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2191 100.000 Menschen leben im Orbit, auf dem Mond und im interplanetaren Raum

Viele arbeiten für die Rohstoffgewinnung, auf dem Mond und bei erdnahen Asteroiden. Die Arbeit ist sehr gefährlich. Nicht alle kommen zurück.

Eigentlich schützt die Technik gegen die tödliche Strahlung außerhalb des Erdmagnetfelds. Die Lebenserhaltung ist viel kompakter und zuverlässiger als 200 Jahre zuvor bei den ersten "Weltraumspaziergängen". Und die Raumanzüge sind durch neue Materialien viel sicherer gegen Beschädigungen. Aber beim Asteroidenbergbau kommen so viele Risikofaktoren zusammen, dass trotzdem Unfälle passieren. Mit dem entsprechenden Aufwand könnte man viele Risiken verringern. Das würde sehr große Kosten verursachen. Unternehmen, die dies versuchen sind nicht wettbewerbsfähig.

Schon immer war bemannte Raumfahrt eine Abwägung zwischen Sicherheit und Kosten. Absolute Sicherheit ist nicht möglich. Aber mit technischem und personellem Aufwand kann man das Risiko reduzieren. Das ist teuer, je nachdem welchen Aufwand man treibt und welches Ausfallrisiko man in Kauf nehmen will oder kann.

In der Frühzeit der Raumfahrt, als die Medien aufmerksam alle bemannten Missionen verfolgten, versuchte man das Risiko für tödliche Unfälle auf 1% zu beschränken. Das heißt, man rechnete mit einem toten Astronauten bei 100 Einsätzen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts musste man dafür etwa 500 Millionen Dollar für jede(n) Astronaut(en/in) investieren. So viel ist 200 Jahre später nicht mehr nötig. Bei 100.000 Personen im Vakuum wäre das auch nicht möglich.

Aber trotz wesentlich besserer Technik und trotz Skaleneffekten, die alles billiger machen, sind Einsätze im Vakuum immer noch teuer, wenn man gewisse Sicherheitsstandards einhalten will. Sicherheit und Kosten werden immer noch gegeneinander abgewogen. 200 Jahren nach den ersten unbeholfenen Schritten im Orbit sind die Einsätze zwar sicherer geworden, aber ein Job bei der orbitalen Ressourcenextraktion ist trotzdem um Größenordnungen riskanter als andere Berufe.

Zu vertretbaren Kosten kann man Ende des 22. Jahrhunderts ein Einsatzrisiko von 0,1% realisieren (wenn man den Begriff "Einsatz" so definiert, wie 200 Jahre zuvor, als mehrwöchigen Aufenthalt im Orbit mit einigen Außenarbeiten). Das ist nominal 10 Mal besser als in der Frühzeit der Raumfahrt. Aber in der Praxis sieht das nicht so gut aus, denn das Berufsbild hat sich geändert. Die ersten Astronauten kamen im Durchschnitt auf 3 Missionen. Dabei bauten sie ein Gesamtrisiko von 3% auf. Das war vertretbar für den Traum als Astronaut ins Weltall zu reisen.

Moderne Vakuumarbeiter zählen eher 10 solcher Einsätze pro Jahr. Die Missionen sind viel zahlreicher, oft mit täglichen Außeneinsätzen. Die Einsätze sind weniger genau geplant und sie müssen viel mehr Arbeitsleistung erbringen. Dafür entfällt der riskante Aufstieg auf einer langsam abbrennenden 1000-Tonnen Bombe und die nicht weniger riskante kometenhafte Landung auf der Erde. Die Vakuumarbeiter bleiben jahrelang oben. Viele leben sogar jahrelang in den Asteroiden. Im Lauf der Jahre erreicht ihr Gesamtrisiko 10% oder sogar 20%, bei manchen auch 30%, je nachdem, wie gut und teuer sie ausgerüstet sind, wie gut (und teuer) ihre Ausbildung ist und wie gut ihre Arbeitsmoral ist.

Während die Raumfahrtorganisationen von irdischen Regierungen und das Militär im nahen Erdorbit die Standards einigermaßen hoch halten, ist die Lage im kommerziellen Asteroidenbergbau problematisch bis prekär. Dort wird abgewogen zwischen Sicherheitskosten und Ersatzkosten, also letztlich zwischen den Kosten, um Arbeitskräfte am Leben zu halten, damit sie ihre Arbeit machen können, und den Kosten, neue ausgebildete Arbeiter aus dem Gravitationsloch der Erde heranzuschaffen. Das Leben der Arbeiter selbst spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Unter den 100.000 Personen im Vakuum sind Touristen, Militärangehörige und orbitale Konstruktionsarbeiter. Nur etwa ein Zehntel arbeitet für die kommerzielle Ressourcenbeschaffung auf dem Mond und in den Asteroiden. Aber diese Leute leben mit einem großen Risiko. Unfälle sind an der Tagesordnung. Nicht alle Unfälle sind tödlich, wie in der Frühzeit. Aber diese Vakuumarbeiter müssen damit rechnen, dass ein Fünftel von ihnen nicht zurückkommt. Entsprechend unbeliebt ist der Job. Er ist hochbezahlt. Die Gehälter spielen im Vergleich zu den sonstigen Kosten keine große Rolle. Aber leider gilt das eben auch für das Leben der Arbeiter. Entsprechend schlecht ist die Moral. Alle wissen, dass der Job russisches Roulette ist. Entweder sie kommen wohlhabend zurück oder eben nicht.

Durch die wachsende Konkurrenz von mehr Unternehmen sinken Ende des 22. Jahrhunderts die Preise für orbitale Rohstoffe. Das macht die Kalkulation schwieriger und die Sicherheitslage noch schlechter. Es wird fast unmöglich, vernünftige und gut ausgebildete Ingenieure für die Asteroiden anzuwerben. Nur Leute, die keine Wahl haben, die hoch verschuldet sind oder, aus welchen Gründen auch immer, untertauchen wollen, melden sich noch freiwillig für diesen Job. Deshalb haben manche Staaten und Unternehmen sogar damit begonnen, Strafgefangene mit langen Freiheitsstrafen anzuwerben.

#Orbit #Asteroiden #Astronauten #Risiko #Gefahr #Bergbau #Rohstoffe

http://jmp1.de/h2191

2532 Dilan-Zwischenfall und Outer System Wipe.

Menschen bedrohen ein fremdes Volk in dessen Heimatsystem. Die Aliens schienen harmlos und introvertiert zu sein. Das ändert sich schlagartig. Nur ein gewagter Plan kann die Menschheit noch vor der Vernichtung bewahren.

Der Handelsverkehr zwischen dem Solsystem und Dilan wächst. Die interplanetare Öffentlichkeit wird sich langsam bewusst, dass Menschen nun mit Außerirdischen handeln. Jeden Monat kommt ein Fernraumschiff beladen mit begehrter Hochtechnologie zurück. Interstellarflugfähige Raumschiffe sind immer noch sehr teuer. Aber im Solsystem werden so hohe Preise für Technologie von Dilan gezahlt, dass es sich sogar die monatelangen Flüge über mehrere Lichtjahre lohnen.

Ausrüstung von Dilan ist der solaren Technik weit überlegen und entsprechend wertvoll. Die Menschen bekommen zum Beispiel

- präzise assemblierte Komponenten für ÜL-Triebwerke,
- hochauflösende Fabs,
- leistungsfähige Energiesysteme, Generatoren und Speicher,
- überragende Sensoren,
- und nanostrukturierte Metamaterialien als Fab-Input.

Die Dilan-Wesen scheinen die Güter nicht als hochwertig zu betrachten. Sie wollen  als Gegenwert nur wenig mehr, als die zur Herstellung benötigten Rohstoffe. Anscheinend interessieren sie sich nicht für den Wert der Gegenstände im Solsystem. Sie handeln mit den Menschen nicht um Gewinne zu erzielen. Es genügt ihnen, die in den Geräten verbauten Materialien gegen etwas mehr Rohstoffe einzutauschen.

Auf Dilan ist man nie über den einfachen, von Kelonikoa Pono entwickelten Austausch von Rohstoffen gegen technische Geräte hinausgekommen. Darüber hinaus gibt es immer noch keine Kommunikation.

Die Menschen hätten gerne zusätzliche Informationen, wie Bauanleitungen, Verfahrenstechniken oder zumindest Dokumentation zu den eingetauschten Geräten. Die Menschen sind auch am kulturellen Austausch interessiert. Man würde gerne die Zivilisation von Dilan kennen lernen, ihre Ideen, Ansichten, Motive und ihre Kultur. Aber man weiß nicht einmal, wie man Dilan-Wesen danach fragen soll. Es gibt keine gemeinsame Sprache. Die Zivilisation bleibt fremd und unverständlich.

Trotzdem ist sie wirtschaftlich interessant, weil selbst der einfache Handelsaustausch gute Gewinne abwirft. Manche Menschen fragen sich, ob Dilan nicht noch mehr Potential hat. Es gibt viele Gerätschaften, die die Dilan-Wesen nicht hergeben wollen. Man hat fast den Eindruck, dass sie den Menschen nur - aus ihrer Sicht - einfache Ausrüstung überlassen.

Die Menschen haben fast ungehinderten Zugang in das Innere des Zwergplaneten. Ab und zu haben schon Besatzungen von Fernraumschiffen versucht, selbst interessante Anlagen abzubauen. Aber jedes Mal werden sie sanft von einer großen Zahl von Dilan-Wesen daran gehindert. Sobald die Dilan-Wesen bemerken was die Menschen vorhaben, drängen sie die Menschen ab. Die kleinen schwarzen Körper halten sich mit ihren acht Beinen aneinander fest und bilden eine undurchdringliche Wand. Dabei wurde bisher nie Gewalt angewendet. Aus Sicht der Menschen wäre das aussichtslos, denn den ca. 20 Menschen auf Dilan stehen vermutlich mehr als 100 Milliarden Dilan-Wesen gegenüber. Und die haben auch noch eine überlegene Technik.

Das ändert sich mit der Ankunft der Tian Liyang auf Dilan. Das Schiff gehört zum Ares-Kartell, einem Sicherheitskonzern im Jupitersystem. Die Besatzung hat den Auftrag, mehr als die normale Ladung High-Tech zu akquirieren. Dafür ist das Schiff besonders ausgerüstet. Es ist ungewöhnlich groß. Es hat eine Besatzung von 20 im Gegensatz zu den fünf Personen der anderen Fernraumschiffe. Davon sind zehn Spezialkräfte mit vakuumtauglicher Kampfausrüstung Model Kolozz-4k. Jeder dieser Aktivanzüge ist gewissermaßen ein bewaffnetes Miniaturraumschiff für kurze Reichweiten. Die Tian Liyang transportiert außerdem vier Offensivdrohnen der Berserker-Klasse mit Upload-Besatzung, interplanetarem Aktionsradius und nuklearen Waffenpaketen. Die Tian Liyang ist damit sozusagen das erste interstellare Trägerschiff der Menschheit. Nach einem Flug von 18 Monaten erscheint die Tian Liyang im Planetensystem von Ross 614 und läuft Dilan an.

Die Besatzung provoziert bald einen ernsten Zwischenfall bei dem Versuch, gegen den Widerstand von Dilan-Wesen eine Feldschirmanlage abzubauen. Ein zweitköpfiges Kommando der Tian Liyang dringt in einen großen Zugangstunnel des Asteroiden ein. Sie umgeben die Feldschirmanlage mit einer transparenten Wand aus autonomen Sperrmodulen und setzen außerhalb der Wand einen Crowd-Control Drohnenschwarm aus. Dann beginnen sie mit dem Abbau der Anlage. Die Dilan-Wesen wollen das verhindern. Sie versuchen die Absperrung zu durchdringen, werden aber schon vorher von den Drohnen attackiert. Immer mehr Dilan-Wesen erscheinen. Viele werden von den Drohnen verletzt. Sie opfern sich, um Drohnen auszuschalten.

Der Kampf kommt näher an die Absperrung. Einzelne Dilan-Wesen versuchen die Absperrung zu durchdringen. Sie werden aber von den Sperrmodulen gehindert. Kurz darauf fließt eine Wolke aus Mikrobots durch die Ritzen der Absperrung. Sie hüllen die Sperrmodule ein und immobilisieren sie mechanisch. Dann schneiden Laser von außen durch die Absperrwand. Die ersten Dilan-Wesen dringen durch und versuchen sich an den Anzügen des Einsatzkommandos festzusetzen. Die Menschen versuchen sie mit der verstärkten Kraft ihrer Aktivanzüge abzuschütteln. Dilan-Wesen fluten den Tunnel mit Körpern und attackieren die zwei Menschen. Die wehren sich mit automatischen Railguns, die auf Dilan-Wesen eingestellt sind und ihr Ziel automatisch suchen.

Schon seit einigen Minuten arbeiten sich Pionier-Mikrobots durch die Panzerung der Kampfanzüge bis zu deren Netzwerkinfrastruktur. Sie machen den Weg frei für elektromagnetische Effektorelemente, die über molekulare Kapillaren mit Infiltratror-KIs verbunden sind. Die Infiltratoren analysieren die Informationsverarbeitung der Kampfanzüge. Sie unterlaufen die Infoabwehr, indem sie sich mithilfe der Effektoren eigene Schnittstellen schaffen und an geeigneten Stellen Signale einspeisen. Die Steuerung der Kampfanzüge fällt aus. Die zwei Menschen und ihre Ausrüstung werden von einem Strom von Dilan-Wesen mitgerissen. Sie verschwinden im Inneren des Asteroiden.

Als Botschafterin protestiert Kelonikoa Pono im Namen der solaren Koalition gegen die Aktion der Tian Liyang. Sie versucht mit den Dilan-Wesen zu kommunizieren, um etwas über den Verbleib der zwei Menschen zu erfahren. Die Nachfragen bleiben aber ergebnislos. Man vermutet schon lange, dass die Dilan-Wesen kein Konzept für Individualität haben. Man weiß nicht einmal wie man nach den zwei Besatzungsmitgliedern fragen soll.

Die Tian Liyang verlässt Dilan und fliegt den nächsten Gasriesen an. Auf dessen Monden gibt es automatische betriebene Rohstoffgewinnung der Dilan-Wesen. Man geht davon aus, dass diese Anlagen autark sind, sich selbst replizieren und reparieren können und, wie alles von Dilan, hocheffizient arbeiten. Nach 20 Tagen erreicht die Tian Liyang einen der kleinen irregulären Monde. Die vier Berserker-Offensivdrohnen koppeln ab und beziehen Position. Zwei bleiben in der Umlaufbahn bei der Tian Liyang. Die anderen beiden nähern sich einer Extraktionsanlage. Das Shuttle der Tian Liyang landet bei der Anlage mit zwei Technikern und zwei Soldaten in Kolozz-Anzügen. Die Techniker beginnen mit der Analyse. Sie identifizieren die Energieversorgung, die Rohstoffextraktion und die Produktion des Fab-Materials. Dann trennen sie die Energieversorgung von Rest des Systems.

Einige Tage später nähern sich Flugkörper auf einem Maximum Delta-V Kurs. Sie sind quaderförmig mit einer Grundfläche von 5 x 5 Meter und 20 Meter lang. Die Quader sind völlig schwarz im optischen Frequenzbereich. Auch mit Radar sind sie fast nicht zu sehen. Nur der Antrieb strahlt im Infrarot, aber nicht in Richtung zur Tian Liyang. Offensichtlich beherrschen die Dilan-Wesen die gerichtete Kühlung zu Stealth-Zwecken. Eine Analyse der Flugbahn wird später zeigen, dass die Flugkörper genau in dem Moment von Dilan starteten, als das lichtschnelle Signal von der Abschaltung der Rohstoffgewinnungsanlage den Asteroiden erreichte.

In etwa 10.000 Kilometern Entfernung von der Tian Liyang und ihrem Mond setzen die Flugkörper jeweils tausende von Munitionspaketen frei. Die Tochtermunition verteilt sich sehr schnell im Umkreis des Minimonds. Manche gehen in eine weite Umlaufbahn. Einige hundert positionieren sich nahe der Tian Liyang. Die übrigen stürzen hinunter auf die Oberfläche. Sie belegen das ganze Gebiet um die Extraktionsanlage mit einem konventionellen, aber hochwirksamen Bombenteppich. Die Anlage, das Shuttle, die vier Menschen und die zwei nahen Offensivdrohnen werden ausgelöscht.

Die Munitionspakete, die die Tian Liyang umstellt haben, beginnen auf die zwei verbliebenen Berserker zu feuern. Dafür kombinieren sich jeweils mehrere Einheiten zu Linearbeschleunigern. Sie verschießen 1 x 5 Millimeter große Darts eines ultradichten Materials, vermutlich ein den Menschen unbekannter Aggregatzustand mit reduzierten Elektronenorbitalen. Bei einer Geschwindigkeit von 30 km/s haben die Darts eine kinetische Energie von 1,5 MJ, so viel wie eine Dynamitstange. Dieser Belastung hält selbst die Panzerung der Berserker-Offensivdrohnen nicht lange stand.

Die Berserker reagieren schnell:

- 0,1 Sekunden nach den ersten Einschlägen drehen sie sich, um die Nahbereichswaffen in Richtung der am nächsten stehenden Angreifer zu bringen.

- 0,2 Sekunden: noch während der Drehung starten Defensivraketen. Sie versuchen einige der gegnerischen Munitionspakete zu treffen. Sie sind gleich groß wie die Munitionspakete, aber nicht so agil. Nur wenige treffen.

- 0,3 Sekunden: die Multibeschleuniger des Keramik-Pellet Sturms sind auf das Ziel ausgerichtet und beginnen zu feuern.

- 0,5 Sekunden: die Berserker diskutieren die Lage und beschließen größere Gruppen der Gegner mit Antimaterie-Detonationen auszuschalten. Die erste Rakete mit AM-Sprengkopf startet sofort.

- 0,9 Sekunden: die gegnerischen Munitionspakete ändern die Priorisierung und verwenden 0,3 Sekunden lang einen Teil der Feuerkraft darauf, die AM-Raketen abzufangen.

- 1,1 Sekunden: Eine AM-Rakete kommt durch und zerstört ein Zehntel der Gegner.

- 1,2 Sekunden: die Munitionspakete konzentrieren die gesamte Feuerkraft darauf, die AM-Raketen abzufangen. Es kommt keine mehr durch. Währenddessen bekommen die Berserker Zeit, mit den Keramik-Pellets weitere Gegner auszuschalten. Die Strategie, die Railguns der Munitionspakete mit den AM-Raketen zu beschäftigen, ist erfolgreich.

- 1,3 Sekunden. Die Munitionspakete durchschauen die Hinhaltetaktik der Berserker. Deshalb beginnen einige für einen Kinetic-Kill zu beschleunigen. 

- 1,7 Sekunden: unglücklicherweise führen Berserkers nur 4 AM-Raketen mit sich. Nachdem diese verbraucht sind und die Ziele ausgehen, schalten die Munitionspakete wieder um.

- 2,1 Sekunden: die Berserker sind funktionsunfähig geschossen.

- 2,3 Sekunden: die ersten der zum Kinetic-Kill gestarteten Munitionspakete treffen nur noch die passive Masse der Berserker.

- 2,4 Sekunden: Der Selbstzerstörungsmechanismus eines Berserkers, eine 2 kt AM-Ladung, wird durch die Schockwellen ausgelöst.

- 2,5 Sekunden: Die letzten Kinetic-Kills treffen ein. Ende der Kampfhandlungen.

Die Tian Liyang wird nicht beschädigt.

Zu diesem Zeitpunkt sind außer der Tian Liyang noch andere solare Fernhandelsschiffe im System. Eines, die Hermes II, kommt gerade vom Solsystem aus dem interstellaren Raum und befindet sich noch 200 Millionen Kilometer von Dilan entfernt.

Nach der Niederlage der Tian Liyang ändert die Hermes II ihren Kurs. Sie bremst ab und geht in 150 Mio. Kilometern Entfernung von Dilan in einen solaren Orbit. Die Hermes II entlädt Anakonda-Langstreckenraketen mit nuklearer Clustermunition. Die Raketen fliegen Monde des innersten Gasplaneten und Asteroiden an. Die Raketen sind mit KI ausgestattet, damit sie trotz interplanetarer Distanzen handlungsfähig sind. Sie sollen sich auf oder an Himmelskörpern des Systems verstecken und auf ein Einsatzsignal warten.

Zwei Wochen später beginnt die Hermes II eine Botschaft an Dilan zu senden. Sie sendet permanent eine grafische Animation als Warnung an die Dilan-Wesen. Die Animation zeigt das zerstörerische Potential der Langstreckenraketen und warnt vor einem Angriff auf die Tian Liyang. Die Hermes II ist offensichtlich zur Unterstützung der Tian Liyang vor Ort. Das Schiff ist ein echter Fernhändler. Es war schon früher im Dilan-System. Aber jetzt fliegt es im Auftrag des Ares-Kartells.

Ein weiteres solares Handelsschiff erscheint von Dilan aus auf der anderen Seite der Sonne mit Kurs auf einen der äußeren Eisriesen. Das ist ein sehr ungewöhnlicher Vorgang, denn für solare Fernhändler gibt es nur eine vernünftige Route: der direkte Weg nach Dilan. Man vermutet, dass es sich um weitere Vorbereitungen des Ares-Kartells handelt.

Die meisten von der Hermes II abgesetzten Langstreckenraketen wählen kleine Himmelskörper, irreguläre Monde, Kometen und asymmetrische Asteroiden als Deckung. Aber eine Anakonda hält auf einen der großen Monde des inneren Gasriesen zu. Von diesem Mond starten, wie vorher schon von Dilan, einige getarnte Flugkörper. Bei 300.000 Kilometer Abstand zum Ziel wird die Rakete von den Munitionspaketen angegriffen. An der zufälligen Verdeckung von Hintergrundsternen durch einige Munitionspakete erkennen die Sensoren der Anakonda die Angreifer bevor die ersten Geschosse eintreffen.

Die KI der Anakonda, Rufzeichen "Birdie", kennt den Kampf um die Tian Liyang genau. Sie weiß, dass sie gegen die Munitionspakete keine große Chance hat. Aber sie beschließt, die Gegner zu bekämpfen, um mehr über ihre Fähigkeiten zu erfahren. Außerdem findet die KI, dass Gegenwehr schon aus sportlichen Gründen geboten ist.

Sie setzt die Waffen ein, die ihr zur Verfügung stehen: nukleare Clusterbomben und deren Durchbruchshilfen. Sie katapultiert ihre Tochtermunition hinaus. Und wird kurz darauf durch Railguns zerstört. Das geht schnell, denn im Gegensatz zu den Berserkern der Tian Liyang ist Anakonda nicht gepanzert.

Aber Birdie konnte noch 200 nukleare Gefechtsköpfe absetzen. Jeder einzelne mit 1,25 MT Sprengkraft und darauf ausgelegt, im Endanflug mit hoher Transversalbeschleunigung Abfangraketen auszuweichen. Zusätzlich gibt es 100 Pods im gleichen Format wie die Gefechtsköpfe, aber mit verschiedenen Arten von Durchbruchshilfen, elektronische Maßnahmen, ECM, ECCM, aktive und passive Täuschungskörper für verschiedene Wellenlängen und eine Phalanx von Point-Defense Lasern, die ursprünglich dazu gedacht waren, anfliegende Abfangraketen zu neutralisieren. Der Raum erstrahlt in einem Feuerwerk elektronischer Kriegsführung. Für kurze Zeit sind alle Sensoren geblendet. Zumindest die, die nicht damit gerechnet hatten.

Die gegnerischen Munitionspakete werden überrascht. Sie haben keinen Gegenangriff erwartet und schon gar nicht so früh. Trotzdem erwischen sie die meisten Gefechtsköpfe, mit Ultra-Darts, Lasern, Kinetic-Kills, Proximity-Kills, Abfangraketen, Sperrfeuernetzen und EMP. Die letzten 40 Gefechtsköpfe detonieren. Sie bilden ein dreidimensionales Gitter von Explosionen und löschen tatsächlich die meisten Munitionspakete aus.

Nach der Erfahrung mit den wenigen eher statischen Berserkern hatten die Munitionspakete wohl die Agilität der Langstreckenrakete unterschätzt. Auf der anderen Seite hatte Birdie aber auch gut geraten, was die dreidimensionale Verteilung der Munitionspakete betrifft. Außerdem hat Birdie jeden Gitterpunkt mehrfach besetzt, um selbst bei großen Verlusten die Gegner auszuschalten. Technisch gesehen gewinnt Birdie. Die KI bringt ein Fünftel ihrer Gefechtsköpfe durch, und räumt mit ihnen den Weg frei. Eine zweite Anakonda würde nun durchkommen. Birdie erlebt den Sieg nicht mehr live. Aber das Backup auf der Hermes II ist sehr stolz.

Vom Ziel-Mond starten nun 100 Flugkörper, nur für den Fall, dass die Langstreckenrakete versucht haben sollte, in diesem Chaos einige Gefechtsköpfe bis zum Ziel zu schicken. Das ist aber nicht der Fall. Die Anakonda hatte keinen Angriffsbefehl.

Beide Seiten lernen sehr viel bei diesem Austausch. Sie sehen die volle Breite aktiver und passiver Maßnahmen, Gegenmaßnahmen und Gegen-Gegenmaßnahmen. Beide haben als Teil der Tochtermunition passive Sensorplattformen vor Ort und melden die Erkenntnisse per Komlaser zurück. Die anderen Anakondas, die versteckt auf vielen Himmelskörpern des Systems liegen, erhalten das taktische Update von der Hermes II ebenfalls per Laser.

Die wenigen Menschen im System sind überrascht von der heftigen Reaktion auf den Anflug der einen Anakonda. Dafür gibt es einen einfachen Grund. Der Asteroid, den die Menschen Dilan nennen, ist nicht der einzige bewohnte Himmelskörper. Es gibt noch andere Monde und Asteroiden in denen Dilan-Wesen leben. Alle sind einige hundert Kilometer groß und ausgehöhlt wie Dilan. Sie beherbergen viele Milliarden Dilan-Wesen, vermutlich eher 100 Milliarden pro Asteroid. Die Menschen haben sich die vielen anderen Asteroiden des Systems bisher nur nicht genau angesehen. Sie dachten, dass nur Dilan bewohnt ist. Tatsächlich sehen sie sich im Dilan-System einer großen interplanetaren Zivilisation gegenüber, mit 10-20 bewohnten Himmelskörpern und vermutlich 1000 Milliarden Wesen.

Auch einige Monde der Gas- und Eisriesen sind so bewohnt. Darunter der Mond, den sich Birdie als Deckung ausgesucht hatte. Aus Sicht der dortigen Dilan-Wesen war der Anflug ein Angriff auf ihre Heimat. Ein Angriff mit Massenvernichtungswaffen. Und 50 Megatonnen sind nur 300.000 Kilometer von ihrer Heimat explodiert.

Jedem im System, den Vertretern der Koalition und den Dilan-Wesen, ist jetzt klar,

- dass die Mission des Ares-Kartells, noch nicht beendet ist,
- dass es nicht nur darum geht, etwas High-Tech Ausrüstung zu entwenden,
- dass das Ares-Kartell bereit ist, Massenvernichtungswaffen einzusetzen,
- dass das Ares-Kartell einen weitreichenden Plan verfolgt und versucht Dilan oder das ganze System unter seine Kontrolle zu bringen,
- dass es vermutlich noch weitere Kriegsschiffe gibt, die entweder getarnt als Händler im System oder noch im interstellaren Raum unterwegs sind.

Die Dilan-Wesen sind introvertiert und unauffällig. Seit über 100.000 Jahren leben sie in diesem System. Sie siedeln nur auf Himmelskörpern, die andere Völker nicht interessieren. Sie suchen sich kleine unattraktive Sonnen ohne bewohnbare Planeten aus. Sie expandieren nicht und besuchen nur selten andere Sonnensysteme. Mehr kann man nicht tun, wenn man friedlich leben will. Trotzdem gab es im Lauf der Jahrtausende gelegentlich Probleme mit Eindringlingen. Manche wollen von den technischen Fähigkeiten profitieren. Andere unterwerfen ihre Nachbarn aus Prinzip. Einige Imperien fühlen sich bedroht durch so eine Macht innerhalb ihrer Grenzen.

Bisher sind die Dilan-Wesen mit allen Bedrohungen fertig geworden. Wie man gesehen hat, haben sie die Mittel um sich wehren. Meistens reicht ein deutliches Zeichen. Die Schlacht bei der Tian Liyang war als Zeichen gedacht. Aber die Menschen verstehen anscheinend nicht, dass die Dilan-Wesen in Ruhe gelassen werden wollen und das auch erzwingen können. Die spektakuläre Aktion von Birdie gibt den Ausschlag. Die Menschen sind eine Bedrohung. 1000 Milliarden Dilan-Wesen sehen keinen Grund, sich von wenigen Milliarden Menschen drangsalieren zu lassen. Die Dilan-Wesen beschließen, das Problem an seinem Ursprung anzugehen.

Auf vielen Asteroiden und Monden im System starten Flugkörper wie die, die man schon kennengelernt hat. Sie positionieren sich in Umlaufbahnen um die Himmelskörper. Immer wieder starten neue Gruppen. Das geht so mehrere Tage. Sie bilden eine tief gestaffelte Abwehr. Dann fliegen weitere Gruppen von schwarzen Flugkörpern die Verstecke der Langstreckenraketen an. Auch die Hermes II und das andere Schiff bei dem äußeren Eisplaneten bekommen Besuch. Beide Schiffe werden zerstört. Die Tian Liyang wird nicht angetastet. Das Schiff ist nicht bewaffnet. Die Langstreckenraketen werden aufgespürt und zerstört. Das dauert nicht lange. Ihre Position ist den Dilan-Wesen bekannt, denn sie wurden zu jeder Zeit von getarnten Sonden verfolgt.

Jeden Tag kommen weitere Flugkörper aus dem Inneren der Asteroiden. Sie fliegen einen Kurs quer zur Ekliptik und direkt zum Solsystem. Auf dem Weg stoßen größere Einheiten dazu. Die bestehen fast nur aus Triebwerken und Tanks. Es sind Träger, interstellarflugfähige Plattformen, die die schwarzen Quader zu ihrem weit entfernten Ziel bringen sollen. Die kleinen Flugkörper koppeln im Flug an die Träger an. Die Träger sind 1200 Meter lang und bieten jeweils 30.000 Quadern Platz.

Die Vertretung der Koalition versucht verzweifelt mit den Dilan-Wesen zu kommunizieren. Es gibt keine Reaktion.

Die ersten Träger haben sich weit vom inneren System entfernt. Als dort 16 Träger angekommen sind, geht die ganze Flotte gleichzeitig auf Überlicht und verlässt das System. Die Menschen wissen nicht welchen Überlichtfaktor die Dilan-Wesen beherrschen. Aber wenn der Überlichtantrieb ähnlich fortgeschritten ist, wie die übrige Technik der Dilan-Wesen, dann ist nur mit einer Flugzeit von Tagen zu rechnen. Mindestens vier weitere Flotten sind unterwegs jeweils im Abstand von einigen Tagen.

Botschafterin Pono erklärt für die solare Koalition den Notstand im Dilan-System. Sie beschlagnahmt das einzige verbliebene Fernhandelsraumschiff im Dilan-Orbit, die Einstein von der Interstellar Colonial Corporation / Mars. Die Vertretung der Koalition auf Dilan hat nur einige leichte Handfeuerwaffen. Pono und fünf Angehörige der Handelsvertretung fliegen mit einem Shuttle zur Einstein. Sie erzwingen den Zutritt zur Einstein mit dem Hinweis auf die Notstandsvollmachten der Botschafterin.

Die erste Flotte von Dilan trifft nach 4 Tagen Überlichtflug im Solsystem ein. Die Träger kommen auf dem direkten Kurs von Dilan mit einem Winkel von 60 Grad zur Ekliptik. Die Flotte fliegt in Richtung Neptun, der auf der gegenüberliegenden Seite der Sonne steht. Die zweite Flotte kommt wenige Tage später und nimmt Kurs auf den nahe stehenden Uranus.

Im Dilan-System ist die Einstein inzwischen auf dem Weg zum inneren Gasriesen. Der Kapitän der Einstein protestiert und versucht den Flug zu verhindern. Bei einem Schusswechsel wird ein Mitarbeiter der Handelsvertretung getötet und ein Besatzungsmitglied der Einstein verletzt. Die Koalition behält die Oberhand. Die Mannschaft der Einstein wird entwaffnet. Ihr Kapitän wird unter Gewaltandrohung gezwungen, das Schiff zum Gasplaneten zu fliegen.

Eine dritte Flotte von Dilan kommt im Solsytem an. Sie nimmt Kurs auf Saturn. Die beiden anderen Flotten erreichen bereits ihre Zielgebiete. In 20 Millionen Kilometer Entfernung vom Ziel trennen sich die schwarzen Quader von den Trägern. Zwei Drittel fliegen die Planetensysteme an, während ein Drittel zum Schutz der Träger zurückbleibt.

Im Dilan-System erreicht die Einstein das Mondsystem des Gasriesen. Sie fliegt die Tian Liyang an, die immer noch im Orbit des Kleinmondes verharrt. Aber statt abzubremsen beschleunigt die Einstein. Der Kurs zielt genau auf die Tian Liyang, bzw. einen Punkt im Raum an dem sich die Tian Liyang und die Einstein treffen, wenn beide ihre Bewegung beibehalten. Das Shuttle der Einstein trennt sich vom Schiff. An Bord ist fast die gesamte Besatzung der Einstein und vier Mitarbeiter der Handelsmission.

Auf der Einstein bleiben nur drei Personen: Kelonikoa Pono, Iddo Baqannoo, der Sicherheitsoffizier der Handelsmission und Kateb Moknachi, ein Pilot der Einstein. Die Einstein ist auf Kollisionskurs mit der Tian Liyang. Die Besatzung der Tian Liyang bemerkt das und versucht auszuweichen. Aber Moknachi korrigiert seinerseits den Kurs.

Pono konnte Moknachi von ihrem Plan überzeugen. Pono glaubt, dass die Trägerschiffe der Dilan-Wesen das Solsystem angreifen und dass die Menschheit nur eine Chance hat, die Dilan-Wesen davon abzubringen. Sie will ihnen zeigen,

- dass nicht alle Menschen Feinde sind,
- dass die meisten Menschen anständig sind,
- dass nur die wenigen schwarzen Schafe unter den Menschen Ärger machen,
- dass die anständigen Menschen sich des Problems annehmen
- und dass sie es selbst lösen können.

Pono hofft, die Dilan-Wesen von dem Angriff auf das Solsystem abzubringen, wenn man ihnen beweist, dass "gute" Menschen gegen "böse" Menschen vorgehen. Deshalb versucht sie mit der Einstein die Tian Liyang zu zerstören. Die Masse der Einstein ist die einzige wirksame Waffe, die Pono zur Verfügung steht. Denn die wenigen Leute der Handelsmission mit Handfeuerwaffen wären den Spezialeinheiten der Tian Liyang in ihren Kolozz-Anzügen hoffnungslos unterlegen. Man kann die Tian Liyang nicht erobern. Man kann sie nur zerstören. Das ist als Zeichen für die Dilan-Wesen auch viel wirkungsvoller.

Wenn die Dilan-Wesen im Solsystem so rigoros durchgreifen, wie beim Angriff der Tian Liyang auf die Rohstoff-Extraktionsanlage, dann steht die Existenz der Menschheit auf dem Spiel. Pono geht davon aus, dass die Dilan-Wesen mindestens die Fähigkeit der Menschen zur interstellaren Kriegsführung ausschalten wollen. Schon dabei wäre mit vielen Millionen oder Milliarden Opfern zu rechnen. Um das zu verhindern ist fast jedes Mittel recht, und jedes Opfer. Die kleine Restbesatzung der Einstein wagt es nicht, den Zielanflug einem Autopiloten zu überlassen.

Zehn Sekunden vor der Kollision beschleunigt die Tian Liyang aus dem Orbit des Mondes heraus. Die Munitionspakete, die das Schiff immer noch umstellen, schießen auf den Antrieb. Nach zwei Sekunden fallen die Triebwerke aus. Die Einstein hat inzwischen eine Relativgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Sekunde. Aber um zu treffen hätte die Einstein eine gleich große Quer-Beschleunigung vornehmen müssen. Durch das Eingreifen der Munitionspakete bleibt der Einstein genügend Zeit, ihren Vektor anzupassen. Die Schiffe kollidieren mit der 50-fachen Geschwindigkeit einer Gewehrkugel. Sie treffen sich nicht zentral. Aber die freigesetzte kinetische Energie zerstört beide Schiffe.

Im Solsystem haben die schwarzen Quader bei Neptun und Uranus ihre Munitionspakete ausgesetzt. Sie greifen Raumstationen und Basen auf den Monden an. Kommunikationsversuche werden nicht beantwortet.

Die Dilan-Wesen setzen keine Nuklearwaffen ein. Aber sie haben hochwirksame Explosivstoffe, darunter metastabiler metallischer Wasserstoff und chemische Verbindungen mit zehn Mal höherer Bindungsenergie, als die besten Sprengstoffe der Menschen. Auch kinetische Angriffe erreichen bisher ungesehene Dimensionen. Bis zu hundert Munitionspakete bilden lange bidirektionale Linearbeschleuniger, die rückstoßfrei sind und Darts mit über 100 km/s verschießen. Sie schießen schnell und liefern pro Dart das Äquivalent von 5 kg TNT ins Ziel. Verheerend für weiche Ziele sind Schwärme von Kamikazedrohnen mit Sprengmitteln. Die Drohnen werden von Munitionspaketen ausgesetzt und verteilen sich weit über das Zielgebiet. Dann explodieren sie. Für gehärtete militärische Ziele und tief in den Untergrund eingegrabene Mondbasen auf Triton, Proteus (Neptun) and Ariel, Oberon, Sycorax (Uranus) setzen sich Munitionspakete zu größeren bunkerbrechenden Bomben zusammen. Sie erreichen bis zu 5 kT konventionelle Sprengkraft.

Eine Welle der Vernichtung läuft über die Mondsysteme der beiden Eisriesen. Alle orbitalen und die meisten bodengebundenen Stützpunkte, Habitate und Anlagen werden zerstört. Zivile und militärische Ziele werden nicht unterschieden. Die vereinzelten Gegenangriffe und Verteidigungsanstrengungen bleiben wirkungslos.

Mehrere Millionen Menschen sterben, fast alle final, weil auch die Backups vernichtet werden. 

Das übrige Solsystem kann nicht helfen. Man kann aus der Entfernung nicht einmal genau sehen was passiert. Moderne Großteleskope können zwar über interplanetare Distanzen bis auf wenige Meter auflösen. Aber die Zielgebiete werden abgeschirmt durch Gitter von monomolekularen Folien. Auch dafür gibt es spezialisierte Munitionspakete. Jedes spannt einen 50 Quadratkilometer großen Schirm auf. Zusammen verhindern sie eine direkte Beobachtung solange der Angriff läuft.

Eine Flotte ist auf dem Weg zum Saturnsystem. Sie wird noch zwei Wochen brauchen. Die beiden bei Uranus und Neptun sammeln ihre Munitionspakete ein und füllen deren Bestände wieder auf. Dann nehmen sie Kurs auf Jupiter und Mars.

Im Solsystem bricht Panik aus. Viele Schiffe verlassen die Planeten. Sie streben in den offenen Weltraum. Die Menschheit hat nur wenige interstellare Schiffe. Eine Flucht zu den Sternen ist keine Option. Menschen kämpfen um die Plätze auf zivilen Linienschiffen, auf Kreuzfahrtschiffen und auf militärischen Truppentransportern. Frachter werden in Windeseile umgebaut für den Personentransport. Andere versuchen sich an den Asteroiden zu verstecken. Es kommt zu Auseinandersetzungen mit Survivalisten, die schon lange dort leben und unentdeckt bleiben wollen. Die Upload-Rate steigt dramatisch an. Backups werden mit Mikrosatelliten in Sicherheit gebracht.

Man versucht Hohlräume unter der Oberfläche von Monden und Asteroiden auszubauen, künstliche, die schon vorher zu anderen Zwecken angelegt wurden und natürliche Lavaröhren. Auf Eismonden werden Überlebenskapseln in den Eismantel eingeschmolzen, oft viele Kilometer tief. Das Eis bietet vermutlich den besten Schutz im ganzen System. Aber es gibt keine freie interplanetare Transportkapazität. Schiffe, die Schutzsuchende zu den Eismonden hätten bringen können, verlassen stattdessen das System mit Flüchtlingen.

Eine vierte Flotte erscheint im Solsystem. Sie teilt sich auf und nimmt Kurs auf mehrere Asteroidencluster, Jupiter-Trojaner und den Hauptgürtel.

Die Erde reagiert nicht. Dort herrscht die Meinung vor, dass die Situation ein selbstgemachtes Problem der interplanetaren Zivilisation ist. Die schlechten Nachrichten werden von der Zensur heruntergespielt.

Die feindliche Flotte im Anflug auf Saturn bremst ab zum Rendezvous mit dem Saturn-System minus 20 Millionen Kilometer. Dann, als die Flotte das Zielgebiet erreicht, trennen sich die schwarzen Quader nicht vom Träger. Die Träger verlängern die Bremsphase und beginnen einen Vektor aufzubauen, der sie wieder aus dem System hinausführt. Die anderen Flotten ändern ebenfalls ihre Ziele. Eine Woche später ist klar, dass alle Flottenteile das Solsystem verlassen.

Monate später erfährt die Menschheit den Grund. Der Umkehrzeitpunkt ist 26 Stunden nach der Kollision der zwei Schiffe im Dilan-System. Vier Stunden braucht ein Lasersignal vom inneren Gasriesen im Dilan-System zu einem wartenden Kurier am Rand des Systems. Nach nur 17 Stunden erreicht der Kurier das Solsystem. Weitere 5 (+/- 1) Stunden später empfangen die Trägerflotten den Komlaser des Kuriers.

Vielleicht hat der Plan von Kelonikoa Pono die Dilan-Wesen überzeugt. Jedenfalls brechen sie ihren Angriff ab. Gerade noch rechtzeitig, um Saturn zu verschonen. Die 10 Millionen Bewohner des Saturnsystems können aufatmen. Und natürlich auch 60 Millionen beim Mars, den Asteroiden, in der Venusatmosphäre, auf Merkur, Luna und vielen interplanetaren Habitaten.

Die Koalition stellt das Dilan-System unter Quarantäne für solare Schiffe. Einige Schiffe sind noch unterwegs nach Dilan. Das erste kommt rechtzeitig, um das Shuttle der Einstein zu bergen und die Besatzung zu retten. Es darf weder Dilan noch einen anderen größeren Himmelskörper anlaufen, sondern muss unverrichteter Dinge wieder zurück fliegen. Der Handelsverkehr wird für zehn Jahre ausgesetzt. Die Koalition stationiert ein Schiff mit nicht-nuklearer Bewaffnung am Rand des Dilan-Systems in einem exzentrischen Orbit, von dem aus die kürzeste Route vom Solsystem kontrolliert werden kann.

Die Erde fühlt sich bestätigt in ihrer antiexpansionistischen Haltung. Die interplanetare Gesellschaft trägt nichts zum Lebensstandard der Erde bei. Im Gegenteil, schon die interplanetare Expansion entzog der Erde wertvolle Ressourcen. Deshalb hatte sich die Erde von dieser Entwicklung abgekoppelt. Die Dilan-Krise und ihre katastrophalen Folgen für Neptun und Uranus zeigt nach Meinung der Erde, dass Expansionismus viel mehr schadet, als nützt. Die Regierungen der Erde beschließen etwas dagegen zu unternehmen. Sie beginnen interplanetare Streitkräfte aufzubauen. 16 Jahre später beginnt der Systemkrieg mit der Besetzung des Mondes durch irdische Truppen.

#Aliens #Verbrecher #Krieg #interstellar #Rettung #Opfer #Gasplaneten #Asteroid

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2795 Unglück der Argentina

Das vollbesetzte Passagierschiff kollidiert beim Eintritt in das Cobol-System mit einem Asteroiden und explodiert. Rettungskräfte bergen 143 Opfer, 498 werden vermisst.

Unter den Opfern sind der Gouverneur von Syrak und der Botschafter von Artu auf Cobol mit seinem Gefolge. Der Passagierraumer war mit 485 Gästen, davon 462 Menschen, und 156 Besatzungsmitgliedern voll besetzt.

Die Argentina kommt vom Solsystem. Sie nähert sich der Ekliptik im ÜL mit einer effektiven Geschwindigkeit von 3400 km/s, etwa 30 Millionen Kilometer außerhalb der Poseidon Bahn. Sie trifft den Himmelskörper, einen Nickel-Eisen Asteroid von 180 m Durchmesser,  wenige Sekunden nach dem Wiedereintritt.

Asteroiden dieser Größenklasse werden vom Deepspace-Radarnetzwerk überwacht. Der Himmelskörper befindet sich auf einer irregulären Bahn, die vermutlich vom nahe stehenden Hades aus einer Bahn im Kuiper Gürtel auf eine einwärts gerichtete Ellipse gelenkt worden war. Er wird inzwischen von der Raumüberwachung erfasst. Der Asteroid wird Cobol in 11 Jahren in der sicheren Entfernung von 354 Mio. km passieren.

Die Flugsicherheit im äußeren System gab in jüngster Zeit wiederholt Anlass zur Sorge. Im Sol-System ist der Überlichtverkehr innerhalb der gesamten Uranus Raumkugel schon seit der Newplace-Katastrophe im Jahr 2440 verboten.

Der Sprecher des Pilotenverbands fordert unterdessen einen umfangreichen Ausbau der Objektüberwachung im äußeren System, um den ständig wachsenden Verkehr besser abzusichern.

#Unglück #Raumschiff #Interstellar #Asteroiden

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2540 Mukhagni-Zwischenfall

Militär des inneren Systems bombardiert einen sonnennahen Asteroiden und stürzt ihn dann in die Sonne. Offiziell ein Test. Aber viele Beobachter vermuten ein außer Kontrolle geratenes Experiment mit verbotener Technologie.
Bei Mukhagni, einem kleinen Asteroiden innerhalb der Merkurbahn, ereignen sich in kurzer Folge mehrere Antimaterie-Explosionen von jeweils 100 Megatonnen Sprengkraft. Das Ereignis erregt systemweit Aufsehen. Es gibt keine Erklärung von offiziellen Stellen. Zwei Tage später beginnen Kampfeinheiten der Magadha-Sangha-Föderation/Venus aus großer Entfernung Mukhagni zu beschießen. Die Militäreinheiten nähern sich Mukhagni auf Max-Delta-V Kursen aus allen Richtungen und feuern dabei weiter.

Die Nachrichtenagenturen des Solsystems übertragen live. Moderne Großteleskope lösen die Ereignisse bis auf 20 m auf. Auch über interplanetare Distanzen. Man erkennt deutlich die Auswirkungen des Bombardements auf den Asteroiden, aber keine Gründe für die exzessiven militärischen Maßnahmen.

Einige Tage später entdeckt man Frachter von Venus und Merkur, die zusätzliches Kriegsmaterial in Richtung Mukhagni transportieren. Kommerzielle Massdriver in der Umlaufbahn Merkurs unterstützen das Bombardement. Nach kurzer Zeit wird klar, dass die Massdriver Mukhagni kinetische Energie und Drehimpuls entziehen, um seine Bahn Richtung Sonne zu lenken.

Die Umlaufbahn von Mukhagni wird elliptisch und nähert sich nach mehreren Wochen der Sonne. Bei 10 Millionen km Entfernung werden die militärischen Angriffe eingestellt. Die kinetische Komponente des Bombardements wird durch Massdriver von Venus und Merkur weitergeführt bis die Bahn schließlich die Roche-Grenze unterschreitet und die Fragmente des Asteroiden in die Sonne stürzen.

Die offizielle Erklärung ist eine Gefechtsübung in der eine kinetische Bedrohung (der Asteroid) bei gleichzeitigem Unterdrückungsfeuer von Kurs abgebracht werden soll. Ein Test der Magadha-Föderation zum Schutz der Bevölkerung des inneren Systems als Reaktion auf den Umvelinqangi-Vorfall wenige Jahre zuvor. Das erklärt jedoch nicht die initialen Detonationen.

Tatsächlich war Mukhagni eine Forschungseinrichtung von Ratha-Musala (dem Entwicklungsbüro) von Ajatashatru (des interplanetaren Nachrichtendienstes) der Magadha-Sangha (einer wohlhabenden Föderation von Venus Habitaten). Entgegen der offiziellen Darstellung war auf dem Asteroiden ein geheimes Forschungsprojekt außer Kontrolle geraten. Die initialen Amat-Detonationen sollten wohl den Asteroiden sterilisieren und das Problem beseitigen. Das hatte aber nicht den erwarteten Erfolg. Daraufhin sahen die Verantwortlichen keine andere Möglichkeit, als den Asteroiden (unter gewaltigem Aufwand und ständigem Unterdrückungsfeuer) in die Sonne zu stürzen.

Natürlich vermutet man illegale KI-Forschung wie bei der Newplace-Verschwörung 100 Jahre zuvor. Damals konnte die asymptotische Entwicklung einer Gestalt-KI nur durch eine sphärische Welle von Antimaterie-Explosionen unterdrückt werden. Im Fall von Mukhagni hatte Ratha-Musala offensichtlich vorgesorgt und als Notbremse schwere Sprengsätze installiert. Wahrscheinlich eine Lehre aus der Newplace-Erfahrung. Ratha-Musala hatte auch die Weisheit die Sprengsätze zu zünden, aber das reichte wohl nicht aus. Was immer sich auf Mukhagni befand oder entwickelte, es war so mächtig, dass es selbst konzentrierten Angriffen von mehreren Großkampfschiffen, deren Lenkwaffen und Angriffsdrohnen widerstehen konnte. Aber was kann gefährlicher sein, als die Newplace-KI? Die Anzeichen deuten auf eine überlegene Technologie hin. Hatte eine asymptotische KI in kürzester Zeit neue Technologien entwickelt? Oder hatte Ratha-Musala schon so früh Zugang zu extrasolarer Technologie? Nach einer anderen Theorie experimentierte Ratha-Musala mit Kessler-Viroidae (entdeckt durch Zipi Kessler, 2478) und aktivierte dabei Disassembler-Gene (vgl. Massara-Seuche, 2746). Dann wäre das nukleare Bombardement dazu da gewesen, die vom kinetischen Einschlag ausgeschleuderten Bruchstücke zu sterilisieren. Analysen, die eine Korrelation zwischen kinetischen und nuklearen Feuersequenzen zeigen, weisen in diese Richtung.

Die Tatsache, dass solare Mächte irgendwo im Sonnensystem geheime und manchmal auch verbotene Forschungsprojekte an geächteten Technologien durchführen, ist wenig überraschend. Oft verwenden sie dafür kleine abgelegene Asteroiden, da Asteroiden mehr Deckung vor den allgegenwärtigen Teleskopen bieten, als Raumstationen. Im Laufe der Jahrhunderte werden mehrere solcher Aktivitäten aufgedeckt. Meistens durch Zufall, ein Unglück oder mangelnde Sorgfalt der Betreiber. Ein militärisches Sperrgebiet ohne militärische Aktivitäten ist ein deutliches Zeichen für geheime Aktivitäten, wenn auch nicht unbedingt für illegale Projekte oder geächtete Technologien.

Ratha-Musala hatte für seine Forschungseinrichtung einen Vulkanoiden in Sonnennähe gewählt und vorsichtshalber Antimaterie-Sprengsätze installiert. Offensichtlich waren sie sich des Risikos ihrer Forschung bewusst (das spricht eigentlich gegen die Kessler-Viroidae Theorie). Was auch immer der Inhalt der Forschung war, man kann davon ausgehen, dass es sich um interplanetar geächtete Technologie handelte. Jedenfalls wurde selten in der Geschichte des Solsystems einem geheimen Projekt so eine große mediale Aufmerksamkeit zuteil.

#Asteroid #Technologie #Militär #Illegal #Medien

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2174 Asteroidenraub, der größte Diebstahl des Jahrhunderts und Goldregen

Im Jahr 2172 manövriert der Asteroidenentwickler Seren-Enterprises einen kleinen Kometenkern aus einer erdnahen Sonnenumlaufbahn in einen hohen Erdorbit. Der Komet ist 90 Meter groß und enthält neben 2 Millionen t Wassereis einen außerordentlich hohen Anteil von seltenen Erden. Die Reise dauerte 14 Jahre mit Fusionsfackel-Triebwerken, die fast alles Wassereis des Kometen verbrauchen.

Seren-Enterprises beabsichtigt, Rohstoffe für die Industrie im orbitalen Erde-Mond-System abzubauen. Abnehmer sind vor allem L4/L5-Konstuktionen, lunare Produktionsstätten und Forschungsstationen im Erdorbit. Außerdem enthält der Komet verschiedene Edelmetalle, die wie andere Elemente für Produktion und Konstruktion im Orbit verwendet werden, darunter 50.000 t Gold das aber nur in kleinen Mengen industriell benötigt wird. Das Projekt läuft unter höchster Geheimhaltung. Der Komet und die Extraktionsanlagen werden unter einer Hülle aus Aluminiumfolie verborgen.

Anfang 2174 wird der Asteroid von gut ausgerüsteten Einheiten unbekannter Herkunft besetzt. Seren-Enterprises wird der Zugang verwehrt. Für 10 Monate begründet Seren die Lieferverzögerung gegenüber Kunden mit operativen Problemen, meldet den Vorgang aber nicht den Behörden.

Ende des Jahres beginnt der sog. Goldregen. Die Diebe landen Gold mit Deorbitern in menschenleeren Gebieten und sammeln die Fracht ein. Die unregistrierten Landungen erregen planetenweit die Aufmerksamkeit ziviler und militärischer Behörden. Nach 3 Wochen, in denen die Behörden versuchen mit Seren-Enterprises zu verhandeln und Druck auszuüben, versuchen Einheiten der Raumpatrouille zu landen. Sie stoßen auf starken Widerstand und werden zurückgeschlagen.

Mit Beginn des Landungsversuchs ändern die Entführer ihre Taktik. Sie schießen Gold-Ladungen ohne Deorbiter unkontrolliert zur Erde, weiterhin in unbewohnte Gebiete. Teile des Goldes verdampfen beim Eintritt in die Atmosphäre, aber über weite Gebiete kommen kleine und größere Tropfen aus geschmolzenen Gold und Nuggets bis 1 cm Größe herunter. Es beginnt ein Goldrausch in der Sahara, Alaska, Sibirien und Australien. Insgesamt landen die Diebe 9.000 t Gold (ca. 1 % des Weltvorrats), davon 3.000 t per Deorbiter. Der Welt wird bewusst, dass in Zukunft jede Organisation fast beliebige Mengen Edelmetalle zur Erde bringen kann. Der Goldpreis und viele andere Rohstoffmärkte brechen ein.

Schnell wird bekannt, dass ca. 2.000 t Gold über Terminkontrakte schon vorher zu den alten Marktpreisen verkauft worden waren, einem Wert, der dem Bruttosozialprodukt eines kleinen Landes entspricht. Später stellt sich heraus, dass der wahre Zweck des Asteroidendiebstahls nicht der Goldverkauf, sondern die Manipulation der Märkte war, bei der die Diebe wohl ein Vielfaches verdient haben.

Im Chaos des Goldregens verlassen die Diebe in Deorbitern den Asteroiden. Ihre Identität bleibt im Dunkeln. Einige Details sprechen für staatliche Akteure. Es gibt viele Spuren und Indizien, aber keine eindeutigen Hinweise. Die wahren Drahtzieher werden nie öffentlich bekannt.

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2851 Katastrophaler Zusammenstoß eines Asteroiden mit dem Planeten Begun.

Wundersame Rettung der Bevölkerung durch den Eingriff einer unbekannten Macht.

Begun wurde 60 Jahre zuvor vom Explorer-Schiff Jaipur entdeckt. Auf dem Planeten gibt es eine vorindustrielle Zivilisation. Einige Jahre später richtet das xenopologische Institut von Anawrahta (Süd-Funan auf Suvarnabhumi) einen kleinen Außenposten ein. Intelligente Völker sind generell von wissenschaftlichem Interesse. Jedes Volk bietet bereichert die xenopologische Forschung durch seine Eigenheiten.

Nach fast 20 Jahren Routinearbeit entdeckt ein anfliegendes Versorgungsschiff einen 700 km großen Asteroiden auf Kollisionskurs. Der Asteroid ist noch 10 Orbits (40 Jahre) von der Kollision entfernt, aber die automatische Trajektorienextrapolation der Schiffsysteme meldet den potentiellen Impakt. Der Fund taucht kurz in interstellaren Nachrichtendiensten auf. Aber die Kollision liegt damals noch weit in der Zukunft.

Ein Jahr vor dem Einschlag wird in einigen Medien über eine Hilfsaktion diskutiert. Die Verschiebung eines 700 km großen Himmelskörpers aus seiner Bahn innerhalb der verbleibenden Monate würde immensen Aufwand erfordern. Die Aufmerksamkeit der größeren Regionalmächte ist aber vor allem durch das Neobarbarenproblem gebunden. Übergriffe von Neobarbaren aus verschiedenen Völkern auf Zentren der interstellaren Zivilisation nehmen immer mehr zu. Angesichts dieser Bedrohung erscheint ein großer angelegter Einsatz technischer oder militärischer Kräfte nicht möglich.

Private und öffentliche Hilfsorganisationen verschiedener Völker versuchen Eingeborene zu evakuieren. Tatsächlich laufen einige Rettungsprogramme schon seit 10 Jahren. Die solare Goodwill Kampagne trägt einen großen Teil der Last. Es ist aber auch klar, dass nur ein Bruchteil der Bevölkerung evakuiert werden kann.

Gleichzeitig versuchen Schlepper den Asteroiden zu bewegen. Auch diese Aktivitäten werden vor allem durch private Organisationen getragen. Bemerkenswert ist der Einsatz kisorischer Alturisten mit 80 Schleppern, die von gemieteten Flottentendern herangebracht werden. Der Himmelskörper zeigt eine überraschend hohe Trägheit. Die Flugbahn ändert sich weniger als erwartet.

Wenige Tage vor dem Einschlag werden die Evakuierungen abgebrochen. Die Hilfskräfte ziehen sich zurück. Mehrere Millionen Bewohner konnten gerettet werden. 20 Millionen bleiben zurück. Viele waren noch nicht einmal kontaktiert und wissen nichts von ihrem Schicksal. Einige verzweifelte Aktivisten weigern sich zu gehen. Sie berichten von weißen Engeln, die Zurückgebliebene in den Himmel führen. Der Einschlag kommt wie erwartet. Er ist ein kataklysmisches Ereignis mit einer Zerstörungskraft weit jenseits der Torino Skala, eher zu vergleichen mit dem Einschlag auf der Erde bei dem der Mond geformt wurde.

Einige Tage später tauchen viele Millionen der Eingeborenen auf mehreren bewohnbaren Planeten der Umgebung auf. Schätzungen zufolge wurde fast die gesamte Bevölkerung gerettet. Wie das geschah bleibt unklar. Aufzeichnungen automatischer Kameras zeigen weiße (Energie-?)Nebel, die wie aus dem Nichts überall erscheinen und vermutlich mit den beschriebenen Engeln in Verbindung stehen. Man vermutet, dass die Nebel zu einem sehr fortschrittlichen Transportsystems einer unbekannten Macht gehören.

Auch die überraschend große Masseträgheit des Asteroiden, der sich förmlich den Anstrengungen ihn zu bewegen widersetzte, bleibt unerklärt. Es gibt Spekulationen, dass eine unbekannte Macht die Bemühungen der Schlepper sabotierte. Der Transport der gesamten Bevölkerung erscheint viel aufwändiger, als eine Ablenkung des Asteroiden. Zur Frage, warum der Zusammenstoß nicht verhindert wurde, aber dafür mit viel größerem Aufwand die Einwohner gerettet wurden, gibt es nur Spekulationen. Möglicherweise wollte diese unbekannte Macht gewährleisten, dass der Zusammenstoß stattfindet, wie von der Natur vorgesehen, rettete aber im Gegenzug die Bevölkerung.

Die weißen Nebel erinnern an die Energieblasen der Contour 60 Jahre zuvor.

Die Rettung der Beguner ist ein interstellares Medienereignis ersten Ranges.

Auf mehreren Planeten der Umgebung (solare Kolonien, kisorische Vasallen und viele andere Völker) sind Millionen heimatlose Beguner zu versorgen.

http://jmp1.de/h2851