2720 Kriegsabkommen.

Die Kontrahenten vereinbaren, Hauptquartiere und Sanitätskräfte zu schonen. Auf der Seite der Koalition sind große zivile Strukturen im Raum geschützt. Im Gegenzug verschont die Koalition neutrale Einheiten und Schaulustige unbeteiligter Gilden Kisors. Details der Formulierung lassen verschiedene Interpretation zu. Die Koalition läuft geradewegs in die aufgestellte Falle.

Stella Weizmann: "Unbekannte und Unbequeme Hintergründe zum Spacedome Aspekt des Kriegsabkommens von 2720" - private Publikation, SolNet (2741).

Das Abkommen:

Mit den Nebenvereinbarungen zum Kriegsabkommens von 2720 gelang dem kisorischen Oberkommando ein geschickter Schachzug. Eine der 13 primären Nebenvereinbarungen bestand darin, dass Koalitionsstreitkräfte neutrale Schlachtbeobachter und Schaulustige unbeteiligter Gilden von Kisor schonten während Kisor sich verpflichtete, den Spacedome im Solsystem nicht anzugreifen.

Die Verhandlungen des Kriegsabkommens waren am Punkt der Behandlung von neutralen Einheiten wochenlang festgefahren. Während die Neutralität unbeteiligter Gilden im Wesentlichen unstreitig war, wollte das kisorische Oberkommando nicht die Neutralität unbeteiligter irdischer Kolonien zulassen. Kisor bereitete sich Mitte 2718 langsam auf die Belagerung des Solsystems vor, während die Koalition noch versuchte ihre Territorien zu verteidigen. Vor diesem Hintergrund bargen die Forderungen beider Seiten Probleme. Kisors Forderung war vor allem nachrichtendienstlich bedenklich für die Koalition. Die Koalition befürchtete mit Recht, dass vorgeblich neutrale Einheiten im Solsystem Informationen sammeln und transportieren würden. Kisor dagegen wollte um jeden Preis den Nachschub der Koalition unterbinden. Die Situation wurde 2718 sehr schwierig für die Koalitionsstreitkräfte. Die Nachschublinien brachen zusammen, die Kommunikation zwischen den Fronteinheiten in den Kolonien und dem Solsystem war stark gestört. Frontkommandeure waren oft auf sich allein gestellt während sie versuchten ihren Kommandobereich zu halten. Die Aufrechterhaltung des Nachschubs war das Hauptziel des Oberkommandos. Es gab keine strategischen Initiativen der Koalition. Natürlich war dies im kisorischen Stab bekannt. Die Verhandlungsdelegation hatte deshalb den Auftrag Vereinbarungen mit positiven Auswirkungen auf die Versorgungssituation der Koalition zu verhindern.

Anfang 2720 überstürzten sich die Ereignisse und eine gewagte Taktik der Tika Gilde zeigte Wirkung. Tika hatte Ende 2719 mehrmals zivile Infrastruktur angegriffen und dabei schwere Verluste hingenommen. Anfang 2720 wurde ein Vorstoß auf den Spacedome abgefangen als Tika versuchte durch Saturierung mit Langstreckenraketen einen Angriff durchzubringen und dabei mehrere Träger und Begleitschiffe verlor. Die Verhandlungsdelegation der Koalition wurde kurz darauf umstrukturiert und neu instruiert. Tatsächlich erreichte Tika mit diesen gewagten und verlustreichen Aktionen, dass der Schutz ziviler Installationen für die neue Koalitionsdelegation Vorrang bekam. Gleichzeitig weichte Kisor seine Position bezüglich neutraler Einheiten der Menschen auf.

Anfang 2720 wurden viele Kolonien kampflos geräumt und Truppen zur bevorstehenden Verteidigung des Solsystems zurückgezogen. Damit verlor Kisors Ziel, den Nachschub der Koalition zu unterbrechen, die Priorität. Kisor stimmte dem Schutz neutraler Einheiten zu. Kisor gewährte außerdem den Schutz bestimmter ziviler Einrichtungen und bekam dafür besonderen Schutz nichtbeteiligter Gilden zugesagt.

Auf die Liste geschützter Einrichtungen im Solsystem kamen unter dem Einfluss der neuen Verhandlungsführung vor allem religiöse und andere spirituelle Symbole, darunter der Spacedome. Damit war Tikas Plan aufgegangen. Spätere Forschungen haben gezeigt, dass Tika mehrere langfristig angelegte Pläne verfolgte, die Moral der Koalition zu brechen. Von allen Plänen wurde ab Beginn 2720 nur die Spacedome-Thematik weiterverfolgt. Tika konzentrierte für die nächsten Jahre 80% seiner Ressourcen auf die Situation rund um den Spacedome.

Rückwirkend betrachtet gilt das Kriegsabkommen als taktische Niederlage der solaren Verhandlungsführung mit weitreichenden Konsequenzen in den folgenden Jahren. Vor allem die Aufklärungsmöglichkeiten Kisors kamen für die Koalitionstruppen teuer zu stehen. Mit dem Schutz des Spacedomes lief die Koalition in die von Tika gestellte Falle. Die Spacedome-Tragödie beeinflusste sicher die Moral der bedrängten Koalition und beschleunigte möglicherweise sogar die Aufgabe einiger Stationen, deren Bevölkerung Angst hatte, ein ähnliches Schicksal zu erleiden. Gleichzeitig rief sie aber auch Widerstand hervor. Militärisch gilt der Spacedome-Plan als gewaltige Fehleinschätzung der psychologischen Kriegsführung Kisors, denn bei allem Leiden ist doch die militärische Bilanz rund um den Spacedome positiv für die Koalition. Durch Tikas Konzentration auf dieses Thema waren stets 6% der Kräfte Kisors gebunden. Aber der Plan ging letztlich nicht auf. Die Koalition konnte nicht zur Aufgabe bewegt werden. Sie wurde schließlich doch militärisch niedergerungen.

Die Nanokomplexe:

Nanokomplexe wecken unangenehme Erinnerungen bei den Menschen des Solsystems. Semiautonome Nanokomplexe waren die schlimmsten Gegner des irdischen Widerstands am Ende des Kisor Krieges. Nanokomplexe waren es auch, die in der Spacedome-Tragödie die Rolle der Bösen spielten. Nanokomplexe sind fürchterlich, brutal, erbarmungslos und unmenschlich grausam. So kennen und fürchten wir Nanokomplexe. Die Abneigung geht soweit, dass wir im Solsystem im öffentlichen Leben fast vollständig auf sie verzichten. Eltern drohen ihren unfolgsamen Kindern mit dem Nano. Dabei meinen sie immer die Spezialform des (semi-)autonomen Komplexes. Natürlich verwenden wir Nanotechnologie, z.B. in Nanocaves (die wir lieber "Caves" nennen) und in der Fertigung. Aber autonome Komplexe mit Gestalt-Intelligenz, vor allem auf Bewusstseinsniveau sind selten. Selbst im industriellen Sektor ist ihre Zahl deutlich niedriger, als in vergleichbaren Volkswirtschaften. Nanokomplexe werden nur dann eingesetzt, wenn sich deutliche Kostenvorteile ergeben oder wo sie unverzichtbar sind. Meistens werden sie dann als ferngesteuerte Einheiten betrieben. Aber normalerweise verwendet man lieber normale Robotunits.

Technisch gesehen sind Nanokomplexe nichts anderes als der Fog der Caves. Sie bestehen aus unzähligen funktionalen Elementen. Sie können sich wie Cavefog fast beliebig anordnen, verformen und verwandeln. Die gewaltige Zahl von übereinanderliegenden Schichten erlaubt trotz mikroskopischer Einzelbewegung sehr große Scherungsgeschwindigkeiten. Nanofog scheint dadurch zu fließen.

Der wesentliche Unterschied zu Cavefog besteht darin, dass die Steuerung nicht von außen geschieht. Nanokomplexe verwenden einen Teil ihrer internen Kommunikations- und Rechenleistung zur dynamischen Ausbildung eines Planungs- und Kontrollmoduls. Ist die KI der Kommandoebene mit Bewusstsein ausgestattet dann spricht man vom autonomen Komplex. In diesem Fall wird ein größerer Teil der Kapazität für die Steuerung benötigt. Bei autonomen Komplexen werden deutlich mehr Informationselemente eingefügt. Die Struktur des autonomen Komplexes ist deshalb schwächer als beispielsweise beim Cave-Fog. Ein autonomer Komplex ist mechanisch weniger belastbar als passiver Fog. Auch die Degradierung durch Störungen ist größer. Das gilt besonders im Kampfeinsatz, weshalb dort vor allem semiautonome Nanokomplexe verwendet werden.

In Spacedome wurden allerdings 800 vollautonome Nanokomplexe mit Bewusstseinsniveau installiert, da man von vornherein davon ausging, dass der Einsatz lange dauern würde und es im Verlauf wenig Eingriffsmöglichkeiten geben würde. Die Spacedome-Komplexe waren militärische Modelle mit besonderen Leistungsmerkmalen, die den Nachteil der erhöhten Datenverarbeitung zum Teil ausglichen. Detaillierte Informationen zu dieser Thematik sind auf Kisor immer noch unter Verschluss. Trotzdem gibt es aus verschiedenen Quellen einigermaßen verlässliche Angaben über die eingesetzten Modelle. Generell ist davon auszugehen, dass es sich bei fast allen 800 um bewusste Individuen handelte.

Etwa zwei Drittel waren Nend Plok Evac (von der Koalition Predator-77 oder KNP77 genannt). Die Predator-77 trugen die Hauptlast des Kampfes. Anstatt Waffenmodulen wurden sie mit zusätzlichen Reserveelementen gegen Degradierung und Strukturelementen für mechanische Belastung ausgestattet. Neben den Predator gab es die kleineren Kao Tran Lop (Hunter, KNH1), die vor allem als Aufklärer und als taktische Reserve fungierten. Es gab 4 Divisionen. Jede Division wurde von einem strategischen Kommandoknoten koordiniert. Der Kommandoknoten wurde geschützt von 12 Nend Leit Evac (KNP90, Predator-90) Komplexen mit rein defensiver Ausrichtung. KNP90 waren ausgelegt für eine hohe Leistung über eine kurze Zeit. Sie hatten nur 30 % der Laufzeit eines KNP77, aber die doppelte Leistungsabgabe und eine 20 % bessere mechanischer Struktur. Die Kommandoknoten beherbergten außer den Steuerungsfunktionen auch die Maintenance-Einrichtungen. Sie benötigten stationäre Energiequellen und waren deshalb nicht wirklich mobil.

Durch den vom Kriegsabkommen geforderten Verzicht auf Offensivwaffen konnte die Struktur der Kampfkomplexe verstärkt und vor allem die Ausdauer wesentlich vergrößert werden. Damit erreichten die KNP77 80% der mechanischen Schockfestigkeit von zivilem Fog. Ihre 5-fach geringere Degradierungsrate zeugt von der hohen (und teuren) Qualität des eingesetzten Materials.

Die geringe Degradierung relativiert sich aber unter Belastung. KNP77 im Kampfeinsatz benötigten regelmäßig neue Elemente. Im heftigen mechanischen Einsatz reichte die interne Reserve für 10 Minuten. KNP77 begannen nach etwa 10 Minuten "weich" zu werden, wenn Strukturelemente zu stark ausdünnten. Nach 15 Minuten im Kampfmodus setzte außerdem der Energiesparmodus ein und sie wurden sozusagen "müde". Dann waren KNP77 selbst für primitive Waffen keine unüberwindlichen Gegner mehr. Trotzdem war es natürlich nicht leicht, die Nanokomplexe so lange im Kampf zu binden.

Predator verfügten im Gegensatz zu Hunter-Modellen nur über wenige Reparaturelemente. Selbstreparatur war möglich, aber nur in langen Ruhephasen. Normalerweise wurden Predator an den Servicestationen ihres Kommandoknotens regeneriert. Dafür hatten diese Recycler-Minifabs. Während heißen Phasen beschränkte die Kapazität der Minifabs immer wieder die Einsatzfähigkeit. Offenbar wurde dieser Aspekt bei der Planung unterschätzt.

Insgesamt gesehen waren die Nanokomplexe starke, aber keinesfalls unüberwindliche Gegner. Nanokomplexe sind empfindliche Strukturen mit beschränkter Laufzeit zwischen längeren Maintenance-Phasen. Die Kunst des Kämpfens auf der Seite der Menschen bestand weniger darin, mit aller Gewalt auf den Gegner loszugehen, sondern mit geschickter Planung Situationen herbeizuführen in denen die Schwächen des Gegners hervortraten, z.B. durch Ermüdung bei Dauerbelastung.

Es gab auch systematische Fehler (Bugs) in verschiedenen Untergruppen. Die Menschen lernten im Lauf der Zeit diese zu Ihrem Vorteil zu nutzen und die auslösenden Situationen herbeizuführen. Besonders erwähnt sei hier der sog. "seltsame Pfad des müden Hunters in Überzahl". Ein riskantes taktisches Manöver führte nach Ausdauerbelastung eine Überzahlsituation herbei in der die meisten Hunter in einen für sie ungünstigen Wegfindungsalgorithmus verfielen. Aber wehe, wenn auch nur ein Hunter noch nicht im Sparmodus war oder nicht alle Hunter die Überzahlsituation korrekt erkannten.

Eine besondere Randbedingung des ganzen Konflikts war die strikte Bindung der Nanokomplexe an das Kriegsabkommen. Die Nanokomplexe durften den Spacedome nicht beschädigen und reparierten Beschädigungen sogar nach Kämpfen. Dies begünstigte unter anderem den Replikationsexploit durch den die Nanokomplexe sogar Pulser für die Menschen fertigten.

Die Waffen:

Nanokomplexe sind sehr anfällig gegen Hightech-Waffen. Sie können aber auch mit Lowtech bekämpft werden, z.B. durch Ultraschall im Resonanzbereich einzelner Elemente, durch Sandstrahlgebläse und sogar mit Wasser. Militärisch bestand das Hauptproblem darin, dass im Spacedome fast keine modernen Waffen vorhanden waren. Deshalb mussten Menschen mit primitiven Waffen gegen den Fog kämpfen. Mechanische Schockbelastungen und Durchtrennung der internen Kommunikationswege waren ebenfalls erfolgreiche Mittel. In der Praxis führte dies dazu, dass Menschen mit archaischen Waffen, wie Schwertern, Äxten und Schilden antraten, um die mechanische Struktur und die Informationsverarbeitung der Gegner zu stören.

Eine besondere emotionale Belastung für die Menschen kam dadurch zustande, dass die Nanokomplexe ebenfalls mit primitiven Mitteln, dafür aber umso erbarmungsloser kämpften. Die Nanokomplexe verwendeten keine Fernwaffen, sondern nur direkten Kontakt. Der hatte aber fast immer fatale Folgen für die Betroffenen. Menschen starben vor allem durch eindringende Aktoren. Je nachdem, wie die Aktoren konfiguriert waren, auch durch Verlust oder Deformation von Körperteilen. Für die Menschen war dies unnötige Brutalität, aus der Sicht der Nanokomplexe jedoch nur die Anwendung der verfügbaren Mittel zur Erreichung des Ziels. Die Nanokomplexe sind weder als Individuen, noch als Gruppe schuldig. Schuld an den unmenschlichen Ergebnissen sind vor allem die Planer der Tika Gilde, die die Situation herbeigeführt und die Grausamkeiten in Kauf genommen haben, manche sagen "programmiert" haben.

Man geht davon aus, dass das kisorische Oberkommando informiert war. Die Tika Gilde war während des Krieges für die psychologische Kriegsführung zuständig. Sie wandte 6% des verfügbaren Militärpotentials auf. Es war die primäre Operation von Tika. Das Oberkommando war deshalb sicher eingeweiht. Die damaligen Verwaltungsstrukturen der Kriegsorganisation wurden nach dem Ende der Besatzung aufgelöst und die Daten auf die Archive der Gilden verteilt. Einzelheiten sind auf Kisor weiterhin unter Verschluss. Weder Tika, noch die Inosch nehmen offiziell Stellung. Anfragen von kisorischen Bürgerrechtsgruppen werden ausweichend beantwortet. Der Spacedome-Vorfall widerspricht dem kisorischen Moralempfinden, dass nach menschlichen Maßstäben oft humanitärer ist, als die Menschenrechte der Erde. Je nach politischer Orientierung wird die Angelegenheit als "Auswuchs des Krieges" oder als "übertrieben" bezeichnet. Aber Erinnerungen daran werden auf Kisor heute lieber vermieden.

Der Angriff:

Das Solsystem war seit Anfang 2720 belagert. Dies begann mit der Unterbindung Handelsverkehrs. Ende 2720 nahm Kisor das Uranus-System ein. Kisor befestigte die Monde Miranda und Sycorax als Basen zur Belagerung des inneren Systems. Uranus bildete den Eckpunkt eines Tetraeders, der sich langsam um Sol drehte. Die anderen 3 Eckpunkte bestanden aus Forts und Truppenkonzentrationen, aber Uranus war die Hauptbasis. Einige freie Habitate im äußeren System liefen über. Kuiper-Belt Objekte konnte die Koalition nicht halten, aber die Kapitulation des Jupitersystems und der inneren Sphäre lagen noch Jahre entfernt. Der Spacedomes lag tief im System und geschützt durch die 35. Schutzflotte. Vorgeschobene kisorische Einheiten waren mehr als eine Lichtstunde entfernt, immerhin eine Milliarde Kilometer.

Am 3. Juli 2721 drangen kisorische Einheiten überraschend zum Spacedome vor. Das Oberkommando der Koalition ging davon aus, dass es sich um einen kurzfristigen Terrorangriff handelte und erwartete, dass sich der Gegner bald zurückziehen würde. Die Verschiebung der kisorischen Kräfte entblößte mehrere vorgeschobene Basen Kisors. Die Koalition konnte zwei Basen zerstören und einen Tetraeder-Eckpunkt einnehmen. Die Aktion galt als Befreiungsschlag. Die Koalition gruppierte die Streitkräfte wieder um, um den Abzug der feindlichen Kräfte aus dem Bereich des Spacedomes zu erzwingen. Doch die kisorischen Einheiten widerstanden dem einsetzenden Druck.

Sie hatten die Ruhephase genutzt, um Nachschub heranzubringen. Die Kisori tasteten den Spacedome nicht an, der ja durch das Abkommen geschützt war, befestigten aber mehrere momentan und zukünftig benachbarte Asteroiden. Der Spacedome selbst wurde durch zwei Raumforts gesichert. In den folgenden Jahren verteidigten die Kisori meistens erfolgreich den Keil, der vom Uranus bis in den Spacedome Sektor reichte. Die Koalition konnte mehrmals für kurze Zeit die Kontrolle an sich reißen, aber nie die Blockade des Spacedomes dauerhaft durchbrechen.

Die Installation:

Wie die Installation genau ablief ist nicht bekannt. Man kann davon ausgehen, dass Landung und Eindringen als Angriff gelten und damit eine Verletzung des Kriegsabkommens darstellen. Es ist aber unklar, ob sich die Installateure wirklich gewaltsam Zutritt zur Anlage verschafften. Es gibt Hinweise, dass Hilfe aus dem Spacedome Gewaltanwendung unnötig machte.

Der Umzug der Kongregation i. R. in den Spacedome war nicht ohne Widerspruch. Manche der ansässigen Glaubensgemeinschaften fürchteten ihren Sitz faktisch zu verlieren, wenn der Spacedome für das gesamte innere System wieder als Sitz der Kongregation gelten würde. Vor allem radikale Zerotheisten widersetzten sich gewaltsam. Der Spacedome barg das wichtigste Heiligtum der Glaubensgemeinschaft, die Stele von deren Spitze Werner von Nagora seine berühmte Andacht gehalten hatte. Die Stele wurde nach der Heiligsprechung auch von der Kongregation beansprucht. Es gab mehrere Anschläge auf Einrichtungen der Kongregation. Gegen führende Zerotheisten wurden ermittelt. Einige wurden der Station verwiesen.

Nach Aussagen von Überlebenden landeten Kisori zuerst im Shiva Bereich des Spacedomes. Dort lagen viele Wohnquartiere der Zerotheistischen Gemeinschaft. In mehreren Wohneinheiten wurden die Energieleitungen für Wohnbereiche ungewöhnlich stark beansprucht. Die Kosten wurden ganz legal über die Accounts der Bewohner abgerechnet. Später stellte sich heraus, dass die Personen direkt oder indirekt zu den Zerotheisten gehörten. Das Energieaufkommen kann durchaus für den Betrieb des ersten Kommandoknotens aufgewendet worden sein. Überwachungskameras in diesem Bereich waren nachweislich getäuscht worden. Trotz der Hinweise gibt es keinen Beweis für eine aktive Beteiligung der Zerotheisten. Im Shiva Bereich gab es keine Überlebenden.

Die Menschen:

Im Jahr 2415 wurde die Zentrale der vereinigten christlichen Glaubenskongregation im Raum in den Spacedome verlegt. Der Spacedome stand damals kurz vor der Fertigstellung. Er war schon aus großer Entfernung ein überwältigender Anblick, ein modernes Kunstwerk aus Ceramacrete, Fulleroidstahl und Formdiamant, gebaut und geformt aus einem 22 km großen Kohlenstoff-Aluminium-Eisen-Asteroiden. Neben grandiosen Hallen gab es Arbeitsplätze, Wohngebiete und technische Einrichtungen für eine permanente Bevölkerung von 100.000 Menschen und bis zu 1/2 Mio. Besucher. Life-Support war ausgelegt für annähernd 1 Mio. Menschen. Neben der Glaubenskongregation im Raum waren auch mehrere andere Großreligionen vertreten.

Bei der Eröffnung lebten schon 50.000 Menschen beim Spacedome. Die Bevölkerung wuchs im folgenden Jahrhundert bis auf 400.000 ständige Bewohner. Als sich auch immer mehr Industrie ansiedelte, zog sich die Zentrale der Glaubenskongregation nach fast 100 Jahren zurück. Religionen und Glaubensgemeinschaften blieben aber weiterhin stark vertreten. Nach den Belastungen der Kelrec-Krise wurde der Spacedome gründlich renoviert. Er erstrahlte danach im alten Glanz, wären da nicht die inzwischen zusätzlich gewachsenen Strukturen gewesen, die ihm etwas von der Großartigkeit nahmen. In der Folge nahm der Anteil der kleinen Glaubensgemeinschaften und spiritistischen Gemeinschaften zu. Die Gesamtbevölkerung nahm langsam ab. Der Spacedome blieb aber ein religiöses und spirituelles Zentrum des mittleren Solsystems.

Dann im Jahr 2721 wurde die Erzdiözese der inzwischen reformierten befreiten Kongregation von Titan wieder in den Spacedome verlegt und zwar in den sogenannten Polarisbogen. Damit übersiedelten 8.000 Gesandte der Kirchenverwaltung und 25.000 anderes Personal. Die Gesamtbevölkerung betrug danach ca. 230.000, davon 60.000 Besucher und Flüchtlinge, 30.000 technisches Personal und 25.000 Kinder. Zu dieser Zeit war das Solsystem belagert. Aber der Orbit des Spacedomes lag tief im System und war fest in der Hand der Koalition. Trotzdem konnten kisorische Kräfte den Sektor erobern, dauerhaft sperren und die Nanokomplexe installieren. 150.000 Zivilisten sahen sich 800 aggressiven Nanokomplexen gegenüber. Die Menschen setzen sich aus sehr vielen Gruppen zusammen. Viele waren Kirchenvertreter der großen und kleinen Religionen. Es gab fast keine Personen mit militärischem Hintergrund. Bevor die Menschen lernten, sich einigermaßen gegen die Nanokomplexe zu behaupten, mussten sehr viele unschuldige Menschen sterben.

Die ersten Konfrontationen waren fatal. Die Menschen versuchten dem Gegner auszuweichen, da es keine Waffen gab mit denen man sich richtig hätte wehren können. Kurz nachdem die erste Meldung von der Installation kam, konnten einige Techniker einer ansässigen Wartungsfirma mit den Mitteln ihrer Werkstatt zwei Nanokomplexe ausschalten. Sie brachten mehrere Minifabs in Sicherheit, bevor der Gegner die Technikzone im Polarisbogen einnahm. Die Minifabs konnten später mit eingeschmuggelter Software verschiedene Nanophagen fertigen. Der erste richtige Widerstand wurde von den Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma organisiert, die sich zufällig als Besucher im Spacedome aufgehalten hatten. Die Gruppe rekrutierte und trainierte schnell 50 Männer und Frauen. Nach einem Monat konnten sie einen Nano zur Strecke bringen. Der frühe Widerstand war aber nur vereinzelt und nicht effektiv, weder bei der aktiven Bekämpfung, noch beim Schutz von Zivilisten. Innerhalb eines Monats verloren 30.000 Menschen ihr Leben.

Im Laufe der Zeit lernten die Menschen effektiver gegen die Nanokomplexe vorzugehen. Durch Fallen und Sperranlagen konnten Zivilisten und vor allem Kinder besser geschützt werden. Gleichzeitig beteiligten sich immer mehr Menschen, die vorher ein friedliches Leben geführt hatten an den Kämpfen. Die Menschen lernten zu kämpfen, jeder auf seine Art. Manche mit improvisierten Hightech-Mitteln, andere mit Lowtech, manche sogar mit vorindustriellen Hieb- und Stichwaffen. Manche nutzten ihre Computerfähigkeiten, um die Kommandostrukturen des Gegners zu stören. Einige kämpften lieber einzeln mit Guerillataktiken, andere in großen Verbänden. Im Lauf der Zeit gelang es immer wieder Freiwilligen und Spezialeinheiten zum Spacedome vorzudringen, um die Bewohner zu unterstützen. Einige kamen als Kampftruppen, andere brachten Ausrüstung oder Software für die Minifabs.

Ein großer Glücksfall war die Ankunft von 3 Überlebenden einer gepanzerten Infanterieeinheit. Die 3 erreichten den Spacedome, nachdem ihre Kompanie bei einem Landungsversuch auf einem der befestigten Asteroiden gescheitert war. Sie kamen mit intakten Gefechtsanzügen gerade rechtzeitig, um das Kinderlager im blauen Sektor zu retten.

Illegale Bewohner spielten eine verhältnismäßig große Rolle im Widerstand. Einige hatten schon seit langer Zeit ein Leben am Rande der Gesellschaft geführt, manche sogar mit einigem Erfolg. Sie waren es gewohnt, sich mit mehr oder weniger legalen Mitteln gegen einen übermächtigen Gegner durchzusetzen. Sie tauschten die Kontrollorgane der Station gegen den neuen Gegner. Der überwiegende Teil dieser Gruppe trat aus dem Schatten heraus und engagierte sich im Abwehrkampf. Ab und zu trafen Spezialeinheiten ein, die mit Geschick oder Glück den Spacedome trotz Blockade erreichen konnten. Aber den größten Teil des Kampfes leisteten die ehemals friedlichen Bewohner.

Das Monitorsystem:

Während der gesamten Zeit bleibt das stationseigene Überwachungssystem in Betrieb. Es war genauso wie die Struktur geschützt durch das Kriegsabkommen. Schäden, die bei Kämpfen entstanden, reparierten die Nanokomplexe so gut wie möglich. Teilweise wurden optische und akustische Sensoren durch kisorische Minifab-Varianten ersetzt. Die Aufnahmesysteme waren verbunden mit lokalen Hubs, die wiederum über den Stationsbackbone an Lasertransmitter sendeten. Die Lasertransmitter übermitteln ihre Daten ständig an 3 Empfänger im inneren System. Die Laser werden automatisch nachgeführt. Bis zu 3.000 audiovisuelle Kanäle wurden ständig gesendet, 500 davon in 3D-Qualität durch Aggregation mehrerer Videosensoren und Laserscanner. Die ursprünglichen Empfänger waren der SecuriTrust Knoten Ceres, Insystem Datahaven Mars via Deimos und eine Servicestation in der näheren Umgebung. 2723 übernahm der SAD den Mars-Empfänger mit der Begründung, dass die Aufnahmen sicherheitsrelevant seien. Große Teile davon wurden bei der Eroberung des Mars durch Kisor zerstört, da keine verteilten Backups bestanden. SecuriTrust erstritt vor Gericht das Recht weiter empfangen zu dürfen und archivierte auf eigene Kosten, trotz Kündigung des Monitoringvertrags durch die Betreibergesellschaft des Spacedomes. Die Transmissionen ließen sich nicht von außen unterbinden. Sie liefen mit den voreingestellten Empfängern weiter.

Insgesamt gab es ca. 80.000 Videosensoren, davon 30.000 in 3D. Die gesendeten waren eine dynamische Auswahl aller aktiven Sensoren. Die KI der Hubs ermittelte Schnittsequenzen, um komplette Aktionen über Sensoren hinweg zu verfolgen und schaltete die entsprechenden Kanäle auf die Lasertransmission. Die solare Bevölkerung erlebte so das Geschehen quasi live. Automatische Kameras dokumentierten Gefechte, Niederlagen, Siege und Heldentaten. Die lange, schwere Tragödie ist später Quelle für unzählige Medieninhalte, Dramen, Filme, Simulationen und Schriften. Als Quellenmaterial wird vor allem das Archiv von SecuriTrust herangezogen. 2764 wurde das Archiv in das Kulturerbe der Koalition aufgenommen.

Der Kampf:

Die lange, schwere Tragödie ist später Quelle für unzählige Medieninhalte, Dramen, Filme, Simulationen und Schriften. Sie wird zu einem der wichtigsten Ereignisse der frühen interstellaren Geschichte der Menschheit. Der Krieg selbst bleibt weniger im kollektiven Gedächtnis der solaren Menschheit, als die Spacedome-Tragödie.

Viele Einzelgeschehnisse bleiben unvergessen wie:

- der abenteuerliche Abtransport der Minifabs aus der Technikzone im Polarisbogen,

- der frühe Gegenangriff der Touristen von Phobos Object Protection Inc. mit ihrer zusammengewürfelten Freiwilligentruppe,

- der große 3-Sektor Sieg,

- der lange hin- und herwogende Kampf um die Pol-Werkstatt,

- der geniale Replikationsexploit von SuTse durch den die Nanokomplexe sogar Pulser für die Menschen fertigten,

- der tragische Konflikt in der Führung der Orion Gruppe,

- das Solstadt-Massaker,

- die Herstellung einer bidirektionalen Kommunikationsverbindung über manipulierte Cams als Sender und improvisierte Solarzellen als Empfänger über die Designs von Nano-Phagen für die Minifabs heruntergeladen wurden,

- die erfolgreiche Neutralisierung des 3. strategischen Kommandoknotens bei der erstmals der "seltsame Pfad des müden Hunters in Überzahl" erfolgreich angewendet wurde,

- die Selbstaufopferung Asram Güdans zur Rettung des Kinderlagers im blauen Sektor,

- der EVA-Treck der 30.000 um die halbe Station,

- die spektakuläre Evakuierung von 12.000 Bewohnern durch die Rama Gilde,

- der epische Zweikampf zwischen Condolezza Madrigal und dem Wächter der südlichen Vorhalle,

- der Überläufer G765998TN ("Gee") und sein unendlich wichtiger Beistand.

Die Rettung:

Ende 2727 gab Kisor die Blockade des Spacedomes auf. Wenige Monate zuvor war die Schlacht um die Erde für die Koalition verloren gegangen. Kisor hatte die Raumhoheit errungen und bereitete sich darauf vor, große Truppenkontingente zu landen. Durch die Verlagerung des Schwerpunktes zur Erde gewannen einige Asteroidenbasen ihre Handlungsfreiheit wieder. Einige, vor allem Survivalistenfraktionen, hatten sich jahrelang bedeckt gehalten und waren nicht entwaffnet worden. Die Bewohner von Ceres-Südpol überwältigen die kisorische Garnison mithilfe externer Survivalisten. Sie konnten daraufhin ganz Ceres befreien und gründeten die Solaren Befreiungsfront (SLF). Während Kisor Truppen in Europa landete, gelang es der Solaren Befreiungsfront weitere kleine Stationen im Asteroidengürtel zu übernehmen. Die meisten dieser Erfolge waren ohne strategische Bedeutung. Sie dienten nur der Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit, denn es handelte sich vor allem um Tankstationen, Rohstoffquellen für Minifabs und Nahrungsmittelproduzenten.

Eine der spektakulärsten Aktionen der Solaren Befreiungsfront war Mitte 2727 die Rettung der Überlebenden des Spacedomes. Zu diesem Zeitpunkt gab es weniger als 31.000 Überlebende und noch etwa 100 Nanokomplexe an 2 Kommandoknoten. Die kleine Rettungsflotte der SLF kämpfte sich durch die kisorischen Wachschiffe. Die verbliebene Wache bestand aus nur 4 Fregatten von denen 2 seit dem Kampf um die Erde beschädigt waren. Die SLF verlor einen leichten Zerstörer und der schwere Kreuzer, das Rückgrat der Flottille, nahm schweren Schaden. Der Kampf fand sehr nahe beim Spacedome statt, da die Kisori die Struktur als Ortungsdeckung nutzten. Unglücklicherweise detonierten die Sprengköpfe von Anti-Schiff Röntgenlasern der SLF in 5 km Entfernung vom Polarisbogen des Spacedomes. Der Polarisbogen wurde komplett zerstört und angrenzende Sektoren stark beschädigt. Im Spicaabschnitt verloren dabei 7145 Menschen ihr Leben. Die SLF landete mit schweren Bodentruppen und hielt die Nanokomplexe so lange in Schach, bis die Überlebenden in Sicherheit waren. 23.647 Menschen konnten schließlich gerettet werden.

Nach dem Krieg wurde der neue Dom um die Reste der alten Struktur herum gebaut. An vielen Stellen des Abwehrkampfes wurden Denkmäler errichtet. Die zentrale Gedenkstätte befindet sich in der neuen südlichen Vorhalle zur Blackstar-Hall.

Die Domgeister:

Obwohl dies alles nun schon lange her ist, gibt es immer wieder Gerüchte, dass einzelne Nanokomplexe überlebt haben. Fast vollständig deaktiviert könnten sie in Verstecken nach dem Krieg Säuberung und Umbau überdauert haben. Immerhin sind die autonomen Nanokomplexe intelligente Individuen mit Bewusstsein. Falls es noch welche gibt, dann verhalten sie sich sicher so vorsichtig, wie möglich. Sie wissen, dass jeder Zwischenfall gut ausgerüstete Polizeikräfte auf den Plan rufen würde. Tatsächlich gibt es im Spacedome unverhältnismäßig viele spontane Störungen im Energiesystem, meistens jedoch in Industriebereichen wo Verbrauchsspitzen und aktive Energiesicherungen alltäglich sind. In all den Jahren seit der abschließenden Säuberung wurde kein Nanokomplex mehr entdeckt. Aber man erzählt sich von Schatten und Bewegungen die aus Augenwinkeln wahrgenommen werden; von Gegenständen, die verschwinden; und wenn es in der Dunkelphase seltsame Geräusche gibt, dann fürchten sich viele Menschen davor, dass hinter der Wand ein Nano entlangschleicht. Mit anderen Worten: Es spukt im Spacedome.

#Schwert #Schild #Lowtech #Nano #Naniten #autonom #Krieg #Abkommen #Falle #Religion

http://jmp1.de/h2720

Chanakya-Verschwörung

Diese 3 Ereignisse haben einen gemeinsamen Grund: eine gewagte Mission, eine Beinahekatastrophe, ein riesiger Betrug
Alle 3 Teil einer Verschwörung, die fast den Untergang des Solsystems zur Folge hatte
2630 Aufdeckung der Chanakya-Verschwörung. Venus Habitate wollen die Macht an sich reißen. Ein geheimer Plan weist Aliens den Weg in unser Sonnensystem und führt fast zur Vernichtung der Menschheit...

Nach einer Sperrfrist von 100 Jahren wird ein Infoblock der Magadha-Sangha Föderation/Venus freigegeben, der Hinweise auf den sogenannten Chanakya-Plan enthält. Der Infoblock ist nur einer von vielen, die regelmäßig nach Ablauf ihrer Geheimhaltungsfristen publiziert werden. Investigative Nachforschungen bringen einen weitreichenden Plan zutage, den Magadha-Sangha, ein Zusammenschluss reicher Venus Habitate in der ersten Hälfte des 26. Jahrhunderts verfolgte. Der Plan zielte darauf ab, die fragmentierte interplanetare Zivilisation des Solsystems unter einem gemeinsamen politischen Dach zu vereinen.

Magadha-Sangha und viele andere Fraktionen im inneren System betrachteten damals die Venus, den Schwesterplaneten der Erde, als neues Zentrum des Solsystems. Die Venus sollte die Nachfolge der Erde antreten, die sich vom Rest des Systems isoliert hatte. Zwar waren bis dahin alle Terraforming Aktivitäten gescheitert, aber es gab unzählige schwebende Habitate in der oberen Atmosphäre der Venus. Die Venus-Habitate bieten in 50 km Höhe die erdähnlichsten Lebensbedingungen im gesamten System, einschließlich einer irdischen Gravitation und freien Bereichen unter einem blauen Himmel. Auf der Venus gibt es die besten Lebensbedingungen für Menschen ohne genetische Anpassungen an niedrige Schwerkraft. Die Venus war ein Paradies für Erd-Nostalgiker und gleichzeitig sehr wohlhabend.

Die Magadha-Sangha Föderation versuchte mit dem Chanakya-Plan andere Siedlungen, Habitate und Raumstationen im ganzen System wirtschaftlich und politisch abhängig zu machen mit dem Ziel, dass diese dann der Venus-Föderation beitreten. Magadha-Sangha sollte der Nukleus der Venus-Föderation werden aus der dann die solare Föderation hervorgehen sollte.

Die unnachgiebige Haltung der venusischen Kreativ-Kartelle in der Galileo-Krise 2515 war wohl im Einklang mit dem Chanakya-Plan. Selbst in der größten Not beharrten sie auf der Einhaltung des DRM. Letztlich gab dies der Mengchu-Bewegung auftrieb und beschädigte eher die IP-Interessen der Kreativ-Kartelle. Die Galileo-Krise war wohl der erste große Fehlschlag des Chanakya-Plans, aber nicht der Einzige.

Der Chanakya-Plan fiel schließlich in sich zusammen, als die Isolation der Erde endete. Mit der Öffnung der Erde nach dem Ende das Systemkriegs 2570 änderten sich schlagartig die Rahmenbedingungen. Die Entwicklung im Solsystem wurde dann wieder von den vielen Milliarden Menschen und dem wirtschaftlichen Potential der Erde bestimmt. Die interplanetare Zivilisation verlor an Bedeutung. Sie blieb technologisch, wirtschaftlich und kulturell wichtig, war aber nicht mehr dominant. Die Erde wurde schnell wieder zum Zentrum des Sonnensystems. Aber bis dahin entfaltete Magadha-Sangha im Rahmen des Chanakya-Plans einige Aktivitäten.

Die Veröffentlichung des Plans ist unangenehm für die damals Beteiligten. Manche sind auch 100 Jahre später noch politisch aktiv. Eigentlich ist die Tatsache, dass Magadha-Sangha einen langfristigen Plan hatte, wenig überraschend. Viele Fraktionen und Mächte haben Pläne und manche versuchen diese auch rücksichtslos durchzusetzen. Viel skandalöser als die Existenz des Plans sind einige Einzelaktionen und deren dramatische Folgen.

Besonders bemerkenswert ist die geheime Expedition in das Artu-System ab 2518. Die Mission sollte überlegene außerirdische Technologie beschaffen. Dafür flogen einige der frühen Interstellarschiffe nach Artu. Die Expedition war erfolgreich und konnte tatsächlich Kontakt zur Artu-Zivilisation herstellen. Die Artu-Zivilisation ist sehr vielfältig und fragmentiert. Es gibt keine einheitliche Regierung sondern unzählige souveräne Clans. Die Expedition konnte mit einigen Clans handeln und sie erreichte das Missionsziel. Sie brachte Technologie von Artu zurück.

Der Rückflug fand nicht, wie ursprünglich geplant, mit den eigenen Schiffen statt (was 11 Jahre gedauert hätte), sondern mit einem Schiff des q3-Clans von Artu in nur sechs Tagen.

Der erste Besuch eines extrasolaren Schiffes war also nicht die Ankunft des Marui-Händlers 2544 auf Ibadan, sondern schon 13 Jahre früher im Jahr 2531, die Rückkehr der Artu-Expedition an Bord eines Clan-Schiffes. Der Besuch von Artu wurde vor der Öffentlichkeit verborgen. Das würde man als Täuschung und Skandal bezeichnen, wird aber von den weiteren Entwicklungen in den Schatten gestellt. Ab 2531 gab es regelmäßig geheimen Kontakt zwischen Magadha-Sangha und q3. Personal von Magadha-Sangha reiste nach Artu und q3-Sophonten waren in getarnten Schiffen im Solsystem unterwegs.

Wir wissen nicht warum q3 sich im Solsystem so engagierte und eine geheime Partnerschaft mit Magadha-Sangha einging. Aber sicher bietet eine neue Zivilisation im Aufbruch, wie die Menschheit, großes Potential für einen kleinen, aber technologisch weitentwickelten Partner. Die Motive von Magadha-Sangha sind offensichtlich. Magadha-Sangha erhielt exklusiven Zugriff auf überlegene Technologien. Sicher ist, dass q3 Infiltrationswerkzeuge lieferte, die alle solaren Informationsbarrieren überwinden konnten. Welche Maßnahmen im Einzelnen damit durchgeführt wurden, ist nicht bekannt. Mehrere bisher unerklärliche Ereignisse in den Jahren 2532 bis 2542 könnten darauf zurückzuführen sein, dass Magadha-Sangha weitreichenden Zugriff auf die Informationsinfrastruktur des ganzen Systems hatte.

Einige Dokumente verraten auch, dass Magadha-Sangha mit der Kooperation unzufrieden war. q3 lieferte vor allem technische Geräte, aber wenig Know-how. Ursprünglich war Magadha-Sangha an Software und Know-how interessiert. Baupläne, mit denen man selbst überlegene Technik herstellen kann, sind natürlich wertvoller, als Geräte ohne begleitendes Know-how. Leider begrenzte q3 den Zugang zu Software, Plänen und Informationen. Magadha-Sangha begann deshalb eigene Forschungen auf Basis der spärlichen Informationen von q3 und ohne q3 zu informieren.

Das führte einige Jahre später zum Mukhagni-Zwischenfall in einer der geheimen Forschungsanlagen. Dokumente, die über den Forschungsgegenstand Auskunft geben könnten, sind weiterhin geheim. Es gibt Hinweise, dass es sich um biologische Forschung mit Viren handelte. In Verbindung mit den öffentlich sichtbaren Ereignissen rund um Mukhagni im Jahr 2540 erscheint die Kessler-Viroidae Theorie glaubhaft.

Mitarbeiter von Magadha-Sangha könnten von ihren Artu-Partnern von den anorganischen Viren und ihrem Potential als Nano-Assembler/Disassembler gehört haben. Replikatoren, also Nano-Assembler, gehörten zur Liste gewünschter Technologien der ursprünglichen Artu-Expedition. Zudem waren Kessler-Viroidae seit 2478 bekannt. Die anorganischen Viren sind normalerweise nur schwach aktiv und harmlos. Heute wissen wir, dass sie Gene für aggressive Disassembler enthalten. Kessler-Viroidae sind in sehr geringen Mengen im interplanetaren Staub fast omnipräsent. So wurden sie auch entdeckt. Die Beschaffung des Basismaterials wäre für Magadha-Sangha also möglich gewesen, ohne Wissen von q3. Vielleicht hoffte Magadha-Sangha, durch Manipulation der Viren, Disassembler oder sogar spezialisierte Assembler herstellen zu können. Jedenfalls ging das gründlich schief und die Forschungsstation musste auf spektakuläre Weise – systemweit für alle sichtbar – zerstört werden.

Nach Mukhagni brach der Kontakt zu q3 ab. Die Artu-Sophonten scheinen das Solsystem fluchtartig verlassen zu haben. Anscheinend waren die Verantwortlichen bei q3 so von den Ereignissen schockiert, dass sie die Zusammenarbeit mit Magadha-Sangha sofort und vollständig beendeten. Das ist nach heutigem Wissen verständlich, denn es gilt als erwiesen, dass eine aggressive Variante dieser Viren vor ca. 30.000 Jahren den sogenannten Brand ausgelöst und dabei mehrere interplanetare Zivilisationen ausgelöscht hatte.

Mit welcher Technologie auch immer auf Mukhagni gearbeitet wurde. Dieser Teil des Chanakya-Plans brachte die Menschheit an den Rand der Vernichtung.

Danach wird es ruhig um den Chanakya-Plan. Aber einige Jahre später hat die erste Artu-Expedition dann noch andere gravierende Auswirkungen.

Im Jahr 2574 erscheinen Schiffe von Artu im Solsystem und fordern Tribut. Es sind Vertreter eines anderen Artu-Clans. Sie hatten von der Menschheit erfahren und offensichtlich beschlossen, ihre technische Überlegenheit auszunutzen, um die Menschheit zu erpressen. Ein Schicksal, das viele Völker ereilt.

Bisher ging man davon aus, dass das Wissen über das Solsystem durch den Marui-Besuch 2544 nach Artu gelangte. Aber im Lichte der Chanakya-Veröffentlichungen ist ein anderer Weg wahrscheinlicher. Der Artu-Clan, dessen Schiffe im Solsystem erscheinen, hatte in der Folge der Magadha-Sangha Expedition von der Menschheit erfahren und so auch die interstellare Position des Solsystems erhalten.

Man weiß nicht, ob dieser Clan schon bei der ersten Expedition mit Magadha-Sangha Personal zu tun hatte oder ob er erst später, durch q3, von der neuen Zivilisation im Solsystem erfuhr. Jedenfalls kommen sie mit ihren überlegenen Schiffen zu uns. Sie behaupten Abgesandte eines Imperiums zu sein, der Artu-Domäne, und etablieren ein Tributsystem bei dem die Menschheit 1/32 ihrer Wirtschaftsleistung abliefern muss. Zuerst für 41 Jahre an die sogenannte Artu-Domäne und dann 15 Jahre an den Artu Polizei-Clan p53, der die Menschheit von der Artu-Domäne befreit.

Obwohl sich 1/32 der Wirtschaftsleistung nicht viel anhört, summiert sich der Tribut auf zwei Jahres-Bruttosozialprodukte des Solystems. Das entspricht dem 20-fachen Wert der gesamten Gold- und Platinvorräte der Menschheit.

Während der Herrschaft der Artu-Domäne kommt es außerdem immer wieder zu Anschlägen auf die Tributinfrastruktur. Die Artu-Domäne geht gewaltsam dagegen vor und zerstört mehrere Habitate. Insgesamt verlieren 750.000 Habitat-Bewohner ihr Leben, davon 300.000 final. Auf der Erde brechen durch die Ankunft der Artu-Domäne Konflikte zwischen Expansionisten und Isolationisten wieder auf. Es kommt in der Folge zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit 230.000 Opfern, davon 150.000 final.

Magadha-Sangha ist nicht nur verantwortlich für die Beinahe-Vernichtung der gesamten Menschheit beim Mukhagni-Zwischenfall, sondern auch für einen gigantischen wirtschaftlichen Schaden und 220.000 permanente Opfer.

Die Magadha-Sangha erleidet einen signifikanten Reputationsverlust. Die Verantwortlichen des Chanakya-Plans, die noch politisch aktiv sind, müssen zurücktreten. Einige werden angeklagt. Aber die meisten Taten sind verjährt. Die Verjährungsfristen für die letzten Tributjahre sind dagegen noch nicht abgelaufen. Nach erfolgreichen Schadenersatzklagen gegen Magadha-Sangha müssen viele der beteiligten Venus Habitate Konkurs anmelden. Manche werden als abhängige Einheit übernommen. Andere müssen geräumt werden. Die Bewohner verlieren ihre Heimat und das leere Habitat wird verkauft.

Im Zusammenhang mit der Chanakya-Verschwörung werden die frühen interstellaren Kontakte neu untersucht. Unter dem gewachsenen Einfluss der Erde kommt dabei eine konservative Interpretation des Expansionismus zum Tragen. Die interstellare Position des Solsystems gilt als besonders schützenswert. In vielen Jurisdiktionen ist sie ein Staatsgeheimnis. Kelonikoa Pono hatte etwa um 2530 auf Dilan die Positionsdaten des Solsystems an einen Marui-Händler weitergegeben. Das war durch die interplanetare Koalition sanktioniert. Pono handelte als Bevollmächtigte der Koalition. Aber die neue Koalition, nach der Aufnahme der irdischen Staaten, bewertet das nun anders. Auch die neue Koalition ist expansionistisch geprägt. Schließlich haben die expansionistischen Staaten den Systemkrieg gewonnen und dominieren in Kalkutta und Vegas/Luna. Aber die Herausgabe der Position des Solsystems wird inzwischen als Verrat angesehen. Entsprechend ändert sich die Wahrnehmung Ponos in der öffentlichen Meinung. Aus der Visionärin, die in der Dilan-Krise ihr Leben gab, um die Menschheit zu den Sternen zu führen, wird die abtrünnige Verräterin an der Menschheit.

Geheimpläne und ihre fatalen Folgen

Oft hängen Ereignisse zusammen. Auch wenn sie über viele Jahre verteilt sind. Für alles gibt es einen Grund.

Drei Dinge, die scheinbar unabhängig sind. Aber sie haben einen gemeinsamen Grund. Den erfahren die Menschen erst 100 Jahre später.

#Machtpolitik #Aliens #Nanotechnologie #Verschwörung #Beinahekatastrophe

Drei Ereignisse:
  1. Eine gewagte Mission ins Unbekannte mit dem Ziel, sich einen Machtvorteil zu verschaffen: 2518 Geheime interstellare Mission
  2. Eine mysteriöse Beinahekatastrophe mit der ein eigentlich geheimes Projekt systemweit bekannt wird: 2540 Mukhagni-Zwischenfall
  3. Ein riesiger Betrug durch Aliens unter dem das ganze Sonnensystem leidet: 2574 Artu-Domäne, der größte Betrug aller Zeiten
Eine Verschwörung.

Morgen kommt die Auflösung.

2843 Schatzsuche zwischen den Sternen

Während der Koloss von Ifri sich auflöst, entsteht eine riesige Fragmentwolke. Viele Schatzsucher durchstöbern das Gewirr von umherfliegenden Bauteilen nach wertvollen Objekten und Rohstoffen. In der Wolke warten unermessliche Reichtümer. Es gibt verborgende Schätze, exotische Artefakte, Scouting, Hacking, Gerüchte, Entdeckungen und Verschwörungen.

Aber die Bergungsoperationen sind mit großen Risiken verbunden. Gefragt sind harte ehrliche Arbeit, besondere Fähigkeiten, Vorsicht und Kampfbereitschaft. Reichtum und Tod liegen nahe beieinander. Der Tod kommt schnell und oft. Er ist aber nur temporär bis zum Backup, wenn es eines gibt.

Das Raumschiff war ursprünglich 200 km lang. Es ist viel größer als die mobilen Einheiten der bekannten Völker und es ist voll mit Ausrüstung. Manche der lokalen Völker haben ähnlich große Strukturen im Raum. Aber das sind vor allem Habitate oder Terminals und keine massiven Objekte.

Das Millionen Jahre alte Riesenraumschiff zerlegt sich nun selbst. Es entsteht eine Wolke aus vielen Milliarden Fragmenten. Milliarden Fragmente zu bergen und zu analysieren dauert lange. Das ist Arbeit für Jahrzehnte. Zumal alle Fragmente durcheinanderwirbeln und die Bergung gefährlich machen. Trotzdem lohnt es sich, die Risiken einzugehen.

Die Wolke aus Fragmenten ist sowohl Rohstofflager, als auch Quelle für exotische Geräte einer uralten Zivilisation. Manche Einzelteile sind sehr wertvoll als Rohstoff. Manche funktionieren noch. Man versteht nicht von allen Teilen die Funktionsweise, aber manche können erstaunliche Dinge. Es gibt exotische Waffen, ultraeffiziente Reaktoren, Nano-Werkzeuge, kompakte KI, sogar Autofabs, die Artefakte herstellen. Das meiste von dem was man findet, kann man nicht einfach in einer eigenen Fab reproduzieren. Die Artefakte entstammen einem höheren Techlevel als dem interstellaren Standard der lokalen Völker. Man bekommt sie nur in der Fragmentwolke und nur mit Glück, wenn man den richtigen Container findet, wenn bei der Bergung nicht das Leben verliert und wenn man sich die Fracht hinterher nicht aus Versehen abjagen lässt.

An der Bergung beteiligen sich große Organisationen, wie Staaten und Konzerne, aber auch unabhängige Prospektoren auf eigene Rechnung. Es gibt oft Konflikte um einzigartige Objekte. Die Bergungsorganisationen beobachten sich gegenseitig. Sie versuchen anderen bei interessanten Objekten zuvorzukommen oder sie sich hinterher abzujagen. Man muss immer auf der Hut sein und sich und die Ladung schützen.

Es gibt sogar Piraten, die nicht selber bergen, sondern nur die Ladung von anderen an sich nehmen. Einige Prospektoren markieren Objekte oder zeichnen ihren Kurs auf, um sie später wieder zu finden. Manchmal werden diese Pläne und Codes aber auch gestohlen und an den Meistbietenden verkauft, gelegentlich auch von den eigenen Mitarbeitern. Informationsbeschaffung, Subversion, Spionageabwehr und Verteidigung sind sehr wichtig.

Schon auf dem Standard-Techlevel haben viele Geräte eine KI. So auch die Artefakte der Fragmentwolke. Allerdings ist deren KI oft hochentwickelt und schwer zu beherrschen. Man braucht dafür exzellente Hacking-Fähigkeiten. KI kann auch gefährlich sein. Einige Artefakt-KIs haben schon das Schiff der Prospektoren übernommen.

Manche Fragmente oder Container werden von wehrhaften Mechanismen geschützt. Das können Fallen sein, oder infektiöse KI oder Kampfdrohnen oder Nanokomplexe oder vielleicht sogar ein Wesen, dass durch den Demontageprozess aus seiner Millionen Jahre langen Stasis geweckt wurde.

Es gibt Gerüchte, dass einige der legendären Baumeister des Kolosses im Raumschiff oder in der Fragmentwolke aktiv sind. Wahrscheinlich sind die Baumeister selbst nur Opfer der Demontage und versuchen sich zu retten. Sollte man tatsächlich einem von ihnen begegnen und ihn aus einer Notsituation retten, dann könnte man viel von ihm lernen. Aber das sind vermutlich nur Gerüchte.

Neben der Fragmentwolke gibt es auch noch die abgestoßene Hülle, das Schiffsskelett und den kugelförmigen Kernbereich. Die Hüllenfragmente bestehen aus einem besonderen widerstandsfähigen Material, das viele gerne beim Raumschiffbau benutzen würden. Es ist schwer zu verarbeiten. Aber einige Werften zahlen hohe Preise für das Hüllenmaterial. Es gibt Organisationen, die verhindern wollen, dass ihre Gegner oder Zivilisten in den Besitz des Materials kommen.

Die Fragmentwolke besteht aus drei Teilen: der innere Bereich, die Hauptwolke und der Halo. Die Hauptwolke ist etwa kugelförmig mit einem Durchmesser von ca. 2000 km. Sie enthält die Hauptmasse der Fragmente. Dort dominieren Aggregate und Teile von Aggregaten, die zerlegt wurden. Container mit Artefakten sind selten. Aber es gibt sie. Die Hauptwolke liefert vor allem Rohstoffe. Aber auch in der Hauptwolke sind viele interessante Objekte. Man muss sie unter den Milliarden Einzelteilen nur finden.

Der innere Bereich der Wolke reicht bis in eine Entfernung von 100 km vom Schiffskörper. Dort ist die Konzentration von Containern und freifliegenden Artefakten besonders hoch. Man muss durch die Hauptwolke navigieren, um die Container-Wolke zu erreichen. Innerhalb der Containerwolke ist die Navigation wegen vielen autonom manövrierenden Einzelteilen besonders schwierig.

Der Halo erstreckt sich bis in eine Entfernung von ca. 10.000 km. Es besteht zum Großteil aus der Platten der ehemaligen Schiffshülle in Größen von wenigen Metern bis zu 100 Metern. Darunter mischen sich vereinzelt auch Aggregate und Container.

Auch das Skelett des riesigen Schiffes kann abgebaut werden. Es besteht aus einer besonders stabilen Komposite-Legierung. Natürlich ist es eine Herausforderung die Platten und Träger zu durchtrennen. Aber es ist machbar. Da sind viele Gigatonnen Baumaterial für die Werften der umliegenden Systeme, die nur abgeholt werden müssen. Ganze Flotten könnte man damit bauen. Leider gibt es semiintelligente Bots, die das Skelett patrouillieren und etwas dagegen haben, dass man es demontiert. Und manche Leute haben auch etwas dagegen, dass man sich am Skelett bedient. Aus kommerziellen, wie aus militärischen Interessen.

Der kugelförmige Kernbereich des Kolosses ist mit 200 Kubikkilometern selbst noch gigantisch groß. Er steuert die Demontage. Dort werden die Schlepper, Bots und Baumaschinen hergestellt, die die Demontage durchführen. Dort werden sie auch programmiert. Der Kernbereich ist interessant, wenn man versuchen will, den Verlauf der Demontage zu beeinflussen. Wenn man einige der Demontage-Bots programmieren könnte, dass sie bestimmte Bereiche abbauen oder wenn man Schlepper programmieren könnte, um Fragmente an bestimmte Positionen zu bringen oder wenn man Markierungen an Fragmenten anbringen könnte, damit man sie später in der Wolke wiederfindet, dann wäre viel geholfen.

Es gibt Gerüchte von Teams, die das geschafft haben. Aber man kennt nicht die Aktivierungscodes für die Markierungen. Man könnte mit einem Einsatzteam in den Kernbereich eindringen und etwas über die Arbeit der früheren Gruppe herausfinden und so auf die Spur der Aktivierungscodes oder der Zielkoordinaten kommen. Leider gibt es Bots, die den Kernbereich vor Eindringlingen schützen. Es gibt Gerüchte, dass dort sogar autonome Nanokomplexe auf Eindringlinge warten.

Der Koloss scheint die Bergung schwierig zu machen. Immer wieder werden Fragmente kurz vor der Bergung verschoben oder auf Kollisionskurs gebracht. Dafür gibt es einen Grund: der Koloss zerlegt sich nicht von selbst. Er wurde durch Wissenschaftler von Ifri dazu gebracht. Ein großer Stab von Wissenschaftlern und Ingenieuren aus vielen Disziplinen hatte 100 Jahre Zeit, das System zu analysieren und zu manipulieren. Sie haben einige Steuerorgane des Kernbereichs durch Programmierung und Täuschung der KI dazu gebracht, die Demontage durchzuführen. Wenn die zentrale KI das herausfindet, dann wird die Reaktion vermutlich drastisch ausfallen.

Ständig sind viele Ingenieure im Kernbereich damit beschäftigt, die Demontage am Laufen zu halten. Immer wieder werden Systeme durch Sicherheitsprotokolle des Schiffs zurückgesetzt und müssen neu programmiert werden. Neue Erkenntnisse über die Schätze des Raumschiffs werden in den Ablauf integriert. Einige Teile des Raumschiffs haben Kampfdrohnen hergestellt, um die Eindringlinge zu vertreiben. Deshalb arbeiten die Wissenschaftler ständig unter militärischem Schutz.

Der Demontageprozess wurde absichtlich so gestaltet, dass es für fremde Bergungsschiffe schwierig ist, die Ressourcen zu nutzen. Scheinbar spontane Manöver von Bergungsobjekten und Kollisionen sind in den Demontageprozess hineinprogrammiert, um die Bergung zu erschweren. Es sieht nach unkontrolliertem Chaos aus. Aber die Kurse der Schlepper und autonomen Container folgen komplexen Mustern. Diejenigen, die die Demontage ausgelöst haben, kennen die Bewegungsmuster und haben dadurch Vorteile. Viele Fragmente werden tatsächlich markiert. Die Markierungen können durch kodierte Funksignale aktiviert werden. Aber nur wenige kennen die Aktivierungscodes. Manche Container liefern sogar eine Inventarliste, wenn man den richtigen Code kennt.

Die Wirtschaft von Ifri wächst sehr stark. Das liegt daran, dass Ifri als nächstes System die Basis für viele Bergungsunternehmen ist und dass dort Artefakte und Rohstoffe umgeschlagen werden. Es liegt aber auch daran, dass einige Staatskonzerne von Ifri Insiderwissen haben und deshalb viel leichter an die Ressourcen der Wolke kommen. Da dies unter den Augen der anderen Prospektoren geschieht, ist es nicht einfach, das Geheimnis zu bewahren. Zu viel Glück bei der Bergung würde auffallen und es fällt auch manchen Teilnehmern auf. Die wenigen, die herausgefunden haben, wie die Ifri-Konzerne vorgehen, müssen sich bedeckt halten, sonst werden sie erbarmungslos verfolgt.

Für die Ifri-Konzerne und das ganze Ifri-System steht viel auf dem Spiel. Die Fragmentwolke ist der Schlüssel zu Wohlstand und Macht, für einzelne, für Konzerne und für das ganze System. Mancher im Ifri-System träumt schon von einem kommenden Großmachtstatus. Sie nennen es insgeheim "Le Grand Plan". Geheimdienste arbeiten daran. Und dazu gehört es, das Geheimnis zu schützen. Mit allen Mitteln. Einige sind sogar überzeugt, dass man die Ressourcen der Fragmentwolke anderen aktiv entziehen muss.

Ifri ist noch nicht stark genug, um fremden Kräften den Zugang zu verbieten. Der Koloss ist im interstellaren Leerraum weit entfernt von jedem Territorialanspruch. Das heißt aber nicht, dass man den anderen Interessenten alles überlassen muss. Manche Bergungsunfälle sind kein Zufall. Für Außenstehende ist nicht klar, warum es in der Fragmentwolke immer wieder zu Explosionen kommt. Meistens sind das Anzeichen für verdeckte Operationen von Ifri-Diensten ("Opération d'interdiction"). Aber nicht immer.

Ende des dritten Jahrtausends ist es kein Problem mehr, große persönliche Risiken einzugehen, um Fragmente zu bergen, Container zu öffnen oder Artefakte auszuprobieren; wenn man in einem Mech-Körper steckt, ein Backup hat und genug Mittel, um immer wieder in einem neuen Mech zu starten.

Es gibt selbständige Unternehmer, die genügend Mittel aufbringen können. Vielleicht weil sie am Anfang mal Glück bei der Bergung hatten und sich jetzt von den Ergebnissen finanzieren. Konzerne haben sicher die nötigen Ressourcen. Es gibt auch Arbeitssklaven, die mit dem Versprechen auf Reichtum angeheuert wurden und jetzt ständig neu vom Backup instanziiert werden ohne jemals die Belohnung zu bekommen. Sie befinden sich in einer Art Zeitschleife ohne Erinnerung an die Zeit davor. Vielleicht kommt aber eines der Opfer der Sache durch einen Zufall auf die Schliche und kann sich und andere befreien.

#Abenteuer #Schatz #Bergung #Reichtum #Gefahr #Raumschiff #Geheimdienst

http://jmp1.de/h2843

2580 Neue Entwicklung in der Gruppenassoziation reduziert Kommunikationsoverhead

Teams können ihre Erfahrungen so verschränken, dass alle automatisch von neuen Erkenntnissen profitieren. Mit Gruppenassoziation verschwinden Kommunikationsdefizite. Accelerated Teams werden noch effizienter.

Wenn mehrere Leute zusammen arbeiten, dann gibt es oft Reibungsverluste durch Informationsdefizite. Nie haben alle Beteiligten den gleichen Wissenstand. Dem begegnet man mit Memos, Berichten und Abstimmungsmeetings in denen Information übertragen wird, oft allerdings nur unvollständig. Die Informationsübertragung ist aber heute nicht mehr das Problem. Das Problem besteht nicht darin, dass Wissen fehlt, sondern es fehlt das Wissen über die Verfügbarkeit zusätzlicher Information.

Fast alle Menschen sind heute per Implantat an digitale Speicher angebunden. Das ist ein mehrstufiges System, von einem lokalen Speicher im Petabyte-Bereich, über den mobilen Anschluss an Wissensdatenbanken bis zur Vernetzung der Erinnerungsspeicher anderer Menschen. Informationen aus dem digitalen Archiv können jederzeit zwischen Menschen übertragen werden, wenn diese das wollen.

Die Schwierigkeit besteht darin zu wissen, dass es zusätzliches Wissen gibt. Wenn man Information suchen und anfordern will, muss man wissen, dass es sie gibt. Ist erst bekannt, dass es eine Information irgendwo gibt, dann bekommt man sie auch. Das Wissen über das Wissen, die Meta-Information, im richtigen Moment an den richtigen Ort zu bringen, ist die Herausforderung bei der Gruppenassoziation.

In der Praxis bedeutet es, dass zu jedem Gedanken relevante Informationen in Datenbanken und bei anderen Menschen gefunden werden müssen. Diese werden dann so in den Denkprozess eingebracht, dass der Vorgang für die Benutzerin wie eine natürliche Assoziation wirkt. Dabei dürfen nicht zu viele Assoziationen erzeugt werden. Der natürliche Denkprozess, bzw. die Denkprozesse der Multitasking-Erweiterung (siehe Ikenga 2491), müssen weiterhin im Vordergrund stehen. Gruppenassoziation soll unterstützen und verbessern, nicht überfordern.

Schon seit langer Zeit werden zusätzliche Gedanken und Idee über Implantate in den Denkprozess eingespeist. Das fing schon vor Jahrhunderten mit der bewussten Suche im Implantatspeicher an. Mit Wecker- und Erinnerungsfunktionen kamen später erstmals zusätzliche Gedanken an die Oberfläche. Damals noch als einfache Signale. Noch später hatte man Assoziationsbooster, die die spontane Erinnerung an Erlebnisse verstärken und komplexe Gedanken einspeisen konnten. Seit den Multitasking-Erweiterungen des 25. Jahrhunderts sind künstliche Assoziationen auch für mehrere geistige Prozesse verfügbar.

Mit der Gruppenassoziation bezieht man nun Erinnerungen nicht mehr nur aus den eigenen Erlebnissen, sondern auch von anderen Menschen und aus Datenbanken. Das ist technisch viel aufwändiger als einfache Assoziationsbooster, die nur mit den eigenen Erinnerungen arbeiten.

Die ersten Produkte, die Gruppenassoziation realisieren, sind bestimmt für sogenannte beschleunigte Teams (Accelerated Teams) in der Entwicklung, in der Forschung und für militärische Anwendungen. Auch wohlhabende Privatleute, Anhänger von Hivemind und Aufstiegstheorien experimentieren mit Gruppenassoziation.

Die ersten Produkte sind teuer, vor allem wegen der Software, die den Prozess steuert. Um Assoziationen und Gedankenfragmente zwischen Menschen zu übertragen, braucht man viele Verarbeitungsschritte:

- Privatsphäre: natürlich sollen nicht alle Erinnerungen allgemein verfügbar sein. Schon an der Quelle arbeitet deshalb ein Privatsphärenfilter, der private Gedanken und Erlebnisse aus dem Datenstrom löscht, bevor sie überhaupt gespeichert werden. Hier sind verschiedene Profile möglich. Es gibt auch Anwender, die sehr private Gedanken teilen wollen. Aber die üblichen Einstellungen für Arbeitsumgebungen selektieren gezielt nur Arbeitsinhalte.

- Sicherheit: nicht jeder darf alles wissen. Trotz unterschiedlicher Sicherheitsfreigaben sollen Informationen geteilt werden können. Deshalb sucht der Security-Filter im Datenstrom nach sicherheitsrelevanten Erkenntnissen und klassifiziert Informationen.

- Spam-, Mem- und Virenschutz: Ideen, die künstlich eingespeist werden, umgehen die handelsüblichen Mem/Spam-Filter der optoakustischen Implantate. Gruppenassoziationsprodukte müssen aber den gleichen Schutz gewährleisten. Sie enthalten deshalb eigene Komponenten zur Abwehr von unerwünschten Informationen und Ideen. Eine besondere Herausforderung ist die Abwehr von Stealth-Memen, deren zugrundeliegende Idee sich aus mehreren Informationenblöcken zusammensetzt von denen jeder einzelne nicht als Teil eines Mems erkennbar ist. Erst die Assoziation der Informationen ergibt das Mem.

- Rationalität: Gedanken und Erlebnisse sind of fragmentarisch und irrational. Diese Informationen sollen nicht in den Pool der Gruppe eingehen. Deshalb wird die Realitätstreue überprüft und danach gefiltert.

- Relevanz und Priorität: wenn Assoziationen und Informationen von vielen Teilnehmern bei Einzelnen zusammenlaufen, muss das System darauf achten, die Empfänger nicht zu überfordern. Zu viele gedankliche Sprünge und künstlich erzeugte Eingebungen behindern sonst den natürlichen Denkprozess. Deshalb müssen mögliche Assoziationen auf Relevanz überprüft und priorisiert werden. Zusätzliche Informationen sind nur dann hilfreich, wenn sie verarbeitet und angewendet werden können. Die Rate künstlich erzeugter Assoziationen ist individuell einstellbar.

- Konvexität: Assoziationen sind nur dann nützlich, wenn sie zu Informationen führen und nicht zu Informationsdefiziten. Assoziationen sollen genügend Informationen enthalten, um "rund" zu wirken. Unvollständige Assoziationen können verwirren. Der Mechanismus der Gruppenassoziation soll Informationen liefern, nicht zu viele Fragen aufwerfen. Die Konvexor-Komponente vervollständigt Themen bevor sie als künstliche Assoziationen eingespeist werden.

Gruppenassoziation sorgt dafür, dass alle Mitarbeiter eines Teams intuitiv wissen, dass es relevante Informationen gibt, wenn ein Mitglied des Teams eine Erinnerung daran hat:

- Jeder im Vertriebsteam kennt alle Kunden, die jemals von einem Kollegen kontaktiert wurden.

- Fab-Designer kennen alle Teile-Bibliotheken, die einzelne Mitglieder des Teams kennengelernt haben.

- Mitglieder eines Software-Teams verstehen intuitiv, was andere sich bei Softwarestrukturen gedacht haben.

- Trader eines Investment-Teams in Märkten wo Reputations- und Kapazitätsbewertungen gehandelt werden, sind immer informiert über alle Meldungen und Gerüchte, die Bewertungen beeinflussen können.

Gruppenassoziation wirkt dem Trend zur Spezialisierung in Accelerated Teams entgegen. Der Scout des Teams muss nun keine Memos mehr senden oder die Kollegen mit Epics teasern. Sein erworbenes Wissen steht automatisch allen zur Verfügung. Alle Mitglieder können ihr Wissen ohne Zusatzaufwand zugänglich machen.

Kollegen können ohne Reibungsverluste die Arbeit von anderen übernehmen. Team-Mitglieder werden damit besser austauschbar, da ihr Spezialwissen nicht verloren geht. In Accelerated Teams definiert sich die Führung bald mehr über die Fähigkeiten zur Problemanalyse, die Kreativität und die Beherrschung von Komplexität, als über Erfahrung und Detailwissen. Das löst Widerstände aus, denn das Team wird wichtiger als Einzelne Mitglieder. Aber auch für den Einzelnen überwiegen die Vorteile in Accelerated Teams. Assoziations-Teams sind wesentlich schneller und werden höher bezahlt als klassische wissensvernetzte Teams.

Das erste kommerziell verfügbare Gruppenassoziationsprodukt ist TeamSpirit der Haemmerli-Marti G. a. G./Zürich. Andere Produkte: Zweitgeist von Dowwe-Labs/Bloemfontein, Mengirimkan von Rabun Dekat PT/Palembang-Orbital/Mars, Yidong Ta von Lixing Yanjiu XGdHG/Huayuan Tiankong Cluster im Asteroidengürtel.

#Wissen #Upgrade #Intelligenz #Gehirn #Genie #Neuroimplantat #Software

http://jmp1.de/h2580

2526 Das erste Kind wird auf einem fremden Planeten außerhalb des Solsystems geboren

Przemyslaw Hrycyszyn ist das erste von 59 Kindern, die auf Cobol während des ersten Besiedlungsversuchs geboren werden. Er überlebt die Tragödie von Cobol als Achtjähriger und kommt auf einem Rettungsschiff in das Solsystem.

Mit 37 Jahren kehrt Hrycyszyn zurück nach Cobol. Dort arbeitet er lange Zeit als Biosphärenscout bei der Terraformung. Er erkennt vor vielen anderen, dass die originale Biosphäre Cobols durch die Ausbreitung der Besiedlung bedroht ist. Hrycyszyn setzt sich dafür ein, dass große Naturschutzgebiete ausgewiesen werden. Dabei muss er sich immer wieder mit aggressiven Präservationsgegnern auseinandersetzen, die ihn als Fortschrittsverweigerer beschimpfen. Hrycyszyn geht in die Politik und ist wesentlich daran beteiligt, dass im Jahr 2618 durch das Hrycyszyn-Yijieyjiee Gesetz der Papua Kontinent für menschliche Besiedlung gesperrt wird.

Mit 85 Jahren wird Hrycyszyn Gouverneur von Nowylwiw. Er behält das Amt 30 Jahre. Es ist eine Zeit großer Veränderungen. Die Bevölkerung wächst gewaltig. Aus zwei Millionen Siedlern, die in Biosphärenenklaven verteilt über einen ganzen Planeten leben, werden während seiner Amtszeit über 100 Millionen Einwohner. Kleine Siedlungen werden zu Metropolen. Anfangs autarke Gemeinschaften werden zu Mitgliedern einer vernetzten Wirtschaft und außerhalb Cobols wächst eine lebendige interplanetare Zivilisation heran. Der Papua-Kontinent bleibt weitestgehend geschützt. Aber das rasante Wachstum der Bevölkerung löst immer wieder Konflikte aus, die das Papua-Naturreservat infrage stellen.

Gleichzeitig wandelt sich die Politik. Anfangs gibt es hunderte unabhängiger Territorien, die von vielen verschiedenen Grippen etabliert werden. Auf Cobol gibt es die ganze Palette der Human-Bios, von Sol-Aussteigern mit Paläo-DNA über moderne Genvorlagen, die im Solsystem den größten Anteil stellen, bis zu extravaganten Genmods, die in manchen Regionen der Erde verfolgt werden und nach Cobol fliehen. Von Anfang an ist Cobol politisch so stark fragmentiert, wie die Erde, ethnisch sogar noch mehr. Hrycyszyn wirbt lange für die Vereinigung der Territorien zu einer planetaren Union. Im Jahr 2640, 89 Jahre nach der Gründung der zweiten Kolonie, schließen sich die Territorien zur Cobol-Föderation zusammen. Hrycyszyn wird Föderationskommissar für Infrastruktur.

Drei Jahre später überfallen Neobarbaren den Planeten. In den wenigen Tagen zwischen dem Erstkontakt und der Besatzung sorgt Hrycyszyn dafür, dass wichtige Ressourcen und Autofabs in Sicherheit gebracht werden. Im Alter von 118 Jahren geht er in den Untergrund. 14 Jahre lang bekämpft Hrycyszyn die Besatzer als Späher, Scharfschütze und Kommandeur. Im Jahr 2656, ein Jahr vor dem Ende der Besatzung, wird Hrycyszyn im Alter von 131 Jahren bei einer Guerillaaktion getötet.

An seinem 137. Geburtstag wird Hrycyszyn posthum vom Föderationsparlament ausgezeichnet als "Kind Cobols und Held der Föderation". Sein Geburtstag fällt auf einen nationalen Feiertag, den Tag der Befreiung, der seither Przemek-Tag genannt wird.

#Person #Kolonie #Wissenschaft #Regierung #Guerilla #Held

http://jmp1.de/h2526

2535 Tragödie von Cobol

Die erste interstellare Kolonie scheitert. Durch fremde Lebensformen und Feindschaft unter den Menschen.

Die Siedlung auf Cobol ist nicht autark. Für die ersten 20 Jahre ist jedes Jahr mindestens einen Versorgungsflug geplant. Die Siedler sind sehr gut ausgestattet. Sie haben in allen Bereichen High-Tech Ausrüstung, von Autofabs über Umweltanalyse bis zur Energieerzeugung. Aber trotzdem dauert es eine Weile, bis sie selbst genügend Nahrungsmittel herstellen können und ihre Fabs aus lokal gewonnenen Rohstoffen alle notwendigen Dinge herstellen. Für diese Zeit ist Unterstützung von außen vorgesehen und vorfinanziert.

Aber nach dem Dilan-Zwischenfall 2532 stürzt die interplanetare Wirtschaft in eine schwere Krise. Im Chaos der Fluchtbemühungen werden viele Werte zerstört und viele Wirtschaftsvorgänge unterbrochen. Geschäftspartner sind verschwunden, Lieferbeziehungen sind zerbrochen, Vermögen sind verloren. Der Finanzmarkt liegt am Boden. Auch die finanzielle Situation der Cobol-Stiftung ist prekär.

Deshalb werden die Versorgungsflüge nach Cobol für 18 Monate ausgesetzt. Zwei Flüge entfallen. Anfang 2534 ist es dann endlich wieder möglich, ein Versorgungsschiff auszurüsten. Unglücklicherweise geht das Schiff auf dem Flug verloren. Vermutlich trifft es im interstellaren Raum eine Materieansammlung, einen Irrläufer-Planeten oder eine Häufung dunkler Materie. Auch moderne Überlichtantriebe sind bei hohen ÜL-Faktoren immer noch sehr empfindlich gegenüber größeren Störmassen. Das Schiff kommt nie an.

Mangels interstellarer Kommunikationsmöglichkeiten erfährt man im Solsystem davon nichts. Erst ein zurückkehrendes Schiff könnte die Meldung mitbringen. Das nächste Versorgungsschiff startet 2535. Es kehrt drei Jahre später in das Solsytem zurück und bringt schlimme Nachrichten mit. Die Siedlung auf Cobol ist zerstört. Es gibt Anzeichen für Kämpfe. Man findet etwa 100 Leichen. Es nur wenige Überlebende in den Ruinen der Siedlung. Die Besatzung des Versorgungsschiffs findet Aufzeichnungen, die Auskunft geben über die dramatischen Umstände.

Die Biosphäre von Cobol ist grundsätzlich kompatibel. Aber sie stellt nicht die richtigen Proteine, Vitamine und Kohlenhydrate bereit. Die Siedler müssen alle Lebensmittel selbst herstellen. Das machen sie in modernen Gewächshäusern, wie in der solaren Lebensmittelproduktion auf Kunstsubstraten mit Nährlösungen. Zusätzlich gibt es vollständig künstlich hergestellten Ergänzungsmittel. Man arbeitet daran, erd-kompatible Biomasse aufzubauen, damit man später auch auf traditionelle Weise auf Erde und Humus anbauen kann. Aber neun Jahre nach der Landung ist noch nicht so viel Biomasse entstanden, dass man einfach Lebensmittel im Freien wachsen lassen könnte.

Die Lage der Kolonie auf Cobol wird 2532 problematisch. Ein Pilz von Cobol zersetzt Dichtungen und Bewässerungsschläuche. Er produziert giftige Stoffwechselprodukte, die viele Pflanzen absterben lassen. Die Nahrungsmittelproduktion bricht ein. Reserven reichen nur für drei Monate. Die Siedler kämpfen gegen den Pilz, um die nächste Ernte zu sichern. Der Pilz nistet sich in Wassertanks ein und infiziert von dort aus die wiederhergestellten Leitungen. Auch die nächste Ernte fällt aus. Die Lebensmittel werden rationiert. In der Hydroponik werden Alternativen ausprobiert und die bisher hergestellte erd-kompatible Biomasse wird in Gewächshäusern als Substrat eingesetzt. Aber der Pilz ist hartnäckig und befällt die wertvolle Biomasse. Der Kolonieführung und einigen Wissenschaftlern werden Fehler vorgeworfen.

Die Führung der Kolonie wird jährlich neu gewählt. So ist das in den Statuten der Cobol-Stiftung festgelegt. Die Wahl im dritten Jahr der Krise ist sehr polarisiert. Das Aktionsbündnis TRUTH gewinnt knapp gegen die Wahlliste ScienceRulez. Die neue Führung ordnet den Ausnahmezustand an. Sie baut eine bewaffnete Sicherheitstruppe auf. TRUTH-Kritiker werden suspendiert. Drei Monate später ändert die Führung die Rationierung zugunsten von Personen, die zur Lösung der Krise wichtig sind. Ein Klassensystem wird eingeführt. Führungsmitglieder, Security und einige Ingenieure erhalten volle Rationen. Der Status der übrigen Wissenschaftler wird abgewertet. Die Aufrechterhaltung der Ordnung mit allen Mitteln hat Priorität. Die Hälfte der Leute hungert. Kritiker werden aus der Siedlung ausgeschlossen. Einige werden sogar weit entfernt mit minimaler Ausrüstung abgesetzt. Dabei sind auch Familien mit kleinen Kindern. In der Wildnis kann niemand lange überleben. Verbannung kommt einem Todesurteil gleich.

Es gibt Widerstand gegen die drakonischen Maßnahmen. Beide Seiten fertigen Schusswaffen in Autofabs. Diese Codes sollte es eigentlich nicht auf Cobol geben. Aber irgendwie sind sie doch in das lokale Netz gelangt. Aufständische versuchen die TRUTH-Führung festzunehmen. Es gibt einen erbitterten Kampf zwischen den Aufständischen und der Sicherheitstruppe. Schusswaffen und improvisierte Sprengsätze beschädigen die Siedlung. Auch die Gewächshäuser nehmen Schaden. Die Auseinandersetzungen ziehen sich über mehrere Wochen. Den Aufständischen gelingt es schließlich, TRUTH und ihre paramilitärische Sicherheitstruppe zu verdrängen. Die Aufständischen schneiden ihre Gegner vom Nachschub der Fabs ab. Aber kurz darauf explodieren vorher deponierte Sprengsätze in der Zentrale, den Werkstätten und in Wohnbereichen.

TRUTH Mitglieder hatten bei ihrer Flucht Überlebensausrüstung und die verbliebenen Lebensmittel mitgenommen. Sie richten sich in wissenschaftlichen Außenposten ein und warten auf das nächste Versorgungsschiff. Aber das Leben in der Wildnis ist schwieriger, als man in der gut geschützten Siedlung angenommen hatte. Die Menschen in den Außenposten werden immer wieder Opfer einer aggressiven Fauna. Sie werden von großen Tieren angegriffen wenn sie die Station verlassen. Die Vorräte sind in den Außenposten nicht gut geschützt und leiden durch Insektenbefall. Und das nächste Versorgungsschiff kommt viel später als gedacht.

Bei den Kämpfen sterben 90 Siedler. Die gezielten Explosionen kosten 40 Leben. 50 Menschen wurden schon vor den Kämpfen so weit entfernt abgesetzt, dass sie die Siedlung zu Fuß nicht erreichen können. Die übrigen 120 Erwachsenen und 60 Kinder versuchen unter furchtbaren Umständen zu überleben. 15 Monate später kann das Versorgungsschiff 31 Erwachsene und 25 Kinder retten.

Zwanzig Jahre später wird Cobol wieder besiedelt. Die neue Kolonie ist auf die Herausforderungen besser vorbereitet. Der Pilz, der die erste Siedlung so in Bedrängnis brachte, wird biochemisch neutralisiert. Von Anfang an baut man in großem Stil erd-kompatible Biomasse auf und schafft Enklaven von irdischer Flora und Fauna in denen die Siedler leben. Im Lauf der Zeit verdrängen irdische Arten die ursprüngliche Biosphäre auf allen Ebenen. Viel später existieren nur noch Reste der nativen Ökologie in geschützten Bereichen während der Planet fast vollständig terraformiert ist. Der erste Fall von Terraformung durch Menschen, auch wenn hier nur die Biosphäre umgewandelt wird, nicht Meteorologie oder gar Geologie.

Nach dem Dilan-Zwischenfall ist die Tragödie von Cobol das zweite ernste Zeichen, dass die interstellare Expansion gefährlich ist. Die Menschen haben ihr eigenes Sonnensystem besiedelt. Das war nicht einfach. Das Solsystem war groß, gefährlich und leer. Die Menschen haben dabei viele technische und organisatorische Probleme gelöst. Jetzt trifft die Menschheit auf fremdes Leben. Dabei entstehen wieder unerwartete Situationen. Aber die größte Gefahr geht von der Reaktion der Menschen aus. Die Tragödie von Cobol wurde ausgelöst durch eine fremde Lebensform. Aber tödlich waren letztlich die Handlungen der Menschen in der Krise.

#interstellar #Siedler #Biochemie #Konflikt

http://jmp1.de/h2535

ZukunftVision2036 Boom der Life-Themes

Ein Beitrag zur Blogparade In was für einer Welt werde ich 2036 leben? #FutureVision2036 von Yasemin Akdemir:

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Du wolltest schon immer mal auf die Seychellen, hast aber kein Geld. Besorg dir einfach ein Life-Theme. Ist viel billiger als echt verreisen. Und spart Zeit. Das Life-Theme "Seychelles 24/7" von Dream Theatre/Mumbai zeigt dir die Welt, wie sie sein sollte.
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Life-Themes verändern die optoakustische Wahrnehmung. Sie lassen die Welt anders aussehen, als sie eigentlich ist. Neuroimplantate verändern die Signale der Sinnesnerven von Augen und Ohren. Man läuft durch die reale Welt. Man sieht die reale Welt. Aber das Aussehen aller Dinge wird in Echtzeit an das gewünschte Genre oder Theme angepasst.

Wer in einer Großstadt wohnt, aber lieber auf einer tropischen Insel leben würde, kann sich alles in der Optik einer Südseeinsel darstellen lassen. Straßenlaternen werden zu Palmen, weiter entfernte Häuser werden durch einen Strand ersetzt. Die Sonne strahlt immer von einem blauen Himmel.

Wer im Mittelalter leben will, kann sich ein Theme aus einer riesigen Sammlung von Mittelalter-Themes aussuchen. Häuser bekommen Zinnen, Beton wird zu Backstein, Fahrzeuge werden Kutschen und sogar Personencopter werden in große Vögel oder Drachen übersetzt.

Der Trend zu Life-Themes hat viele Vorläufer. Immer mehr Menschen erleben die Realität angepasst an ihre Vorstellungen. Schon länger ändern Neuroimplantate die Wahrnehmung durch Ausblendung ungewünschter Dinge und Einblendung zusätzlicher Information.

Werbeblocker entfernen Werbebotschaften aus dem retinalen Datenstrom, bevor die Nervensignale die Verarbeitung im Gehirn erreichen. Virtags zeigen als eine Art Head-up Display virtuelle Anmerkungen, Hinweise und Wegweiser, die in das visuelle Zentrum eingespeist werden. Im Gaming-Bereich gibt es seit langer Zeit Real-Plays, die Fortsetzung von 3D VR-Technologien in der realen Welt. Games zeigen ihre Objekte als Ebene über der Realität.

Eine der ersten Anwendungen von sensorischen Neuroimplantaten waren Assistenten, die die Umgebung analysieren und in Echtzeit Ratschläge geben, wie zum Beispiel Daten, Diskussionsargumente oder Verhaltensanleitungen. Berüchtigt ist die Klasse der Wingman Flirt-Assistenten, die biometrische Daten des Gegenübers analysieren und statistische oder profilbasierte Hinweise geben. Unersetzlich sind Assistenten für Ingenieure, die Baupläne schon lange nicht mehr als Display-Sheets oder gar Papierrollen mit sich herumtragen, sondern Diagramme jederzeit über die optische Wahrnehmung einblenden können. Und inzwischen völlig selbstverständlich sind die Assistenten der Shiva-Klasse, die Hintergrundinformationen und Reputationsratings zu allen Personen bereithalten.

Es gibt auch schon länger Malware auf Implantaten, die die optoakustische Wahrnehmung manipuliert. Manche Malware blendet Werbebotschaften ein, die dann Webeblocker umgeht. Es gibt sogar Malware, die reale Ereignisse anders darstellt, um Zuschauer zu täuschen, sogenanntes Feed-Spoofing.

Ein Life-Theme ist ein Software Modul. Es wird als Plugin auf dem Neuroimplantat installiert. Gute Themes sind nicht billig. Die Analyse der Szene in Echtzeit ist aufwändig. Sie kann handelsübliche Neuroimplantate schnell überlasten. Manche Themes arbeiten deshalb mit Streaming und servergestützter Szenenanalyse. Neben dem Vertrauens-Problem (alles was man sieht wird in die Cloud geschickt und dort analysiert) leidet vor allem die Echtzeitfähigkeit. Schon wenige Millisekunden Ping irritieren. Deshalb muss die Szene eigentlich lokal analysiert werden. Das setzt gute (teure) Algorithmen und aktuelle (teure) Hardware voraus. Außerdem enthalten Themes Transformationsbibliotheken, Grafikroutinen und Grafikdaten, die je nach Preis von sehr unterschiedlicher Qualität und Vielfalt sein können.

Um die Life-Themes herum entsteht eine riesige Ökonomie. Es gibt in jedem Genre viele Varianten und viele Hersteller. Ob Mittelalter, Fantasy, Steam-Punk oder Science Fiction. Es gibt in beliebten Genres hunderte Themes und tausende Mods, Hacks und Add-ons.

Bald bringen die Unterhaltungsnetzwerke Themes ihrer IPs heraus mit denen sich Fans in den Welten ihrer Lieblingsserien bewegen können. Urlaubs-Themes sind sehr beliebt, wie auch viele andere Realwelt-Themes, die einfach nur eine andere (aber reale) Umgebung vorspielen - Städtereisen im Alltag. Einige Overlays sind vor allem jahreszeitabhängig beliebt, wie zum Beispiel das Add-on "Frau Holle" der Wetterwarte Zugspitze. Das Add-on zaubert auf alles eine Lage Neuschnee in einstellbarer Höhe. Eine nette Spielerei sind simple Render-Themes, die keine Objekte verändern, sondern nur die Optik anpassen, zum Beispiel im Comic-Stil (inklusive Sprechblasen statt Sprache), als Fresko oder als Strichzeichnung, wie der berühmte AHA-Mod und viele andere mehr.

Es gibt für fast alle Produkte Upgrades und Mods. Es gibt offene und proprietäre Schnittstellen durch die sich Plugins in die Verarbeitungspipeline einhängen können um einzelnen Schritte zu verbessern. Life-Themes haben Schnittstellen zu Werbeblockern, Assistenten und all den anderen Anwendungen auf Neuroimplantaten, die für uns inzwischen unverzichtbar geworden sind und natürlich auch im gewählten Theme dargestellt werden sollen.

2532 Dilan-Zwischenfall und Outer System Wipe.

Menschen bedrohen ein fremdes Volk in dessen Heimatsystem. Die Aliens schienen harmlos und introvertiert zu sein. Das ändert sich schlagartig. Nur ein gewagter Plan kann die Menschheit noch vor der Vernichtung bewahren.

Der Handelsverkehr zwischen dem Solsystem und Dilan wächst. Die interplanetare Öffentlichkeit wird sich langsam bewusst, dass Menschen nun mit Außerirdischen handeln. Jeden Monat kommt ein Fernraumschiff beladen mit begehrter Hochtechnologie zurück. Interstellarflugfähige Raumschiffe sind immer noch sehr teuer. Aber im Solsystem werden so hohe Preise für Technologie von Dilan gezahlt, dass es sich sogar die monatelangen Flüge über mehrere Lichtjahre lohnen.

Ausrüstung von Dilan ist der solaren Technik weit überlegen und entsprechend wertvoll. Die Menschen bekommen zum Beispiel

- präzise assemblierte Komponenten für ÜL-Triebwerke,
- hochauflösende Fabs,
- leistungsfähige Energiesysteme, Generatoren und Speicher,
- überragende Sensoren,
- und nanostrukturierte Metamaterialien als Fab-Input.

Die Dilan-Wesen scheinen die Güter nicht als hochwertig zu betrachten. Sie wollen  als Gegenwert nur wenig mehr, als die zur Herstellung benötigten Rohstoffe. Anscheinend interessieren sie sich nicht für den Wert der Gegenstände im Solsystem. Sie handeln mit den Menschen nicht um Gewinne zu erzielen. Es genügt ihnen, die in den Geräten verbauten Materialien gegen etwas mehr Rohstoffe einzutauschen.

Auf Dilan ist man nie über den einfachen, von Kelonikoa Pono entwickelten Austausch von Rohstoffen gegen technische Geräte hinausgekommen. Darüber hinaus gibt es immer noch keine Kommunikation.

Die Menschen hätten gerne zusätzliche Informationen, wie Bauanleitungen, Verfahrenstechniken oder zumindest Dokumentation zu den eingetauschten Geräten. Die Menschen sind auch am kulturellen Austausch interessiert. Man würde gerne die Zivilisation von Dilan kennen lernen, ihre Ideen, Ansichten, Motive und ihre Kultur. Aber man weiß nicht einmal, wie man Dilan-Wesen danach fragen soll. Es gibt keine gemeinsame Sprache. Die Zivilisation bleibt fremd und unverständlich.

Trotzdem ist sie wirtschaftlich interessant, weil selbst der einfache Handelsaustausch gute Gewinne abwirft. Manche Menschen fragen sich, ob Dilan nicht noch mehr Potential hat. Es gibt viele Gerätschaften, die die Dilan-Wesen nicht hergeben wollen. Man hat fast den Eindruck, dass sie den Menschen nur - aus ihrer Sicht - einfache Ausrüstung überlassen.

Die Menschen haben fast ungehinderten Zugang in das Innere des Zwergplaneten. Ab und zu haben schon Besatzungen von Fernraumschiffen versucht, selbst interessante Anlagen abzubauen. Aber jedes Mal werden sie sanft von einer großen Zahl von Dilan-Wesen daran gehindert. Sobald die Dilan-Wesen bemerken was die Menschen vorhaben, drängen sie die Menschen ab. Die kleinen schwarzen Körper halten sich mit ihren acht Beinen aneinander fest und bilden eine undurchdringliche Wand. Dabei wurde bisher nie Gewalt angewendet. Aus Sicht der Menschen wäre das aussichtslos, denn den ca. 20 Menschen auf Dilan stehen vermutlich mehr als 100 Milliarden Dilan-Wesen gegenüber. Und die haben auch noch eine überlegene Technik.

Das ändert sich mit der Ankunft der Tian Liyang auf Dilan. Das Schiff gehört zum Ares-Kartell, einem Sicherheitskonzern im Jupitersystem. Die Besatzung hat den Auftrag, mehr als die normale Ladung High-Tech zu akquirieren. Dafür ist das Schiff besonders ausgerüstet. Es ist ungewöhnlich groß. Es hat eine Besatzung von 20 im Gegensatz zu den fünf Personen der anderen Fernraumschiffe. Davon sind zehn Spezialkräfte mit vakuumtauglicher Kampfausrüstung Model Kolozz-4k. Jeder dieser Aktivanzüge ist gewissermaßen ein bewaffnetes Miniaturraumschiff für kurze Reichweiten. Die Tian Liyang transportiert außerdem vier Offensivdrohnen der Berserker-Klasse mit Upload-Besatzung, interplanetarem Aktionsradius und nuklearen Waffenpaketen. Die Tian Liyang ist damit sozusagen das erste interstellare Trägerschiff der Menschheit. Nach einem Flug von 18 Monaten erscheint die Tian Liyang im Planetensystem von Ross 614 und läuft Dilan an.

Die Besatzung provoziert bald einen ernsten Zwischenfall bei dem Versuch, gegen den Widerstand von Dilan-Wesen eine Feldschirmanlage abzubauen. Ein zweitköpfiges Kommando der Tian Liyang dringt in einen großen Zugangstunnel des Asteroiden ein. Sie umgeben die Feldschirmanlage mit einer transparenten Wand aus autonomen Sperrmodulen und setzen außerhalb der Wand einen Crowd-Control Drohnenschwarm aus. Dann beginnen sie mit dem Abbau der Anlage. Die Dilan-Wesen wollen das verhindern. Sie versuchen die Absperrung zu durchdringen, werden aber schon vorher von den Drohnen attackiert. Immer mehr Dilan-Wesen erscheinen. Viele werden von den Drohnen verletzt. Sie opfern sich, um Drohnen auszuschalten.

Der Kampf kommt näher an die Absperrung. Einzelne Dilan-Wesen versuchen die Absperrung zu durchdringen. Sie werden aber von den Sperrmodulen gehindert. Kurz darauf fließt eine Wolke aus Mikrobots durch die Ritzen der Absperrung. Sie hüllen die Sperrmodule ein und immobilisieren sie mechanisch. Dann schneiden Laser von außen durch die Absperrwand. Die ersten Dilan-Wesen dringen durch und versuchen sich an den Anzügen des Einsatzkommandos festzusetzen. Die Menschen versuchen sie mit der verstärkten Kraft ihrer Aktivanzüge abzuschütteln. Dilan-Wesen fluten den Tunnel mit Körpern und attackieren die zwei Menschen. Die wehren sich mit automatischen Railguns, die auf Dilan-Wesen eingestellt sind und ihr Ziel automatisch suchen.

Schon seit einigen Minuten arbeiten sich Pionier-Mikrobots durch die Panzerung der Kampfanzüge bis zu deren Netzwerkinfrastruktur. Sie machen den Weg frei für elektromagnetische Effektorelemente, die über molekulare Kapillaren mit Infiltratror-KIs verbunden sind. Die Infiltratoren analysieren die Informationsverarbeitung der Kampfanzüge. Sie unterlaufen die Infoabwehr, indem sie sich mithilfe der Effektoren eigene Schnittstellen schaffen und an geeigneten Stellen Signale einspeisen. Die Steuerung der Kampfanzüge fällt aus. Die zwei Menschen und ihre Ausrüstung werden von einem Strom von Dilan-Wesen mitgerissen. Sie verschwinden im Inneren des Asteroiden.

Als Botschafterin protestiert Kelonikoa Pono im Namen der solaren Koalition gegen die Aktion der Tian Liyang. Sie versucht mit den Dilan-Wesen zu kommunizieren, um etwas über den Verbleib der zwei Menschen zu erfahren. Die Nachfragen bleiben aber ergebnislos. Man vermutet schon lange, dass die Dilan-Wesen kein Konzept für Individualität haben. Man weiß nicht einmal wie man nach den zwei Besatzungsmitgliedern fragen soll.

Die Tian Liyang verlässt Dilan und fliegt den nächsten Gasriesen an. Auf dessen Monden gibt es automatische betriebene Rohstoffgewinnung der Dilan-Wesen. Man geht davon aus, dass diese Anlagen autark sind, sich selbst replizieren und reparieren können und, wie alles von Dilan, hocheffizient arbeiten. Nach 20 Tagen erreicht die Tian Liyang einen der kleinen irregulären Monde. Die vier Berserker-Offensivdrohnen koppeln ab und beziehen Position. Zwei bleiben in der Umlaufbahn bei der Tian Liyang. Die anderen beiden nähern sich einer Extraktionsanlage. Das Shuttle der Tian Liyang landet bei der Anlage mit zwei Technikern und zwei Soldaten in Kolozz-Anzügen. Die Techniker beginnen mit der Analyse. Sie identifizieren die Energieversorgung, die Rohstoffextraktion und die Produktion des Fab-Materials. Dann trennen sie die Energieversorgung von Rest des Systems.

Einige Tage später nähern sich Flugkörper auf einem Maximum Delta-V Kurs. Sie sind quaderförmig mit einer Grundfläche von 5 x 5 Meter und 20 Meter lang. Die Quader sind völlig schwarz im optischen Frequenzbereich. Auch mit Radar sind sie fast nicht zu sehen. Nur der Antrieb strahlt im Infrarot, aber nicht in Richtung zur Tian Liyang. Offensichtlich beherrschen die Dilan-Wesen die gerichtete Kühlung zu Stealth-Zwecken. Eine Analyse der Flugbahn wird später zeigen, dass die Flugkörper genau in dem Moment von Dilan starteten, als das lichtschnelle Signal von der Abschaltung der Rohstoffgewinnungsanlage den Asteroiden erreichte.

In etwa 10.000 Kilometern Entfernung von der Tian Liyang und ihrem Mond setzen die Flugkörper jeweils tausende von Munitionspaketen frei. Die Tochtermunition verteilt sich sehr schnell im Umkreis des Minimonds. Manche gehen in eine weite Umlaufbahn. Einige hundert positionieren sich nahe der Tian Liyang. Die übrigen stürzen hinunter auf die Oberfläche. Sie belegen das ganze Gebiet um die Extraktionsanlage mit einem konventionellen, aber hochwirksamen Bombenteppich. Die Anlage, das Shuttle, die vier Menschen und die zwei nahen Offensivdrohnen werden ausgelöscht.

Die Munitionspakete, die die Tian Liyang umstellt haben, beginnen auf die zwei verbliebenen Berserker zu feuern. Dafür kombinieren sich jeweils mehrere Einheiten zu Linearbeschleunigern. Sie verschießen 1 x 5 Millimeter große Darts eines ultradichten Materials, vermutlich ein den Menschen unbekannter Aggregatzustand mit reduzierten Elektronenorbitalen. Bei einer Geschwindigkeit von 30 km/s haben die Darts eine kinetische Energie von 1,5 MJ, so viel wie eine Dynamitstange. Dieser Belastung hält selbst die Panzerung der Berserker-Offensivdrohnen nicht lange stand.

Die Berserker reagieren schnell:

- 0,1 Sekunden nach den ersten Einschlägen drehen sie sich, um die Nahbereichswaffen in Richtung der am nächsten stehenden Angreifer zu bringen.

- 0,2 Sekunden: noch während der Drehung starten Defensivraketen. Sie versuchen einige der gegnerischen Munitionspakete zu treffen. Sie sind gleich groß wie die Munitionspakete, aber nicht so agil. Nur wenige treffen.

- 0,3 Sekunden: die Multibeschleuniger des Keramik-Pellet Sturms sind auf das Ziel ausgerichtet und beginnen zu feuern.

- 0,5 Sekunden: die Berserker diskutieren die Lage und beschließen größere Gruppen der Gegner mit Antimaterie-Detonationen auszuschalten. Die erste Rakete mit AM-Sprengkopf startet sofort.

- 0,9 Sekunden: die gegnerischen Munitionspakete ändern die Priorisierung und verwenden 0,3 Sekunden lang einen Teil der Feuerkraft darauf, die AM-Raketen abzufangen.

- 1,1 Sekunden: Eine AM-Rakete kommt durch und zerstört ein Zehntel der Gegner.

- 1,2 Sekunden: die Munitionspakete konzentrieren die gesamte Feuerkraft darauf, die AM-Raketen abzufangen. Es kommt keine mehr durch. Währenddessen bekommen die Berserker Zeit, mit den Keramik-Pellets weitere Gegner auszuschalten. Die Strategie, die Railguns der Munitionspakete mit den AM-Raketen zu beschäftigen, ist erfolgreich.

- 1,3 Sekunden. Die Munitionspakete durchschauen die Hinhaltetaktik der Berserker. Deshalb beginnen einige für einen Kinetic-Kill zu beschleunigen. 

- 1,7 Sekunden: unglücklicherweise führen Berserkers nur 4 AM-Raketen mit sich. Nachdem diese verbraucht sind und die Ziele ausgehen, schalten die Munitionspakete wieder um.

- 2,1 Sekunden: die Berserker sind funktionsunfähig geschossen.

- 2,3 Sekunden: die ersten der zum Kinetic-Kill gestarteten Munitionspakete treffen nur noch die passive Masse der Berserker.

- 2,4 Sekunden: Der Selbstzerstörungsmechanismus eines Berserkers, eine 2 kt AM-Ladung, wird durch die Schockwellen ausgelöst.

- 2,5 Sekunden: Die letzten Kinetic-Kills treffen ein. Ende der Kampfhandlungen.

Die Tian Liyang wird nicht beschädigt.

Zu diesem Zeitpunkt sind außer der Tian Liyang noch andere solare Fernhandelsschiffe im System. Eines, die Hermes II, kommt gerade vom Solsystem aus dem interstellaren Raum und befindet sich noch 200 Millionen Kilometer von Dilan entfernt.

Nach der Niederlage der Tian Liyang ändert die Hermes II ihren Kurs. Sie bremst ab und geht in 150 Mio. Kilometern Entfernung von Dilan in einen solaren Orbit. Die Hermes II entlädt Anakonda-Langstreckenraketen mit nuklearer Clustermunition. Die Raketen fliegen Monde des innersten Gasplaneten und Asteroiden an. Die Raketen sind mit KI ausgestattet, damit sie trotz interplanetarer Distanzen handlungsfähig sind. Sie sollen sich auf oder an Himmelskörpern des Systems verstecken und auf ein Einsatzsignal warten.

Zwei Wochen später beginnt die Hermes II eine Botschaft an Dilan zu senden. Sie sendet permanent eine grafische Animation als Warnung an die Dilan-Wesen. Die Animation zeigt das zerstörerische Potential der Langstreckenraketen und warnt vor einem Angriff auf die Tian Liyang. Die Hermes II ist offensichtlich zur Unterstützung der Tian Liyang vor Ort. Das Schiff ist ein echter Fernhändler. Es war schon früher im Dilan-System. Aber jetzt fliegt es im Auftrag des Ares-Kartells.

Ein weiteres solares Handelsschiff erscheint von Dilan aus auf der anderen Seite der Sonne mit Kurs auf einen der äußeren Eisriesen. Das ist ein sehr ungewöhnlicher Vorgang, denn für solare Fernhändler gibt es nur eine vernünftige Route: der direkte Weg nach Dilan. Man vermutet, dass es sich um weitere Vorbereitungen des Ares-Kartells handelt.

Die meisten von der Hermes II abgesetzten Langstreckenraketen wählen kleine Himmelskörper, irreguläre Monde, Kometen und asymmetrische Asteroiden als Deckung. Aber eine Anakonda hält auf einen der großen Monde des inneren Gasriesen zu. Von diesem Mond starten, wie vorher schon von Dilan, einige getarnte Flugkörper. Bei 300.000 Kilometer Abstand zum Ziel wird die Rakete von den Munitionspaketen angegriffen. An der zufälligen Verdeckung von Hintergrundsternen durch einige Munitionspakete erkennen die Sensoren der Anakonda die Angreifer bevor die ersten Geschosse eintreffen.

Die KI der Anakonda, Rufzeichen "Birdie", kennt den Kampf um die Tian Liyang genau. Sie weiß, dass sie gegen die Munitionspakete keine große Chance hat. Aber sie beschließt, die Gegner zu bekämpfen, um mehr über ihre Fähigkeiten zu erfahren. Außerdem findet die KI, dass Gegenwehr schon aus sportlichen Gründen geboten ist.

Sie setzt die Waffen ein, die ihr zur Verfügung stehen: nukleare Clusterbomben und deren Durchbruchshilfen. Sie katapultiert ihre Tochtermunition hinaus. Und wird kurz darauf durch Railguns zerstört. Das geht schnell, denn im Gegensatz zu den Berserkern der Tian Liyang ist Anakonda nicht gepanzert.

Aber Birdie konnte noch 200 nukleare Gefechtsköpfe absetzen. Jeder einzelne mit 1,25 MT Sprengkraft und darauf ausgelegt, im Endanflug mit hoher Transversalbeschleunigung Abfangraketen auszuweichen. Zusätzlich gibt es 100 Pods im gleichen Format wie die Gefechtsköpfe, aber mit verschiedenen Arten von Durchbruchshilfen, elektronische Maßnahmen, ECM, ECCM, aktive und passive Täuschungskörper für verschiedene Wellenlängen und eine Phalanx von Point-Defense Lasern, die ursprünglich dazu gedacht waren, anfliegende Abfangraketen zu neutralisieren. Der Raum erstrahlt in einem Feuerwerk elektronischer Kriegsführung. Für kurze Zeit sind alle Sensoren geblendet. Zumindest die, die nicht damit gerechnet hatten.

Die gegnerischen Munitionspakete werden überrascht. Sie haben keinen Gegenangriff erwartet und schon gar nicht so früh. Trotzdem erwischen sie die meisten Gefechtsköpfe, mit Ultra-Darts, Lasern, Kinetic-Kills, Proximity-Kills, Abfangraketen, Sperrfeuernetzen und EMP. Die letzten 40 Gefechtsköpfe detonieren. Sie bilden ein dreidimensionales Gitter von Explosionen und löschen tatsächlich die meisten Munitionspakete aus.

Nach der Erfahrung mit den wenigen eher statischen Berserkern hatten die Munitionspakete wohl die Agilität der Langstreckenrakete unterschätzt. Auf der anderen Seite hatte Birdie aber auch gut geraten, was die dreidimensionale Verteilung der Munitionspakete betrifft. Außerdem hat Birdie jeden Gitterpunkt mehrfach besetzt, um selbst bei großen Verlusten die Gegner auszuschalten. Technisch gesehen gewinnt Birdie. Die KI bringt ein Fünftel ihrer Gefechtsköpfe durch, und räumt mit ihnen den Weg frei. Eine zweite Anakonda würde nun durchkommen. Birdie erlebt den Sieg nicht mehr live. Aber das Backup auf der Hermes II ist sehr stolz.

Vom Ziel-Mond starten nun 100 Flugkörper, nur für den Fall, dass die Langstreckenrakete versucht haben sollte, in diesem Chaos einige Gefechtsköpfe bis zum Ziel zu schicken. Das ist aber nicht der Fall. Die Anakonda hatte keinen Angriffsbefehl.

Beide Seiten lernen sehr viel bei diesem Austausch. Sie sehen die volle Breite aktiver und passiver Maßnahmen, Gegenmaßnahmen und Gegen-Gegenmaßnahmen. Beide haben als Teil der Tochtermunition passive Sensorplattformen vor Ort und melden die Erkenntnisse per Komlaser zurück. Die anderen Anakondas, die versteckt auf vielen Himmelskörpern des Systems liegen, erhalten das taktische Update von der Hermes II ebenfalls per Laser.

Die wenigen Menschen im System sind überrascht von der heftigen Reaktion auf den Anflug der einen Anakonda. Dafür gibt es einen einfachen Grund. Der Asteroid, den die Menschen Dilan nennen, ist nicht der einzige bewohnte Himmelskörper. Es gibt noch andere Monde und Asteroiden in denen Dilan-Wesen leben. Alle sind einige hundert Kilometer groß und ausgehöhlt wie Dilan. Sie beherbergen viele Milliarden Dilan-Wesen, vermutlich eher 100 Milliarden pro Asteroid. Die Menschen haben sich die vielen anderen Asteroiden des Systems bisher nur nicht genau angesehen. Sie dachten, dass nur Dilan bewohnt ist. Tatsächlich sehen sie sich im Dilan-System einer großen interplanetaren Zivilisation gegenüber, mit 10-20 bewohnten Himmelskörpern und vermutlich 1000 Milliarden Wesen.

Auch einige Monde der Gas- und Eisriesen sind so bewohnt. Darunter der Mond, den sich Birdie als Deckung ausgesucht hatte. Aus Sicht der dortigen Dilan-Wesen war der Anflug ein Angriff auf ihre Heimat. Ein Angriff mit Massenvernichtungswaffen. Und 50 Megatonnen sind nur 300.000 Kilometer von ihrer Heimat explodiert.

Jedem im System, den Vertretern der Koalition und den Dilan-Wesen, ist jetzt klar,

- dass die Mission des Ares-Kartells, noch nicht beendet ist,
- dass es nicht nur darum geht, etwas High-Tech Ausrüstung zu entwenden,
- dass das Ares-Kartell bereit ist, Massenvernichtungswaffen einzusetzen,
- dass das Ares-Kartell einen weitreichenden Plan verfolgt und versucht Dilan oder das ganze System unter seine Kontrolle zu bringen,
- dass es vermutlich noch weitere Kriegsschiffe gibt, die entweder getarnt als Händler im System oder noch im interstellaren Raum unterwegs sind.

Die Dilan-Wesen sind introvertiert und unauffällig. Seit über 100.000 Jahren leben sie in diesem System. Sie siedeln nur auf Himmelskörpern, die andere Völker nicht interessieren. Sie suchen sich kleine unattraktive Sonnen ohne bewohnbare Planeten aus. Sie expandieren nicht und besuchen nur selten andere Sonnensysteme. Mehr kann man nicht tun, wenn man friedlich leben will. Trotzdem gab es im Lauf der Jahrtausende gelegentlich Probleme mit Eindringlingen. Manche wollen von den technischen Fähigkeiten profitieren. Andere unterwerfen ihre Nachbarn aus Prinzip. Einige Imperien fühlen sich bedroht durch so eine Macht innerhalb ihrer Grenzen.

Bisher sind die Dilan-Wesen mit allen Bedrohungen fertig geworden. Wie man gesehen hat, haben sie die Mittel um sich wehren. Meistens reicht ein deutliches Zeichen. Die Schlacht bei der Tian Liyang war als Zeichen gedacht. Aber die Menschen verstehen anscheinend nicht, dass die Dilan-Wesen in Ruhe gelassen werden wollen und das auch erzwingen können. Die spektakuläre Aktion von Birdie gibt den Ausschlag. Die Menschen sind eine Bedrohung. 1000 Milliarden Dilan-Wesen sehen keinen Grund, sich von wenigen Milliarden Menschen drangsalieren zu lassen. Die Dilan-Wesen beschließen, das Problem an seinem Ursprung anzugehen.

Auf vielen Asteroiden und Monden im System starten Flugkörper wie die, die man schon kennengelernt hat. Sie positionieren sich in Umlaufbahnen um die Himmelskörper. Immer wieder starten neue Gruppen. Das geht so mehrere Tage. Sie bilden eine tief gestaffelte Abwehr. Dann fliegen weitere Gruppen von schwarzen Flugkörpern die Verstecke der Langstreckenraketen an. Auch die Hermes II und das andere Schiff bei dem äußeren Eisplaneten bekommen Besuch. Beide Schiffe werden zerstört. Die Tian Liyang wird nicht angetastet. Das Schiff ist nicht bewaffnet. Die Langstreckenraketen werden aufgespürt und zerstört. Das dauert nicht lange. Ihre Position ist den Dilan-Wesen bekannt, denn sie wurden zu jeder Zeit von getarnten Sonden verfolgt.

Jeden Tag kommen weitere Flugkörper aus dem Inneren der Asteroiden. Sie fliegen einen Kurs quer zur Ekliptik und direkt zum Solsystem. Auf dem Weg stoßen größere Einheiten dazu. Die bestehen fast nur aus Triebwerken und Tanks. Es sind Träger, interstellarflugfähige Plattformen, die die schwarzen Quader zu ihrem weit entfernten Ziel bringen sollen. Die kleinen Flugkörper koppeln im Flug an die Träger an. Die Träger sind 1200 Meter lang und bieten jeweils 30.000 Quadern Platz.

Die Vertretung der Koalition versucht verzweifelt mit den Dilan-Wesen zu kommunizieren. Es gibt keine Reaktion.

Die ersten Träger haben sich weit vom inneren System entfernt. Als dort 16 Träger angekommen sind, geht die ganze Flotte gleichzeitig auf Überlicht und verlässt das System. Die Menschen wissen nicht welchen Überlichtfaktor die Dilan-Wesen beherrschen. Aber wenn der Überlichtantrieb ähnlich fortgeschritten ist, wie die übrige Technik der Dilan-Wesen, dann ist nur mit einer Flugzeit von Tagen zu rechnen. Mindestens vier weitere Flotten sind unterwegs jeweils im Abstand von einigen Tagen.

Botschafterin Pono erklärt für die solare Koalition den Notstand im Dilan-System. Sie beschlagnahmt das einzige verbliebene Fernhandelsraumschiff im Dilan-Orbit, die Einstein von der Interstellar Colonial Corporation / Mars. Die Vertretung der Koalition auf Dilan hat nur einige leichte Handfeuerwaffen. Pono und fünf Angehörige der Handelsvertretung fliegen mit einem Shuttle zur Einstein. Sie erzwingen den Zutritt zur Einstein mit dem Hinweis auf die Notstandsvollmachten der Botschafterin.

Die erste Flotte von Dilan trifft nach 4 Tagen Überlichtflug im Solsystem ein. Die Träger kommen auf dem direkten Kurs von Dilan mit einem Winkel von 60 Grad zur Ekliptik. Die Flotte fliegt in Richtung Neptun, der auf der gegenüberliegenden Seite der Sonne steht. Die zweite Flotte kommt wenige Tage später und nimmt Kurs auf den nahe stehenden Uranus.

Im Dilan-System ist die Einstein inzwischen auf dem Weg zum inneren Gasriesen. Der Kapitän der Einstein protestiert und versucht den Flug zu verhindern. Bei einem Schusswechsel wird ein Mitarbeiter der Handelsvertretung getötet und ein Besatzungsmitglied der Einstein verletzt. Die Koalition behält die Oberhand. Die Mannschaft der Einstein wird entwaffnet. Ihr Kapitän wird unter Gewaltandrohung gezwungen, das Schiff zum Gasplaneten zu fliegen.

Eine dritte Flotte von Dilan kommt im Solsytem an. Sie nimmt Kurs auf Saturn. Die beiden anderen Flotten erreichen bereits ihre Zielgebiete. In 20 Millionen Kilometer Entfernung vom Ziel trennen sich die schwarzen Quader von den Trägern. Zwei Drittel fliegen die Planetensysteme an, während ein Drittel zum Schutz der Träger zurückbleibt.

Im Dilan-System erreicht die Einstein das Mondsystem des Gasriesen. Sie fliegt die Tian Liyang an, die immer noch im Orbit des Kleinmondes verharrt. Aber statt abzubremsen beschleunigt die Einstein. Der Kurs zielt genau auf die Tian Liyang, bzw. einen Punkt im Raum an dem sich die Tian Liyang und die Einstein treffen, wenn beide ihre Bewegung beibehalten. Das Shuttle der Einstein trennt sich vom Schiff. An Bord ist fast die gesamte Besatzung der Einstein und vier Mitarbeiter der Handelsmission.

Auf der Einstein bleiben nur drei Personen: Kelonikoa Pono, Iddo Baqannoo, der Sicherheitsoffizier der Handelsmission und Kateb Moknachi, ein Pilot der Einstein. Die Einstein ist auf Kollisionskurs mit der Tian Liyang. Die Besatzung der Tian Liyang bemerkt das und versucht auszuweichen. Aber Moknachi korrigiert seinerseits den Kurs.

Pono konnte Moknachi von ihrem Plan überzeugen. Pono glaubt, dass die Trägerschiffe der Dilan-Wesen das Solsystem angreifen und dass die Menschheit nur eine Chance hat, die Dilan-Wesen davon abzubringen. Sie will ihnen zeigen,

- dass nicht alle Menschen Feinde sind,
- dass die meisten Menschen anständig sind,
- dass nur die wenigen schwarzen Schafe unter den Menschen Ärger machen,
- dass die anständigen Menschen sich des Problems annehmen
- und dass sie es selbst lösen können.

Pono hofft, die Dilan-Wesen von dem Angriff auf das Solsystem abzubringen, wenn man ihnen beweist, dass "gute" Menschen gegen "böse" Menschen vorgehen. Deshalb versucht sie mit der Einstein die Tian Liyang zu zerstören. Die Masse der Einstein ist die einzige wirksame Waffe, die Pono zur Verfügung steht. Denn die wenigen Leute der Handelsmission mit Handfeuerwaffen wären den Spezialeinheiten der Tian Liyang in ihren Kolozz-Anzügen hoffnungslos unterlegen. Man kann die Tian Liyang nicht erobern. Man kann sie nur zerstören. Das ist als Zeichen für die Dilan-Wesen auch viel wirkungsvoller.

Wenn die Dilan-Wesen im Solsystem so rigoros durchgreifen, wie beim Angriff der Tian Liyang auf die Rohstoff-Extraktionsanlage, dann steht die Existenz der Menschheit auf dem Spiel. Pono geht davon aus, dass die Dilan-Wesen mindestens die Fähigkeit der Menschen zur interstellaren Kriegsführung ausschalten wollen. Schon dabei wäre mit vielen Millionen oder Milliarden Opfern zu rechnen. Um das zu verhindern ist fast jedes Mittel recht, und jedes Opfer. Die kleine Restbesatzung der Einstein wagt es nicht, den Zielanflug einem Autopiloten zu überlassen.

Zehn Sekunden vor der Kollision beschleunigt die Tian Liyang aus dem Orbit des Mondes heraus. Die Munitionspakete, die das Schiff immer noch umstellen, schießen auf den Antrieb. Nach zwei Sekunden fallen die Triebwerke aus. Die Einstein hat inzwischen eine Relativgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Sekunde. Aber um zu treffen hätte die Einstein eine gleich große Quer-Beschleunigung vornehmen müssen. Durch das Eingreifen der Munitionspakete bleibt der Einstein genügend Zeit, ihren Vektor anzupassen. Die Schiffe kollidieren mit der 50-fachen Geschwindigkeit einer Gewehrkugel. Sie treffen sich nicht zentral. Aber die freigesetzte kinetische Energie zerstört beide Schiffe.

Im Solsystem haben die schwarzen Quader bei Neptun und Uranus ihre Munitionspakete ausgesetzt. Sie greifen Raumstationen und Basen auf den Monden an. Kommunikationsversuche werden nicht beantwortet.

Die Dilan-Wesen setzen keine Nuklearwaffen ein. Aber sie haben hochwirksame Explosivstoffe, darunter metastabiler metallischer Wasserstoff und chemische Verbindungen mit zehn Mal höherer Bindungsenergie, als die besten Sprengstoffe der Menschen. Auch kinetische Angriffe erreichen bisher ungesehene Dimensionen. Bis zu hundert Munitionspakete bilden lange bidirektionale Linearbeschleuniger, die rückstoßfrei sind und Darts mit über 100 km/s verschießen. Sie schießen schnell und liefern pro Dart das Äquivalent von 5 kg TNT ins Ziel. Verheerend für weiche Ziele sind Schwärme von Kamikazedrohnen mit Sprengmitteln. Die Drohnen werden von Munitionspaketen ausgesetzt und verteilen sich weit über das Zielgebiet. Dann explodieren sie. Für gehärtete militärische Ziele und tief in den Untergrund eingegrabene Mondbasen auf Triton, Proteus (Neptun) and Ariel, Oberon, Sycorax (Uranus) setzen sich Munitionspakete zu größeren bunkerbrechenden Bomben zusammen. Sie erreichen bis zu 5 kT konventionelle Sprengkraft.

Eine Welle der Vernichtung läuft über die Mondsysteme der beiden Eisriesen. Alle orbitalen und die meisten bodengebundenen Stützpunkte, Habitate und Anlagen werden zerstört. Zivile und militärische Ziele werden nicht unterschieden. Die vereinzelten Gegenangriffe und Verteidigungsanstrengungen bleiben wirkungslos.

Mehrere Millionen Menschen sterben, fast alle final, weil auch die Backups vernichtet werden. 

Das übrige Solsystem kann nicht helfen. Man kann aus der Entfernung nicht einmal genau sehen was passiert. Moderne Großteleskope können zwar über interplanetare Distanzen bis auf wenige Meter auflösen. Aber die Zielgebiete werden abgeschirmt durch Gitter von monomolekularen Folien. Auch dafür gibt es spezialisierte Munitionspakete. Jedes spannt einen 50 Quadratkilometer großen Schirm auf. Zusammen verhindern sie eine direkte Beobachtung solange der Angriff läuft.

Eine Flotte ist auf dem Weg zum Saturnsystem. Sie wird noch zwei Wochen brauchen. Die beiden bei Uranus und Neptun sammeln ihre Munitionspakete ein und füllen deren Bestände wieder auf. Dann nehmen sie Kurs auf Jupiter und Mars.

Im Solsystem bricht Panik aus. Viele Schiffe verlassen die Planeten. Sie streben in den offenen Weltraum. Die Menschheit hat nur wenige interstellare Schiffe. Eine Flucht zu den Sternen ist keine Option. Menschen kämpfen um die Plätze auf zivilen Linienschiffen, auf Kreuzfahrtschiffen und auf militärischen Truppentransportern. Frachter werden in Windeseile umgebaut für den Personentransport. Andere versuchen sich an den Asteroiden zu verstecken. Es kommt zu Auseinandersetzungen mit Survivalisten, die schon lange dort leben und unentdeckt bleiben wollen. Die Upload-Rate steigt dramatisch an. Backups werden mit Mikrosatelliten in Sicherheit gebracht.

Man versucht Hohlräume unter der Oberfläche von Monden und Asteroiden auszubauen, künstliche, die schon vorher zu anderen Zwecken angelegt wurden und natürliche Lavaröhren. Auf Eismonden werden Überlebenskapseln in den Eismantel eingeschmolzen, oft viele Kilometer tief. Das Eis bietet vermutlich den besten Schutz im ganzen System. Aber es gibt keine freie interplanetare Transportkapazität. Schiffe, die Schutzsuchende zu den Eismonden hätten bringen können, verlassen stattdessen das System mit Flüchtlingen.

Eine vierte Flotte erscheint im Solsystem. Sie teilt sich auf und nimmt Kurs auf mehrere Asteroidencluster, Jupiter-Trojaner und den Hauptgürtel.

Die Erde reagiert nicht. Dort herrscht die Meinung vor, dass die Situation ein selbstgemachtes Problem der interplanetaren Zivilisation ist. Die schlechten Nachrichten werden von der Zensur heruntergespielt.

Die feindliche Flotte im Anflug auf Saturn bremst ab zum Rendezvous mit dem Saturn-System minus 20 Millionen Kilometer. Dann, als die Flotte das Zielgebiet erreicht, trennen sich die schwarzen Quader nicht vom Träger. Die Träger verlängern die Bremsphase und beginnen einen Vektor aufzubauen, der sie wieder aus dem System hinausführt. Die anderen Flotten ändern ebenfalls ihre Ziele. Eine Woche später ist klar, dass alle Flottenteile das Solsystem verlassen.

Monate später erfährt die Menschheit den Grund. Der Umkehrzeitpunkt ist 26 Stunden nach der Kollision der zwei Schiffe im Dilan-System. Vier Stunden braucht ein Lasersignal vom inneren Gasriesen im Dilan-System zu einem wartenden Kurier am Rand des Systems. Nach nur 17 Stunden erreicht der Kurier das Solsystem. Weitere 5 (+/- 1) Stunden später empfangen die Trägerflotten den Komlaser des Kuriers.

Vielleicht hat der Plan von Kelonikoa Pono die Dilan-Wesen überzeugt. Jedenfalls brechen sie ihren Angriff ab. Gerade noch rechtzeitig, um Saturn zu verschonen. Die 10 Millionen Bewohner des Saturnsystems können aufatmen. Und natürlich auch 60 Millionen beim Mars, den Asteroiden, in der Venusatmosphäre, auf Merkur, Luna und vielen interplanetaren Habitaten.

Die Koalition stellt das Dilan-System unter Quarantäne für solare Schiffe. Einige Schiffe sind noch unterwegs nach Dilan. Das erste kommt rechtzeitig, um das Shuttle der Einstein zu bergen und die Besatzung zu retten. Es darf weder Dilan noch einen anderen größeren Himmelskörper anlaufen, sondern muss unverrichteter Dinge wieder zurück fliegen. Der Handelsverkehr wird für zehn Jahre ausgesetzt. Die Koalition stationiert ein Schiff mit nicht-nuklearer Bewaffnung am Rand des Dilan-Systems in einem exzentrischen Orbit, von dem aus die kürzeste Route vom Solsystem kontrolliert werden kann.

Die Erde fühlt sich bestätigt in ihrer antiexpansionistischen Haltung. Die interplanetare Gesellschaft trägt nichts zum Lebensstandard der Erde bei. Im Gegenteil, schon die interplanetare Expansion entzog der Erde wertvolle Ressourcen. Deshalb hatte sich die Erde von dieser Entwicklung abgekoppelt. Die Dilan-Krise und ihre katastrophalen Folgen für Neptun und Uranus zeigt nach Meinung der Erde, dass Expansionismus viel mehr schadet, als nützt. Die Regierungen der Erde beschließen etwas dagegen zu unternehmen. Sie beginnen interplanetare Streitkräfte aufzubauen. 16 Jahre später beginnt der Systemkrieg mit der Besetzung des Mondes durch irdische Truppen.

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