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2202 Weltweit fallen 120 Millionen Menschen einem künstlichen Virus zum Opfer bevor die Seuche eingedämmt werden kann

Mehr als eine Milliarde Menschen werden infiziert, 500 Millionen erkranken, davon ein Viertel mit tödlichem Ausgang. In Nordchina wo das Virus zuerst auftritt, sind die meisten Opfer zu beklagen. Das Virus ist die Mutation eines industriellen Stammes aus der Produktion von tierfreiem Protein, künstlichem Fleisch, auch Fauxflesh genannt.

Das Genom des Virus wurde vollständig künstlich erzeugt. Konstruktion von Genen mit maßgeschneiderten Funktionen ist weit verbreiteter Stand der Technik. Die Anwendung der Technologie ist in den meisten Ländern staatlich reguliert.

Moderne Gentechnologie wird vielfältig eingesetzt:

- In der Medizin arbeiten Proteine als biologische Nanomaschinen bei der Heilung und zur Lebensverlängerung.

- Wasser wird weltweit durch Industriebakterien gereinigt, die mit ihren natürlichen Ahnen nicht mehr viel gemein haben.

- Viren als Bakteriophagen haben geholfen die Antibiotika-Krise zu überwinden.

- In der Nahrungsmittelproduktion werden Erträge gesteigert. Mit der Einführung von Skotaphyll als Chlorophyll-Ersatz hat sich die Produktion auf gleicher Fläche verdreifacht.

- Die Fleischindustrie muss viermal so viel liefern, wie 200 Jahre zuvor. Nur der geringste Teil wird natürlich "am Tier" hergestellt. Das meiste Fleisch wächst in Fleischfarmen mithilfe von Industriebakterien und -Viren. Gerade in der Lebensmittelproduktion sind Viren besonders verbreitet.

Viren können zusätzliche Funktionen in die Zielsysteme, die wachsenden Nahrungsmittel, einbringen. Sie verändern den Stoffwechsel und beschleunigen das Wachstum. Viele Nahrungsmittel wachsen überhaupt nur mithilfe der Viren unter den veränderten Bedingungen industrieller Produktion.

Die Verbraucher wollen möglichst naturidentische Nahrungsmittel, auch wenn diese anders gewachsen sind. Das heißt, die Gene der Nahrungsmittel können nur gering verändert werden. Die moderne Nahrungsmittelproduktion braucht aber viele zusätzliche Funktionen in den Zellen von Nutzpflanzen und Fauxflesh. Die Gene für diese zusätzlichen Funktionen werden über künstliche Viren gezielt eingebracht. Andere Viren (Virasen) machen später die Genveränderung rückgängig, um ein naturidentisches Produkt zu erzeugen. Die Verbreitung der funktionalen Viren nutzt die Fähigkeit von Viren, sich durch den Replikationsmechanismus der Wirtszellen zu vermehren. Das kommt natürlich einer hochansteckenden Infektion gleich, wird aber in der Nahrungsmittelindustrie nicht so genannt.

Ohne industrielle Viren wäre die Nahrungsmittelindustrie viel weniger leistungsfähig. Sie könnte man nur ein Drittel der Bevölkerung so reichhaltig ernähren und müsste trotzdem dafür jeden Tag hundert Millionen Tiere töten.

Aber die industrielle Anwendung von Gentechnik hat auch Nachteile. Die wenigsten Nahrungsmittel sind wirklich naturidentisch. Das Basisgenom aller Pflanzen und Fauxflesch-Zellkulturen ist verändert. Und trotz Virasen und ständigen Kontrollen gelangen Rückstände der Industriegene in die Nahrungsmittelprodukte. Die großmaßstäbliche Infektion von Lebensmitteln in der Produktion durch funktionale Viren und Virasen muss genau überwacht werden. Die Funktionen der Viren sind in den meisten Fällen so speziell, dass selbst bei einer Übertragung kein Risiko für den Menschen besteht. Aber der Verbreitungsmechanismus ist nicht ohne Risiko.

Die schnelle Einbringung zusätzlicher Gene in alle Zellen des Zielsystems benutzt eine künstliche Infektion mit stark beschleunigter (manche sagen: aggressiver) Vermehrung. Stets stehen Antiviren bereit, die die Funktionsviren bekämpfen können und Virasen, die ihre Effekte umkehren. Und normalerweise ist der Infektionsweg so speziell auf das Zielsystem zugeschnitten, dass sich die Viren außerhalb der Produktion nicht verbreiten können. Aber in Ausnahmefällen kann eine Infektion auch ausbrechen und die Umwelt treffen.

Es gibt im 21. und 22. Jahrhundert viele Zwischenfälle mit industriellen Biokomponenten. Einige auch mit schlimmen Folgen für Biotope, Flora und Fauna. Der Nordchina-Ausbruch mit den dramatischen Folgen für die Menschen ist der schlimmste Einzelfall. Aber bezogen auf die Weltbevölkerung ist er kleiner als die spanische Grippe 300 Jahre zuvor. 

#Virus #Nahrungsmittelindustrie #Unfall 

2403 Erste Savant-Upgrades kommen auf den Markt

Menschen mit Savant-Fähigkeiten können gezielt Fähigkeiten verstärken, vergleichbar dem Savant-Syndrom, das von manchen Autisten bekannt ist.

Der Savant-Modus ändert die Verarbeitung im Gehirn. In einzelnen Bereichen wird die Aktivität reduziert, in anderen dafür verstärkt. Manche kognitive Fähigkeiten können wesentlich gesteigert werden, weit über das normale Maß intelligenter Menschen hinaus. Es gibt Savant-Fähigkeiten für die Steigerung von optischer und akustischer Wahrnehmung, Mustererkennung, Erinnerung, numerische Fähigkeiten, optische, akustische und numerische Reproduktion.

Meistens wird nur eine Fähigkeit verstärkt. Das genügt eigentlich immer für eine gestellte Aufgabe. Aber der Savant-Modus ist nicht ohne Nachteile. Bei der Aktivierung der Savant-Fähigkeit leiden oft andere Fähigkeiten, z.B. die allgemeine Motorik. Bei gesteigerter Wahrnehmung von Details ist die Synthese von Gesamtbildern gestört. Das ist zwar ein momentanes Handicap, aber nicht dauerhaft. Wenn die Aufgabe lautet, große Mengen an Information schnell aufzunehmen, dann stört höhere kognitive Verarbeitung eher.

Vieles was durch Savant-Fähigkeiten erreicht werden kann, ist im 25. Jahrhundert auch anders realisierbar. Schnelle optische Informationsaufnahme geht über Implantate vom Sehnerv direkt in den digitalen Speicher. Die Daten können dann später ausgewertet oder abgerufen werden. Implantate können die Motorik steuern. Damit können normal begabte Menschen konzertreife Reproduktionen von optischen und akustischen Werken liefern. Natürlich unterstützen Implantate auch beim Rechnen indem sie das Rechnen komplett übernehmen. Die 19. Wurzel aus einer 99-stelligen Zahl zu berechnen ist heute normal. Aber Savant-Fähigkeiten gehen über die Datenverarbeitung hinaus. Sie geben den Anwendern eine intuitive Einsicht in die Struktur der Daten, bzw. des Problems. Während implantatgestützte Verbesserungen vor allem durch digitale Verarbeitung beschleunigen, verbessern viele Savant-Fähigkeiten das Verständnis von Information.

Mit etwas Übung kann man Savant-Fähigkeiten auch kreativ nutzen. Der tiefe Einblick in die Struktur von Problemen, von Informationen und möglichen Lösungen ermöglicht vorher unerreichte Kreativleistungen. Im Savant-Modus lassen sich viel komplexere Zusammenhänge erfassen. Alle Branchen, die hochdimensionale Daten analysieren und daraus Modelle erstellen, profitieren davon. Der Zugang zu Savant-Fähigkeiten wirkt wie das plötzliche Auftauchen vieler Genies in einigen theoretischen Wissenschaften und der Finanzbranche.

Im Lauf der Zeit wurden auch neue, nicht von natürlichen Savants bekannte, Fähigkeiten entwickelt. Mit dem Ninja-Upgrade erhält man absolute Orientierung, schnelle Reflexe und eine Dehnung der Zeitwahrnehmung. Allerdings ist die Nutzung von Ninja sehr anstrengend und verlangt danach eine längere Ruhepause. Diese Fähigkeit wird trotzdem schnell zum Standard bei Spezialeinheiten.

Savant-Upgrades gibt es als Gen-Modifikation, d.h. als Zusatz zu gängigen Genvorlagen. Viele Savant-Upgrades können auch nachträglich installiert werden als Nanoimplantate.

http://jmp1.de/h2403