Xiao Chu ist ein Verbund von Orbitalen und Torus-Gitter-Habitaten im Asteroidengürtel mit 30 Millionen Einwohnern. Durch geschicktes Agieren innerhalb der dellianischen Feudalstruktur konnte Xiao Chu sehr lange seine Unabhängigkeit bewahren. Aber im Jahr 2956 endet die Selbstverwaltung. Der Fremdherrscher des Solsystems vergibt Xiao Chu als Lehen an einen seiner Vasallen. Xiao Chu war die letzte unabhängige Territorialsouveränität im Solsystem.
Vor der Besetzung des Solsystems war Xiao Chu Marktführer im Bereich Wartung von Hightech-Infrastruktur und -Ausrüstung. Viele bei Xiao Chu ansässige Unternehmen hatten sich auf Fernwartung spezialisiert. Xiao Chu bot selbst nur wenige technische Produkte an. Seine Unternehmen waren vor allem Wartungs- und Betriebsdienstleister für technische Anlagen anderer Hersteller mit einem Fokus auf Hightech-/Highperformance-Systeme, wie:
- Synthesizer für nanostrukturierte Metamaterialien,
- massenspektrometrische Separatoren im Ressourcenabbau,
- massivparallele Molekularstrahldrucker,
- Kraftwerke mit fraktal induzierter Fusion,
- Wandler für energetische Leistungs-Hohlleiter,
- Assembler und Justierwerke für Konverterpole von Raumkrümmern,
- industrielle Präzisionsfabs,
- Hochenergie-Feldschirme für den Strahlenschutz,
- Ultrakapazitoren auf Basis von Kernladungsseparation
und viele andere.
Die modernen Technologien, die Xiao Chu für seine Kunden verwaltet, sind sehr komplex und störanfällig. Fast alle verwenden hohe Leistungsdichten, einige im Bereich von Terawatt pro Kubikmeter. Das produziert mechanischen Stress und Abwärmeprobleme. Trotzdem müssen die Geräte ihre räumliche Anordnung sehr genau einhalten um ihre Funktion zu erfüllen, manche auf Attometer-Dimensionen, dem Tausendstel eines Atomkerndurchmessers. Solche Anlagen bestehen außerdem aus vielen Komponenten, jede mit ihrem eigenen problematischen Störungsprofil. Die Summe der möglichen Fehlerquellen und die Gesamtwahrscheinlichkeit für Ausfälle von Einzelkomponenten führen dazu, dass moderne Hightech-Systeme eigentlich nicht dauerhaft laufen können. Erst spezielle Techniken aus den Bereich der Betriebswissenschaft (Operational Science, kurz: OpS) machen es möglich, diese Systeme profitabel zu betreiben.
Das Systemverhalten moderner Hardware ist sehr komplex. Oft ist es schon im chaotischen Bereich. Es ist quasi-chaotisch. Klassische Maßnahmen, die auf dem Prinzip von Analyse-Aktion-Wirkung basieren, funktionieren dann nicht. Nur durch sehr fortschrittliche Methoden wie präkognitives Wartungsmanagement und topologische Reduktion des chaotischen Phasenraumvolumens werden solche Systeme beherrschbar. Diese Techniken sind die Spezialität von Xiao Chu. Xiao Chu ist außerdem dafür bekannt, das Management quasi-chaotischer Systeme mit differentieller Leistungsoptimierung zu verbinden und mehr Nutzleistung herauszuholen.
Im Zuge der Machtübernahme, erst durch Leccianerhorden und dann endgültig durch Dellianerstämme, wurde die hochspezialisierte und vernetzte solare Wirtschaft empfindlich gestört. In dieser chaotischen Zeit verschwanden viele Firmen vom Markt. Lieferketten wurden unterbrochen und Dienstleister fielen aus. Das betraf auch Wartungsdienstleister, die quasi-chaotische Systeme managen konnten.
Die Technik des Solsystems lief während der Machtübernahme weiter. Die meisten technischen Anlagen werden durch KI-Systeme betrieben und instandgehalten. Auch KIs beherrschen die OpS Grundprinzipien und Standardverfahren für quasi-chaotische Systeme. Aber bei Hightech-Ausrüstung treten trotzdem immer wieder Situationen auf, wo das Spezialwissen der Hersteller gefragt ist. Das war die Domäne von Xiao Chu. Die Bewohner von Xiao Chu hatten sich darauf spezialisiert, als Outsourcing-Dienstleister im Auftrag der Originalhersteller Hightech-Systeme zu betreiben, zu warten und zu reparieren. Ein Großteil des Wissens um den Betrieb von Hightech-Ausrüstung und -Anlagen im mittleren System war bei Xiao Chu konzentriert. Zu diesem Zweck war Xiao Chu auch führend im Wissensmanagement, der Organisation von Know-how, der Speicherung, Anreicherung, Weitergabe und Inferenz.
Xiao Chu war beim Putsch der Leccianer nicht direkt betroffen. Sowohl Jupiter als auch Saturn standen damals auf der anderen Seite des Systems. Deshalb war der Schwerpunkt des Leccianer-Aufmarschs sehr weit weg. Auch später blieb der Habitat-Cluster unabhängig. Mit der Unabhängigkeit konnten die Spezialisten von Xiao Chu auch das Know-how bewahren. Die Konservierung von Wartungs- und Betriebswissen für technische Anlagen war die wesentliche Strategie der Xiao Chu-Führung. Das ging sogar so weit, dass Xiao Chu Kommandounternehmen durchführte, um Wissen von zusammenbrechenden Know-how-Trägern (Unternehmen, Personen, Datenbanken, KI) im ganzen System zu sichern.
Auch die neuen Herrscher mussten komplexe Technik betreiben. Die Beratungsunternehmen von Xiao Chu wurden zu wichtigen Dienstleistern der Fremdherrscher. Deshalb war Xiao Chu unverzichtbar, sowohl für den Lebensstandard der dellianischen Herrscher, als auch für ihre Kriege.
Der Dellianer Bilsass erkannte, dass gerade die Unabhängigkeit der Schlüssel zur Bewahrung des Know-hows war. Denn dieses Wissen liegt bei einzelnen Firmen, in ihren Datenbanken und bei Individuen, Menschen und Infosophonten. Essentiell ist auch das Beziehungsgeflecht zwischen den Wissensträgern. Diese Netzwerke werden organisiert durch die Beratungsfirmen von Xiao Chu. Bilsass ist bewusst, dass eine Störung der Strukturen zum Verlust von Xiao Chu als strategischer Ressource führen würde. Überall im Solsystem waren in der Folge der Machtübernahme Lieferketten zerbrochen, Märkte fragmentiert und Wissenscluster verschwunden. Diesen Fehler wollte Bilsass bei Xiao Chu vermeiden. Deshalb stellte er Xiao Chu unter seinen persönlichen Schutz.
Ein wichtiges Argument sind auch die hohen Gewinnausschüttungen direkt an Bilsass. Letztlich ist das ein zusätzlicher Geldstrom der anderen Beschützer an Bilsass. Dieser Nebeneffekt ist aber auch immer wieder ein Grund für Unzufriedenheit unter den anderen Beschützern. Das dellianische Feudalsystem ist keine absolute Herrschaft von oben herab, sondern ein empfindliches Gleichgewicht zwischen Rechten, Pflichten und Macht aller Beschützer. Viele der anderen Beschützer sind der Meinung, dass eine strategische Ressource wie Xiao Chu nicht automatisch dem Oberhaupt des Feudalsystems zufallen sollte. Wie alle Ressourcen sollte sie einem anderen Beschützer gehören, um nicht direkt die Macht von Bilsass zu stärken. Sie sehen in der direkten Kontrolle von Xiao Chu durch Bilsass ein Ungleichgewicht. Und natürlich gibt es einige, die selbst die Kontrolle erlangen wollen.
Immer wieder stand die Unabhängigkeit von Xiao Chu auf der Kippe. Mal konnte die Macht von Bilsass den Status quo bewahren, ein anderes Mal gezielte Einmalzahlungen oder Leistungen von Xiao Chu an einzelne Beschützer. Nicht nur die Marktposition und Bilsass schützen Xiao Chu, sondern auch das geschickte Spiel der Cluster-Führung im Feudalsystems. Der Vorsitzende des Cluster-Rats ist informell ein Beschützer in der dellianischen Hierarchie. Auch wenn er intern demokratisch legitimiert ist.
Als Beschützer ist er allerdings auch Ziel von Intrigen und Verschwörungen. Bisher hatte die Führung Xiao Chus diese Herausforderung gut gemeistert, aber im Jahr 2956 läuft sie in eine Falle. Xiao Chu wird das Opfer einer Verschwörung, die sich eigentlich gegen Bilsass richtet.
Wenige Monate zuvor hatte das Solsystem unter den Dellianern das Luhman 16 System in 6 1/2 Lichtjahren Entfernung angegriffen. Die dortige interplanetare Zivilisation hatte sich erfolgreich widersetzt und den Angriff abgewehrt. Die solaren Schiffe mussten sich unter schweren Verlusten zurückziehen.
Viele solare Beschützer waren dem Aufruf von Bilsass gefolgt und hatten Mittel oder Schiffe für die Invasionsflotte bereitgestellt. Viele hatten sich in der Hoffnung auf reiche Beute verschuldet. Aber der Feldzug lief nicht wie geplant. Es gab keine Beute, sondern nur Verluste. Entsprechend unzufrieden waren die Teilnehmer des Feldzuges.
Viele beteiligte Beschützer sehen in der schlechten Koordination der Angriffsflotten einen Grund für den Fehlschlag. Dieser Vorwurf geht an den Beschützer des Angriffs, einen direkten Vasallen von Bilsass und damit auch an Bilsass selbst.
Tatsächlich war die Mobilität einiger Flottenteile im Einsatzgebiet mangelhaft. Viele der schnellen Fronteinheiten hatten mit Triebwerksproblemen zu kämpfen und konnten deshalb nicht effizient an koordinierten Manövern teilnehmen. Der Grund war eine schlechte Abstimmung der Betriebsparameter an das Einsatzprofil. Dieser Vorwurf geht primär an Xiao Chu, denn Xiao Chu hatte den Generalauftrag für die Wartung der Triebwerke von überlichtfähigen Kampfeinheiten.
Die Einheiten hatten den finalen Hochgeschwindigkeitsanflug aus dem Aufmarschgebiet perfekt ausgeführt. Die ersten Angriffe auf vorgeschobene Verteidigungseinrichtungen liefen präzise und erfolgreich. Aber je länger die Kämpfe dauerten und je mehr die Angreifer auf Gegenwehr stießen, desto mehr Probleme traten bei den Antrieben auf. Bis schließlich die mobilen Kampfeinheiten als taktische Komponente praktisch ausfielen. Damit konnten sie die Sublicht-Trägerplattformen, die die Hauptlast des Angriffs trugen, nicht mehr schützen. Als dann immer mehr Träger von den hochmobilen Verteidigern neutralisiert wurden, mussten sich die Angreifer zurückziehen.
Die Einstellung der Überlichttriebwerke war tatsächlich ungeeignet für den Einsatz. Sie waren für ein anderes Einsatzprofil vorgesehen. Xiao Chu hatte mit dem falschen Einsatzprofil gearbeitet.
Die Vorbereitung der Überlichttriebwerke der Angriffsflotte war eine gewaltige Aufgabe. Xiao Chu hatte den Generalauftrag und nur wenige Monate Zeit. Zigtausend Triebwerke mussten analysiert, gewartet und eingestellt werden. Vieles davon ist automatisiert und standardisiert. Ein Mitarbeiter kann hunderte solcher Anlagen betreuen. Trotzdem mussten die Firmen von Xiao Chu dafür ihre zivilen Kunden lange Zeit vernachlässigen.
Der Auftrag an Xiao Chu kam von Deimarsax, dem Ausrüstungsveranwortlichen für die Überlicht-Kampfeinheiten und Beschützer der großen Werften auf dem Marsmond Deimos und im Marsorbit. Während der Vorbereitung des Feldzugs wurden verschiedene Angriffspläne ausgearbeitet. Jeder Plan mit spezialisierten Einsatzprofilen für alle Flottenteile.
Die Einsatzprofile für Überlicht-Kampfeinheiten unterschieden sich sehr, abhängig von der Rolle, die diese Einheiten spielen sollten. Xiao Chu benutzte für die Vorbereitung einen Plan in dem die Einheiten primär Hochgeschwindigkeitsangriffe durchführen sollten, um die statische Verteidigungsinfrastruktur auszuschalten. Dabei waren vor allem hohe Geschwindigkeiten bei längerer Laufzeit gefragt, ein sogenanntes Bombing-Profil. Tatsächlich dienten die schnellen Einheiten dann aber vor allem als mobiler Begleitschutz der Trägerplattformen. Sie waren für diesen Einsatzzweck angemessen bewaffnet, aber ihre Triebwerke waren nicht für viele kurze Manöver in Kämpfen mit anderen mobilen Einheiten vorgesehen (Dogfight-Profil).
Deimarsax hatte Xiao Chu den falschen Einsatzplan übermittelt. Er hatte damit absichtlich den Angriff sabotiert. Sein Ziel war, den Angriff scheitern zu lassen, um Bilsass, den Beschützer des Solsystems zu schwächen und gleichzeitig Xiao Chu zu diskreditieren. Deimarsax hatte selbst viel in diesen Feldzug investiert. Er hatte sich dafür verschuldet und dafür gesorgt, dass das öffentlich bekannt ist. Er verlangt nun Schadenersatz. Er hat die anderen geschädigten Beschützer auf seiner Seite. Bilsass ist in der Defensive und sucht nun einen gesichtswahrenden Ausweg.
Zwei Monate nach dem fehlgeschlagenen Angriff auf Luhman 16 gibt es einen Konflikt zwischen Vasallen von Deimarsax auf dem Mars-Ring. Es ist eine ganz normale Konkurrenz zwischen zwei Beschützern um Ressourcen und Territorien. Die Konflikte werden sowohl wirtschaftlich, als auch militärisch ausgetragen. Die übergeordneten Beschützer, die Lehensherren, lassen diese Konflikte zu, solange sie ihre Interessen nicht stören.
Im Verlauf des Konflikts versucht einer der Kontrahenten Druck auszuüben indem er die Kreditlinie der Firma Corebridge Energy (ebenfalls Mars-Ring) bei seiner Bank, First Vortex Holdings, kündigt. Corebridge ist ein Anbieter von Hochleistungskapazitoren. Die Firma musste für die Luhman 16 Kampagne sehr viele Schiffe ausrüsten. Wie Xiao Chu war auch Corebridge monatelang mit den Vorbereitungen für Luhman 16 beschäftigt. Unter den vielen Beschützern, die ihre Schiffe während den Angriffsvorbereitungen ausrüsten ließen, hatten einige nicht sofort für die Leistung bezahlt. Trotzdem musste Corebridge Energy die Aufträge ausführen, um nicht die Rüstungsanstrengungen zu gefährden und in Konflikt mit dem Beschützer des Solsystems zu geraten. Deshalb wurde für Corebridge eine gigantische Kreditlinie eingerichtet. Auch Monate nach dem fehlgeschlagenen Angriff stehen immer noch riesige Summen aus.
Corebridge Energy ist ein Tera-Player, einer der Marktführer in seiner Branche und Hochleistungsenergiespeicher sind kapitalintensive Produkte. Corebridge bewegt deshalb routinemäßig sehr große Werte. Aber die Außenstände seit der Luhman 16 Kampagne sind ohne eine solide abgesicherte Kreditlinie nicht tragbar. Die Kredite sind garantiert durch ein Konsortium von wohlhabenden Beschützern. Trotzdem bringt die Kündigung der Kredite Corebridge in Schwierigkeiten. In dieser Situation kündigt Deimarsax an, dass seine Werften den Auftrag für Schiffskapazitoren neu ausschreiben. Damit droht Corebridge seinen größten Kunden mit 20 % des Geschäfts zu verlieren. Andere Kunden zögern mit Anzahlungen. Mangels aktiver Kreditlinie meldet Corebridge Zahlungsschwierigkeiten. Der Cash-Flow bricht zusammen.
Mehrere Unternehmen von Xiao Chu sind Wartungsdienstleister für die Produkte von Corebridge Energy. Einige Großkunden dieser Unternehmen werden unruhig. Sie befürchten, dass es bei einem Zusammenbruch von Corebridge Schwierigkeiten mit Ersatzteillieferungen geben könnte. Einige verlangen von Xiao Chu, die Fab-Pläne zu sichern, darunter: Deimarsax. Xiao Chu holt von mehreren Beschützern auf dem Mars-Ring die Zustimmung für eine verdeckte Info-Extraktion ein.
Eine Woche später beauftragt Xiao Chu die am MaGNet (Mars Geostationary Network) ansässige Sicherheitsfirma Gra-Nun-Tek Security, das Know-how durch eine Info-Extraktion zu sichern. Xiao Chu schickt mehrere Mitarbeiter als Infosophonten per Laser zum Mars-Ring. Dabei sind Experten für die Corebridge Produkte, Infowar-Spezialisten und die Einsatzleitung. Der physische Zugriff soll durch Gra-Nun-Tek bereitgestellt werden, während Personal und KI von Xiao Chu die Daten lokalisieren und extrahieren. In der Vorbereitung gelingt es Gra-Nun-Tek, auf dem Schwarzmarkt einen Zugangscode für den Verwaltungsbereich von Corebridge Energy zu kaufen. Das ist nicht ungewöhnlich. Zu jeder Zeit sind viele Zugangscodes für physischen und Info-Zugriff verfügbar. Es erscheint wie eine glückliche Fügung, dass gerade ein passender Code für Corebridge Energy angeboten wird. Damit ist ein gewaltfreier Zugang möglich.
Am Tag der Info-Extraktion schaltet Gra-Nun-Tek die Sensoren im Eingangsbereich von Corebridge Energy auf einen Fakestream. Das Einsatzteam öffnet den Zugang zum Verwaltungsmodul mit dem eingekauften Code und betritt das Habitat Modul. Die Leute von Gra-Nun-Tek tragen leichte Stealth/Panzerung. Das Xiao Chu Personal ist in getarnten Mikromechs dabei, die von Gra-Nun-Tek bereitgestellt wurden. Das Team dringt weiter vor. Die Räumlichkeiten sind den Mitarbeitern von Xiao Chu gut bekannt. Sie identifizieren einen geschützten Netzknoten über den man in die Fab-Datenbank gelangen kann. Nur eine Titanplatte und 8 Stahlbolzen sind noch im Weg. Ein Hindernis, das man mit 8 Mikroschneidladungen einfach beseitigen kann. Das ist geräuschlos und erschütterungsfrei, da die Schneidladungen mit Kompensatoren ausgerüstet sind, die durch gesteuerte Mikroexplosionen alle mechanischen Effekte unterdrücken.
Die Ladungen werden angebracht und gezündet. Dann zerreißt eine Explosion von fünf Tonnen (TNT-Äquivalent) das Verwaltungsmodul von Corebridge und angrenzende Habitat-Module. Darunter befindet sich auch das Vertriebszentrum der Werften von Deimarsax. Es gibt insgesamt 1353 Opfer, davon 867 final. Auch das Einsatzteam wird komplett gewiped, allerdings nicht final.
Das Netz ist plötzlich voll von geheimen Details der Info-Extraktion von Xiao Chu und Gra-Nun-Tek. Xiao Chu trägt in der öffentlichen Meinung als Auftraggeber die Hauptschuld an der Katastrophe. Deimarsax verlangt Schadenersatz von Xiao Chu und damit von Bilsass. Er beklagt die Verantwortungslosigkeit der Menschen in Selbstverwaltung, ihre Inkompetenz bei der Durchführung der Geheimoperation und überhaupt die Tatsache, dass Menschen ohne Erlaubnis Geheimoperationen ausführen. Er fordert, Xiao Chu besser zu kontrollieren.
Bilsass, der seit der Kampagne gegen Luhman 16 angeschlagen ist, gibt schließlich dem Drängen nach. Er kann seine Autorität auf einen Schlag komplett wiederherstellen durch die Erneuerung des Abhängigkeitsverhältnisses mit dem Beschützer der Deimos-Werften. Deimarsax verpflichtet sich öffentlich zu bedingungsloser, kritikfreier Treue. Im Gegenzug erhält er Xiao Chu, um es als neues Lehen an einen seiner eigenen Vasallen zu vergeben.
Damit verliert nun auch Xiao Chu seine Unabhängigkeit.
Die wahren Hintergründe um die Übermittlung des falschen Einsatzprofils für Luhman 16 und die komplexen Details der Abstimmung von Raumkrümmern für Höchstleistungen in verschiedenen Einsatzprofilen werden nie bekannt.
Der Konflikt zwischen den zwei Beschützern am Mars-Ring im Zuge dessen First Vortex Holdings neue Kredite an Corebridge Energy verweigerte, war künstlich herbeigeführt.
Die Neuausschreibung des Schiffskapazitoren-Auftrags durch die Deimos-Werften, die Corebridge endgültig in Schieflage brachte, war schon lange geplant aber trotzdem kein Zufall.
Der günstige Umstand, dass der Zugangscode zum Corebridge-Modul auf dem freien Markt verfügbar war, erscheint rückwirkend in einem anderen Licht.
Die Tatsache, dass einige Mikroschneidladungen eigentlich nicht mehrere Habitat-Module zerstören können, geht im entstandenen Chaos unter.
Xiao Chu kann nicht belegen, dass vor dem Info-Extraktionseinsatz die notwendigen Einverständniserklärungen eingeholt wurden, weil der Datensatz verschwunden ist.
Bilsass vermutet, dass die Kette der Ereignisse absichtlich herbeigeführt wurde. Aber seine neue gefestigte Position ist alles was zählt.
#Industrie #Krieg #Hightech #Chaos #Verschwörung #Unfall
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3010 Wiederbesiedlung Kisors.
Knapp 80 Jahre nachdem die Kisor-Planeten durch kinetische Bombardierung ausgelöscht wurden, beginnen einige Kisori mit der Wiederbesiedlung der Heimatwelten. Die Planeten sind vollständig verwüstet und vereist. Der Neuanfang ist schwer. Viele Fraktionen, auch von außerhalb des Systems, sind an dem Projekt beteiligt. Sie haben ein gemeinsames Ziel: die Wiederbesiedlung. Aber gleichzeitig konkurrieren alle um die besten Plätze auf den neu gestalteten Planeten. Und manche wenden dabei auch offen oder verdeckt Gewalt an.
Kisor hatte traditionell sehr wenige interplanetare Siedlungen und interstellare Kolonien. Die Bevölkerung im Kisor-System konzentrierte sich auf die zwei Planeten. Nur zwei Prozent der Kisori lebte im interplanetaren Raum. Bei den meisten hochentwickelten Völkern ist ein großer Teil der Zivilisation interplanetar und die Bevölkerung lebt in künstlichen Habitaten. Auch Kisor hatte interplanetare Infrastruktur. Es gab Ressourceextraktion in den Asteroidengürteln und bei den Gasriesen, Energiegewinnung in sonnennahen Orbits, massive orbitale Fabriken und natürlich die gigantischen Frachtterminals der kisorischen Gilden. Aber ein Großteil der interplanetaren Infrastruktur war automatisiert. Der Automatisierungsgrad war höher als bei vergleichbaren Völkern.
Nur die Handelsgilden hatten einst signifikantes interplanetares und interstellar aktives Personal. Aber die große Zeit der Gilden endete um 2800 mit dem Niedergang des interstellaren Handels. Interstellare Außenposten waren zur Zeit der Gilden fast ausschließlich funktional organisiert. Die Kisori dort betrachteten sich als temporär abgeordnete Vertreter der Heimatwelten und nicht als Siedler. Dementsprechend gering war die Bevölkerung und sie nahm mit dem Rückgang des Handels immer weiter ab.
Es gibt ein paar alte ehemalige Kolonialsysteme aus der Zeit des goldenen Reiches. Aber deren Besiedlung ist 10.000 Jahren her und die Völker haben sich inzwischen weit auseinanderentwickelt. Diese ehemaligen Kolonien betrachten sich nicht als Kisori. Sie sind nicht interessiert an der Neubesiedlung von zwei unwirtlichen Planeten. Tatsächlich wundern sie sich eher über ihre entfernten Verwandten und deren Fixierung auf die Planetenoberflächen.
Im Fox-System gibt es einen großen kisorischen Bevölkerungsanteil. Fox war 400 Jahre zuvor von Menschen besiedelt worden. Nach Religionskonflikten kamen kisorische Auswanderer dazu: Singulariten, die vor dem auf Kisor dominierenden Alturismus flohen. Im Lauf der Zeit wurde Fox zu einem Sammelpunkt für Singulariten. Auch viele Menschen nahmen den Singularismus an. Während der Fox-Bürgerkriege wurden die Singulariten wieder vertrieben. Sie flohen vom Planeten und siedelten sich im mittleren System der Fox-Gasriesen an. Das war anfangs sehr hart. Aber dann entwickelte sich dort eine lebendige interplanetare Zivilisation von Kisori und Menschen, die durch ihren gemeinsamen Glauben verbunden waren. Während der Fox-Bürgerkriege war das mittlere System vom bewohnbaren Planeten abgeschnitten. Später wurde die Grenze wieder durchlässiger. Aber immer noch gibt es zwei weitgehend getrennte Zivilisationen im System: die interplanetare Gesellschaft der Singulariten im mittleren System und die alturistische Regierung des Fox-Planeten. Die interplanetare Zivilisation hat sich inzwischen mit der Situation arrangiert. Trotzdem bleibt die Sehnsucht nach einem eigenen Planeten. Ein Planet, der für Kisori (und Menschen) geeignet ist. Und Fox ist nicht weit von Kisor entfernt. Einige Singulariten von Fox sehen nun die Chance, die Kisor-Planeten zu besiedeln. Sie stoßen dabei auf die Aktivitäten von Kisori, die die Katastrophe im Kisor-System überlebt haben und auch gerade dabei sind, die Planeten für eine Neubesiedlung vorzubereiten.
Bevor wirklich jemand auf der Planetenoberfläche leben kann, ist viel zu tun. Die Biosphäre der Planeten ist zerstört und es herrscht eine planetare Eiszeit. Die kinetische Bombardierung 80 Jahre zuvor wirbelte Tausende Kubikkilometer Staub und Asche in die Stratosphäre. Dort blieben die feinsten Teilchen mehrere Jahre. Sie reduzierten die Sonnenstrahlung auf der Oberfläche und die Planeten kühlten sich ab. Direkt nach der Katastrophe herrschte ein Dämmerlicht in dem die meisten Pflanzen starben und mit ihnen die Tiere. Dann froren die Planeten zu. Die Meere wurden zu Eiswüsten. Als der Himmel wieder aufklarte, waren die Planeten nicht mehr blaugrün, sondern weiß. Wegen der hohen Reflexion von Eis und Schnee kann die Sonnenstrahlung die Oberfläche nicht erwärmen.
Die Planeten haben einen neuen Gleichgewichtszustand bei eisigen Temperaturen eingenommen. Das ist nichts, was eine interplanetare Hochzivilisation nicht beheben könnte. Mit einigen Millionen Quadratkilometern Spiegel im Orbit könnte man die Temperaturen wieder anheben. Aber dem Kisor-System fehlt nun die industrielle Infrastruktur für so ein großes Unternehmen. Im verzweifelten Abwehrkampf vor und während der Katastrophe wurden die orbitale Industrie schwer getroffen. Der planetare Ring ist mangels aktiver Stützung zerbrochen und auf der Oberfläche niedergegangen. Alle interplanetaren Bevölkerungszentren sind zerstört. Die Bewohner waren vorher geflohen, wurden virtualisiert oder getötet. Nur tief eingegrabene Infrastruktur blieb erhalten.
Es gibt noch Außenseiter-Gesellschaften, Survivalisten und Oort-Bewohner, die absichtlich weit entfernt von den stets gefährdeten Planeten lebten und dort weiterhin leben. Sie haben nur ein geringes Interesse, ihre spärlichen Ressourcen nun für die Wiederbesiedlung der Planeten zu verwenden. Auf den Monden der Gasriesen liegen unzählige Zufluchtsstätten in denen Flüchtlinge eingelagert sind. Sie sind eingegraben auf den Eismonden. Ihre Notbesatzung wartet darauf, dass die Infrastruktur wiederhergestellt wird, damit sie die Flüchtlinge wecken können. Aber sie haben selbst keine Mittel für einen Neuanfang.
Die Wiederbesiedlung wird vor allem getragen von den wenigen interplanetaren Außenposten, die die Katastrophe überstanden haben. Einige interstellare militärischen Stützpunkte leisten wichtige Beträge.
Unabhängig davon wächst unter den Singulariten von Fox die Rückkehrbewegung. Die Singulariten sehen die einmalige Gelegenheit, Kisor unter dem Banner des Singularismus wiederaufzubauen und den Alturismus endgültig zu überwinden. Die wenigen Überlebenden (Alturisten) des Kisorsystems sind davon nicht begeistert. Genauso wenig wie die planetare Fox-Zivilisation, die nicht zusehen will, wie der Singularismus des mittleren Fox-Systems sich nach Kisor ausbreitet.
Auch in der planetaren Fox-Zivilisation gibt es inzwischen Bestrebungen, sich im Kisor System zu engagieren. Es geht vor allem darum, die Kisor Zwillinge dem Einfluss des mittleren Systems zu entziehen. Die Regierung des Fox-Planeten gibt bekannt, dass sie keine Besitzansprüche anerkennt, die sich aus Rettungsoperationen im Kisor-System ergeben. Einige gehen da weiter: im Notfall müsse Fox die Kisor-Planeten durch ein Protektorat vor dem Singularismus schützen.
Unter den Singulariten, die sich jetzt für die kisorische Wiederbesiedlung engagieren, sind auch viele Menschen. Menschen und Kisori haben eine wechselvolle Geschichte. Einst retteten Kisori die Menschen vor den Kelrecs. Dann folgte ein totaler Krieg zwischen Sol und Kisors Gilden, den die Menschen verloren. Nach dem Wiederaufbau waren Sol und Kisor ein Jahrhundert lang Verbündete gegen die Chinti-Schwarmvölker. Als die Chinti-Bedrohung entfiel, wurden aus Freunden Feinde. Der zweite Kisor-Krieg endete mit der vollständigen Vernichtung Kisors. Die Verantwortlichen dafür waren zwar Leccianer-Horden. Aber sie kamen von Sol und viele Schiffe hatten menschliche Besatzungen. Die Beziehungen zwischen Menschen und Kisori sind schwierig. Die Menschen unter den Singulariten hoffen jetzt im Rahmen der Wiederbesiedlung Einfluss auf Kisor zu bekommen. Das gefällt vielen kisorischen Singulariten nicht. Und schon gar nicht den lokalen Kisori, die 80 Jahre zuvor gegen solare Schiffe gekämpft und alles verloren hatten.
Das mittlere System von Fox ist einigermaßen wohlhabend. Jedenfalls viel wohlhabender als die Überlebenden des Kisor-Systems. Bei den Fox-Gasriesen gibt es viele Milliarden Sophonten und eine breite industrielle Basis. Aus der Rückkehrbewegung heraus werden mehrere Konsortien aktiv. Sie transportieren Megatonnen Material nach Kisor. Sie schaffen die industrielle Basis mit der man das Klima der Planeten korrigieren kann. Die Planeten müssen aufgetaut werden durch zusätzliche Sonnenenergie und einen künstlichen Treibhauseffekt.
Kisor Beta ist dafür besser geeignet als Alpha. Beta steht näher an der Sonne und ist deshalb noch etwas wärmer. Die Durchschnittstemperatur von Beta ist auch unter dem Gefrierpunkt von Wasser, aber am Äquator gibt es immerhin noch flüssiges Wasser. Und Beta hat einen großen Mond auf dem man Aluminium für Sonnenspiegel gewinnen kann.
Die Aktivitäten konzentrieren sich auf Kisor Beta. Wie Alpha wurde auch Beta einst künstlich bewohnbar gemacht. Bei Alpha waren es Unbekannte vor Millionen Jahren. Beta wurde von den Kisori selbst während des ersten kisorischen Reiches vor 14.000 Jahren ökoformiert. Jahrtausende später waren beide Planeten dicht besiedelt, hochentwickelt und gleichberechtigt. Trotzdem war Alpha der Ursprung und Beta die Kolonie. Das ließen die Einwohner Alphas ihre Brüder und Schwestern auf Beta nicht vergessen. Im kisorischen Mittelalter schrumpfte der Genpool auf Alpha zeitweise auf nur 10.000 Individuen. Reinrassige Alpha-Abkömmlinge sind heute an ihrem Aussehen deutlich erkennbar. Die besonderen Eigenschaften der Alpha-Genlinie gelten als aristokratisch – oder als dekadent, je nach Sichtweise. Beta kam schneller aus dem Mittelalter, entwickelte wieder interplanetare Raumfahrt und half Alpha beim Wiederaufbau. Seit damals gibt es eine freundschaftliche Konkurrenz zwischen Alpha, dem Ursprung des Volkes und Beta, der überlegenen Kolonie. Das Verhältnis wurde etwa 120 Jahre vor der Katastrophe sehr angespannt. Nationalistische Bewegungen gewannen damals die Oberhand auf Beta und schließlich annektierte die – damalige – diktatorische Regierung Betas die – zu dieser Zeit unabhängigen – Regionalstaaten Alphas. Aufgrund dieser Historie gibt es immer noch viele Vorbehalte. Die technisch vernünftige Entscheidung, sich zuerst auf Beta zu konzentrieren, wird von den lokalen Alpha-Kisori abgelehnt. Kisori von Alpha werden viel länger auf ihre Heimat warten müssen und es besteht die Gefahr, dass Beta einen uneinholbaren Entwicklungsvorsprung erhält. Viele Alpha-Kisori befürchten, dass Beta ihre Heimat dann wieder unterdrücken könnte, wie vor 200 Jahren. Sie beteiligen sich nicht an der Rücktransformation Betas, denn das ist nicht ihre Heimat. Manche versuchen die Aktivitäten für Beta zu verzögern. Einige auch mit Gewalt.
Für eine kleine Gruppe fundamentalistische Alturisten (Nur Altur) ist die Wiederbesiedlung ein Frevel. Sie wehren sich vor allem durch Propaganda, mit orbitalen Sendern und mit kilometergroßen Warnschildern im Orbit und auf dem Eis. Die "Spinner" von Nur Altur werden von den anderen Fraktionen nicht ernst genommen. Bis sie 3075 durch Sabotage das Projekt um Jahrzehnte zurückwerfen.
Die lokalen Kisori nehmen mit ihren bescheidenen Mitteln erste Erkundungen vor. Sie gründen kleine Stützpunkte auf der Planetenoberfläche und versuchen den Umfang der Aufgabe abzuschätzen.
Währenddessen beginnen Konsortien von Fox mit der Ressourceextraktion in den Asteroidengürteln und auf dem großen Mond von Kisor Beta. Sie bringen industrielle Autofabs heran und bereiten die Produktion von gigantischen orbitalen Spiegeln vor. Mit Ketten von Antimaterieexplosionen im kt Bereich werden Dämme aufgeschüttet, um Schmelzwasser zu kanalisieren. Megatonnen-Explosionen verteilen Wasserdampf in der Atmosphäre. Andere züchten biologische Prototypen. Sie suchen Genmaterial für Hunderttausende Spezies in Datenbanken und Reservaten. Die zukünftige Ökologie der Planeten wird simuliert. Die ersten Biofabs und Zuchtstationen werden aufgebaut. Später, wenn die Temperaturen sich normalisiert haben, müssen Gigatonnen biologischen Materials hergestellt werden, um die Ökosphäre neu zu starten.
Fast alle Fraktionen haben das gleiche Ziel: die Wiederbesiedlung der zwei Kisor Planeten zu ermöglichen. Sie arbeiten gemeinsam daran,die Planeten zu erwärmen und die Ökologie im globalen Maßstab wiederherzustellen. Gleichzeitig versuchen alle Fraktionen zu verhindern, dass andere zu viel Einfluss gewinnen oder schon in der Eiswüste ihre Claims abstecken.
Die lokalen Kisori sind mit viel Elan und Einsatzbereitschaft dabei. Sie haben den moralischen Anspruch auf die Planeten und individuelle Eigentumsansprüche auf ihrer Seite. Sie wollen ihr Land wiederhaben. Jede Hilfe von außen ist ihnen willkommen. Aber sie beobachten argwöhnisch die anderen Fraktionen. Auch die lokalen Kisori ziehen nicht alle an einem Strang. Sie kommen ursprünglich von verschiedenen Regionen des Planeten und auch da gab es schon Rivalitäten. Die ehemaligen Bewohner nördlicher Gebiete, die vorher das milde Klima des warmen Planeten genossen haben, würden sich jetzt gerne, wie alle anderen auch, in Äquatornähe niederlassen, da nun dort das mildeste Klima herrscht. Auch die lokalen Kisori konkurrieren um die besten Grundstücke.
Die Konsortien des mittleren Fox-Systems arbeiten mit großem Materialeinsatz. Sie tragen die Hauptlast der Regeneration und daraus leiten Sie den Anspruch ab, sich später niederlassen zu dürfen. Sie gehen manchmal sehr bestimmt vor, wenn sie das Gefühl haben, dass lokale Kisori mit ihren "vernachlässigbaren" Operationen im Weg sind. Auf der anderen Seite stellen lokale Kisori auch mal absichtlich eine kleine Forschungsstation in ein Operationsgebiet, um zu verhindern, dass sich die Ansprüche der systemfremden Akteure verfestigen.
Die alturistische Regierung des Fox-Planeten etabliert als Forschungsstationen verkleidete Stützpunkte, und versucht die Oberflächenaktivitäten der Singulariten einzudämmen. Sie unterstützt die lokalen Kisori aus Glaubensgründen und um den Einfluss der Fox-Konsortien einzugrenzen. Die lokalen Kisori nehmen die Hilfe gerne an. Sie bleiben dabei aber misstrauisch. Schließlich ist auch die Fox-Regierung eine fremde Macht.
Die Planeten sind im Ödland, 500 Millionen Quadratkilometer Eiswüste. Es gibt keine globale Überwachung, keine staatlichen Strukturen. Eis-Blizzards mit -70 Grad Celsius können Wochen lang wüten. Gleiter gehen verloren. Forschungsstationen werden Opfer von Naturgewalten – und Sabotage. Unfälle passieren immer wieder. Im Notfall ist die nächste Unterstützung oft 2000 Kilometer entfernt und meistens die falsche Fraktion. Hilfe aus dem Orbit ist kaum möglich. Es gibt keine Massenstartsysteme mehr. Einst gab es einen orbitalen Ring mit aktiver Unterstützung und vielen Aufzügen, elektromagnetische Starter und orbitale Transferschleifen. Nun müssen Fähren per Hitzeschild landen und auf einer Fusionsflamme starten. Ein riesiger Aufwand.
Es wird mindestens 70 Jahre dauern, die Temperatur auf einen erträglichen Wert anzuheben, 100 Jahre bis sich die Wettermuster stabilisieren und 200 Jahre bis die Ökosphäre selbstständig funktioniert.
Beteiligte Fraktionen beim Projekt Beta Wiederbesiedlung:
- Beta-stämmige Überlebende der Katastrophe: aktiv, kooperativ (kleiner Mitteleinsatz).
- Alpha-stämmige Überlebende: grundsätzlich ablehnend, Verweigerung, Obstruktion, Sabotage, manche kooperativ (sehr geringer Mitteleinsatz).
- Lokale Außenseiter, Survivalisten und Oort-Bewohner: grundsätzlich gleichgültig, wenige positiv und kooperativ (sehr geringer Mitteleinsatz).
- "Nur Altur" Extremisten: entschiedene Ablehnung (sehr geringe Mittel nur zur Obstruktion).
- Manager und Flüchtlinge der Zufluchtsstätten: positiv passiv (kein Mitteleinsatz).
- Fox-Konsortien: sehr aktiv (hoher Mitteleinsatz).
- Planetare Fox-Regierung: ablehnend passiv (kleiner Mitteleinsatz für eigene Ziele).
Konflikte:
- Beta-stämmige Überlebende streiten untereinander um Gebietsansprüche. Dabei kommt es zu Gewaltanwendung auf der Planetenoberfläche, im Orbit Betas und im ganzen System auch gegen die Heimatstützpunkte einiger Akteure.
- Alpha-stämmige Überlebende versuchen das Projekt zu verhindern oder hinauszuzögern, im offenen Konflikt mit Beta-stämmigen und im Verborgenen gegen Fox-Konsortien.
- Einige lokale Überlebende betrachten die Passivität lokaler Außenseiter, die ihre Mittel nicht zur Verfügung stellen wollen, als Sabotage und gehen gegen diese vor, um ein Exempel zu statuieren.
- "Nur Altur" Extremisten wenden sich gegen alle aktiven Fraktionen durch lautstarke Propaganda und geheime Vorbereitung von Sabotageaktionen.
- "Nur Altur" und die planetare Fox-Regierung konspirieren trotz der Vorbehalte gegen Systemfremde auf der einen Seite und Missbehagen wegen Extremismus (bei gleichem Glauben) auf der anderen Seite.
- Die planetare Fox-Regierung unterstützt die lokalen Überlebenden, versucht aber gleichzeitig das Projekt zu schwächen, um die Fox-Konsortien zu behindern.
- Fraktionen der lokalen Überlebenden misstrauen zurecht den Motiven der Fox-Regierung, nehmen aber deren Hilfe an.
- Einige Fox-Konsortien missachten die Aktivitäten der lokalen Fraktionen und beschädigen diese aus Rücksichtslosigkeit und um Gebietsansprüche durchzusetzen.
- Moderate Konsortien lehnen Gewalt ab und befürchten eine Eskalation. Sie versuchen rücksichtslose Aktionen radikalerer Konsortien zu verhindern.
- Lokale Fraktionen fürchten Gebietsansprüche systemfremder Kräfte, vor allem der Fox-Konsortien, und gehen auch gewaltsam dagegen vor.
- Lokale Alturisten versuchen die Ausbreitung des Singularismus im Kisor System zu verhindern. Das erschwert Kooperationen zwischen Fox-Konsortien und den Überlebenden der Katastrophe.
- Die planetare Fox-Regierung versucht die Fox-Konsortien einzudämmen, aus religiösen und machtpolitischen Gründen. Dabei auch Sabotage im Verborgenen.
- Die Fox-Regierung droht mit der Etablierung eines Protektorats, falls die von Singulariten dominierten Konsortien des mittleren Fox-Systems die Kontrolle auf Kisor Beta übernehmen.
- Die Fox-Konsortien gehen im Verborgenen gegen geheime Stützpunkte der Fox-Regierung vor.
- Singulariten (vor allem der Fox-Konsortien) versuchen ein Wiedererstarken des Alturismus im Kisor-System zu verhindern.
- Radikale Vertreter der Rückkehrbewegung aus dem mittleren Fox-System unternehmen geheime Aktionen gegen lokale Fraktionen außerhalb des Projektkontextes im ganzen System.
- Einzelne Singulariten unter den Überlebenden arbeiten für lokale (alturistisch dominierte) Fraktionen und konspirieren insgeheim mit Fox-Konsortien.
- Menschen-dominierte Fox-Konsortien versuchen eigene Gebietsansprüche aufzubauen. Sie stehen in Konkurrenz zu Kisori-dominierten Konsortien.
- Viele Überlebende der Katastrophe lehnen die Beteiligung von Menschen vehement ab. Manche, vor allem Veteranen des letzten Kriegs, greifen zu Gewalt.
- Alle Fox-Konsortien versuchen die besten Gebiete zu beanspruchen und manche gehen dabei energisch gegen andere Konsortien und lokale Fraktionen vor.
- Bei allen Fraktionen gibt es Individuen, die sich zum Wohl des Gesamtprojekts gegen Sabotageaktivitäten ihrer eigenen Organisation wenden und dabei insgeheim mit anderen Fraktionen kooperieren.
- In moderaten Organisation gibt es Individuen, die mit radikalen Kräften konspirieren, um ihre Vorstellungen durchzusetzen.
#Aliens #Ökoforming #Terraforming #Sonnenspiegel #Religion #Konflikt #Sabotage
http://jmp1.de/h3010
Kisor hatte traditionell sehr wenige interplanetare Siedlungen und interstellare Kolonien. Die Bevölkerung im Kisor-System konzentrierte sich auf die zwei Planeten. Nur zwei Prozent der Kisori lebte im interplanetaren Raum. Bei den meisten hochentwickelten Völkern ist ein großer Teil der Zivilisation interplanetar und die Bevölkerung lebt in künstlichen Habitaten. Auch Kisor hatte interplanetare Infrastruktur. Es gab Ressourceextraktion in den Asteroidengürteln und bei den Gasriesen, Energiegewinnung in sonnennahen Orbits, massive orbitale Fabriken und natürlich die gigantischen Frachtterminals der kisorischen Gilden. Aber ein Großteil der interplanetaren Infrastruktur war automatisiert. Der Automatisierungsgrad war höher als bei vergleichbaren Völkern.
Nur die Handelsgilden hatten einst signifikantes interplanetares und interstellar aktives Personal. Aber die große Zeit der Gilden endete um 2800 mit dem Niedergang des interstellaren Handels. Interstellare Außenposten waren zur Zeit der Gilden fast ausschließlich funktional organisiert. Die Kisori dort betrachteten sich als temporär abgeordnete Vertreter der Heimatwelten und nicht als Siedler. Dementsprechend gering war die Bevölkerung und sie nahm mit dem Rückgang des Handels immer weiter ab.
Es gibt ein paar alte ehemalige Kolonialsysteme aus der Zeit des goldenen Reiches. Aber deren Besiedlung ist 10.000 Jahren her und die Völker haben sich inzwischen weit auseinanderentwickelt. Diese ehemaligen Kolonien betrachten sich nicht als Kisori. Sie sind nicht interessiert an der Neubesiedlung von zwei unwirtlichen Planeten. Tatsächlich wundern sie sich eher über ihre entfernten Verwandten und deren Fixierung auf die Planetenoberflächen.
Im Fox-System gibt es einen großen kisorischen Bevölkerungsanteil. Fox war 400 Jahre zuvor von Menschen besiedelt worden. Nach Religionskonflikten kamen kisorische Auswanderer dazu: Singulariten, die vor dem auf Kisor dominierenden Alturismus flohen. Im Lauf der Zeit wurde Fox zu einem Sammelpunkt für Singulariten. Auch viele Menschen nahmen den Singularismus an. Während der Fox-Bürgerkriege wurden die Singulariten wieder vertrieben. Sie flohen vom Planeten und siedelten sich im mittleren System der Fox-Gasriesen an. Das war anfangs sehr hart. Aber dann entwickelte sich dort eine lebendige interplanetare Zivilisation von Kisori und Menschen, die durch ihren gemeinsamen Glauben verbunden waren. Während der Fox-Bürgerkriege war das mittlere System vom bewohnbaren Planeten abgeschnitten. Später wurde die Grenze wieder durchlässiger. Aber immer noch gibt es zwei weitgehend getrennte Zivilisationen im System: die interplanetare Gesellschaft der Singulariten im mittleren System und die alturistische Regierung des Fox-Planeten. Die interplanetare Zivilisation hat sich inzwischen mit der Situation arrangiert. Trotzdem bleibt die Sehnsucht nach einem eigenen Planeten. Ein Planet, der für Kisori (und Menschen) geeignet ist. Und Fox ist nicht weit von Kisor entfernt. Einige Singulariten von Fox sehen nun die Chance, die Kisor-Planeten zu besiedeln. Sie stoßen dabei auf die Aktivitäten von Kisori, die die Katastrophe im Kisor-System überlebt haben und auch gerade dabei sind, die Planeten für eine Neubesiedlung vorzubereiten.
Bevor wirklich jemand auf der Planetenoberfläche leben kann, ist viel zu tun. Die Biosphäre der Planeten ist zerstört und es herrscht eine planetare Eiszeit. Die kinetische Bombardierung 80 Jahre zuvor wirbelte Tausende Kubikkilometer Staub und Asche in die Stratosphäre. Dort blieben die feinsten Teilchen mehrere Jahre. Sie reduzierten die Sonnenstrahlung auf der Oberfläche und die Planeten kühlten sich ab. Direkt nach der Katastrophe herrschte ein Dämmerlicht in dem die meisten Pflanzen starben und mit ihnen die Tiere. Dann froren die Planeten zu. Die Meere wurden zu Eiswüsten. Als der Himmel wieder aufklarte, waren die Planeten nicht mehr blaugrün, sondern weiß. Wegen der hohen Reflexion von Eis und Schnee kann die Sonnenstrahlung die Oberfläche nicht erwärmen.
Die Planeten haben einen neuen Gleichgewichtszustand bei eisigen Temperaturen eingenommen. Das ist nichts, was eine interplanetare Hochzivilisation nicht beheben könnte. Mit einigen Millionen Quadratkilometern Spiegel im Orbit könnte man die Temperaturen wieder anheben. Aber dem Kisor-System fehlt nun die industrielle Infrastruktur für so ein großes Unternehmen. Im verzweifelten Abwehrkampf vor und während der Katastrophe wurden die orbitale Industrie schwer getroffen. Der planetare Ring ist mangels aktiver Stützung zerbrochen und auf der Oberfläche niedergegangen. Alle interplanetaren Bevölkerungszentren sind zerstört. Die Bewohner waren vorher geflohen, wurden virtualisiert oder getötet. Nur tief eingegrabene Infrastruktur blieb erhalten.
Es gibt noch Außenseiter-Gesellschaften, Survivalisten und Oort-Bewohner, die absichtlich weit entfernt von den stets gefährdeten Planeten lebten und dort weiterhin leben. Sie haben nur ein geringes Interesse, ihre spärlichen Ressourcen nun für die Wiederbesiedlung der Planeten zu verwenden. Auf den Monden der Gasriesen liegen unzählige Zufluchtsstätten in denen Flüchtlinge eingelagert sind. Sie sind eingegraben auf den Eismonden. Ihre Notbesatzung wartet darauf, dass die Infrastruktur wiederhergestellt wird, damit sie die Flüchtlinge wecken können. Aber sie haben selbst keine Mittel für einen Neuanfang.
Die Wiederbesiedlung wird vor allem getragen von den wenigen interplanetaren Außenposten, die die Katastrophe überstanden haben. Einige interstellare militärischen Stützpunkte leisten wichtige Beträge.
Unabhängig davon wächst unter den Singulariten von Fox die Rückkehrbewegung. Die Singulariten sehen die einmalige Gelegenheit, Kisor unter dem Banner des Singularismus wiederaufzubauen und den Alturismus endgültig zu überwinden. Die wenigen Überlebenden (Alturisten) des Kisorsystems sind davon nicht begeistert. Genauso wenig wie die planetare Fox-Zivilisation, die nicht zusehen will, wie der Singularismus des mittleren Fox-Systems sich nach Kisor ausbreitet.
Auch in der planetaren Fox-Zivilisation gibt es inzwischen Bestrebungen, sich im Kisor System zu engagieren. Es geht vor allem darum, die Kisor Zwillinge dem Einfluss des mittleren Systems zu entziehen. Die Regierung des Fox-Planeten gibt bekannt, dass sie keine Besitzansprüche anerkennt, die sich aus Rettungsoperationen im Kisor-System ergeben. Einige gehen da weiter: im Notfall müsse Fox die Kisor-Planeten durch ein Protektorat vor dem Singularismus schützen.
Unter den Singulariten, die sich jetzt für die kisorische Wiederbesiedlung engagieren, sind auch viele Menschen. Menschen und Kisori haben eine wechselvolle Geschichte. Einst retteten Kisori die Menschen vor den Kelrecs. Dann folgte ein totaler Krieg zwischen Sol und Kisors Gilden, den die Menschen verloren. Nach dem Wiederaufbau waren Sol und Kisor ein Jahrhundert lang Verbündete gegen die Chinti-Schwarmvölker. Als die Chinti-Bedrohung entfiel, wurden aus Freunden Feinde. Der zweite Kisor-Krieg endete mit der vollständigen Vernichtung Kisors. Die Verantwortlichen dafür waren zwar Leccianer-Horden. Aber sie kamen von Sol und viele Schiffe hatten menschliche Besatzungen. Die Beziehungen zwischen Menschen und Kisori sind schwierig. Die Menschen unter den Singulariten hoffen jetzt im Rahmen der Wiederbesiedlung Einfluss auf Kisor zu bekommen. Das gefällt vielen kisorischen Singulariten nicht. Und schon gar nicht den lokalen Kisori, die 80 Jahre zuvor gegen solare Schiffe gekämpft und alles verloren hatten.
Das mittlere System von Fox ist einigermaßen wohlhabend. Jedenfalls viel wohlhabender als die Überlebenden des Kisor-Systems. Bei den Fox-Gasriesen gibt es viele Milliarden Sophonten und eine breite industrielle Basis. Aus der Rückkehrbewegung heraus werden mehrere Konsortien aktiv. Sie transportieren Megatonnen Material nach Kisor. Sie schaffen die industrielle Basis mit der man das Klima der Planeten korrigieren kann. Die Planeten müssen aufgetaut werden durch zusätzliche Sonnenenergie und einen künstlichen Treibhauseffekt.
Kisor Beta ist dafür besser geeignet als Alpha. Beta steht näher an der Sonne und ist deshalb noch etwas wärmer. Die Durchschnittstemperatur von Beta ist auch unter dem Gefrierpunkt von Wasser, aber am Äquator gibt es immerhin noch flüssiges Wasser. Und Beta hat einen großen Mond auf dem man Aluminium für Sonnenspiegel gewinnen kann.
Die Aktivitäten konzentrieren sich auf Kisor Beta. Wie Alpha wurde auch Beta einst künstlich bewohnbar gemacht. Bei Alpha waren es Unbekannte vor Millionen Jahren. Beta wurde von den Kisori selbst während des ersten kisorischen Reiches vor 14.000 Jahren ökoformiert. Jahrtausende später waren beide Planeten dicht besiedelt, hochentwickelt und gleichberechtigt. Trotzdem war Alpha der Ursprung und Beta die Kolonie. Das ließen die Einwohner Alphas ihre Brüder und Schwestern auf Beta nicht vergessen. Im kisorischen Mittelalter schrumpfte der Genpool auf Alpha zeitweise auf nur 10.000 Individuen. Reinrassige Alpha-Abkömmlinge sind heute an ihrem Aussehen deutlich erkennbar. Die besonderen Eigenschaften der Alpha-Genlinie gelten als aristokratisch – oder als dekadent, je nach Sichtweise. Beta kam schneller aus dem Mittelalter, entwickelte wieder interplanetare Raumfahrt und half Alpha beim Wiederaufbau. Seit damals gibt es eine freundschaftliche Konkurrenz zwischen Alpha, dem Ursprung des Volkes und Beta, der überlegenen Kolonie. Das Verhältnis wurde etwa 120 Jahre vor der Katastrophe sehr angespannt. Nationalistische Bewegungen gewannen damals die Oberhand auf Beta und schließlich annektierte die – damalige – diktatorische Regierung Betas die – zu dieser Zeit unabhängigen – Regionalstaaten Alphas. Aufgrund dieser Historie gibt es immer noch viele Vorbehalte. Die technisch vernünftige Entscheidung, sich zuerst auf Beta zu konzentrieren, wird von den lokalen Alpha-Kisori abgelehnt. Kisori von Alpha werden viel länger auf ihre Heimat warten müssen und es besteht die Gefahr, dass Beta einen uneinholbaren Entwicklungsvorsprung erhält. Viele Alpha-Kisori befürchten, dass Beta ihre Heimat dann wieder unterdrücken könnte, wie vor 200 Jahren. Sie beteiligen sich nicht an der Rücktransformation Betas, denn das ist nicht ihre Heimat. Manche versuchen die Aktivitäten für Beta zu verzögern. Einige auch mit Gewalt.
Für eine kleine Gruppe fundamentalistische Alturisten (Nur Altur) ist die Wiederbesiedlung ein Frevel. Sie wehren sich vor allem durch Propaganda, mit orbitalen Sendern und mit kilometergroßen Warnschildern im Orbit und auf dem Eis. Die "Spinner" von Nur Altur werden von den anderen Fraktionen nicht ernst genommen. Bis sie 3075 durch Sabotage das Projekt um Jahrzehnte zurückwerfen.
Die lokalen Kisori nehmen mit ihren bescheidenen Mitteln erste Erkundungen vor. Sie gründen kleine Stützpunkte auf der Planetenoberfläche und versuchen den Umfang der Aufgabe abzuschätzen.
Währenddessen beginnen Konsortien von Fox mit der Ressourceextraktion in den Asteroidengürteln und auf dem großen Mond von Kisor Beta. Sie bringen industrielle Autofabs heran und bereiten die Produktion von gigantischen orbitalen Spiegeln vor. Mit Ketten von Antimaterieexplosionen im kt Bereich werden Dämme aufgeschüttet, um Schmelzwasser zu kanalisieren. Megatonnen-Explosionen verteilen Wasserdampf in der Atmosphäre. Andere züchten biologische Prototypen. Sie suchen Genmaterial für Hunderttausende Spezies in Datenbanken und Reservaten. Die zukünftige Ökologie der Planeten wird simuliert. Die ersten Biofabs und Zuchtstationen werden aufgebaut. Später, wenn die Temperaturen sich normalisiert haben, müssen Gigatonnen biologischen Materials hergestellt werden, um die Ökosphäre neu zu starten.
Fast alle Fraktionen haben das gleiche Ziel: die Wiederbesiedlung der zwei Kisor Planeten zu ermöglichen. Sie arbeiten gemeinsam daran,die Planeten zu erwärmen und die Ökologie im globalen Maßstab wiederherzustellen. Gleichzeitig versuchen alle Fraktionen zu verhindern, dass andere zu viel Einfluss gewinnen oder schon in der Eiswüste ihre Claims abstecken.
Die lokalen Kisori sind mit viel Elan und Einsatzbereitschaft dabei. Sie haben den moralischen Anspruch auf die Planeten und individuelle Eigentumsansprüche auf ihrer Seite. Sie wollen ihr Land wiederhaben. Jede Hilfe von außen ist ihnen willkommen. Aber sie beobachten argwöhnisch die anderen Fraktionen. Auch die lokalen Kisori ziehen nicht alle an einem Strang. Sie kommen ursprünglich von verschiedenen Regionen des Planeten und auch da gab es schon Rivalitäten. Die ehemaligen Bewohner nördlicher Gebiete, die vorher das milde Klima des warmen Planeten genossen haben, würden sich jetzt gerne, wie alle anderen auch, in Äquatornähe niederlassen, da nun dort das mildeste Klima herrscht. Auch die lokalen Kisori konkurrieren um die besten Grundstücke.
Die Konsortien des mittleren Fox-Systems arbeiten mit großem Materialeinsatz. Sie tragen die Hauptlast der Regeneration und daraus leiten Sie den Anspruch ab, sich später niederlassen zu dürfen. Sie gehen manchmal sehr bestimmt vor, wenn sie das Gefühl haben, dass lokale Kisori mit ihren "vernachlässigbaren" Operationen im Weg sind. Auf der anderen Seite stellen lokale Kisori auch mal absichtlich eine kleine Forschungsstation in ein Operationsgebiet, um zu verhindern, dass sich die Ansprüche der systemfremden Akteure verfestigen.
Die alturistische Regierung des Fox-Planeten etabliert als Forschungsstationen verkleidete Stützpunkte, und versucht die Oberflächenaktivitäten der Singulariten einzudämmen. Sie unterstützt die lokalen Kisori aus Glaubensgründen und um den Einfluss der Fox-Konsortien einzugrenzen. Die lokalen Kisori nehmen die Hilfe gerne an. Sie bleiben dabei aber misstrauisch. Schließlich ist auch die Fox-Regierung eine fremde Macht.
Die Planeten sind im Ödland, 500 Millionen Quadratkilometer Eiswüste. Es gibt keine globale Überwachung, keine staatlichen Strukturen. Eis-Blizzards mit -70 Grad Celsius können Wochen lang wüten. Gleiter gehen verloren. Forschungsstationen werden Opfer von Naturgewalten – und Sabotage. Unfälle passieren immer wieder. Im Notfall ist die nächste Unterstützung oft 2000 Kilometer entfernt und meistens die falsche Fraktion. Hilfe aus dem Orbit ist kaum möglich. Es gibt keine Massenstartsysteme mehr. Einst gab es einen orbitalen Ring mit aktiver Unterstützung und vielen Aufzügen, elektromagnetische Starter und orbitale Transferschleifen. Nun müssen Fähren per Hitzeschild landen und auf einer Fusionsflamme starten. Ein riesiger Aufwand.
Es wird mindestens 70 Jahre dauern, die Temperatur auf einen erträglichen Wert anzuheben, 100 Jahre bis sich die Wettermuster stabilisieren und 200 Jahre bis die Ökosphäre selbstständig funktioniert.
Beteiligte Fraktionen beim Projekt Beta Wiederbesiedlung:
- Beta-stämmige Überlebende der Katastrophe: aktiv, kooperativ (kleiner Mitteleinsatz).
- Alpha-stämmige Überlebende: grundsätzlich ablehnend, Verweigerung, Obstruktion, Sabotage, manche kooperativ (sehr geringer Mitteleinsatz).
- Lokale Außenseiter, Survivalisten und Oort-Bewohner: grundsätzlich gleichgültig, wenige positiv und kooperativ (sehr geringer Mitteleinsatz).
- "Nur Altur" Extremisten: entschiedene Ablehnung (sehr geringe Mittel nur zur Obstruktion).
- Manager und Flüchtlinge der Zufluchtsstätten: positiv passiv (kein Mitteleinsatz).
- Fox-Konsortien: sehr aktiv (hoher Mitteleinsatz).
- Planetare Fox-Regierung: ablehnend passiv (kleiner Mitteleinsatz für eigene Ziele).
Konflikte:
- Beta-stämmige Überlebende streiten untereinander um Gebietsansprüche. Dabei kommt es zu Gewaltanwendung auf der Planetenoberfläche, im Orbit Betas und im ganzen System auch gegen die Heimatstützpunkte einiger Akteure.
- Alpha-stämmige Überlebende versuchen das Projekt zu verhindern oder hinauszuzögern, im offenen Konflikt mit Beta-stämmigen und im Verborgenen gegen Fox-Konsortien.
- Einige lokale Überlebende betrachten die Passivität lokaler Außenseiter, die ihre Mittel nicht zur Verfügung stellen wollen, als Sabotage und gehen gegen diese vor, um ein Exempel zu statuieren.
- "Nur Altur" Extremisten wenden sich gegen alle aktiven Fraktionen durch lautstarke Propaganda und geheime Vorbereitung von Sabotageaktionen.
- "Nur Altur" und die planetare Fox-Regierung konspirieren trotz der Vorbehalte gegen Systemfremde auf der einen Seite und Missbehagen wegen Extremismus (bei gleichem Glauben) auf der anderen Seite.
- Die planetare Fox-Regierung unterstützt die lokalen Überlebenden, versucht aber gleichzeitig das Projekt zu schwächen, um die Fox-Konsortien zu behindern.
- Fraktionen der lokalen Überlebenden misstrauen zurecht den Motiven der Fox-Regierung, nehmen aber deren Hilfe an.
- Einige Fox-Konsortien missachten die Aktivitäten der lokalen Fraktionen und beschädigen diese aus Rücksichtslosigkeit und um Gebietsansprüche durchzusetzen.
- Moderate Konsortien lehnen Gewalt ab und befürchten eine Eskalation. Sie versuchen rücksichtslose Aktionen radikalerer Konsortien zu verhindern.
- Lokale Fraktionen fürchten Gebietsansprüche systemfremder Kräfte, vor allem der Fox-Konsortien, und gehen auch gewaltsam dagegen vor.
- Lokale Alturisten versuchen die Ausbreitung des Singularismus im Kisor System zu verhindern. Das erschwert Kooperationen zwischen Fox-Konsortien und den Überlebenden der Katastrophe.
- Die planetare Fox-Regierung versucht die Fox-Konsortien einzudämmen, aus religiösen und machtpolitischen Gründen. Dabei auch Sabotage im Verborgenen.
- Die Fox-Regierung droht mit der Etablierung eines Protektorats, falls die von Singulariten dominierten Konsortien des mittleren Fox-Systems die Kontrolle auf Kisor Beta übernehmen.
- Die Fox-Konsortien gehen im Verborgenen gegen geheime Stützpunkte der Fox-Regierung vor.
- Singulariten (vor allem der Fox-Konsortien) versuchen ein Wiedererstarken des Alturismus im Kisor-System zu verhindern.
- Radikale Vertreter der Rückkehrbewegung aus dem mittleren Fox-System unternehmen geheime Aktionen gegen lokale Fraktionen außerhalb des Projektkontextes im ganzen System.
- Einzelne Singulariten unter den Überlebenden arbeiten für lokale (alturistisch dominierte) Fraktionen und konspirieren insgeheim mit Fox-Konsortien.
- Menschen-dominierte Fox-Konsortien versuchen eigene Gebietsansprüche aufzubauen. Sie stehen in Konkurrenz zu Kisori-dominierten Konsortien.
- Viele Überlebende der Katastrophe lehnen die Beteiligung von Menschen vehement ab. Manche, vor allem Veteranen des letzten Kriegs, greifen zu Gewalt.
- Alle Fox-Konsortien versuchen die besten Gebiete zu beanspruchen und manche gehen dabei energisch gegen andere Konsortien und lokale Fraktionen vor.
- Bei allen Fraktionen gibt es Individuen, die sich zum Wohl des Gesamtprojekts gegen Sabotageaktivitäten ihrer eigenen Organisation wenden und dabei insgeheim mit anderen Fraktionen kooperieren.
- In moderaten Organisation gibt es Individuen, die mit radikalen Kräften konspirieren, um ihre Vorstellungen durchzusetzen.
#Aliens #Ökoforming #Terraforming #Sonnenspiegel #Religion #Konflikt #Sabotage
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2587 Zeit der Alien-Kriege
Der Saturn Mond Epimetheus, Hauptsitz der Art-Domäne im Solsystem, wird angegriffen. Die Menschen beobachten kinetische Angriffe, Explosionen und Schwärme von Mechs. Es ist nicht zu erkennen ist ob es sich um Drohnen, Bots oder Shells handelt. Wer dort gegen wen kämpft ist unklar. Offensichtlich bekämpft die Artu-Domäne andere Aliens. Aber ob es sich um interne oder externe Feinde handelt ist unbekannt. Soweit die Menschen wissen, ist die Artu-Domäne die dominierende Macht der lokalen interstellaren Umgebung. Aber anscheinend ist sie nicht unangefochten. Die Menschen des Sonnensystems sind nur Zuschauer. Manchmal geraten auch Menschen, deren Fahrzeuge und Siedlungen zwischen die Fronten. Die unbekannten Kontrahenten nehmen keine Rücksicht. Die Kämpfe ziehen sich mit unterschiedlicher Intensität insgesamt über 25 Jahre.
Aus dem interstellaren Raum kommen Schiffe mit hoher Geschwindigkeit in das Saturnsystem. Sie transportieren Pods mit überdimensionierten Triebwerken. Die Pods bremsen scharf innerhalb von wenigen Stunden zu einem Zero-Intercept mit Epimetheus und entladen Drohnenschwärme. Sie greifen Epimetheus an. Von anderen kleinen Saturnmonden greifen weitere militärische Kräfte ein. Die Kämpfe umfassen bald das ganze Saturn-Ringsystem. Angreifer und Verteidiger setzen High-Tech Waffen ein mit Leistungsparametern weit jenseits dessen was die solare Menschheit herstellen kann.
Die erste Welle der Kämpfe dauert einige Wochen. Dann kehrt Ruhe ein. Die Artu-Domäne ordnet den Wiederaufbau der beschädigten Einrichtungen an. Wenige Monate später treffen neue Kräfte ein und die Kämpfe beginnen wieder. Die beteiligten Fraktionen sind nicht zu unterscheiden. Es gibt keine Kennzeichnungen und alle Parteien verwenden eine ähnliche Technik. Immer wieder flammen Kämpfe auf. Die Infrastruktur des Abgabesystems um Saturn wird schwer in Mitleidenschaft gezogen. Es scheint um die Kontrolle des Abgabesystems zu gehen.
Solaren Nachrichtenagenturen berichten ausführlich über die Ereignisse. Das ist sehr gefährlich, da sich die Kämpfe oft plötzlich ausweiten. Häufig geraten Beobachtungsschiffe und Drohnen der Nachrichtendienste zwischen die Fronten, die sich sehr schnell verschieben. Die kämpfenden Parteien nehmen keine Rücksicht auf unbeteiligte solare Fahrzeuge und Einrichtungen. Die interplanetare Wirtschaft ist immer wieder von den Auswirkungen, d.h. von Zerstörungen, betroffen. Die Hälfte der interplanetaren Bevölkerung findet sich irgendwann im Verlauf der Alien-Kriege im Bereich von Kampfhandlungen. Es gibt insgesamt ca. 30 Millionen Verluste unter den Bios und Uploads der solaren Menschheit, davon aber nur 1,5 Millionen final.
Mehrmals besetzen fremde Kräfte solare Anlagen, Frachtterminals, orbitale Rohstofflager und industrielle Fab-Arrays. Die Besatzungstruppen sind nicht zu identifizieren. Widerstand solarer Einheiten ist zwecklos. Manchmal ziehen die fremden Kräfte plötzlich wieder ab. Manchmal werden sie angegriffen und verteidigen sich. Die fremden Truppen sind bemannte Mikroeinheiten, Mechs und Drohnen. Aufgrund von Analysen des taktischen Verhaltens und der Kommunikationsmuster vermutet man, dass das Kommando von Biosophonten in Mikroeinheiten ausgeht. Die taktischen Einsatzkräfte sind halbautonome Drohnen, die von Mechs mit Upload-Besatzung ferngesteuert werden. Biosophonten treten fast nie in Erscheinung. Bemannte Kommandoeinheiten, Mechs und Drohnen ähneln sich äußerlich sehr. Man kann sie aber manchmal durch ihre Leistungsparameter und ihr Verhalten unterscheiden.
Im Lauf der nächsten 13 Jahre werden auch immer wieder solare Einrichtungen beschädigt und zerstört. Vor allem das Abgabesystem und dessen Transportkapazitäten sind betroffen. Die Verladeterminals von Epimetheus sind 25 Mal umkämpft. Sie werden dabei 8 Mal vollständig zerstört und jedes Mal wieder aufgebaut. Reparatur und Wiederaufbau der Infrastruktur im Saturnsystem wird im Lauf der Zeit weitgehend automatisiert. Den Großteil des Wiederaufbaus leisten solare Fraktionen als Abgabeersatzleistungen. Dafür wird ein wesentlicher Teil der Abgaben aufgewendet. Man vermutet, dass während der Zeit der Alien-Kriege 30% der Abgaben in die Wiederherstellung der Infrastruktur und damit in den interplanetaren Teil der solaren Wirtschaft fließen.
Die Bevölkerung der Planeten, besonders der Erde, nimmt das Geschehen nur durch die Nachrichten wahr. Während in planetaren Orbits immer wieder gekämpft wird, bleiben die Planetenoberflächen weitgehend verschont. Für die Menschen der Erde erscheinen Berichte über Explosionen, Zerstörungen und Verluste irgendwo im Sonnensystem wie Berichte über Tornados am anderen Ende der Welt. Die einzige Ausnahme ist eine Explosion im Südatlantik, die zu einem verheerenden Tsunami an der Küste Patagoniens führt und 140.000 Menschenleben kostet. Montevideo wird vollständig überflutet. Die Mündung des Rio del la Plata fokussiert die Fluten und lässt die Wasserwand bei Buenos Aires auf 30 Meter Höhe ansteigen. Bei Rio de Janeiro ist die Welle noch 10 Meter hoch. Alle Küsten Südamerikas sind stark verwüstet. Das historische Buenos Aires ist verschwunden. Man geht davon aus, dass es sich nicht um einen gezielten Schlag, sondern um einen Unfall handelt. Eine Trägerplattform, die sich mit 120 Kilometer pro Sekunde schnell der Erde näherte, geriet außer Kontrolle und stürzte auf die Erde. Der Tsunami wird ausgelöst durch die Kombination von 100 Megatonnen-Äquivalent kinetischem Einschlag und eine 250 Megatonnen Amat-Freisetzung nach Einschlussverlust.
Nach der Tsunami-Katastrophe am Neujahrstag 2601 kehrt für 8 Jahre Ruhe ein. Wie man später erfährt, wird die Erde bei allen Kampfhandlungen absichtlich ausgespart, um die imperiale Konvention zum Schutz von Völkern der Kategorie 19 nicht zu verletzen. Der Unfall im Südpazifik ist eine fahrlässige Übertretung imperialer Vorschriften. Die Menschen kennen weder das Interianische Imperium, noch Kisor als Regionalzentrum. Sie kennen nur die Artu-Domäne, die von sich behauptet, die regionale Macht zu sein. Aber die streitenden Parteien entstammen der interstellaren Zivilisation. Sie befolgen bei ihren Operationen im Solsystem meistens den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen. Eine laxe Auslegung der imperialen Bestimmungen lässt Diebstahl, Erpressung und Kollateralschäden in Systemen nichtregistrierter Völker innerhalb der Imperiumsgrenzen zu, solange "unbeteiligte Zivilisten weitgehend geschützt" werden. Aber der Südpazifik-Vorfall überschreitet eine rote Linie. Die Konfliktparteien befürchten eine Untersuchung durch kisorische Inspektoren bei der dann weitere Übertretungen auffallen würden. Denn die Etablierung der Artu-Domäne und des Tributsystems für das gesamte Solsystem einschließlich der Erde ist aus Sicht des Imperiums Amtsanmaßung. So einigen sich die Konfliktparteien auf ein Moratorium, die Suspendierung der Auseinandersetzungen und eine Aufteilung der Erträge des Abgabesystems. Den Menschen bleibt das alles verborgen.
Für die Menschen sind die Alien-Kriege wie eine Naturgewalt. Man kann sie nicht beeinflussen. Man versteht nicht was vorgeht. Sie kommen plötzlich und unvorhersehbar. Niemand weiß wann und wo Kämpfe der Aliens auftreten. Man versucht die Ereignisse mit statistischen Methoden zu erfassen um Gefahren vorherzusagen. Die besten Prognosen liefern selbstmodifizierende Modelle, die eine große Zahl kleiner Akteure mit schnell wechselnden Zusammenschlüssen repräsentieren. Die charakteristischen Zeiten der Modellfits sind 3 Wochen für Allianz und 4 Monate für Dominanz. Mit anderen Worten: es kämpfen viele kleine Fraktionen, die sich ständig verbünden und wieder hintergehen. Bündnisse halten nur 3 Wochen und siegreiche Bündnisse können ihre Überlegenheit 4 Monate aufrechterhalten, bevor das nächste Bündnis mit wechselnden Partnern die Hoheit übernimmt.
Viel später stellt sich heraus, dass die Modelle der Wahrheit ziemlich nahekamen. Clans von Artu kämpfen um die Machtposition im Solsystem. Der f96427 Clan etabliert die Artu-Domäne und kann sich einige Jahre behaupten. 2585 muss f96427.11 seinen Anspruch mit einem Zusammenschluss mehrerer Clans teilen (a5713). a5713 hat wechselnde Mitglieder (a5713.1-a5713.45), wehrt sich gegen a2003/f8563 und muss sich dann einer anderen Gruppe (a301) geschlagen geben. Danach beginnt eine 10-jährige Phase schneller Allianz- und Dominanzwechsel.
Die Geschehnisse werden später rekonstruiert durch Historiker von Artu. Den Menschen werden die Details erst bekannt durch die Veröffentlichung der Dokumentation "Barbaren von Sol" vom Media-Clan u54273 im Jahr 2826.
#Aliens #interplanetar #Konflikt
http://jmp1.de/h2587
Aus dem interstellaren Raum kommen Schiffe mit hoher Geschwindigkeit in das Saturnsystem. Sie transportieren Pods mit überdimensionierten Triebwerken. Die Pods bremsen scharf innerhalb von wenigen Stunden zu einem Zero-Intercept mit Epimetheus und entladen Drohnenschwärme. Sie greifen Epimetheus an. Von anderen kleinen Saturnmonden greifen weitere militärische Kräfte ein. Die Kämpfe umfassen bald das ganze Saturn-Ringsystem. Angreifer und Verteidiger setzen High-Tech Waffen ein mit Leistungsparametern weit jenseits dessen was die solare Menschheit herstellen kann.
Die erste Welle der Kämpfe dauert einige Wochen. Dann kehrt Ruhe ein. Die Artu-Domäne ordnet den Wiederaufbau der beschädigten Einrichtungen an. Wenige Monate später treffen neue Kräfte ein und die Kämpfe beginnen wieder. Die beteiligten Fraktionen sind nicht zu unterscheiden. Es gibt keine Kennzeichnungen und alle Parteien verwenden eine ähnliche Technik. Immer wieder flammen Kämpfe auf. Die Infrastruktur des Abgabesystems um Saturn wird schwer in Mitleidenschaft gezogen. Es scheint um die Kontrolle des Abgabesystems zu gehen.
Solaren Nachrichtenagenturen berichten ausführlich über die Ereignisse. Das ist sehr gefährlich, da sich die Kämpfe oft plötzlich ausweiten. Häufig geraten Beobachtungsschiffe und Drohnen der Nachrichtendienste zwischen die Fronten, die sich sehr schnell verschieben. Die kämpfenden Parteien nehmen keine Rücksicht auf unbeteiligte solare Fahrzeuge und Einrichtungen. Die interplanetare Wirtschaft ist immer wieder von den Auswirkungen, d.h. von Zerstörungen, betroffen. Die Hälfte der interplanetaren Bevölkerung findet sich irgendwann im Verlauf der Alien-Kriege im Bereich von Kampfhandlungen. Es gibt insgesamt ca. 30 Millionen Verluste unter den Bios und Uploads der solaren Menschheit, davon aber nur 1,5 Millionen final.
Mehrmals besetzen fremde Kräfte solare Anlagen, Frachtterminals, orbitale Rohstofflager und industrielle Fab-Arrays. Die Besatzungstruppen sind nicht zu identifizieren. Widerstand solarer Einheiten ist zwecklos. Manchmal ziehen die fremden Kräfte plötzlich wieder ab. Manchmal werden sie angegriffen und verteidigen sich. Die fremden Truppen sind bemannte Mikroeinheiten, Mechs und Drohnen. Aufgrund von Analysen des taktischen Verhaltens und der Kommunikationsmuster vermutet man, dass das Kommando von Biosophonten in Mikroeinheiten ausgeht. Die taktischen Einsatzkräfte sind halbautonome Drohnen, die von Mechs mit Upload-Besatzung ferngesteuert werden. Biosophonten treten fast nie in Erscheinung. Bemannte Kommandoeinheiten, Mechs und Drohnen ähneln sich äußerlich sehr. Man kann sie aber manchmal durch ihre Leistungsparameter und ihr Verhalten unterscheiden.
Im Lauf der nächsten 13 Jahre werden auch immer wieder solare Einrichtungen beschädigt und zerstört. Vor allem das Abgabesystem und dessen Transportkapazitäten sind betroffen. Die Verladeterminals von Epimetheus sind 25 Mal umkämpft. Sie werden dabei 8 Mal vollständig zerstört und jedes Mal wieder aufgebaut. Reparatur und Wiederaufbau der Infrastruktur im Saturnsystem wird im Lauf der Zeit weitgehend automatisiert. Den Großteil des Wiederaufbaus leisten solare Fraktionen als Abgabeersatzleistungen. Dafür wird ein wesentlicher Teil der Abgaben aufgewendet. Man vermutet, dass während der Zeit der Alien-Kriege 30% der Abgaben in die Wiederherstellung der Infrastruktur und damit in den interplanetaren Teil der solaren Wirtschaft fließen.
Die Bevölkerung der Planeten, besonders der Erde, nimmt das Geschehen nur durch die Nachrichten wahr. Während in planetaren Orbits immer wieder gekämpft wird, bleiben die Planetenoberflächen weitgehend verschont. Für die Menschen der Erde erscheinen Berichte über Explosionen, Zerstörungen und Verluste irgendwo im Sonnensystem wie Berichte über Tornados am anderen Ende der Welt. Die einzige Ausnahme ist eine Explosion im Südatlantik, die zu einem verheerenden Tsunami an der Küste Patagoniens führt und 140.000 Menschenleben kostet. Montevideo wird vollständig überflutet. Die Mündung des Rio del la Plata fokussiert die Fluten und lässt die Wasserwand bei Buenos Aires auf 30 Meter Höhe ansteigen. Bei Rio de Janeiro ist die Welle noch 10 Meter hoch. Alle Küsten Südamerikas sind stark verwüstet. Das historische Buenos Aires ist verschwunden. Man geht davon aus, dass es sich nicht um einen gezielten Schlag, sondern um einen Unfall handelt. Eine Trägerplattform, die sich mit 120 Kilometer pro Sekunde schnell der Erde näherte, geriet außer Kontrolle und stürzte auf die Erde. Der Tsunami wird ausgelöst durch die Kombination von 100 Megatonnen-Äquivalent kinetischem Einschlag und eine 250 Megatonnen Amat-Freisetzung nach Einschlussverlust.
Nach der Tsunami-Katastrophe am Neujahrstag 2601 kehrt für 8 Jahre Ruhe ein. Wie man später erfährt, wird die Erde bei allen Kampfhandlungen absichtlich ausgespart, um die imperiale Konvention zum Schutz von Völkern der Kategorie 19 nicht zu verletzen. Der Unfall im Südpazifik ist eine fahrlässige Übertretung imperialer Vorschriften. Die Menschen kennen weder das Interianische Imperium, noch Kisor als Regionalzentrum. Sie kennen nur die Artu-Domäne, die von sich behauptet, die regionale Macht zu sein. Aber die streitenden Parteien entstammen der interstellaren Zivilisation. Sie befolgen bei ihren Operationen im Solsystem meistens den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen. Eine laxe Auslegung der imperialen Bestimmungen lässt Diebstahl, Erpressung und Kollateralschäden in Systemen nichtregistrierter Völker innerhalb der Imperiumsgrenzen zu, solange "unbeteiligte Zivilisten weitgehend geschützt" werden. Aber der Südpazifik-Vorfall überschreitet eine rote Linie. Die Konfliktparteien befürchten eine Untersuchung durch kisorische Inspektoren bei der dann weitere Übertretungen auffallen würden. Denn die Etablierung der Artu-Domäne und des Tributsystems für das gesamte Solsystem einschließlich der Erde ist aus Sicht des Imperiums Amtsanmaßung. So einigen sich die Konfliktparteien auf ein Moratorium, die Suspendierung der Auseinandersetzungen und eine Aufteilung der Erträge des Abgabesystems. Den Menschen bleibt das alles verborgen.
Für die Menschen sind die Alien-Kriege wie eine Naturgewalt. Man kann sie nicht beeinflussen. Man versteht nicht was vorgeht. Sie kommen plötzlich und unvorhersehbar. Niemand weiß wann und wo Kämpfe der Aliens auftreten. Man versucht die Ereignisse mit statistischen Methoden zu erfassen um Gefahren vorherzusagen. Die besten Prognosen liefern selbstmodifizierende Modelle, die eine große Zahl kleiner Akteure mit schnell wechselnden Zusammenschlüssen repräsentieren. Die charakteristischen Zeiten der Modellfits sind 3 Wochen für Allianz und 4 Monate für Dominanz. Mit anderen Worten: es kämpfen viele kleine Fraktionen, die sich ständig verbünden und wieder hintergehen. Bündnisse halten nur 3 Wochen und siegreiche Bündnisse können ihre Überlegenheit 4 Monate aufrechterhalten, bevor das nächste Bündnis mit wechselnden Partnern die Hoheit übernimmt.
Viel später stellt sich heraus, dass die Modelle der Wahrheit ziemlich nahekamen. Clans von Artu kämpfen um die Machtposition im Solsystem. Der f96427 Clan etabliert die Artu-Domäne und kann sich einige Jahre behaupten. 2585 muss f96427.11 seinen Anspruch mit einem Zusammenschluss mehrerer Clans teilen (a5713). a5713 hat wechselnde Mitglieder (a5713.1-a5713.45), wehrt sich gegen a2003/f8563 und muss sich dann einer anderen Gruppe (a301) geschlagen geben. Danach beginnt eine 10-jährige Phase schneller Allianz- und Dominanzwechsel.
Die Geschehnisse werden später rekonstruiert durch Historiker von Artu. Den Menschen werden die Details erst bekannt durch die Veröffentlichung der Dokumentation "Barbaren von Sol" vom Media-Clan u54273 im Jahr 2826.
#Aliens #interplanetar #Konflikt
http://jmp1.de/h2587
2535 Tragödie von Cobol
Die erste interstellare Kolonie scheitert. Durch fremde Lebensformen und Feindschaft unter den Menschen.
Die Siedlung auf Cobol ist nicht autark. Für die ersten 20 Jahre ist jedes Jahr mindestens einen Versorgungsflug geplant. Die Siedler sind sehr gut ausgestattet. Sie haben in allen Bereichen High-Tech Ausrüstung, von Autofabs über Umweltanalyse bis zur Energieerzeugung. Aber trotzdem dauert es eine Weile, bis sie selbst genügend Nahrungsmittel herstellen können und ihre Fabs aus lokal gewonnenen Rohstoffen alle notwendigen Dinge herstellen. Für diese Zeit ist Unterstützung von außen vorgesehen und vorfinanziert.
Aber nach dem Dilan-Zwischenfall 2532 stürzt die interplanetare Wirtschaft in eine schwere Krise. Im Chaos der Fluchtbemühungen werden viele Werte zerstört und viele Wirtschaftsvorgänge unterbrochen. Geschäftspartner sind verschwunden, Lieferbeziehungen sind zerbrochen, Vermögen sind verloren. Der Finanzmarkt liegt am Boden. Auch die finanzielle Situation der Cobol-Stiftung ist prekär.
Deshalb werden die Versorgungsflüge nach Cobol für 18 Monate ausgesetzt. Zwei Flüge entfallen. Anfang 2534 ist es dann endlich wieder möglich, ein Versorgungsschiff auszurüsten. Unglücklicherweise geht das Schiff auf dem Flug verloren. Vermutlich trifft es im interstellaren Raum eine Materieansammlung, einen Irrläufer-Planeten oder eine Häufung dunkler Materie. Auch moderne Überlichtantriebe sind bei hohen ÜL-Faktoren immer noch sehr empfindlich gegenüber größeren Störmassen. Das Schiff kommt nie an.
Mangels interstellarer Kommunikationsmöglichkeiten erfährt man im Solsystem davon nichts. Erst ein zurückkehrendes Schiff könnte die Meldung mitbringen. Das nächste Versorgungsschiff startet 2535. Es kehrt drei Jahre später in das Solsytem zurück und bringt schlimme Nachrichten mit. Die Siedlung auf Cobol ist zerstört. Es gibt Anzeichen für Kämpfe. Man findet etwa 100 Leichen. Es nur wenige Überlebende in den Ruinen der Siedlung. Die Besatzung des Versorgungsschiffs findet Aufzeichnungen, die Auskunft geben über die dramatischen Umstände.
Die Biosphäre von Cobol ist grundsätzlich kompatibel. Aber sie stellt nicht die richtigen Proteine, Vitamine und Kohlenhydrate bereit. Die Siedler müssen alle Lebensmittel selbst herstellen. Das machen sie in modernen Gewächshäusern, wie in der solaren Lebensmittelproduktion auf Kunstsubstraten mit Nährlösungen. Zusätzlich gibt es vollständig künstlich hergestellten Ergänzungsmittel. Man arbeitet daran, erd-kompatible Biomasse aufzubauen, damit man später auch auf traditionelle Weise auf Erde und Humus anbauen kann. Aber neun Jahre nach der Landung ist noch nicht so viel Biomasse entstanden, dass man einfach Lebensmittel im Freien wachsen lassen könnte.
Die Lage der Kolonie auf Cobol wird 2532 problematisch. Ein Pilz von Cobol zersetzt Dichtungen und Bewässerungsschläuche. Er produziert giftige Stoffwechselprodukte, die viele Pflanzen absterben lassen. Die Nahrungsmittelproduktion bricht ein. Reserven reichen nur für drei Monate. Die Siedler kämpfen gegen den Pilz, um die nächste Ernte zu sichern. Der Pilz nistet sich in Wassertanks ein und infiziert von dort aus die wiederhergestellten Leitungen. Auch die nächste Ernte fällt aus. Die Lebensmittel werden rationiert. In der Hydroponik werden Alternativen ausprobiert und die bisher hergestellte erd-kompatible Biomasse wird in Gewächshäusern als Substrat eingesetzt. Aber der Pilz ist hartnäckig und befällt die wertvolle Biomasse. Der Kolonieführung und einigen Wissenschaftlern werden Fehler vorgeworfen.
Die Führung der Kolonie wird jährlich neu gewählt. So ist das in den Statuten der Cobol-Stiftung festgelegt. Die Wahl im dritten Jahr der Krise ist sehr polarisiert. Das Aktionsbündnis TRUTH gewinnt knapp gegen die Wahlliste ScienceRulez. Die neue Führung ordnet den Ausnahmezustand an. Sie baut eine bewaffnete Sicherheitstruppe auf. TRUTH-Kritiker werden suspendiert. Drei Monate später ändert die Führung die Rationierung zugunsten von Personen, die zur Lösung der Krise wichtig sind. Ein Klassensystem wird eingeführt. Führungsmitglieder, Security und einige Ingenieure erhalten volle Rationen. Der Status der übrigen Wissenschaftler wird abgewertet. Die Aufrechterhaltung der Ordnung mit allen Mitteln hat Priorität. Die Hälfte der Leute hungert. Kritiker werden aus der Siedlung ausgeschlossen. Einige werden sogar weit entfernt mit minimaler Ausrüstung abgesetzt. Dabei sind auch Familien mit kleinen Kindern. In der Wildnis kann niemand lange überleben. Verbannung kommt einem Todesurteil gleich.
Es gibt Widerstand gegen die drakonischen Maßnahmen. Beide Seiten fertigen Schusswaffen in Autofabs. Diese Codes sollte es eigentlich nicht auf Cobol geben. Aber irgendwie sind sie doch in das lokale Netz gelangt. Aufständische versuchen die TRUTH-Führung festzunehmen. Es gibt einen erbitterten Kampf zwischen den Aufständischen und der Sicherheitstruppe. Schusswaffen und improvisierte Sprengsätze beschädigen die Siedlung. Auch die Gewächshäuser nehmen Schaden. Die Auseinandersetzungen ziehen sich über mehrere Wochen. Den Aufständischen gelingt es schließlich, TRUTH und ihre paramilitärische Sicherheitstruppe zu verdrängen. Die Aufständischen schneiden ihre Gegner vom Nachschub der Fabs ab. Aber kurz darauf explodieren vorher deponierte Sprengsätze in der Zentrale, den Werkstätten und in Wohnbereichen.
TRUTH Mitglieder hatten bei ihrer Flucht Überlebensausrüstung und die verbliebenen Lebensmittel mitgenommen. Sie richten sich in wissenschaftlichen Außenposten ein und warten auf das nächste Versorgungsschiff. Aber das Leben in der Wildnis ist schwieriger, als man in der gut geschützten Siedlung angenommen hatte. Die Menschen in den Außenposten werden immer wieder Opfer einer aggressiven Fauna. Sie werden von großen Tieren angegriffen wenn sie die Station verlassen. Die Vorräte sind in den Außenposten nicht gut geschützt und leiden durch Insektenbefall. Und das nächste Versorgungsschiff kommt viel später als gedacht.
Bei den Kämpfen sterben 90 Siedler. Die gezielten Explosionen kosten 40 Leben. 50 Menschen wurden schon vor den Kämpfen so weit entfernt abgesetzt, dass sie die Siedlung zu Fuß nicht erreichen können. Die übrigen 120 Erwachsenen und 60 Kinder versuchen unter furchtbaren Umständen zu überleben. 15 Monate später kann das Versorgungsschiff 31 Erwachsene und 25 Kinder retten.
Zwanzig Jahre später wird Cobol wieder besiedelt. Die neue Kolonie ist auf die Herausforderungen besser vorbereitet. Der Pilz, der die erste Siedlung so in Bedrängnis brachte, wird biochemisch neutralisiert. Von Anfang an baut man in großem Stil erd-kompatible Biomasse auf und schafft Enklaven von irdischer Flora und Fauna in denen die Siedler leben. Im Lauf der Zeit verdrängen irdische Arten die ursprüngliche Biosphäre auf allen Ebenen. Viel später existieren nur noch Reste der nativen Ökologie in geschützten Bereichen während der Planet fast vollständig terraformiert ist. Der erste Fall von Terraformung durch Menschen, auch wenn hier nur die Biosphäre umgewandelt wird, nicht Meteorologie oder gar Geologie.
Nach dem Dilan-Zwischenfall ist die Tragödie von Cobol das zweite ernste Zeichen, dass die interstellare Expansion gefährlich ist. Die Menschen haben ihr eigenes Sonnensystem besiedelt. Das war nicht einfach. Das Solsystem war groß, gefährlich und leer. Die Menschen haben dabei viele technische und organisatorische Probleme gelöst. Jetzt trifft die Menschheit auf fremdes Leben. Dabei entstehen wieder unerwartete Situationen. Aber die größte Gefahr geht von der Reaktion der Menschen aus. Die Tragödie von Cobol wurde ausgelöst durch eine fremde Lebensform. Aber tödlich waren letztlich die Handlungen der Menschen in der Krise.
#interstellar #Siedler #Biochemie #Konflikt
http://jmp1.de/h2535
Die Siedlung auf Cobol ist nicht autark. Für die ersten 20 Jahre ist jedes Jahr mindestens einen Versorgungsflug geplant. Die Siedler sind sehr gut ausgestattet. Sie haben in allen Bereichen High-Tech Ausrüstung, von Autofabs über Umweltanalyse bis zur Energieerzeugung. Aber trotzdem dauert es eine Weile, bis sie selbst genügend Nahrungsmittel herstellen können und ihre Fabs aus lokal gewonnenen Rohstoffen alle notwendigen Dinge herstellen. Für diese Zeit ist Unterstützung von außen vorgesehen und vorfinanziert.
Aber nach dem Dilan-Zwischenfall 2532 stürzt die interplanetare Wirtschaft in eine schwere Krise. Im Chaos der Fluchtbemühungen werden viele Werte zerstört und viele Wirtschaftsvorgänge unterbrochen. Geschäftspartner sind verschwunden, Lieferbeziehungen sind zerbrochen, Vermögen sind verloren. Der Finanzmarkt liegt am Boden. Auch die finanzielle Situation der Cobol-Stiftung ist prekär.
Deshalb werden die Versorgungsflüge nach Cobol für 18 Monate ausgesetzt. Zwei Flüge entfallen. Anfang 2534 ist es dann endlich wieder möglich, ein Versorgungsschiff auszurüsten. Unglücklicherweise geht das Schiff auf dem Flug verloren. Vermutlich trifft es im interstellaren Raum eine Materieansammlung, einen Irrläufer-Planeten oder eine Häufung dunkler Materie. Auch moderne Überlichtantriebe sind bei hohen ÜL-Faktoren immer noch sehr empfindlich gegenüber größeren Störmassen. Das Schiff kommt nie an.
Mangels interstellarer Kommunikationsmöglichkeiten erfährt man im Solsystem davon nichts. Erst ein zurückkehrendes Schiff könnte die Meldung mitbringen. Das nächste Versorgungsschiff startet 2535. Es kehrt drei Jahre später in das Solsytem zurück und bringt schlimme Nachrichten mit. Die Siedlung auf Cobol ist zerstört. Es gibt Anzeichen für Kämpfe. Man findet etwa 100 Leichen. Es nur wenige Überlebende in den Ruinen der Siedlung. Die Besatzung des Versorgungsschiffs findet Aufzeichnungen, die Auskunft geben über die dramatischen Umstände.
Die Biosphäre von Cobol ist grundsätzlich kompatibel. Aber sie stellt nicht die richtigen Proteine, Vitamine und Kohlenhydrate bereit. Die Siedler müssen alle Lebensmittel selbst herstellen. Das machen sie in modernen Gewächshäusern, wie in der solaren Lebensmittelproduktion auf Kunstsubstraten mit Nährlösungen. Zusätzlich gibt es vollständig künstlich hergestellten Ergänzungsmittel. Man arbeitet daran, erd-kompatible Biomasse aufzubauen, damit man später auch auf traditionelle Weise auf Erde und Humus anbauen kann. Aber neun Jahre nach der Landung ist noch nicht so viel Biomasse entstanden, dass man einfach Lebensmittel im Freien wachsen lassen könnte.
Die Lage der Kolonie auf Cobol wird 2532 problematisch. Ein Pilz von Cobol zersetzt Dichtungen und Bewässerungsschläuche. Er produziert giftige Stoffwechselprodukte, die viele Pflanzen absterben lassen. Die Nahrungsmittelproduktion bricht ein. Reserven reichen nur für drei Monate. Die Siedler kämpfen gegen den Pilz, um die nächste Ernte zu sichern. Der Pilz nistet sich in Wassertanks ein und infiziert von dort aus die wiederhergestellten Leitungen. Auch die nächste Ernte fällt aus. Die Lebensmittel werden rationiert. In der Hydroponik werden Alternativen ausprobiert und die bisher hergestellte erd-kompatible Biomasse wird in Gewächshäusern als Substrat eingesetzt. Aber der Pilz ist hartnäckig und befällt die wertvolle Biomasse. Der Kolonieführung und einigen Wissenschaftlern werden Fehler vorgeworfen.
Die Führung der Kolonie wird jährlich neu gewählt. So ist das in den Statuten der Cobol-Stiftung festgelegt. Die Wahl im dritten Jahr der Krise ist sehr polarisiert. Das Aktionsbündnis TRUTH gewinnt knapp gegen die Wahlliste ScienceRulez. Die neue Führung ordnet den Ausnahmezustand an. Sie baut eine bewaffnete Sicherheitstruppe auf. TRUTH-Kritiker werden suspendiert. Drei Monate später ändert die Führung die Rationierung zugunsten von Personen, die zur Lösung der Krise wichtig sind. Ein Klassensystem wird eingeführt. Führungsmitglieder, Security und einige Ingenieure erhalten volle Rationen. Der Status der übrigen Wissenschaftler wird abgewertet. Die Aufrechterhaltung der Ordnung mit allen Mitteln hat Priorität. Die Hälfte der Leute hungert. Kritiker werden aus der Siedlung ausgeschlossen. Einige werden sogar weit entfernt mit minimaler Ausrüstung abgesetzt. Dabei sind auch Familien mit kleinen Kindern. In der Wildnis kann niemand lange überleben. Verbannung kommt einem Todesurteil gleich.
Es gibt Widerstand gegen die drakonischen Maßnahmen. Beide Seiten fertigen Schusswaffen in Autofabs. Diese Codes sollte es eigentlich nicht auf Cobol geben. Aber irgendwie sind sie doch in das lokale Netz gelangt. Aufständische versuchen die TRUTH-Führung festzunehmen. Es gibt einen erbitterten Kampf zwischen den Aufständischen und der Sicherheitstruppe. Schusswaffen und improvisierte Sprengsätze beschädigen die Siedlung. Auch die Gewächshäuser nehmen Schaden. Die Auseinandersetzungen ziehen sich über mehrere Wochen. Den Aufständischen gelingt es schließlich, TRUTH und ihre paramilitärische Sicherheitstruppe zu verdrängen. Die Aufständischen schneiden ihre Gegner vom Nachschub der Fabs ab. Aber kurz darauf explodieren vorher deponierte Sprengsätze in der Zentrale, den Werkstätten und in Wohnbereichen.
TRUTH Mitglieder hatten bei ihrer Flucht Überlebensausrüstung und die verbliebenen Lebensmittel mitgenommen. Sie richten sich in wissenschaftlichen Außenposten ein und warten auf das nächste Versorgungsschiff. Aber das Leben in der Wildnis ist schwieriger, als man in der gut geschützten Siedlung angenommen hatte. Die Menschen in den Außenposten werden immer wieder Opfer einer aggressiven Fauna. Sie werden von großen Tieren angegriffen wenn sie die Station verlassen. Die Vorräte sind in den Außenposten nicht gut geschützt und leiden durch Insektenbefall. Und das nächste Versorgungsschiff kommt viel später als gedacht.
Bei den Kämpfen sterben 90 Siedler. Die gezielten Explosionen kosten 40 Leben. 50 Menschen wurden schon vor den Kämpfen so weit entfernt abgesetzt, dass sie die Siedlung zu Fuß nicht erreichen können. Die übrigen 120 Erwachsenen und 60 Kinder versuchen unter furchtbaren Umständen zu überleben. 15 Monate später kann das Versorgungsschiff 31 Erwachsene und 25 Kinder retten.
Zwanzig Jahre später wird Cobol wieder besiedelt. Die neue Kolonie ist auf die Herausforderungen besser vorbereitet. Der Pilz, der die erste Siedlung so in Bedrängnis brachte, wird biochemisch neutralisiert. Von Anfang an baut man in großem Stil erd-kompatible Biomasse auf und schafft Enklaven von irdischer Flora und Fauna in denen die Siedler leben. Im Lauf der Zeit verdrängen irdische Arten die ursprüngliche Biosphäre auf allen Ebenen. Viel später existieren nur noch Reste der nativen Ökologie in geschützten Bereichen während der Planet fast vollständig terraformiert ist. Der erste Fall von Terraformung durch Menschen, auch wenn hier nur die Biosphäre umgewandelt wird, nicht Meteorologie oder gar Geologie.
Nach dem Dilan-Zwischenfall ist die Tragödie von Cobol das zweite ernste Zeichen, dass die interstellare Expansion gefährlich ist. Die Menschen haben ihr eigenes Sonnensystem besiedelt. Das war nicht einfach. Das Solsystem war groß, gefährlich und leer. Die Menschen haben dabei viele technische und organisatorische Probleme gelöst. Jetzt trifft die Menschheit auf fremdes Leben. Dabei entstehen wieder unerwartete Situationen. Aber die größte Gefahr geht von der Reaktion der Menschen aus. Die Tragödie von Cobol wurde ausgelöst durch eine fremde Lebensform. Aber tödlich waren letztlich die Handlungen der Menschen in der Krise.
#interstellar #Siedler #Biochemie #Konflikt
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