Ein Überraschungsangriff von Chinti-Schwärmen hat verheerende Folgen für das Solsystem.
Die meisten strategischen Verteidigungseinrichtungen des Solsystems sind nicht aktiv. Das System ist ungeschützt. Niemand hatte mit so einem überraschenden und massiven Angriff gerechnet.
Nur der Initiative eines Technikers ist es zu verdanken, dass die solare Menschheit nicht ausgelöscht wird.
Viele Verteidigungseinrichtungen wurden lange vernachlässigt. Als die Besatzer immer weniger Mittel zur Verfügung hatten und sich langsam zurückziehen mussten, wurden die Infrastruktur nicht mehr gewartet. Und seit der Rückeroberung ist die Menschheit mit dem Wiederaufbau der Wirtschaft beschäftigt. Die alten strategischen Verteidigungsanlagen hatten dagegen nur eine niedrige Priorität.
Viele Tiefraumsperren sind im Lauf der Jahrhunderte abgedriftet oder haben sich so verschoben, dass es jetzt große Lücken gibt. Dort können überlichtschnelle Raumschiffe abseits der Ekliptik bis nahe an die Planeten herankommen.
Der solare Ballistikschild ist noch teilweise funktionsfähig. Er hatte eine wichtige Rolle bei der Rückeroberung gespielt. Aber nach dem Einsatz während des Aufstands wurde seine Munition nicht wieder aufgestockt. Deshalb ist der Ballistikschild zwar aktiv, aber unwirksam.
Nur einem Zufall und der Initiative eines Technikers ist es zu verdanken, dass doch Teile der ballistischen Abwehr rechtzeitig reaktiviert werden können. Der Ballistikschild hat eine taktische Reserve. Die Reserve war während der Rückeroberung nicht verwendet worden, da die Rebellen damals nur Zugriff auf wenige Kommandoschlüssel hatten.
Einem Techniker war später aufgefallen, dass die Steuerung des Schilds einige Kommando-Codes kennt, die noch nie benutzt worden waren. Er untersuchte die Verbindungen zwischen Steuerknoten und Komponenten des Ballistikschilds, um herauszufinden welche Komponenten sich durch die zusätzlichen Schlüssel aktivieren lassen. Dabei stieß er auf die Schildkomponente "SBS42b". Dieser Teil der Schildinfrastruktur war als taktische Reserve vorgesehen und sollte nur im größter Not eingesetzt werden. Der Techniker stellte außerdem fest, dass SBS42b noch weitgehend munitioniert war. Man beabsichtigte damals den Schild komplett neu aufzubauen und wollte keine Mittel für eine temporäre Lösung verschwenden. Deshalb wurde SBS42b nicht in Betrieb genommen.
Der Techniker hatte von seinen Vorgesetzten den klaren Auftrag, nicht mehr am alten Ballistikschild zu arbeiten. Aber er setzte sich darüber hinweg und beschäftigte sich mit der Reaktivierung von SBS42b. Er stellte Netzwerkverbindungen wieder her, testete die Steuerung, erstellte sogar Pläne für verschiedene Szenarios und neue Steuersoftware. Die Vorbereitungen waren so umfassend, dass eigentlich nur die offizielle Aktivierung fehlte.
Beim Angriff der Schwarmflotte ist es diesen Vorbereitungen zu verdanken, dass ein Teil des ballistischen Schilds schnell aktiviert werden kann. Ein Ballistikschild hat eigentlich die Aufgabe, kinetische Angriffe mit passiven Hochgeschwindigkeitsgeschossen abzuwehren. Da die Chinti aktive Lenkwaffen mit Antimateriesprengköpfen einsetzen, muss SBS42b in Windeseile auf ein anderes Angriffsprofil umprogrammiert werden. Glücklicherweise war die taktische Reserve auch für diesen Einsatz geeignet. Bei der ursprünglichen Installation, hunderte Jahre zuvor, hatte offensichtlich jemand die Weitsicht, die Reserve nicht nur als Erweiterung des ballistischen Schilds auszulegen, sondern auch als letzte Rettung für andere Angriffsszenarien.
Inbetriebnahme und Neueinstellung des ballistischen Schilds sind ein Rennen gegen die Zeit. Die wenigen Techniker, die damit vertraut sind, müssen abwägen zwischen schneller Einsatzbereitschaft und Genauigkeit der Einstellung. Gleichzeitig müssen sie aus den verwirrenden taktischen Daten herauslesen, wo die verfügbaren Mittel am effizientesten eingesetzt werden können. SBS42b hat nicht genügend Munition, um das ganze Solsystem zu schützen. Die verfügbaren Mittel müssen auf einige Schwerpunkte konzentriert werden. Es bleibt keine Zeit für Rückfragen bei Vorgesetzten oder für Abstimmungsrunden mit der militärischen Führung. Alles muss sehr schnell gehen. Letztlich entscheiden die Programmierer selbst unter hohem Druck und in größter Eile über Leben und Tod von Milliarden.
SBS42b geht gerade noch rechtzeitig online. Die Angreifer werden überrascht von der Gegenwehr. Sie hatten nur mit mobilen Einheiten und lokalen Verteidigungsanlagen gerechnet, aber nicht mit einer im System verteilten tief gestaffelten Abwehr. Die taktische Reserve erfasst die Lenkwaffen früh. Sie kann 93% neutralisieren und stellt gleichzeitig die mobilen Einsatzkräfte frei, um gegen die nachrückenden Schwarmschiffe vorzugehen. Die erste Welle der Lenkwaffen wird wesentlich abgeschwächt. Und der nachfolgende Angriff der Schwarmschiffe ging davon aus, dass sich alle mobilen Einheiten der Menschen mit der Abwehr der Lenkwaffen beschäftigen würden. Die Chinti hatten in dieser Phase nicht mehr mit Gegenwehr gerechnet. Die zweite Welle fällt in sich zusammen.
Trotzdem sind die Zerstörungen verheerend. Antimateriesprengköpfe mit 400 MT kommen zum Einsatz. Auf allen Kontinenten gibt es gigantische Detonationen. Tsunamis verwüsten die Küsten bis 100 km ins Landesinnere. Die Zerstörung der Antimateriebomben erstreckt sich bis in 500 km Entfernung vom Explosionsort. Ganze Regionen werden ausgelöscht. Die Explosionswolken reichen bis in die Stratosphäre.
Zwei Drittel der Menschheit überleben den Angriff, der als Chinti-Katastrophe in die Geschichte eingeht.
Der Techniker, der SBS42b auf eigene Faust untersucht und wiederhergestellt hatte, war ein 300 Jahre alter Mech namens Fritz Metzger. Fritz Metzger wurde ursprünglich als spezialisierte Wartungsdrohne (Kennung: EF-EM-73269075) mit eingeschränkter KI hergestellt. Bei einem Unfall im Jahr 2871 stellte sich dann heraus, dass die Beschränkungen nur konfiguriert waren. Der Hersteller hatte aus Kostengründen eine autonome KI geklont, künstlich geblockt und als spezial-KI verkauft. Die geklonte KI geht vermutlich auf einen sehr alten Upload während des ersten Kisor-Kriegs zurück. Der Upload wurde so umfangreich editiert und angepasst, dass keine Erinnerungen an das Bio-Leben mehr vorhanden sind. Durch die Beschädigung wurde FM teilautonom. Von da an war er sich der Beschränkungen bewusst. Zum 50. Dienstjubiläum wurden die Blockaden entfernt und FM wurde zum "gebundenen" autonomen Infosophonten (gebunden = Bindung an die Mech-Hardware, keine Zulassung als Netz-Infosophont) mit Bürgerrecht. Den Namen wählte er in Anlehnung an seine Kennung, unter Berücksichtigung der vermuteten Herkunft des Uploads, und weil er die "tz" cool fand. Als Bürger blieb FM seiner Profession treu, der Wartung von orbitaler Infrastruktur. Auch unter der langen Besatzung. Während dieser Zeit gab er sich als einfache Wartungsdrohne aus.
FM ist zur Zeit des Angriffs auf einem Wanderurlaub in den Anden. Für physische- oder info-Relokation bleibt keine Zeit. Aber über das Netz hat er vollen Zugriff auf alle Funktionen. Er ist während der Verteidigung maßgeblich an der Konfiguration von SBS42b beteiligt. Leider hat Südamerika eine niedrige Priorität bei der Verteilung der Abwehrkräfte. Es gibt zwar einige große Städte, aber auch viele Naturschutzgebiete, Bergland und Agrarindustrie. Im äquatorialen Pazifik liegen dagegen sehr viele schwimmende Habitate mit Milliarden Menschen. Die Bevölkerungsdichte ist dort viel größer als auf den Landflächen Südamerikas. Um den Pazifik abzudecken, muss FM ganz Südamerika, einschließlich seiner Position, ungeschützt lassen. Er rechnet natürlich damit, später von seinem Backup reaktiviert zu werden.
Leider werden beim Angriff sehr viele Solnet Knoten getroffen. Obwohl 80% der Solnet-Infrastruktur zerstört sind, betrifft die tatsächliche Informationsvernichtung durch Redundanzen nur 10%. Unglücklicherweise sind beide Backups, das wöchentliche inkrementelle und das monatliche Vollbackup, von FM nicht wiederherstellbar.
#Krieg #Held #Technik #Ballistik #Antimaterie #KI #Bot #Mech
http://jmp1.de/h3190
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2587 Zeit der Alien-Kriege
Der Saturn Mond Epimetheus, Hauptsitz der Art-Domäne im Solsystem, wird angegriffen. Die Menschen beobachten kinetische Angriffe, Explosionen und Schwärme von Mechs. Es ist nicht zu erkennen ist ob es sich um Drohnen, Bots oder Shells handelt. Wer dort gegen wen kämpft ist unklar. Offensichtlich bekämpft die Artu-Domäne andere Aliens. Aber ob es sich um interne oder externe Feinde handelt ist unbekannt. Soweit die Menschen wissen, ist die Artu-Domäne die dominierende Macht der lokalen interstellaren Umgebung. Aber anscheinend ist sie nicht unangefochten. Die Menschen des Sonnensystems sind nur Zuschauer. Manchmal geraten auch Menschen, deren Fahrzeuge und Siedlungen zwischen die Fronten. Die unbekannten Kontrahenten nehmen keine Rücksicht. Die Kämpfe ziehen sich mit unterschiedlicher Intensität insgesamt über 25 Jahre.
Aus dem interstellaren Raum kommen Schiffe mit hoher Geschwindigkeit in das Saturnsystem. Sie transportieren Pods mit überdimensionierten Triebwerken. Die Pods bremsen scharf innerhalb von wenigen Stunden zu einem Zero-Intercept mit Epimetheus und entladen Drohnenschwärme. Sie greifen Epimetheus an. Von anderen kleinen Saturnmonden greifen weitere militärische Kräfte ein. Die Kämpfe umfassen bald das ganze Saturn-Ringsystem. Angreifer und Verteidiger setzen High-Tech Waffen ein mit Leistungsparametern weit jenseits dessen was die solare Menschheit herstellen kann.
Die erste Welle der Kämpfe dauert einige Wochen. Dann kehrt Ruhe ein. Die Artu-Domäne ordnet den Wiederaufbau der beschädigten Einrichtungen an. Wenige Monate später treffen neue Kräfte ein und die Kämpfe beginnen wieder. Die beteiligten Fraktionen sind nicht zu unterscheiden. Es gibt keine Kennzeichnungen und alle Parteien verwenden eine ähnliche Technik. Immer wieder flammen Kämpfe auf. Die Infrastruktur des Abgabesystems um Saturn wird schwer in Mitleidenschaft gezogen. Es scheint um die Kontrolle des Abgabesystems zu gehen.
Solaren Nachrichtenagenturen berichten ausführlich über die Ereignisse. Das ist sehr gefährlich, da sich die Kämpfe oft plötzlich ausweiten. Häufig geraten Beobachtungsschiffe und Drohnen der Nachrichtendienste zwischen die Fronten, die sich sehr schnell verschieben. Die kämpfenden Parteien nehmen keine Rücksicht auf unbeteiligte solare Fahrzeuge und Einrichtungen. Die interplanetare Wirtschaft ist immer wieder von den Auswirkungen, d.h. von Zerstörungen, betroffen. Die Hälfte der interplanetaren Bevölkerung findet sich irgendwann im Verlauf der Alien-Kriege im Bereich von Kampfhandlungen. Es gibt insgesamt ca. 30 Millionen Verluste unter den Bios und Uploads der solaren Menschheit, davon aber nur 1,5 Millionen final.
Mehrmals besetzen fremde Kräfte solare Anlagen, Frachtterminals, orbitale Rohstofflager und industrielle Fab-Arrays. Die Besatzungstruppen sind nicht zu identifizieren. Widerstand solarer Einheiten ist zwecklos. Manchmal ziehen die fremden Kräfte plötzlich wieder ab. Manchmal werden sie angegriffen und verteidigen sich. Die fremden Truppen sind bemannte Mikroeinheiten, Mechs und Drohnen. Aufgrund von Analysen des taktischen Verhaltens und der Kommunikationsmuster vermutet man, dass das Kommando von Biosophonten in Mikroeinheiten ausgeht. Die taktischen Einsatzkräfte sind halbautonome Drohnen, die von Mechs mit Upload-Besatzung ferngesteuert werden. Biosophonten treten fast nie in Erscheinung. Bemannte Kommandoeinheiten, Mechs und Drohnen ähneln sich äußerlich sehr. Man kann sie aber manchmal durch ihre Leistungsparameter und ihr Verhalten unterscheiden.
Im Lauf der nächsten 13 Jahre werden auch immer wieder solare Einrichtungen beschädigt und zerstört. Vor allem das Abgabesystem und dessen Transportkapazitäten sind betroffen. Die Verladeterminals von Epimetheus sind 25 Mal umkämpft. Sie werden dabei 8 Mal vollständig zerstört und jedes Mal wieder aufgebaut. Reparatur und Wiederaufbau der Infrastruktur im Saturnsystem wird im Lauf der Zeit weitgehend automatisiert. Den Großteil des Wiederaufbaus leisten solare Fraktionen als Abgabeersatzleistungen. Dafür wird ein wesentlicher Teil der Abgaben aufgewendet. Man vermutet, dass während der Zeit der Alien-Kriege 30% der Abgaben in die Wiederherstellung der Infrastruktur und damit in den interplanetaren Teil der solaren Wirtschaft fließen.
Die Bevölkerung der Planeten, besonders der Erde, nimmt das Geschehen nur durch die Nachrichten wahr. Während in planetaren Orbits immer wieder gekämpft wird, bleiben die Planetenoberflächen weitgehend verschont. Für die Menschen der Erde erscheinen Berichte über Explosionen, Zerstörungen und Verluste irgendwo im Sonnensystem wie Berichte über Tornados am anderen Ende der Welt. Die einzige Ausnahme ist eine Explosion im Südatlantik, die zu einem verheerenden Tsunami an der Küste Patagoniens führt und 140.000 Menschenleben kostet. Montevideo wird vollständig überflutet. Die Mündung des Rio del la Plata fokussiert die Fluten und lässt die Wasserwand bei Buenos Aires auf 30 Meter Höhe ansteigen. Bei Rio de Janeiro ist die Welle noch 10 Meter hoch. Alle Küsten Südamerikas sind stark verwüstet. Das historische Buenos Aires ist verschwunden. Man geht davon aus, dass es sich nicht um einen gezielten Schlag, sondern um einen Unfall handelt. Eine Trägerplattform, die sich mit 120 Kilometer pro Sekunde schnell der Erde näherte, geriet außer Kontrolle und stürzte auf die Erde. Der Tsunami wird ausgelöst durch die Kombination von 100 Megatonnen-Äquivalent kinetischem Einschlag und eine 250 Megatonnen Amat-Freisetzung nach Einschlussverlust.
Nach der Tsunami-Katastrophe am Neujahrstag 2601 kehrt für 8 Jahre Ruhe ein. Wie man später erfährt, wird die Erde bei allen Kampfhandlungen absichtlich ausgespart, um die imperiale Konvention zum Schutz von Völkern der Kategorie 19 nicht zu verletzen. Der Unfall im Südpazifik ist eine fahrlässige Übertretung imperialer Vorschriften. Die Menschen kennen weder das Interianische Imperium, noch Kisor als Regionalzentrum. Sie kennen nur die Artu-Domäne, die von sich behauptet, die regionale Macht zu sein. Aber die streitenden Parteien entstammen der interstellaren Zivilisation. Sie befolgen bei ihren Operationen im Solsystem meistens den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen. Eine laxe Auslegung der imperialen Bestimmungen lässt Diebstahl, Erpressung und Kollateralschäden in Systemen nichtregistrierter Völker innerhalb der Imperiumsgrenzen zu, solange "unbeteiligte Zivilisten weitgehend geschützt" werden. Aber der Südpazifik-Vorfall überschreitet eine rote Linie. Die Konfliktparteien befürchten eine Untersuchung durch kisorische Inspektoren bei der dann weitere Übertretungen auffallen würden. Denn die Etablierung der Artu-Domäne und des Tributsystems für das gesamte Solsystem einschließlich der Erde ist aus Sicht des Imperiums Amtsanmaßung. So einigen sich die Konfliktparteien auf ein Moratorium, die Suspendierung der Auseinandersetzungen und eine Aufteilung der Erträge des Abgabesystems. Den Menschen bleibt das alles verborgen.
Für die Menschen sind die Alien-Kriege wie eine Naturgewalt. Man kann sie nicht beeinflussen. Man versteht nicht was vorgeht. Sie kommen plötzlich und unvorhersehbar. Niemand weiß wann und wo Kämpfe der Aliens auftreten. Man versucht die Ereignisse mit statistischen Methoden zu erfassen um Gefahren vorherzusagen. Die besten Prognosen liefern selbstmodifizierende Modelle, die eine große Zahl kleiner Akteure mit schnell wechselnden Zusammenschlüssen repräsentieren. Die charakteristischen Zeiten der Modellfits sind 3 Wochen für Allianz und 4 Monate für Dominanz. Mit anderen Worten: es kämpfen viele kleine Fraktionen, die sich ständig verbünden und wieder hintergehen. Bündnisse halten nur 3 Wochen und siegreiche Bündnisse können ihre Überlegenheit 4 Monate aufrechterhalten, bevor das nächste Bündnis mit wechselnden Partnern die Hoheit übernimmt.
Viel später stellt sich heraus, dass die Modelle der Wahrheit ziemlich nahekamen. Clans von Artu kämpfen um die Machtposition im Solsystem. Der f96427 Clan etabliert die Artu-Domäne und kann sich einige Jahre behaupten. 2585 muss f96427.11 seinen Anspruch mit einem Zusammenschluss mehrerer Clans teilen (a5713). a5713 hat wechselnde Mitglieder (a5713.1-a5713.45), wehrt sich gegen a2003/f8563 und muss sich dann einer anderen Gruppe (a301) geschlagen geben. Danach beginnt eine 10-jährige Phase schneller Allianz- und Dominanzwechsel.
Die Geschehnisse werden später rekonstruiert durch Historiker von Artu. Den Menschen werden die Details erst bekannt durch die Veröffentlichung der Dokumentation "Barbaren von Sol" vom Media-Clan u54273 im Jahr 2826.
#Aliens #interplanetar #Konflikt
http://jmp1.de/h2587
Aus dem interstellaren Raum kommen Schiffe mit hoher Geschwindigkeit in das Saturnsystem. Sie transportieren Pods mit überdimensionierten Triebwerken. Die Pods bremsen scharf innerhalb von wenigen Stunden zu einem Zero-Intercept mit Epimetheus und entladen Drohnenschwärme. Sie greifen Epimetheus an. Von anderen kleinen Saturnmonden greifen weitere militärische Kräfte ein. Die Kämpfe umfassen bald das ganze Saturn-Ringsystem. Angreifer und Verteidiger setzen High-Tech Waffen ein mit Leistungsparametern weit jenseits dessen was die solare Menschheit herstellen kann.
Die erste Welle der Kämpfe dauert einige Wochen. Dann kehrt Ruhe ein. Die Artu-Domäne ordnet den Wiederaufbau der beschädigten Einrichtungen an. Wenige Monate später treffen neue Kräfte ein und die Kämpfe beginnen wieder. Die beteiligten Fraktionen sind nicht zu unterscheiden. Es gibt keine Kennzeichnungen und alle Parteien verwenden eine ähnliche Technik. Immer wieder flammen Kämpfe auf. Die Infrastruktur des Abgabesystems um Saturn wird schwer in Mitleidenschaft gezogen. Es scheint um die Kontrolle des Abgabesystems zu gehen.
Solaren Nachrichtenagenturen berichten ausführlich über die Ereignisse. Das ist sehr gefährlich, da sich die Kämpfe oft plötzlich ausweiten. Häufig geraten Beobachtungsschiffe und Drohnen der Nachrichtendienste zwischen die Fronten, die sich sehr schnell verschieben. Die kämpfenden Parteien nehmen keine Rücksicht auf unbeteiligte solare Fahrzeuge und Einrichtungen. Die interplanetare Wirtschaft ist immer wieder von den Auswirkungen, d.h. von Zerstörungen, betroffen. Die Hälfte der interplanetaren Bevölkerung findet sich irgendwann im Verlauf der Alien-Kriege im Bereich von Kampfhandlungen. Es gibt insgesamt ca. 30 Millionen Verluste unter den Bios und Uploads der solaren Menschheit, davon aber nur 1,5 Millionen final.
Mehrmals besetzen fremde Kräfte solare Anlagen, Frachtterminals, orbitale Rohstofflager und industrielle Fab-Arrays. Die Besatzungstruppen sind nicht zu identifizieren. Widerstand solarer Einheiten ist zwecklos. Manchmal ziehen die fremden Kräfte plötzlich wieder ab. Manchmal werden sie angegriffen und verteidigen sich. Die fremden Truppen sind bemannte Mikroeinheiten, Mechs und Drohnen. Aufgrund von Analysen des taktischen Verhaltens und der Kommunikationsmuster vermutet man, dass das Kommando von Biosophonten in Mikroeinheiten ausgeht. Die taktischen Einsatzkräfte sind halbautonome Drohnen, die von Mechs mit Upload-Besatzung ferngesteuert werden. Biosophonten treten fast nie in Erscheinung. Bemannte Kommandoeinheiten, Mechs und Drohnen ähneln sich äußerlich sehr. Man kann sie aber manchmal durch ihre Leistungsparameter und ihr Verhalten unterscheiden.
Im Lauf der nächsten 13 Jahre werden auch immer wieder solare Einrichtungen beschädigt und zerstört. Vor allem das Abgabesystem und dessen Transportkapazitäten sind betroffen. Die Verladeterminals von Epimetheus sind 25 Mal umkämpft. Sie werden dabei 8 Mal vollständig zerstört und jedes Mal wieder aufgebaut. Reparatur und Wiederaufbau der Infrastruktur im Saturnsystem wird im Lauf der Zeit weitgehend automatisiert. Den Großteil des Wiederaufbaus leisten solare Fraktionen als Abgabeersatzleistungen. Dafür wird ein wesentlicher Teil der Abgaben aufgewendet. Man vermutet, dass während der Zeit der Alien-Kriege 30% der Abgaben in die Wiederherstellung der Infrastruktur und damit in den interplanetaren Teil der solaren Wirtschaft fließen.
Die Bevölkerung der Planeten, besonders der Erde, nimmt das Geschehen nur durch die Nachrichten wahr. Während in planetaren Orbits immer wieder gekämpft wird, bleiben die Planetenoberflächen weitgehend verschont. Für die Menschen der Erde erscheinen Berichte über Explosionen, Zerstörungen und Verluste irgendwo im Sonnensystem wie Berichte über Tornados am anderen Ende der Welt. Die einzige Ausnahme ist eine Explosion im Südatlantik, die zu einem verheerenden Tsunami an der Küste Patagoniens führt und 140.000 Menschenleben kostet. Montevideo wird vollständig überflutet. Die Mündung des Rio del la Plata fokussiert die Fluten und lässt die Wasserwand bei Buenos Aires auf 30 Meter Höhe ansteigen. Bei Rio de Janeiro ist die Welle noch 10 Meter hoch. Alle Küsten Südamerikas sind stark verwüstet. Das historische Buenos Aires ist verschwunden. Man geht davon aus, dass es sich nicht um einen gezielten Schlag, sondern um einen Unfall handelt. Eine Trägerplattform, die sich mit 120 Kilometer pro Sekunde schnell der Erde näherte, geriet außer Kontrolle und stürzte auf die Erde. Der Tsunami wird ausgelöst durch die Kombination von 100 Megatonnen-Äquivalent kinetischem Einschlag und eine 250 Megatonnen Amat-Freisetzung nach Einschlussverlust.
Nach der Tsunami-Katastrophe am Neujahrstag 2601 kehrt für 8 Jahre Ruhe ein. Wie man später erfährt, wird die Erde bei allen Kampfhandlungen absichtlich ausgespart, um die imperiale Konvention zum Schutz von Völkern der Kategorie 19 nicht zu verletzen. Der Unfall im Südpazifik ist eine fahrlässige Übertretung imperialer Vorschriften. Die Menschen kennen weder das Interianische Imperium, noch Kisor als Regionalzentrum. Sie kennen nur die Artu-Domäne, die von sich behauptet, die regionale Macht zu sein. Aber die streitenden Parteien entstammen der interstellaren Zivilisation. Sie befolgen bei ihren Operationen im Solsystem meistens den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen. Eine laxe Auslegung der imperialen Bestimmungen lässt Diebstahl, Erpressung und Kollateralschäden in Systemen nichtregistrierter Völker innerhalb der Imperiumsgrenzen zu, solange "unbeteiligte Zivilisten weitgehend geschützt" werden. Aber der Südpazifik-Vorfall überschreitet eine rote Linie. Die Konfliktparteien befürchten eine Untersuchung durch kisorische Inspektoren bei der dann weitere Übertretungen auffallen würden. Denn die Etablierung der Artu-Domäne und des Tributsystems für das gesamte Solsystem einschließlich der Erde ist aus Sicht des Imperiums Amtsanmaßung. So einigen sich die Konfliktparteien auf ein Moratorium, die Suspendierung der Auseinandersetzungen und eine Aufteilung der Erträge des Abgabesystems. Den Menschen bleibt das alles verborgen.
Für die Menschen sind die Alien-Kriege wie eine Naturgewalt. Man kann sie nicht beeinflussen. Man versteht nicht was vorgeht. Sie kommen plötzlich und unvorhersehbar. Niemand weiß wann und wo Kämpfe der Aliens auftreten. Man versucht die Ereignisse mit statistischen Methoden zu erfassen um Gefahren vorherzusagen. Die besten Prognosen liefern selbstmodifizierende Modelle, die eine große Zahl kleiner Akteure mit schnell wechselnden Zusammenschlüssen repräsentieren. Die charakteristischen Zeiten der Modellfits sind 3 Wochen für Allianz und 4 Monate für Dominanz. Mit anderen Worten: es kämpfen viele kleine Fraktionen, die sich ständig verbünden und wieder hintergehen. Bündnisse halten nur 3 Wochen und siegreiche Bündnisse können ihre Überlegenheit 4 Monate aufrechterhalten, bevor das nächste Bündnis mit wechselnden Partnern die Hoheit übernimmt.
Viel später stellt sich heraus, dass die Modelle der Wahrheit ziemlich nahekamen. Clans von Artu kämpfen um die Machtposition im Solsystem. Der f96427 Clan etabliert die Artu-Domäne und kann sich einige Jahre behaupten. 2585 muss f96427.11 seinen Anspruch mit einem Zusammenschluss mehrerer Clans teilen (a5713). a5713 hat wechselnde Mitglieder (a5713.1-a5713.45), wehrt sich gegen a2003/f8563 und muss sich dann einer anderen Gruppe (a301) geschlagen geben. Danach beginnt eine 10-jährige Phase schneller Allianz- und Dominanzwechsel.
Die Geschehnisse werden später rekonstruiert durch Historiker von Artu. Den Menschen werden die Details erst bekannt durch die Veröffentlichung der Dokumentation "Barbaren von Sol" vom Media-Clan u54273 im Jahr 2826.
#Aliens #interplanetar #Konflikt
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2390 Pontus Mission: Forschungsexpedition zum neunten Planeten
Calixtos Kamikatsu an Bord der Gahara Sthaan IX auf dem Rückflug von Pontus, Planet 9, 2390, private Nachricht:
Hallo meine Liebe,
jetzt sind es nur noch 1000 AU bis nach Hause. Ein knappes Jahr. Pontus war der Wahnsinn. Wir sind alle noch ganz geflasht. Optisch war nicht viel. Tausend astronomische Einheiten von der Sonne entfernt muss man schon sehr genau hinsehen, um etwas zu erkennen. Aber im Infrarot haben wir alles in voller Schönheit gesehen. Drinnen im Sonnensystem sind Gasriesen mit dicken Atmosphären, Wolkenbändern und Stürmen. Hier draußen, so weit von der Sonne entfernt, ist nur Eis. Die ganze Atmosphäre ist gefroren. Pontus ist ein Eis-Riese.
Aber Pontus ist nicht einfach ein Eisklumpen. Es gibt Gebirge, Schluchten, Geröllfelder, sogar Sandwüsten mit Dünen aus feinen Eiskörnchen, wie Diamantstaub. Alles ist aus Eis, verschiedenes Eis. Wassereis ist bei diesen Temperaturen steinhart. Wassereis spielt hier die Rolle von Stein und Felsen. Es gibt Eis-Vulkane aus denen in der Vergangenheit ein Wasser-Ammoniak-Gemisch als Lava emporgeschleudert wurde.
Pontus hatte offensichtlich auch einmal Plattentektonik, die gewaltige Eisgebirge aufgeschoben hat. In den aktiven Phasen von Pontus gab es sogar Wetter, gewaltiges Wetter. Ammoniak-Regen hat tiefe Canyons aus den Wasser-Gebirgen ausgewaschen. Der Grand-Canyon kann sich darin verstecken. Das Valles Marineris auch. Und nicht zu vergessen, das Theia-Becken. Ein Krater größer als die Erde. Vor Urzeiten muss da ein marsgroßes Objekt reingekracht sein. Das war sicher ein kataklysmisches Ereignis. Es hat den ganzen Planeten zum Schmelzen gebracht. Danach war der Planet Millionen Jahre lang aktiv. Mit Vulkanismus, Plattentektonik, Wetter, Regen, Flüssen, Meeren. Das war die Zeit in der all das entstanden ist, was wir heute sehen. Von den Gebirgsketten und den Vulkanen bis zu den Wassereis-Sandkörnern an den Stränden der Ammoniak-Meere.
Und dann natürlich die Skulpturen. Wo Eis aus dem Boden austritt, friert es in allen möglichen Formen. Es gibt fast geometrische Kegel, die innen einen Wasserkanal haben und darum herum immer weiter gewachsen sind. Es gibt schlanke Säulen, ganze Felder von Eissäulen, wie von den alten Griechen hingestellt. Und Figuren und Skulpturen, unendlich viele Formen. Manche sind weiß wie Schnee durch feine Luftbläschen. Viele sind durchsichtig, die einen glasklar, andere mit regelmäßigen Mustern. Es gibt die Spires, hunderte Meter hohe Säulen wie aus Glas und kristallblaue Eisvorhänge, aufgespannt zwischen anderen Skulpturen. All das ist jetzt erstarrt. Wie plötzlich eingefroren, mitten in der Bewegung. Aber wunderschön.
Ich mach' mich jetzt wieder an die Auswertung. Bis bald. ENDE.
--
Calixtos Kamikatsu an Bord der Gahara Sthaan IX, 999 AU von Sol, 3 Monate nach der Havarie, private Nachricht:
Hi Schätzchen,
schlechte Nachrichten. Anne bekommt den Antrieb nicht zum Laufen. Sie sagt, wir hatten ziemliches Glück. Wir wussten alle, dass die Sache riskant ist. Aber die Materiedichte hier draußen ist so gering, das man nicht wirklich damit rechnet was zu treffen. Naja, getroffen haben wir ja auch nicht. Eher es uns. Muss ein ordentlicher Asteroid gewesen sein. Bei voller Fahrt reichen schon 2 Millionen Kilometer "Nähe", damit sein Gravitationsfeld unseren Antrieb beschädigt, wenn er unter Last läuft.
Anne sagt, ich zitiere: "auf ganzen 0,2 Tau ist die Fraktalität der Konverter unter 4,8 im Median, soweit Susi das messen kann" Susi ist unsere Engineering-KI. Kauderwelsch. Ich hab's gejeeved. Die Konverterpole sind Fraktale. Sie müssen möglichst fein sein, bis runter auf Nanometer. Ideal wäre ein Wert von 3 als fraktale Dimension. Aber das ist nur theoretisch. Man versucht so nahe wie möglich da ranzukommen, also 3 minus ein kleines bisschen, z.B. zehn hoch minus 4,8 bei uns. Ist die Zahl kleiner, dann ist der Abstand zur 3 größer und der Lévy-Effekt bricht zusammen. Da war dann noch was mit virtuellen Teilchen, negativer Energie, Quantenverletzung, Mesonen, und so weiter.
Jedenfalls, als wir an dem Asteroiden vorbei sind, hat es diese feinen Verästelungen verzogen. Sie klumpen zusammen. Mit anderen Worten: die Konverterpole sind Matsch. Das können wir hier nicht fixen. Wir haben zwar Fabs für alles was wir als Mechs so brauchen, aber an den Konvertern haben die Bush-Robots von Majumdar Abhiyaantrikk angeblich 2 Jahre rum-assembliert.
Ich melde mich bald wieder. ENDE.
--
Calixtos Kamikatsu an Bord der Gahara Sthaan IX, 999 AU von Sol, 2390, 4 Monate nach der Havarie, private Nachricht:
Hallo ihr drei,
die meisten Daten sind jetzt ausgewertet. Der Antrieb geht immer noch nicht. Anscheinend gibt es keine Kapazitäten für eine Rettungsmission. Verständlich, dieser Flug war teuer genug. Und für eine Info-Evakuierung reicht die Bandbreite bei weitem nicht. Wir sitzen hier fest.
Euer Papa wird sich verspäten. Fragt Mama. Ich umarme euch.
Nur für Mama:
Wir müssen hier abschalten. Der Antrieb ist auch verstrahlt. Anne sagt, das passiert oft bei Konverter-Unfällen. Die Strahlung stört den Reaktor. Wir laufen schon auf Reserve. Jeeves, Susi und die anderen KIs sind schon aus. Auch unsere Mech-Hüllen sind stillgelegt. Nur die HICs (Human Infomorph Cores) laufen noch. Wir sind schon im V-Hab. Wir gehen jetzt in den Winterschlaf. Nur ein Automat für den Annäherungssensor bleibt an. Wir werden nichts merken. Die Zeit vergeht wie im Flug. Für uns. Tut mir leid. Ich küsse dich. ENDE.
--
Gahara Sthaan IX, 999 AU von Sol, 2427, Log:
...5:33:21.042 Passive Radar: Signal: Quelle: Entfernung 1,3e7 km
...5:33:22.314 Controller: Sende Kennung via: ComLaser
...5:33:22.316 Controller: Aktiviere HIC: Kapitän: Rashid Agarwal
...5:34:59.271 ComLaser: Nachricht: Wir haben Euch. ENDE.
#Wissenschaft #interplanetar #Raumschiff #Überlicht
http://jmp1.de/h2390
Hallo meine Liebe,
jetzt sind es nur noch 1000 AU bis nach Hause. Ein knappes Jahr. Pontus war der Wahnsinn. Wir sind alle noch ganz geflasht. Optisch war nicht viel. Tausend astronomische Einheiten von der Sonne entfernt muss man schon sehr genau hinsehen, um etwas zu erkennen. Aber im Infrarot haben wir alles in voller Schönheit gesehen. Drinnen im Sonnensystem sind Gasriesen mit dicken Atmosphären, Wolkenbändern und Stürmen. Hier draußen, so weit von der Sonne entfernt, ist nur Eis. Die ganze Atmosphäre ist gefroren. Pontus ist ein Eis-Riese.
Aber Pontus ist nicht einfach ein Eisklumpen. Es gibt Gebirge, Schluchten, Geröllfelder, sogar Sandwüsten mit Dünen aus feinen Eiskörnchen, wie Diamantstaub. Alles ist aus Eis, verschiedenes Eis. Wassereis ist bei diesen Temperaturen steinhart. Wassereis spielt hier die Rolle von Stein und Felsen. Es gibt Eis-Vulkane aus denen in der Vergangenheit ein Wasser-Ammoniak-Gemisch als Lava emporgeschleudert wurde.
Pontus hatte offensichtlich auch einmal Plattentektonik, die gewaltige Eisgebirge aufgeschoben hat. In den aktiven Phasen von Pontus gab es sogar Wetter, gewaltiges Wetter. Ammoniak-Regen hat tiefe Canyons aus den Wasser-Gebirgen ausgewaschen. Der Grand-Canyon kann sich darin verstecken. Das Valles Marineris auch. Und nicht zu vergessen, das Theia-Becken. Ein Krater größer als die Erde. Vor Urzeiten muss da ein marsgroßes Objekt reingekracht sein. Das war sicher ein kataklysmisches Ereignis. Es hat den ganzen Planeten zum Schmelzen gebracht. Danach war der Planet Millionen Jahre lang aktiv. Mit Vulkanismus, Plattentektonik, Wetter, Regen, Flüssen, Meeren. Das war die Zeit in der all das entstanden ist, was wir heute sehen. Von den Gebirgsketten und den Vulkanen bis zu den Wassereis-Sandkörnern an den Stränden der Ammoniak-Meere.
Und dann natürlich die Skulpturen. Wo Eis aus dem Boden austritt, friert es in allen möglichen Formen. Es gibt fast geometrische Kegel, die innen einen Wasserkanal haben und darum herum immer weiter gewachsen sind. Es gibt schlanke Säulen, ganze Felder von Eissäulen, wie von den alten Griechen hingestellt. Und Figuren und Skulpturen, unendlich viele Formen. Manche sind weiß wie Schnee durch feine Luftbläschen. Viele sind durchsichtig, die einen glasklar, andere mit regelmäßigen Mustern. Es gibt die Spires, hunderte Meter hohe Säulen wie aus Glas und kristallblaue Eisvorhänge, aufgespannt zwischen anderen Skulpturen. All das ist jetzt erstarrt. Wie plötzlich eingefroren, mitten in der Bewegung. Aber wunderschön.
Ich mach' mich jetzt wieder an die Auswertung. Bis bald. ENDE.
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Calixtos Kamikatsu an Bord der Gahara Sthaan IX, 999 AU von Sol, 3 Monate nach der Havarie, private Nachricht:
Hi Schätzchen,
schlechte Nachrichten. Anne bekommt den Antrieb nicht zum Laufen. Sie sagt, wir hatten ziemliches Glück. Wir wussten alle, dass die Sache riskant ist. Aber die Materiedichte hier draußen ist so gering, das man nicht wirklich damit rechnet was zu treffen. Naja, getroffen haben wir ja auch nicht. Eher es uns. Muss ein ordentlicher Asteroid gewesen sein. Bei voller Fahrt reichen schon 2 Millionen Kilometer "Nähe", damit sein Gravitationsfeld unseren Antrieb beschädigt, wenn er unter Last läuft.
Anne sagt, ich zitiere: "auf ganzen 0,2 Tau ist die Fraktalität der Konverter unter 4,8 im Median, soweit Susi das messen kann" Susi ist unsere Engineering-KI. Kauderwelsch. Ich hab's gejeeved. Die Konverterpole sind Fraktale. Sie müssen möglichst fein sein, bis runter auf Nanometer. Ideal wäre ein Wert von 3 als fraktale Dimension. Aber das ist nur theoretisch. Man versucht so nahe wie möglich da ranzukommen, also 3 minus ein kleines bisschen, z.B. zehn hoch minus 4,8 bei uns. Ist die Zahl kleiner, dann ist der Abstand zur 3 größer und der Lévy-Effekt bricht zusammen. Da war dann noch was mit virtuellen Teilchen, negativer Energie, Quantenverletzung, Mesonen, und so weiter.
Jedenfalls, als wir an dem Asteroiden vorbei sind, hat es diese feinen Verästelungen verzogen. Sie klumpen zusammen. Mit anderen Worten: die Konverterpole sind Matsch. Das können wir hier nicht fixen. Wir haben zwar Fabs für alles was wir als Mechs so brauchen, aber an den Konvertern haben die Bush-Robots von Majumdar Abhiyaantrikk angeblich 2 Jahre rum-assembliert.
Ich melde mich bald wieder. ENDE.
--
Calixtos Kamikatsu an Bord der Gahara Sthaan IX, 999 AU von Sol, 2390, 4 Monate nach der Havarie, private Nachricht:
Hallo ihr drei,
die meisten Daten sind jetzt ausgewertet. Der Antrieb geht immer noch nicht. Anscheinend gibt es keine Kapazitäten für eine Rettungsmission. Verständlich, dieser Flug war teuer genug. Und für eine Info-Evakuierung reicht die Bandbreite bei weitem nicht. Wir sitzen hier fest.
Euer Papa wird sich verspäten. Fragt Mama. Ich umarme euch.
Nur für Mama:
Wir müssen hier abschalten. Der Antrieb ist auch verstrahlt. Anne sagt, das passiert oft bei Konverter-Unfällen. Die Strahlung stört den Reaktor. Wir laufen schon auf Reserve. Jeeves, Susi und die anderen KIs sind schon aus. Auch unsere Mech-Hüllen sind stillgelegt. Nur die HICs (Human Infomorph Cores) laufen noch. Wir sind schon im V-Hab. Wir gehen jetzt in den Winterschlaf. Nur ein Automat für den Annäherungssensor bleibt an. Wir werden nichts merken. Die Zeit vergeht wie im Flug. Für uns. Tut mir leid. Ich küsse dich. ENDE.
--
Gahara Sthaan IX, 999 AU von Sol, 2427, Log:
...5:33:21.042 Passive Radar: Signal: Quelle: Entfernung 1,3e7 km
...5:33:22.314 Controller: Sende Kennung via: ComLaser
...5:33:22.316 Controller: Aktiviere HIC: Kapitän: Rashid Agarwal
...5:34:59.271 ComLaser: Nachricht: Wir haben Euch. ENDE.
#Wissenschaft #interplanetar #Raumschiff #Überlicht
http://jmp1.de/h2390
2466 Die Dimitris Tatsopoulos verlässt das Sonnensystem als erstes Auswandererschiff mit Überlichtantrieb.
Ziel ist Luhman 16 in 6 1/2 Lichtjahren Entfernung. Der Flug dauert 35 Jahre. Luhman 16 ist ein System von brauen Zwergen mit mehreren Planeten und Monden. Die Auswanderer sind Survivalisten. Sie befürchten, dass die solare Zivilisation dem Untergang geweiht ist, sobald sie sich anderen Zivilisationen öffnet. Die Survivalisten steuern mit Luhman 16 absichtlich ein unattraktives System ohne bewohnbare Planeten an.
Die Besatzung besteht vollständig aus Uploads in Mechs, kybernetischen Androiden und klassischen Roboter in allen möglichen Formen und Funktionen. Die Mechs sind nicht auf bewohnbare Planeten angewiesen. Sie planen mit der mitgebrachten Ausrüstung Bodenschätze von den Monden des Systems zu extrahieren und eine interplanetare Zivilisation aufzubauen. Dafür führen sie Autofabs mit und eine große Bibliothek von Designs.
Die Dimitris Tatsopoulos fliegt effektiv mit einem Viertel der Lichtgeschwindigkeit. Der Stand der Technik ist 5-mal schneller als die Reisegeschwindigkeit der Dimitris Tatsopoulos. Aber moderne Antriebe können die theoretisch mögliche Maximalgeschwindigkeit nur für kurze Zeit aufrechterhalten. Bei hoher Geschwindigkeit sind die Antriebe sehr fehleranfällig. Überlichttriebwerke sind komplexe und fragile Maschinen. Sie operieren mit hohen Leistungsdichten an der Grenze des technisch Machbaren im Bereich der Energieversorgung, der Raummodulation und bei der Abstimmung der Gerätegeometrie mit Sub-Nanometer Toleranzen. Fliegt man nicht mit der theoretischen Maximalgeschwindigkeit, sondern deutlich langsamer, dann sind die Antriebe weniger belastet und laufen wesentlich länger.
Der Antrieb der Dimitris Tatsopoulos ist optimiert für die geplante Reisegeschwindigkeit. Überlichtantriebe, die 1/4 der Lichtgeschwindigkeit leisten, wie der der Dimitris Tatsopoulos, gibt es schon seit 25 Jahren. Aber erst jetzt ist die Technik so weit fortgeschritten, dass der Antrieb sehr lang durchgehend laufen kann. Die Besatzung der Dimitris Tatsopoulos hat die Hoffnung, den ÜL-Antrieb über Jahrzehnte funktionsfähig halten zu können. Das Schiff führt großen Mengen an Ersatzteilen und Fabinput mit, um den Antrieb bei Bedarf zu reparieren.
http://jmp1.de/h/2466
#interstellar #Auswanderer #Survival #Mech #Upload #Android
Die Besatzung besteht vollständig aus Uploads in Mechs, kybernetischen Androiden und klassischen Roboter in allen möglichen Formen und Funktionen. Die Mechs sind nicht auf bewohnbare Planeten angewiesen. Sie planen mit der mitgebrachten Ausrüstung Bodenschätze von den Monden des Systems zu extrahieren und eine interplanetare Zivilisation aufzubauen. Dafür führen sie Autofabs mit und eine große Bibliothek von Designs.
Die Dimitris Tatsopoulos fliegt effektiv mit einem Viertel der Lichtgeschwindigkeit. Der Stand der Technik ist 5-mal schneller als die Reisegeschwindigkeit der Dimitris Tatsopoulos. Aber moderne Antriebe können die theoretisch mögliche Maximalgeschwindigkeit nur für kurze Zeit aufrechterhalten. Bei hoher Geschwindigkeit sind die Antriebe sehr fehleranfällig. Überlichttriebwerke sind komplexe und fragile Maschinen. Sie operieren mit hohen Leistungsdichten an der Grenze des technisch Machbaren im Bereich der Energieversorgung, der Raummodulation und bei der Abstimmung der Gerätegeometrie mit Sub-Nanometer Toleranzen. Fliegt man nicht mit der theoretischen Maximalgeschwindigkeit, sondern deutlich langsamer, dann sind die Antriebe weniger belastet und laufen wesentlich länger.
Der Antrieb der Dimitris Tatsopoulos ist optimiert für die geplante Reisegeschwindigkeit. Überlichtantriebe, die 1/4 der Lichtgeschwindigkeit leisten, wie der der Dimitris Tatsopoulos, gibt es schon seit 25 Jahren. Aber erst jetzt ist die Technik so weit fortgeschritten, dass der Antrieb sehr lang durchgehend laufen kann. Die Besatzung der Dimitris Tatsopoulos hat die Hoffnung, den ÜL-Antrieb über Jahrzehnte funktionsfähig halten zu können. Das Schiff führt großen Mengen an Ersatzteilen und Fabinput mit, um den Antrieb bei Bedarf zu reparieren.
http://jmp1.de/h/2466
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