noch. Wir sind schon im V-Hab. Wir gehen jetzt in den Winterschlaf. Nur ein Automat für den Annäherungssensor bleibt an. Wir werden nichts merken. Die Zeit vergeht wie im Flug. Für uns. Tut mir leid. Ich küsse dich. ENDE.
--

Gahara Sthaan IX, 999 AU von Sol, 2427, Log:
...5:33:21.042 Passive Radar: Signal: Quelle: Entfernung 1,3e7 km
...5:33:22.314 Controller: Sende Kennung via: ComLaser
...5:33:22.316 Controller: Aktiviere HIC: Kapitän: Rashid Agarwal
...5:34:59.271 ComLaser: Nachricht: Wir haben Euch. ENDE.

#Wissenschaft #interplanetar #Raumschiff #Überlicht

http://jmp1.de/h2390

2743 Werdegang der Kisor-Zwillinge.

Veröffentlichung der letzten Geschichtsbände von Thaddäus Podgorski. Darunter sind einige sehr detaillierte Beschreibungen der Geschichte regionaler Völker. Der Band über Kisor enthält Einzelheiten, die in keiner anderen Chronik verzeichnet sind. Woher Podgorski sein Wissen hatte wurde nie geklärt.

Eine Zusammenfassung von Podgorskis TriVi-Band "Werdegang der Kisor-Zwillinge":

Die Sonne des Kisor Systems ist ein F1 Stern mit der 9,1-fachen Leuchtkraft Sols. Ihre Ökosphäre ist also breit genug, um 2 Planeten aufzunehmen. Die beiden Planeten liegen in Entfernungen von 457 und 443 Mio. Kilometern, wobei anfangs nur Alpha, der äußere Planet bewohnbar war. Um Beta kreist ein atmosphärenloser Mond von 2000 km Durchmesser während Alpha keine Satelliten hat. Dem innersten Planeten fehlt die Kruste und der Schwermetallkern liegt frei. Der dritte Planet ist gegenläufig. Weiter von der Sonne entfernt finden sich noch 7 Planeten, davon 6 Gasriesen. Altur, der erste Gasriese mit 190.000 km Durchmesser ist doppelt beringt und ist von Beginn der Zivilisation an bis heute ein Objekt religiöser Verehrung.

Die Sonne ist bei einem Alter von 2,5 Mrd. Jahren schon am Ende ihrer Zeit auf der Hauptreihe angekommen und wird sich in etwa 100 Mio. Jahren zu einem roten Riesen entwickeln. Da das Planetensystem auch nicht älter ist als der Zentralstern, sind seit der Abkühlung Alphas und Betas erst wenige hundert Mio. Jahre vergangen. Es war also noch nicht genug Zeit zur Entstehung von höherem Leben, geschweige denn von intelligenten Wesen. Das spricht für einen fremden Ursprung des Lebens auf Kisor Alpha. Ein anderer Hinweis auf einen externen Ursprung war die Tatsache, dass nach Fossilienfunden vor ca. 10 Mio. Jahren plötzlich Pflanzen und Tiere gleichzeitig aufgetreten sind.

Das Leben wurde also von außerhalb des Planetensystems nach Alpha gebracht. Als Kisors Wissenschaftler zu dieser Erkenntnis gelangt waren, begannen sie nach dem Ursprung zu suchen. Dies war keine leichte Aufgabe, denn in 10 Mio. Jahren hatten sich die Formen auf Kisor und am Ursprungsort in verschiedene Richtungen entwickelt. Man fand Ähnlichkeiten und Verwandtschaften mit mehreren Planeten, darunter Syrak und Solberg 86 III. Es kristallisierte sich eine Häufung im Sektor Syrak heraus. Der Ursprungsort bleibt jedoch bis heute im Dunklen.

Eine unbekannte Rasse hatte also vor etwa 10 Mio. Jahren die Kohlendioxid-Atmosphäre Alphas in eine Sauerstoffatmosphäre umgewandelt und eine reiche Flora und Fauna angesiedelt. Dabei war auch ein vielversprechender warmblütiger, eierlegender und säugender reptilienähnlicher Primat, der schon ab und zu aus den Sumpfgebieten hervorkam, um in den Steppen zu jagen.

Fünf Mio. Jahre später hatte ein Zweig dieser Primaten wesentlich an Gewicht und Körpergröße zugenommen. Er warf mit erstaunlicher Treffsicherheit Steine nach seiner Beute und erhob sich auf die Hinterbeine, um über das hohe Steppengras zu blicken. Zu den sechsgliedrigen Greifhänden bildete sich ein größeres Gehirn aus und die Not der unzureichenden körperlichen Fähigkeiten führte zu einer Verfeinerung der Jagdmethoden. Zum Bau von raffinierten Fallen gebrauchte das Wesen vor 1 Mio. Jahren Werkzeuge und als Verständigungsmöglichkeit eine Unmenge von röhrenden Lauten, die sich langsam zu einer Sprache formierten.

Als der Doppelkontinent auf dem die Primaten lebten, getrennt wurde, entwickelten sich beide Zweige verschieden fort. Im Osten entstand ein nach vorne gebeugt gehendes Wesen mit einem starken Stützschwanz. Auf dem Westkontinent, der besonders stark von Raubtieren bevölkert war, wurde der Primat zum Pflanzenfresser und entwickelte sich zurück zu einem starken Läufer mit kleinem Gehirnvolumen.

Vor 50.000 Jahren gab es schon die heutigen Kisori. Sie setzten über auf den Westkontinent und benutzten ihre laufstarken, aber nicht intelligenten Vettern als Reittiere.

Als Kisor etwa 14.000 v. Chr. nach irdischer Zeitrechnung von einem unbekannten Volk entdeckt wurde, war gerade die Eisenzeit angebrochen. Ein Landesteil eignete sich ziemlich schnell Fähigkeiten der Fremden an, besonders was die Waffentechnik betraf. 150 Jahre nach dem ersten Kontakt entschied dann der lokale Herrscher, dass die Zeit reif wäre. Er überrollte die in der Eisenzeit verbliebenen Nachbarvölker mit einer mit Strahlenwaffen ausgerüsteten Armee und errichtete ein Königreich auf dem Kontinent, der später einmal das "Land aller Gilden" genannt werden würde.

Diesem Herrscher folgten gerechte Könige, die den neuen Reichtum und die Modernisierungen gleichmäßig auf den ganzen Kontinent verteilten. Nach weiteren 250 Jahren wurde der ganze Planet industrialisiert und innerhalb von 300 Jahren war die Technik reif zur interplanetaren Raumfahrt. Die Technologie entwickelte sich rasant weiter. Wahrscheinlich gab es Hilfe von außen, denn schon 200 Jahre nach dem ersten interplanetaren Flug begann die interstellare Kolonisierung.

900 Jahre nachdem Kisor in der Eisenzeit entdeckt worden war, kolonisierten die Staaten Alphas schon die ersten Planeten der Nachbarsysteme. 350 weitere Jahre blühte das straff geführte Kolonialreich. Dann wurden die Unabhängigkeitsforderungen der inzwischen hochindustrialisierten Kolonien immer lauter. Es kam nach 50 Jahren zum Krieg. Der Krieg endete mit einer fast totalen Zerstörung der Kolonien. Dieses Ereignis prägt Kisor offensichtlich bis heute. Kisor hatte seit dieser Zeit keine Kolonien mehr und die Kisori, die für die Gilden auf anderen Planeten leben, sind für die Bevölkerung des Stammplaneten Kisori zweiter Klasse. Entsprechend werden Menschen, die irdische Kolonien bewohnen, nicht als Menschen von der Erde, sondern als eigenständige Völker angesehen. Als Mahnmal an diesen Bruderkrieg bleibt eine Sphäre von zerbombten und verseuchten Planeten um Kisor.

Binnen 300 Jahren stieg Kisor zu einem Kategorie-12 Planeten auf. Es gab eine Schar von Vasallenplaneten fremder Rassen. Kisor selbst wurde durch einen Bund seiner Nationen regiert. Als der erstarkte Vasall Uidor einen Krieg gegen Kisor führte und gewann, wurde das Vasallenreich Kisors in einen Bund seiner ehemaligen Untertanen umgewandelt. Der Bund hielt jedoch nur 150 Jahre, dann wurde er wieder von Kisor aus regiert. Nachdem Kisor seine Macht in weiteren 250 Jahren wieder gefestigt hatte, rief es die Gründung eines Reiches aus.

Über die erste Blüte des Reiches ist wenig bekannt. Man weiß aber, dass während dieser 2500 Jahre dauernden stabilen Phase der innere Planet Kisor Beta den Verhältnissen Alphas angepasst wurde.

Dem darauf folgenden Verfall des Reiches folgte nur 250 Jahre später ein erneuter Aufstieg des zweiten Reiches (des sog. goldenen Reiches) über dessen bewegte Geschichte viele Aufzeichnungen gefunden wurden. Dieser Zeitabschnitt wurde nach ca. 1600 Jahren beinahe auf dem Höhepunkt des goldenen Reiches durch die Balsachen abrupt beendet.

Die Balsachen waren ihrerseits aus ihrem Raumsektor, einem Gebiet des Sagittarius-Arms der Galaxis vertrieben worden und suchten in einer völkerwanderungsähnlichen Bewegung eine neue Heimat. Nach kisorischer Geschichtsschreibung taten sie dies mit verheerenden Auswirkungen für die ansässigen Völker. Das Reich Kisors kämpfte tapfer und blockte die Wanderung der Raumschiffschwärme ab. Die Anstrengungen über mehrere Jahrzehnte waren jedoch für Kisor zu groß gewesen, um sein Reich fest im Griff zu halten. Dazu kam noch, dass sich einige Planeten unter Kisors Schutz gut entwickelt hatten und eigene Machtzentren bildeten. Das goldene Reich brach innerhalb von 100 Jahren auseinander.

400 Jahre währte das Interregnum. Kein Planet wurde stark genug, um den Raumsektor zu befrieden, aber viele versuchten es und vergrößerten damit das Chaos. Kleinkriege wurden ausgetragen und Planeten verwüstet oder von Neobarbaren geplündert. Atomflammen loderten auf zu einem pyrotechnischen Feuerwerk, das Milliarden Wesen nicht sehen konnten, weil sie ein Teil der Flammen waren. Es grassierten Hungersnöte und Seuchen weil die Mittel fehlten, um sie zu bekämpfen, während tausende kleiner Könige und Diktatoren in den Ruinen Hof hielten.

Das Ende dieses dunklen Zeitalters kam in Gestalt des Solemischen Reiches. Dieses Reich hatte sich innerhalb von 6000 Jahren von mehreren Systemen in 1900 Lj. Entfernung ausgebreitet und hielt sich im hiesigen Sektor immerhin 2700 Jahre. Bis zum endgültigen Verschwinden nach einem schnellen Rückzug vergingen noch einmal 2100 Jahre. Damit zählt das Solemische Reich zu den größten und stabilsten der bekannten Geschichte. Der Grund für seinen Erfolg war, dass das Reich nicht, wie fast alle anderen, auf ein Volk, sondern auf eine Idee zurückzuführen war. In jedem Sektor gab es wenigstens ein Volk, das diese Idee aufnehmen und umsetzen konnte und damit zum Vertreter des Reiches im umliegenden Sektor wurde. Das Solemische Reich war also eher ein Bund vieler mächtiger Völker mit ähnlicher Denkweise.

Wie so viele friedliche Reiche endete auch das Solemische Reich durch Gewalt, nämlich den Krieg der Mercatos, die völlig überraschend ein Handelsimperium gründeten und dabei keine andere militärische Macht zuließen. Dies ist der einzige bekannte Fall, dass Mercatos überhaupt selbst kämpften. Trotz der gewaltigen Verbreitung der Mercatos (vermutlich ein Großteil der Milchstraße), erreichte das Mercato-Imperium nicht einmal die Größe des Solemischen Reiches.

Für die beiden Kisor Planeten ging die Übernahme in das Handelsimperium fast unbemerkt vonstatten. In den 500 Jahren, die Kisor dem Handelsimperium angehörte, entwickelten sich Alpha und Beta zu Kategorie-13 Planeten. Schließlich waren sie reich genug, um sich aus dem Handelsimperium freizukaufen. Sie blieben zwar von ihrer Lage her in das Mercato-Imperium eingebettet, waren aber unabhängig und mussten keine Abgaben mehr leisten.

Ein Relikt aus der Zeit im Handelsimperium war die Monarchie, die sich aus dem Hof des eingeborenen Statthalters für die Mercatos entwickelt hatte. Für 230 Jahre führten die Kisor-Zwillinge ein angenehmes Leben, da sie einerseits unabhängig waren, andererseits aber durch ihre Lage vor Kriegen und Überfällen geschützt waren, bis plötzlich alle Mercatos den Raumsektor verließen und das Handelsimperium aufgaben. Das Imperium verschwand über Nacht und ließ tausende ungeschützter Planeten zurück.

Mehrere Überfälle anderer Völker schwächten die Kisor-Planeten zu sehr, als dass sie eine wirksame Verteidigung gegen Angriffe von außen aufbauen konnten. Die letzte Plünderung hinterließ 2 völlig zerstörte Planeten. Die Angreifer hatten alle technischen Anlagen auf den Planeten und im Orbit und alle Großstädte mit 80 % der Bevölkerung zerstört.

Innerhalb weniger Generationen sank die Technik auf einen Stand im Mittelalter während die Bevölkerung durch Hungersnöte und Seuchen bei fehlender medizinischer Versorgung und auf nur ein Tausendstel zurückging. Design-Seuchen aus der High-Tech Vergangenheit trugen wesentlich zu diesem starken Bevölkerungsschwund bei. Auf Alpha sank die Bevölkerung im Minimum sogar auf nur 50.000 Individuen.

Die Vergangenheit lebte zwar als Ansporn weiter in den Legenden und es gab viele Versuche alte Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen, aber ohne Rohstoffvorkommen war ein neuer Anfang schwer, denn die Bodenschätze waren weitgehend ausgebeutet und fossile Rohstoffe hatte es nie gegeben.

Es dauerte 3000 Jahre bis die Technik auf Kisor Beta weit genug fortgeschritten war, um ein Interplanetarschiff zu bauen. Die Kisori besiedelten wieder ihr Sonnensystem. Nach weiteren 150 Jahren brach das energetische Zeitalter an und schließlich verließ der erste langsame Raumkrümmer wieder das System.

Eineinhalb Jahrhunderte später, die Kisori hatten gerade wieder Anschluss an die interstellare Gesellschaft gefunden, erschien eine Raumflotte von Interia über den Kisor-Zwillingen und verkündete, dass sie soeben Bürger des Interianischen Imperiums geworden wären.

Wie schon mehrmals in der Geschichte zeigte es sich auch hier wieder, dass sich die Kisor-Planeten unter dem friedenwahrenden Schutz eines Imperiums hervorragend entwickeln. Von der Kategorie 18 bei der Aufnahme ins Imperium stiegen die Kisor-Planeten auf bis zur Kategorie 13. Nachdem ihnen durch die 23. Strukturreform des Interianischen Imperiums das Regionalzentrum des Imperiumssektors übertragen worden war, beherrschte Kisor ein eigenes Reich innerhalb des Imperiums.

Neben der Steigerung des Einflusses durchlief Kisor die gesellschaftliche und politische Entwicklung, die zu den heutigen Verhältnissen führte. Die Executive wurde immer dominanter und es entstand ein vererbbares Präsidentenamt, so dass es niemand wunderte als die Monarchie ausgerufen wurde. Die Monarchie war aber entgegen allen Erwartungen sehr schwach und verbrauchte in 150 Jahren ca. 50 Könige und Königinnen aus mehreren Familien. Man einigte sich schließlich auf eine gemeinsame Regierung der Adelsfamilien unter einem aus ihrem Kreis gewählten Herrscher.

Die Wirtschafts- und Handelsorganisationen der Oligarchen absorbierten alle unabhängigen Unternehmen des Mittelstandes und wurden zu den ersten Gilden. Schließlich war die gesamte Wirtschaft einschließlich des Außenhandels in der Hand von ca. 30 Gilden. Die Gilden wurden zu den beherrschenden Handelsorganisationen des Sektors während ihr Einfluss auf Kisor selbst durch die Inosch, den Rat der Gilden auf Alpha, gefestigt war.

Die Landfläche Alphas und Betas wurde zwischen den Gilden aufgeteilt und das Durcheinander der Besitzungen, das noch von der Assimilation der Wirtschaft herrührte, beseitigt. Ein Kontinent wurde zum "Land aller Gilden" erklärt. Dort residiert der "Vater der Kisori", der immer aus der ersten Gilde gewählt wird, die hauptsächlich aus Geistes- und Naturwissenschaftlern besteht, aber kein eigenes Land besitzt.

Nach dem Rückzug des Interianischen Imperiums wurden die eigentlich starken Kisor-Planeten bei einem Überfall teilweise verwüstet. Sie erhielten und beschützten aber trotzdem ihren Einflussbereich.

Auch die Mercato-Schiffe tauchten wieder im Herrschaftsbereich Kisors auf, konnten aber wegen den seit langem ansässigen Gilden nicht Fuß fassen. Die Mercatos versuchten sich in der Sogwelle der sich ausbreitenden Menschheit zu etablieren, wurden aber auch von der Koalition durch die Protektionsgesetze in ihren Möglichkeiten so stark einschränkt, dass sie den Sektor wieder verließen.

Kisor beobachtete den Aufbruch der Menschheit mit Wohlwollen, später aber auch mit wachsender Besorgnis, die, wie sich herausstellte, berechtigt war.

Zeittafel nach irdischer Zeitrechnung:

-14000 In der Eisenzeit kontaktiert

-13900 Einigung des Heimatkontinents

-13700 Beginn der Industrialisierung

-13400 Beginn der interplanetaren Raumfahrt

-13200 Interstellarkolonisierung

-12800 Unabhängigkeitsforderungen der Kolonien

-12800 Kolonialkrieg

-12500 Kategorie 12, Vasallenreich

-12400 Verlust des Uidor Kriegs

-12200 Kisor Zentrum des Bundes

-12000 Gründung des ersten Reiches

-11000 Terraformung Betas

-9500 Verfall des Reiches

-9200 Zweites (goldenes) Reich

-7600 Einfall der Balsachen

-7500 Zerfall des zweiten Reiches, Interregnum

-7100 Aufnahme in das Solemische Reich

-4400 Übergang zum Mercato-Imperium

-3900 Freikauf von Abgaben

-3700 Ende des Mercato-Imperiums

-3600 Plünderung durch Neobarbaren

-3500 Beginn des kisorischen Mittelalters

-400 Industrialisierung

30 Interplanetarflug

250 Energetisches Zeitalter

900 Interstellarflug

1050 Aufnahme in das Interianische Imperium

1650 Interianisches Regionalzentrum

1900 Monarchie

2050 Oligarchie

2100 Erste Gilden

2220 Landreform der Gilden

2700 Rückzug des Interianischen Imperiums

2780 Ende des Gildesystems

2860 Imperialismus

#Wissenschaft #Geschichte #Bestseller #Mythen

http://jmp1.de/h2743

Galactic Developments jetzt als eBook

Galactic Developments gibt es jetzt komplett als eBook. 280 Seiten voll SciFi Ideen, wie ihr es kennt.

https://www.amazon.de/Galactic-Developments/dp/B01JD6COY6/

Und wenn es gut ist (=nicht nervt) und ihr wollt, dann bitte eine Rezension abgeben.

Das eBook habe ich veröffentlicht, um noch mehr Leser zu erreichen. Es geht es ja nicht darum, reich zu werden. Wer kann schon von SF in Deutschland leben? Nein, das ist ein Hobbyprojekt und mehr Leser heißt mehr Ansporn = mehr Spaß beim Schreiben = Material = mehr Spaß beim Lesen.

Deshalb meine Bitte an alle, die bisher schon Artikel gut fanden: runterladen, bewerten, weitersagen.

Falls ihr kein Kindle habt. Macht nix. Kaufen für lau und trotzdem
- online lesen: http://www.galactic-developments.de/
- und bewerten https://www.amazon.de/review/create-review?ie=UTF8&asin=B01JD6COY6

2841 Entdeckung des leuchtenden Tempels von Demeter

Der Tempel scheint von innen heraus kalt zu glühen. Die Leuchterscheinung tritt Anfang des Jahres völlig überraschend auf und bleibt seitdem konstant. Sie wird als optischer Teil der Streustrahlung einer nur ansatzweise verstandenen Reparatureinrichtung angesehen.

Der Tempel gehört zu einer Ansammlung von Ruinen im Dschungel des südlichen Radaman Kontinents. Die wahre Funktion des sogenannten Tempels ist nicht bekannt. Das Alter der xenoarchäologischen Artefakte wird auf 50.000 Erdjahre geschätzt. Ein Großteil der Installationen ist stark verfallen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es auf Demeter einst noch wesentlich mehr Artefakte gegeben hat, dass die meisten aber inzwischen stark verwittert dem Urwald zum Opfer gefallen sind.

Nur wenige Objekte sind noch gut erhalten. Zu dieser Gruppe gehört auch der berühmt gewordene Tempel. Der Tempel war mit anderen größeren Artefakten schon kurz nach der ersten Besiedlung Demeters 2684 bei einer Routinedurchmusterung registriert worden. Es dauerte aber 15 Jahre bis die ersten Artefakte auf Radaman von Forschern untersucht wurden.

Demeters Artefakte sind über den südlichen Teil des Radaman Kontinents verstreut. Es gibt größere Strukturen, von denen man annimmt, dass sie aus hunderten von Objekten bestehen und einige Einzelobjekte, die keiner Struktur zugeordnet werden konnten. Auf dem nördlichen Radaman und auf anderen Kontinenten existieren nur sehr wenige xenoarchäologische Objekte. Sie sind alle stark verwittert und mit bloßem Auge nicht erkennbar. Die Größe der Artefakte reicht von 3 mal 3 m bis zu 300 m Durchmesser und 50 m Höhe.

Der Tempel bildet den südlichen Scheitelpunkt einer 800 km x 1200 km durchmessenden elliptischen Anordnung von Konstruktionen ähnlicher Bauweise. Der Tempel bietet bei Nacht einen spektakulären Anblick. Er scheint von innen heraus zu leuchten und hebt sich damit weithin sichtbar vom nächtlichen Dschungel ab. Die Leuchterscheinung ist erstmals 2841 bei einem Standardscan aufgefallen und vier Wochen später von Forschern der Theophrastus Universität besucht worden.

Satellitenscans werden vom Globalen Überwachungssystem regelmäßig durchgeführt. Demeters GSS fährt täglich IR und Radar Scans. Die optische Durchmusterung bis 10 cm Auflösung geschieht wöchentlich im Tag/Nacht Wechsel. Bei der optischen Durchmusterung fallen ca. 2500 PB Daten an, die seit 2765 von der Theophrastus Universität verarbeitet werden. Im Gegenzug finanzierte das GSS eine hyperparallele KI, von der 30 % für andere Forschungsprojekte eingesetzt werden können.

Die KI benachrichtigte den GSS Autooperator über die Leuchterscheinung, der daraufhin eine automatische Hoversonde entsandte. Der Klassifikator stufte die Ergebnisse der Sonde als nicht zeitkritisch ein, so dass die Nachricht erst nach 19 Tagen einem menschlichen Operator zur Kenntnis gelangte.

Der Tempel ist das am besten erhaltene Artefakt von Demeter. Er zeigt keine Verwitterungserscheinungen. Analysen der vergangenen Jahre lassen einen passiven potentialbasierten Selbstheilungsmechanismus der Oberflächenschichten erkennen, der weit über unsere technologischen Möglichkeiten hinausgeht. Die Strahlung im sichtbaren Licht scheint eine Nebenwirkung des Selbstheilungsbetriebs zu sein.

Vor 3 Jahren entdeckten Wissenschaftler einen Fluss hochenergetischer Neutrinos in den äußeren Schichten des Baumaterials. Die Flussdichte ist über Notsob Stora Transformationen mit der Anordnung des Baumaterials korreliert. Die Teilchen, zerfallen ohne messbare Zwischenstadien und scheinen eine isotrope Emission blauer Photonen zu induzieren, die als bläulicher Schein wahrgenommen werden. Die Neutrinos werden von Wissenschaftlern als Streustrahlung des Hintergrundpotentials interpretiert.

Die Wirkmechanismen potentialbasierter Selbstheilung sind bisher nur ansatzweise theoretisch verstanden. Prinzipiell erzeugt ein konstantes Hintergrundpotential eine Kraft, die die Teilchen eines Objekts in der Gleichgewichtslage hält, bzw. diese nach Auslenkung wieder in die Gleichgewichtslage bringt. Ein zusätzlicher Dämpfungsterm entnimmt potentielle Energie und verhindert Oszillationen.

Nach heutigen Erkenntnissen gelingt es den Erbauern der Anlagen vermutlich über eine künstliche Symmetriebrechung ein Vektorpotential zu stabilisieren, dessen reale Amplitude ortsabhängig den Gravitationsvektor bereitstellt, um Materie in der gewünschten Form zu fixieren.

Man vermutet, dass die kinetische Dämpfung Energie in das Vektorpotential rückführt, dieses also effektiv Energie aus der Wechselwirkung mit der Umgebung bezieht und dabei gleichzeitig die Auswirkungen externer Einflüsse nivelliert.

Möglicherweise ist die Felderzeugung aber nicht versorgungs- oder wartungsfrei, denn bisher wurde nur dieses eine Objekt entdeckt bei dem die Anlage in Betrieb ist. Bei anderen Objekten gibt es Hinweise, dass in früherer Zeit ähnliche Anlagen aktiv waren, die aber jetzt anscheinend ausgefallen sind.

Man nimmt an, dass viele, wenn nicht alle von Demeters Artefakten einst durch einen vergleichbaren Konservierungsmechanismus geschützt waren. Im Laufe der Zeit sind die Anlagen anscheinend ausgefallen und haben ihre Bauwerke der Verwitterung preisgegeben. Nur so ist zu erklären, dass nach mehr als 50.000 Jahren einige Bauwerke noch gut erhalten sind, während andere stark verwittert oder vollständig ausgelöscht sind.

#Alien #Artefakt #Wissenschaft #Physik #Archäologie

http://jmp1.de/h2841

2630 Aufdeckung der Chanakya-Verschwörung

Nach einer Sperrfrist von 100 Jahren wird ein Infoblock der Magadha-Sangha Föderation/Venus freigegeben, der Hinweise auf den sogenannten Chanakya-Plan enthält. Der Infoblock ist nur einer von vielen, die regelmäßig nach Ablauf ihrer Geheimhaltungsfristen publiziert werden. Investigative Nachforschungen bringen einen weitreichenden Plan zutage, den Magadha-Sangha, ein Zusammenschluss reicher Venus Habitate in der ersten Hälfte des 26. Jahrhunderts verfolgte.

Der Plan zielte darauf ab, die fragmentierte interplanetare Zivilisation des Solsystems unter einem gemeinsamen politischen Dach zu vereinen. Magadha-Sangha und viele andere Fraktionen im inneren System betrachteten damals die Venus, den Schwesterplaneten der Erde, als neues Zentrum des Solsystems. Die Venus sollte die Nachfolge der Erde antreten, die sich vom Rest des Systems isoliert hatte. Zwar waren bis dahin alle Terraforming Aktivitäten gescheitert, aber es gab unzählige schwebende Habitate in der oberen Atmosphäre der Venus. Die Venus-Habitate bieten in 50 km Höhe die erdähnlichsten Lebensbedingungen im gesamten System, einschließlich einer irdischen Gravitation und freien Bereichen unter einem blauen Himmel. Auf der Venus gibt es die besten Lebensbedingungen für Menschen ohne genetische Anpassungen an niedrige Schwerkraft. Die Venus war ein Paradies für die Erd-Nostalgiker.

Die Magadha-Sangha Föderation versuchte mit dem Chanakya-Plan andere Siedlungen, Habitate und Raumstationen im ganzen System wirtschaftlich und politisch abhängig zu machen mit dem Ziel, dass diese dann der Venus-Föderation beitreten. Magadha-Sangha sollte der Nukleus der Venus-Föderation werden aus der dann die solare Föderation hervorgehen sollte.

Die unnachgiebige Haltung der venusischen Kreativ-Kartelle in der Galileo-Krise 2515 war wohl im Einklang mit dem Chanakya-Plan. Selbst in der größten Not beharrten sie auf der Einhaltung des DRM. Letztlich gab dies der Mengchu-Bewegung auftrieb und beschädigte eher die IP-Interessen der Kreativ-Kartelle. Die Galileo-Krise war wohl der erste große Fehlschlag des Chanakya-Plans, aber nicht der Einzige.

Der Chanakya-Plan brach schließlich zusammen, als die Isolation der Erde endete. Mit der Öffnung der Erde nach dem Ende das Systemkriegs änderten sich schlagartig die Rahmenbedingungen. Die Entwicklung im Solsystem wurde dann wieder von den vielen Milliarden Menschen und dem wirtschaftlichen Potential der Erde bestimmt. Die interplanetare Zivilisation verlor an Bedeutung. Sie blieb technologisch, wirtschaftlich und kulturell wichtig, war aber nicht mehr dominant. Die Erde wurde schnell wieder zum Zentrum des Sonnensystems.

Die Veröffentlichung des Plans ist unangenehm für die damals Beteiligten. Manche sind auch 100 Jahre später noch politisch aktiv. Aber eigentlich ist die Tatsache, dass Magadha-Sangha einen langfristigen Plan hatte, wenig überraschend. Viele Fraktionen und Mächte haben Pläne und manche versuchen diese auch rücksichtslos durchzusetzen. Viel skandalöser als die Existenz des Plans sind einige Einzelaktionen und deren dramatische Folgen.

Besonders bemerkenswert ist die geheime Expedition in das Artu-System ab 2518. Die Mission sollte überlegene außerirdischer Technologie beschaffen. Dafür flogen einige der frühen Interstellarschiffe nach Artu. Die Expedition war erfolgreich und konnte tatsächlich Kontakt zur Artu-Zivilisation herstellen. Die Artu-Zivilisation ist sehr vielfältig und fragmentiert. Es gibt keine einheitliche Regierung. Die Expedition konnte nur mit einigen Clans handeln. Aber sie erreichte das Missionsziel. Sie brachte Technologie von Artu zurück.

Der Rückflug fand nicht, wie ursprünglich geplant, mit den eigenen Schiffen statt (was 11 Jahre gedauert hätte), sondern mit einem Schiff des q3-Clans von Artu in nur 6 Tagen.

Der erste Besuch eines extrasolaren Schiffes war also schon 2531, 13 Jahre vor der Ankunft des Marui-Händlers 2544 auf Ibadan. Aber die Flüge von Artu wurden geheim gehalten. Auch das ist ein kleiner Skandal, aber er wird in den Schatten gestellt von den weiteren Entwicklungen. Ab 2531 gab es regelmäßig geheimen Kontakt zwischen Magadha-Sangha und q3. Personal von Magadha-Sangha reiste nach Artu und q3-Sophonten waren in getarnten Schiffen im Solsystem unterwegs.

Wir kennen nicht die Gründe von q3, um sich im Solsystem zu engagieren und eine geheime Partnerschaft mit Magadha-Sangha einzugehen. Aber sicher bietet eine neue Zivilisation im Aufbruch, wie die Menschheit, großes Potential für einen kleinen aber technologisch weitentwickelten Partner. Die Motive von Magadha-Sangha sind offensichtlich. Magadha-Sangha erhielt exklusiven Zugriff auf überlegene Technologien. Sicher ist, dass q3 Infiltrationswerkzeuge lieferte, die alle solaren Informationsbarrieren überwinden konnten. Welche Einzelaktionen damit durchgeführt wurden, ist nicht bekannt. Mehrere bisher unerklärliche Ereignisse in den Jahren 2532 bis 2542 könnten darauf zurückzuführen sein, dass Magadha-Sangha weitreichenden Zugriff auf die Informationsinfrastruktur des Systems hatte.

Einige Dokumente verraten aber auch, das Magadha-Sangha mit der Kooperation unzufrieden war. q3 lieferte vor allem technische Geräte, aber wenig Know-how. Ursprünglich war Magadha-Sangha nur an Software und Know-how interessiert. Baupläne, mit denen man selbst überlegene Technik herstellen kann, sind wertvoller, als nur die Geräte ohne begleitendes Know-how. Leider begrenzte q3 den Zugang zu Software, Plänen und Informationen. Magadha-Sangha begann deshalb eigene Forschungen auf Basis der spärlichen Informationen von q3 und ohne q3 zu informieren.

Das führte einige Jahre später zum Mukhagni-Zwischenfall in einer der geheimen Forschungsanlagen. Dokumente, die über den Forschungsgegenstand Auskunft geben könnten, sind weiterhin geheim. Es gibt Hinweise, dass es sich um biologische Forschung mit Viren handelte. In Verbindung mit den öffentlich sichtbaren Ereignissen rund um Mukhagni 2540 macht das die Kessler-Viroidae Theorie wahrscheinlich.

Mitarbeiter von Magadha-Sangha könnten von ihren Artu-Partnern von den anorganischen Viren und ihrem Potential als Nano-Assembler/Disassembler gehört haben. Replikatoren, also Nano-Assembler, gehörten zur Liste gewünschter Technologien der ursprünglichen Artu-Expedition. Kessler-Viroidae waren seit 2478 bekannt. Die anorganischen Viren sind normalerweise nur schwach aktiv und harmlos. Heute wissen wir, dass sie Gene für aggressive Disassembler enthalten. Kessler-Viroidae sind in sehr geringen Mengen im interplanetaren Staub fast omnipräsent. So wurden sie auch entdeckt. Die Beschaffung des Basismaterials wäre für Magadha-Sangha also möglich gewesen, ohne Wissen von q3. Vielleicht hoffte Magadha-Sangha durch Manipulation der Viren Disassembler oder sogar spezialisierte Assembler herstellen zu können. Jedenfalls ging das gründlich schief und die Forschungsstation musste auf spektakuläre Weise - systemweit für alle sichtbar - zerstört werden.

Nach Mukhagni brach der Kontakt zu q3 ab. Die Artu-Sophonten scheinen das Solsystem fluchtartig verlassen zu haben. Anscheinend waren die Verantwortlichen bei q3 so von den Ereignissen schockiert, dass sie die Zusammenarbeit mit Magadha-Sangha sofort und vollständig beendeten. Das ist nach heutigem Wissen verständlich, denn es gilt als erwiesen, dass eine aggressive Variante dieser Viren vor ca. 30.000 Jahren den sogenannten Brand ausgelöst und dabei mehrere interplanetare Zivilisationen ausgelöscht hatte.

Man geht heute davon aus, dass es sich beim Mukhagni-Zwischenfall tatsächlich um eine aggressive Form der Kessler-Viroidae handelte. Mit welcher Technologie auch immer dort gearbeitet wurde. Dieser Teil des Chanakya-Plans brachte die Menschheit an den Rand der Vernichtung.

Danach wird es ruhig um den Chanakya-Plan. Aber die Artu-Expedition hat einige Jahre später noch andere gravierende Auswirkungen. 2574 erscheinen Schiffe von Artu im Solsystem und fordern Tribut. Es sind Vertreter eines anderen Artu-Clans. Sie hatten von der Menschheit erfahren und offensichtlich beschlossen, ihre technische Überlegenheit auszunutzen, um die Menschheit zu erpressen. Ein Schicksal, das viele Völker ereilt.

Bisher ging man davon aus, dass das Wissen über das Solsystem durch den Marui-Besuch 2544 nach Artu gelangte. Aber im Lichte der Chanakya-Veröffentlichungen ist ein anderer Weg wahrscheinlicher. Der Artu-Clan, dessen Schiffe im Solsystem erschienen, hatte in der Folge der Magadha-Sangha Expedition von der Menschheit erfahren und so auch die Position des Solsystems erhalten.

Man weiß nicht, ob dieser Clan schon bei der ersten Expedition mit Magadha-Sangha Personal zu tun hatte oder ob er erst später von q3 von der neuen Zivilisation im Solsystem erfuhr. Jedenfalls kommen sie mit ihren überlegenen Schiffen in das Solsystem. Sie behaupten Abgesandte eines Imperiums zu sein, der Artu-Domäne, und etablieren ein Tributsystem bei dem die Menschheit 1/128 ihrer Wirtschaftsleistung abliefern muss. Zuerst für 41 Jahre an die sogenannte Artu-Domäne und dann 15 Jahre an den Artu Polizei-Clan p53, der die Menschheit später wieder von der Artu-Domäne befreit.

Obwohl sich 1/128 der Wirtschaftsleistung nicht viel anhört, beläuft sich der akkumulierte Tribut fast auf ein halbes Jahres-Bruttosozialprodukt der solaren Wirtschaft. Das entspricht dem Wert der gesamten Gold- und Platinvorräte der Menschheit.

Während der Herrschaft der Artu-Domäne kommt es außerdem immer wieder zu Anschlägen auf die Tributinfrastruktur. Die Artu-Domäne geht zeitweilig gewaltsam vor und zerstört mehrere Habitate. Insgesamt verlieren im Raum 750.000 Habitat-Bewohner ihr Leben, davon 70.000 final. Auf der Erde brechen durch die Ankunft der Artu-Domäne Konflikte zwischen Expansionisten und Isolationisten wieder auf. Es kommt in der Folge zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit 230.000 Opfern, davon 150.000 final.

Magadha-Sangha ist nicht nur verantwortlich für die Beinahe-Vernichtung der gesamten Menschheit durch den Mukhagni-Zwischenfall, sondern auch für einen gigantischen wirtschaftlichen Verlust und 220.000 finale Opfer.

Die Magadha-Sangha erleidet einen signifikanten Reputationsverlust. Die Verantwortlichen des Chanakya-Plans, die noch politisch aktiv sind, müssen zurücktreten. Einige werden angeklagt. Nach Schadenersatzklagen gegen Magadha-Sangha müssen die meisten der beteiligten Venus Habitate Konkurs anmelden. Manche werden als abhängige Einheit übernommen. Andere müssen geräumt werden. Die Bewohner verlieren ihre Heimat und das leere Habitat wird verkauft.

#Verschwörung #Aliens #Erstkontakt

http://jmp1.de/h2630