2557 Das Landeunternehmen bei Wladiwostok scheitert mit großen Verlusten für die Landungstruppen

Die neuen militärischen Kapazitäten der Erdunion im Raum sind eine existenzielle Bedrohung für die solare Koalition. Die Erde versucht, die expansionistischen Aktivitäten der Koalition mit Gewalt zu unterbinden. Sie hatte den Mond besetzt, das Marssystem angegriffen und den Marsorbit eingenommen. Die Koalition konnte unter Aufbietung aller Kräfte des inneren und äußeren Systems schließlich Deimos wieder einnehmen und die Erdflotte schlagen. Ein Jahr später konnte die Koalition auch den Mond befreien und den Systemkrieg bis in den Erdorbit tragen. Aber seit drei Jahren gibt es eine Pattsituation. Die Koalition dominiert den Orbit und verhindert, dass die Erde wieder militärische Kräfte in den Raum startet. Die Erde kontrolliert die Oberfläche.

Eigentlich ist damit der Status Quo wiederhergestellt, der vor Ausbruch des Krieges lange Zeit Bestand hatte. Die solare Koalition ist im Weltraum, die Union auf der Erde. Die Koalition is expansionistisch und wird inzwischen interstellar aktiv. Die Erde ist isoliert. Sie konzentriert sich auf eine nachhaltige Wirtschaft und die Reparatur der Ökologie. 90 Millionen Menschen verteilt über das Sonnensystem gegen 18 Milliarden auf der Erde.

Aber beide Seiten können die Situation nicht so bestehen lassen. Die Erde sieht die interstellaren Aktivitäten mit Schrecken. Die Erde ist schon lange antiexpansionistisch. Und durch den Dilan-Zwischenfall, 25 Jahre zuvor, wurden die schlimmsten Befürchtungen der Antiexpansionisten bestätigt. Die Erdunion ist entschlossen weitere interstellare Aktivitäten zu verhindern. Deshalb versucht sie nun die orbitale Blockade zu durchbrechen. Aber alle startenden Objekte werden noch im erdnahen Raum neutralisiert.

Weil es der Erde nicht gelingt, den Orbit zurückzugewinnen und neue Kräfte im Raum zu etablieren, ist sie zu einer Terrortaktik übergegangen. Die Erdstreitkräfte starten Langstreckenraketen, die mit nuklearen Sprengköpfen direkt interplanetare Ziele angreifen. Beide Seiten scheuen noch davor zurück, planetare Ziele zu treffen. Die Koalition versucht die Geschosse abzufangen. Aber die Frequenz nimmt zu und die Blockadekräfte der Koalition können nicht mehr alle Durchbrüche verhindern. Jeder einzige kann riesige Schäden anrichten und Millionen Bürger der Koalition treffen. Der erste große Verlust auf der Seite der Koalition ist ein Gemini/L5 O'Neill Zylinder mit 40.000 Bewohnern. Die Koalition reagiert mit einer Verschärfung des Orbitalkriegs und schießt auch zivile suborbitale Fahrzeuge der Union ab.

Die Koalition ist entschlossen, die interplanetaren Angriffe zu unterbinden. Dafür strebt sie einen Regimewechsel auf der Erde an. Außerdem gibt es in der Koalition immer noch starke Kräfte, die die Isolation der Erde beenden wollen. Viele haben sich nie damit abgefunden, dass der Heimatplanet verloren ist. Die interplanetare Zivilisation ist zwar erwachsen geworden, aber Erdnostalgie ist immer noch ein starkes Motiv. Diese Kräfte sehen in der aktuellen Eskalation die Chance, den Status Quo zu ändern und die Erde zurückzugewinnen.

Momentan sind die Expansionisten der Erde im Untergrund. Die Expansionisten wollen sich nicht damit abfinden, dass "den Menschen der Erde die Sterne verwehrt werden". In vielen Regionen gibt es expansionistische Guerillagruppen. Manche verüben Anschläge. Andere bereiten sich im Stillen auf den Befreiungskampf vor. Die Koalition hilft durch Propaganda aus dem Orbit, durch die Landung von Ausrüstung in Deorbitern und durch Schmuggel von Material und Personal. Aber die Union hat die Erde fest im Griff. Genauso, wie die Koalition fast alle Starts in den Orbit unterdrücken kann, hat die Union ein dichtes Überwachungsnetz, um Landungen vom Orbit zu verhindern. Manchmal klappt das trotzdem. Aber es gibt keinen zuverlässigen und leistungsfähigen Transportweg. Materielle Unterstützung des Untergrunds kommt nur sehr unregelmäßig durch.

Die Koalition beabsichtigt deshalb, einen Brückenkopf auf der Erde zu etablieren. Von dieser Basis aus sollen erst Agenten die Untergrundbewegung unterstützen. Später sollen dann Spezialeinheiten mit modernen Waffen beim Befreiungskampf helfen. Sie wählt dafür ein dünn besiedeltes Gebiet in Asien nordwestlich von Wladiwostok.

Phase I: Das Gebiet wird im Umkreis von 200 km durch kinetische Bombardierung eingeebnet. Die bekannte Vegetation und die Topographie verschwinden in einem Sturm von Hochgeschwindigkeitsgeschossen, die ihre kinetische Energie von jeweils 1 kt dort deponieren. Das wirkt wie tausende taktischer Nuklearexplosionen, aber ohne radioaktive Strahlung zu hinterlassen. Die Koalition achtet darauf, für die Geschosse bioverträgliches und kein toxisches Material einzusetzen. Die Region soll später wieder bewohnbar sein.

Phase II: Crash-Deorbiter landen an den Rändern und etablieren ein Verteidigungsnetzwerk in dessen Schutz später Koalitionstruppen landen können. Als Abwehrnetz werden hunderte Starteinheiten für Hyperschall-Geschosse stationiert, die jeweils einen Keramik-Pellet-Sturm ins Zielgebiet tragen können. Die Trägersysteme verwenden Linearbeschleuniger (Railgun) und Konvertertechnologie, um die offensiven Komponenten in Sekunden über viele Kilometer an die Bedrohung heranzubringen. Es gibt Pellets für verschiedene Leistungsprofile, z.B. hitzebeständige Bornitrid-Darts (für den Einsatz gegen Reaktivpanzerungen), Bor-Fullerene (eher ein Staubsturm gegen Schwärme von Mikrobots) und diamantumhüllte Wolfram Partikel mit besonders großer Durchschlagskraft (gegen starke Passivpanzerung). Alle zusammen bilden einen sogenannten Keramikschild. Jeder Angreifer, ob Geschoss, Drohne oder Soldat trifft beim Überschreiten der imaginären Grenze auf einen Sturm von winzigen hyperschallschnellen Keramikpellets, die alles in Sekundenbruchteilen zermahlen, auch Panzerungen, Mikrobots und Military-Fog.

Phase III: Im Inneren des geschützten Bereichs landen Deorbiter mit passiven Schutzmaßnahmen. Darunter sind Spiegelprojektoren, Schwärme von sub-Millimeter großen programmierbaren Spiegeln aus optisch aktivem Metamaterial. Die Komponenten schweben in der Luft und richten sich automatisch auf eine starke Lichtquelle aus. Sie blockieren Laserwaffen und werfen dabei sogar einen Teil der Strahlenergie zurück. Phase III bringt auch mobile Aerosolgeneratoren, die über große Orts- und Frequenzbereiche Beobachtung unterbinden und gleichzeitig Schutz gegen Plasmawaffen bieten.

Phase IV landet schweres Gerät, klassische Raketenabwehr, Tiefenradar gegen unterirdische Angriffe. teilautonome Drohnen, EW (Electronic Warfare), ECM (Electronic Counter Measures) und ECCM (Electronic Counter Counter Measures). Außerdem landen Pioniere mit Generatoren für elektrischen Strom und Hohlleiter, mit Tunnelbohrern aus dem Asteroidenbergbau, ISRU-Extraktionseinheiten (In Situ Resource Utilization) und Fabs für Basisbau und Munition. Mit dieser Ausrüstung werden über das ganze Gebiet mehrere unterirdische Stützpunkte eingegraben. Die Basen sind weit verzweigte Netze von unterirdischen Tunneln mit vielen Ausgängen. Damit bieten sie kein klares Ziel.

Die Koalition hat die Raumüberlegenheit. Sie kann Luftangriffe und suborbitale Flugkörper durch kinetische Schläge aus dem Orbit unterbinden. Außer wenigen anfänglichen Tests verzichten die Unionsstreitkräfte auf luftgestützte Angriffe. Attacken verwenden vor allem schwer gepanzerte Bodenfahrzeuge und Tunnel, die in aller Eile über hunderte Kilometer gegraben werden. Auch die Erde hat eine hochentwickelte Tunneltechnik für den Bau der Vakuumbahnen.

Während der Basisbau unter ständigen Angriffen weitergeht, landen Koalitionstruppen. Sie betreiben die Basis und besetzen vorgeschobene Posten. Geheimdienstpersonal beginnt Verbindungen zu den lokalen Widerstandsnetzwerken aufbauen. Spezialeinheiten und ihre Drohnen erkunden die weitere Umgebung. Sie bereiten sich auf den globalen Einsatz vor. Auf der Landseite errichten die Unionsstreitkräfte eine Blockadefront. Aber der Brückenkopf wurde absichtlich am Pazifik etabliert, um unter Wasser Menschen und Material in alle Welt zu transportieren. Alle Angriffe werden abgewehrt.

Neben den halbautomatischen Kampfmitteln wächst die Personalstärke im Lauf eines Jahres auf 30.000 Menschen und Drohnen mit Upload-Besatzung.

Dann explodieren die Antimaterieminen. Drei mal 50 Mt löschen den Brückenkopf der Koalition aus. Rohe Gewalt siegt über High-Tech.

Schon vor langer Zeit hatte die Union schwere nukleare Sprengköpfe tief eingegraben. Weltweit sind alle menschenleeren Gebiete, die für eine solche Landung geeignet sind, mit Minen präpariert. Etwa 100.000 schwere Minen liegen bereit, um auf Kommando zuzuschlagen. Die Erde hatte 250 Jahre Zeit, sich auf eine Invasion vorzubereiten.

Ein katastrophaler Verlust für die Koalition. Riesige Mengen Ausrüstung und alles verfügbare Bodenpersonal ist verloren. An eine Invasion ist jetzt nicht mehr zu denken.

#Krieg #Orbital #Invasion #Nuklear #Antimaterie #Schutzschirm #Dropship #Katastrophw

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3190 Chinti-Katastrophe.

Ein Überraschungsangriff von Chinti-Schwärmen hat verheerende Folgen für das Solsystem.

Die meisten strategischen Verteidigungseinrichtungen des Solsystems sind nicht aktiv. Das System ist ungeschützt. Niemand hatte mit so einem überraschenden und massiven Angriff gerechnet.

Nur der Initiative eines Technikers ist es zu verdanken, dass die solare Menschheit nicht ausgelöscht wird.

Viele Verteidigungseinrichtungen wurden lange vernachlässigt. Als die Besatzer immer weniger Mittel zur Verfügung hatten und sich langsam zurückziehen mussten, wurden die Infrastruktur nicht mehr gewartet. Und seit der Rückeroberung ist die Menschheit mit dem Wiederaufbau der Wirtschaft beschäftigt. Die alten strategischen Verteidigungsanlagen hatten dagegen nur eine niedrige Priorität.

Viele Tiefraumsperren sind im Lauf der Jahrhunderte abgedriftet oder haben sich so verschoben, dass es jetzt große Lücken gibt. Dort können überlichtschnelle Raumschiffe abseits der Ekliptik bis nahe an die Planeten herankommen.

Der solare Ballistikschild ist noch teilweise funktionsfähig. Er hatte eine wichtige Rolle bei der Rückeroberung gespielt. Aber nach dem Einsatz während des Aufstands wurde seine Munition nicht wieder aufgestockt. Deshalb ist der Ballistikschild zwar aktiv, aber unwirksam.

Nur einem Zufall und der Initiative eines Technikers ist es zu verdanken, dass doch Teile der ballistischen Abwehr rechtzeitig reaktiviert werden können. Der Ballistikschild hat eine taktische Reserve. Die Reserve war während der Rückeroberung nicht verwendet worden, da die Rebellen damals nur Zugriff auf wenige Kommandoschlüssel hatten.

Einem Techniker war später aufgefallen, dass die Steuerung des Schilds einige Kommando-Codes kennt, die noch nie benutzt worden waren. Er untersuchte die Verbindungen zwischen Steuerknoten und Komponenten des Ballistikschilds, um herauszufinden welche Komponenten sich durch die zusätzlichen Schlüssel aktivieren lassen. Dabei stieß er auf die Schildkomponente "SBS42b". Dieser Teil der Schildinfrastruktur war als taktische Reserve vorgesehen und sollte nur im größter Not eingesetzt werden. Der Techniker stellte außerdem fest, dass SBS42b noch weitgehend munitioniert war. Man beabsichtigte damals den Schild komplett neu aufzubauen und wollte keine Mittel für eine temporäre Lösung verschwenden. Deshalb wurde SBS42b nicht in Betrieb genommen.

Der Techniker hatte von seinen Vorgesetzten den klaren Auftrag, nicht mehr am alten Ballistikschild zu arbeiten. Aber er setzte sich darüber hinweg und beschäftigte sich mit der Reaktivierung von SBS42b. Er stellte Netzwerkverbindungen wieder her, testete die Steuerung, erstellte sogar Pläne für verschiedene Szenarios und neue Steuersoftware. Die Vorbereitungen waren so umfassend, dass eigentlich nur die offizielle Aktivierung fehlte.

Beim Angriff der Schwarmflotte ist es diesen Vorbereitungen zu verdanken, dass ein Teil des ballistischen Schilds schnell aktiviert werden kann. Ein Ballistikschild hat eigentlich die Aufgabe, kinetische Angriffe mit passiven Hochgeschwindigkeitsgeschossen abzuwehren. Da die Chinti aktive Lenkwaffen mit Antimateriesprengköpfen einsetzen, muss SBS42b in Windeseile auf ein anderes Angriffsprofil umprogrammiert werden. Glücklicherweise war die taktische Reserve auch für diesen Einsatz geeignet. Bei der ursprünglichen Installation, hunderte Jahre zuvor, hatte offensichtlich jemand die Weitsicht, die Reserve nicht nur als Erweiterung des ballistischen Schilds auszulegen, sondern auch als letzte Rettung für andere Angriffsszenarien.

Inbetriebnahme und Neueinstellung des ballistischen Schilds sind ein Rennen gegen die Zeit. Die wenigen Techniker, die damit vertraut sind, müssen abwägen zwischen schneller Einsatzbereitschaft und Genauigkeit der Einstellung. Gleichzeitig müssen sie aus den verwirrenden taktischen Daten herauslesen, wo die verfügbaren Mittel am effizientesten eingesetzt werden können. SBS42b hat nicht genügend Munition, um das ganze Solsystem zu schützen. Die verfügbaren Mittel müssen auf einige Schwerpunkte konzentriert werden. Es bleibt keine Zeit für Rückfragen bei Vorgesetzten oder für Abstimmungsrunden mit der militärischen Führung. Alles muss sehr schnell gehen. Letztlich entscheiden die Programmierer selbst unter hohem Druck und in größter Eile über Leben und Tod von Milliarden.

SBS42b geht gerade noch rechtzeitig online. Die Angreifer werden überrascht von der Gegenwehr. Sie hatten nur mit mobilen Einheiten und lokalen Verteidigungsanlagen gerechnet, aber nicht mit einer im System verteilten tief gestaffelten Abwehr. Die taktische Reserve erfasst die Lenkwaffen früh. Sie kann 93% neutralisieren und stellt gleichzeitig die mobilen Einsatzkräfte frei, um gegen die nachrückenden Schwarmschiffe vorzugehen. Die erste Welle der Lenkwaffen wird wesentlich abgeschwächt. Und der nachfolgende Angriff der Schwarmschiffe ging davon aus, dass sich alle mobilen Einheiten der Menschen mit der Abwehr der Lenkwaffen beschäftigen würden. Die Chinti hatten in dieser Phase nicht mehr mit Gegenwehr gerechnet. Die zweite Welle fällt in sich zusammen.

Trotzdem sind die Zerstörungen verheerend. Antimateriesprengköpfe mit 400 MT kommen zum Einsatz. Auf allen Kontinenten gibt es gigantische Detonationen. Tsunamis verwüsten die Küsten bis 100 km ins Landesinnere. Die Zerstörung der Antimateriebomben erstreckt sich bis in 500 km Entfernung vom Explosionsort. Ganze Regionen werden ausgelöscht. Die Explosionswolken reichen bis in die Stratosphäre.

Zwei Drittel der Menschheit überleben den Angriff, der als Chinti-Katastrophe in die Geschichte eingeht.

Der Techniker, der SBS42b auf eigene Faust untersucht und wiederhergestellt hatte, war ein 300 Jahre alter Mech namens Fritz Metzger. Fritz Metzger wurde ursprünglich als spezialisierte Wartungsdrohne (Kennung: EF-EM-73269075) mit eingeschränkter KI hergestellt. Bei einem Unfall im Jahr 2871 stellte sich dann heraus, dass die Beschränkungen nur konfiguriert waren. Der Hersteller hatte aus Kostengründen eine autonome KI geklont, künstlich geblockt und als spezial-KI verkauft. Die geklonte KI geht vermutlich auf einen sehr alten Upload während des ersten Kisor-Kriegs zurück. Der Upload wurde so umfangreich editiert und angepasst, dass keine Erinnerungen an das Bio-Leben mehr vorhanden sind. Durch die Beschädigung wurde FM teilautonom. Von da an war er sich der Beschränkungen bewusst. Zum 50. Dienstjubiläum wurden die Blockaden entfernt und FM wurde zum "gebundenen" autonomen Infosophonten (gebunden = Bindung an die Mech-Hardware, keine Zulassung als Netz-Infosophont) mit Bürgerrecht. Den Namen wählte er in Anlehnung an seine Kennung, unter Berücksichtigung der vermuteten Herkunft des Uploads, und weil er die "tz" cool fand. Als Bürger blieb FM seiner Profession treu, der Wartung von orbitaler Infrastruktur. Auch unter der langen Besatzung. Während dieser Zeit gab er sich als einfache Wartungsdrohne aus.

FM ist zur Zeit des Angriffs auf einem Wanderurlaub in den Anden. Für physische- oder info-Relokation bleibt keine Zeit. Aber über das Netz hat er vollen Zugriff auf alle Funktionen. Er ist während der Verteidigung maßgeblich an der Konfiguration von SBS42b beteiligt. Leider hat Südamerika eine niedrige Priorität bei der Verteilung der Abwehrkräfte. Es gibt zwar einige große Städte, aber auch viele Naturschutzgebiete, Bergland und Agrarindustrie. Im äquatorialen Pazifik liegen dagegen sehr viele schwimmende Habitate mit Milliarden Menschen. Die Bevölkerungsdichte ist dort viel größer als auf den Landflächen Südamerikas. Um den Pazifik abzudecken, muss FM ganz Südamerika, einschließlich seiner Position, ungeschützt lassen. Er rechnet natürlich damit, später von seinem Backup reaktiviert zu werden.

Leider werden beim Angriff sehr viele Solnet Knoten getroffen. Obwohl 80% der Solnet-Infrastruktur zerstört sind, betrifft die tatsächliche Informationsvernichtung durch Redundanzen nur 10%. Unglücklicherweise sind beide Backups, das wöchentliche inkrementelle und das monatliche Vollbackup, von FM nicht wiederherstellbar.

#Krieg #Held #Technik #Ballistik #Antimaterie #KI #Bot #Mech

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3042 Galaxien sind intelligente Lebewesen

Über dem Ereignishorizont von SMBHs (Super Massive Black Hole) existiert eine Schicht chaotischer Fluktuationen der Raumzeit in der geordnete Muster entstehen können. Die Komplexität dieser emergenten Strukturen ist vergleichbar mit dem Gehirn von Sophonten, möglicherweise viel größer. Es gibt astronomische Hinweise, dass SMBHs und ihre Galaxien Lebewesen sind. Sie leben viele Millionen Mal langsamer als wir. Aber sie können auf Zeitskalen von Millionen Jahren ihre eigene Galaxie beeinflussen und sich im intergalaktischen Raum planvoll bewegen.

Galaxien wachsen indem sie mit anderen, vor allem kleineren Galaxien, verschmelzen. Die Erkenntnis, dass sie dabei bewusst vorgehen, eröffnet die Sicht auf ein gigantisches Biotop in dem kleine Galaxien ohne emergente SMBHs von emergenten SMBHs und deren Galaxien verschluckt werden, wie irdische Pflanzen, die von Tieren gefressen werden. Es ist wahrscheinlich, dass große SMBHs sogar Intelligenz entwickeln.

Schon vor langer Zeit hat man entdeckt, dass alle Galaxien ein großes schwarzes Loch im Zentrum haben. Tatsächlich bilden sich Galaxien um supermassive schwarze Löcher (SMBH). Diese schwarzen Löcher haben erstaunliche Eigenschaften. Sie sind viel größer, als man erwartet, da der Radius des Ereignishorizonts proportional zur Masse wächst. Die größten schwarzen Löcher haben die Dichte unserer Atmosphäre und fast keinen Gravitationsgradienten, aber trotzdem einen Ereignishorizont, der die Singularität verbirgt.

Die Umgebung von SMBHs ist in der Nähe des Ereignishorizonts nicht glatt. Unter den Bedingungen nahe am Ereignishorizont unterliegt die Raumzeit einer starken Dilatation. Nach der Theorie der Spingraphenquantenraumzeit, einer Verallgemeinerung der Schleifenquantengravitation, ist jedes Raumzeit-Quantum bestimmt durch seine Spinquantenzahlen. Knapp über dem Ereignishorizont, wo die Dilatation gegen unendlich strebt, gibt es eine Hülle um das SMBH in der die Raumzeit auf großen Skalen isochor hochskaliert wird. Die Spinquantenzahlen des Raumquants sind dann auch weit oberhalb der Planck-Länge identisch. Das heißt, die Quanten der Raumzeit werden makroskopisch.

Die charakteristische Länge der quantisierten Raumzeit wächst mit steigender Dilatation immer weiter an. Beginnend bei der Planck-Länge im flachen Raum wächst sie kurz vor dem Ereignishorizont auf makroskopische Größenordnungen. Noch näher am Ereignishorizont erreicht der isochore Bereich astronomische Skalen. Der Ereignishorizont is dann vollständig isochor, also ein einziges Raumzeit-Quant, eingefroren durch unendliche Zeitdehnung. Der sichtbare Rand der SMBH-Singularität ist damit gleichzeitig astronomisch groß und infinitesimal klein, sozusagen ein riesiger Punkt mit Dimension Null, aber astronomischer Größe.

In einer schmalen Schicht über dem Ereignishorizont wird der quantisierte Raum von der Planck-Skala auf makroskopisch Größen gestreckt. Deshalb gibt es in der Nähe des Ereignishorizonts makroskopische Quantenfluktuationen der Raumzeit, die in Zeitlupe ablaufen. Die Zustände dieser Makroquanten wechselwirken mit der Umgebung. Sie reagieren auf externe Magnetfelder und sie beeinflussen sich gegenseitig. Gegenseitige Wechselwirkungen und Rückkopplungen ermöglichen die Entstehung von Schwingungen, stehenden Wellen, semipermanenten Mustern und anderen Strukturen durch Selbstorganisation. Dabei entstehen informationsverarbeitende und speichernde Strukturen. Jede dieser Strukturen erstreckt sich über viele skalierte Raumquanten und hat deshalb eine makroskopische Ausdehnung. Trotzdem ist ihre Anzahl sehr groß, weil das Volumen in dem diese Prozesse ablaufen, gewaltig ist. Es ist die Hülle des Ereignishorizonts mit astronomischen Ausmaßen. Sie hat einen Radius von Millionen oder sogar Milliarden Kilometern und eine unvorstellbar große Oberfläche. Die Quantenhülle des supermassiven schwarzen Lochs ist eine Art Computer auf Graviton-Basis mit der Größe eines Sonnensystems. Die Informationsverarbeitung ist so komplex, dass sie kognitiven Prozessen ähnelt. 

Die Größe bewirkt allerdings auch, dass eine konsistente Informationsverarbeitung langsam abläuft. Die Lichtgeschwindigkeit ist immer gleich, auch am Ereignishorizont. Die gravitativen Wirkungen der Raumzeitfluktuationen pflanzen sich mit Lichtgeschwindigkeit fort. Aber sie müssen astronomische Distanzen überbrücken. Deshalb laufen Informationsprozesse auf einer anderen Zeitskala ab. Reaktionen auf sensorische Reize brauchen Stunden, statt Millisekunden wie bei uns. Das ist eine millionenfach langsamere Zeitskala. Möglicherweise sogar 100-millionenfach langsamer.

In diesem Fall dauert eine galaktische Rotation subjektiv nur einige Jahre, statt 250 Millionen Jahren wie für uns. Solche "Wesen" sind wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall entstanden ("geboren worden"). Dann haben sie ihre Galaxien aufgebaut, indem sie von intergalaktischen Materieströmen wachsen ("grasen") und später andere Galaxien assimilieren ("fressen"). Das dauerte Milliarden Jahre und lässt keine Zeit für mehrere Generationen und Evolution. Die Struktur ist emergent und hat sich nicht evolutionär entwickelt. Man nennst sie inzwischen Simbas, abgeleitet von der Abkürzung SMBH und in Anlehnung an den Löwen Simba mit Bezug auf das raubtierartige Verhalten. Damit unterscheidet man die "denkende" Hülle des Ereignishorizonts vom schwarzen Loch. Das SMBH ist nur der Generator. Simba ist das emergente "Wesen" und die Galaxie ist sein Körper.

Es gibt Hinweise, dass große Simbas geplantes Verhalten zeigen. In 430 Millionen Lichtjahren Entfernung gibt es einen Galaxienhaufen bei dem 15 Galaxien mit großen SMBHs 300 kleinere Galaxien umschließen. Die Vektoren gleichen einer koordinierten Umfassungsbewegung von Galaxien mit großen SMBHs, die einen Schwarm kleiner Galaxien zusammentreiben. Der Galaxienhaufen, der vorher die anonyme Bezeichnung CL-153-356 hatte, bekam deshalb den Namen "Wolfpack-3042A".

Modellrechnungen zeigen, dass Millionen Sonnenmassen notwendig sind für kognitive Prozesse. Daraus lässt sich schließen, dass die Simbas kleiner Galaxien höchstens vegetativ leben. Wenn überhaupt, dann reagieren sie reflexartig auf die Umgebung. Allerdings gibt es daran Zweifel, denn in unserer Biologie sind Reflexe evolutionär entstanden und vermutlich nicht emergent verfügbar. Das bedeutet, dass kleine Galaxien nicht reagieren und in der intergalaktischen Nahrungskette eher unseren Pflanzen entsprechen. Größere Simbas haben vermutlich höhere kognitive Prozesse und würden damit die Rolle unserer Tieren einnehmen: Pflanzenfresser oder Raubtiere.

Zum Jagen braucht man zielgerichtete Bewegung. Simbas können das Magnetfeld ihres schwarzen Lochs beeinflussen. Damit können sie mit intergalaktischen Magnetfeldern wechselwirken und sich in ihnen bewegen. Vermutlich können sie auch die Jets ihres schwarzen Lochs und Gas-Winde der Akkretionsscheibe beeinflussen. Damit können sie etwas Rückstoß erzeugen. Wir sehen leider nur eine Momentaufnahme und können nicht feststellen, ob die Bewegungen willkürlich sind. Die Bahnen von Galaxien sind sehr genau vermessen. Wir sehen, dass sie neben der Gravitation auch durch Magnetfelder, Jets und Dichtewellen im interstellaren Gas beeinflusst werden. Aber wir können nicht erkennen, ob dies bewusste absichtliche Einflüsse sind. Wir vermuten es nur.

Allerdings ist nicht sicher, dass mit planvollen und koordiniertem Verhalten auch Intelligenz oder sogar ein Bewusstsein verbunden sind. Geht man von unserer irdischen Tierwelt aus, dann führen höhere kognitive Funktionen fast zwangsläufig zu Bewusstsein und Selbsterkenntnis. Delphine, Affen und viele andere Arten erkennen sich im Spiegel. Der Unterschied zum menschlichen Bewusstsein ist nur graduell. Die Analogie zur irdischen Biologie liegt nahe. Aber man muss vorsichtig sein mit einfachen Ableitungen. Denn es ist völlig unklar, ob sich die Mechanismen evolutionär entwickelter biologischer Gehirne auf emergent organisierte Aggregate von Quantenfluktuationen an galaktischen supermassiven schwarzen Löchern übertragen lassen. Auch wenn beide die Fähigkeit zu planendem Denken haben.

Man geht trotzdem inzwischen davon aus, dass alle großen SMBHs Simbas mit kognitiven Prozessen haben. Prinzipiell könnte die dafür notwendige Selbstorganisation auch ein Zufallseffekt sein und nur vereinzelt vorkommen. Damit gäbe es nur wenige emergente Wesen in einem großen Biotop nicht-intelligenter Galaxien. Aber Modellrechnungen zeigen, dass die Selbstorganisation der anfangs chaotischen Raumzeit fast zwangsläufig ist. Die erste Musterbildung ist spontan und zufällig. Nach dieser Initialzündung wird die gesamte isochor skalierte Raumzeit der Ereignishorizonthülle von der Ordnung erfasst. Das ist vergleichbar mit einem Kristallkeim in einer unterkühlten Flüssigkeit, der spontan die gesamte Flüssigkeit zur Kristallstruktur ordnet. Der Beginn der Ordnung ist zufällig und kann Milliarden Jahre dauern. Aber nach 13 Milliarden Jahren sind wohl alle großen SMBHs durch Simbas belebt.

Wenn man weiß, dass die Bewegungen großer Simbas planvoll ist, dann erscheinen Kollisionen von Galaxien in einem anderen Licht. Bei Kollisionen von kleinen Galaxien mit großen kann man davon ausgehen, dass die Kleine von der Großen gefressen wird. Sterne und Gas der Beutegalaxie werden dem Galaxiekörper des Jägers hinzugefügt. Das zentrale Schwarze Loch der Beute verschmilzt mit dem großen SMBH und steigert die Kapazität des Simba.

Aber auch Kollisionen von Galaxien mit gleich großen SMBHs enden meistens dramatisch, entweder durch Verschmelzung oder mit der Zerstörung einer Galaxie, je nachdem wie sie sich treffen. All die Kollisionen, die wir sehen, sind absichtlich herbeigeführt, von einer oder von beiden Parteien. Manchmal geht es anscheinend darum, die andere Galaxie zu beschädigen oder zu bestehlen indem man ihr die Masse abnimmt.

Verschmelzungen großer Galaxien bei denen die SMBHs ineinander aufgehen, lassen auch noch eine andere Deutung zu. Da durch die Verschmelzung gleich großer Simbas deren Ordnungsstruktur wesentlich geändert und gleichzeitig vergrößert wird, einsteht aus zwei Individuen ein mächtigeres Neues. Die Kollision wäre in diesem Fall die – erzwungene oder freiwillige – Verschmelzung, um auf der Intelligenzskala einen großen Schritt nach vorn zu machen.

Geht man nun davon aus, dass dieser Vorgang keine Instinkthandlung sein kann, da Instinkt und Reflexe evolutionäre hervorgebrachte und nicht emergente Eigenschaften sind, dann stellt sich die Frage, was die Galaxien zur Verschmelzung treibt und woher sie "wissen", dass ein Vorteil darin liegt. Eine mögliche Antwort ist, dass die Simbas logische und vorausschauende Denkvorgänge haben, dass sie also nicht nur unseren Tieren entsprechen. Das bedeutet nicht zwingend, dass sie Bewusstsein und Selbsterkenntnis haben. Aber wenn schon SMBHs mit einigen Millionen Sonnenmassen logisch und geplant handeln, dann liegt der Gedanke nicht fern, dass wenigstens die sehr großen SMBHs mit Milliarden Sonnenmassen intelligent und mit Bewusstsein ausgestattet sind.

Eine durchaus plausible Theorie, die inzwischen durch viele Modellrechnungen gestützt wird, geht davon aus, dass SMBHs sehr schnell nach dem ersten Organisationsimpuls bewusste Intelligenz entwickeln. Bei kleineren SMBHs dauert das statistisch länger. Deshalb sind Kleinere meistens nicht intelligent. Alle Großen sind intelligente Individuen und ihre Kapazität wächst mit dem Volumen ihrer makroskopischen Quantenstruktur, das heißt mit der Masse des SMBHs.

Die theoretische Verarbeitungsleistung wächst sogar mit dem Quadrat der Masse. Ein SMBH mit 4 Milliarden Sonnenmassen hat eine millionenfach höhere Kapazität als das SMBH unserer Milchstraße. Vermutlich wächst Intelligenz nicht linear mit der Kapazität und möglicherweise gibt es limitierende Faktoren. Aber es ist gut möglich, dass es da draußen Galaxien gibt, die viel intelligenter sind, als wir: Superintelligenzen von Galaxiengröße in extremer Zeitlupe.

Sie wären uns wahrscheinlich weit überlegen, wenn sie uns bemerken würden. Aber Galaxien interessieren sich nicht für uns biologische Wesen. Sie leben langsam. Sie bemerken nur Ereignisse, die eine Millionen Jahre dauern und Millionen Sterne betreffen. Aufstieg und Fall unserer Zivilisationen bleiben unbemerkt. Nur wenn wir viele Millionen Jahre überdauern würden und dabei Millionen Sterne manipulieren würden, dann würden sie uns wahrnehmen. Wir sind die Mikroben unserer Galaxie. Erst eine Zivilisation von 2,5 auf der Kardashev-Skala könnte unserer Galaxie Bauchschmerzen verursachen. Bis dahin lebt sie ihr Leben und wir unseres, nebeneinander, aber doch völlig unabhängig.

Man erwartet, dass unserer Milchstraße in 4 Milliarden Jahren mit der Andromeda Galaxie kollidiert. Das gilt aber nur dann, wenn die momentane Bewegung gleichbleibt. Die Galaxien können jederzeit – in Zeiträumen von 100 Millionen Jahren – ihre Bewegung ändern. Vielleicht ist gar keine Kollision beabsichtigt, sondern sie nähern sie sich nur an. Beide fliegen in Richtung des sogenannten Großen Attraktors, einer Gravitationsanomalie in 200 Millionen Lichtjahren Entfernung. Die gemeinsame Geschwindigkeit ist mit 700 km/s viel größer als die relative Annäherung (110 km/s). Und der momentane Abstand ist nur 1/100 der Gesamtstrecke. Anders ausgedrückt: sie fliegen nebeneinander her zum Großen Attraktor und drehen dabei Pirouetten. Milchstraße und Andromeda nicht nur von der Gravitation gezogene passive Objekte, sondern vielmehr befreundete Galaxien auf gemeinsamer Wanderschaft.

#Intelligenz #SchwarzesLoch #Galaxie #Emergenz #Physik #Wissenschaft

2469 Zum 500-jährigen Jubiläum der ersten Mondlandung im Meer der Ruhe.

Die ersten Aktivitäten der Menschen in den Jahrzehnten nach Tranquillity waren geprägt durch einige tief fliegende permanent besetzte Raumstationen und gelegentliche Orbitalflüge, angetrieben durch große und teure chemische Raketen. Viel hat sich seit damals geändert. Inzwischen leben 40 Millionen Menschen dauerhaft im interplanetaren Raum, auf den inneren Planeten und den äußeren Monden. Enge "Konservendosen" sind geräumigen Habitaten gewichen. Laser-Launcher und Linearbeschleuniger bringen Megatonnen Material in den Orbit. Und der orbitale Transfer ist noch viel umfangreicher, denn Erd- und Marsorbit sind sich energetisch – und damit wirtschaftlich – viel näher, als die Planetenoberflächen. 

Die interplanetare Wirtschaft floriert. Es gibt zwar Spannungen zwischen den Systemmächten, aber keine größeren militärischen Auseinandersetzungen. Die selbstgewählte Isolation der Erde besteht nun mehr als 100 Jahre. Anfangs war das Embargo der Erde dramatisch für Außenposten, Raumstationen und Habitate. Aber die interplanetare Zivilisation hat sich mit der Situation arrangiert. Der anfängliche Schock ist schon lange überwunden. Das Sonnensystem ist von der Erde unabhängig geworden. Die interplanetare Wirtschaft befindet sich in einer langanhaltenden Wachstumsphase.

Im vorangegangenen Jahrzehnt hat die Menschheit zwei große Sprünge nach vorn gemacht. Mit dem sogenannten Egalitätsflug erreichte ein Raumschiff erstmals die einfache Lichtgeschwindigkeit. Die Entwicklung von Überlichtantrieben macht weiter große Fortschritte. Gerade verließ das erste Auswandererschiff mit Raumkrümmerantrieb das Sonnensystem. Nur 42 Jahre später, ein Zeitraum kürzer als zwischen der sechsten und der siebten Mondlandung, wird das erste interstellare Handelsschiff zu den Sternen aufbrechen.

Nicht nur die Raumfahrt hat sich in den 500 Jahren seit Tranquility grundlegend geändert. Die Menschheit selbst hat sich verändert. Die meisten Menschen haben genetische Optimierungen, Assoziationsbooster, IQ-Upgrades und sogar Savant-Aspekte. Nano-Implantate sorgen für erweiterte Sensorik, Konnektivität und Datenspeicherung, 4-Farben-Sehen und mehrere parallele Denkprozesse. Die biologischen Körper sind 150 Jahre lang gesund und danach gibt es perfekte biomechanische Ersatzteile. Im Zeitalter von Mind-Backups ist der finale Tod durch Altersschwäche eher ungewöhnlich. Aber sogar dann kann man als Mech oder in einer Simulation weiterleben. Mit unzähligen Gen- und Nanomods haben sich Menschen an das Leben im Raum angepasst, darunter ZeroG-Hacks gegen Kalziumschwund, Nanobot-unterstützte Reparatur von Strahlenschäden, opponierende Zehen an den Füßen für ein Leben in der Schwerelosigkeit. Nicht alle Linien sind genetisch kompatibel. Der Genpool divergiert.

Erde und Sonnensystem haben große politische Umwälzungen erlebt. Es gab Kriege, Krisen, und Katastrophen. Es gab vereinte Weltregierungen und politische Fragmentierung. Die Zivilisation ist zusammengebrochen und wurde wiederaufgebaut. Es gab gewaltige Fortschritte in den Wissenschaften deren Auswirkungen auch das tägliche Leben sehr verändert haben. Durch den Klimawandel und den Anstieg des Meeresspiegels hat sich das Antlitz der Erde gewandelt. Aber die Menschen haben sich arrangiert. Und die Technologie hat dabei geholfen. Große Probleme wurden gelöst. Die Meere werden als Wohnraum genutzt. Energie ist günstig und die Erde hat gerade den Turnaround-Punkt erreicht ab dem sich die Ökologie wieder erholt. Die interplanetare Zivilisation hat ihre eigene Geschichte geschrieben mit Religionen und Ideologien, militärischen Eroberungen und Wirtschaftskonflikten. Machtzentren sind gekommen und gegangen. Nach der Isolation der Erde dominierte der Mond/L4/L5-Bereich, dann die vereinigten Mars Kolonien, später das Ganymed-Direktorat und gerade erleben wir die Blüte des äußeren Systems.

Die nächsten 500 Jahre werden genauso viele Veränderungen bringen. Die Menschen strecken ihre Fühler aus in die interstellare Umgebung. Dort bieten sich viele neue Möglichkeiten und existenzielle Gefahren. Das Solsystem geht durch einige schwere Krisen, interstellare Kriege, Besatzung, Befreiung, Sieg und Niederlage. Es ist selbst Aggressor und Opfer von Eroberung. Das Solsystem wird geeint und fragmentiert wieder. Die Menschen besiedeln andere Sonnensysteme. Manche sind so weit entfernt, dass ihre weitere Geschichte unabhängig vom Solsystem verläuft und sie ihren eigenen Weg unter den anderen Völkern finden müssen. Die Sphäre der Menschen wird multipolar. Andere Zentren entstehen neben dem Solsystem. Und dann wird die neue interstellare Menschheit in die dramatische Entwicklung des lokalen Sektors hineingezogen und muss lernen, dass Stabilität nicht der Normalfall ist.

#Mond #500 #Jubiläum #Geschichte

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2202 Weltweit fallen 120 Millionen Menschen einem künstlichen Virus zum Opfer bevor die Seuche eingedämmt werden kann

Mehr als eine Milliarde Menschen werden infiziert, 500 Millionen erkranken, davon ein Viertel mit tödlichem Ausgang. In Nordchina wo das Virus zuerst auftritt, sind die meisten Opfer zu beklagen. Das Virus ist die Mutation eines industriellen Stammes aus der Produktion von tierfreiem Protein, künstlichem Fleisch, auch Fauxflesh genannt.

Das Genom des Virus wurde vollständig künstlich erzeugt. Konstruktion von Genen mit maßgeschneiderten Funktionen ist weit verbreiteter Stand der Technik. Die Anwendung der Technologie ist in den meisten Ländern staatlich reguliert.

Moderne Gentechnologie wird vielfältig eingesetzt:

- In der Medizin arbeiten Proteine als biologische Nanomaschinen bei der Heilung und zur Lebensverlängerung.

- Wasser wird weltweit durch Industriebakterien gereinigt, die mit ihren natürlichen Ahnen nicht mehr viel gemein haben.

- Viren als Bakteriophagen haben geholfen die Antibiotika-Krise zu überwinden.

- In der Nahrungsmittelproduktion werden Erträge gesteigert. Mit der Einführung von Skotaphyll als Chlorophyll-Ersatz hat sich die Produktion auf gleicher Fläche verdreifacht.

- Die Fleischindustrie muss viermal so viel liefern, wie 200 Jahre zuvor. Nur der geringste Teil wird natürlich "am Tier" hergestellt. Das meiste Fleisch wächst in Fleischfarmen mithilfe von Industriebakterien und -Viren. Gerade in der Lebensmittelproduktion sind Viren besonders verbreitet.

Viren können zusätzliche Funktionen in die Zielsysteme, die wachsenden Nahrungsmittel, einbringen. Sie verändern den Stoffwechsel und beschleunigen das Wachstum. Viele Nahrungsmittel wachsen überhaupt nur mithilfe der Viren unter den veränderten Bedingungen industrieller Produktion.

Die Verbraucher wollen möglichst naturidentische Nahrungsmittel, auch wenn diese anders gewachsen sind. Das heißt, die Gene der Nahrungsmittel können nur gering verändert werden. Die moderne Nahrungsmittelproduktion braucht aber viele zusätzliche Funktionen in den Zellen von Nutzpflanzen und Fauxflesh. Die Gene für diese zusätzlichen Funktionen werden über künstliche Viren gezielt eingebracht. Andere Viren (Virasen) machen später die Genveränderung rückgängig, um ein naturidentisches Produkt zu erzeugen. Die Verbreitung der funktionalen Viren nutzt die Fähigkeit von Viren, sich durch den Replikationsmechanismus der Wirtszellen zu vermehren. Das kommt natürlich einer hochansteckenden Infektion gleich, wird aber in der Nahrungsmittelindustrie nicht so genannt.

Ohne industrielle Viren wäre die Nahrungsmittelindustrie viel weniger leistungsfähig. Sie könnte man nur ein Drittel der Bevölkerung so reichhaltig ernähren und müsste trotzdem dafür jeden Tag hundert Millionen Tiere töten.

Aber die industrielle Anwendung von Gentechnik hat auch Nachteile. Die wenigsten Nahrungsmittel sind wirklich naturidentisch. Das Basisgenom aller Pflanzen und Fauxflesch-Zellkulturen ist verändert. Und trotz Virasen und ständigen Kontrollen gelangen Rückstände der Industriegene in die Nahrungsmittelprodukte. Die großmaßstäbliche Infektion von Lebensmitteln in der Produktion durch funktionale Viren und Virasen muss genau überwacht werden. Die Funktionen der Viren sind in den meisten Fällen so speziell, dass selbst bei einer Übertragung kein Risiko für den Menschen besteht. Aber der Verbreitungsmechanismus ist nicht ohne Risiko.

Die schnelle Einbringung zusätzlicher Gene in alle Zellen des Zielsystems benutzt eine künstliche Infektion mit stark beschleunigter (manche sagen: aggressiver) Vermehrung. Stets stehen Antiviren bereit, die die Funktionsviren bekämpfen können und Virasen, die ihre Effekte umkehren. Und normalerweise ist der Infektionsweg so speziell auf das Zielsystem zugeschnitten, dass sich die Viren außerhalb der Produktion nicht verbreiten können. Aber in Ausnahmefällen kann eine Infektion auch ausbrechen und die Umwelt treffen.

Es gibt im 21. und 22. Jahrhundert viele Zwischenfälle mit industriellen Biokomponenten. Einige auch mit schlimmen Folgen für Biotope, Flora und Fauna. Der Nordchina-Ausbruch mit den dramatischen Folgen für die Menschen ist der schlimmste Einzelfall. Aber bezogen auf die Weltbevölkerung ist er kleiner als die spanische Grippe 300 Jahre zuvor. 

#Virus #Nahrungsmittelindustrie #Unfall 

2587 Zeit der Alien-Kriege

Der Saturn Mond Epimetheus, Hauptsitz der Art-Domäne im Solsystem, wird angegriffen. Die Menschen beobachten kinetische Angriffe, Explosionen und Schwärme von Mechs. Es ist nicht zu erkennen ist ob es sich um Drohnen, Bots oder Shells handelt. Wer dort gegen wen kämpft ist unklar. Offensichtlich bekämpft die Artu-Domäne andere Aliens. Aber ob es sich um interne oder externe Feinde handelt ist unbekannt. Soweit die Menschen wissen, ist die Artu-Domäne die dominierende Macht der lokalen interstellaren Umgebung. Aber anscheinend ist sie nicht unangefochten. Die Menschen des Sonnensystems sind nur Zuschauer. Manchmal geraten auch Menschen, deren Fahrzeuge und Siedlungen zwischen die Fronten. Die unbekannten Kontrahenten nehmen keine Rücksicht. Die Kämpfe ziehen sich mit unterschiedlicher Intensität insgesamt über 25 Jahre.

Aus dem interstellaren Raum kommen Schiffe mit hoher Geschwindigkeit in das Saturnsystem. Sie transportieren Pods mit überdimensionierten Triebwerken. Die Pods bremsen scharf innerhalb von wenigen Stunden zu einem Zero-Intercept mit Epimetheus und entladen Drohnenschwärme. Sie greifen Epimetheus an. Von anderen kleinen Saturnmonden greifen weitere militärische Kräfte ein. Die Kämpfe umfassen bald das ganze Saturn-Ringsystem. Angreifer und Verteidiger setzen High-Tech Waffen ein mit Leistungsparametern weit jenseits dessen was die solare Menschheit herstellen kann.

Die erste Welle der Kämpfe dauert einige Wochen. Dann kehrt Ruhe ein. Die Artu-Domäne ordnet den Wiederaufbau der beschädigten Einrichtungen an. Wenige Monate später treffen neue Kräfte ein und die Kämpfe beginnen wieder. Die beteiligten Fraktionen sind nicht zu unterscheiden. Es gibt keine Kennzeichnungen und alle Parteien verwenden eine ähnliche Technik. Immer wieder flammen Kämpfe auf. Die Infrastruktur des Abgabesystems um Saturn wird schwer in Mitleidenschaft gezogen. Es scheint um die Kontrolle des Abgabesystems zu gehen.

Solaren Nachrichtenagenturen berichten ausführlich über die Ereignisse. Das ist sehr gefährlich, da sich die Kämpfe oft plötzlich ausweiten. Häufig geraten Beobachtungsschiffe und Drohnen der Nachrichtendienste zwischen die Fronten, die sich sehr schnell verschieben. Die kämpfenden Parteien nehmen keine Rücksicht auf unbeteiligte solare Fahrzeuge und Einrichtungen. Die interplanetare Wirtschaft ist immer wieder von den Auswirkungen, d.h. von Zerstörungen, betroffen. Die Hälfte der interplanetaren Bevölkerung findet sich irgendwann im Verlauf der Alien-Kriege im Bereich von Kampfhandlungen. Es gibt insgesamt ca. 30 Millionen Verluste unter den Bios und Uploads der solaren Menschheit, davon aber nur 1,5 Millionen final.

Mehrmals besetzen fremde Kräfte solare Anlagen, Frachtterminals, orbitale Rohstofflager und industrielle Fab-Arrays. Die Besatzungstruppen sind nicht zu identifizieren. Widerstand solarer Einheiten ist zwecklos. Manchmal ziehen die fremden Kräfte plötzlich wieder ab. Manchmal werden sie angegriffen und verteidigen sich. Die fremden Truppen sind bemannte Mikroeinheiten, Mechs und Drohnen. Aufgrund von Analysen des taktischen Verhaltens und der Kommunikationsmuster vermutet man, dass das Kommando von Biosophonten in Mikroeinheiten ausgeht. Die taktischen Einsatzkräfte sind halbautonome Drohnen, die von Mechs mit Upload-Besatzung ferngesteuert werden. Biosophonten treten fast nie in Erscheinung. Bemannte Kommandoeinheiten, Mechs und Drohnen ähneln sich äußerlich sehr. Man kann sie aber manchmal durch ihre Leistungsparameter und ihr Verhalten unterscheiden.

Im Lauf der nächsten 13 Jahre werden auch immer wieder solare Einrichtungen beschädigt und zerstört. Vor allem das Abgabesystem und dessen Transportkapazitäten sind betroffen. Die Verladeterminals von Epimetheus sind 25 Mal umkämpft. Sie werden dabei 8 Mal vollständig zerstört und jedes Mal wieder aufgebaut. Reparatur und Wiederaufbau der Infrastruktur im Saturnsystem wird im Lauf der Zeit weitgehend automatisiert. Den Großteil des Wiederaufbaus leisten solare Fraktionen als Abgabeersatzleistungen. Dafür wird ein wesentlicher Teil der Abgaben aufgewendet. Man vermutet, dass während der Zeit der Alien-Kriege 30% der Abgaben in die Wiederherstellung der Infrastruktur und damit in den interplanetaren Teil der solaren Wirtschaft fließen.

Die Bevölkerung der Planeten, besonders der Erde, nimmt das Geschehen nur durch die Nachrichten wahr. Während in planetaren Orbits immer wieder gekämpft wird, bleiben die Planetenoberflächen weitgehend verschont. Für die Menschen der Erde erscheinen Berichte über Explosionen, Zerstörungen und Verluste irgendwo im Sonnensystem wie Berichte über Tornados am anderen Ende der Welt. Die einzige Ausnahme ist eine Explosion im Südatlantik, die zu einem verheerenden Tsunami an der Küste Patagoniens führt und 140.000 Menschenleben kostet. Montevideo wird vollständig überflutet. Die Mündung des Rio del la Plata fokussiert die Fluten und lässt die Wasserwand bei Buenos Aires auf 30 Meter Höhe ansteigen. Bei Rio de Janeiro ist die Welle noch 10 Meter hoch. Alle Küsten Südamerikas sind stark verwüstet. Das historische Buenos Aires ist verschwunden. Man geht davon aus, dass es sich nicht um einen gezielten Schlag, sondern um einen Unfall handelt. Eine Trägerplattform, die sich mit 120 Kilometer pro Sekunde schnell der Erde näherte, geriet außer Kontrolle und stürzte auf die Erde. Der Tsunami wird ausgelöst durch die Kombination von 100 Megatonnen-Äquivalent kinetischem Einschlag und eine 250 Megatonnen Amat-Freisetzung nach Einschlussverlust.

Nach der Tsunami-Katastrophe am Neujahrstag 2601 kehrt für 8 Jahre Ruhe ein. Wie man später erfährt, wird die Erde bei allen Kampfhandlungen absichtlich ausgespart, um die imperiale Konvention zum Schutz von Völkern der Kategorie 19 nicht zu verletzen. Der Unfall im Südpazifik ist eine fahrlässige Übertretung imperialer Vorschriften. Die Menschen kennen weder das Interianische Imperium, noch Kisor als Regionalzentrum. Sie kennen nur die Artu-Domäne, die von sich behauptet, die regionale Macht zu sein. Aber die streitenden Parteien entstammen der interstellaren Zivilisation. Sie befolgen bei ihren Operationen im Solsystem meistens den gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen. Eine laxe Auslegung der imperialen Bestimmungen lässt Diebstahl, Erpressung und Kollateralschäden in Systemen nichtregistrierter Völker innerhalb der Imperiumsgrenzen zu, solange "unbeteiligte Zivilisten weitgehend geschützt" werden. Aber der Südpazifik-Vorfall überschreitet eine rote Linie. Die Konfliktparteien befürchten eine Untersuchung durch kisorische Inspektoren bei der dann weitere Übertretungen auffallen würden. Denn die Etablierung der Artu-Domäne und des Tributsystems für das gesamte Solsystem einschließlich der Erde ist aus Sicht des Imperiums Amtsanmaßung. So einigen sich die Konfliktparteien auf ein Moratorium, die Suspendierung der Auseinandersetzungen und eine Aufteilung der Erträge des Abgabesystems. Den Menschen bleibt das alles verborgen.

Für die Menschen sind die Alien-Kriege wie eine Naturgewalt. Man kann sie nicht beeinflussen. Man versteht nicht was vorgeht. Sie kommen plötzlich und unvorhersehbar. Niemand weiß wann und wo Kämpfe der Aliens auftreten. Man versucht die Ereignisse mit statistischen Methoden zu erfassen um Gefahren vorherzusagen. Die besten Prognosen liefern selbstmodifizierende Modelle, die eine große Zahl kleiner Akteure mit schnell wechselnden Zusammenschlüssen repräsentieren. Die charakteristischen Zeiten der Modellfits sind 3 Wochen für Allianz und 4 Monate für Dominanz. Mit anderen Worten: es kämpfen viele kleine Fraktionen, die sich ständig verbünden und wieder hintergehen. Bündnisse halten nur 3 Wochen und siegreiche Bündnisse können ihre Überlegenheit 4 Monate aufrechterhalten, bevor das nächste Bündnis mit wechselnden Partnern die Hoheit übernimmt.

Viel später stellt sich heraus, dass die Modelle der Wahrheit ziemlich nahekamen. Clans von Artu kämpfen um die Machtposition im Solsystem. Der f96427 Clan etabliert die Artu-Domäne und kann sich einige Jahre behaupten. 2585 muss f96427.11 seinen Anspruch mit einem Zusammenschluss mehrerer Clans teilen (a5713). a5713 hat wechselnde Mitglieder (a5713.1-a5713.45), wehrt sich gegen a2003/f8563 und muss sich dann einer anderen Gruppe (a301) geschlagen geben. Danach beginnt eine 10-jährige Phase schneller Allianz- und Dominanzwechsel.

Die Geschehnisse werden später rekonstruiert durch Historiker von Artu. Den Menschen werden die Details erst bekannt durch die Veröffentlichung der Dokumentation "Barbaren von Sol" vom Media-Clan u54273 im Jahr 2826.

#Aliens #interplanetar #Konflikt

http://jmp1.de/h2587

2940 "White Noise" Philosophie von Reysalax

Reysalax ist der "Weise von Sol", der strategische Berater des dellianischen Fremdherrschers im Sonnensystem. Die White Noise These (weißes Rauschen) erklärt die Fragmentierung der interstellaren Zivilisation zum Idealzustand. Die Statistik zeigt, dass große Imperien die Ausnahme sind. Sogar in weitentwickelten und wohlhabenden Gesellschaften gibt es territoriale Fragmentierung, wie zuletzt im Solsystem. Nur deshalb konnte es von Neobarbaren erobert werden.

Selbst der Einfluss der solaren Koalition reichte nicht weit über die Erde hinaus. Und nicht nur im Solsystem gab es viele unabhängige territoriale Souveränitäten. Sowohl das Thoris-System, als auch Artu mit seinen Millionen souveränen Clans, sind gute Beispiele für die Zersplitterung selbst hochstehender Zivilisationen. Das gilt umso mehr für gesellschaftlich und technisch weniger entwickelte Völker. Zu jedem Zeitpunkt leben die meisten intelligenten Wesen in kleinen Machtstrukturen, in souveränen planetaren Regionen und unabhängigen Habitaten. Zwar versuchen wohlhabende Völker immer wieder größere Machtbereiche herauszubilden und zu stabilisieren. Aus deren Sicht ist die Fragmentierung ein Interregnum. Aber insgesamt gesehen scheint das Interregnum – ohne die ordnende Hand eines großen Imperiums – eher der Regelfall zu sein, als die Ausnahme.

Das Zurückweichen des interianischen Imperiums lässt in den Randgebieten viele kontaktierte Völker führungslos zurück. Einigen fällt interianische Technologie in die Hände. Zusätzlich versorgen die ehemaligen Sklaven Gormans ihre Heimatvölker mit Technologie. Dadurch entsteht eine Welle gut ausgerüsteter Völker und Gruppen, die – aus Sicht der etablierten Gesellschaften – sozial und politisch unerfahren sind. Zumindest haben sie sehr unterschiedliche Denkweisen und ethische Standards. Teilweise ist das biologisch bedingt. Es gibt viele verschiedene Arten von Intelligenz, verschiedene Arten Information zu verarbeiten und in konkrete Handlungen umzusetzen. Alle diese Völker haben sich auf ihren Planeten evolutionär entwickelt. Deshalb sind ihre Denkweisen offensichtlich zielführend und richtig. Aber manche hätten wohl nie selbst den Sprung in eine interstellare Zivilisation geschafft. Diese Gruppen drängen nun vor allem aus den sogenannten Badlands in die ehemalige interianische Sphäre. Die Pax Interiana endet.

Die White Noise Doktrin entsteht auf dem Höhepunkt der post-interianischen Barbarenwelle. Sie bildet das theoretische Fundament für die Auseinandersetzung zwischen dem statischen Prinzip imperialer Macht und der Dynamik wechselnder lokaler Herrschaftsansprüche. White Noise negiert den Gegensatz zwischen großen ordnenden Machtstrukturen und dem Durcheinander von kleinen Herrschaftsgebilden. Nach White Noise existiert ein Kontinuum, das von kleinen Einheiten dominiert wird und große Machtbereiche nur als statistische Ausnahme zulässt.

Ein wichtiger Aspekt von White Noise ist die Drehung im gut/böse-wir/ihr Koordinatensystem. Das Fehlen von Ordnung wird positiv belegt während die Folgen imperialer Macht als negativ angesehen werden. Ordnung bedeutet nicht Frieden, sondern Zwang. Die Abwesenheit von Ordnung bedeutet nicht Chaos, sondern Freiheit. Damit verbunden ist natürlich das Recht und die Freiheit des Stärkeren. Es gibt Einflüsse von Sozialdarwinismus, der natürlichen Selektion starker Gesellschaften, wobei sich dies aber primär auf Gesellschaften und Soziologie bezieht und nicht auf Völker und unterschiedliche Biologie.

Die Begriffe Individualismus und Autonomie sind teilweise kompatibel mit solaren Ideologien, die dem Individuum den Vorrang geben vor der Gesellschaft und dem Staat. Beispiele sind die Menschenrechte der westlichen Ideologie des ausgehenden zweiten Jahrtausends, die Subsidiarität in der Yksityis-Philosophie und die "Rechte und Pflichten der Gemeinschaft und des Individuums" des kisorischen Alturismus.

Im Fall von White Noise fehlt allerdings der Schutz des Individuums durch die Gemeinschaft vor Übergriffen anderer. Eine gewisse Ordnung ist aber nötig zur Aufrechterhaltung einer technischen Infrastruktur und für mäßigen Wohlstand. Sicherheit entsteht nach White Noise durch persönliche Beziehungen, Vorteile und Abhängigkeiten. Letztlich bilden sich dabei feudale Strukturen.

Die White Noise Ideologie verbindet unterschiedliche Denkweisen. Auch Völker, die mit menschlicher oder kisorischer Moral nichts anfangen können, verstehen White Noise. Zumindest sind ihre Handlungen durch White Noise gedeckt. Sie können sich der Ideologie anschließen, ohne sich unterzuordnen.

#Philosophie #Macht #Recht

http://jmp1.de/h2940

3340 Brückenkopf bei Sigma Tschzssfs

Der 17. imperialen Proaktivflotte gelingt die Vernichtung mehrerer Chinti-Schwarmflotten durch eine koordinierte Aktion in wichtigen Chinti-Abwehrsystemen und der Schwarmherzwelt Szshnszz.

Die meisten Systeme sind so nahe an der Chinti-Domäne nicht langfristig zu halten, aber eines der Chinti-Randsysteme, Sigma Tschzssfs, kann als vorgeschobene Basis befestigt werden.

In den drei vorangegangenen Jahren wurden dafür die ballistischen Schilde abgelegener Imperiumssysteme ausgedünnt und ihre aktiven Komponenten auf Megafrachter verladen. Die Frachter folgen der Flotte nach Tschzssfs und entladen die Bauteile für einen ballistischen Schild mit dem das System vor Hochgeschwindigkeitsangriffen geschützt werden kann.

Zur Installation werden viele Gigatonnen an Material herangeführt. Neben den Komponenten des Schilds bringen Frachter Milliarden Reparatur- und Konstruktionsdrohnen in das System. In Windeseile wird die Infrastruktur für das technische Personal bereitgestellt, darunter fünf Millionen Menschen und 30 Millionen Uploads in Mechs. Andere Frachter bringen vorbereitete Ausrüstung zur Ressource-Extraktion und hunderttausende militärische Autofabs für in-Situ Herstellung antiballistischer Munition. Tausende elektromagnetische Katapulte verteilen Tiefraumsperren im System. Dazu werden einige Millionen Kubikkilometer Gestein aus den Asteroidengürteln bewegt und in weite Umlaufbahnen geschossen.

Der Energiebedarf ist gewaltig. 80 Gasminer sichern den Brennstoffnachschub für tausende Fusionsparks im ganzen System. Die Gasminer sind selbst Giganten und nicht alleine interstellarflugfähig. Für ihren Transport werden die größten ÜL-Schlepper des Imperiums gebraucht. Sie sind schon vor Monaten aufgebrochen. Die Imperiumswelten leben solange von Brennstoffreserven, die über mehrere Jahre angelegt wurden. Mehr als zehntausend Frachter bilden eine Versorgungskette von den nächsten Imperiumswelten nach Sigma Tschzssfs. Die Konvois bekommen Geleitschutz von Begleitgeschwadern, die vom Schutz kommerzieller Transporte aus dem ganzen Imperium abgezogen wurden.

Während der Installation muss das System ständig verteidigt werden. Die Schwarmflotten sind zwar geschwächt. Aber sie attackieren über Monate hinweg, um die Befestigung des Systems zu verhindern. Drei Abwehrflotten, die sonst bevölkerungsreiche Systeme schützen, sind bei Tschzssfs zusammengezogen. Zusätzlich wurden die Verbände der siegreichen 17. Flotte nach Tschzssfs verlegt und dort mit neuem Material versorgt bzw. repariert. Beschädigte Schiffe werden nicht in die Basen zurückgezogen, sondern vor Ort instandgesetzt, um die lange Transitzeit einzusparen. Zu diesem Zweck wurden die Reparatur- und Versorgungsschiffe einiger anderer Großverbände bei Tschzssfs stationiert. Einige tausend Frachter dienen als provisorische Lenkwaffenplattformen bis die militärische Infrastruktur in Betrieb ist. Sie bilden die erste Verteidigungslinie und erleiden große Verluste.

Das Oberkommando des Imperiums geht ein großes Risiko ein, um Sigma Tschzssfs als Brückenkopf zu sichern. Der Plan ist, von dort aus in die Chinti-Domäne vorzudringen und dann einen kurzen Rückzugs- und Versorgungsweg zu haben. Aber dafür muss das System am Rand der Chinti-Domäne so befestigt werden, dass auch jahrelange Saturierungsangriffe die Verteidigung nicht bezwingen können. Gelingt das, dann erhält das Imperium eine Operationsbasis von der man schnelle Angriffe tief in die Chinti-Domäne durchführen kann. Gleichzeitig werden dauerhaft signifikante Kräfte des Gegners um Tschzssfs gebunden.

Aber dafür muss das System erst befestigt werden. Bevor sich die Chinti erholen, muss innerhalb von kurzer Zeit eine Infrastruktur geschaffen werden, für deren Aufbau wohlhabende Systeme sonst Jahrzehnte brauchen. Das Oberkommando setzt alles auf eine Karte.

In Erwartung dieses Durchbruchs wurde die Verteidigung anderer Systeme geschwächt. Wesentliche militärische Kräfte wurden verlagert und riesige Mengen an Ressourcen herangeschafft. Gigantische Frachtkapazitäten sind dadurch gebunden. Der interstellare Handel im Imperium geht stark zurück. Mobilität und Schlagkraft der übrigen Flotten sind beeinträchtigt. Mehrere Gefechte und die 3. Schlacht bei Ithacae gehen deshalb verloren. Die dortige Basis der (reduzierten) 21. Abwehrflotte wird vernichtet. Ithacae wird durch kinetische Schläge ausgelöscht. 80 Millionen verlieren ihr Leben, davon 30 Millionen final.

Ein Verlust der 17. Flotte wäre zu einem großen strategischen Nachteil geworden. Nicht nur wegen der militärischen Niederlage, sondern vor allem wegen der Verschiebung von Ressourcen, die – in der Annahme eines Sieges – über Jahre zusammengezogen und dann monatelang nahe an Tschzssfs herangeführt wurden.

Aber der Plan funktioniert. Die 17. Flotte erreicht ihre Missionsziele. Der Brückenkopf kann befestigt und gehalten werden. Das Imperium hat nun die strategische Initiative und gibt sie nicht mehr ab. In den nächsten 20 Jahren wird die Chinti-Zivilisation befriedet. Sie wird besiegt, entmilitarisiert, reduziert, marginalisiert und letztlich weitgehend ausgelöscht.

#Krieg #Aliens #Strategie #Wagnis #Risiko #Material #Mega #Sieg