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2501 Frühe extraplanetare Forschungsmissionen

In unserem Bereich der Milchstraße ist viel Platz zwischen den Sternen. Die Umlaufbahnen der äußeren Planeten passen da 10.000 Mal hinein. Der interstellare Raum ist riesengroß. Ein Volumen tausend Milliarden mal so groß wie das Sonnensystem. Und es ist nicht leer. Außerhalb der regulären Planeten gibt es weitere Kleinplaneten und den Kuiper-Gürtel. Noch weiter im extraplanetaren Raum die Oort'sche Wolke und die Baqannoo-Sphäre.

Es gibt Irrläufer-Objekte, Asteroiden, Planeten, braune Zwerge, Pulsare, Uraniden, Häufungen dunkler Materie und andere exotische Dinge, sogar technische Installationen, wie man viel später herausfindet. Es gibt viel zu entdecken und zu erforschen. Aber die Entfernungen sind gewaltig. Die meisten Objekte sind zu weit weg für Rückstoßtriebwerke.

Mitte des dritten Jahrtausends hat sich der Raumschiffantrieb nach dem Raumkrümmer-Prinzip etabliert. Anfangs wurde er für Expressfrachten auf Diagonalstrecken verwendet, mit effektiven Geschwindigkeiten, die weit unter der Lichtgeschwindigkeit lagen. Heute kommen uns die ersten Raumkrümmer vor, wie der Flug der ersten Doppeldecker-Flugzeuge. Die Schiffe waren damals noch mit einem Tausendstel der Lichtgeschwindigkeit unterwegs. Sie waren sehr klobig, teuer und unzuverlässig. Das ist 120 Jahre her. Seitdem hat sich viel getan. Frachter sind mit 2% c inzwischen 20-mal schneller. Die Antriebe sind zuverlässig und sie laufen bei dieser Geschwindigkeit auch im Dauerbetrieb.

Theoretisch fliegt man heute sogar (effektiv) viermal so schnell sind wie das Licht. Damit kommt man schon weit in die Oort'sche Wolke. Aber diese Technologie ist an der Grenze des Machbaren. Sie ist noch nicht für Dauerlast geeignet und kann deshalb nicht auf langen Strecken eingesetzt werden, jedenfalls nicht ohne Risiko.

Seit es Raumkrümmer gibt, haben astrophysikalische Forschungsexpeditionen die Grenzen der Antriebe ausgetestet. Die Wissenschaftler finden immer wieder neue interessante Ziele in der näheren Umgebung. Und um dort hinzukommen gehen sie an die Grenze des Möglichen. Astrophysikalische Expeditionen sind auch oft gleichzeitig Belastungstests für die nächste Antriebsgeneration.

Viele Organisationen sind aktiv in Astronomie und Astrophysik. Mit interplanetaren Instrumenten kann man heute sehr weit und sehr genau sehen. Und Raumkrümmer bieten nun die Möglichkeit, die astronomischen Entdeckungen in der näheren interstellaren Umgebung der Sonne, dem extraplanetaren Raum, zu besuchen. Es gibt im Lauf der Zeit viele Flüge zu extraplanetaren Zielen. Es gibt wissenschaftliche Expeditionen, geheime militärische Missionen,  private Unternehmen und auch spektakuläre Fehlschläge.

Mit neuen Triebwerken immer weiter hinaus zu fliegen in den interstellaren Raum zwischen den Sternen gehört zu den letzten großen Abenteuern. Hat man ein technisches Problem und geht der Antrieb kaputt, dann kann man im Nichts stranden, Lichtwochen oder Lichtmonate von Hilfe entfernt. Sogar die Nachricht von der Havarie braucht dann Monate bis nach Hause. Schnelle Rettung ist unwahrscheinlich. Man kann nicht mal eben ein Schiff in ein paar Kubik-Lichtmonaten aufspüren. Sogar das Peilsignal ist wochenlang unterwegs. Und es gibt sowieso nicht viele Schiffe, die verfügbar und leistungsfähig genug sind für eine Rettungsmission.

Hier einige bemerkenswerte Expeditionen in den ersten 100 Jahren intrastellarer Reisen:

- Pontos (früher: neunter Planet), das Eiswunder. Pontos ist ein Eisplanet. Er wurde vor hunderten Millionen Jahren von einem marsgroßen Körper getroffen. Die kinetische Energie verflüssigte den gesamten Planeten und für einige Millionen Jahre sorgte der langsam abkühlende Kern dafür, dass seine 1000 Kilometer dicke Ammoniak-Wassereis-Hülle eine Zeit der Tektonik und des Wetters erlebte. Inzwischen ist alles wieder erstarrt zu einer faszinierenden Eislandschaft.

Eine Expedition besuchte Pontos 2390. Sie entdeckte die Eislandschaften. Auf dem Rückweg gab es ein Problem mit dem Antrieb. 1000 AU vom inneren System strandete die Gahara Sthaan IX mit ihrer Mech-Besatzung. Die Infomorphe wurden 37 Jahre später durch eine Rettungsmission evakuiert.

Trivia: Pontos wurde benannt nach einem alten griechischen Meeresgott.  Man wählte absichtlich einen Namen mit "P", um Pluto in Abzählreimen zu ersetzen.

- Tyche, ein brauner Zwerg in 1,1 Lichtjahren Entfernung von der Sonne (=80.000 AU). Tyche ist gravitativ an unsere Sonne gebunden. Er befindet sich auf einer sehr weiten Umlaufbahn. Tyche hat 15 Jupitermassen. Er ist ein sehr kleiner und kalter brauner Zwerg. Tyche hat eine mittlere Oberflächentemperatur von -20 Grad Celsius. Er wurde zuerst 2493 besucht. Tyche hat vier Trabanten (Monde oder Planeten, je nach Sichtweise) von denen einige wieder eigene Monde haben. Auf einem Mond von Tyche A gibt es im späten 27. Jahrhundert eine permanente Forschungsstation. Die Wissenschaftler studieren die Möglichkeit von nativem Leben auf Tyche an einigen heißen Quellen mit flüssigem Wasser.

Trivia: der Name Tyche bezeichnete ursprünglich einen hypothetischen Planeten in der Oort'schen Wolke, der durch seinen Gravitationseinfluss Kometen mit langer Periode produziert. Eine statistische Analyse der Bahnparameter führte im 20. Jahrhundert zur Tyche-Theorie. Die Theorie wurde nach einer Durchmusterung mit Infrarot-Teleskopen im 21. Jahrhundert verworfen. Der heute Tyche genannte Himmelskörper ist viel weiter entfernt als der hypothetische Tyche des 20. Jahrhunderts. Auch er stört Bahnen in der Oort'schen Wolke und löst Kometen aus, aber ohne die statistische Auffälligkeit. Diese stellte sich später als Oszillation in der Oort'schen Wolke selbst heraus. Tyche entspricht auch nicht dem früher vermuteten periodischen Oort-Störer, der das Dinosauriersterben verursacht haben soll.

- Bis in eine Entfernung von 2 Lichtjahren gibt es mehrere planetenartige Himmelskörper. Bei den meisten handelt es sich um eingefangene Irrläufer-Planeten mit weiten elliptischen Umlaufbahnen. Die Irrläufer entstanden vor langer Zeit bei anderen Sonnen und wurden durch verschiedene Effekte aus ihrem System katapultiert. Die Größe reicht von kleinen Merkur-großen Gesteinsplaneten über gefrorene Gasriesen bis zu braunen Zwergen. Sie bilden zusammen die sogenannte Baqannoo-Sphäre (nach Iddo Baqannoo). Pontos und Tyche sind die bekanntesten Vertreter der Baqannoo-Sphäre.

Inzwischen sind über 300 Objekte bekannt. Abgesehen von Pontos und Tyche wurden in den ersten Jahren der extraplanetaren Erkundung nur drei der Objekte besucht. Eine vierte Expedition ist verschollen. Es gibt keine Hinweise auf den Verbleib. Der Kontakt brach auf dem Hinflug in einer Entfernung von 4000 AU plötzlich ab.

Trivia: Spätestens mit dem Nachweis des vierten Baqannoo-Objekts wurde die Stellung von Pontos als neunter Planet in Frage gestellt. Als im Lauf der Zeit immer mehr semi-gebundene interstellare planetenartige Objekte entdeckt wurden und die Baqannoo-Sphäre Gestalt annahm, wurde Pontos von der Internationalen Astronomischen Union als Semiplanet klassifiziert und verlor damit seinen Status als neunter Planet des Sonnensystems.

- ein alter Pulsar in 1,5 Lichtjahren Entfernung, Katalogbezeichnung XA-2314c-M. Die Rotationsperiode des Pulsars beträgt 4,2 Sekunden. Der Strahl-Konus ist nicht in das innere Sonnensystem gerichtet. Deshalb wurde er sehr spät entdeckt. Das erste Signal war eine Reflexion an einem Baqannoo-Sphären Objekt. Erstmals besucht 2443 durch Starprobe: ein Vorbeiflug von Nanosonden mit 30.000 km/s. Der erste dauerhafte Besuch war die Expedition der Kublai-Khan im Jahr 2498.

- Uraniden, Kometenkerne der Oort'schen Wolke mit einem ungewöhnlich hohem Urananteil. Die Zerfallswärme des Urans sorgt für flüssiges Wasser im Inneren des Kometenkerns. Das Wasser moderiert die Neutronen der Uran-Fission und hält so einen natürlichen Atomreaktor am Leben. Entdeckt wurden Uraniden im Jahr 2373 durch eine Explosion als ein Kern überkritisch wurde und mit einer natürlichen 5 kt Explosion auf sich aufmerksam machte. Die Explosion wurde von Gammadetektoren im System registriert. Daraufhin konnte man die zugehörigen optischen, Infrarot- und Neutrinosignale in permanent laufenden Experimenten finden und über Triangulation die Position bestimmen.

Es gibt mehrere Uraniden. Der nächste ist 2.800 AU entfernt. Die Uraniden entstanden als eine Supernova schwere Elemente auf einem ihrer Eisriesen deponierte. Der Planet brach dabei auseinander und die Trümmer verteilten sich im interstellaren Raum. Einige Millionen Jahre später wurden einige dann von unserer Sonne eingefangen. Bei einer Expedition zu BA-2421j-U im Jahr 2477 wurden Proben genommen. Dank der vielen Proben und der großen Menge verschiedener Isotope und Zerfallsketten konnte man den Zeitpunkt der Supernova-Explosion auf 10 Stellen genau bestimmen. Die Supernova fand statt im Jahr 8.131.606 vor unserer Zeitrechnung am 31. März um 13:29 h +/- 7 Minuten, also zwischen 13:22 h und 13:36 h GMT.

- ein besonders exotisches extraplanetares Objekt ist die Shen-Senke (nach dem Astronomen Shen Li) in 22.000 AU Entfernung. Die Senke ist eine Häufung ultrakalter dunkler Materie. Sie wurde im Jahr 2289 entdeckt durch ein zufälliges Gravitationslinsen-Ereignis. Die dunkle Materie macht sich nur gravitativ bemerkbar. Sie entspricht der Masse des Neptuns und hat eine Ausdehnung von 3 Millionen Kilometern.

Dunkle Materie sollte eigentlich nicht so kompakt auftreten. Da sie nicht mit sich selbst interagiert und deshalb keine inelastischer Stöße vorkommen, gibt es keine bremsenden, bzw. klumpenden Effekte. Die Masse der Shen-Senke muss durch einen unbekannten Effekt abgebremst worden sein. Ihre Konstituenten haben sehr geringe Relativgeschwindigkeiten und befinden sich nun quasi frei auf benachbarten Trajektorien um unsere Sonne.

Das Ultrateleskop BISON erkennt 2413 mehrere Satelliten, eingefangene Oort-Objekte, in weiten Orbits um die Gravitationssenke und einen Asteroiden, der innerhalb der Senke kurioserweise fast linear durch das kräftefreie Zentrum oszilliert. In den Jahr 2484 wird die Shen-Senke von zwei konkurrierenden Expeditionen besucht und genau vermessen (Tsegaye-Gubennya-13 vom Astrophysikalischen Institut des Jupiter-Orbital Mek’ele und Scott-Gravity-Research-A/Isle of Sol/Venus). Die Terra Nova, das Schiff von Scott-Gravity, erreicht die Shen-Senke wenige Wochen nach Tsegaye-Gubennya.

Auf dem Rückflug trifft die Terra Nova auf eine weitere unbekannte Gravitationssenke, heute bekannt als Terra Nova Riff. Die bis dahin unbekannte Gravitationsanomalie ist kompakter als die Shen-Senke mit weniger Masse und  Ausdehnung. Heute wissen wir, dass sie, wie mehrere andere kleinere Senken, die Shen-Senke umkreist. Die Terra Nova läuft mit voller Reisegeschwindigkeit und ohne Vorwarnung in die Senke. Die fraktalen Raumverzerrungen des Antriebs lösen eine heftige Reaktion in den Konstituenten der Senke aus. Diese bestehen zwar nicht aus baryonischer Materie, aber sie reagieren auf gravitative Raumverzerrungen. Die Explosion der Terra Nova ist mit solaren Großteleskopen gut zu sehen.

Seit der Terra Nova Katastrophe vermutet man, dass es noch viele weitere Häufungen dunkler Materie im extraplanetaren Raum gibt. Gravitationssenken sind aber schwer zu entdecken. Sie sind letztlich nur leerer Raum mit einem flachen Gravitationspotential.

#Planet #Reisen #Wissenschaft #Irrläufer #Interstellar #ExotischeObjekte

http://jmp1.de/h2501

2626 Erster Besuch im Sektorzentrum

Eine Expedition besucht Kisor, das 2 Planeten-Reich, später auch Kisor-Zwillinge genannt. Kisor ist das imperiale Regionalzentrum und damit die lokale Ordnungsmacht.

Nach den Erfahrungen mit der Artu-Domäne und extrasolaren Piraten im Solsystem ist es die wichtigste Aufgabe der Koalition, Beziehungen zu Völkern aufzubauen, die den Menschen bei Angriffen beistehen können. Man hofft, dass die Kisor-Zwillinge als lokaler Vertreter des Imperiums diese Rolle übernehmen werden.

Die Koalition mietet ein Interstellarschiff von einem Schiffsvermieter der Babur III Harmonie / Thoris. Das Schiff benötigt für die Reise zum Kisor-System 10 Tage. Ein Schiff aus solarer Produktion hätte eher 2 Jahre gebraucht.

Das Botschaftsschiff der Koalition erreicht das Kisor System senkrecht zur Ekliptik. Man nähert sich vorsichtig an. Ab einer Entfernung von 2 Lichttagen (ca. 25 Milliarden km) hält das Schiff jede Lichtstunde an, sendet seine Kennung und wartet auf Antwort. Man geht davon aus, dass die Behörden Kisors die Schiffskennung zuordnen können, denn das Schiff hat einen imperialen Transponder. Bei 10 Lichtstunden Abstand empfängt man die Anweisungen der Flugleitzentrale, auf einen Lotsen zu warten. Nach 30 Stunden nähert sich ein Kurierschiff. Über eine flexible Andockröhre wechselt der kisorische Lotse mit zwei Begleitern auf das Botschaftsschiff. Der Lotse geleitet das solare Schiff in das innere System. Dort wird ein Parkorbit um einen Altur-Mond zugewiesen.

Das System ist wie erwartet gut ausgebaut und industrialisiert. Auffällig sind die gewaltigen Verladeterminals im interplanetaren Raum und der interstellare Frachtverkehr. Die Terminals lernt man später als Umschlagplätze der kisorischen Handelsgilden kennen. Es gibt zwei bewohnbare Planeten, Kisor-Alpha, der Ursprung des Volkes und Kisor-Beta, der innere Planet, der Alpha angepasst wurde. Das Kisor-System hat mehrere Asteroidengürtel, einer davon rotiert als Teil des Ringsystems um den Gasriesen Altur. In den Asteroidengürteln gibt es sehr viel Aktivität. Das meiste davon ist automatisiert. Die Bevölkerung konzentriert sich auf die zwei bewohnbaren Planeten. Nur kleine Siedlungen sind im System verstreut. Es fehlen die orbitalen Habitate und freien Bereiche, die man inzwischen von anderen hochentwickelten Systemen kennt.

Die Menschen werden freundlich empfangen. Ein Mitarbeiter der kisorischen Ausländerbehörde legt einen Vorgang an und nimmt den Fall auf. Das Aktenzeichen für die solare Menschheit: S206297ER. Die Ankunft der Menschen wird geheim gehalten, um keine weiteren Besuche von Abenteurern im Solsystem auszulösen.

Die Botschafterin der solaren Koalition bekommt keinen Zugang zu höheren Stellen.

Nach vier Wochen müssen die Menschen wieder abfliegen, da der Mietvertrag für das Botschaftsschiff ausläuft und die Schiffsverleiher der Babur-Harmonie bei Vertragsüberziehung hohe Zuzahlungen verlangen würden.

In den nächsten 20 Jahren gibt es nur sporadisch Kontakte zwischen Menschen und Kisor. Das Solsystem erhält keine Hilfe gegen Übergriffe von außen.

Dann zieht eine neue Gefahr zieht auf. Ab 2643 werden mehrere Außenposten und Kolonien der Menschen von Kelreci angegriffen. Die Kelreci sind den Neobarbaren zuzurechnen. Das sind Völker und Fraktionen, die sich fremde Raumfahrttechnik angeeignet haben, aber für die Verantwortung noch nicht reif waren. Sie haben für hochentwickelte Zivilisationen ein mangelhaftes Moralempfinden und plündern jetzt zivilisierte Systeme. Vor allem interstellare Neulinge wie das Solsystem sind der neuen Bedrohung hilflos ausgesetzt. Die Neobarbaren verfügen oft über moderne interstellare Technik, entwendet aus Beständen des Imperiums, das sich seit einiger Zeit nicht mehr genügend um seine Außenbereiche kümmert. Das Solsystem ist dagegen noch technisch unterentwickelt, aber reich an Bevölkerung und Ressourcen.

Die Kelreci arbeiten sich durch die interstellare Nachbarschaft des Solsystems. Betroffen sind vor allem die solaren Kolonien in Richtung des Kelrec-Heimatplaneten Miro. Die Kelreci unterscheiden dabei nicht zwischen den verschiedenen irdischen Ethnien, die sich in den von Menschen kolonisierten Systemen niedergelassen haben. Die Bedrohung betrifft die gesamte Menschheit. Ein Angriff auf das Solsystem wird ab 2647 jederzeit erwartet.

Später stellt sich heraus, dass der Verwaltungsvorgang S206297ER, den die formale Anmeldung von 2626 initiiert hatte, ordnungsgemäß durch die imperiale Regionalverwaltung gelaufen war. Im Jahr 2647 erhält das Solsystem den Status eines imperialen Mitgliedsvolkes Kategorie 18. Ein Kurier überbringt der Koalition die offizielle Mitteilung über die Statusänderung. Dieser Kurier beobachtet die Verteidigungsanstrengungen der Menschen und berichtet bei seiner Rückkehr über die Bedrohungssituation im Solsystem. Daraufhin wird Kisor aktiv, entsprechend den imperialen "Vorschriften zum Schutz von Mitgliedsvölkern der Kategorie 17 bis 19", die "substantielle Hilfe zur Abwendung existentieller externer Bedrohungen" vorsehen.

Zwei Jahre vor dem größten Angriff auf das Solsystem, beginnen die Kisor-Zwillinge die solare Menschheit aufzurüsten. Kisors Truppen greifen nie direkt ein. Aber mit der technischen Hilfe von zehntausenden kisorischen Beratern kann die Kelrec-Bedrohung schließlich abgewendet werden. 

#Reise #Diplomatie #Interstellar #Bedrohung #Rettung

http://jmp1.de/h2626

2518 Geheime interstellare Mission.

Eine Föderation reicher Venus Habitate rüstet insgeheim eine interstellare Expedition aus. Fünf Interstellarschiffe sollen 11 Jahre lang zu einem 80 Lichtjahre entfernten Sonnensystem reisen. Dort hat man schon 100 Jahre zuvor mit Teleskopen große Objekte im interplanetaren Raum entdeckt. Die Mission basiert auf der Annahme, dass dort eine weit fortgeschrittene Zivilisation existiert. Das Ziel der Mission besteht darin, fortschrittliche Technologie zu erwerben. Die Technologie wäre im Solsystem einzigartig. Man wäre damit allen anderen Fraktionen überlegen und niemand könnte auf absehbare Zeit ähnlich mächtige Technologien erwerben.

Das Projekt läuft unter dem Codenamen Long Shot im Rahmen des Chanakya Plans. Es wird durchgeführt vom Technologiedienst Ajatashatru und bekommt erhebliche Finanzmittel aus dem Haushalt der Magadha-Sangha Föderation.

Die Expedition ist eine sogenannte High-Risk/High-Reward Mission. Die Auftraggeber und die Teilnehmer gehen hohe Risiken ein. Sie versprechen sich ein Ergebnis, das die Machtverhältnisse im Solsystem zu ihren Gunsten ändern kann.

Bei der Planung der Mission werden potentiell interessante Technologien untersucht. Man erarbeitet einen Katalog von gewünschten disruptiven Technologien. Aber letztlich muss man der Besatzung vertrauen, dass sie die richtigen Technologien aufspürt. Technologien, die aus machtpolitischer Sicht interessant, aber dabei gleichzeitig für die Expedition erreichbar und transportierbar sind. Aufgrund der begrenzten Transportkapazität auf dem Rückflug rechnet man vor allem mit Nano- und Informationstechnologien, bzw. Know-how, z.B.:

- ein sogenanntes Orakel, eine eingeschlossene singuläre KI, die zuverlässige taktische oder strategische Prognosen erstellen und zukünftige Entwicklungen vorhersagen kann.

- Infiltrations- und Kryptanalyse-Software auf bisher unbekannter physikalischer oder informationstheoretischer Grundlage mit der man in gut geschützte solare Informationssysteme eindringen kann.

- Replikatoren, d.h. Nano-Assembler, die auf atomarer Ebene jedes Gerät in perfekter Qualität konstruieren können. Die besten solaren Autofabs arbeiten auf Basis von sub-Mikron Clustern, sind aber weit entfernt von molekularen oder atomaren Assemblern.

- Baupläne und theoretische Grundlagen für überlegene Energiesysteme, wie katalytische Antimaterieerzeugung oder Vakuumenergie.

- Grundlagen und Produktionsmittel für wesentlich schnellere ÜL-Triebwerke, möglicherweise auf Basis von Quanten Black Holes.

Magadha-Sangha geht sehr vorsichtig vor und will neue Machtmittel nicht offen einsetzen. Deshalb sind Waffen und waffenfähige Technologien weniger interessant.

Alle Technologien sind spekulativ. Man weiß nicht, ob sie überhaupt existieren und wenn sie existieren, ob sie für Menschen verfügbar wären. Aber die Grundannahme ist, dass eine Zivilisation mit hunderten oder tausenden Jahren Technologievorsprung viele Alltagstechnologien verwendet, die im Solsystem übermächtig wären.

Die Mission ist riskant. Man rechnet mit einer Erfolgsquote von 1:20. Die Schiffe sind mit den neuesten Faktor-7 ÜL-Triebwerken ausgerüstet. Der Flug dauert 11 Jahre, aber die neuen Triebwerke sind noch nie so lange am Stück gelaufen. Nach der Erfahrung mit den Flügen der Marco Polo nimmt die Expedition sehr viele Triebwerkskomponenten für Reparaturen mit. Zusätzlich ist ein Justierwerk von Dilan an Bord mit dem man defekte Konverterpole wieder ausrichten kann. Trotzdem rechnet man mit einem Totalausfallrisiko von 50 %, jeweils für Hin- und Rückflug. Dazu kommen die Unwägbarkeiten am Zielort. Was wird die Expedition dort vorfinden? Wird sie sich verständigen können? Welche Gefahren lauern dort? Wird es möglich sein, mit den mitgeführten Zahlungsmitteln Technologie zu erwerben?

Die Schiffe sind voll beladen mit Containern. Die Frachtkapazität teilt sich auf in Wohnquartiere und Lebenserhaltung (5 %), Proviant (5 %), diverse Edelmetalle und Seltene Erden als Zahlungsmittel (20 %), Triebwerkskomponenten (30%), Schiffsausrüstung, Autofabs und Material für Reparaturen (40 %).

Um Ressourcen zu sparen sind die meisten Teilnehmer Uploads in Mikro-Mechs. Trotzdem reisen 5 Menschen als Bios, weil man befürchtet, dass die Zivilisation am Zielort feindlich gegenüber einer reinen Mech-Besatzung eingestellt sein könnte. Die Menschen reisen in Biostasis.

Nach neun Jahren Vorbereitung verlassen die Schiffe einzeln unter verschiedenen Tarnidentitäten das System. Sie sammeln sich drei Lichttage nördlich der Ekliptik. Dann beginnt die lange Reise.

#Geheim #interstellar #Technologie #Reise

http://jmp1.de/h2518

2281 Entwicklung des Gedankenabstraktums als interaktive Nachricht.

Das Abstraktum wird vor allem zur Kommunikation im Sonnensystem eingesetzt, wo die Lichtgeschwindigkeit Dialoge verhindert.

Das Gedankenabstraktums ist eigentlich ein unvollständiger Abzug des Bewusstseins. Es ist nicht geeignet als Grundlage für eine KI. Im Gegensatz zum Upload-Prozess, wird das Abstraktum aber nicht-destruktiv hergestellt. Es dient als Verhaltensschablone für eine KI-Simulation. Da das Gedankenabstraktum Meinungen und Verhaltensweisen des Originals enthält, kann es einen interaktiven Gesprächspartner darstellen, der so wie das Original reagiert und argumentiert, ohne selbst Bewusstsein zu empfinden.

Es dauert 30 Jahre, bis die komplexe Technologie kommerziell eingesetzt werden kann. Um das Jahr 2310 kann man ein Gedankenabstraktum etwa zum Preis eines persönlichen Besuchs versenden. Allerdings reist das Abstraktum als Datenpaket viel schneller, mit Lichtgeschwindigkeit. Die Empfangsseite braucht eine KI-Simulation, die das Abstraktums interpretiert und interpoliert. Die Interaktion des Abstraktums mit dem Empfänger wird typischerweise als Slink zurück geschickt.

Das Gedankenabstraktum ist nur ein interaktiver Gesprächspartner. Es hat keine Eigeninitiative wie Menschen und bewusste KI. Aber es spart zeitraubende Reisen in Fällen wo Interaktion und Diskussion zwischen weit entfernten Gesprächspartnern notwendig ist.

#Kommunikation #Wissenschaft #Erfindung #KI #Slink #Reisen

http://jmp1.de/h2281

2487 Gründung der Behörde für Entwicklung und interstellare Beziehungen (ADIC) der Koalition

Noch gibt es keine Außenbeziehungen. Aber die Menschen haben mit ersten interstellaren Reisen begonnen.

Die solare Menschheit weiß schon einiges über die nähere Umgebung. Großteleskope zeigen, dass es in der näheren interstellaren Umgebung andere Zivilisationen gibt. Bison (Billion Square Kilometer Optical Network Terrestrial Planet Cartographer) hat bei Ross 614 in 13 Lichtjahren Entfernung einen Asteroiden mit künstlichen Lichtquellen identifiziert. In einigen weiter entfernten Systemen hat Bison große technische Strukturen im interplanetare Raum ausgemacht. Mehrere extrasolare Artefakte im Solsystem deuten darauf hin, dass in den vergangenen Jahrtausenden immer wieder Besucher in unserem Sonnensystem waren. Die Daten des Kaio-Schiffs enthalten Hinweise auf interstellare Zivilisationen. Die Daten sind zwar 50.000 Jahre alt, aber es ist anzunehmen, dass es da draußen heute, wie vor 50.000 Jahren, viele andere intelligente Völker gibt. Deshalb erwartet man, dass die Menschen schon bald auf andere Völker treffen werden.

Momentan sind interstellare Reisen noch sehr aufwändig. Sie dauern mehrere Jahre und sind riskant. Aber jede dieser Expeditionen kann den ersten Kontakt herstellen. Dessen ist man sich bewusst.

Mehrere Systemmächte bereiten interstellare Expeditionen vor. Die ADIC fördert solche Missionen. Im Gegenzug für eine finanzielle Beteiligung der ADIC an den Kosten begleiten Mitarbeiter der ADIC die Expeditionen als Beobachter und Botschafter. Das gilt natürlich nur für öffentliche bekannte Aktivitäten. Einige interstellare Expeditionen werden auch im Geheimen durchgeführt.

http://jmp1.de/h2487

2648 Besuch eines Schiffes der Europäischen Forschungsstiftung auf Interia

Interia, Zentrum des Imperiums, Ursprung des interianischen Volkes, Quelle der Macht, Juwel des Reiches, kulturelle Hauptstadt, wissenschaftlicher Leuchtturm, industrieller Teraplex, Ordnungsmacht, Beschützer unzähliger Volker, Bewahrer des Friedens und seit 2000 Jahren Herz der umliegenden 2000 Lichtjahre.

Interia, diesen Namen hören die Menschen immer wieder. Das sei das Imperium. Das Imperium zu dem alles gehört. Das Imperium in dessen Machtbereich wir leben. Das Imperium herrsche durch seine Regionalzentren, heißt es. Kisor sei das lokale Zentrum. Kisor sorge im Auftrag Interias für Ordnung. Zumindest sei das immer so gewesen.

Aber noch nie haben die Menschen einen Interianer gesehen. Es gibt keine interianischen Raumflotten. Im Gegenteil, die bisherigen Erfahrungen der Menschen lassen auf eine gewisse Anarchie schließen. Auch wenn die Kisor-Zwillinge angeblich für Ordnung sorgen. Es hatte zwar bisher nicht viel Kontakt mit Kisor gegeben, aber wenn dann vor allem mit seinen Handelsgilden. Von militärischen Mitteln war noch nicht viel zu sehen. Und vor allem keinen Interianer.

Trotzdem sprechen viele Kontakte der Menschen vom Interianischen Imperium als die lokale Macht. Die Europäische Forschungsstiftung nimmt sich vor, dieses Mysterium aufzulösen. Sie rüstet 2 Raumschiffe aus für die lange Reise ins Herz des Imperiums über 1000 Lichtjahre.

Nicht alle sind glücklich über diese Mission. Einige befürchten mit einem Besuch erst die Aufmerksamkeit des Imperiums auf die Menschheit zu lenken. Vielleicht wäre es besser, sich bedeckt zu halten. Die Befürworter argumentieren, dass mit Kisor schon das Regionalzentrum des Imperiums von den Menschen weiß, dass der Schaden also nicht groß sein kann. Falls es dieses Imperium wirklich gibt. Manche vermuten sogar, dass dieses Imperium eine Erfindung Kisors ist, um bei der Durchsetzung kisorischer Interessen auf einen höheren Auftrag verweisen zu können.

Die beiden Schiffe, Dicke Hummel und Aegopodium Podagraria, kommen aus einer renommierten solaren Werft (Deimos Interstellars Corp., "Building Superluminals for over 200 Years“). Für die weite Reise werden sie mit Überlichttriebwerken von Artu und Kraftwerken von Thoris ausgestattet. Man heuert eine Gruppe von 5 Marui-Technikern an, die diese Anlagen warten können. Die Schiffe starten 2644 mit 80 Personen, je 15 für den Schiffsbetrieb, 22 Wissenschaftler, 8 Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes der Koalition, der Expeditionsleitung und 13 Beobachter verschiedener Systemmächte.

Die Reise nach Interia dauert 3 Jahre. Davon sind nur 2 Jahre reine Flugzeit. Die übrige Zeit verbringt die Besatzung damit auf dem Weg Kontakte herzustellen, die genauen Koordinaten von Interia zu erfragen, sich nach günstigen Routen zu erkundigen, Navigationshindernissen auszuweichen, in einem weiten Bogen die Telugu-Domäne zu umfliegen, 3 der Marui wegen einer ansteckenden Krankheit zu einem Marui-Autodock zu bringen und mit dem letztlich vergeblichen Versuch, Ersatz für einen defekten Reaktor zu beschaffen.

Im Verlauf der Reise werden die Schiffe fünfmal geentert. Die Besatzung wird dreimal für kurze Zeit interniert, aber auch einmal als Vertreter eines neuen Imperiumsvolkes im Namen des Imperiums durch eine Schiffsparade willkommen geheißen. Auf Puraskar-III wird Expeditionsleiter Tolu Abani zum außerordentlichen Botschafter für das Puraskar-System ernannt, da die Hathrasi von Puraskar auch wissen wollen, was eigentlich mit Interia los ist. Dicke Hummel muss nach einem Jahr aufgegeben werden, da sich zu vernünftigen Preisen kein neuer Reaktor beschaffen lässt. Mit dem Schrottwert kann man aber immerhin einen Umbau bezahlen, um zusätzliche Ausrüstung und die Besatzung der Hummel an Bord der Podagraria unterzubringen. Außerdem werden 2 Marui angeheuert, die die erkrankten Kollegen ersetzen.

In einer Entfernung von 220 Lichtjahren vom Ziel erreicht die Podagraria das Droza-System, ein Hauptzentrum des Imperiums. Eine Patrouille bringt das Schiff weit außerhalb des Systems auf. Die Patrouille geleitet die Podagraria in das äußere System, wo eine Einsatzgruppe von 5 Schiffen übernimmt. Das System ist hochindustrialisiert, offensichtlich stark bevölkert und hat eine beeindruckende interplanetare Verkehrsdichte.

Die Podagraria wird mangels gültiger Zulassung zwangsweise stillgelegt. Ein Schlepper nimmt das Schiff auf und bringt es zu einer technischen Überprüfungsstelle im Droza-IX Orbit. Das besagt zumindest die Quittung.

Die Besatzung wird zum Orbitalring von Droza-V transportiert. Nach anfänglichen Missverständnissen und einigen Tagen Befragung im Fall "Imperium gegen Kapitän Thor Holland wegen Systemeinflugs ohne imperialen Pilotenschein" erkennt die Administration von Droza den Botschafterstatus des Expeditionsleiters an. Die Podagraria wird damit zum diplomatischen Kurierboot und die Besatzung erhält Immunität vor Strafverfolgung. Die Hathrasi von Puraskar wussten schon was sie tun, als sie Abani "alte, aber vermutlich noch gültige" imperiale Diplomaten-Codes mitgaben.

Abani bittet um Geleit nach Interia. Um die Sache abzukürzen lässt die Droza-Administration das Schiff auf einen Frachter verladen, der die Strecke nach Interia in einem Monat schafft. Eine Fregatte begleitet den Frachter.

Ohne weitere Zwischenfälle erreicht die Expedition Interia im August 2648 (1952/83 imperialer Zeitrechnung). Der Besuch ist schon angekündigt über das innere Relaisnetz.

Wie bei Droza ist das gesamte System sehr gut ausgebaut. Obwohl sich nur ein Planet, in der habitablen Zone befindet, sind offensichtlich 4 Planeten (Interia II bis V) besiedelt. Alle haben vollständige orbitale Ringe mit vielen Aufzügen, die wie Speichen eines Rades zum Planeten hinunter reichen. Überall sind riesige Installationen im Raum, manche eindeutig industriell. Es gibt sehr große Habitate darunter Hunderte von Kilometer lange Zylinder und unzählige technische Strukturen im inneren System, im interplanetaren Orbit, bei den Gasriesen und im äußeren Asteroidengürtel.

Ein Flottenverband empfängt die Podagraria. Der Verband wird von einer Person kommandiert. Inzwischen wissen die Expeditionsteilnehmer was das bedeutet. Personen sind die relevanten Individuen der interianischen Gesellschaft. Personen sind Oberhaupt eines Nestes und Mutter von Millionen Interianern.

Das Nest ist das Individuum. Das Nest wird vertreten durch das primäre Weibchen, die Person des Nests. Nur das primäre Weibchen legt Eier und bringt so alle Mitglieder des Nests zur Welt. Interianer haben sich aus einer Art Präriehunde mit weit verzweigten unterirdischen Nestern entwickelt. Allerdings leben sie schon lange nicht mehr in selbstgegrabenen Erdgängen. So wenig wie moderne Menschen in Höhlen leben.

Die einzelnen Mitglieder des Nestes sind selbständig denkende und fühlende Wesen. Aber sie betrachten sich nicht als Individuen, sondern als ausführende Hände des Nests, bzw. der Person. Nur die Person des Nests ist Bürgerin des Imperiums. Das Interia-System hat eine Population von 80 Milliarden. Insgesamt lebt etwa eine halbe Billion in den Nestsystemen des inneren Imperiums. Bei einer typischen Nestgröße von einer Million hat das Imperium nur etwa 500.000 Personen (oder Bürgerinnen).

Ursprünglich waren die Nester viel kleiner. In prähistorischer Zeit hatte ein Nest wenige tausend Hände. Es gab insgesamt nur ein paar hundert Personen und jede von ihnen stand mit allen Personen in der näheren Umgebung im Kontakt. Das waren früher eben nur die wenigen, die man mit prä-technischen Mitteln in einigen Stunden per Boten erreichen konnte. Mit genetischen Anpassungen und technischen Bewusstseinserweiterungen können die Personen heute mit allen 500.000 interagieren.

Parallel zur Ausweitung der Kommunikation erlaubte technische Unterstützung bei der Reproduktion eine massive Vergrößerung der Nester und damit individuellen Machtzuwachs. Der absolute Machtzuwachs durch die Nestvergrößerung relativiert sich natürlich, da alle Nester gewachsen sind.

Jede Person ist sich der Aktivitäten aller anderen stets bewusst. Sie wird informiert über deren Meinungen und Motive. Sie diskutiert und konkurriert ständig mit allen. Es gibt keine Abstimmungen oder Wahlen. Da alle im Wesentlichen die Meinungen aller anderen kennen, entsteht aus dem ständigen sozialen Ringen ein vorherrschender Konsens. Viele Personen sind durch ihre Meinungen miteinander verbunden. Kompatible Ansichten und gemeinsame Interessen führen zu Bündnisnetzwerken. Die Bündnisse entscheiden über den Einfluss einzelner Personen.

Die Meinungsführerin im Themenkomplex imperialer Strategie und Politik ist die Person des Imperiums, die mächtigste Person, repräsentatives Staatsoberhaupt, Moderatorin der Fraktionen, Integrationsfigur für alle 500 Milliarden, nach menschlichen Begriffen, die Kaiserin. Das Imperium ist gewissermaßen das übergeordnete Nest. Die Person des Imperiums ist das Imperium. Alle anderen Personen sind die Hände des Imperiums.

Vor 200 Jahren starb Addaja, die Person des Imperiums, im Alter von über 1200 Jahren. Addaja war die fünfte Person des Imperiums im interstellaren Zeitalter Interias. Ihre Vorgängerinnen hatten das Imperium zur derzeitigen Größe geführt. Aber dabei wurden die Ressourcen und die Gesellschaft stark strapaziert. Addaja beendete die Expansion. Ihre tausendjährige Regentschaft war ein goldenes Zeitalter der Stabilität, aber auch der Stagnation.

Nach einer Trauerphase begann das Ringen um die Nachfolge. Der Konflikt dreht sich um die Frage ob man die Expansion wieder aufnehmen oder die Stabilitätspolitik fortsetzen sollte. Seit 200 Jahren konkurrieren nun verschiedene Fraktionen um die Meinungsführung. Das ganze innere Imperium ist mit sich selbst beschäftigt in einem titanischen Ringen um Reputation, um wirtschaftliche, kulturelle und strategische Dominanz. Alle Personen sind in diese Auseinandersetzung eingebunden. Das Imperium zieht seine Kräfte zurück.

Noch nie hat die Auswahl der Person des Imperiums so lange gedauert. Inzwischen ist das Imperium in Gefahr. Die Regionalzentren betrachten sich schon als selbständig. Neobarbaren bedrohen die Grenzen. Sie räumen verlassene Depots aus und überfallen Zivilisationszentren.

Einige Personen beteiligen sich nicht am ständigen sozialen Wettkampf. Es gibt unabhängige Personen verschiedener Couleur: von Aussteigern, die der Reizüberflutung des Mainstreams entfliehen und in kleineren Gruppen mit Nestern ursprünglicher Größe leben, bis zu Einsiedlern ganz ohne soziale Interaktion. Es gibt Gesetzlose, die andere Nester überfallen und Exzentriker, die im Mainstream leben, sich aber dem sozialen Konsens verweigern.

Eine verantwortungsvolle Gruppe Unabhängiger sorgt sich mehr um das Imperium, als um ihren sozialen Status. Sie dienen dem Imperium, auch wenn sie sich dafür nicht am großen sozialen Diskurs beteiligen können. Das sind die Bewahrer. Sie führen die Strategie der Person des Imperiums fort, während die anderen mit der Auswahl der neuen Kaiserin beschäftigt sind.

Einer dieser Bewahrer empfängt die Podagraria. Interia ist erfreut über die Menschen. Ein neues Volk an der Grenze, das sich aus eigener Kraft in das interstellare Umfeld wagt. Ein Volk, das einigermaßen zivilisiert mit vorsichtiger Expansion beginnt. Ganz im Gegensatz zu Neobarbaren, die mit moderner Technik, aber barbarischen Sitten viele Probleme bereiten. Erfahrungsgemäß ist ein Volk wie die Menschen ein Kandidat für die zukünftige Führung eines Regionalzentrums.

Aber die Menschen haben ein Problem. Kurz vor dem Abflug der Expedition wurden solare Kolonien von Kelrecs überfallen. Man erwartet einen massiven Angriff auf das Solsystem. Der weit überlegenen Technik, die die Kelrecs aus interianischen Depots geplünderten haben, könnten die Menschen nichts entgegensetzen. Inzwischen sind 3 Jahre vergangen. Das Solsystem wird tatsächlich schon belagert. Die Menschheit steht vor dem Abgrund.

Die Bewahrer mobilisieren die interianische Militärmaschinerie und greifen Miro, den Heimatplaneten der Kelrecs, an. Die Belagerer ziehen sich zurück. Es wird die letzte große Flottenaktion des Imperiums.

Die Menschheit kommt mit einem blauen Auge davon.

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