Erste globale Zusammenkunft der Yksityis-Bewegung, genannt "YZero Con"
Der V-Con ist eine virtuelle Zusammenkunft von Yksityis-Anhängern. Die Veranstaltung wird jährliche abgehalten mit stark wachsenden Teilnehmerzahlen. 2165 sind es 20.000 Teilnehmer. Dann fünf Jahre später schon eine Million. Weitere zehn Jahre später um 2180 stößt der V-Con trotz virtueller Präsenz mit weltweit 20 Millionen Teilnehmern an organisatorische Grenzen.
Yksityiskohta (auch Yksityis, Eeqsitis) ist der Glaube an den Einzelnen, das Individuum und an das Entstehen des Gemeinwohls aus vielen Beiträgen von selbständigen Individuen. Der Glaube an das Jetzt und an den Lohn durch Arbeit, bzw. Lohn von der Natur durch Sorge für die Natur.
Entstanden ist Yksityis in Nordeuropa während des Crashs. Die Länder Nordeuropas gehörten Mitte des 21. Jahrhunderts zu den am höchsten entwickelten Gebieten der Erde. Sie waren deshalb besonders stark vom Ausfall der Technik betroffen; und vom harten nördlichen Klima, das plötzlich wieder eine zentrale Rolle spielte. Als große Organisationen, einschließlich der Kirchen, nicht helfen konnten, konzentrierten sich die Menschen auf sich selbst und ihre eigenen Fähigkeiten.
Damit verstärkte sich im Norden Europas ein seit der Jahrtausendwende wachsender Trend zur Abwendung von den organisierten Religionen. Viele Menschen finden in Yksityis eine neue spirituelle Heimat, die zu ihrer neuen Lebenswirklichkeit besser passt, als die Buchreligionen. Wichtige Elemente sind Selbstregulierung (Homöostase) und Selbstorganisation in lernfähigen Systemen. Es gibt Einflüsse der Gaia-Hypothese, von Naturreligionen, Shintoismus (Diesseitsbezogenheit, Kami in allen Dingen) und – bei besonders engagierten Gläubigen – dem Schamanismus.
Die Dynamik geht von der Basis aus und nicht von Organisationen oder Vordenkern. Nach den schmerzhaften Erfahrungen des Crashs hat der Glaube an Autoritäten gelitten. Viele Gemeinschaften mussten sich selbst helfen. Sie waren dabei in den ersten Jahren auf das angewiesen, was die Natur ihnen bot. Der Begriff Natur, der Mitte des 21. Jahrhunderts zum Synonym für bedrohte Umwelt geworden war, änderte sich wieder zur Lebensspenderin (Gaia, Muttererde).
Der westliche Trend zur Individualisierung und zur individuellen Freiheit bekam neuen Raum als die Durchsetzungsfähigkeit von Staaten abnahm. Auf der organisatorischen Ebene bedeutet Yksityis Dezentralisierung und Subsidiarität, mit der Betonung von Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Darin drücken sich Verhaltensweisen aus, mit der eine ganze Generation aufgewachsen ist, als Probleme selbst oder in kleinen Gruppen gelöst werden mussten. Der Ansatz führt auch zur Ablehnung von Fremdsteuerung und Kontrolle, sowohl staatlicher, als auch gesellschaftlicher und religiöser Organisationen.
Der subsidiäre Aspekt von Yksityis findet sich auch in Eter-Technologien wieder, die ganz stark von nordeuropäischen Konzernen geprägt werden.
#Religion #Crash #Gaia
http://jmp1.de/h2165
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3010 Wiederbesiedlung Kisors.
Knapp 80 Jahre nachdem die Kisor-Planeten durch kinetische Bombardierung ausgelöscht wurden, beginnen einige Kisori mit der Wiederbesiedlung der Heimatwelten. Die Planeten sind vollständig verwüstet und vereist. Der Neuanfang ist schwer. Viele Fraktionen, auch von außerhalb des Systems, sind an dem Projekt beteiligt. Sie haben ein gemeinsames Ziel: die Wiederbesiedlung. Aber gleichzeitig konkurrieren alle um die besten Plätze auf den neu gestalteten Planeten. Und manche wenden dabei auch offen oder verdeckt Gewalt an.
Kisor hatte traditionell sehr wenige interplanetare Siedlungen und interstellare Kolonien. Die Bevölkerung im Kisor-System konzentrierte sich auf die zwei Planeten. Nur zwei Prozent der Kisori lebte im interplanetaren Raum. Bei den meisten hochentwickelten Völkern ist ein großer Teil der Zivilisation interplanetar und die Bevölkerung lebt in künstlichen Habitaten. Auch Kisor hatte interplanetare Infrastruktur. Es gab Ressourceextraktion in den Asteroidengürteln und bei den Gasriesen, Energiegewinnung in sonnennahen Orbits, massive orbitale Fabriken und natürlich die gigantischen Frachtterminals der kisorischen Gilden. Aber ein Großteil der interplanetaren Infrastruktur war automatisiert. Der Automatisierungsgrad war höher als bei vergleichbaren Völkern.
Nur die Handelsgilden hatten einst signifikantes interplanetares und interstellar aktives Personal. Aber die große Zeit der Gilden endete um 2800 mit dem Niedergang des interstellaren Handels. Interstellare Außenposten waren zur Zeit der Gilden fast ausschließlich funktional organisiert. Die Kisori dort betrachteten sich als temporär abgeordnete Vertreter der Heimatwelten und nicht als Siedler. Dementsprechend gering war die Bevölkerung und sie nahm mit dem Rückgang des Handels immer weiter ab.
Es gibt ein paar alte ehemalige Kolonialsysteme aus der Zeit des goldenen Reiches. Aber deren Besiedlung ist 10.000 Jahren her und die Völker haben sich inzwischen weit auseinanderentwickelt. Diese ehemaligen Kolonien betrachten sich nicht als Kisori. Sie sind nicht interessiert an der Neubesiedlung von zwei unwirtlichen Planeten. Tatsächlich wundern sie sich eher über ihre entfernten Verwandten und deren Fixierung auf die Planetenoberflächen.
Im Fox-System gibt es einen großen kisorischen Bevölkerungsanteil. Fox war 400 Jahre zuvor von Menschen besiedelt worden. Nach Religionskonflikten kamen kisorische Auswanderer dazu: Singulariten, die vor dem auf Kisor dominierenden Alturismus flohen. Im Lauf der Zeit wurde Fox zu einem Sammelpunkt für Singulariten. Auch viele Menschen nahmen den Singularismus an. Während der Fox-Bürgerkriege wurden die Singulariten wieder vertrieben. Sie flohen vom Planeten und siedelten sich im mittleren System der Fox-Gasriesen an. Das war anfangs sehr hart. Aber dann entwickelte sich dort eine lebendige interplanetare Zivilisation von Kisori und Menschen, die durch ihren gemeinsamen Glauben verbunden waren. Während der Fox-Bürgerkriege war das mittlere System vom bewohnbaren Planeten abgeschnitten. Später wurde die Grenze wieder durchlässiger. Aber immer noch gibt es zwei weitgehend getrennte Zivilisationen im System: die interplanetare Gesellschaft der Singulariten im mittleren System und die alturistische Regierung des Fox-Planeten. Die interplanetare Zivilisation hat sich inzwischen mit der Situation arrangiert. Trotzdem bleibt die Sehnsucht nach einem eigenen Planeten. Ein Planet, der für Kisori (und Menschen) geeignet ist. Und Fox ist nicht weit von Kisor entfernt. Einige Singulariten von Fox sehen nun die Chance, die Kisor-Planeten zu besiedeln. Sie stoßen dabei auf die Aktivitäten von Kisori, die die Katastrophe im Kisor-System überlebt haben und auch gerade dabei sind, die Planeten für eine Neubesiedlung vorzubereiten.
Bevor wirklich jemand auf der Planetenoberfläche leben kann, ist viel zu tun. Die Biosphäre der Planeten ist zerstört und es herrscht eine planetare Eiszeit. Die kinetische Bombardierung 80 Jahre zuvor wirbelte Tausende Kubikkilometer Staub und Asche in die Stratosphäre. Dort blieben die feinsten Teilchen mehrere Jahre. Sie reduzierten die Sonnenstrahlung auf der Oberfläche und die Planeten kühlten sich ab. Direkt nach der Katastrophe herrschte ein Dämmerlicht in dem die meisten Pflanzen starben und mit ihnen die Tiere. Dann froren die Planeten zu. Die Meere wurden zu Eiswüsten. Als der Himmel wieder aufklarte, waren die Planeten nicht mehr blaugrün, sondern weiß. Wegen der hohen Reflexion von Eis und Schnee kann die Sonnenstrahlung die Oberfläche nicht erwärmen.
Die Planeten haben einen neuen Gleichgewichtszustand bei eisigen Temperaturen eingenommen. Das ist nichts, was eine interplanetare Hochzivilisation nicht beheben könnte. Mit einigen Millionen Quadratkilometern Spiegel im Orbit könnte man die Temperaturen wieder anheben. Aber dem Kisor-System fehlt nun die industrielle Infrastruktur für so ein großes Unternehmen. Im verzweifelten Abwehrkampf vor und während der Katastrophe wurden die orbitale Industrie schwer getroffen. Der planetare Ring ist mangels aktiver Stützung zerbrochen und auf der Oberfläche niedergegangen. Alle interplanetaren Bevölkerungszentren sind zerstört. Die Bewohner waren vorher geflohen, wurden virtualisiert oder getötet. Nur tief eingegrabene Infrastruktur blieb erhalten.
Es gibt noch Außenseiter-Gesellschaften, Survivalisten und Oort-Bewohner, die absichtlich weit entfernt von den stets gefährdeten Planeten lebten und dort weiterhin leben. Sie haben nur ein geringes Interesse, ihre spärlichen Ressourcen nun für die Wiederbesiedlung der Planeten zu verwenden. Auf den Monden der Gasriesen liegen unzählige Zufluchtsstätten in denen Flüchtlinge eingelagert sind. Sie sind eingegraben auf den Eismonden. Ihre Notbesatzung wartet darauf, dass die Infrastruktur wiederhergestellt wird, damit sie die Flüchtlinge wecken können. Aber sie haben selbst keine Mittel für einen Neuanfang.
Die Wiederbesiedlung wird vor allem getragen von den wenigen interplanetaren Außenposten, die die Katastrophe überstanden haben. Einige interstellare militärischen Stützpunkte leisten wichtige Beträge.
Unabhängig davon wächst unter den Singulariten von Fox die Rückkehrbewegung. Die Singulariten sehen die einmalige Gelegenheit, Kisor unter dem Banner des Singularismus wiederaufzubauen und den Alturismus endgültig zu überwinden. Die wenigen Überlebenden (Alturisten) des Kisorsystems sind davon nicht begeistert. Genauso wenig wie die planetare Fox-Zivilisation, die nicht zusehen will, wie der Singularismus des mittleren Fox-Systems sich nach Kisor ausbreitet.
Auch in der planetaren Fox-Zivilisation gibt es inzwischen Bestrebungen, sich im Kisor System zu engagieren. Es geht vor allem darum, die Kisor Zwillinge dem Einfluss des mittleren Systems zu entziehen. Die Regierung des Fox-Planeten gibt bekannt, dass sie keine Besitzansprüche anerkennt, die sich aus Rettungsoperationen im Kisor-System ergeben. Einige gehen da weiter: im Notfall müsse Fox die Kisor-Planeten durch ein Protektorat vor dem Singularismus schützen.
Unter den Singulariten, die sich jetzt für die kisorische Wiederbesiedlung engagieren, sind auch viele Menschen. Menschen und Kisori haben eine wechselvolle Geschichte. Einst retteten Kisori die Menschen vor den Kelrecs. Dann folgte ein totaler Krieg zwischen Sol und Kisors Gilden, den die Menschen verloren. Nach dem Wiederaufbau waren Sol und Kisor ein Jahrhundert lang Verbündete gegen die Chinti-Schwarmvölker. Als die Chinti-Bedrohung entfiel, wurden aus Freunden Feinde. Der zweite Kisor-Krieg endete mit der vollständigen Vernichtung Kisors. Die Verantwortlichen dafür waren zwar Leccianer-Horden. Aber sie kamen von Sol und viele Schiffe hatten menschliche Besatzungen. Die Beziehungen zwischen Menschen und Kisori sind schwierig. Die Menschen unter den Singulariten hoffen jetzt im Rahmen der Wiederbesiedlung Einfluss auf Kisor zu bekommen. Das gefällt vielen kisorischen Singulariten nicht. Und schon gar nicht den lokalen Kisori, die 80 Jahre zuvor gegen solare Schiffe gekämpft und alles verloren hatten.
Das mittlere System von Fox ist einigermaßen wohlhabend. Jedenfalls viel wohlhabender als die Überlebenden des Kisor-Systems. Bei den Fox-Gasriesen gibt es viele Milliarden Sophonten und eine breite industrielle Basis. Aus der Rückkehrbewegung heraus werden mehrere Konsortien aktiv. Sie transportieren Megatonnen Material nach Kisor. Sie schaffen die industrielle Basis mit der man das Klima der Planeten korrigieren kann. Die Planeten müssen aufgetaut werden durch zusätzliche Sonnenenergie und einen künstlichen Treibhauseffekt.
Kisor Beta ist dafür besser geeignet als Alpha. Beta steht näher an der Sonne und ist deshalb noch etwas wärmer. Die Durchschnittstemperatur von Beta ist auch unter dem Gefrierpunkt von Wasser, aber am Äquator gibt es immerhin noch flüssiges Wasser. Und Beta hat einen großen Mond auf dem man Aluminium für Sonnenspiegel gewinnen kann.
Die Aktivitäten konzentrieren sich auf Kisor Beta. Wie Alpha wurde auch Beta einst künstlich bewohnbar gemacht. Bei Alpha waren es Unbekannte vor Millionen Jahren. Beta wurde von den Kisori selbst während des ersten kisorischen Reiches vor 14.000 Jahren ökoformiert. Jahrtausende später waren beide Planeten dicht besiedelt, hochentwickelt und gleichberechtigt. Trotzdem war Alpha der Ursprung und Beta die Kolonie. Das ließen die Einwohner Alphas ihre Brüder und Schwestern auf Beta nicht vergessen. Im kisorischen Mittelalter schrumpfte der Genpool auf Alpha zeitweise auf nur 10.000 Individuen. Reinrassige Alpha-Abkömmlinge sind heute an ihrem Aussehen deutlich erkennbar. Die besonderen Eigenschaften der Alpha-Genlinie gelten als aristokratisch – oder als dekadent, je nach Sichtweise. Beta kam schneller aus dem Mittelalter, entwickelte wieder interplanetare Raumfahrt und half Alpha beim Wiederaufbau. Seit damals gibt es eine freundschaftliche Konkurrenz zwischen Alpha, dem Ursprung des Volkes und Beta, der überlegenen Kolonie. Das Verhältnis wurde etwa 120 Jahre vor der Katastrophe sehr angespannt. Nationalistische Bewegungen gewannen damals die Oberhand auf Beta und schließlich annektierte die – damalige – diktatorische Regierung Betas die – zu dieser Zeit unabhängigen – Regionalstaaten Alphas. Aufgrund dieser Historie gibt es immer noch viele Vorbehalte. Die technisch vernünftige Entscheidung, sich zuerst auf Beta zu konzentrieren, wird von den lokalen Alpha-Kisori abgelehnt. Kisori von Alpha werden viel länger auf ihre Heimat warten müssen und es besteht die Gefahr, dass Beta einen uneinholbaren Entwicklungsvorsprung erhält. Viele Alpha-Kisori befürchten, dass Beta ihre Heimat dann wieder unterdrücken könnte, wie vor 200 Jahren. Sie beteiligen sich nicht an der Rücktransformation Betas, denn das ist nicht ihre Heimat. Manche versuchen die Aktivitäten für Beta zu verzögern. Einige auch mit Gewalt.
Für eine kleine Gruppe fundamentalistische Alturisten (Nur Altur) ist die Wiederbesiedlung ein Frevel. Sie wehren sich vor allem durch Propaganda, mit orbitalen Sendern und mit kilometergroßen Warnschildern im Orbit und auf dem Eis. Die "Spinner" von Nur Altur werden von den anderen Fraktionen nicht ernst genommen. Bis sie 3075 durch Sabotage das Projekt um Jahrzehnte zurückwerfen.
Die lokalen Kisori nehmen mit ihren bescheidenen Mitteln erste Erkundungen vor. Sie gründen kleine Stützpunkte auf der Planetenoberfläche und versuchen den Umfang der Aufgabe abzuschätzen.
Währenddessen beginnen Konsortien von Fox mit der Ressourceextraktion in den Asteroidengürteln und auf dem großen Mond von Kisor Beta. Sie bringen industrielle Autofabs heran und bereiten die Produktion von gigantischen orbitalen Spiegeln vor. Mit Ketten von Antimaterieexplosionen im kt Bereich werden Dämme aufgeschüttet, um Schmelzwasser zu kanalisieren. Megatonnen-Explosionen verteilen Wasserdampf in der Atmosphäre. Andere züchten biologische Prototypen. Sie suchen Genmaterial für Hunderttausende Spezies in Datenbanken und Reservaten. Die zukünftige Ökologie der Planeten wird simuliert. Die ersten Biofabs und Zuchtstationen werden aufgebaut. Später, wenn die Temperaturen sich normalisiert haben, müssen Gigatonnen biologischen Materials hergestellt werden, um die Ökosphäre neu zu starten.
Fast alle Fraktionen haben das gleiche Ziel: die Wiederbesiedlung der zwei Kisor Planeten zu ermöglichen. Sie arbeiten gemeinsam daran,die Planeten zu erwärmen und die Ökologie im globalen Maßstab wiederherzustellen. Gleichzeitig versuchen alle Fraktionen zu verhindern, dass andere zu viel Einfluss gewinnen oder schon in der Eiswüste ihre Claims abstecken.
Die lokalen Kisori sind mit viel Elan und Einsatzbereitschaft dabei. Sie haben den moralischen Anspruch auf die Planeten und individuelle Eigentumsansprüche auf ihrer Seite. Sie wollen ihr Land wiederhaben. Jede Hilfe von außen ist ihnen willkommen. Aber sie beobachten argwöhnisch die anderen Fraktionen. Auch die lokalen Kisori ziehen nicht alle an einem Strang. Sie kommen ursprünglich von verschiedenen Regionen des Planeten und auch da gab es schon Rivalitäten. Die ehemaligen Bewohner nördlicher Gebiete, die vorher das milde Klima des warmen Planeten genossen haben, würden sich jetzt gerne, wie alle anderen auch, in Äquatornähe niederlassen, da nun dort das mildeste Klima herrscht. Auch die lokalen Kisori konkurrieren um die besten Grundstücke.
Die Konsortien des mittleren Fox-Systems arbeiten mit großem Materialeinsatz. Sie tragen die Hauptlast der Regeneration und daraus leiten Sie den Anspruch ab, sich später niederlassen zu dürfen. Sie gehen manchmal sehr bestimmt vor, wenn sie das Gefühl haben, dass lokale Kisori mit ihren "vernachlässigbaren" Operationen im Weg sind. Auf der anderen Seite stellen lokale Kisori auch mal absichtlich eine kleine Forschungsstation in ein Operationsgebiet, um zu verhindern, dass sich die Ansprüche der systemfremden Akteure verfestigen.
Die alturistische Regierung des Fox-Planeten etabliert als Forschungsstationen verkleidete Stützpunkte, und versucht die Oberflächenaktivitäten der Singulariten einzudämmen. Sie unterstützt die lokalen Kisori aus Glaubensgründen und um den Einfluss der Fox-Konsortien einzugrenzen. Die lokalen Kisori nehmen die Hilfe gerne an. Sie bleiben dabei aber misstrauisch. Schließlich ist auch die Fox-Regierung eine fremde Macht.
Die Planeten sind im Ödland, 500 Millionen Quadratkilometer Eiswüste. Es gibt keine globale Überwachung, keine staatlichen Strukturen. Eis-Blizzards mit -70 Grad Celsius können Wochen lang wüten. Gleiter gehen verloren. Forschungsstationen werden Opfer von Naturgewalten – und Sabotage. Unfälle passieren immer wieder. Im Notfall ist die nächste Unterstützung oft 2000 Kilometer entfernt und meistens die falsche Fraktion. Hilfe aus dem Orbit ist kaum möglich. Es gibt keine Massenstartsysteme mehr. Einst gab es einen orbitalen Ring mit aktiver Unterstützung und vielen Aufzügen, elektromagnetische Starter und orbitale Transferschleifen. Nun müssen Fähren per Hitzeschild landen und auf einer Fusionsflamme starten. Ein riesiger Aufwand.
Es wird mindestens 70 Jahre dauern, die Temperatur auf einen erträglichen Wert anzuheben, 100 Jahre bis sich die Wettermuster stabilisieren und 200 Jahre bis die Ökosphäre selbstständig funktioniert.
Beteiligte Fraktionen beim Projekt Beta Wiederbesiedlung:
- Beta-stämmige Überlebende der Katastrophe: aktiv, kooperativ (kleiner Mitteleinsatz).
- Alpha-stämmige Überlebende: grundsätzlich ablehnend, Verweigerung, Obstruktion, Sabotage, manche kooperativ (sehr geringer Mitteleinsatz).
- Lokale Außenseiter, Survivalisten und Oort-Bewohner: grundsätzlich gleichgültig, wenige positiv und kooperativ (sehr geringer Mitteleinsatz).
- "Nur Altur" Extremisten: entschiedene Ablehnung (sehr geringe Mittel nur zur Obstruktion).
- Manager und Flüchtlinge der Zufluchtsstätten: positiv passiv (kein Mitteleinsatz).
- Fox-Konsortien: sehr aktiv (hoher Mitteleinsatz).
- Planetare Fox-Regierung: ablehnend passiv (kleiner Mitteleinsatz für eigene Ziele).
Konflikte:
- Beta-stämmige Überlebende streiten untereinander um Gebietsansprüche. Dabei kommt es zu Gewaltanwendung auf der Planetenoberfläche, im Orbit Betas und im ganzen System auch gegen die Heimatstützpunkte einiger Akteure.
- Alpha-stämmige Überlebende versuchen das Projekt zu verhindern oder hinauszuzögern, im offenen Konflikt mit Beta-stämmigen und im Verborgenen gegen Fox-Konsortien.
- Einige lokale Überlebende betrachten die Passivität lokaler Außenseiter, die ihre Mittel nicht zur Verfügung stellen wollen, als Sabotage und gehen gegen diese vor, um ein Exempel zu statuieren.
- "Nur Altur" Extremisten wenden sich gegen alle aktiven Fraktionen durch lautstarke Propaganda und geheime Vorbereitung von Sabotageaktionen.
- "Nur Altur" und die planetare Fox-Regierung konspirieren trotz der Vorbehalte gegen Systemfremde auf der einen Seite und Missbehagen wegen Extremismus (bei gleichem Glauben) auf der anderen Seite.
- Die planetare Fox-Regierung unterstützt die lokalen Überlebenden, versucht aber gleichzeitig das Projekt zu schwächen, um die Fox-Konsortien zu behindern.
- Fraktionen der lokalen Überlebenden misstrauen zurecht den Motiven der Fox-Regierung, nehmen aber deren Hilfe an.
- Einige Fox-Konsortien missachten die Aktivitäten der lokalen Fraktionen und beschädigen diese aus Rücksichtslosigkeit und um Gebietsansprüche durchzusetzen.
- Moderate Konsortien lehnen Gewalt ab und befürchten eine Eskalation. Sie versuchen rücksichtslose Aktionen radikalerer Konsortien zu verhindern.
- Lokale Fraktionen fürchten Gebietsansprüche systemfremder Kräfte, vor allem der Fox-Konsortien, und gehen auch gewaltsam dagegen vor.
- Lokale Alturisten versuchen die Ausbreitung des Singularismus im Kisor System zu verhindern. Das erschwert Kooperationen zwischen Fox-Konsortien und den Überlebenden der Katastrophe.
- Die planetare Fox-Regierung versucht die Fox-Konsortien einzudämmen, aus religiösen und machtpolitischen Gründen. Dabei auch Sabotage im Verborgenen.
- Die Fox-Regierung droht mit der Etablierung eines Protektorats, falls die von Singulariten dominierten Konsortien des mittleren Fox-Systems die Kontrolle auf Kisor Beta übernehmen.
- Die Fox-Konsortien gehen im Verborgenen gegen geheime Stützpunkte der Fox-Regierung vor.
- Singulariten (vor allem der Fox-Konsortien) versuchen ein Wiedererstarken des Alturismus im Kisor-System zu verhindern.
- Radikale Vertreter der Rückkehrbewegung aus dem mittleren Fox-System unternehmen geheime Aktionen gegen lokale Fraktionen außerhalb des Projektkontextes im ganzen System.
- Einzelne Singulariten unter den Überlebenden arbeiten für lokale (alturistisch dominierte) Fraktionen und konspirieren insgeheim mit Fox-Konsortien.
- Menschen-dominierte Fox-Konsortien versuchen eigene Gebietsansprüche aufzubauen. Sie stehen in Konkurrenz zu Kisori-dominierten Konsortien.
- Viele Überlebende der Katastrophe lehnen die Beteiligung von Menschen vehement ab. Manche, vor allem Veteranen des letzten Kriegs, greifen zu Gewalt.
- Alle Fox-Konsortien versuchen die besten Gebiete zu beanspruchen und manche gehen dabei energisch gegen andere Konsortien und lokale Fraktionen vor.
- Bei allen Fraktionen gibt es Individuen, die sich zum Wohl des Gesamtprojekts gegen Sabotageaktivitäten ihrer eigenen Organisation wenden und dabei insgeheim mit anderen Fraktionen kooperieren.
- In moderaten Organisation gibt es Individuen, die mit radikalen Kräften konspirieren, um ihre Vorstellungen durchzusetzen.
#Aliens #Ökoforming #Terraforming #Sonnenspiegel #Religion #Konflikt #Sabotage
http://jmp1.de/h3010
Kisor hatte traditionell sehr wenige interplanetare Siedlungen und interstellare Kolonien. Die Bevölkerung im Kisor-System konzentrierte sich auf die zwei Planeten. Nur zwei Prozent der Kisori lebte im interplanetaren Raum. Bei den meisten hochentwickelten Völkern ist ein großer Teil der Zivilisation interplanetar und die Bevölkerung lebt in künstlichen Habitaten. Auch Kisor hatte interplanetare Infrastruktur. Es gab Ressourceextraktion in den Asteroidengürteln und bei den Gasriesen, Energiegewinnung in sonnennahen Orbits, massive orbitale Fabriken und natürlich die gigantischen Frachtterminals der kisorischen Gilden. Aber ein Großteil der interplanetaren Infrastruktur war automatisiert. Der Automatisierungsgrad war höher als bei vergleichbaren Völkern.
Nur die Handelsgilden hatten einst signifikantes interplanetares und interstellar aktives Personal. Aber die große Zeit der Gilden endete um 2800 mit dem Niedergang des interstellaren Handels. Interstellare Außenposten waren zur Zeit der Gilden fast ausschließlich funktional organisiert. Die Kisori dort betrachteten sich als temporär abgeordnete Vertreter der Heimatwelten und nicht als Siedler. Dementsprechend gering war die Bevölkerung und sie nahm mit dem Rückgang des Handels immer weiter ab.
Es gibt ein paar alte ehemalige Kolonialsysteme aus der Zeit des goldenen Reiches. Aber deren Besiedlung ist 10.000 Jahren her und die Völker haben sich inzwischen weit auseinanderentwickelt. Diese ehemaligen Kolonien betrachten sich nicht als Kisori. Sie sind nicht interessiert an der Neubesiedlung von zwei unwirtlichen Planeten. Tatsächlich wundern sie sich eher über ihre entfernten Verwandten und deren Fixierung auf die Planetenoberflächen.
Im Fox-System gibt es einen großen kisorischen Bevölkerungsanteil. Fox war 400 Jahre zuvor von Menschen besiedelt worden. Nach Religionskonflikten kamen kisorische Auswanderer dazu: Singulariten, die vor dem auf Kisor dominierenden Alturismus flohen. Im Lauf der Zeit wurde Fox zu einem Sammelpunkt für Singulariten. Auch viele Menschen nahmen den Singularismus an. Während der Fox-Bürgerkriege wurden die Singulariten wieder vertrieben. Sie flohen vom Planeten und siedelten sich im mittleren System der Fox-Gasriesen an. Das war anfangs sehr hart. Aber dann entwickelte sich dort eine lebendige interplanetare Zivilisation von Kisori und Menschen, die durch ihren gemeinsamen Glauben verbunden waren. Während der Fox-Bürgerkriege war das mittlere System vom bewohnbaren Planeten abgeschnitten. Später wurde die Grenze wieder durchlässiger. Aber immer noch gibt es zwei weitgehend getrennte Zivilisationen im System: die interplanetare Gesellschaft der Singulariten im mittleren System und die alturistische Regierung des Fox-Planeten. Die interplanetare Zivilisation hat sich inzwischen mit der Situation arrangiert. Trotzdem bleibt die Sehnsucht nach einem eigenen Planeten. Ein Planet, der für Kisori (und Menschen) geeignet ist. Und Fox ist nicht weit von Kisor entfernt. Einige Singulariten von Fox sehen nun die Chance, die Kisor-Planeten zu besiedeln. Sie stoßen dabei auf die Aktivitäten von Kisori, die die Katastrophe im Kisor-System überlebt haben und auch gerade dabei sind, die Planeten für eine Neubesiedlung vorzubereiten.
Bevor wirklich jemand auf der Planetenoberfläche leben kann, ist viel zu tun. Die Biosphäre der Planeten ist zerstört und es herrscht eine planetare Eiszeit. Die kinetische Bombardierung 80 Jahre zuvor wirbelte Tausende Kubikkilometer Staub und Asche in die Stratosphäre. Dort blieben die feinsten Teilchen mehrere Jahre. Sie reduzierten die Sonnenstrahlung auf der Oberfläche und die Planeten kühlten sich ab. Direkt nach der Katastrophe herrschte ein Dämmerlicht in dem die meisten Pflanzen starben und mit ihnen die Tiere. Dann froren die Planeten zu. Die Meere wurden zu Eiswüsten. Als der Himmel wieder aufklarte, waren die Planeten nicht mehr blaugrün, sondern weiß. Wegen der hohen Reflexion von Eis und Schnee kann die Sonnenstrahlung die Oberfläche nicht erwärmen.
Die Planeten haben einen neuen Gleichgewichtszustand bei eisigen Temperaturen eingenommen. Das ist nichts, was eine interplanetare Hochzivilisation nicht beheben könnte. Mit einigen Millionen Quadratkilometern Spiegel im Orbit könnte man die Temperaturen wieder anheben. Aber dem Kisor-System fehlt nun die industrielle Infrastruktur für so ein großes Unternehmen. Im verzweifelten Abwehrkampf vor und während der Katastrophe wurden die orbitale Industrie schwer getroffen. Der planetare Ring ist mangels aktiver Stützung zerbrochen und auf der Oberfläche niedergegangen. Alle interplanetaren Bevölkerungszentren sind zerstört. Die Bewohner waren vorher geflohen, wurden virtualisiert oder getötet. Nur tief eingegrabene Infrastruktur blieb erhalten.
Es gibt noch Außenseiter-Gesellschaften, Survivalisten und Oort-Bewohner, die absichtlich weit entfernt von den stets gefährdeten Planeten lebten und dort weiterhin leben. Sie haben nur ein geringes Interesse, ihre spärlichen Ressourcen nun für die Wiederbesiedlung der Planeten zu verwenden. Auf den Monden der Gasriesen liegen unzählige Zufluchtsstätten in denen Flüchtlinge eingelagert sind. Sie sind eingegraben auf den Eismonden. Ihre Notbesatzung wartet darauf, dass die Infrastruktur wiederhergestellt wird, damit sie die Flüchtlinge wecken können. Aber sie haben selbst keine Mittel für einen Neuanfang.
Die Wiederbesiedlung wird vor allem getragen von den wenigen interplanetaren Außenposten, die die Katastrophe überstanden haben. Einige interstellare militärischen Stützpunkte leisten wichtige Beträge.
Unabhängig davon wächst unter den Singulariten von Fox die Rückkehrbewegung. Die Singulariten sehen die einmalige Gelegenheit, Kisor unter dem Banner des Singularismus wiederaufzubauen und den Alturismus endgültig zu überwinden. Die wenigen Überlebenden (Alturisten) des Kisorsystems sind davon nicht begeistert. Genauso wenig wie die planetare Fox-Zivilisation, die nicht zusehen will, wie der Singularismus des mittleren Fox-Systems sich nach Kisor ausbreitet.
Auch in der planetaren Fox-Zivilisation gibt es inzwischen Bestrebungen, sich im Kisor System zu engagieren. Es geht vor allem darum, die Kisor Zwillinge dem Einfluss des mittleren Systems zu entziehen. Die Regierung des Fox-Planeten gibt bekannt, dass sie keine Besitzansprüche anerkennt, die sich aus Rettungsoperationen im Kisor-System ergeben. Einige gehen da weiter: im Notfall müsse Fox die Kisor-Planeten durch ein Protektorat vor dem Singularismus schützen.
Unter den Singulariten, die sich jetzt für die kisorische Wiederbesiedlung engagieren, sind auch viele Menschen. Menschen und Kisori haben eine wechselvolle Geschichte. Einst retteten Kisori die Menschen vor den Kelrecs. Dann folgte ein totaler Krieg zwischen Sol und Kisors Gilden, den die Menschen verloren. Nach dem Wiederaufbau waren Sol und Kisor ein Jahrhundert lang Verbündete gegen die Chinti-Schwarmvölker. Als die Chinti-Bedrohung entfiel, wurden aus Freunden Feinde. Der zweite Kisor-Krieg endete mit der vollständigen Vernichtung Kisors. Die Verantwortlichen dafür waren zwar Leccianer-Horden. Aber sie kamen von Sol und viele Schiffe hatten menschliche Besatzungen. Die Beziehungen zwischen Menschen und Kisori sind schwierig. Die Menschen unter den Singulariten hoffen jetzt im Rahmen der Wiederbesiedlung Einfluss auf Kisor zu bekommen. Das gefällt vielen kisorischen Singulariten nicht. Und schon gar nicht den lokalen Kisori, die 80 Jahre zuvor gegen solare Schiffe gekämpft und alles verloren hatten.
Das mittlere System von Fox ist einigermaßen wohlhabend. Jedenfalls viel wohlhabender als die Überlebenden des Kisor-Systems. Bei den Fox-Gasriesen gibt es viele Milliarden Sophonten und eine breite industrielle Basis. Aus der Rückkehrbewegung heraus werden mehrere Konsortien aktiv. Sie transportieren Megatonnen Material nach Kisor. Sie schaffen die industrielle Basis mit der man das Klima der Planeten korrigieren kann. Die Planeten müssen aufgetaut werden durch zusätzliche Sonnenenergie und einen künstlichen Treibhauseffekt.
Kisor Beta ist dafür besser geeignet als Alpha. Beta steht näher an der Sonne und ist deshalb noch etwas wärmer. Die Durchschnittstemperatur von Beta ist auch unter dem Gefrierpunkt von Wasser, aber am Äquator gibt es immerhin noch flüssiges Wasser. Und Beta hat einen großen Mond auf dem man Aluminium für Sonnenspiegel gewinnen kann.
Die Aktivitäten konzentrieren sich auf Kisor Beta. Wie Alpha wurde auch Beta einst künstlich bewohnbar gemacht. Bei Alpha waren es Unbekannte vor Millionen Jahren. Beta wurde von den Kisori selbst während des ersten kisorischen Reiches vor 14.000 Jahren ökoformiert. Jahrtausende später waren beide Planeten dicht besiedelt, hochentwickelt und gleichberechtigt. Trotzdem war Alpha der Ursprung und Beta die Kolonie. Das ließen die Einwohner Alphas ihre Brüder und Schwestern auf Beta nicht vergessen. Im kisorischen Mittelalter schrumpfte der Genpool auf Alpha zeitweise auf nur 10.000 Individuen. Reinrassige Alpha-Abkömmlinge sind heute an ihrem Aussehen deutlich erkennbar. Die besonderen Eigenschaften der Alpha-Genlinie gelten als aristokratisch – oder als dekadent, je nach Sichtweise. Beta kam schneller aus dem Mittelalter, entwickelte wieder interplanetare Raumfahrt und half Alpha beim Wiederaufbau. Seit damals gibt es eine freundschaftliche Konkurrenz zwischen Alpha, dem Ursprung des Volkes und Beta, der überlegenen Kolonie. Das Verhältnis wurde etwa 120 Jahre vor der Katastrophe sehr angespannt. Nationalistische Bewegungen gewannen damals die Oberhand auf Beta und schließlich annektierte die – damalige – diktatorische Regierung Betas die – zu dieser Zeit unabhängigen – Regionalstaaten Alphas. Aufgrund dieser Historie gibt es immer noch viele Vorbehalte. Die technisch vernünftige Entscheidung, sich zuerst auf Beta zu konzentrieren, wird von den lokalen Alpha-Kisori abgelehnt. Kisori von Alpha werden viel länger auf ihre Heimat warten müssen und es besteht die Gefahr, dass Beta einen uneinholbaren Entwicklungsvorsprung erhält. Viele Alpha-Kisori befürchten, dass Beta ihre Heimat dann wieder unterdrücken könnte, wie vor 200 Jahren. Sie beteiligen sich nicht an der Rücktransformation Betas, denn das ist nicht ihre Heimat. Manche versuchen die Aktivitäten für Beta zu verzögern. Einige auch mit Gewalt.
Für eine kleine Gruppe fundamentalistische Alturisten (Nur Altur) ist die Wiederbesiedlung ein Frevel. Sie wehren sich vor allem durch Propaganda, mit orbitalen Sendern und mit kilometergroßen Warnschildern im Orbit und auf dem Eis. Die "Spinner" von Nur Altur werden von den anderen Fraktionen nicht ernst genommen. Bis sie 3075 durch Sabotage das Projekt um Jahrzehnte zurückwerfen.
Die lokalen Kisori nehmen mit ihren bescheidenen Mitteln erste Erkundungen vor. Sie gründen kleine Stützpunkte auf der Planetenoberfläche und versuchen den Umfang der Aufgabe abzuschätzen.
Währenddessen beginnen Konsortien von Fox mit der Ressourceextraktion in den Asteroidengürteln und auf dem großen Mond von Kisor Beta. Sie bringen industrielle Autofabs heran und bereiten die Produktion von gigantischen orbitalen Spiegeln vor. Mit Ketten von Antimaterieexplosionen im kt Bereich werden Dämme aufgeschüttet, um Schmelzwasser zu kanalisieren. Megatonnen-Explosionen verteilen Wasserdampf in der Atmosphäre. Andere züchten biologische Prototypen. Sie suchen Genmaterial für Hunderttausende Spezies in Datenbanken und Reservaten. Die zukünftige Ökologie der Planeten wird simuliert. Die ersten Biofabs und Zuchtstationen werden aufgebaut. Später, wenn die Temperaturen sich normalisiert haben, müssen Gigatonnen biologischen Materials hergestellt werden, um die Ökosphäre neu zu starten.
Fast alle Fraktionen haben das gleiche Ziel: die Wiederbesiedlung der zwei Kisor Planeten zu ermöglichen. Sie arbeiten gemeinsam daran,die Planeten zu erwärmen und die Ökologie im globalen Maßstab wiederherzustellen. Gleichzeitig versuchen alle Fraktionen zu verhindern, dass andere zu viel Einfluss gewinnen oder schon in der Eiswüste ihre Claims abstecken.
Die lokalen Kisori sind mit viel Elan und Einsatzbereitschaft dabei. Sie haben den moralischen Anspruch auf die Planeten und individuelle Eigentumsansprüche auf ihrer Seite. Sie wollen ihr Land wiederhaben. Jede Hilfe von außen ist ihnen willkommen. Aber sie beobachten argwöhnisch die anderen Fraktionen. Auch die lokalen Kisori ziehen nicht alle an einem Strang. Sie kommen ursprünglich von verschiedenen Regionen des Planeten und auch da gab es schon Rivalitäten. Die ehemaligen Bewohner nördlicher Gebiete, die vorher das milde Klima des warmen Planeten genossen haben, würden sich jetzt gerne, wie alle anderen auch, in Äquatornähe niederlassen, da nun dort das mildeste Klima herrscht. Auch die lokalen Kisori konkurrieren um die besten Grundstücke.
Die Konsortien des mittleren Fox-Systems arbeiten mit großem Materialeinsatz. Sie tragen die Hauptlast der Regeneration und daraus leiten Sie den Anspruch ab, sich später niederlassen zu dürfen. Sie gehen manchmal sehr bestimmt vor, wenn sie das Gefühl haben, dass lokale Kisori mit ihren "vernachlässigbaren" Operationen im Weg sind. Auf der anderen Seite stellen lokale Kisori auch mal absichtlich eine kleine Forschungsstation in ein Operationsgebiet, um zu verhindern, dass sich die Ansprüche der systemfremden Akteure verfestigen.
Die alturistische Regierung des Fox-Planeten etabliert als Forschungsstationen verkleidete Stützpunkte, und versucht die Oberflächenaktivitäten der Singulariten einzudämmen. Sie unterstützt die lokalen Kisori aus Glaubensgründen und um den Einfluss der Fox-Konsortien einzugrenzen. Die lokalen Kisori nehmen die Hilfe gerne an. Sie bleiben dabei aber misstrauisch. Schließlich ist auch die Fox-Regierung eine fremde Macht.
Die Planeten sind im Ödland, 500 Millionen Quadratkilometer Eiswüste. Es gibt keine globale Überwachung, keine staatlichen Strukturen. Eis-Blizzards mit -70 Grad Celsius können Wochen lang wüten. Gleiter gehen verloren. Forschungsstationen werden Opfer von Naturgewalten – und Sabotage. Unfälle passieren immer wieder. Im Notfall ist die nächste Unterstützung oft 2000 Kilometer entfernt und meistens die falsche Fraktion. Hilfe aus dem Orbit ist kaum möglich. Es gibt keine Massenstartsysteme mehr. Einst gab es einen orbitalen Ring mit aktiver Unterstützung und vielen Aufzügen, elektromagnetische Starter und orbitale Transferschleifen. Nun müssen Fähren per Hitzeschild landen und auf einer Fusionsflamme starten. Ein riesiger Aufwand.
Es wird mindestens 70 Jahre dauern, die Temperatur auf einen erträglichen Wert anzuheben, 100 Jahre bis sich die Wettermuster stabilisieren und 200 Jahre bis die Ökosphäre selbstständig funktioniert.
Beteiligte Fraktionen beim Projekt Beta Wiederbesiedlung:
- Beta-stämmige Überlebende der Katastrophe: aktiv, kooperativ (kleiner Mitteleinsatz).
- Alpha-stämmige Überlebende: grundsätzlich ablehnend, Verweigerung, Obstruktion, Sabotage, manche kooperativ (sehr geringer Mitteleinsatz).
- Lokale Außenseiter, Survivalisten und Oort-Bewohner: grundsätzlich gleichgültig, wenige positiv und kooperativ (sehr geringer Mitteleinsatz).
- "Nur Altur" Extremisten: entschiedene Ablehnung (sehr geringe Mittel nur zur Obstruktion).
- Manager und Flüchtlinge der Zufluchtsstätten: positiv passiv (kein Mitteleinsatz).
- Fox-Konsortien: sehr aktiv (hoher Mitteleinsatz).
- Planetare Fox-Regierung: ablehnend passiv (kleiner Mitteleinsatz für eigene Ziele).
Konflikte:
- Beta-stämmige Überlebende streiten untereinander um Gebietsansprüche. Dabei kommt es zu Gewaltanwendung auf der Planetenoberfläche, im Orbit Betas und im ganzen System auch gegen die Heimatstützpunkte einiger Akteure.
- Alpha-stämmige Überlebende versuchen das Projekt zu verhindern oder hinauszuzögern, im offenen Konflikt mit Beta-stämmigen und im Verborgenen gegen Fox-Konsortien.
- Einige lokale Überlebende betrachten die Passivität lokaler Außenseiter, die ihre Mittel nicht zur Verfügung stellen wollen, als Sabotage und gehen gegen diese vor, um ein Exempel zu statuieren.
- "Nur Altur" Extremisten wenden sich gegen alle aktiven Fraktionen durch lautstarke Propaganda und geheime Vorbereitung von Sabotageaktionen.
- "Nur Altur" und die planetare Fox-Regierung konspirieren trotz der Vorbehalte gegen Systemfremde auf der einen Seite und Missbehagen wegen Extremismus (bei gleichem Glauben) auf der anderen Seite.
- Die planetare Fox-Regierung unterstützt die lokalen Überlebenden, versucht aber gleichzeitig das Projekt zu schwächen, um die Fox-Konsortien zu behindern.
- Fraktionen der lokalen Überlebenden misstrauen zurecht den Motiven der Fox-Regierung, nehmen aber deren Hilfe an.
- Einige Fox-Konsortien missachten die Aktivitäten der lokalen Fraktionen und beschädigen diese aus Rücksichtslosigkeit und um Gebietsansprüche durchzusetzen.
- Moderate Konsortien lehnen Gewalt ab und befürchten eine Eskalation. Sie versuchen rücksichtslose Aktionen radikalerer Konsortien zu verhindern.
- Lokale Fraktionen fürchten Gebietsansprüche systemfremder Kräfte, vor allem der Fox-Konsortien, und gehen auch gewaltsam dagegen vor.
- Lokale Alturisten versuchen die Ausbreitung des Singularismus im Kisor System zu verhindern. Das erschwert Kooperationen zwischen Fox-Konsortien und den Überlebenden der Katastrophe.
- Die planetare Fox-Regierung versucht die Fox-Konsortien einzudämmen, aus religiösen und machtpolitischen Gründen. Dabei auch Sabotage im Verborgenen.
- Die Fox-Regierung droht mit der Etablierung eines Protektorats, falls die von Singulariten dominierten Konsortien des mittleren Fox-Systems die Kontrolle auf Kisor Beta übernehmen.
- Die Fox-Konsortien gehen im Verborgenen gegen geheime Stützpunkte der Fox-Regierung vor.
- Singulariten (vor allem der Fox-Konsortien) versuchen ein Wiedererstarken des Alturismus im Kisor-System zu verhindern.
- Radikale Vertreter der Rückkehrbewegung aus dem mittleren Fox-System unternehmen geheime Aktionen gegen lokale Fraktionen außerhalb des Projektkontextes im ganzen System.
- Einzelne Singulariten unter den Überlebenden arbeiten für lokale (alturistisch dominierte) Fraktionen und konspirieren insgeheim mit Fox-Konsortien.
- Menschen-dominierte Fox-Konsortien versuchen eigene Gebietsansprüche aufzubauen. Sie stehen in Konkurrenz zu Kisori-dominierten Konsortien.
- Viele Überlebende der Katastrophe lehnen die Beteiligung von Menschen vehement ab. Manche, vor allem Veteranen des letzten Kriegs, greifen zu Gewalt.
- Alle Fox-Konsortien versuchen die besten Gebiete zu beanspruchen und manche gehen dabei energisch gegen andere Konsortien und lokale Fraktionen vor.
- Bei allen Fraktionen gibt es Individuen, die sich zum Wohl des Gesamtprojekts gegen Sabotageaktivitäten ihrer eigenen Organisation wenden und dabei insgeheim mit anderen Fraktionen kooperieren.
- In moderaten Organisation gibt es Individuen, die mit radikalen Kräften konspirieren, um ihre Vorstellungen durchzusetzen.
#Aliens #Ökoforming #Terraforming #Sonnenspiegel #Religion #Konflikt #Sabotage
http://jmp1.de/h3010
2997 Reshumanis erhält einen Versorgungsstützpunkt im Saturnsystem
Reshumanis, die Allianz zur Befreiung des Solsystems von der dellianischen Fremdherrschaft, erhält einen Versorgungsstützpunkt beim Saturn. Rohstoffe und Material für die Aktivitäten im Solsystem können nun lokal beschafft werden und müssen nicht mehr über interstellare Distanzen transportiert werden. Ein wichtiger Schritt für die Rückgewinnung des Solsystems.
-- 2967, 30 Jahre vorher --
Ein Mann geht die Rampe hinunter auf das Dock des Titan-Terminals. Er ist groß, athletisch, charismatisch. Noch ist er ein Niemand. Keiner kennt ihn. Aber das wird sich bald ändern. Er ist Dellianer und er wird in der dellianischen Hierarchie aufsteigen. Dafür wurde er gemacht. Er hat ein Multitasking-Bewusstsein, ein beschleunigtes Nervensystem, Assoziationsbooster, die dellianische Variante des Ninja-Upgrades und genetisch angelegte Genie-Fähigkeiten im Memetik-Bereich. Er ist überzeugend. Er weiß, wie man sich durchsetzt und er wird sich durchsetzen. Er braucht 20 Jahre bis an die Spitze. Dann wird er Satirax, der Protektor des Saturn. Er glaubt, er kommt von den schwebenden Habitaten der Venus. Aber das ist eine eingepflanzte Erinnerung. Tatsächlich kommt er von Valerius, aus einem Spezialprogramm des memetischen Abwehrdienstes von Valerius.
--
Die Tatsache, dass Satirax, der dellianische Protektor des Saturn, den Menschen einen Stützpunkt gewährt, erscheint wie ein Wunder. Diese Öffnung bedroht die Herrschaft der Dellianer im Solsystem. Das weiß Satirax genauso wie der Protektor von Sol auf der Venus und alle anderen Protektorate im System. Aber für die lokalen Protektoren ist die Kontrolle ihres eigenen Machtbereichs wichtiger, als die eher abstrakte dellianische Gesamtherrschaft. Der Vorgang ist die Folge einer religiösen und wirtschaftlichen Entwicklung im äußeren System.
Satirax erhält für die Überlassung des Stützpunkts eine Pacht und für Ressourcenextraktionsrechte technische Unterstützung der Reshumanis und einen Anteil an den gewonnenen Rohstoffen. Für den Protektor des Saturn ist der Handel dringend nötig, denn das Protektorat Saturn ist in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die nach der Eroberung übernommene Infrastruktur ist nun gut 200 Jahre alt und schlecht gewartet. Ausrüstung, die auf dem Höhepunkt der Barbarenwelle geplündert wurde, ist sogar über 300 Jahre alt. Obwohl Autofabs und Reparaturschwärme sehr lange selbständig laufen können, macht sich der Verschleiß inzwischen bemerkbar. Gleichzeitig befindet sich die Bevölkerung im Niedergang. Es gibt nicht genügend Fachkräfte unter den menschlichen Sklaven und autonomen Mechs, um alle Anlagen manuell zu warten oder zumindest Wartungsbots in Betrieb zu halten. Der Niedergang der Wirtschaft reduziert das interplanetare Handelsvolumen zwischen äußerem und innerem System. Luxusgüter aus dem inneren System sind für den Saturn inzwischen unbezahlbar.
Die Schwierigkeiten des Saturn werden verstärkt durch ein religiös motiviertes Embargo der anderen äußeren Protektorate. Um das Jahr 2990 war Satirax mit seinem Hofstaat vom speziellen Uthoismus zum allgemeinen Uthoismus übergetreten. Einige Lehren des allgemeinen Uthoismus gelten den Anhängern des speziellen Uthoismus als Frevel. Aus der Sicht des speziellen Uthoismus sind die Allgemeinen schlimmer als Ungläubige, denn sie ignorieren nicht nur die Lehre des Uthoismus sondern sabotieren diese.
Kern des Uthoismus (Hindi, "sich erheben") ist die These, dass das Leben ein Auftrag des Universums ist, nach dem höchsten Glück zu streben. Mit dem Erreichen des perfekten Glückszustands kann das Individuum seine weltliche Hülle verlassen und zum transzendenten Wesen im Einklang mit dem Universum werden. Bürger in wohlhabenden Zivilisationen – und die Mächtigen in allen anderen technisch hochentwickelten Gesellschaften – sind im Wesentlichen unsterblich. Sie leben sehr lange in biologischen Körpern, später mit künstlichen Organen und technischer Unterstützung und schließlich als Uploads in Androidenkörpern oder in Simulationen. Der Tod ist eher ungewöhnlich. Das schadet der Attraktivität von ewigem Leben und Wiedergeburt nach dem Tod. Stattdessen wird in vielen Religionen eher ein besonders bemerkenswertes Ende nach einem langen guten Leben angestrebt. Das gilt auch für den Uthoismus, wo die Gläubigen das Ziel haben, nach einem langen glücklichen Leben auf dem Höhepunkt des Glücks mit dem Universum eins zu werden. In der Praxis werden zur Erreichung des transzendenten Zustands oft technische und biochemische Hilfsmittel verwendet.
Orthodoxe Uthoisten lehnen solche Hilfsmittel ab. Sie versuchen durch ihren gesellschaftlichen Status und die damit verbundene Macht glücklich zu werden. Dafür streben sie die höchsten Ebenen der dellianischen Hierarchie an. Sie vertreten den speziellen Uthoismus bei dem nur die Besten und Mächtigsten den höchsten Zustand erreichen. Orthodoxe Uthoisten sind oft sehr machtbesessen, rücksichtslos und erfolgreich. Für die Gläubigen des speziellen Uthoismus ist das Glück ein Nullsummenspiel. Andere müssen verlieren, damit sie gewinnen können. Deshalb ist es nur einer geringen Anzahl Individuen vergönnt, den transzendenten Zustand zu erreichen. Da Glück und Reichtum korreliert sind, haben die Mächtigen die besten Chancen. Daraus leiten die Mächtigen einen größeren Anspruch ab und im Umkehrschluss keinen Anspruch auf Transzendenz – und Glück – für niedrigere Ränge und Sklaven.
Im allgemeinen Uthoismus ist das Glück dagegen unbeschränkt und jeder Sophont kann die Transzendenz anstreben. Nach dem allgemeinen Uthoismus gilt das auch für Sklaven, obwohl deren Weg offensichtlich weiter und schwerer ist. Anhänger des allgemeinen Uthoismus werden von den Speziellen gehasst und verfolgt, da die Speziellen der Meinung sind, dass die Allgemeinen ihre Chancen auf Transzendenz verringern.
Unter Dellianern dominiert der spezielle Uthoismus. Viele Spezielle bemühen sich, ihre eigenen Chancen zu verbessern, indem sie andere am Glück hindern. Besonders menschliche Sklaven, aber auch niedrige dellianische Ränge werden schlecht behandelt oder sogar misshandelt, um deren Glückspfad zu erschweren. Jede Ebene der dellianischen Hierarchie im Solsystem versucht die untergeordnete Ebene zu unterdrücken. Auch viele Sklaven haben den Uthoismus angenommen oder handeln zumindest entsprechend, um nicht aufzufallen. Dadurch zieht sich die Praxis der Misshandlung von Untergebenen bis in die Ränge der Sklaven. Uthoismus ist nicht nur eine Religion, sondern auch ein effizientes Unterdrückungsinstrument.
Mit dem Übertritt zum allgemeinen Uthoismus verrät Satirax aus Sicht der dellianischen Mehrheit den Uthoismus. Unter der Herrschaft von Satirax dürfen sich alle Sophonten auf den Glückspfad begeben, auch wenn der Weg für die Sklaven sehr schwierig ist. Für orthodoxe Uthoisten verringern sich dadurch ihre Chancen auf Transzendenz. Sie bekämpfen deshalb Allgemeine wie Satirax. Mit dem Embargo gegen das Saturn-Protektorat versuchen die anderen Protektoren, Satirax in die Knie zu zwingen, um wieder einen Rechtgläubigen als Protektor des Saturn einzusetzen. In der Not öffnet Satirax sein Protektorat für die interstellare Reshumanis. Ein wichtiger Schritt für die Rückgewinnung des Solsystems.
-- 2987, 10 Jahre vorher --
Eine Frau geht die Rampe hinunter. Sie ist schön, atemberaubend schön, nicht für Menschen, aber für Dellianer. Für Dellianer ist sie eine Göttin. Und sie ist intelligent, aufmerksam, unterhaltsam, zurückhaltend, manchmal ausgelassen und wild. Sie ist das personifizierte dellianische Schönheitsideal. Das Ergebnis von 200 Jahren Optimierung, von Simulationen, Tests und Iterationen. Die ursprüngliche Genvorlage basiert auf Jahrtausenden natürlicher Selektion in den Palästen von Dellia, lange bevor Dellianer interianische Raumschiffe bestiegen, um den Sektor zu erobern. In den Labors von HR-Technologies auf Valerius wurde ihre Genlinie für den Auftrag präpariert. Moderne solare Gensynthese angewendet auf die dellianische Biologie. Die Genlinie – ihr dellianischer Name bedeutet Andromeda, nach unserer Nachbargalaxie – war schon lange ein Ideal. Auf Valerius bekam sie zusätzliche Empathiebooster, Intelligenz-Upgrades und die genetische Programmierung, ihren Auftrag zu lieben. Sie wurde mit den modernsten Methoden ausgebildet und ist an planmäßig gestellten Herausforderungen zu einem selbstbewussten Charakter herangewachsen. Ein wichtiger Teil ihres Lebens war immer der Glaube an das Glück für alle Wesen. Sie wurde erzogen im Glauben, dass alle eine Chance haben sollen sich zu erheben und mit dem Universum eins zu werden. Sie ist das Endprodukt einer langen Reihe von Optimierungen, in der Genvorlage und in den prägenden Erlebnissen ihrer Jugend. Sie ist perfekt, perfekt gemacht. Perfekt für eine Person: den Protektor des Saturn. Sie ist das Geschenk eines Marui-Handelsfürsten für den Herrscher des Saturnsystems. Ihr Auftrag: Satirax vom wahren Glauben zu überzeugen.
--
Valerius war schon früh immer wieder von Barbarenüberfällen betroffen. Die Angreifer kamen mit automatischen Waffensystemen, die sie aus imperialen Depots entwendet hatten. Die Heimatverteidigung von Valerius hatte keine Chance. Deshalb waren einige Leute auf Valerius der Meinung, dass man nicht bei der Technik, sondern bei den Besatzungen der Raumschiffe ansetzen müsste, vielleicht sogar bei ihren Anführern. Das Spartakus-Projekt sollte die hochentwickelte solare Gentechnologie für Alien-Biologie nutzbar machen. Vor allem für Dellianer und andere Völker aus den Badlands. Es sollte Genvorlagen entwickeln und optimierte Individuen herstellen. Nicht alle waren davon überzeugt, dass es eine gute Idee ist, den Dellianern perfekte Anführer zu geben. Aber wenn man etwas so gut kennt, dass man es perfektionieren kann, dann kennt man auch seine Schwachstellen. Und die Produkte des Spartakus-Projekts haben eine Schwachstelle: eine genetisch eingestellte Neigung zu Andromedas.
#Religion #Wirtschaft #Besatzung #interplanetar
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-- 2967, 30 Jahre vorher --
Ein Mann geht die Rampe hinunter auf das Dock des Titan-Terminals. Er ist groß, athletisch, charismatisch. Noch ist er ein Niemand. Keiner kennt ihn. Aber das wird sich bald ändern. Er ist Dellianer und er wird in der dellianischen Hierarchie aufsteigen. Dafür wurde er gemacht. Er hat ein Multitasking-Bewusstsein, ein beschleunigtes Nervensystem, Assoziationsbooster, die dellianische Variante des Ninja-Upgrades und genetisch angelegte Genie-Fähigkeiten im Memetik-Bereich. Er ist überzeugend. Er weiß, wie man sich durchsetzt und er wird sich durchsetzen. Er braucht 20 Jahre bis an die Spitze. Dann wird er Satirax, der Protektor des Saturn. Er glaubt, er kommt von den schwebenden Habitaten der Venus. Aber das ist eine eingepflanzte Erinnerung. Tatsächlich kommt er von Valerius, aus einem Spezialprogramm des memetischen Abwehrdienstes von Valerius.
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Die Tatsache, dass Satirax, der dellianische Protektor des Saturn, den Menschen einen Stützpunkt gewährt, erscheint wie ein Wunder. Diese Öffnung bedroht die Herrschaft der Dellianer im Solsystem. Das weiß Satirax genauso wie der Protektor von Sol auf der Venus und alle anderen Protektorate im System. Aber für die lokalen Protektoren ist die Kontrolle ihres eigenen Machtbereichs wichtiger, als die eher abstrakte dellianische Gesamtherrschaft. Der Vorgang ist die Folge einer religiösen und wirtschaftlichen Entwicklung im äußeren System.
Satirax erhält für die Überlassung des Stützpunkts eine Pacht und für Ressourcenextraktionsrechte technische Unterstützung der Reshumanis und einen Anteil an den gewonnenen Rohstoffen. Für den Protektor des Saturn ist der Handel dringend nötig, denn das Protektorat Saturn ist in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die nach der Eroberung übernommene Infrastruktur ist nun gut 200 Jahre alt und schlecht gewartet. Ausrüstung, die auf dem Höhepunkt der Barbarenwelle geplündert wurde, ist sogar über 300 Jahre alt. Obwohl Autofabs und Reparaturschwärme sehr lange selbständig laufen können, macht sich der Verschleiß inzwischen bemerkbar. Gleichzeitig befindet sich die Bevölkerung im Niedergang. Es gibt nicht genügend Fachkräfte unter den menschlichen Sklaven und autonomen Mechs, um alle Anlagen manuell zu warten oder zumindest Wartungsbots in Betrieb zu halten. Der Niedergang der Wirtschaft reduziert das interplanetare Handelsvolumen zwischen äußerem und innerem System. Luxusgüter aus dem inneren System sind für den Saturn inzwischen unbezahlbar.
Die Schwierigkeiten des Saturn werden verstärkt durch ein religiös motiviertes Embargo der anderen äußeren Protektorate. Um das Jahr 2990 war Satirax mit seinem Hofstaat vom speziellen Uthoismus zum allgemeinen Uthoismus übergetreten. Einige Lehren des allgemeinen Uthoismus gelten den Anhängern des speziellen Uthoismus als Frevel. Aus der Sicht des speziellen Uthoismus sind die Allgemeinen schlimmer als Ungläubige, denn sie ignorieren nicht nur die Lehre des Uthoismus sondern sabotieren diese.
Kern des Uthoismus (Hindi, "sich erheben") ist die These, dass das Leben ein Auftrag des Universums ist, nach dem höchsten Glück zu streben. Mit dem Erreichen des perfekten Glückszustands kann das Individuum seine weltliche Hülle verlassen und zum transzendenten Wesen im Einklang mit dem Universum werden. Bürger in wohlhabenden Zivilisationen – und die Mächtigen in allen anderen technisch hochentwickelten Gesellschaften – sind im Wesentlichen unsterblich. Sie leben sehr lange in biologischen Körpern, später mit künstlichen Organen und technischer Unterstützung und schließlich als Uploads in Androidenkörpern oder in Simulationen. Der Tod ist eher ungewöhnlich. Das schadet der Attraktivität von ewigem Leben und Wiedergeburt nach dem Tod. Stattdessen wird in vielen Religionen eher ein besonders bemerkenswertes Ende nach einem langen guten Leben angestrebt. Das gilt auch für den Uthoismus, wo die Gläubigen das Ziel haben, nach einem langen glücklichen Leben auf dem Höhepunkt des Glücks mit dem Universum eins zu werden. In der Praxis werden zur Erreichung des transzendenten Zustands oft technische und biochemische Hilfsmittel verwendet.
Orthodoxe Uthoisten lehnen solche Hilfsmittel ab. Sie versuchen durch ihren gesellschaftlichen Status und die damit verbundene Macht glücklich zu werden. Dafür streben sie die höchsten Ebenen der dellianischen Hierarchie an. Sie vertreten den speziellen Uthoismus bei dem nur die Besten und Mächtigsten den höchsten Zustand erreichen. Orthodoxe Uthoisten sind oft sehr machtbesessen, rücksichtslos und erfolgreich. Für die Gläubigen des speziellen Uthoismus ist das Glück ein Nullsummenspiel. Andere müssen verlieren, damit sie gewinnen können. Deshalb ist es nur einer geringen Anzahl Individuen vergönnt, den transzendenten Zustand zu erreichen. Da Glück und Reichtum korreliert sind, haben die Mächtigen die besten Chancen. Daraus leiten die Mächtigen einen größeren Anspruch ab und im Umkehrschluss keinen Anspruch auf Transzendenz – und Glück – für niedrigere Ränge und Sklaven.
Im allgemeinen Uthoismus ist das Glück dagegen unbeschränkt und jeder Sophont kann die Transzendenz anstreben. Nach dem allgemeinen Uthoismus gilt das auch für Sklaven, obwohl deren Weg offensichtlich weiter und schwerer ist. Anhänger des allgemeinen Uthoismus werden von den Speziellen gehasst und verfolgt, da die Speziellen der Meinung sind, dass die Allgemeinen ihre Chancen auf Transzendenz verringern.
Unter Dellianern dominiert der spezielle Uthoismus. Viele Spezielle bemühen sich, ihre eigenen Chancen zu verbessern, indem sie andere am Glück hindern. Besonders menschliche Sklaven, aber auch niedrige dellianische Ränge werden schlecht behandelt oder sogar misshandelt, um deren Glückspfad zu erschweren. Jede Ebene der dellianischen Hierarchie im Solsystem versucht die untergeordnete Ebene zu unterdrücken. Auch viele Sklaven haben den Uthoismus angenommen oder handeln zumindest entsprechend, um nicht aufzufallen. Dadurch zieht sich die Praxis der Misshandlung von Untergebenen bis in die Ränge der Sklaven. Uthoismus ist nicht nur eine Religion, sondern auch ein effizientes Unterdrückungsinstrument.
Mit dem Übertritt zum allgemeinen Uthoismus verrät Satirax aus Sicht der dellianischen Mehrheit den Uthoismus. Unter der Herrschaft von Satirax dürfen sich alle Sophonten auf den Glückspfad begeben, auch wenn der Weg für die Sklaven sehr schwierig ist. Für orthodoxe Uthoisten verringern sich dadurch ihre Chancen auf Transzendenz. Sie bekämpfen deshalb Allgemeine wie Satirax. Mit dem Embargo gegen das Saturn-Protektorat versuchen die anderen Protektoren, Satirax in die Knie zu zwingen, um wieder einen Rechtgläubigen als Protektor des Saturn einzusetzen. In der Not öffnet Satirax sein Protektorat für die interstellare Reshumanis. Ein wichtiger Schritt für die Rückgewinnung des Solsystems.
-- 2987, 10 Jahre vorher --
Eine Frau geht die Rampe hinunter. Sie ist schön, atemberaubend schön, nicht für Menschen, aber für Dellianer. Für Dellianer ist sie eine Göttin. Und sie ist intelligent, aufmerksam, unterhaltsam, zurückhaltend, manchmal ausgelassen und wild. Sie ist das personifizierte dellianische Schönheitsideal. Das Ergebnis von 200 Jahren Optimierung, von Simulationen, Tests und Iterationen. Die ursprüngliche Genvorlage basiert auf Jahrtausenden natürlicher Selektion in den Palästen von Dellia, lange bevor Dellianer interianische Raumschiffe bestiegen, um den Sektor zu erobern. In den Labors von HR-Technologies auf Valerius wurde ihre Genlinie für den Auftrag präpariert. Moderne solare Gensynthese angewendet auf die dellianische Biologie. Die Genlinie – ihr dellianischer Name bedeutet Andromeda, nach unserer Nachbargalaxie – war schon lange ein Ideal. Auf Valerius bekam sie zusätzliche Empathiebooster, Intelligenz-Upgrades und die genetische Programmierung, ihren Auftrag zu lieben. Sie wurde mit den modernsten Methoden ausgebildet und ist an planmäßig gestellten Herausforderungen zu einem selbstbewussten Charakter herangewachsen. Ein wichtiger Teil ihres Lebens war immer der Glaube an das Glück für alle Wesen. Sie wurde erzogen im Glauben, dass alle eine Chance haben sollen sich zu erheben und mit dem Universum eins zu werden. Sie ist das Endprodukt einer langen Reihe von Optimierungen, in der Genvorlage und in den prägenden Erlebnissen ihrer Jugend. Sie ist perfekt, perfekt gemacht. Perfekt für eine Person: den Protektor des Saturn. Sie ist das Geschenk eines Marui-Handelsfürsten für den Herrscher des Saturnsystems. Ihr Auftrag: Satirax vom wahren Glauben zu überzeugen.
--
Valerius war schon früh immer wieder von Barbarenüberfällen betroffen. Die Angreifer kamen mit automatischen Waffensystemen, die sie aus imperialen Depots entwendet hatten. Die Heimatverteidigung von Valerius hatte keine Chance. Deshalb waren einige Leute auf Valerius der Meinung, dass man nicht bei der Technik, sondern bei den Besatzungen der Raumschiffe ansetzen müsste, vielleicht sogar bei ihren Anführern. Das Spartakus-Projekt sollte die hochentwickelte solare Gentechnologie für Alien-Biologie nutzbar machen. Vor allem für Dellianer und andere Völker aus den Badlands. Es sollte Genvorlagen entwickeln und optimierte Individuen herstellen. Nicht alle waren davon überzeugt, dass es eine gute Idee ist, den Dellianern perfekte Anführer zu geben. Aber wenn man etwas so gut kennt, dass man es perfektionieren kann, dann kennt man auch seine Schwachstellen. Und die Produkte des Spartakus-Projekts haben eine Schwachstelle: eine genetisch eingestellte Neigung zu Andromedas.
#Religion #Wirtschaft #Besatzung #interplanetar
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2720 Kriegsabkommen.
Die Kontrahenten vereinbaren, Hauptquartiere und Sanitätskräfte zu schonen. Auf der Seite der Koalition sind große zivile Strukturen im Raum geschützt. Im Gegenzug verschont die Koalition neutrale Einheiten und Schaulustige unbeteiligter Gilden Kisors. Details der Formulierung lassen verschiedene Interpretation zu. Die Koalition läuft geradewegs in die aufgestellte Falle.
Stella Weizmann: "Unbekannte und Unbequeme Hintergründe zum Spacedome Aspekt des Kriegsabkommens von 2720" - private Publikation, SolNet (2741).
Das Abkommen:
Mit den Nebenvereinbarungen zum Kriegsabkommens von 2720 gelang dem kisorischen Oberkommando ein geschickter Schachzug. Eine der 13 primären Nebenvereinbarungen bestand darin, dass Koalitionsstreitkräfte neutrale Schlachtbeobachter und Schaulustige unbeteiligter Gilden von Kisor schonten während Kisor sich verpflichtete, den Spacedome im Solsystem nicht anzugreifen.
Die Verhandlungen des Kriegsabkommens waren am Punkt der Behandlung von neutralen Einheiten wochenlang festgefahren. Während die Neutralität unbeteiligter Gilden im Wesentlichen unstreitig war, wollte das kisorische Oberkommando nicht die Neutralität unbeteiligter irdischer Kolonien zulassen. Kisor bereitete sich Mitte 2718 langsam auf die Belagerung des Solsystems vor, während die Koalition noch versuchte ihre Territorien zu verteidigen. Vor diesem Hintergrund bargen die Forderungen beider Seiten Probleme. Kisors Forderung war vor allem nachrichtendienstlich bedenklich für die Koalition. Die Koalition befürchtete mit Recht, dass vorgeblich neutrale Einheiten im Solsystem Informationen sammeln und transportieren würden. Kisor dagegen wollte um jeden Preis den Nachschub der Koalition unterbinden. Die Situation wurde 2718 sehr schwierig für die Koalitionsstreitkräfte. Die Nachschublinien brachen zusammen, die Kommunikation zwischen den Fronteinheiten in den Kolonien und dem Solsystem war stark gestört. Frontkommandeure waren oft auf sich allein gestellt während sie versuchten ihren Kommandobereich zu halten. Die Aufrechterhaltung des Nachschubs war das Hauptziel des Oberkommandos. Es gab keine strategischen Initiativen der Koalition. Natürlich war dies im kisorischen Stab bekannt. Die Verhandlungsdelegation hatte deshalb den Auftrag Vereinbarungen mit positiven Auswirkungen auf die Versorgungssituation der Koalition zu verhindern.
Anfang 2720 überstürzten sich die Ereignisse und eine gewagte Taktik der Tika Gilde zeigte Wirkung. Tika hatte Ende 2719 mehrmals zivile Infrastruktur angegriffen und dabei schwere Verluste hingenommen. Anfang 2720 wurde ein Vorstoß auf den Spacedome abgefangen als Tika versuchte durch Saturierung mit Langstreckenraketen einen Angriff durchzubringen und dabei mehrere Träger und Begleitschiffe verlor. Die Verhandlungsdelegation der Koalition wurde kurz darauf umstrukturiert und neu instruiert. Tatsächlich erreichte Tika mit diesen gewagten und verlustreichen Aktionen, dass der Schutz ziviler Installationen für die neue Koalitionsdelegation Vorrang bekam. Gleichzeitig weichte Kisor seine Position bezüglich neutraler Einheiten der Menschen auf.
Anfang 2720 wurden viele Kolonien kampflos geräumt und Truppen zur bevorstehenden Verteidigung des Solsystems zurückgezogen. Damit verlor Kisors Ziel, den Nachschub der Koalition zu unterbrechen, die Priorität. Kisor stimmte dem Schutz neutraler Einheiten zu. Kisor gewährte außerdem den Schutz bestimmter ziviler Einrichtungen und bekam dafür besonderen Schutz nichtbeteiligter Gilden zugesagt.
Auf die Liste geschützter Einrichtungen im Solsystem kamen unter dem Einfluss der neuen Verhandlungsführung vor allem religiöse und andere spirituelle Symbole, darunter der Spacedome. Damit war Tikas Plan aufgegangen. Spätere Forschungen haben gezeigt, dass Tika mehrere langfristig angelegte Pläne verfolgte, die Moral der Koalition zu brechen. Von allen Plänen wurde ab Beginn 2720 nur die Spacedome-Thematik weiterverfolgt. Tika konzentrierte für die nächsten Jahre 80% seiner Ressourcen auf die Situation rund um den Spacedome.
Rückwirkend betrachtet gilt das Kriegsabkommen als taktische Niederlage der solaren Verhandlungsführung mit weitreichenden Konsequenzen in den folgenden Jahren. Vor allem die Aufklärungsmöglichkeiten Kisors kamen für die Koalitionstruppen teuer zu stehen. Mit dem Schutz des Spacedomes lief die Koalition in die von Tika gestellte Falle. Die Spacedome-Tragödie beeinflusste sicher die Moral der bedrängten Koalition und beschleunigte möglicherweise sogar die Aufgabe einiger Stationen, deren Bevölkerung Angst hatte, ein ähnliches Schicksal zu erleiden. Gleichzeitig rief sie aber auch Widerstand hervor. Militärisch gilt der Spacedome-Plan als gewaltige Fehleinschätzung der psychologischen Kriegsführung Kisors, denn bei allem Leiden ist doch die militärische Bilanz rund um den Spacedome positiv für die Koalition. Durch Tikas Konzentration auf dieses Thema waren stets 6% der Kräfte Kisors gebunden. Aber der Plan ging letztlich nicht auf. Die Koalition konnte nicht zur Aufgabe bewegt werden. Sie wurde schließlich doch militärisch niedergerungen.
Die Nanokomplexe:
Nanokomplexe wecken unangenehme Erinnerungen bei den Menschen des Solsystems. Semiautonome Nanokomplexe waren die schlimmsten Gegner des irdischen Widerstands am Ende des Kisor Krieges. Nanokomplexe waren es auch, die in der Spacedome-Tragödie die Rolle der Bösen spielten. Nanokomplexe sind fürchterlich, brutal, erbarmungslos und unmenschlich grausam. So kennen und fürchten wir Nanokomplexe. Die Abneigung geht soweit, dass wir im Solsystem im öffentlichen Leben fast vollständig auf sie verzichten. Eltern drohen ihren unfolgsamen Kindern mit dem Nano. Dabei meinen sie immer die Spezialform des (semi-)autonomen Komplexes. Natürlich verwenden wir Nanotechnologie, z.B. in Nanocaves (die wir lieber "Caves" nennen) und in der Fertigung. Aber autonome Komplexe mit Gestalt-Intelligenz, vor allem auf Bewusstseinsniveau sind selten. Selbst im industriellen Sektor ist ihre Zahl deutlich niedriger, als in vergleichbaren Volkswirtschaften. Nanokomplexe werden nur dann eingesetzt, wenn sich deutliche Kostenvorteile ergeben oder wo sie unverzichtbar sind. Meistens werden sie dann als ferngesteuerte Einheiten betrieben. Aber normalerweise verwendet man lieber normale Robotunits.
Technisch gesehen sind Nanokomplexe nichts anderes als der Fog der Caves. Sie bestehen aus unzähligen funktionalen Elementen. Sie können sich wie Cavefog fast beliebig anordnen, verformen und verwandeln. Die gewaltige Zahl von übereinanderliegenden Schichten erlaubt trotz mikroskopischer Einzelbewegung sehr große Scherungsgeschwindigkeiten. Nanofog scheint dadurch zu fließen.
Der wesentliche Unterschied zu Cavefog besteht darin, dass die Steuerung nicht von außen geschieht. Nanokomplexe verwenden einen Teil ihrer internen Kommunikations- und Rechenleistung zur dynamischen Ausbildung eines Planungs- und Kontrollmoduls. Ist die KI der Kommandoebene mit Bewusstsein ausgestattet dann spricht man vom autonomen Komplex. In diesem Fall wird ein größerer Teil der Kapazität für die Steuerung benötigt. Bei autonomen Komplexen werden deutlich mehr Informationselemente eingefügt. Die Struktur des autonomen Komplexes ist deshalb schwächer als beispielsweise beim Cave-Fog. Ein autonomer Komplex ist mechanisch weniger belastbar als passiver Fog. Auch die Degradierung durch Störungen ist größer. Das gilt besonders im Kampfeinsatz, weshalb dort vor allem semiautonome Nanokomplexe verwendet werden.
In Spacedome wurden allerdings 800 vollautonome Nanokomplexe mit Bewusstseinsniveau installiert, da man von vornherein davon ausging, dass der Einsatz lange dauern würde und es im Verlauf wenig Eingriffsmöglichkeiten geben würde. Die Spacedome-Komplexe waren militärische Modelle mit besonderen Leistungsmerkmalen, die den Nachteil der erhöhten Datenverarbeitung zum Teil ausglichen. Detaillierte Informationen zu dieser Thematik sind auf Kisor immer noch unter Verschluss. Trotzdem gibt es aus verschiedenen Quellen einigermaßen verlässliche Angaben über die eingesetzten Modelle. Generell ist davon auszugehen, dass es sich bei fast allen 800 um bewusste Individuen handelte.
Etwa zwei Drittel waren Nend Plok Evac (von der Koalition Predator-77 oder KNP77 genannt). Die Predator-77 trugen die Hauptlast des Kampfes. Anstatt Waffenmodulen wurden sie mit zusätzlichen Reserveelementen gegen Degradierung und Strukturelementen für mechanische Belastung ausgestattet. Neben den Predator gab es die kleineren Kao Tran Lop (Hunter, KNH1), die vor allem als Aufklärer und als taktische Reserve fungierten. Es gab 4 Divisionen. Jede Division wurde von einem strategischen Kommandoknoten koordiniert. Der Kommandoknoten wurde geschützt von 12 Nend Leit Evac (KNP90, Predator-90) Komplexen mit rein defensiver Ausrichtung. KNP90 waren ausgelegt für eine hohe Leistung über eine kurze Zeit. Sie hatten nur 30 % der Laufzeit eines KNP77, aber die doppelte Leistungsabgabe und eine 20 % bessere mechanischer Struktur. Die Kommandoknoten beherbergten außer den Steuerungsfunktionen auch die Maintenance-Einrichtungen. Sie benötigten stationäre Energiequellen und waren deshalb nicht wirklich mobil.
Durch den vom Kriegsabkommen geforderten Verzicht auf Offensivwaffen konnte die Struktur der Kampfkomplexe verstärkt und vor allem die Ausdauer wesentlich vergrößert werden. Damit erreichten die KNP77 80% der mechanischen Schockfestigkeit von zivilem Fog. Ihre 5-fach geringere Degradierungsrate zeugt von der hohen (und teuren) Qualität des eingesetzten Materials.
Die geringe Degradierung relativiert sich aber unter Belastung. KNP77 im Kampfeinsatz benötigten regelmäßig neue Elemente. Im heftigen mechanischen Einsatz reichte die interne Reserve für 10 Minuten. KNP77 begannen nach etwa 10 Minuten "weich" zu werden, wenn Strukturelemente zu stark ausdünnten. Nach 15 Minuten im Kampfmodus setzte außerdem der Energiesparmodus ein und sie wurden sozusagen "müde". Dann waren KNP77 selbst für primitive Waffen keine unüberwindlichen Gegner mehr. Trotzdem war es natürlich nicht leicht, die Nanokomplexe so lange im Kampf zu binden.
Predator verfügten im Gegensatz zu Hunter-Modellen nur über wenige Reparaturelemente. Selbstreparatur war möglich, aber nur in langen Ruhephasen. Normalerweise wurden Predator an den Servicestationen ihres Kommandoknotens regeneriert. Dafür hatten diese Recycler-Minifabs. Während heißen Phasen beschränkte die Kapazität der Minifabs immer wieder die Einsatzfähigkeit. Offenbar wurde dieser Aspekt bei der Planung unterschätzt.
Insgesamt gesehen waren die Nanokomplexe starke, aber keinesfalls unüberwindliche Gegner. Nanokomplexe sind empfindliche Strukturen mit beschränkter Laufzeit zwischen längeren Maintenance-Phasen. Die Kunst des Kämpfens auf der Seite der Menschen bestand weniger darin, mit aller Gewalt auf den Gegner loszugehen, sondern mit geschickter Planung Situationen herbeizuführen in denen die Schwächen des Gegners hervortraten, z.B. durch Ermüdung bei Dauerbelastung.
Es gab auch systematische Fehler (Bugs) in verschiedenen Untergruppen. Die Menschen lernten im Lauf der Zeit diese zu Ihrem Vorteil zu nutzen und die auslösenden Situationen herbeizuführen. Besonders erwähnt sei hier der sog. "seltsame Pfad des müden Hunters in Überzahl". Ein riskantes taktisches Manöver führte nach Ausdauerbelastung eine Überzahlsituation herbei in der die meisten Hunter in einen für sie ungünstigen Wegfindungsalgorithmus verfielen. Aber wehe, wenn auch nur ein Hunter noch nicht im Sparmodus war oder nicht alle Hunter die Überzahlsituation korrekt erkannten.
Eine besondere Randbedingung des ganzen Konflikts war die strikte Bindung der Nanokomplexe an das Kriegsabkommen. Die Nanokomplexe durften den Spacedome nicht beschädigen und reparierten Beschädigungen sogar nach Kämpfen. Dies begünstigte unter anderem den Replikationsexploit durch den die Nanokomplexe sogar Pulser für die Menschen fertigten.
Die Waffen:
Nanokomplexe sind sehr anfällig gegen Hightech-Waffen. Sie können aber auch mit Lowtech bekämpft werden, z.B. durch Ultraschall im Resonanzbereich einzelner Elemente, durch Sandstrahlgebläse und sogar mit Wasser. Militärisch bestand das Hauptproblem darin, dass im Spacedome fast keine modernen Waffen vorhanden waren. Deshalb mussten Menschen mit primitiven Waffen gegen den Fog kämpfen. Mechanische Schockbelastungen und Durchtrennung der internen Kommunikationswege waren ebenfalls erfolgreiche Mittel. In der Praxis führte dies dazu, dass Menschen mit archaischen Waffen, wie Schwertern, Äxten und Schilden antraten, um die mechanische Struktur und die Informationsverarbeitung der Gegner zu stören.
Eine besondere emotionale Belastung für die Menschen kam dadurch zustande, dass die Nanokomplexe ebenfalls mit primitiven Mitteln, dafür aber umso erbarmungsloser kämpften. Die Nanokomplexe verwendeten keine Fernwaffen, sondern nur direkten Kontakt. Der hatte aber fast immer fatale Folgen für die Betroffenen. Menschen starben vor allem durch eindringende Aktoren. Je nachdem, wie die Aktoren konfiguriert waren, auch durch Verlust oder Deformation von Körperteilen. Für die Menschen war dies unnötige Brutalität, aus der Sicht der Nanokomplexe jedoch nur die Anwendung der verfügbaren Mittel zur Erreichung des Ziels. Die Nanokomplexe sind weder als Individuen, noch als Gruppe schuldig. Schuld an den unmenschlichen Ergebnissen sind vor allem die Planer der Tika Gilde, die die Situation herbeigeführt und die Grausamkeiten in Kauf genommen haben, manche sagen "programmiert" haben.
Man geht davon aus, dass das kisorische Oberkommando informiert war. Die Tika Gilde war während des Krieges für die psychologische Kriegsführung zuständig. Sie wandte 6% des verfügbaren Militärpotentials auf. Es war die primäre Operation von Tika. Das Oberkommando war deshalb sicher eingeweiht. Die damaligen Verwaltungsstrukturen der Kriegsorganisation wurden nach dem Ende der Besatzung aufgelöst und die Daten auf die Archive der Gilden verteilt. Einzelheiten sind auf Kisor weiterhin unter Verschluss. Weder Tika, noch die Inosch nehmen offiziell Stellung. Anfragen von kisorischen Bürgerrechtsgruppen werden ausweichend beantwortet. Der Spacedome-Vorfall widerspricht dem kisorischen Moralempfinden, dass nach menschlichen Maßstäben oft humanitärer ist, als die Menschenrechte der Erde. Je nach politischer Orientierung wird die Angelegenheit als "Auswuchs des Krieges" oder als "übertrieben" bezeichnet. Aber Erinnerungen daran werden auf Kisor heute lieber vermieden.
Der Angriff:
Das Solsystem war seit Anfang 2720 belagert. Dies begann mit der Unterbindung Handelsverkehrs. Ende 2720 nahm Kisor das Uranus-System ein. Kisor befestigte die Monde Miranda und Sycorax als Basen zur Belagerung des inneren Systems. Uranus bildete den Eckpunkt eines Tetraeders, der sich langsam um Sol drehte. Die anderen 3 Eckpunkte bestanden aus Forts und Truppenkonzentrationen, aber Uranus war die Hauptbasis. Einige freie Habitate im äußeren System liefen über. Kuiper-Belt Objekte konnte die Koalition nicht halten, aber die Kapitulation des Jupitersystems und der inneren Sphäre lagen noch Jahre entfernt. Der Spacedomes lag tief im System und geschützt durch die 35. Schutzflotte. Vorgeschobene kisorische Einheiten waren mehr als eine Lichtstunde entfernt, immerhin eine Milliarde Kilometer.
Am 3. Juli 2721 drangen kisorische Einheiten überraschend zum Spacedome vor. Das Oberkommando der Koalition ging davon aus, dass es sich um einen kurzfristigen Terrorangriff handelte und erwartete, dass sich der Gegner bald zurückziehen würde. Die Verschiebung der kisorischen Kräfte entblößte mehrere vorgeschobene Basen Kisors. Die Koalition konnte zwei Basen zerstören und einen Tetraeder-Eckpunkt einnehmen. Die Aktion galt als Befreiungsschlag. Die Koalition gruppierte die Streitkräfte wieder um, um den Abzug der feindlichen Kräfte aus dem Bereich des Spacedomes zu erzwingen. Doch die kisorischen Einheiten widerstanden dem einsetzenden Druck.
Sie hatten die Ruhephase genutzt, um Nachschub heranzubringen. Die Kisori tasteten den Spacedome nicht an, der ja durch das Abkommen geschützt war, befestigten aber mehrere momentan und zukünftig benachbarte Asteroiden. Der Spacedome selbst wurde durch zwei Raumforts gesichert. In den folgenden Jahren verteidigten die Kisori meistens erfolgreich den Keil, der vom Uranus bis in den Spacedome Sektor reichte. Die Koalition konnte mehrmals für kurze Zeit die Kontrolle an sich reißen, aber nie die Blockade des Spacedomes dauerhaft durchbrechen.
Die Installation:
Wie die Installation genau ablief ist nicht bekannt. Man kann davon ausgehen, dass Landung und Eindringen als Angriff gelten und damit eine Verletzung des Kriegsabkommens darstellen. Es ist aber unklar, ob sich die Installateure wirklich gewaltsam Zutritt zur Anlage verschafften. Es gibt Hinweise, dass Hilfe aus dem Spacedome Gewaltanwendung unnötig machte.
Der Umzug der Kongregation i. R. in den Spacedome war nicht ohne Widerspruch. Manche der ansässigen Glaubensgemeinschaften fürchteten ihren Sitz faktisch zu verlieren, wenn der Spacedome für das gesamte innere System wieder als Sitz der Kongregation gelten würde. Vor allem radikale Zerotheisten widersetzten sich gewaltsam. Der Spacedome barg das wichtigste Heiligtum der Glaubensgemeinschaft, die Stele von deren Spitze Werner von Nagora seine berühmte Andacht gehalten hatte. Die Stele wurde nach der Heiligsprechung auch von der Kongregation beansprucht. Es gab mehrere Anschläge auf Einrichtungen der Kongregation. Gegen führende Zerotheisten wurden ermittelt. Einige wurden der Station verwiesen.
Nach Aussagen von Überlebenden landeten Kisori zuerst im Shiva Bereich des Spacedomes. Dort lagen viele Wohnquartiere der Zerotheistischen Gemeinschaft. In mehreren Wohneinheiten wurden die Energieleitungen für Wohnbereiche ungewöhnlich stark beansprucht. Die Kosten wurden ganz legal über die Accounts der Bewohner abgerechnet. Später stellte sich heraus, dass die Personen direkt oder indirekt zu den Zerotheisten gehörten. Das Energieaufkommen kann durchaus für den Betrieb des ersten Kommandoknotens aufgewendet worden sein. Überwachungskameras in diesem Bereich waren nachweislich getäuscht worden. Trotz der Hinweise gibt es keinen Beweis für eine aktive Beteiligung der Zerotheisten. Im Shiva Bereich gab es keine Überlebenden.
Die Menschen:
Im Jahr 2415 wurde die Zentrale der vereinigten christlichen Glaubenskongregation im Raum in den Spacedome verlegt. Der Spacedome stand damals kurz vor der Fertigstellung. Er war schon aus großer Entfernung ein überwältigender Anblick, ein modernes Kunstwerk aus Ceramacrete, Fulleroidstahl und Formdiamant, gebaut und geformt aus einem 22 km großen Kohlenstoff-Aluminium-Eisen-Asteroiden. Neben grandiosen Hallen gab es Arbeitsplätze, Wohngebiete und technische Einrichtungen für eine permanente Bevölkerung von 100.000 Menschen und bis zu 1/2 Mio. Besucher. Life-Support war ausgelegt für annähernd 1 Mio. Menschen. Neben der Glaubenskongregation im Raum waren auch mehrere andere Großreligionen vertreten.
Bei der Eröffnung lebten schon 50.000 Menschen beim Spacedome. Die Bevölkerung wuchs im folgenden Jahrhundert bis auf 400.000 ständige Bewohner. Als sich auch immer mehr Industrie ansiedelte, zog sich die Zentrale der Glaubenskongregation nach fast 100 Jahren zurück. Religionen und Glaubensgemeinschaften blieben aber weiterhin stark vertreten. Nach den Belastungen der Kelrec-Krise wurde der Spacedome gründlich renoviert. Er erstrahlte danach im alten Glanz, wären da nicht die inzwischen zusätzlich gewachsenen Strukturen gewesen, die ihm etwas von der Großartigkeit nahmen. In der Folge nahm der Anteil der kleinen Glaubensgemeinschaften und spiritistischen Gemeinschaften zu. Die Gesamtbevölkerung nahm langsam ab. Der Spacedome blieb aber ein religiöses und spirituelles Zentrum des mittleren Solsystems.
Dann im Jahr 2721 wurde die Erzdiözese der inzwischen reformierten befreiten Kongregation von Titan wieder in den Spacedome verlegt und zwar in den sogenannten Polarisbogen. Damit übersiedelten 8.000 Gesandte der Kirchenverwaltung und 25.000 anderes Personal. Die Gesamtbevölkerung betrug danach ca. 230.000, davon 60.000 Besucher und Flüchtlinge, 30.000 technisches Personal und 25.000 Kinder. Zu dieser Zeit war das Solsystem belagert. Aber der Orbit des Spacedomes lag tief im System und war fest in der Hand der Koalition. Trotzdem konnten kisorische Kräfte den Sektor erobern, dauerhaft sperren und die Nanokomplexe installieren. 150.000 Zivilisten sahen sich 800 aggressiven Nanokomplexen gegenüber. Die Menschen setzen sich aus sehr vielen Gruppen zusammen. Viele waren Kirchenvertreter der großen und kleinen Religionen. Es gab fast keine Personen mit militärischem Hintergrund. Bevor die Menschen lernten, sich einigermaßen gegen die Nanokomplexe zu behaupten, mussten sehr viele unschuldige Menschen sterben.
Die ersten Konfrontationen waren fatal. Die Menschen versuchten dem Gegner auszuweichen, da es keine Waffen gab mit denen man sich richtig hätte wehren können. Kurz nachdem die erste Meldung von der Installation kam, konnten einige Techniker einer ansässigen Wartungsfirma mit den Mitteln ihrer Werkstatt zwei Nanokomplexe ausschalten. Sie brachten mehrere Minifabs in Sicherheit, bevor der Gegner die Technikzone im Polarisbogen einnahm. Die Minifabs konnten später mit eingeschmuggelter Software verschiedene Nanophagen fertigen. Der erste richtige Widerstand wurde von den Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma organisiert, die sich zufällig als Besucher im Spacedome aufgehalten hatten. Die Gruppe rekrutierte und trainierte schnell 50 Männer und Frauen. Nach einem Monat konnten sie einen Nano zur Strecke bringen. Der frühe Widerstand war aber nur vereinzelt und nicht effektiv, weder bei der aktiven Bekämpfung, noch beim Schutz von Zivilisten. Innerhalb eines Monats verloren 30.000 Menschen ihr Leben.
Im Laufe der Zeit lernten die Menschen effektiver gegen die Nanokomplexe vorzugehen. Durch Fallen und Sperranlagen konnten Zivilisten und vor allem Kinder besser geschützt werden. Gleichzeitig beteiligten sich immer mehr Menschen, die vorher ein friedliches Leben geführt hatten an den Kämpfen. Die Menschen lernten zu kämpfen, jeder auf seine Art. Manche mit improvisierten Hightech-Mitteln, andere mit Lowtech, manche sogar mit vorindustriellen Hieb- und Stichwaffen. Manche nutzten ihre Computerfähigkeiten, um die Kommandostrukturen des Gegners zu stören. Einige kämpften lieber einzeln mit Guerillataktiken, andere in großen Verbänden. Im Lauf der Zeit gelang es immer wieder Freiwilligen und Spezialeinheiten zum Spacedome vorzudringen, um die Bewohner zu unterstützen. Einige kamen als Kampftruppen, andere brachten Ausrüstung oder Software für die Minifabs.
Ein großer Glücksfall war die Ankunft von 3 Überlebenden einer gepanzerten Infanterieeinheit. Die 3 erreichten den Spacedome, nachdem ihre Kompanie bei einem Landungsversuch auf einem der befestigten Asteroiden gescheitert war. Sie kamen mit intakten Gefechtsanzügen gerade rechtzeitig, um das Kinderlager im blauen Sektor zu retten.
Illegale Bewohner spielten eine verhältnismäßig große Rolle im Widerstand. Einige hatten schon seit langer Zeit ein Leben am Rande der Gesellschaft geführt, manche sogar mit einigem Erfolg. Sie waren es gewohnt, sich mit mehr oder weniger legalen Mitteln gegen einen übermächtigen Gegner durchzusetzen. Sie tauschten die Kontrollorgane der Station gegen den neuen Gegner. Der überwiegende Teil dieser Gruppe trat aus dem Schatten heraus und engagierte sich im Abwehrkampf. Ab und zu trafen Spezialeinheiten ein, die mit Geschick oder Glück den Spacedome trotz Blockade erreichen konnten. Aber den größten Teil des Kampfes leisteten die ehemals friedlichen Bewohner.
Das Monitorsystem:
Während der gesamten Zeit bleibt das stationseigene Überwachungssystem in Betrieb. Es war genauso wie die Struktur geschützt durch das Kriegsabkommen. Schäden, die bei Kämpfen entstanden, reparierten die Nanokomplexe so gut wie möglich. Teilweise wurden optische und akustische Sensoren durch kisorische Minifab-Varianten ersetzt. Die Aufnahmesysteme waren verbunden mit lokalen Hubs, die wiederum über den Stationsbackbone an Lasertransmitter sendeten. Die Lasertransmitter übermitteln ihre Daten ständig an 3 Empfänger im inneren System. Die Laser werden automatisch nachgeführt. Bis zu 3.000 audiovisuelle Kanäle wurden ständig gesendet, 500 davon in 3D-Qualität durch Aggregation mehrerer Videosensoren und Laserscanner. Die ursprünglichen Empfänger waren der SecuriTrust Knoten Ceres, Insystem Datahaven Mars via Deimos und eine Servicestation in der näheren Umgebung. 2723 übernahm der SAD den Mars-Empfänger mit der Begründung, dass die Aufnahmen sicherheitsrelevant seien. Große Teile davon wurden bei der Eroberung des Mars durch Kisor zerstört, da keine verteilten Backups bestanden. SecuriTrust erstritt vor Gericht das Recht weiter empfangen zu dürfen und archivierte auf eigene Kosten, trotz Kündigung des Monitoringvertrags durch die Betreibergesellschaft des Spacedomes. Die Transmissionen ließen sich nicht von außen unterbinden. Sie liefen mit den voreingestellten Empfängern weiter.
Insgesamt gab es ca. 80.000 Videosensoren, davon 30.000 in 3D. Die gesendeten waren eine dynamische Auswahl aller aktiven Sensoren. Die KI der Hubs ermittelte Schnittsequenzen, um komplette Aktionen über Sensoren hinweg zu verfolgen und schaltete die entsprechenden Kanäle auf die Lasertransmission. Die solare Bevölkerung erlebte so das Geschehen quasi live. Automatische Kameras dokumentierten Gefechte, Niederlagen, Siege und Heldentaten. Die lange, schwere Tragödie ist später Quelle für unzählige Medieninhalte, Dramen, Filme, Simulationen und Schriften. Als Quellenmaterial wird vor allem das Archiv von SecuriTrust herangezogen. 2764 wurde das Archiv in das Kulturerbe der Koalition aufgenommen.
Der Kampf:
Die lange, schwere Tragödie ist später Quelle für unzählige Medieninhalte, Dramen, Filme, Simulationen und Schriften. Sie wird zu einem der wichtigsten Ereignisse der frühen interstellaren Geschichte der Menschheit. Der Krieg selbst bleibt weniger im kollektiven Gedächtnis der solaren Menschheit, als die Spacedome-Tragödie.
Viele Einzelgeschehnisse bleiben unvergessen wie:
- der abenteuerliche Abtransport der Minifabs aus der Technikzone im Polarisbogen,
- der frühe Gegenangriff der Touristen von Phobos Object Protection Inc. mit ihrer zusammengewürfelten Freiwilligentruppe,
- der große 3-Sektor Sieg,
- der lange hin- und herwogende Kampf um die Pol-Werkstatt,
- der geniale Replikationsexploit von SuTse durch den die Nanokomplexe sogar Pulser für die Menschen fertigten,
- der tragische Konflikt in der Führung der Orion Gruppe,
- das Solstadt-Massaker,
- die Herstellung einer bidirektionalen Kommunikationsverbindung über manipulierte Cams als Sender und improvisierte Solarzellen als Empfänger über die Designs von Nano-Phagen für die Minifabs heruntergeladen wurden,
- die erfolgreiche Neutralisierung des 3. strategischen Kommandoknotens bei der erstmals der "seltsame Pfad des müden Hunters in Überzahl" erfolgreich angewendet wurde,
- die Selbstaufopferung Asram Güdans zur Rettung des Kinderlagers im blauen Sektor,
- der EVA-Treck der 30.000 um die halbe Station,
- die spektakuläre Evakuierung von 12.000 Bewohnern durch die Rama Gilde,
- der epische Zweikampf zwischen Condolezza Madrigal und dem Wächter der südlichen Vorhalle,
- der Überläufer G765998TN ("Gee") und sein unendlich wichtiger Beistand.
Die Rettung:
Ende 2727 gab Kisor die Blockade des Spacedomes auf. Wenige Monate zuvor war die Schlacht um die Erde für die Koalition verloren gegangen. Kisor hatte die Raumhoheit errungen und bereitete sich darauf vor, große Truppenkontingente zu landen. Durch die Verlagerung des Schwerpunktes zur Erde gewannen einige Asteroidenbasen ihre Handlungsfreiheit wieder. Einige, vor allem Survivalistenfraktionen, hatten sich jahrelang bedeckt gehalten und waren nicht entwaffnet worden. Die Bewohner von Ceres-Südpol überwältigen die kisorische Garnison mithilfe externer Survivalisten. Sie konnten daraufhin ganz Ceres befreien und gründeten die Solaren Befreiungsfront (SLF). Während Kisor Truppen in Europa landete, gelang es der Solaren Befreiungsfront weitere kleine Stationen im Asteroidengürtel zu übernehmen. Die meisten dieser Erfolge waren ohne strategische Bedeutung. Sie dienten nur der Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit, denn es handelte sich vor allem um Tankstationen, Rohstoffquellen für Minifabs und Nahrungsmittelproduzenten.
Eine der spektakulärsten Aktionen der Solaren Befreiungsfront war Mitte 2727 die Rettung der Überlebenden des Spacedomes. Zu diesem Zeitpunkt gab es weniger als 31.000 Überlebende und noch etwa 100 Nanokomplexe an 2 Kommandoknoten. Die kleine Rettungsflotte der SLF kämpfte sich durch die kisorischen Wachschiffe. Die verbliebene Wache bestand aus nur 4 Fregatten von denen 2 seit dem Kampf um die Erde beschädigt waren. Die SLF verlor einen leichten Zerstörer und der schwere Kreuzer, das Rückgrat der Flottille, nahm schweren Schaden. Der Kampf fand sehr nahe beim Spacedome statt, da die Kisori die Struktur als Ortungsdeckung nutzten. Unglücklicherweise detonierten die Sprengköpfe von Anti-Schiff Röntgenlasern der SLF in 5 km Entfernung vom Polarisbogen des Spacedomes. Der Polarisbogen wurde komplett zerstört und angrenzende Sektoren stark beschädigt. Im Spicaabschnitt verloren dabei 7145 Menschen ihr Leben. Die SLF landete mit schweren Bodentruppen und hielt die Nanokomplexe so lange in Schach, bis die Überlebenden in Sicherheit waren. 23.647 Menschen konnten schließlich gerettet werden.
Nach dem Krieg wurde der neue Dom um die Reste der alten Struktur herum gebaut. An vielen Stellen des Abwehrkampfes wurden Denkmäler errichtet. Die zentrale Gedenkstätte befindet sich in der neuen südlichen Vorhalle zur Blackstar-Hall.
Die Domgeister:
Obwohl dies alles nun schon lange her ist, gibt es immer wieder Gerüchte, dass einzelne Nanokomplexe überlebt haben. Fast vollständig deaktiviert könnten sie in Verstecken nach dem Krieg Säuberung und Umbau überdauert haben. Immerhin sind die autonomen Nanokomplexe intelligente Individuen mit Bewusstsein. Falls es noch welche gibt, dann verhalten sie sich sicher so vorsichtig, wie möglich. Sie wissen, dass jeder Zwischenfall gut ausgerüstete Polizeikräfte auf den Plan rufen würde. Tatsächlich gibt es im Spacedome unverhältnismäßig viele spontane Störungen im Energiesystem, meistens jedoch in Industriebereichen wo Verbrauchsspitzen und aktive Energiesicherungen alltäglich sind. In all den Jahren seit der abschließenden Säuberung wurde kein Nanokomplex mehr entdeckt. Aber man erzählt sich von Schatten und Bewegungen die aus Augenwinkeln wahrgenommen werden; von Gegenständen, die verschwinden; und wenn es in der Dunkelphase seltsame Geräusche gibt, dann fürchten sich viele Menschen davor, dass hinter der Wand ein Nano entlangschleicht. Mit anderen Worten: Es spukt im Spacedome.
#Schwert #Schild #Lowtech #Nano #Naniten #autonom #Krieg #Abkommen #Falle #Religion
http://jmp1.de/h2720
Stella Weizmann: "Unbekannte und Unbequeme Hintergründe zum Spacedome Aspekt des Kriegsabkommens von 2720" - private Publikation, SolNet (2741).
Das Abkommen:
Mit den Nebenvereinbarungen zum Kriegsabkommens von 2720 gelang dem kisorischen Oberkommando ein geschickter Schachzug. Eine der 13 primären Nebenvereinbarungen bestand darin, dass Koalitionsstreitkräfte neutrale Schlachtbeobachter und Schaulustige unbeteiligter Gilden von Kisor schonten während Kisor sich verpflichtete, den Spacedome im Solsystem nicht anzugreifen.
Die Verhandlungen des Kriegsabkommens waren am Punkt der Behandlung von neutralen Einheiten wochenlang festgefahren. Während die Neutralität unbeteiligter Gilden im Wesentlichen unstreitig war, wollte das kisorische Oberkommando nicht die Neutralität unbeteiligter irdischer Kolonien zulassen. Kisor bereitete sich Mitte 2718 langsam auf die Belagerung des Solsystems vor, während die Koalition noch versuchte ihre Territorien zu verteidigen. Vor diesem Hintergrund bargen die Forderungen beider Seiten Probleme. Kisors Forderung war vor allem nachrichtendienstlich bedenklich für die Koalition. Die Koalition befürchtete mit Recht, dass vorgeblich neutrale Einheiten im Solsystem Informationen sammeln und transportieren würden. Kisor dagegen wollte um jeden Preis den Nachschub der Koalition unterbinden. Die Situation wurde 2718 sehr schwierig für die Koalitionsstreitkräfte. Die Nachschublinien brachen zusammen, die Kommunikation zwischen den Fronteinheiten in den Kolonien und dem Solsystem war stark gestört. Frontkommandeure waren oft auf sich allein gestellt während sie versuchten ihren Kommandobereich zu halten. Die Aufrechterhaltung des Nachschubs war das Hauptziel des Oberkommandos. Es gab keine strategischen Initiativen der Koalition. Natürlich war dies im kisorischen Stab bekannt. Die Verhandlungsdelegation hatte deshalb den Auftrag Vereinbarungen mit positiven Auswirkungen auf die Versorgungssituation der Koalition zu verhindern.
Anfang 2720 überstürzten sich die Ereignisse und eine gewagte Taktik der Tika Gilde zeigte Wirkung. Tika hatte Ende 2719 mehrmals zivile Infrastruktur angegriffen und dabei schwere Verluste hingenommen. Anfang 2720 wurde ein Vorstoß auf den Spacedome abgefangen als Tika versuchte durch Saturierung mit Langstreckenraketen einen Angriff durchzubringen und dabei mehrere Träger und Begleitschiffe verlor. Die Verhandlungsdelegation der Koalition wurde kurz darauf umstrukturiert und neu instruiert. Tatsächlich erreichte Tika mit diesen gewagten und verlustreichen Aktionen, dass der Schutz ziviler Installationen für die neue Koalitionsdelegation Vorrang bekam. Gleichzeitig weichte Kisor seine Position bezüglich neutraler Einheiten der Menschen auf.
Anfang 2720 wurden viele Kolonien kampflos geräumt und Truppen zur bevorstehenden Verteidigung des Solsystems zurückgezogen. Damit verlor Kisors Ziel, den Nachschub der Koalition zu unterbrechen, die Priorität. Kisor stimmte dem Schutz neutraler Einheiten zu. Kisor gewährte außerdem den Schutz bestimmter ziviler Einrichtungen und bekam dafür besonderen Schutz nichtbeteiligter Gilden zugesagt.
Auf die Liste geschützter Einrichtungen im Solsystem kamen unter dem Einfluss der neuen Verhandlungsführung vor allem religiöse und andere spirituelle Symbole, darunter der Spacedome. Damit war Tikas Plan aufgegangen. Spätere Forschungen haben gezeigt, dass Tika mehrere langfristig angelegte Pläne verfolgte, die Moral der Koalition zu brechen. Von allen Plänen wurde ab Beginn 2720 nur die Spacedome-Thematik weiterverfolgt. Tika konzentrierte für die nächsten Jahre 80% seiner Ressourcen auf die Situation rund um den Spacedome.
Rückwirkend betrachtet gilt das Kriegsabkommen als taktische Niederlage der solaren Verhandlungsführung mit weitreichenden Konsequenzen in den folgenden Jahren. Vor allem die Aufklärungsmöglichkeiten Kisors kamen für die Koalitionstruppen teuer zu stehen. Mit dem Schutz des Spacedomes lief die Koalition in die von Tika gestellte Falle. Die Spacedome-Tragödie beeinflusste sicher die Moral der bedrängten Koalition und beschleunigte möglicherweise sogar die Aufgabe einiger Stationen, deren Bevölkerung Angst hatte, ein ähnliches Schicksal zu erleiden. Gleichzeitig rief sie aber auch Widerstand hervor. Militärisch gilt der Spacedome-Plan als gewaltige Fehleinschätzung der psychologischen Kriegsführung Kisors, denn bei allem Leiden ist doch die militärische Bilanz rund um den Spacedome positiv für die Koalition. Durch Tikas Konzentration auf dieses Thema waren stets 6% der Kräfte Kisors gebunden. Aber der Plan ging letztlich nicht auf. Die Koalition konnte nicht zur Aufgabe bewegt werden. Sie wurde schließlich doch militärisch niedergerungen.
Die Nanokomplexe:
Nanokomplexe wecken unangenehme Erinnerungen bei den Menschen des Solsystems. Semiautonome Nanokomplexe waren die schlimmsten Gegner des irdischen Widerstands am Ende des Kisor Krieges. Nanokomplexe waren es auch, die in der Spacedome-Tragödie die Rolle der Bösen spielten. Nanokomplexe sind fürchterlich, brutal, erbarmungslos und unmenschlich grausam. So kennen und fürchten wir Nanokomplexe. Die Abneigung geht soweit, dass wir im Solsystem im öffentlichen Leben fast vollständig auf sie verzichten. Eltern drohen ihren unfolgsamen Kindern mit dem Nano. Dabei meinen sie immer die Spezialform des (semi-)autonomen Komplexes. Natürlich verwenden wir Nanotechnologie, z.B. in Nanocaves (die wir lieber "Caves" nennen) und in der Fertigung. Aber autonome Komplexe mit Gestalt-Intelligenz, vor allem auf Bewusstseinsniveau sind selten. Selbst im industriellen Sektor ist ihre Zahl deutlich niedriger, als in vergleichbaren Volkswirtschaften. Nanokomplexe werden nur dann eingesetzt, wenn sich deutliche Kostenvorteile ergeben oder wo sie unverzichtbar sind. Meistens werden sie dann als ferngesteuerte Einheiten betrieben. Aber normalerweise verwendet man lieber normale Robotunits.
Technisch gesehen sind Nanokomplexe nichts anderes als der Fog der Caves. Sie bestehen aus unzähligen funktionalen Elementen. Sie können sich wie Cavefog fast beliebig anordnen, verformen und verwandeln. Die gewaltige Zahl von übereinanderliegenden Schichten erlaubt trotz mikroskopischer Einzelbewegung sehr große Scherungsgeschwindigkeiten. Nanofog scheint dadurch zu fließen.
Der wesentliche Unterschied zu Cavefog besteht darin, dass die Steuerung nicht von außen geschieht. Nanokomplexe verwenden einen Teil ihrer internen Kommunikations- und Rechenleistung zur dynamischen Ausbildung eines Planungs- und Kontrollmoduls. Ist die KI der Kommandoebene mit Bewusstsein ausgestattet dann spricht man vom autonomen Komplex. In diesem Fall wird ein größerer Teil der Kapazität für die Steuerung benötigt. Bei autonomen Komplexen werden deutlich mehr Informationselemente eingefügt. Die Struktur des autonomen Komplexes ist deshalb schwächer als beispielsweise beim Cave-Fog. Ein autonomer Komplex ist mechanisch weniger belastbar als passiver Fog. Auch die Degradierung durch Störungen ist größer. Das gilt besonders im Kampfeinsatz, weshalb dort vor allem semiautonome Nanokomplexe verwendet werden.
In Spacedome wurden allerdings 800 vollautonome Nanokomplexe mit Bewusstseinsniveau installiert, da man von vornherein davon ausging, dass der Einsatz lange dauern würde und es im Verlauf wenig Eingriffsmöglichkeiten geben würde. Die Spacedome-Komplexe waren militärische Modelle mit besonderen Leistungsmerkmalen, die den Nachteil der erhöhten Datenverarbeitung zum Teil ausglichen. Detaillierte Informationen zu dieser Thematik sind auf Kisor immer noch unter Verschluss. Trotzdem gibt es aus verschiedenen Quellen einigermaßen verlässliche Angaben über die eingesetzten Modelle. Generell ist davon auszugehen, dass es sich bei fast allen 800 um bewusste Individuen handelte.
Etwa zwei Drittel waren Nend Plok Evac (von der Koalition Predator-77 oder KNP77 genannt). Die Predator-77 trugen die Hauptlast des Kampfes. Anstatt Waffenmodulen wurden sie mit zusätzlichen Reserveelementen gegen Degradierung und Strukturelementen für mechanische Belastung ausgestattet. Neben den Predator gab es die kleineren Kao Tran Lop (Hunter, KNH1), die vor allem als Aufklärer und als taktische Reserve fungierten. Es gab 4 Divisionen. Jede Division wurde von einem strategischen Kommandoknoten koordiniert. Der Kommandoknoten wurde geschützt von 12 Nend Leit Evac (KNP90, Predator-90) Komplexen mit rein defensiver Ausrichtung. KNP90 waren ausgelegt für eine hohe Leistung über eine kurze Zeit. Sie hatten nur 30 % der Laufzeit eines KNP77, aber die doppelte Leistungsabgabe und eine 20 % bessere mechanischer Struktur. Die Kommandoknoten beherbergten außer den Steuerungsfunktionen auch die Maintenance-Einrichtungen. Sie benötigten stationäre Energiequellen und waren deshalb nicht wirklich mobil.
Durch den vom Kriegsabkommen geforderten Verzicht auf Offensivwaffen konnte die Struktur der Kampfkomplexe verstärkt und vor allem die Ausdauer wesentlich vergrößert werden. Damit erreichten die KNP77 80% der mechanischen Schockfestigkeit von zivilem Fog. Ihre 5-fach geringere Degradierungsrate zeugt von der hohen (und teuren) Qualität des eingesetzten Materials.
Die geringe Degradierung relativiert sich aber unter Belastung. KNP77 im Kampfeinsatz benötigten regelmäßig neue Elemente. Im heftigen mechanischen Einsatz reichte die interne Reserve für 10 Minuten. KNP77 begannen nach etwa 10 Minuten "weich" zu werden, wenn Strukturelemente zu stark ausdünnten. Nach 15 Minuten im Kampfmodus setzte außerdem der Energiesparmodus ein und sie wurden sozusagen "müde". Dann waren KNP77 selbst für primitive Waffen keine unüberwindlichen Gegner mehr. Trotzdem war es natürlich nicht leicht, die Nanokomplexe so lange im Kampf zu binden.
Predator verfügten im Gegensatz zu Hunter-Modellen nur über wenige Reparaturelemente. Selbstreparatur war möglich, aber nur in langen Ruhephasen. Normalerweise wurden Predator an den Servicestationen ihres Kommandoknotens regeneriert. Dafür hatten diese Recycler-Minifabs. Während heißen Phasen beschränkte die Kapazität der Minifabs immer wieder die Einsatzfähigkeit. Offenbar wurde dieser Aspekt bei der Planung unterschätzt.
Insgesamt gesehen waren die Nanokomplexe starke, aber keinesfalls unüberwindliche Gegner. Nanokomplexe sind empfindliche Strukturen mit beschränkter Laufzeit zwischen längeren Maintenance-Phasen. Die Kunst des Kämpfens auf der Seite der Menschen bestand weniger darin, mit aller Gewalt auf den Gegner loszugehen, sondern mit geschickter Planung Situationen herbeizuführen in denen die Schwächen des Gegners hervortraten, z.B. durch Ermüdung bei Dauerbelastung.
Es gab auch systematische Fehler (Bugs) in verschiedenen Untergruppen. Die Menschen lernten im Lauf der Zeit diese zu Ihrem Vorteil zu nutzen und die auslösenden Situationen herbeizuführen. Besonders erwähnt sei hier der sog. "seltsame Pfad des müden Hunters in Überzahl". Ein riskantes taktisches Manöver führte nach Ausdauerbelastung eine Überzahlsituation herbei in der die meisten Hunter in einen für sie ungünstigen Wegfindungsalgorithmus verfielen. Aber wehe, wenn auch nur ein Hunter noch nicht im Sparmodus war oder nicht alle Hunter die Überzahlsituation korrekt erkannten.
Eine besondere Randbedingung des ganzen Konflikts war die strikte Bindung der Nanokomplexe an das Kriegsabkommen. Die Nanokomplexe durften den Spacedome nicht beschädigen und reparierten Beschädigungen sogar nach Kämpfen. Dies begünstigte unter anderem den Replikationsexploit durch den die Nanokomplexe sogar Pulser für die Menschen fertigten.
Die Waffen:
Nanokomplexe sind sehr anfällig gegen Hightech-Waffen. Sie können aber auch mit Lowtech bekämpft werden, z.B. durch Ultraschall im Resonanzbereich einzelner Elemente, durch Sandstrahlgebläse und sogar mit Wasser. Militärisch bestand das Hauptproblem darin, dass im Spacedome fast keine modernen Waffen vorhanden waren. Deshalb mussten Menschen mit primitiven Waffen gegen den Fog kämpfen. Mechanische Schockbelastungen und Durchtrennung der internen Kommunikationswege waren ebenfalls erfolgreiche Mittel. In der Praxis führte dies dazu, dass Menschen mit archaischen Waffen, wie Schwertern, Äxten und Schilden antraten, um die mechanische Struktur und die Informationsverarbeitung der Gegner zu stören.
Eine besondere emotionale Belastung für die Menschen kam dadurch zustande, dass die Nanokomplexe ebenfalls mit primitiven Mitteln, dafür aber umso erbarmungsloser kämpften. Die Nanokomplexe verwendeten keine Fernwaffen, sondern nur direkten Kontakt. Der hatte aber fast immer fatale Folgen für die Betroffenen. Menschen starben vor allem durch eindringende Aktoren. Je nachdem, wie die Aktoren konfiguriert waren, auch durch Verlust oder Deformation von Körperteilen. Für die Menschen war dies unnötige Brutalität, aus der Sicht der Nanokomplexe jedoch nur die Anwendung der verfügbaren Mittel zur Erreichung des Ziels. Die Nanokomplexe sind weder als Individuen, noch als Gruppe schuldig. Schuld an den unmenschlichen Ergebnissen sind vor allem die Planer der Tika Gilde, die die Situation herbeigeführt und die Grausamkeiten in Kauf genommen haben, manche sagen "programmiert" haben.
Man geht davon aus, dass das kisorische Oberkommando informiert war. Die Tika Gilde war während des Krieges für die psychologische Kriegsführung zuständig. Sie wandte 6% des verfügbaren Militärpotentials auf. Es war die primäre Operation von Tika. Das Oberkommando war deshalb sicher eingeweiht. Die damaligen Verwaltungsstrukturen der Kriegsorganisation wurden nach dem Ende der Besatzung aufgelöst und die Daten auf die Archive der Gilden verteilt. Einzelheiten sind auf Kisor weiterhin unter Verschluss. Weder Tika, noch die Inosch nehmen offiziell Stellung. Anfragen von kisorischen Bürgerrechtsgruppen werden ausweichend beantwortet. Der Spacedome-Vorfall widerspricht dem kisorischen Moralempfinden, dass nach menschlichen Maßstäben oft humanitärer ist, als die Menschenrechte der Erde. Je nach politischer Orientierung wird die Angelegenheit als "Auswuchs des Krieges" oder als "übertrieben" bezeichnet. Aber Erinnerungen daran werden auf Kisor heute lieber vermieden.
Der Angriff:
Das Solsystem war seit Anfang 2720 belagert. Dies begann mit der Unterbindung Handelsverkehrs. Ende 2720 nahm Kisor das Uranus-System ein. Kisor befestigte die Monde Miranda und Sycorax als Basen zur Belagerung des inneren Systems. Uranus bildete den Eckpunkt eines Tetraeders, der sich langsam um Sol drehte. Die anderen 3 Eckpunkte bestanden aus Forts und Truppenkonzentrationen, aber Uranus war die Hauptbasis. Einige freie Habitate im äußeren System liefen über. Kuiper-Belt Objekte konnte die Koalition nicht halten, aber die Kapitulation des Jupitersystems und der inneren Sphäre lagen noch Jahre entfernt. Der Spacedomes lag tief im System und geschützt durch die 35. Schutzflotte. Vorgeschobene kisorische Einheiten waren mehr als eine Lichtstunde entfernt, immerhin eine Milliarde Kilometer.
Am 3. Juli 2721 drangen kisorische Einheiten überraschend zum Spacedome vor. Das Oberkommando der Koalition ging davon aus, dass es sich um einen kurzfristigen Terrorangriff handelte und erwartete, dass sich der Gegner bald zurückziehen würde. Die Verschiebung der kisorischen Kräfte entblößte mehrere vorgeschobene Basen Kisors. Die Koalition konnte zwei Basen zerstören und einen Tetraeder-Eckpunkt einnehmen. Die Aktion galt als Befreiungsschlag. Die Koalition gruppierte die Streitkräfte wieder um, um den Abzug der feindlichen Kräfte aus dem Bereich des Spacedomes zu erzwingen. Doch die kisorischen Einheiten widerstanden dem einsetzenden Druck.
Sie hatten die Ruhephase genutzt, um Nachschub heranzubringen. Die Kisori tasteten den Spacedome nicht an, der ja durch das Abkommen geschützt war, befestigten aber mehrere momentan und zukünftig benachbarte Asteroiden. Der Spacedome selbst wurde durch zwei Raumforts gesichert. In den folgenden Jahren verteidigten die Kisori meistens erfolgreich den Keil, der vom Uranus bis in den Spacedome Sektor reichte. Die Koalition konnte mehrmals für kurze Zeit die Kontrolle an sich reißen, aber nie die Blockade des Spacedomes dauerhaft durchbrechen.
Die Installation:
Wie die Installation genau ablief ist nicht bekannt. Man kann davon ausgehen, dass Landung und Eindringen als Angriff gelten und damit eine Verletzung des Kriegsabkommens darstellen. Es ist aber unklar, ob sich die Installateure wirklich gewaltsam Zutritt zur Anlage verschafften. Es gibt Hinweise, dass Hilfe aus dem Spacedome Gewaltanwendung unnötig machte.
Der Umzug der Kongregation i. R. in den Spacedome war nicht ohne Widerspruch. Manche der ansässigen Glaubensgemeinschaften fürchteten ihren Sitz faktisch zu verlieren, wenn der Spacedome für das gesamte innere System wieder als Sitz der Kongregation gelten würde. Vor allem radikale Zerotheisten widersetzten sich gewaltsam. Der Spacedome barg das wichtigste Heiligtum der Glaubensgemeinschaft, die Stele von deren Spitze Werner von Nagora seine berühmte Andacht gehalten hatte. Die Stele wurde nach der Heiligsprechung auch von der Kongregation beansprucht. Es gab mehrere Anschläge auf Einrichtungen der Kongregation. Gegen führende Zerotheisten wurden ermittelt. Einige wurden der Station verwiesen.
Nach Aussagen von Überlebenden landeten Kisori zuerst im Shiva Bereich des Spacedomes. Dort lagen viele Wohnquartiere der Zerotheistischen Gemeinschaft. In mehreren Wohneinheiten wurden die Energieleitungen für Wohnbereiche ungewöhnlich stark beansprucht. Die Kosten wurden ganz legal über die Accounts der Bewohner abgerechnet. Später stellte sich heraus, dass die Personen direkt oder indirekt zu den Zerotheisten gehörten. Das Energieaufkommen kann durchaus für den Betrieb des ersten Kommandoknotens aufgewendet worden sein. Überwachungskameras in diesem Bereich waren nachweislich getäuscht worden. Trotz der Hinweise gibt es keinen Beweis für eine aktive Beteiligung der Zerotheisten. Im Shiva Bereich gab es keine Überlebenden.
Die Menschen:
Im Jahr 2415 wurde die Zentrale der vereinigten christlichen Glaubenskongregation im Raum in den Spacedome verlegt. Der Spacedome stand damals kurz vor der Fertigstellung. Er war schon aus großer Entfernung ein überwältigender Anblick, ein modernes Kunstwerk aus Ceramacrete, Fulleroidstahl und Formdiamant, gebaut und geformt aus einem 22 km großen Kohlenstoff-Aluminium-Eisen-Asteroiden. Neben grandiosen Hallen gab es Arbeitsplätze, Wohngebiete und technische Einrichtungen für eine permanente Bevölkerung von 100.000 Menschen und bis zu 1/2 Mio. Besucher. Life-Support war ausgelegt für annähernd 1 Mio. Menschen. Neben der Glaubenskongregation im Raum waren auch mehrere andere Großreligionen vertreten.
Bei der Eröffnung lebten schon 50.000 Menschen beim Spacedome. Die Bevölkerung wuchs im folgenden Jahrhundert bis auf 400.000 ständige Bewohner. Als sich auch immer mehr Industrie ansiedelte, zog sich die Zentrale der Glaubenskongregation nach fast 100 Jahren zurück. Religionen und Glaubensgemeinschaften blieben aber weiterhin stark vertreten. Nach den Belastungen der Kelrec-Krise wurde der Spacedome gründlich renoviert. Er erstrahlte danach im alten Glanz, wären da nicht die inzwischen zusätzlich gewachsenen Strukturen gewesen, die ihm etwas von der Großartigkeit nahmen. In der Folge nahm der Anteil der kleinen Glaubensgemeinschaften und spiritistischen Gemeinschaften zu. Die Gesamtbevölkerung nahm langsam ab. Der Spacedome blieb aber ein religiöses und spirituelles Zentrum des mittleren Solsystems.
Dann im Jahr 2721 wurde die Erzdiözese der inzwischen reformierten befreiten Kongregation von Titan wieder in den Spacedome verlegt und zwar in den sogenannten Polarisbogen. Damit übersiedelten 8.000 Gesandte der Kirchenverwaltung und 25.000 anderes Personal. Die Gesamtbevölkerung betrug danach ca. 230.000, davon 60.000 Besucher und Flüchtlinge, 30.000 technisches Personal und 25.000 Kinder. Zu dieser Zeit war das Solsystem belagert. Aber der Orbit des Spacedomes lag tief im System und war fest in der Hand der Koalition. Trotzdem konnten kisorische Kräfte den Sektor erobern, dauerhaft sperren und die Nanokomplexe installieren. 150.000 Zivilisten sahen sich 800 aggressiven Nanokomplexen gegenüber. Die Menschen setzen sich aus sehr vielen Gruppen zusammen. Viele waren Kirchenvertreter der großen und kleinen Religionen. Es gab fast keine Personen mit militärischem Hintergrund. Bevor die Menschen lernten, sich einigermaßen gegen die Nanokomplexe zu behaupten, mussten sehr viele unschuldige Menschen sterben.
Die ersten Konfrontationen waren fatal. Die Menschen versuchten dem Gegner auszuweichen, da es keine Waffen gab mit denen man sich richtig hätte wehren können. Kurz nachdem die erste Meldung von der Installation kam, konnten einige Techniker einer ansässigen Wartungsfirma mit den Mitteln ihrer Werkstatt zwei Nanokomplexe ausschalten. Sie brachten mehrere Minifabs in Sicherheit, bevor der Gegner die Technikzone im Polarisbogen einnahm. Die Minifabs konnten später mit eingeschmuggelter Software verschiedene Nanophagen fertigen. Der erste richtige Widerstand wurde von den Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma organisiert, die sich zufällig als Besucher im Spacedome aufgehalten hatten. Die Gruppe rekrutierte und trainierte schnell 50 Männer und Frauen. Nach einem Monat konnten sie einen Nano zur Strecke bringen. Der frühe Widerstand war aber nur vereinzelt und nicht effektiv, weder bei der aktiven Bekämpfung, noch beim Schutz von Zivilisten. Innerhalb eines Monats verloren 30.000 Menschen ihr Leben.
Im Laufe der Zeit lernten die Menschen effektiver gegen die Nanokomplexe vorzugehen. Durch Fallen und Sperranlagen konnten Zivilisten und vor allem Kinder besser geschützt werden. Gleichzeitig beteiligten sich immer mehr Menschen, die vorher ein friedliches Leben geführt hatten an den Kämpfen. Die Menschen lernten zu kämpfen, jeder auf seine Art. Manche mit improvisierten Hightech-Mitteln, andere mit Lowtech, manche sogar mit vorindustriellen Hieb- und Stichwaffen. Manche nutzten ihre Computerfähigkeiten, um die Kommandostrukturen des Gegners zu stören. Einige kämpften lieber einzeln mit Guerillataktiken, andere in großen Verbänden. Im Lauf der Zeit gelang es immer wieder Freiwilligen und Spezialeinheiten zum Spacedome vorzudringen, um die Bewohner zu unterstützen. Einige kamen als Kampftruppen, andere brachten Ausrüstung oder Software für die Minifabs.
Ein großer Glücksfall war die Ankunft von 3 Überlebenden einer gepanzerten Infanterieeinheit. Die 3 erreichten den Spacedome, nachdem ihre Kompanie bei einem Landungsversuch auf einem der befestigten Asteroiden gescheitert war. Sie kamen mit intakten Gefechtsanzügen gerade rechtzeitig, um das Kinderlager im blauen Sektor zu retten.
Illegale Bewohner spielten eine verhältnismäßig große Rolle im Widerstand. Einige hatten schon seit langer Zeit ein Leben am Rande der Gesellschaft geführt, manche sogar mit einigem Erfolg. Sie waren es gewohnt, sich mit mehr oder weniger legalen Mitteln gegen einen übermächtigen Gegner durchzusetzen. Sie tauschten die Kontrollorgane der Station gegen den neuen Gegner. Der überwiegende Teil dieser Gruppe trat aus dem Schatten heraus und engagierte sich im Abwehrkampf. Ab und zu trafen Spezialeinheiten ein, die mit Geschick oder Glück den Spacedome trotz Blockade erreichen konnten. Aber den größten Teil des Kampfes leisteten die ehemals friedlichen Bewohner.
Das Monitorsystem:
Während der gesamten Zeit bleibt das stationseigene Überwachungssystem in Betrieb. Es war genauso wie die Struktur geschützt durch das Kriegsabkommen. Schäden, die bei Kämpfen entstanden, reparierten die Nanokomplexe so gut wie möglich. Teilweise wurden optische und akustische Sensoren durch kisorische Minifab-Varianten ersetzt. Die Aufnahmesysteme waren verbunden mit lokalen Hubs, die wiederum über den Stationsbackbone an Lasertransmitter sendeten. Die Lasertransmitter übermitteln ihre Daten ständig an 3 Empfänger im inneren System. Die Laser werden automatisch nachgeführt. Bis zu 3.000 audiovisuelle Kanäle wurden ständig gesendet, 500 davon in 3D-Qualität durch Aggregation mehrerer Videosensoren und Laserscanner. Die ursprünglichen Empfänger waren der SecuriTrust Knoten Ceres, Insystem Datahaven Mars via Deimos und eine Servicestation in der näheren Umgebung. 2723 übernahm der SAD den Mars-Empfänger mit der Begründung, dass die Aufnahmen sicherheitsrelevant seien. Große Teile davon wurden bei der Eroberung des Mars durch Kisor zerstört, da keine verteilten Backups bestanden. SecuriTrust erstritt vor Gericht das Recht weiter empfangen zu dürfen und archivierte auf eigene Kosten, trotz Kündigung des Monitoringvertrags durch die Betreibergesellschaft des Spacedomes. Die Transmissionen ließen sich nicht von außen unterbinden. Sie liefen mit den voreingestellten Empfängern weiter.
Insgesamt gab es ca. 80.000 Videosensoren, davon 30.000 in 3D. Die gesendeten waren eine dynamische Auswahl aller aktiven Sensoren. Die KI der Hubs ermittelte Schnittsequenzen, um komplette Aktionen über Sensoren hinweg zu verfolgen und schaltete die entsprechenden Kanäle auf die Lasertransmission. Die solare Bevölkerung erlebte so das Geschehen quasi live. Automatische Kameras dokumentierten Gefechte, Niederlagen, Siege und Heldentaten. Die lange, schwere Tragödie ist später Quelle für unzählige Medieninhalte, Dramen, Filme, Simulationen und Schriften. Als Quellenmaterial wird vor allem das Archiv von SecuriTrust herangezogen. 2764 wurde das Archiv in das Kulturerbe der Koalition aufgenommen.
Der Kampf:
Die lange, schwere Tragödie ist später Quelle für unzählige Medieninhalte, Dramen, Filme, Simulationen und Schriften. Sie wird zu einem der wichtigsten Ereignisse der frühen interstellaren Geschichte der Menschheit. Der Krieg selbst bleibt weniger im kollektiven Gedächtnis der solaren Menschheit, als die Spacedome-Tragödie.
Viele Einzelgeschehnisse bleiben unvergessen wie:
- der abenteuerliche Abtransport der Minifabs aus der Technikzone im Polarisbogen,
- der frühe Gegenangriff der Touristen von Phobos Object Protection Inc. mit ihrer zusammengewürfelten Freiwilligentruppe,
- der große 3-Sektor Sieg,
- der lange hin- und herwogende Kampf um die Pol-Werkstatt,
- der geniale Replikationsexploit von SuTse durch den die Nanokomplexe sogar Pulser für die Menschen fertigten,
- der tragische Konflikt in der Führung der Orion Gruppe,
- das Solstadt-Massaker,
- die Herstellung einer bidirektionalen Kommunikationsverbindung über manipulierte Cams als Sender und improvisierte Solarzellen als Empfänger über die Designs von Nano-Phagen für die Minifabs heruntergeladen wurden,
- die erfolgreiche Neutralisierung des 3. strategischen Kommandoknotens bei der erstmals der "seltsame Pfad des müden Hunters in Überzahl" erfolgreich angewendet wurde,
- die Selbstaufopferung Asram Güdans zur Rettung des Kinderlagers im blauen Sektor,
- der EVA-Treck der 30.000 um die halbe Station,
- die spektakuläre Evakuierung von 12.000 Bewohnern durch die Rama Gilde,
- der epische Zweikampf zwischen Condolezza Madrigal und dem Wächter der südlichen Vorhalle,
- der Überläufer G765998TN ("Gee") und sein unendlich wichtiger Beistand.
Die Rettung:
Ende 2727 gab Kisor die Blockade des Spacedomes auf. Wenige Monate zuvor war die Schlacht um die Erde für die Koalition verloren gegangen. Kisor hatte die Raumhoheit errungen und bereitete sich darauf vor, große Truppenkontingente zu landen. Durch die Verlagerung des Schwerpunktes zur Erde gewannen einige Asteroidenbasen ihre Handlungsfreiheit wieder. Einige, vor allem Survivalistenfraktionen, hatten sich jahrelang bedeckt gehalten und waren nicht entwaffnet worden. Die Bewohner von Ceres-Südpol überwältigen die kisorische Garnison mithilfe externer Survivalisten. Sie konnten daraufhin ganz Ceres befreien und gründeten die Solaren Befreiungsfront (SLF). Während Kisor Truppen in Europa landete, gelang es der Solaren Befreiungsfront weitere kleine Stationen im Asteroidengürtel zu übernehmen. Die meisten dieser Erfolge waren ohne strategische Bedeutung. Sie dienten nur der Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit, denn es handelte sich vor allem um Tankstationen, Rohstoffquellen für Minifabs und Nahrungsmittelproduzenten.
Eine der spektakulärsten Aktionen der Solaren Befreiungsfront war Mitte 2727 die Rettung der Überlebenden des Spacedomes. Zu diesem Zeitpunkt gab es weniger als 31.000 Überlebende und noch etwa 100 Nanokomplexe an 2 Kommandoknoten. Die kleine Rettungsflotte der SLF kämpfte sich durch die kisorischen Wachschiffe. Die verbliebene Wache bestand aus nur 4 Fregatten von denen 2 seit dem Kampf um die Erde beschädigt waren. Die SLF verlor einen leichten Zerstörer und der schwere Kreuzer, das Rückgrat der Flottille, nahm schweren Schaden. Der Kampf fand sehr nahe beim Spacedome statt, da die Kisori die Struktur als Ortungsdeckung nutzten. Unglücklicherweise detonierten die Sprengköpfe von Anti-Schiff Röntgenlasern der SLF in 5 km Entfernung vom Polarisbogen des Spacedomes. Der Polarisbogen wurde komplett zerstört und angrenzende Sektoren stark beschädigt. Im Spicaabschnitt verloren dabei 7145 Menschen ihr Leben. Die SLF landete mit schweren Bodentruppen und hielt die Nanokomplexe so lange in Schach, bis die Überlebenden in Sicherheit waren. 23.647 Menschen konnten schließlich gerettet werden.
Nach dem Krieg wurde der neue Dom um die Reste der alten Struktur herum gebaut. An vielen Stellen des Abwehrkampfes wurden Denkmäler errichtet. Die zentrale Gedenkstätte befindet sich in der neuen südlichen Vorhalle zur Blackstar-Hall.
Die Domgeister:
Obwohl dies alles nun schon lange her ist, gibt es immer wieder Gerüchte, dass einzelne Nanokomplexe überlebt haben. Fast vollständig deaktiviert könnten sie in Verstecken nach dem Krieg Säuberung und Umbau überdauert haben. Immerhin sind die autonomen Nanokomplexe intelligente Individuen mit Bewusstsein. Falls es noch welche gibt, dann verhalten sie sich sicher so vorsichtig, wie möglich. Sie wissen, dass jeder Zwischenfall gut ausgerüstete Polizeikräfte auf den Plan rufen würde. Tatsächlich gibt es im Spacedome unverhältnismäßig viele spontane Störungen im Energiesystem, meistens jedoch in Industriebereichen wo Verbrauchsspitzen und aktive Energiesicherungen alltäglich sind. In all den Jahren seit der abschließenden Säuberung wurde kein Nanokomplex mehr entdeckt. Aber man erzählt sich von Schatten und Bewegungen die aus Augenwinkeln wahrgenommen werden; von Gegenständen, die verschwinden; und wenn es in der Dunkelphase seltsame Geräusche gibt, dann fürchten sich viele Menschen davor, dass hinter der Wand ein Nano entlangschleicht. Mit anderen Worten: Es spukt im Spacedome.
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