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2052 Personenrechte für Primaten

Als erstes Land beschließt Island, Primaten als Personen anzuerkennen. Einige, speziell benannte Primatenarten werden rechtlich Kleinkindern gleichgestellt. Damit erhalten sie theoretisch die Menschenrechte, vor allem Persönlichkeitsrechte (Leben, körperliche Unversehrtheit) und Freiheitsrechte. Wenn nötig, bekommen sie einen Vormund, der ihre Rechte vertritt. Praktisch müssen ihre Rechte in Einzelfällen vor Gericht erstritten werden. Aber wenn ein Vormund entscheidet, dass ein bestimmter Schimpanse nicht im Käfig gehalten werden soll, dann stehen die Chancen gut, dass ein Gericht dem Antrag stattgibt, basierend auf dem Selbstbestimmungsrecht.

Das Gesetz ist sehr weitreichend. Mit der neuen Einordnung von Primaten werden auch andere Tiere aufgewertet. Einige Arten mit relativ hohen kognitiven Fähigkeiten werden zwar nicht als Personen, aber immerhin als nichtmenschliche Wesen eingeordnet. Darunter sind Oktopus, Elefant, Delfin, einige Wale, Wolf, Hund, und einige Haustiere. Diese Tiere werden nun nicht mehr als "Sache" betrachtet, die immer einem Menschen gehört, sondern als "Wesen", einer neuen Klasse rechtlicher Entitäten neben dem Menschen und den "Sachen". Damit sind Individuen dieser Arten nicht mehr automatisch das Eigentum von Menschen oder juristischen Personen.

Eine dauerhafte Kommission wird eingerichtet, um über die Auswahl der Arten zu entscheiden. Die Kommission ist besetzt mit Vertretern vieler gesellschaftlicher Gruppen. Sie bewertet die Selbsterkenntnis, soziales Verhalten, Planungsfähigkeiten, die Fähigkeit zu sprechen (durch Laute oder Zeichensprache), Ursache und Wirkung zu erkennen, Innovation, Imitation und Lernverhalten. Das Althing (das isländische Parlament) gibt explizit vor, dass in der Diskussion der Kommission nur neue Erkenntnisse verwendet werden dürfen, die nach der wissenschaftlichen Methode (Beobachtung-Hypothese-Test) gewonnen werden. Explizit ausgeschlossen werden damit traditionelle und kommerzielle Argumente, also "das war schon immer so", bzw. "das steht in alten Schriften" oder "das können wir uns nicht leisten". Im Jahr 2062 kommen – gegen den Widerstand der Lebensmittelindustrie – auch Nutztiere dazu. Damit wird die Haltung von Schweinen zur Fleischproduktion praktisch illegal.

"Wie sollen wir mit Wesen umgehen, die sich im Spiegel erkennen, die um Gefährten trauern, die ein Bewusstsein für sich als Individuum haben? Verdienen sie es nicht, dass wir sie so behandeln wie andere, genauso empfindsame Wesen: uns selbst?" - Jane Goodall.

Es war ein langer Weg vom Verbot von Pelzfarmen, Legebatterien und Tierversuchen für Kosmetika am Anfang des 21. Jahrhunderts bis zur ersten vollen Anerkennung als Person durch einen souveränen Staat. Auch vorher gab es schon Einzelfälle in denen Tieren Rechte zugesprochen wurden. In Indien sind Tiere schon lange als "Wesen" (im Gegensatz zu "Sachen") geschützt. Auch in Deutschland hatten Tiere Rechte, die allerdings in der Praxis oft hinter kommerziellen Argumenten zurücktreten mussten. In den 20er und 30er Jahren bekam die Bewegung für Tierrechte (NHR, non human rights movement) immer mehr Zulauf. Skandinavien, Neuseeland, Bhutan und Ecuador beschlossen Rechte für Tiere, sowie Ausbeutungs- und Misshandlungsverbote. In den 40er Jahren kamen viele Länder und selbstverwaltete Regionen dazu.

Schließlich setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Menschlichkeit keine entweder/oder Entscheidung ist, sondern dass es ein Kontinuum gibt in den kognitiven und sozialen Fähigkeiten; dass Schimpansen genauso intelligent, selbstbewusst und mitfühlend sind wie Menschenkinder; dass wir auch Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten nicht die Menschlichkeit absprechen und dass es dem Menschen nicht wirklich zum Schaden gereicht, wenn er Mitwesen genauso schützt, wie schützenswerte Mitmenschen.

Nach Island folgen schnell andere skandinavische und dann europäische Staaten mit der vollen Anerkennung von Personenrechten für Primaten.

In den folgenden 20 Jahren schließen sich weitere 50 Staaten der Erde an. Bezogen auf die (menschliche) Bevölkerung sind das allerdings nur 15%.

Orang-Utans werden die Menschenrechte posthum zuerkannt.

#Menschenrechte #Rechte #Primaten #Personen #Tiere #Delfine #Wale

http://jmp1.de/h2052

2638 Entdeckung des Riesenplaneten Wotan

Der Planet ist zweieinhalbmal so groß wie Jupiter. Er hat eine Durchmesser von 350.000 km, aber nur die 3-fache Masse. Wotan ist ein Gasplanet. Im Gegensatz zu den Wasserstoff/Helium-dominierten Gasplaneten hat er einen hohen Anteil an schwereren Elementen in der Atmosphäre. Wotan liegt knapp außerhalb der habitablen Zone seines Sterns. Da Wotan selbst Wärme erzeugt, herrschen in seinen mittleren Atmosphärenschichten moderate Temperaturen zwischen -20 und +50 Grad Celsius. Wegen seiner Größe ist die Gravitation dort nur etwas höher als auf der Erde. Der Planet dreht sich in 10 Stunden einmal um seine Achse. Die Kombination aus schneller Rotation und relativ warmem Klima führt zu tropischen Stürmen, die das Wetter auf Jupiter mild erscheinen lassen. Windgeschwindigkeiten von 2000 km/h sind keine Seltenheit.

Die Oberfläche Wotans ist 7-mal größer als die Jupiters (fast 800-mal so groß wie die Erde). Wie Jupiter ist Wotan geprägt durch seine farbigen Wolkenbänder. Die Wettermuster sind allerdings noch viel feiner strukturiert. Zwischen den Wolkenbändern sind große stabile Wirbelstürme, die von entgegengesetzt rotierenden Jets-Streams angetrieben werden. Zwischen den großen Stürmen und den Wolkenbändern migrieren unzählige kleine Wirbel (bis 1000 km Durchmesser). Aus der Entfernung sieht man nur die obersten Schichten der Atmosphäre. Tatsächlich ist der moderate Teil Atmosphäre sehr tief. Stürme, Bänder und Wirbel liegen in mehreren Schichten übereinander. Es gibt Kamine, die Schichten miteinander verbinden. Eine besondere Wetterstruktur sind orthogonale Wirbelstürme, deren Achse parallel zur "Oberfläche" liegt. Diese Stürme beziehen ihre Energie aus entgegenlaufenden Winden in verschiedenen Höhen. Einige reichen von tiefen Schichten bis in die obere Atmosphäre.

200 Jahre später wird auf dem Planeten Leben entdeckt: die gasförmigen Wesen von Wotan. Eine der fremdartigsten Lebensformen, die wir kennen.

Die Individuen sind bis 500 km groß. Sie sind definiert durch die stationäre Einhüllende von Turbulenzfamilien, die in der Atmosphäre für lange Zeit stabil bleiben. Im Inneren finden komplexe stoffwechselartige Prozesse statt. Systeme von Mikrowirbeln transportieren Energie und Informationen zwischen Untereinheiten. Die Wesen nehmen an der Oberfläche kinetische Energie der Atmosphäre auf. Die Energiespeicherung geschieht ebenfalls kinetisch, in elliptischen Attraktoren. Sie können sich fortbewegen und folgen energiereichen Regionen der turbulenten Atmosphäre.

http://jmp1.de/h2638