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2587 Zeit der Alien-Kriege

Der Saturn Mond Epimetheus, Hauptsitz der Art-Domäne im Solsystem, wird angegriffen. Die Menschen beobachten kinetische Angriffe, Explosionen und Schwärme von Mechs. Es ist nicht zu erkennen ist ob es sich um Drohnen, Bots oder Shells handelt. Wer dort gegen wen kämpft ist unklar. Offensichtlich bekämpft die Artu-Domäne andere Aliens. Aber ob es sich um interne oder externe Feinde handelt ist unbekannt. Soweit die Menschen wissen, ist die Artu-Domäne die dominierende Macht der lokalen interstellaren Umgebung. Aber anscheinend ist sie nicht unangefochten. Die Menschen des Sonnensystems sind nur Zuschauer. Manchmal geraten auch Menschen, deren Fahrzeuge und Siedlungen zwischen die Fronten. Die unbekannten Kontrahenten nehmen keine Rücksicht. Die Kämpfe ziehen sich mit unterschiedlicher Intensität insgesamt über 25 Jahre.

Aus dem interstellaren Raum kommen Schiffe mit hoher Geschwindigkeit in das Saturnsystem. Sie transportieren Pods mit überdimensionierten Triebwerken. Die Pods bremsen scharf innerhalb von wenigen Stunden zu einem Zero-Intercept mit Epimetheus und entladen Drohnenschwärme. Sie greifen Epimetheus an. Von anderen kleinen Saturnmonden greifen weitere militärische Kräfte ein. Die Kämpfe umfassen bald das ganze Saturn-Ringsystem. Angreifer und Verteidiger setzen High-Tech Waffen ein mit Leistungsparametern weit jenseits dessen was die solare Menschheit herstellen kann.

Die erste Welle der Kämpfe dauert einige Wochen. Dann kehrt Ruhe ein. Die Artu-Domäne ordnet den Wiederaufbau der beschädigten Einrichtungen an. Wenige Monate später treffen neue Kräfte ein und die Kämpfe beginnen wieder. Die beteiligten Fraktionen sind nicht zu unterscheiden. Es gibt keine Kennzeichnungen und alle Parteien verwenden eine ähnliche Technik. Immer wieder flammen Kämpfe auf. Die Infrastruktur des Abgabesystems um Saturn wird schwer in Mitleidenschaft gezogen. Es scheint um die Kontrolle des Abgabesystems zu gehen.

Solaren Nachrichtenagenturen berichten ausführlich über die Ereignisse. Das ist sehr gefährlich, da sich die Kämpfe oft plötzlich ausweiten. Häufig geraten Beobachtungsschiffe und Drohnen der Nachrichtendienste zwischen die Fronten, die sich sehr schnell verschieben. Die kämpfenden Parteien nehmen keine Rücksicht auf unbeteiligte solare Fahrzeuge und Einrichtungen. Die interplanetare Wirtschaft ist immer wieder von den Auswirkungen, d.h. von Zerstörungen, betroffen. Die Hälfte der interplanetaren Bevölkerung findet sich irgendwann im Verlauf der Alien-Kriege im Bereich von Kampfhandlungen. Es gibt insgesamt ca. 30 Millionen Verluste unter den Bios und Uploads der solaren Menschheit, davon aber nur 1,5 Millionen final.

Mehrmals besetzen fremde Kräfte solare Anlagen, Frachtterminals, orbitale Rohstofflager und industrielle Fab-Arrays. Die Besatzungstruppen sind nicht zu identifizieren. Widerstand solarer Einheiten ist zwecklos. Manchmal ziehen die fremden Kräfte plötzlich wieder ab. Manchmal werden sie angegriffen und verteidigen sich. Die fremden Truppen sind bemannte Mikroeinheiten, Mechs und Drohnen. Aufgrund von Analysen des taktischen Verhaltens und der Kommunikationsmuster vermutet man, dass das Kommando von Biosophonten in Mikroeinheiten ausgeht. Die taktischen Einsatzkräfte sind halbautonome Drohnen, die von Mechs mit Upload-Besatzung ferngesteuert werden. Biosophonten treten fast nie in Erscheinung. Bemannte Kommandoeinheiten, Mechs und Drohnen ähneln sich äußerlich sehr. Man kann sie aber manchmal durch ihre Leistungsparameter und ihr Verhalten unterscheiden.

Im Lauf der nächsten 13 Jahre werden auch immer wieder solare Einrichtungen beschädigt und zerstört. Vor allem das Abgabesystem und dessen Transportkapazitäten sind betroffen. Die Verladeterminals von Epimetheus sind 25 Mal umkämpft. Sie werden dabei 8 Mal vollständig zerstört und jedes Mal wieder aufgebaut. Reparatur und Wiederaufbau der Infrastruktur im Saturnsystem wird im Lauf der Zeit weitgehend automatisiert. Den Großteil des Wiederaufbaus leisten solare Fraktionen als Abgabeersatzleistungen. Dafür wird ein wesentlicher Teil der Abgaben aufgewendet. Man vermutet, dass während der Zeit der Alien-Kriege 30% der Abgaben in die Wiederherstellung der Infrastruktur und damit in den interplanetaren Teil der solaren Wirtschaft fließen.

Die Bevölkerung der Planeten, besonders der Erde, nimmt das Geschehen nur durch die Nachrichten wahr. Während in planetaren Orbits immer wieder gekämpft wird, bleiben die Planetenoberflächen weitgehend verschont. Für die Menschen der Erde erscheinen Berichte über Explosionen, Zerstörungen und Verluste irgendwo im Sonnensystem wie Berichte über Tornados am anderen Ende der Welt. Die einzige Ausnahme ist eine Explosion im Südatlantik, die zu einem verheerenden Tsunami an der Küste Patagoniens führt und 140.000 Menschenleben kostet. Montevideo wird vollständig überflutet. Die Mündung des Rio del la Plata fokussiert die Fluten und lässt die Wasserwand bei Buenos Aires auf 30 Meter Höhe ansteigen. Bei Rio de Janeiro ist die Welle noch 10 Meter hoch. Alle Küsten Südamerikas sind stark verwüstet. Das historische Buenos Aires ist verschwunden. Man geht davon aus, dass es sich nicht um einen gezielten Schlag, sondern um einen Unfall handelt. Eine Trägerplattform, die sich mit 120 Kilometer pro Sekunde schnell der Erde näherte, geriet außer Kontrolle und stürzte auf die Erde. Der Tsunami wird ausgelöst durch die Kombination von 100 Megatonnen-Äquivalent kinetischem Einschlag und eine 250 Megatonnen Amat-Freisetzung nach Einschlussverlust.

Nach der Tsunami-Katastrophe am Neujahrstag 2601 kehrt für 8 Jahre Ruhe ein. Wie man später erfährt, wird die Erde bei allen Kampfhandlungen absichtlich ausgespart, um die imperiale Konvention zum Schutz von Völkern der Kategorie 19 nicht zu verletzen. Der Unfall im Südpazifik ist eine fahrlässige Übertretung imperialer Vorschriften. Die Menschen kennen weder das Interianische Imperium, noch Kisor als Regionalzentrum. Sie kennen nur die Artu-Domäne, die von sich behauptet, die regionale Macht zu sein. Aber die streitenden Parteien entstammen der interstellaren Zivilisation. Sie befolgen bei ihren Operationen im Solsystem meistens den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen. Eine laxe Auslegung der imperialen Bestimmungen lässt Diebstahl, Erpressung und Kollateralschäden in Systemen nichtregistrierter Völker innerhalb der Imperiumsgrenzen zu, solange "unbeteiligte Zivilisten weitgehend geschützt" werden. Aber der Südpazifik-Vorfall überschreitet eine rote Linie. Die Konfliktparteien befürchten eine Untersuchung durch kisorische Inspektoren bei der dann weitere Übertretungen auffallen würden. Denn die Etablierung der Artu-Domäne und des Tributsystems für das gesamte Solsystem einschließlich der Erde ist aus Sicht des Imperiums Amtsanmaßung. So einigen sich die Konfliktparteien auf ein Moratorium, die Suspendierung der Auseinandersetzungen und eine Aufteilung der Erträge des Abgabesystems. Den Menschen bleibt das alles verborgen.

Für die Menschen sind die Alien-Kriege wie eine Naturgewalt. Man kann sie nicht beeinflussen. Man versteht nicht was vorgeht. Sie kommen plötzlich und unvorhersehbar. Niemand weiß wann und wo Kämpfe der Aliens auftreten. Man versucht die Ereignisse mit statistischen Methoden zu erfassen um Gefahren vorherzusagen. Die besten Prognosen liefern selbstmodifizierende Modelle, die eine große Zahl kleiner Akteure mit schnell wechselnden Zusammenschlüssen repräsentieren. Die charakteristischen Zeiten der Modellfits sind 3 Wochen für Allianz und 4 Monate für Dominanz. Mit anderen Worten: es kämpfen viele kleine Fraktionen, die sich ständig verbünden und wieder hintergehen. Bündnisse halten nur 3 Wochen und siegreiche Bündnisse können ihre Überlegenheit 4 Monate aufrechterhalten, bevor das nächste Bündnis mit wechselnden Partnern die Hoheit übernimmt.

Viel später stellt sich heraus, dass die Modelle der Wahrheit ziemlich nahekamen. Clans von Artu kämpfen um die Machtposition im Solsystem. Der f96427 Clan etabliert die Artu-Domäne und kann sich einige Jahre behaupten. 2585 muss f96427.11 seinen Anspruch mit einem Zusammenschluss mehrerer Clans teilen (a5713). a5713 hat wechselnde Mitglieder (a5713.1-a5713.45), wehrt sich gegen a2003/f8563 und muss sich dann einer anderen Gruppe (a301) geschlagen geben. Danach beginnt eine 10-jährige Phase schneller Allianz- und Dominanzwechsel.

Die Geschehnisse werden später rekonstruiert durch Historiker von Artu. Den Menschen werden die Details erst bekannt durch die Veröffentlichung der Dokumentation "Barbaren von Sol" vom Media-Clan u54273 im Jahr 2826.

#Aliens #interplanetar #Konflikt

http://jmp1.de/h2587

2940 "White Noise" Philosophie von Reysalax

Reysalax ist der "Weise von Sol", der strategische Berater des dellianischen Fremdherrschers im Sonnensystem. Die White Noise These (weißes Rauschen) erklärt die Fragmentierung der interstellaren Zivilisation zum Idealzustand. Die Statistik zeigt, dass große Imperien die Ausnahme sind. Sogar in weitentwickelten und wohlhabenden Gesellschaften gibt es territoriale Fragmentierung, wie zuletzt im Solsystem. Nur deshalb konnte es von Neobarbaren erobert werden.

Selbst der Einfluss der solaren Koalition reichte nicht weit über die Erde hinaus. Und nicht nur im Solsystem gab es viele unabhängige territoriale Souveränitäten. Sowohl das Thoris-System, als auch Artu mit seinen Millionen souveränen Clans, sind gute Beispiele für die Zersplitterung selbst hochstehender Zivilisationen. Das gilt umso mehr für gesellschaftlich und technisch weniger entwickelte Völker. Zu jedem Zeitpunkt leben die meisten intelligenten Wesen in kleinen Machtstrukturen, in souveränen planetaren Regionen und unabhängigen Habitaten. Zwar versuchen wohlhabende Völker immer wieder größere Machtbereiche herauszubilden und zu stabilisieren. Aus deren Sicht ist die Fragmentierung ein Interregnum. Aber insgesamt gesehen scheint das Interregnum – ohne die ordnende Hand eines großen Imperiums – eher der Regelfall zu sein, als die Ausnahme.

Das Zurückweichen des interianischen Imperiums lässt in den Randgebieten viele kontaktierte Völker führungslos zurück. Einigen fällt interianische Technologie in die Hände. Zusätzlich versorgen die ehemaligen Sklaven Gormans ihre Heimatvölker mit Technologie. Dadurch entsteht eine Welle gut ausgerüsteter Völker und Gruppen, die – aus Sicht der etablierten Gesellschaften – sozial und politisch unerfahren sind. Zumindest haben sie sehr unterschiedliche Denkweisen und ethische Standards. Teilweise ist das biologisch bedingt. Es gibt viele verschiedene Arten von Intelligenz, verschiedene Arten Information zu verarbeiten und in konkrete Handlungen umzusetzen. Alle diese Völker haben sich auf ihren Planeten evolutionär entwickelt. Deshalb sind ihre Denkweisen offensichtlich zielführend und richtig. Aber manche hätten wohl nie selbst den Sprung in eine interstellare Zivilisation geschafft. Diese Gruppen drängen nun vor allem aus den sogenannten Badlands in die ehemalige interianische Sphäre. Die Pax Interiana endet.

Die White Noise Doktrin entsteht auf dem Höhepunkt der post-interianischen Barbarenwelle. Sie bildet das theoretische Fundament für die Auseinandersetzung zwischen dem statischen Prinzip imperialer Macht und der Dynamik wechselnder lokaler Herrschaftsansprüche. White Noise negiert den Gegensatz zwischen großen ordnenden Machtstrukturen und dem Durcheinander von kleinen Herrschaftsgebilden. Nach White Noise existiert ein Kontinuum, das von kleinen Einheiten dominiert wird und große Machtbereiche nur als statistische Ausnahme zulässt.

Ein wichtiger Aspekt von White Noise ist die Drehung im gut/böse-wir/ihr Koordinatensystem. Das Fehlen von Ordnung wird positiv belegt während die Folgen imperialer Macht als negativ angesehen werden. Ordnung bedeutet nicht Frieden, sondern Zwang. Die Abwesenheit von Ordnung bedeutet nicht Chaos, sondern Freiheit. Damit verbunden ist natürlich das Recht und die Freiheit des Stärkeren. Es gibt Einflüsse von Sozialdarwinismus, der natürlichen Selektion starker Gesellschaften, wobei sich dies aber primär auf Gesellschaften und Soziologie bezieht und nicht auf Völker und unterschiedliche Biologie.

Die Begriffe Individualismus und Autonomie sind teilweise kompatibel mit solaren Ideologien, die dem Individuum den Vorrang geben vor der Gesellschaft und dem Staat. Beispiele sind die Menschenrechte der westlichen Ideologie des ausgehenden zweiten Jahrtausends, die Subsidiarität in der Yksityis-Philosophie und die "Rechte und Pflichten der Gemeinschaft und des Individuums" des kisorischen Alturismus.

Im Fall von White Noise fehlt allerdings der Schutz des Individuums durch die Gemeinschaft vor Übergriffen anderer. Eine gewisse Ordnung ist aber nötig zur Aufrechterhaltung einer technischen Infrastruktur und für mäßigen Wohlstand. Sicherheit entsteht nach White Noise durch persönliche Beziehungen, Vorteile und Abhängigkeiten. Letztlich bilden sich dabei feudale Strukturen.

Die White Noise Ideologie verbindet unterschiedliche Denkweisen. Auch Völker, die mit menschlicher oder kisorischer Moral nichts anfangen können, verstehen White Noise. Zumindest sind ihre Handlungen durch White Noise gedeckt. Sie können sich der Ideologie anschließen, ohne sich unterzuordnen.

#Philosophie #Macht #Recht

http://jmp1.de/h2940