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2786 Yaris-Phänomen


Yaris wurde 130 Jahre zuvor entdeckt. Zu dieser Zeit gab es auf Yaris nur steinzeitliche Kulturen mit kleinen Siedlungen und einfacher Viehzucht. Innerhalb von wenigen Generationen kolonisiert Yaris die umliegenden Systeme mit überlichtschnellen Schiffen. Die schnelle Entwicklung ist ein Phänomen.

Yaris steht von Anfang an in engem Kontakt mit mehreren Hochtechnologiegesellschaften der Umgebung. Schon früh arbeiten viele Bewohner von Yaris (Singular: Yari, plural: Yaris) für interstellare Unternehmen. Trotz ihrer Herkunft aus einer vorindustriellen Gesellschaft, sind Yaris sehr beliebt. Sie sind ruhig, kooperativ, effizient, intelligent, kreativ und sie nehmen die modernen Technologien schnell an. Yaris sind bekannt für ihren ausgeglichenen Charakter. Sie fügen sich ohne Probleme ein in die gesellschaftliche und kulturelle Umgebung ihrer Arbeitgeber. Manche machen Karriere und erreichen wichtige Positionen im mittleren Management.

Nach einiger Zeit kehren diese Fremdarbeiter auf ihren Heimatplaneten zurück. Mit der Ausbildung, den Upgrades und den finanziellen Mitteln, die sie erhalten haben, bringen sie ihre Gesellschaften schnell voran. Innerhalb von wenigen Generationen sind einige Regionen von Yaris modernisiert.

Nach etwa 100 Jahren beginnen Yaris mit gemieteten Interstellarschiffen die umliegenden Sonnensysteme zu erkunden. Erste Forschungsaußenposten mit kleinen angeschlossenen Siedlungen entstehen im Yaris-System und darüber hinaus. Schon 10 Jahre nachdem das erste Schiff das System zu Forschungszwecken verlassen hatte, wird eine Kolonie gegründet. Yaris unterstützt die Kolonie nach besten Kräften. Weitere Siedlungen auf Planeten und in Asteroidengürteln naher Systeme folgen kurz darauf. Mit den vereinten Nationen von Yaris entsteht eine starke und selbstbewusste aber freundliche interstellare Macht.

Natürlich ist bei weitem noch nicht der ganze Planet modernisiert. Technologie und Wohlstand konzentrieren sich in bestimmten Regionen, in einzelnen Städten und bei Individuen. Daneben sind große Teile des Planeten immer noch in der Steinzeit. Aber auch diesen Teilen der Bevölkerung geht es verhältnismäßig gut. Sie haben noch keine Technologiegüter und keine moderne Medizin, aber sie führen ein zufriedenes traditionelles Leben. Die "rückständigen" Teile des Planeten wissen von den neuen Entwicklungen. Sie werden von den fortschrittlichen Regionen eingebunden. Mit der Zeit bekommen alle Städte und Dörfer moderne Kommunikationsmittel, später Autofabs und sogar Autodocs. Immer mehr Bewohner von Yaris beteiligen sich an der Technologiegesellschaft. Viele verlassen ihre traditionellen Berufe, wenn sich neue Möglichkeiten bieten. Die Einkommen steigen nur moderat. Auch für traditionelle Leistungen und Güter werden höhere Preise bezahlt, so dass auch für die noch traditionell lebende Bevölkerung der Lebensstandard steigt.

Yaris profitiert sehr stark von interstellarer Technologie. Der Planet überspringt viele zivilisatorische Entwicklungsschritte und Transformationen, wie Industrialisierung und Elektrifizierung. Technologie muss nicht mühsam entwickelt werden, sondern wird eingekauft oder adaptiert aus kostenlosen Quellen. Yaris springt von einer steinzeitlichen Gesellschaft direkt auf den interstellaren Technologielevel, von Pflugscharen und Manufaktur zu Autofabs und Design.

Die Entwicklungsgeschwindigkeit von Yaris ist rasant. Die Zivilisation entwickelt sich viel schneller, als man es sonst kennt. 80 Jahre nach dem Erstkontakt fällt das einigen Wissenschaftlern auf und es gibt erste Untersuchungen. Als Yaris nur 110 Jahre nach seiner Entdeckung in der Steinzeit schon interstellar kolonisiert, werden viele aufmerksam. Das Yaris-Phänomen wird intensiv untersucht. Man versucht, den besonderen Faktor zu finden, der diese schnelle Entwicklung verursacht. Wissenschaftler vieler Völker aus vielen Disziplinen beschäftigen sich mit dem Fall. Man entdeckt Besonderheiten, aber keinen eindeutigen Grund. Analysiert man einzelne Entwicklungsschritte, dann löst sich das Mysterium in Luft auf. Die einzelnen Entwicklungsschritte erscheinen möglich, logisch und natürlich:

Ein Eingeborener, der 20 Jahre bei Touqan Enterprises als Einkäufer gearbeitet hatte und durch gute Leistungen zum Bereichsleiter aufgestiegen ist, kommt nach Yaris zurück und bringt Fabs mit freien Designs für Alltagsgegenstände mit. Ein anderer bringt nach mehreren Jahren als Mining-Swarm Pusher bei Dhatu Metals einige Mining-Bots nach Yaris und produziert Rohstoffe. Da günstige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, wird wenig (teure) KI-gesteuerte Ausrüstung benutzt. Yaris überwachen die Geräte selbst. Das gibt vielen Leuten Arbeit und verteilt den neuen Wohlstand. Ein Yari, im Hauptberuf Fährtensucher und Jäger (mit Pfeil und Bogen), verbringt jeden Tag 6 Stunden mit Fernkursen und Lehr-Videos (später mit Lehr-Slinks,  Sensory Links über Implantate). Nach 4 Jahren wird er Prospektor für Bodenschätze und bedient die Analysegeräte. So machen das erst Tausende, dann Hunderttausende.

Das Yaris-Phänomen zeichnet sich eher durch das Fehlen besonderer Umstände aus. Es gibt wenige Störungen oder Behinderungen, keine Kriege, Aufstände, Spekulationsblasen, Streiks oder Ausbeutung.

Yaris sind beliebte Arbeitskräfte für Exo-Unternehmen. Das ist ein wichtiger Faktor. Aber warum das so ist, ist nicht eindeutig. Sie sind gut, engagiert, lernen schnell, fügen sich ein und stören nicht. Das erklärt nicht, warum interstellare Unternehmen so viele Yaris anheuern. Aber es erklärt wie Startkapital und Know-How nach Yaris kommen.

Yaris scheinen ihren Wohlstand gerne zu teilen. Fast alle Fremdarbeiter kommen nach einiger Zeit zurück und helfen ihren Verwandten, ihrem Heimatdorf und damit ihrer Gesellschaft.

Yaris verschwenden keine Zeit. Sie arbeiten, lernen, forschen und lehren. Fragt man Yaris, wie sie etwas geschafft haben, dann bekommt man als Antwort: "versuchen, lernen, machen". Das klingt logisch, erklärt aber nicht den Unterschied zu anderen Völkern.

Yaris haben nicht viel, was Überfälle lohnt. Viele Völker, die in das interstellare Umfeld vordringen, werden durch Überfälle zurückgeworfen. Yaris hat keine große Infrastruktur. Alles ist dezentral. Einzelne Mining-Bots wühlen sich durch Berge und extrahieren Metalle, Boten und Drohnen bringen die Rohstoffe zu lokalen Minifabs. Kleine Fusionsgeneratoren, aber auch Wind- und Solargeneratoren, erzeugen dezentral Energie. Kein einzelner Yari hat übermäßigen Wohlstand. Auch interplanetar sind eher Prospektor- und Mining-Swarms unterwegs, die es nicht zu stehlen lohnt. Es gab Besuche von Plünderern verschiedener Völker und Fraktionen. Aber bisher wurden nur einige Tankstationen im Asteroidengürtel beschädigt.

Yaris sind sehr kooperativ. Es gibt fast keine Konflikte. Sie sind gastfreundlich und teilen. Rückständige Yaris streben auch nach dem Schritt ins Hochtechnologiezeitalter, aber Neid scheint ihnen fremd zu sein. Sie leben in der Gewissheit, dass auch sie bald dran sind - oder ihre Kinder. Kriege scheint es nicht zu geben. Es gibt Geschichten über größere, auch blutige Konflikte. Yaris wissen sich zu wehren, aber in der jüngsten Vergangenheit kam so etwas nicht vor. Fragt man Yaris warum nicht, dann erntet man Unverständnis. Das Konzept Krieg ist bekannt, aber es wird als irrational und unwirtschaftlich angesehen, vor allem wenn man alle Folgekosten hinzurechnet, wie Ökonomen von Yaris gerne erklären. Auch das klingt vernünftig.

Yaris sind meistens ehrlich. Es gibt wenig Betrug oder Ausbeutung. Mündliche Absprachen gelten. Es gibt schriftliche Verträge, aber geklagt wird selten. Vor der Gemeinschaft gilt die Absicht des Vertrags, nicht der Wortlaut. "Jarura" scheint ein zentraler Begriff zu sein. Das wird übersetzt mit "Anstand, Ehrlichkeit, Charakter". Die direkte Übersetzung ist "natürlich" oder "selbstverständlich". Yaris wollen Jarura sein. In unsere Begriffe übersetzt ist Jarura ein informelles Reputationssystem. Wer mehr Jarura ist, mit dem macht man lieber Geschäfte. Das klingt logisch, erklärt aber nicht warum das bei anderen Völkern nicht so ist. Das Finanzsystem von Yaris ist unterentwickelt. Man kann nur verleihen, was man hat. Es gibt Banken, aber es gilt als unanständig, Einlagen mehrfach als Kredite zu vergeben. Viele Kredite werden ohne Sicherheit gegeben. Das Rückzahlungsversprechen ist Jarura.

Manche betrachten Jarura als den entscheidenden Faktor. Vielleicht macht Anstand den Unterschied. Zumindest bei Völkern wo Anstand als Konzept sinnvoll ist. Es gibt auch Völker, die ganz anders organisiert sind. Ein Beispiel sind die Dilan-Wesen. Sie sind untereinander sehr kooperativ. Aber wahrscheinlich sind Konzepte wie Anstand und Kooperation in ihrer Biologie nicht relevant. Sind die Bienen eines Schwarms untereinander ehrlich, gerecht und kooperativ? Faktisch ja. Das hat die Natur so angelegt. Die Bienen haben keine Wahl. Die Yaris dagegen haben eine Wahl. Sie sind "Jarura" weil es vernünftig und nützlich ist. Viele Völker, wie Menschen und Kisori sind ähnlich strukturiert. Sie sind aber manchmal nicht Jarura wenn sie sich individuelle kurzfristige Vorteile erhoffen.

http://jmp1.de/h2786

2851 Katastrophaler Zusammenstoß eines Asteroiden mit dem Planeten Begun.

Wundersame Rettung der Bevölkerung durch den Eingriff einer unbekannten Macht.

Begun wurde 60 Jahre zuvor vom Explorer-Schiff Jaipur entdeckt. Auf dem Planeten gibt es eine vorindustrielle Zivilisation. Einige Jahre später richtet das xenopologische Institut von Anawrahta (Süd-Funan auf Suvarnabhumi) einen kleinen Außenposten ein. Intelligente Völker sind generell von wissenschaftlichem Interesse. Jedes Volk bietet bereichert die xenopologische Forschung durch seine Eigenheiten.

Nach fast 20 Jahren Routinearbeit entdeckt ein anfliegendes Versorgungsschiff einen 700 km großen Asteroiden auf Kollisionskurs. Der Asteroid ist noch 10 Orbits (40 Jahre) von der Kollision entfernt, aber die automatische Trajektorienextrapolation der Schiffsysteme meldet den potentiellen Impakt. Der Fund taucht kurz in interstellaren Nachrichtendiensten auf. Aber die Kollision liegt damals noch weit in der Zukunft.

Ein Jahr vor dem Einschlag wird in einigen Medien über eine Hilfsaktion diskutiert. Die Verschiebung eines 700 km großen Himmelskörpers aus seiner Bahn innerhalb der verbleibenden Monate würde immensen Aufwand erfordern. Die Aufmerksamkeit der größeren Regionalmächte ist aber vor allem durch das Neobarbarenproblem gebunden. Übergriffe von Neobarbaren aus verschiedenen Völkern auf Zentren der interstellaren Zivilisation nehmen immer mehr zu. Angesichts dieser Bedrohung erscheint ein großer angelegter Einsatz technischer oder militärischer Kräfte nicht möglich.

Private und öffentliche Hilfsorganisationen verschiedener Völker versuchen Eingeborene zu evakuieren. Tatsächlich laufen einige Rettungsprogramme schon seit 10 Jahren. Die solare Goodwill Kampagne trägt einen großen Teil der Last. Es ist aber auch klar, dass nur ein Bruchteil der Bevölkerung evakuiert werden kann.

Gleichzeitig versuchen Schlepper den Asteroiden zu bewegen. Auch diese Aktivitäten werden vor allem durch private Organisationen getragen. Bemerkenswert ist der Einsatz kisorischer Alturisten mit 80 Schleppern, die von gemieteten Flottentendern herangebracht werden. Der Himmelskörper zeigt eine überraschend hohe Trägheit. Die Flugbahn ändert sich weniger als erwartet.

Wenige Tage vor dem Einschlag werden die Evakuierungen abgebrochen. Die Hilfskräfte ziehen sich zurück. Mehrere Millionen Bewohner konnten gerettet werden. 20 Millionen bleiben zurück. Viele waren noch nicht einmal kontaktiert und wissen nichts von ihrem Schicksal. Einige verzweifelte Aktivisten weigern sich zu gehen. Sie berichten von weißen Engeln, die Zurückgebliebene in den Himmel führen. Der Einschlag kommt wie erwartet. Er ist ein kataklysmisches Ereignis mit einer Zerstörungskraft weit jenseits der Torino Skala, eher zu vergleichen mit dem Einschlag auf der Erde bei dem der Mond geformt wurde.

Einige Tage später tauchen viele Millionen der Eingeborenen auf mehreren bewohnbaren Planeten der Umgebung auf. Schätzungen zufolge wurde fast die gesamte Bevölkerung gerettet. Wie das geschah bleibt unklar. Aufzeichnungen automatischer Kameras zeigen weiße (Energie-?)Nebel, die wie aus dem Nichts überall erscheinen und vermutlich mit den beschriebenen Engeln in Verbindung stehen. Man vermutet, dass die Nebel zu einem sehr fortschrittlichen Transportsystems einer unbekannten Macht gehören.

Auch die überraschend große Masseträgheit des Asteroiden, der sich förmlich den Anstrengungen ihn zu bewegen widersetzte, bleibt unerklärt. Es gibt Spekulationen, dass eine unbekannte Macht die Bemühungen der Schlepper sabotierte. Der Transport der gesamten Bevölkerung erscheint viel aufwändiger, als eine Ablenkung des Asteroiden. Zur Frage, warum der Zusammenstoß nicht verhindert wurde, aber dafür mit viel größerem Aufwand die Einwohner gerettet wurden, gibt es nur Spekulationen. Möglicherweise wollte diese unbekannte Macht gewährleisten, dass der Zusammenstoß stattfindet, wie von der Natur vorgesehen, rettete aber im Gegenzug die Bevölkerung.

Die weißen Nebel erinnern an die Energieblasen der Contour 60 Jahre zuvor.

Die Rettung der Beguner ist ein interstellares Medienereignis ersten Ranges.

Auf mehreren Planeten der Umgebung (solare Kolonien, kisorische Vasallen und viele andere Völker) sind Millionen heimatlose Beguner zu versorgen.

http://jmp1.de/h2851